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Full text of "Das Johannesbuch der Mandäer"

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DAS JOHANNESBUCH 
DER MANDÄER 



VON 



MARK LIDZBARSKI 



ZWEITER TEIL 

EINLEITUNG 
ÜBERSETZUNG, KOMMENTAR 





VERLAG VON ALFRED TÖPELMANN 
(VORMALS J. RICKER) * GIESSEN * 1915 



Inhalt. 



Seite 

Einleitung v 

Kustäs Fragen 3 

[ösamin 1 

Der gute Hirte 42 

Die Uranfänge 54 

Sum-Ku§tä 58 

Jahjä- [öhänä 70 

Mirjai 123 

Der Seelenfischer . . . . 138 

Der Eisenschuh 164 

Die Mysterien 1*17 

Ermahnungen 169 

Drei Wünsche 172 

Ermahnungen 173 

Ein zweites Gebet . . . . 17h 

Der Pflug 177 

Ermahnungen 178 

Der Fluß Ksas 181 

[orabbä . . . * 182 

Sin 187 

Der fremde Mann in Jerusalem ig 1 



llihils Klage i (/ (, 

Der Makellose 200 

Der Schatz des Lehens . . 201 

Weitere I 1 " ragen 2 \ \ 

Die Weltschöpfung . . . 213 

Mänäs Sendung . . . . 217 

Der Pflanzer 2u> 

Der Gute und die Bösen . 220 

Der erste Sohn in der Tiefe 22 1 

Ermahnungen 224 

Gaf. Känath - Nituftä . . 226 

Die Besuche desMandä dHaije 2 2«) 

Abathurs Klage . . . . 232 

Der weiße Aar 235 

Anus- Uthras Bitte . . . 236 

Der Pfau 240 

Anos-Uthra in Jerusalem . 242 

Berichtigungen und 

Nachträge 245 

Register 24') 



Erläuterung der Zeichen 

in der Übersetzung. 

| ergänzte Lücke. 
( ) Zusatz des Übersetzers zur Erklärung. 
( ) zu beseitigender Einschub. 

unübersetzt gelassene Stelle. 

***** angenommene Lücke. 



Bei Zitaten aus dem Johannesbuch beziehen sieh einfache Zahlen 
(/.. B. 264, 12; 271,3) auf den Text, Zahlen mit davorstehendem S. (z. B. 
S. 211,3; 22 3> J 7) au ' ( ' u Übersetzung. Die hochstehenden Zahlen be- 
ziehen sich auf die Fußnoten. 







Einleitung. 



J_/as mandäische Werk, das hier der Öffentlichkeit übergeben 
wird, ist in den einleitenden Worten und den Nachschriften der 
Abschreiber N-:Vx:i N-:ri genannt. Die Worte bedeuten „Reden 
5 der Könige". In jüngeren mandäischen Schriften wird NübttH auch 
allgemein zur Bezeichnung himmlischer Wesen verwandt, vgl. Uthra, 
p. 544 f. Im Johannesbuch wird aber NS^NM noch nicht so gebraucht, 
und die Bezeichnung „Reden der Könige" paßt allenfalls für die 
Jösaminstückc, in denen einige redende Personen als Könige bc- 

10 zeichnet werden. Wahrscheinlich geht der Titel auch von diesen 
Stücken aus, die als größerer Komplex am Anfange des Werkes stehen. 
Dieser Titel wurde, da er ungeschickt gewählt, in seiner Be- 
deutung auch nicht genügend durchsichtig ist, durch einen anderen 
verdrängt. In der Nachschrift zu C, hier 286, 14, wird das Buch 

15 sc-N^ NwS 1 "" genannt. Der Titel findet sich auch in der Londoner 
Rolle A, Z. 11, wo wie hier vorher das NnNötB^i NTTO, d. h. das 
Oolastä, genannt ist. Den katholischen Priestern, die im 17. Jahr- 
hundert mit den Mandäern in Berührung kamen und Schriften von 
ihnen erwarben , wurde das Buch als irnjri NiüN^Vi und N-ruri KVro 

20 bezeichnet, vgl. Tychsex in Stäudlin's Beiträgen :///■ Philosophie und 
Geschichte 11^(1797), p. 292fr.; III (1797). P- I2ff - Auch Siouff] 
kennt das Buch nur unter dem Titel N"-S'i NlöSN^n, Dravchod- 
Yahio (p. 3,87). 

NtDSm steht in der Literatur häufig neben «TVO, vgl. S. 50 \ 

25 Hier bedeutet es wie NITO „Buch". Das Leidener Glossar hat 
p. 144 NTöim ^Wj Über. Die Johannesgeschichten haben wohl die 
Mandäer am meisten in dem Werke interessiert. Aber dies ist nicht 
der alleinige Grund, warum sie das ganze Buch nach Johannes be- 
nannt haben. S. 89 f. kommt anschaulich zum Ausdruck, wie die 

30 Muslims in die Mandäer mit Fragen nach einem Propheten und 
einem „Buch" drangen. Es war für die Mandäer von großer Be- 



VI Die Titel. Inhalt und Anordnung. 



deutung, sich als Besitzer eines geoffenbarten Schrifttums zu legiti- 
mieren, um zu f den v 1 ^' J A ' gezählt zu werden. Mit den ^y->.^ 
des Korans (2,59; 5,73; 22 > O, die mit den Juden und Christen 
auf eine Stufe gestellt werden, sind wahrscheinlich sie gemeint. 1 
Aber die Frage war strittig, die Bezeichnung wurde auch von an- 5 
deren Religionsgemeinschaften beansprucht und auch anderen zuge- 
sprochen. 2 Die vielen bei den Mandäern umlaufenden religiösen 
Traktate wurden erst nach dem Beginne des Islams zu größeren 
Wirken vereinigt. Der Islam hat, wie bei den anderen Religionen, 
sicherlich auch unter den babylonischen Gnostikern viele an sich 10 
gezogen. Auch durch das vorliegende Werk ziehen sich ja allent- 
halben die Mahnungen, dem Islam gegenüber standzuhalten. Der 
Wunsch, in den unsicheren Zeiten die religiösen Schriften vor dem 
Untergange zu retten, mag in erster Linie den Anstoß gegeben 
haben, sie zu großen Corpora zu vereinigen. Aber man hoffte wohl 15 
auch, den Muslims mit den stattlichen Werken mehr zu imponieren. 
Die Rücksicht auf die Muslims war aber auch der Grund, daß man 
die Schriften nach Personen benannte, die auch bei ihnen in An- 
sehen standen, bei ihnen für „Propheten" galten. Die Hauptsamm- 
lung mandäischer Schriften, der „Schatz", wurde nach Adam benannt, 20 
obwohl diese Benennung nur für den zweiten Teil paßt; das vor- 
liegende Werk erhielt den Namen „Johannesbuch". Später gaben 
die Mandäer es als eine Offenbarung an Johannes aus, vgl. Stäudlin's 
Beiträge III, p. 15. Ich habe die Benennung auch für den deutschen 
Titel gewählt. 25 

An Vielseitigkeit des Inhaltes steht das Johannesbuch dem 
umfangreicheren Ginzti nicht nach. Über alle wichtigen Fragen, die 
den Mandäer interessieren, über Anfang und Ende, Diesseits und 
Jenseits, Gebotenes und Verbotenes, Lohn und Strafe erhält er darin 
Belehrung. Doch ist der Ton hier volkstümlicher und intimer. 30 
Ursprünglich sollte das Buch vielleicht ein Nachtrag zum Ginzä sein, 
eine Sammlung zweiter Hand; jetzt enthält es Stücke, die auch dort 
stehen. Der Inhalt ist bunt zusammengewürfelt; irgendeine Norm 

In. jetzige Benennung ist Subba *^\ vgl. Petermann, Reisen II, 
p. 99; Loghat el-Arab II, p. 250, 9. Der Singular soll nach dieser Stelle 

^Zc "Clo ist wohl aus l^r° entstanden, obwohl dies schon früh zu 

auo wurde. 

Vgl. Chwolsohn, Dil Ssabier im>l ihr Ssabismus, passim. 



Die Handschriften. yii 



für die Anordnung ist nicht ersichtlich. Der Kompilator hatte nicht 
das Bestreben, Verwandtes zusammenzustellen; er scheint sogar 
dadurch, daß er Zusammengehöriges auseinanderriß und Fremdes 
einfügte, eine Abwechselung angestrebt zu haben. Die Ermahnungen 

5 Kap. 43 ff. sind durch Kap. 46 unterbrochen und dieses wieder von 
dem verwandten Stücke 48 getrennt. Stück 76, das stilistisch mit 
den Mirjai- Stücken verwandt ist und vielleicht von demselben Ver- 
fasser herrührt, ist weit weg von ihnen an das Ende des Buches 
gesetzt. Auch die Stücke 7° — 73, 75 hätten besser hinter den Jö- 

10 samin- Stücken ihren Platz. 1 

Soweit der Inhalt Anhaltspunkte für die zeitliche Bestimmung 
bietet, weisen sie auf die islamische Zeit hin und nicht einmal auf 
ihre Anfänge, vgl. S. 72. Manche Stücke sind sicherlich älter. Aber 
bei dem Dunkel, in das die ganze Geschichte der Mandäcr gehüllt 

15 ist, fehlt uns jedes Mittel für chronologische Bestimmungen, soweit 
eben nicht auf den Islam angespielt wird. 

Unter den mandäischen Schriften ist das Johannesbuch von 
Siouffi's Gewährsmann am meisten benutzt, und es ist von beson- 
derem Werte, daß wir gerade an der Hand dieses Buches die Zu- 

20 verlässigkeit des Mannes prüfen können. 

Die Herausgeber des Ginzä und des Oolastä haben eine Hand- 
schrift wiedergegeben und die Varianten getrennt mitgeteilt. Hier 
ist zum ersten Male bei einem mandäischen Werke der Versuch 
einer kritischen Edition gemacht. Folgende Handschriften standen 

25 mir zu Gebote: 

A. Code Sabeen 8 (alte Nummer 6) der Nationalbibliothek zu 
Paris. Vgl. Zotenberg, Catalogtu des manuscrits syriaques et sabeens 
(mandaites) de la Bibliotheque Nationale, p. 226. Geschrieben von 
Adam Zihrün b. Zakhiä Sitil in Khalafäbäd am GarrähT. Beendet 

30 im Monat des Schützen-' im Jahre 1039 d. H. (Anf. 21. August 
1629). Vgl. 283, 1 1 ff. 



1) Zu welchem Zwecke an einigen Stellen TN^rN": an den Rand 
geschrieben ist, ist mir nicht klar. Das Wort bedeutet „gemessen". Die 

Länge der Stücke zwischen den einzelnen Vermerken ist ganz verschieden. 

2) Die mandäischen Monate lassen sieh ohne astronomische Bere 
nungen nicht genau mit unseren identifizieren, da das mandäische Jahr 
von 365 Tagen ohne Schalttage wandert, vgl. Petermann, Reisen II, 
p. 459 f. Die verschiedenen Benennungen der mandäischen Monate siehe 
bei Siouffi, p. 141 ff. 



vii] Die Handschriften. 



B. Code Sabecn 10 (alte Nummer 12). Vgl. Zotenberg, Cata- 
logue, p. 228. Nach der Schlußbemerkung (286, 20 ff.) ist die Hand- 
schrift geschrieben von Zihrün b. Adam FeregT in Mina, dem Hafenort 
von Basra 1 , und vollendet im letzten Herbstmonat des Jahres 1026 
d. II. (Anf. 9. Januar 16 17). Doch rühren von diesem Schreiber nur 5 
die ersten 16 und die letzten 4 Seiten der Handschrift her (p. 1 — 
20,14 ^cn: z~yb; p. 276, 6 Saifittb ff.), vgl. S. IX ob. Der Hauptteil 
der Handschrift ist älter. 

C. Code Sabeen 9 (alte Nummer 7). Vgl. Zotenberg, Cata- 
logirc, p. 2 2-]. Geschrieben von Adam Zihrün b. Mahattam in Doraq 10 
am Garrähi (p. 283, 11 f.). Beendet im Monat des Stieres (Ajar) im 
Jahre 1102 d. H. (Anf. 5. Oktober 1690). 2 Vgl. auch S. X. Von 
der Handschrift fehlt vorn ein Blatt; sie beginnt p. 3, 1 1 N^TiNttN. 

D. Cod. Hunt. 71 der Bodleiana zu Oxford. Vgl. Payne-Smith, 
Catalogus codicum Syriacorum, col. 647, n. 204. Geschrieben von 15 
Adam b. Säm in Basra. Vollendet im Monat des Schützen (= Känün 

= mittlerem Monat des Herbstes) im Jahre 1069 d. H. (Anf. 29. Sep- 
tember 1658). Vgl. 284,8. 

Blätter in den Sammelhandschriften Add. 23, 602 A und B des 
Britischen Museums. Vgl. W. Wright, Catalogue of the Syriac 20 
Manuscripts in the British Museum III, p. 12 16 f. Die Blätter ge- 
hören zu zwei Handschriften: 

E. Add. 23,602 A, fol. 70—98, vgl. Wright, p. 12 17, VIII. 
Fol. 97 = p. 74,4 ü^Nb — 76,9 flmasMwa 

,, 98 = = p. 80, 10 ijmrtVKa — 82, 14 ^aia 2 25 

„ 76—91 --= p. 87,4 K»jrb — 124,4 ffcy 1 

„ 96, 92—9,5 = p. 166, 12 Tfin — 178,2 N3NS3 

F. Add. 23,602 A, fol. 99 — 101; B, fol. 15-18, vgl. Wright, 
p. [216 a, 1217, IX. 

Fol. 15 = p. 27,6 i^Nü: — 30, 11 fip^a 30 

n 99 = P- 108,4 nais — 112,2 ^lctniN 
„ 100, 101 = p. 1 19, 8 fibn;n — 126,8 nVess» 
,, 17, 18 -. ■■ p. 230,4 raans by — 236, 12 ^«©t» 
„ 16 = p. 268,8 M-HTnai — 273,9 1»i»w 

>) 290,12: Im Hafenort des Nähr el- c Assär von Basra, der am 
(persisch y.) I Ifer des Satt liegt. 

Der Schreiber wendel 284, 17 D"»pN5 offenbar im Sinne „an- 
fangen" an. Er kannte den Sinn des Wortes nicht; es bedeutet „voll- 
enden", vgl. Nöld., p. XXX, 7. 



Die 1 1 andschriften. ix 



Die mandäischen Abschreiber geben am Ende der Werke Aus- 
kunft über die benutzten Vorlagen und verzeichnen ausführlich die 
Kette der handschriftlichen Überlieferung. Danach wäre es sehr 
leicht, die Handschriften eines Werkes zu gruppieren, wenn nicht 
S eine Unsitte der Mandäer jenen Angaben ihren Wert benähme. Es 
gilt bei ihnen als verdienstlich, heilige Schriften abzuschreiben bzw. 
abschreiben zu lassen. Das Abschreiben bietet auch die Gelegen- 
heit, am Anfang und Ende Segnungen für den Auftraggeber und 
den Abschreiber auszusprechen. So werden denn Anfang und Ende 

io eines Werkes entfernt und nur diese Teile neu abgeschrieben. Die 
Schreiberangaben werden aber so abgefaßt, als ob das ganze Werk 
neu abgeschrieben wäre. Dieser Fall liegt bei B vor, vgl. S. VIII ob. 
Außerdem muß man natürlich hier wie überall damit rechnen, daß 
eine Handschrift aus verschiedenen Teilen zusammengefügt wurde. 

15 Nach den Nachschriften gehen die Handschriften A CD auf die 

Abschrift eines Matrüd b. Bakhtijär zurück (279,4). Zwischen dieser 
und A liegt nur ein Zwischenglied, die Abschrift des Adam b. 
Zihrün b. Jahjä Adam (279, 1). C ist direkt aus jener Handschrift 
geflossen, während D zwei Zwischenglieder hat, von denen eine 

20 Abschrift, die im Besitze des Bakhtijär Bulbul, von demselben 
Schreiber herrührte. 

B zeigt einen anderen Stammbaum (286,20 fr.). Nach den An- 
gaben des Abschreibers hätte er eine Folge von vier Handschriften 
hergestellt, von denen die erste eine Kopie des Säm Jahänä b. Säm 

25 Ada zur Vorlage hatte (287). In der vorliegenden Handschrift 
rühren nur Anfang und Ende von demselben Abschreiber her. Der 
Hauptteil zeigt eine viel gewandtere Hand. Sollten die Angaben 
über die Arbeiten des Kopisten der W'ahrheit entsprechen, so müßte 
man annehmen, daß er Anfang und Ende nach einer anderen Kopie 

30 von ihm abgeschrieben hätte. Nach einem weiteren Zwischengliede 
wird 288,5 fr. gesagt, daß ein Bakhtijär b. Adam b. Bihräm seine 
Kopie nach vier Handschriften hergestellt hätte. Als Besitzer der 
dritten wird Z. 14 ein Jahjä b. Adam Zihrün b. Jahjä Sajar b. Adam 
b. Bakhtijär b. Hibil mit dem Beinamen Ton genannt. In der Kette 

35 von ACD finden wir 281, 8 den Namen Jahjä Sajar b. Adam Bakhtijär 
b. Jahjä Hibil mit dem Beinamen Duraki (Durki). Diese beiden 
Namenreihen bezeichnen anscheinend dieselbe Person, und die zweite 
ist nur gekürzt, denn von hier an zeigen die Ketten Berührungen, 
so daß die beiden Reihen etwa bei dieser Handschrift zusammentreffen. 



X Die Handschriften. 



Von den Fragmenten E, F sind keine Schreibervermerke er- 
halten; aus dem Inhalte erweist sich ihre Verwandtschaft mit B. 
Danach ergibt sich eine Gruppierung ACD und BEF. 

Die Fragmente EF zeigen einen guten Text, und es ist zu 
bedauern, daß so wenig von diesen Handschriften erhalten ist. Da- 5 
gegen ist B schlecht und lückenhaft. Vielfach steht tatsächlich B 
der Gruppe ACD gegenüber. Aber einer der Vorgänger von D, 
zum Teil diese Handschrift selbst wurde nach einer Handschrift der 
Gruppe B abgeändert, und so gehen denn oft BD auf der einen, 
AC auf der anderen Seite zusammen. Vielfach nimmt aber auch C 10 
eine eigene Stellung ABD gegenüber ein. Sie hat stellenweise sehr 
gute Lesungen, und ich habe ihr oft den Vorzug gegeben, auch 
wenn auf der anderen Seite AD und B übereinstimmen. 

Freilich an zwei Stellen bin ich C nicht gefolgt, obwohl deren 
Lesungen den sonstigen aramäischen Formen mehr entsprechen als 15 
die der anderen Handschriften: bei WONÖ 41 - 2 vgl. S. 4O 2 und 
w\-rn'c-w 114*4 vgl. S. 113 4 . Die Schreibungen &WOK0 und twauiiTü 
sind an diesen Stellen ganz vereinzelt; das Mandäische hat sonst 
N:-r-c und o:c-:. Daher schien es mir möglich, daß sie durch 
das Syrische beeinflußt sind. 1 Die Schiffer in Babylonien sind vor- 20 
wiegend Nestorianer aus dem Norden; viele von ihnen stammen aus 
dem Orte Tell-kef. Ein Übertritt aus diesen Kreisen ist nicht aus- 
geschlossen. Doch ist es allerdings nicht klar, wie der Einfluß sich 
hier geltend gemacht hat. Zwischen C und dem Archctypon von 
ACD liegt kein Zwischenglied, und der Abschreiber von C war 25 
kaum syrischen Ursprunges. Sein Heimatsort ist Doraq in Chuzistan, 
vgl. S. VIII, 10. Aus den Namen ist kein Schluß zu ziehen, da 
sein Name wie die Genealogie bei einem Übertritt übernommen 
sein könnten, vgl. 279, ig f. 

Auch sonst ist bei der Beurteilung einer Form nach den anderen 30 
semitischen Sprachen Vorsicht geboten, da man mit arabischem 
Einfluß rechnen muß. Zu w\-:r:;' — N"a33> vgl. S. 52 1 . Aus dem- 
selben Grunde habe ich auch riVaNrO 120^ AC, wo vier Hand- 
schriften, auch EF, Sib:i&H5 haben, nicht in den Text aufgenommen, 
da es mir durch ^£> beeinflußt zu sein scheint. 35 

Eine reinliche Scheidung der Handschriften war bei diesen 
\'i rhältnissen nicht möglich. Ich mußte in den meisten Fällen von 
Fall zu Fall urteilen, doch habe ich im großen und ganzen ACD 

i) 1.3,5 wird -jntn gegen -n'K~k durch GL 92,13 gestützt. 



Die Überlieferung des Text xi 



zugrunde gelegt. In den Teilen jedoch, für die EF vorliegen, habe 
ich mich besonders an diese gehalten. 

Die Texte waren sicherlich schon in schlechtem Zustande, 
weit schlechter als die des Ginzä, als sie zu dem Dräsä vereinigt 
5 wurden. Obwohl zwischen der Mutterhandschrift der jetzigen Hand- 
schriften und diesen nicht viele Zwischenglieder liegen, sind doch 
die Varianten zahlreich. Eben wegen des schlechten Zustandes der 
Handschriften und der allgemeinen Unsicherheit in der Schreibung 
habe ich für den Text nur aus den vorhandenen Lesarten die besten 
10 zu bestimmen gesucht und die Mitteilung und Erörterung eigener 
Konjekturen für den Kommentar reserviert. Ich habe allerdings hie 
und da der Versuchung nicht widerstehen können, eine naheliegende 
Emendation in den Text aufzunehmen oder bei den Varianten zu 
vermerken, aber es geschah eigentlich gegen meinen Plan und 
15 wird wohl nicht als Störung empfunden werden. 

Für die Beurteilung der Überlieferung ist zu berücksichtigen, 
daß die Texte ursprünglich ärmer an Vokalbuchstaben waren und 
diese z. T. erst in den Handschriften aufgefüllt wurden. Auch in 
dem Archetypon war die Schreibung defektiver als jetzt, und die 
20 Abweichungen in den Handschriften gehen auf verschiedene Ver- 
suche zurück, die Vokale zu ergänzen. In vielen Fällen haben sich 
wohl auch solche knappe Schreibungen erhalten, aber man darf 
nicht überall, wo ein Vokalbuchstabe fehlt, die Schreibform für 
älter ansehen. Sie kann ebensogut auf eine Nachlässigkeit des 
25 Abschreibers zurückgehen. 1 Wäre dies nicht der Fall, sondern 
könnte man annehmen, daß vokalärmere Schreibungen immer ur- 
sprünglicher sind, so wären sie ein wichtiges Merkmal für die ältere 
Gestalt urM die bessere Überlieferung eines Textstückes, snaupsb 
513 B, «"OttüSB 51 10 B sind an sich ursprünglicher als wmnxä^k, 
30 «■on'OOT ACD, und die Formen können auf einer authentischeren 
Überlieferung beruhen, aber ebenso wie weiterhin in "ikto* B Buch- 
staben aus Flüchtigkeit ausgelassen sind, so kann auch dort das Jod 
in den Handschriften ausgefallen sein. Zu berücksichtigen ist auch, 
daß die mandäische Schrift seit frühester Zeit darauf ausging, Vo- 
35 kale graphisch darzustellen. Schon in den ältesten Originaltexten, 
die wir besitzen, den Bleitafeln, ist die Bezeichnung der Vokale 
sehr reichlich. In der Schrift, wie sie nach jahrhundertelanger Ent- 



1) Vgl. auch Nöld., p. 9, §11. 



xii Schwankungen in der Schreibung. 

Wickelung vorliegt, werden Vokale dargestellt, und wo kein Vokal- 
buchstabe steht, liegt bis auf bestimmte Fälle, wie ^n, xni, tr"?-; 
(vgl. Nöld., p. 10), Vokallosigkeit vor. Schreibungen ohne Vokal- 
buchstaben wären, selbst wenn sie sicher ursprünglich sein sollten, 
als Petrefakten anzusehen. Dazu kommen noch Fälle, wo die Auf- 5 
nähme solcher Schreibungen in den Text zu einem Mißverständnis 
führen könnte. Nirm 28° BD neben 8i-i«T*n AC kann älter sein; 
wenn es jetzt im Texte stände, würde man es sffln lesen. So habe 
ich denn defektive Schreibungen dieser Art in der Regel in die 
Fußnoten verwiesen. Wo es anging, habe ich, um den Varianten- 10 
apparat einzuschränken, die volleren Schreibungen sowie Vorsatz- 
vokale und sonstige indifferente kürzere Zusätze einzelner Codices 
in den Text aufgenommen und über den Zeichen vermerkt, welchen 
I Iandschriften sie angehören. 

Bei Formen, deren Anwendung im allgemeinen schwankt, z. B. 15 
bei &W1NÖN und N3TMN, pTNi"! und yrNfi, richtete ich mich nach 
der Mehrzahl oder den besseren Handschriften. Besonders häufig 
sind die Schwankungen im Gebrauche von b und bs> für die Prä- 
position b und von ■p- und jo - als Endungen des prädikativischen 
Adjektivs bzw. Partizipiums im Plur. m. Gewöhnlich haben ACD 20 
bs> und jo-, während B b und "p- hat. Da diese Formen die ur- 
sprünglicheren sind, lag es an sich näher, B zu folgen, aber die 
Schreibungen sind wahrscheinlich in B vielfach erst wiederhergestellt. 
Denn gerade B hat oft auch b für ursprüngliches b^ 1 und y- für tr-, 
wo dies gar keine Pluralendung ist. 2 So wurden denn auch hierbei 25 
in der Regel ACD befolgt. Aus den verschiedenen Texten immer 
die älteren Formen auszusuchen, schien mir auch für diese Fälle 
nicht ratsam, da dadurch Erscheinungen verwischt worden wären, 
die über die Abfassungszeit der vorliegenden Texte hinausreichen 
und sicherlich schon den ersten Niederschriften eigentümlich waren. 30 

Wenn man in der Handschrift eines lateinischen Prosatextes 
in demselben Satze pravum und pravom fände, in einem deutschen 

stände und stünde, in einem arabischen &&. und ,yQ, so würde 
man annehmen, daß nur die eine Form vom Autor geschrieben sei, 
die andere von einem Abschreiber herrühre, und es wäre zu unter- 35 
suchen, welche Schreibung die ursprüngliche sei. Anders liegt es bei 



[) Vgl. i.v) 1 ", 131 '% i33 IO > MI'- 135" 1334. 
2) Vgl. i,vr, 104 , siehe auch i5<; 24 . 



Beabsichtigter Wechsel. Unsichere Lesungen. xin 

mandäischen Texten. Der semitische Stil geht allgemein darauf aus, 
einen Gedanken durch Abwechslung im Ausdruck zu variieren. 
Auch im mandäischen Schrifttum zeigt sich ein solches Bestreben, 
aber man greift zu einem einfacheren Mittel, der Satz wird in ver- 
5 schiedener Wortstellung wiederholt: 

Gesegnet seiest du , du seiest gesegnet. 
Es entsteht so eine antithetische Satzbildung, die dem Wappenstile 
der Kunst entspricht, vgl. Ephem. I, p. 115. Aber auch sonst wird 
ein äußerlicher Wechsel angestrebt. Wo dasselbe Wort in der Nähe 

10 wiederholt wird und eine andere Form oder Schreibung möglich ist, 
wird oft diese genommen. Von den zahlreichen Beispielen, die ich 
aus den mandäischen Schriftwerken verzeichnet habe, seien nur 
einige angeführt: rrn^NV - m»J«&6 67, 3 f.; ■pss-'bnNH — "pwbrtttti 
159, n; ba-v — b*>T3> 162,8; -ap" — -pp^i 177, 5f.; GL 132,19; 

15 -,n"pt — *,N'NrT 220, 7 f.; Vuds — Vn2: 240, 13 f.; w-ian&n — bo-TOMI 
GR 258, 27 f.; arm»«» — BrSTOJO«» GL 27,1,6. Es handelt sich 
meistenteils um äußerliche, geringfügige Varianten. Gehen nun 
Fälle wie top'H — sup^T 86, 2 f.; ariNttW — Br»rttra» 124, 3 f.; N^a-pa 
— N^a-iaw GR 323,4 auf den Autor oder die Abschreiber zurück? 

20 Nun schwankt gerade in diesen Dingen die Überlieferung sehr. Ein- 
zelne Abschreiber werden eben auch das Bestreben gehabt haben, 
den Text einheitlicher zu gestalten. Jedenfalls ist hierdurch eine 
beispiellose Verwirrung in die Handschriften hineingeraten, wie man 
sie sonst nirgends auf semitischem Gebiete findet. 1 

25 Dazu kommen einige Mängel der mandäischen Schrift, die eine 

genaue Feststellung der Lesungen sehr erschweren, ja meistenteils 
zur Unmöglichkeit machen: die geringe Differenzierung von n und 
Fi und die ungenügende Kennzeichnung von 1 vor und nach - 
und vor : und 5t, vgl. Nöld. ; p. 8 f., 68. T\ unterscheidet sich in 

30 einzelnen Handschriften nur durch eine größere Breite, aber am 
Ende der Zeilen wird zur Raumfüllung auch n lang gezogen. In den 
meisten Fällen läßt sich ja nach dem Zusammenhange entscheiden, 
ob ein Wort auf n oder f\ ausgeht. Aber unsicher ist es da, wo 
Fi einen folgenden Genetiv vorwegnimmt, ^ifcntol fiWNü und firna 

35 -nin-t haben ganz gleiche Bedeutung. — Ursprünglich wurde wohl 

1) Auch bei tob'n'O'INÖ«*! 64, 10, Bob'IfcO'liWNb 65, 14 fand wohl 
von vornherein ein Wechsel statt. An der einen Stelle wird n-'v- "N"Nt, 
an der anderen 6rblN5*W*73Nb gestanden haben. Unter dem Einfluß dieser 
Form ist dann firb^ND TfiWlsb entstanden, das sonst unverständlich wäre. 



X7Y Unsichere Lesungen. 



für das Maskulinum wie für das Femininum das Suffix 3. sing. = 
geschrieben. Man sprach das eine eh, das andere ah. Aber dieses 
schwächte sich später zu ä ab, denn man findet in verschiedenen 
Handschriften dafür n, vgl. Nöld., p. 68 f. Auch in den Hand- 
schriften des Sidrä scheint an einzelnen Stellen das Suff. 3. sing. f. 5 
N geschrieben zu sein, aber Sicheres ließ sich hierüber bei Unter- 
suchung längerer Stücke nicht feststellen. Durch alle diese Dinge 
wird ja selten das Verständnis beeinflußt, auch ist zu bedenken, 
daß die Unsicherheiten der jetzigen Handschriften auch in ihren 
Vorläufern bestanden und daß die Abschreiber sich oft nach eigenem 10 
Gutdünken für die eine oder andere Schreibung entschieden haben. 
Obwohl ich nun auch wie Nöldeke zur Überzeugung gelangte, daß 
kein Herausgeber mandäischer Schriften in diesen Dingen ohne 
Willkür auskommen wird (p. 68 2 ), wollte ich doch mit möglichster 
Genauigkeit das tatsächlich Vorhandene wiedergeben. Ich bat um 15 
die Übersendung der drei Pariser Handschriften, um sie während 
des Druckes zur Verfügung zu haben und Zweifelhaftes in jedem 
Falle nachprüfen zu können. Ich nahm mit Bestimmtheit an, daß 
ich die Handschriften erhalten würde, und es war alles für den 
Druck vorbereitet. Da stellte es sich heraus, daß nach dem Regle- 20 
ment der Nationalbibliothek nicht mehrere Handschriften desselben 
Werkes zu gleicher Zeit nach auswärts versandt werden können. 
Es stand mir während einiger Zeit des Druckes C und dann B zur 
Verfügung. Ich habe mich nun für die besprochenen Fälle, wo ich 
keine sicheren Anhaltspunkte hatte, nach dem Zusammenhange ge- 25 
richtet. Das Suffix 3. sing. f. habe ich immer f\ geschrieben. Hier 
kam noch die Rücksieht hinzu, daß bei vielen Nomina das Geschlecht 
schwankt und daher für das auf sie bezügliche Suffix das Geschlecht 
nicht bestimmt werden konnte. Alle diese Unsicherheiten haben mir 

I Unbehagen und Verdruß bereitet, mehr als sie bei ihrer geringen 30 
Bedeutung für das sachliche und sprachliche Verständnis verdienen. 
Ich habe später die Oxforder Handschrift in der Bodleiana noch 
einmal durchgeprüft; von den Pariser Handschriften habe ich Photo- 
graphien herstellen lassen. So konnte ich nachträglich alles Zweifel- 
hafte nachprüfen, und ich habe es vielfach wiederholt getan. Aber 35 
der Leser wird aus dem Kommentar ersehen, daß über viele Punkte 
keine Gewißheit zu erlangen war. 1 Bei diesen Dingen wurde die 

i) Unsicherheil zeigt sich auch in der Lesung von -nt~s- bzw. 
-N7-N-- l.iini". Ich habe nach den Handschriften und Photographien 



Babylonisches. xv 



Liste der Berichtigungen länger, als mir lieb ist. Von Einfluß war 
aber auch, daß der Text autographiert werden mußte, wobei ein 
Korrigieren sehr schwer ist, und daß ich den Druck unter beson- 
ders schwierigen äußeren Verhältnissen durchführte. 

5 Der zweite Teil hat länger auf sich warten lassen, als ich bei 

der Ausgabe des ersten annahm. Der Hauptgrund ist, daß ich 
hoffte, für die Erklärung der Fischerstücke brauchbares Material zu 
erhalten, und ich habe S. 139 ff. mitgeteilt, wie lange sich die Be- 
mühungen darum hinzogen. Habe ich auch in dieser Hinsicht nicht 

10 viel erreicht, so war die Verzögerung dennoch für die Übersetzung 
und den Kommentar eher von Nutzen als nachteilig. Ich war wäh- 
rend der Zeit nicht müßig, und inzwischen ist auch neues Material 
hinzugekommen. Manches, was ich früher nicht verstand, hat sich 
mir inzwischen erschlossen, und an mehr als einer Stelle habe ich 

15 eine früher bevorzugte Lesung aufgegeben. An vielen Stellen war 
es mir freilich nicht möglich, einen Sinn in die Worte hineinzu- 
bringen, und ich habe sie unübersetzt lassen oder mich auf eine 
rein wörtliche Wiedergabe beschränken müssen. Die Mandäer waren 
schwache Denker, und vieles von dem Schiefen und Widersinnigen, 

20 auf das der Leser stoßen wird , war sicher von vornherein den Texten 
eigentümlich. Ich konnte und wollte auch in der Übersetzung das 
Buch nicht besser machen, als es von Anfang an war. Den Leser 
überall auf die schwachen Stellen zu stoßen, schien mir nicht nötig. 
Der Band ist nicht für Schüler bestimmt. 

25 Bei verschiedenen Wörtern, die sich vom Aramäischen aus 

nicht erklären ließen, schien es mir möglich, daß sie babylonisches 
Sprachgut seien uncT von dort her gedeutet werden könnten. Ich 
wandte mich in diesen Fällen an Herrn Geheimrat Zimmern, und 
er hat mir stets in entgegenkommender Weise Auskunft erteilt. 

30 Diese Mitteilungen sind im Kommentar fast immer in ihrem Wort- 
laut angeführt. Seine jüngst erschienene Schrift Akkadische Fremd- 
wörter als Beweis für babylonischen Kultureinfluß konnte ich nicht 
mehr benutzen. 

Ich habe für den Kommentar nicht bloß das gedruckte, son- 

35 dem auch das gesamte handschriftliche Material aus der mandäischen 
Literatur verwertet, das in europäische Bibliotheken gelangt ist. Dies 



festgestellt, daß larsn- die häufigere Schreibung ist, doch ist auch dies 
an vielen Stellen zweifelhaft. 



XVI Die Heimat der mandäischen Religion. 

wurde mir durch Reisestipendien ermöglicht, die das akademische 
Konsistorium der Universität Kiel mir zur Zeit, als ich ihr als 
Privatdozent angehörte, aus der Neuschassischen Stiftung gewährt 
hat. Die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften in 
Berlin hat für die Drucklegung einen Beitrag bewilligt. Für diese 5 
Unterstützungen spreche ich auch an dieser Stelle meinen herzlichen 
Dank aus. 



Obwohl das Johannesbuch keine neuen Aufschlüsse über den 
Ursprung und die Herkunft der mandäischen Religion bietet, will 
ich hier doch auf diese Fragen eingehen und einige Punkte erörtern. 10 

Die mandäische Religion ist uns nur aus Babylonien bekannt. 
Es ist daher begreiflich, daß man dort ihre Heimat suchte und in 
ihr einen Ausläufer der altbabylonischen Religion sah. Dies hat 
besonders Kessler getan. Die starken Einflüsse des Judentums sind 
anderen und ihm nicht entgangen, aber man sah in ihnen etwas 15 
Sekundäres, Späteres. Ich habe mich vom babylonischen Ursprung 
der mandäischen Religion nicht überzeugen können. Daß die chal- 
däische Sternlehre, die sich früh über die ganze antike Welt ver- 
breitet hat, auch auf diese Religion ihren Einfluß ausübte, ist nicht 
verwunderlich. Die Vorstellung von einem Erlösergotte, der Abstieg 20 
in die Unterwelt, in denen man Anknüpfungen suchte, finden sich 
auch anderwärts. Identifikationen wie die zwischen Marduk und 
Hibil-Ziwä, oder zwischen Ea und dem Mänä sind willkürlich und 
unbegründet. Ich bin wie Bousset der Überzeugung, daß die man- 
däische Religion schon in ihren Anfängen durch die persische beein- 25 
flußt ist, und doch scheinen mir diese Anfänge nicht im Osten 
sondern im Westen zu liegen. Die mandäische Religion muß ihre 
wesentliche Ausbildung bei Juden oder einer judaisierenden Sekte 
erhalten haben. Ihre Terminologie in Lehre und Kultus ist so stark 
durch das Alte Testament und das Hebräische beeinflußt, wie man 30 
es sonst außerhalb des Judentums nicht findet. 1 Daß die Urgeschichte 



1) Nöldeke sieht verschiedene Ausdrücke als genuin aramäisch an, 
die aus dem Alten Testament übernommen sind, dt-jn in NiaF!8n 8T73 
(Nöld., p. 66,22) ist erst aus ölfTri gebildet. Auch «in N^DNM (Nöld., 
j). 71,1'.) ist übernommenes 1*': ~p"wN. Dieses steht Joe) [,20 neben 
-VrN - Jn. D<r Ausdruck ttb^i« w ; N findet sich wiederholt im AT, und 



Mandä. — Kustä. xvil 



sich an das Alte Testament anlehnt, ist nicht so sehr auffallend. 
Im ausgehenden Altertum suchten die verschiedenen Völker die 
eigene Überlieferung mit der biblischen in Einklang zu bringen. 
Aber die ganze religiöse Sprache trägt viel Jüdisches an sich. Nun 

5 war ja Babylonien stark von Juden bevölkert, und die mandäische 
Lehre konnte sich auch unter den dortigen Juden bilden. Aber die 
jüdischen Elemente weisen nicht auf das kanonische, sondern ein 
hetcrodoxes Judentum mit heidnischem Einschlag hin. Ein Juden- 
heidentum ist an sich eher im Westen als im Osten anzunehmen. 

10 Außerdem führen bestimmte Spuren direkt nach dem Westen, auch 
wo es sich um Dinge handelt, die nicht jüdisch sind, oder die wir 
nicht als jüdisch kennen. 

Schon das Wort »nSN», 3HSÜ yvcooig ist westlich. Das Man- 
däische hat für „Wissen" smsr, RrPTOn (Nnl-p-FK»), 6H«n. Käme 

15 nicht an einer Stelle milXB in appellativischem Sinne vor (GR 178, 17) 1 , 
so könnte man überhaupt zweifeln, daß den Mandäern die Bedeu- 
tung des Wortes bekannt war. Der Ausdruck SOTii &H5NE muß zu 
den ersten Formeln der Lehre gehört haben, und weil er früh er- 
starrt ist, hat man ihn nicht der eigenen Sprache angepaßt. 2 

20 Das religiöse Ideal für die Mandäer ist »Dütt. Dies ist über 

die ursprüngliche Bedeutung „Wahrheit, Richtigkeit" weit hinaus- 
gegangen, vgl. S. 3. Es ist für die Mandäer der Inbegriff ihrer 
Religion, das Rechte und Wahre im Verhalten der Gläubigen den 
höchsten Wesen gegenüber wie untereinander. 3 Die Form des 

25 Wortes ist westlich. Allgemein aramäisch ist es, in einem Worte 
nicht zwei v zu lassen; das erste wird dann zu N abgeschwächt. 
Aber schon früh zeigt sich im Westaramäischen die Tendenz, auch 



das verzehrende Feuer spielt auch in den Apokryphen eine Rolle. Aber 
es ist fraglich, ob das mandäische Nrrx ama jüdischen Ursprunges sei, 
da der Ausdruck auch persisch ist, vgl. Müller, Handschriften -Reste II, 
p. 53; 04,28 und Chav annes et Pelliot, JA 191 1 II, p. 530 2 . 

1) Qol II, I ist N-J5N» Name, s. v. a. Mandä dllaije. 

2) Im Syrischen heißt die Wendung ]1m9 \if>. Sie ist auch hier 
schon halb erstarrt. Wir sehen „Lucas 1,77 yvcöoig ocot7]gin; U*; \L^) 
übersetzt, während sonst ocoxi]Oia <_j:?cl^ ist" Lagarde GGA i 390, p. 398. 
Zu o(üxi]qia und 'pn vgl. Thcol. IAteraturztg. 191 2, Sp. 3 

3) Syrisch wird so eher jjjX als jÄ-A,Q-0 gebraucht. So ist auch 
K*";fcni8 GR 228, I im Munde von Christen aufzufassen; bei Brandt, Rel., 
p. 142 m; 144 unt. nicht richtig. 

Lidzbarski, Johannesbuch. 



xviil Msunne Kustä. 



sonst, wo in einem Worte zwei emphatische Laute zusammentreffen, 
dem ersten die Emphase zu nehmen. Die bisher bekannten Bei- 
spiele zeigen dies namentlich bei 3. Schon in Zendschirli hat man 
N2TD - : x^'p, in Nerab V^3 < ; Vüp, später in persischer Zeit in 
Ägypten -j:-d statt ^XTp, und gerade ttü» < ttiüp ist im Westen 5 
belegt. 1 Daneben hat sich allerdings im Westen auch roiyp erhalten. 
Die jüdischen Schriften haben NlsiDip, das palästinische Syrisch 
V^cuo; das seltenere '(..±2.^ ist vielleicht durch das Ostsyrische 
beeinflußt, vgl. auch Nüldekk, Neue Beiträge, p. 98.- Die Tauf- 
formel der Markosier hat y.ovoxa (Irenäus 1, 21, 3), und auf einer 10 
Abraxas- Gemme findet sich xovotdj)., vgl. Roscher's Lexikon II, 1, 
Sp. 1633; beide W 7 örtcr setzen Eiüp voraus. Aber üoüd findet sich 
sonst ausschließlich im Westen. 

Dieses j;:: - : begegnet häufig in der Verbindung NüTDIi imwa. 
Der Ausdruck bedeutet ursprünglich den außer- und überweltlich 15 
gewordenen Teil oder solche Glieder aus der Gemeinschaft der 
Kustä, dann den Ort, wo diese sich aufhalten. Die Pualform firSTOn 
ist gleichfalls westlich. 3 Das entsprechende mandäischc Wort ist 
"»NiNTü, vgl. S. i 1 , 4 1 . Die westliche Herkunft der beiden Wörter hat 
bereits G. Hoffmann erkannt (ZNTW IV, 1903, p. 298), aber seine 20 
Deutung des Ausdruckes ist nicht richtig. 4 

Die Mandäer knüpfen selber mit den Anfängen ihrer Religion 
an Jerusalem und Judäa an, vgl. S. 123 fr. Bei dem Haß und der 
Verachtung, die sie für alles Jüdische empfinden, wäre eine solche 
Annahme ohne tatsächliche Grundlage unverständlich. Man bedenke, 25 
daß etwa im Karolingerreiche ohne einen Anhalt an den Tatsachen 
die Theorie aufgekommen wäre, das Christentum sei bei den Juden 
zu Hause. Brandt's Rekonstruktionen Rel., p. 132 ff. vermag ich 



1) Vgl. Clermont - Ganneau, Recueil d'Arckeologie Orientale IV, 
p. 121; Epliemeris II, p. 265, 354; Littmann, Nabataean Inscrvptions 
(Publications of the Princeton (Jniversity ArchaeologicaJ Expeditions to 
Syria in [904 [905 and [909, Div. [V, Sect. A), p. XXV. 

2) Im Syrischen ist umgekehrt das ursprüngliche rrrp zu E3ÜJ3 ge- 
worden, vgl. Nöldeke, ibid., p. 132. 

3) Daher kann die Form Singular wie Plural sein. Im Grunde 
könnte tWHUH auch Attribut zu NUtt3"fi sein: die Kustä, soweit sie über- 

Itlich ist; zur Stellung vgl. Nöld., p. 3i8f. Der Sinn bliebe derselbe. 

4) Im Fihrist, p. 339,7 wird Bardesanes eine Schrift j»JI ** J ^-j) 
zugeschrieben. Der Ausdruck deckt sich ungefähr mit NE3EJ13 fiOinöfa. 



Jordan. XIX 

nicht zu folgen. Die Mandäer nennen jedes fließende für ein Tauf- 
bad geeignete Wasser Jordan Lsr-TN"). Brandt erklärt es so, daß 
sich darin die ursprüngliche appellativische Bedeutung von -p-^ 
„Flußlauf" erhalten habe (Rel., p. 66 2 ). Aber in historischer Zeit, 

5 in der Zeit, die für die Anfänge der mandäischen Religion in Be- 
tracht kommt, ist -,--- kein Appellativ mehr; da bezeichnet es 
einen bestimmten Fluß. 1 Die Übertragung des Namens auf jedes 
fließende Wasser kann ich mir nur so erklären, daß eine Gemein- 
schaft, für welche die Jordantaufe ein Gebot war und die natürlich 

io in der Nähe des Jordan ihren Sitz hatte, gezwungen war, diese 
Wohnsitze zu verlassen. Sie half sich damit, daß sie jedes fließende 
Wasser Jordan nannte. Wenn die Siamesen keinen weißen Elefanten 
finden, muß ihnen schließlich ein grauer oder gelber weiß sein. 
In einer Religion, die auf die Flußtaufe Wert legte und in Baby- 

13 lonien ihre Heimat hatte, würde der Euphrat oder Tigris im Vorder- 
grunde stehen. Diese treten aber bei den Mandäern hinter dem 
Jordan ganz zurück. 

Diese Schwierigkeit bei der Annahme eines babylonischen 
Ursprunges der mandäischen Religion sah auch Kessler ein, er 

20 glaubte aber, sie durch die Bemerkung zu beseitigen „Die Antwort 
hat zu betonen, daß nach dem Berichte der Philosophumena Buch V, 
S. 148 Ende und ff. der Göttinger Ausgabe 1859, der „große Jordan", 
6 iieyag "Iooödv^g, gerade so in der Bedeutung des vergeistigenden, 
heiligenden Lebenselementes der Lichtwelt bei den Naassencrn vor- 

25 kommt. Die Anwendung des biblischen Namens „Jordan" für 
diesen gnostischen, im Grunde heidnischen Begriff ist also Gemein- 
gut der ganzen ältesten Gattung der Gnosis" (PRE XII', p. 181, 19 ff.).-' 
Es ist der Satz: Ohog, cpi]oiv, eorlv 6 /.teyag 'Iooödvijg, ov xazo 
morza xal xcolvovza e^eldelv zovg vlovg 'Ioqu^X ex yrjg Aiyvjnov 

30 {}jyovv ix zrjg xdzco jui^ecog' Al'yviizog yuo toxi zb oco/ia xaz' avzovg) 
äveoieder 'Ljoovg xal inou-josv ävco qesiv. Selbst wenn der Satz 
naassenischen Ursprunges wäre, bewiese er nur, daß die Naassener 
den Jordan in ihre Spekulationen hineingezogen haben. Die Worte 



1) Hiob 40, 23, worauf Brandt sich beruft, ist die Lesung p'-p 
unsicher. 

2) Zu dem von KESSLER weiterhin geäußerten angeblichen Zusam- 
menhang der Pcraten mit dem Euphrat vgl. W'rdlhalskn, Deutsche Lite- 
raturzeitung 1890, Sp. 1500. 

b* 



w Die Namen der Form qitlai (qetlai). Die Stiftshütte. 

gehören aber mit zu den christlichen Erweiterungen der naasse- 
nischen Schrift, vgl. Reitzenstein , Poimandres, p. 90 2 . 

Als Hüter des Jordan bzw. der Jordane gelten ■ , N7ob" , '0 und 
"WSTS. Diese hängen nicht mit den jüdischen Opferarten trubia 
und mau zusammen, sondern sind mit zwei Gottheiten des semi- 5 
tischen Heidentums identisch, mit -pabiö und (in)Dini. Der Gott ■jabtö 
findet sich bei den Assyrern, wie bei den Phöniziern, rom: wird 
im Talmud in Akko lokalisiert. 1 Zusammen werden die beiden 
Götter als ZeXa^dvrjg xal Mdößaxog in griechischen Inschriften des 
Gebel Schech Berekät in Nordsyrien genannt (Ephem. II, p. 81). 10 
Es wird ein Zufall sein, daß man das Paar zusammen bis jetzt nur 
auf jener Bergkuppe gefunden hat. Uns interessiert hier die Form, 
in der die Namen bei den Mandäern erscheinen. Sie sind in das 
Schema qitlai oder qetlai hineingezwängt, wie die Namen der 
Maria und Elisabeth, vgl. S. 71 unt. 2 Diese hypokoristischc Um- 15 
formung läßt sich bei jüdischen Personennamen belegen (Ephem. II, 
p. 1 5). In Namen von Wesen religiöser Verehrung findet man solche 
Umbildungen bei den Elxaiten. Der Name des Propheten r\k^ai 
ist wahrscheinlich hypokoristisch aus Alexander umgeformt. Den 
mandäischen Formen ganz entspricht der Naine seines angeblichen 20 
Bruders ietjai. Wir gelangen damit in den Kreis jener Täufersekten, 
die vom Judentum ausgegangen sind und von denen überliefert wird, 
daß sie in der Nähe des Jordan ihren Sitz hatten. 4 

Die Mandäcr nennen ihren Tempel fcwsiöjwa. Das Wort findet 
sich auf semitischem Gebiete sonst nur noch in einem Zusammen- 25 
hange als Bezeichnung für eine Kultstätte: für das Zeltheiligtum der 
Wüstenwanderung. Ein zufälliges Zusammentreffen scheint mir hier 
ausgeschlossen. Die kosmologische Terminologie der Mandäcr zeigt 
eine Vorliebe für Ausdrücke aus dem landwirtschaftlichen Leben, 
vgl. Uthra, p. 544; sie weist auf eine landbauende Tätigkeit hin. 30 
Eine bäuerliche Bevölkerung benutzt aber nicht ein Zelt als Gottes- 
haus. Der Brauch scheint mir einem jüdischen Kreise entlehnt zu 
sein, in dem man auf das „Tabernakel" der Wüste als Ideal hin- 
sah, es vielleicht auch nachahmte. Das orthodoxe Judentum hat 



1) Vgl. lsi<l. Lew, Oultes et riles Syriens dans le Tabnud, Paris [902 
trait de La Revue des ttudes juives, Tome XLIII, Ajmee [901), p. i<>. 

2) 'wsna 1 :;' ist außerdem durch •£-:? „jemand" beeinflußt. 

Vgl. meine Ausführungen Deutsche Literaturxeitung [913,8p. [805. 
4) Vgl. Brandt, Elchasai, p. 49 f. 



Das Meer des Endes. Der Tag des Endes. xxi 



dieses Wort für seine Gotteshäuser nicht gebraucht. In der man- 
däischen Literatur weist aber auch nichts darauf hin, daß die ur- 
sprüngliche Beziehung bekannt war. 

Das Zurückgreifen auf die Stiftshütte hing wahrscheinlich mit 
5 anderen Spekulationen zusammen. Bis auf die alexandrinische Her- 
meneutik reicht der Versuch zurück, den Auszug aus Ägypten 
allegorisch und cschatologisch auszudeuten. 1 Ägypten mit seinen 
Fleischtöpfen ein Bild des leiblichen und sinnlichen Daseins, der 
Auszug die Flucht aus dieser hylischen in die pneumatische Welt, 

10 das rote Meer die Scheide zwischen beiden Welten; darin finden 
die Bösen ihr Ende, nur die Frommen überschreiten es. Diese 
Vorstellungen zeigen ihre Nachwirkung auch in der mandäischen 
Literatur. Häufig, auch im Johannesbuch, finden sich die Ausdrücke 
Epöi «Bfir und spöl £Wn „Meer des Endes" und „Tag des Endes", 

15 oft in Verbindung mit tpö „ein Ende nehmen". Die Umdeutung 
von nW a* 1 zu E)iO CT und epO ÜV geht jedenfalls auf Juden zurück. 
Trotzdem findet sie sich, soweit ich sehe, in den rabbinischen 
Schriften nicht. 2 Die orthodoxen Juden lehnten überhaupt diese 
Art Allegorese ab, außerdem war für sie der Auszug aus Ägypten 

20 zu historisch, als Tatsache zu lebendig, als daß sie ihn nur als Bild 
hätten fassen können. Doch lebte jene Ausdeutung in gnostischen 
Kreisen fort, und auch bei den Syrern findet sich eine Umdeutung 
von tpö zu ^soi, vgl. ZDMG XXIV (1870), p. 543; Nöld., p. 150, n. i.« 
Nur die spätere jüdische Mystik hat auch das rote Meer in 

25 ihre Kreise gezogen, vgl. Schwab, Vocabulaire de V Angehlogie, 
p. 148 unt. 

Eine Wiedergabe erzählender Texte kann auch bei mehreren 
Zwischengliedern und entfernter Bekanntschaft eine größere Über- 
einstimmung zeigen. Der Faden der Erzählung hält den Stoff zu- 

30 sammen. Die Übernahme lyrischer Stellen setzt immer eine nähere 
Bekanntschaft voraus. Nur ein Stück im Ginzä zeigt Entlehnungen 
aus den poetischen Schriften des Alten Testamentes. Es ist das 
Stück GR 173, 3 ff-, vgl. Brandt, Rel., p. 135 f.; Nöld., p. XXIX 1 . Es 



1) Vgl. Dähne, Geschichtliche Darstellung der jüdisch -alexandrinischen 
Religions- Philosophie I, p. 461 f.; Lucius, Die Therapeuten, p. 49, 191. 

2) Dagegen findet sich Qiddusin Babli, f. 30b eine Umdeutung von 
nsiD Num 21, 14 zu nsiö. 

3) Die Stelle bei Bar Bahlül ist col. 13 19. 



xxn Prisäja. — Die Namen mit Jo. 

ist nun sehr bemerkenswert, daß hier Ps. 114 verwertet ist, ein 
Gesang auf den Auszug aus Ägypten und den Durchgang durch 
das Meer. 

In den mandäischen Schriften wird sonö^d im Sinne „hervor- 
ragend, vornehm" gebraucht. Der Zusammenhang mit iü'-id und 5 
der eigentliche Sinn „abgesondert" ist bekannt und wird im Ge- 
brauche des Wortes verwertet (GR 278,2; 282,20; 317,4 und sonst). 
Aber die natürliche Form wäre ntüi^b. Bei fpagioalog wird die 
Endung als griechisch angesehen, vgl. Wellhausen, ZDMG LXVI1 
(^j). P- 63 > un d in der Tat hat die Psittä trotz der Abhängigkeit 10 
vom griechischen Worte in der Regel ^^s. Daß das mandäische 
sw^'-a von (Pagioaiog abhänge, ist unwahrscheinlich, obwohl an 
einer Stelle (GR278, 2) einige Handschriften N^Ntö^NS haben, llicr 
ist es wohl durch ntöYinö „einsichtig" beeinflußt. Das griechische 
Wort könnte nur durch christliche Vermittelung zu den Mandäcrn 15 
gekommen sein, aber dann wäre es bei ihnen nicht in gutem Sinne 
gebraucht. Es findet sich sogar als Beiwort des „Lebens": Qol.4,5; 
22,5. Auch wo Ungünstiges von den Ni" i is;ir'-iE ausgesagt ist (GR 
315, i6f.; GL 27, 20), steht es doch im Sinne „vornehm". Es ist 
nicht anzunehmen, daß (PagioaTog und trsiir^s unabhängig von- 20 
einander zu derselben Form gelangt seien, und ich kann mir nur 
einen einheitlichen Ausgangspunkt, ein jüdisches JOIZJ"^©, denken. 
An einer Stelle konnte die Erweiterung des Otil durch die Adjektiv- 
endung wohl stattfinden. Wir sehen anderwärts an an qtil ange- 
hängt, vgl. Ephem. III, p. 262 s. Von Juden aus, bei denen es noch 25 
in der ursprünglichen, guten Bedeutung gebraucht war, ist es zu 
den Mandäcrn, wohl durch Zwischenglieder gelangt. 

Unter den Namen höherer Wesen sind besonders die bemer- 
kenswert, welche mit Jo zusammengesetzt sind. Im Johannesbuch 
lernen wir besonders zwei kennen: Jösamin und Jörabbä. Dieser 3° 
wird ausdrücklich mit dem Gotte des Alten Testamentes und der 
Juden, mit Adonai, identifiziert. Die Mandäer sind auf ihn nicht 
gut zu sprechen, vgl. S. 182. Er wird mit der Rühä und den Pla- 
neten zusammengestellt. GL 121, 22: „Ich will dich an den Planeten 
vorbeiführen, den Männern, die die Tibil hüten. Ich will dich an 35 
Jörabbä und Rühä vorbeiführen, die Oberzöllner genannt werden." 
Vgl. auch GR 219,22 ff.; 221, 9 ff.; GL 60, 23 ff. Nach Joh. 189,3 
soll er ein Sohn des Ptahil sein. Die Bezeichnung „der große Jo" 
ist ja wahrscheinlich in Kreisen aufgekommen, in denen man ihn 



Jorabbä. Jösamin. xxin 



wirklich verehrt hat 1 , aber es war wohl dennoch außerhalb der 
Synagoge. Auf die Form r statt FniT ist bei diesem wie bei den 
anderen Namen kein Gewicht zu legen; sie kann durch die mit v 
beginnenden Personennamen beeinflußt sein. Aber schon früh ver- 
5 mieden es die Juden den heiligen Namen auszusprechen, und es 
scheint, daß der Name KSTP wirklich gesprochen wurde. Jörabbä 
wird auch mit dem Sonnengotte, mit Samis, identifiziert. Diese 
Gleichsetzung ist kaum von den Mandäern erfunden, sondern geht 
wohl auf jüdische oder den Juden nahestehende Kreise zurück, die 

10 den Sonnengott verehrten. Die Essener scheinen der Sonne Ver- 
ehrung entgegengebracht zu haben, und die HajuipäToi sind am 
ehesten als Sonnenverehrer zu erklären. - 

Gleich vorn im Johannesbuch sind Stücke zusammengestellt, 
die sich mit dem Schicksale des Jösamin befassen. „Der Name ist 

15 offenbar die aramäische Umformung eines hebräischen öratö^i-p" 
(Kessler, PREXID, p. 168). Aber eine Bildung b^ü'JSi^P gibt es 
nicht, ist auch nicht wahrscheinlich. Der Name ^»(»JiöT ist direkt 
an die Stelle des aramäischen ^öüb^a getreten. Er ist bei Juden 
entstanden, die das verpönte byn durch das jüdische v ersetzten. 

20 Aber natürlich haben auch in dieser Form nicht gesetzestreue Juden 
den fremden Gott verehrt; es war ein judenheidnischer Kreis. 

Die Jösaminstücke sind auf einen eigentümlichen Ton gestimmt. 
Jösamin hat ein Verbrechen begangen; am Tore der Sufath muß 
er im Blocke seine Schuld abbüßen. Durch die Stücke zieht sich 

25 ein wehmütiger Zug über das Schicksal des Büßers; worin seine 
Schuld besteht, erfährt man aus diesen Stücken nicht. 

Jösamin ist das zweite Leben (GR 285,2; 2940b. und sonst). 
Das Leben ist sein Vater, das Abbild des Lebens seine Mutter 
(GR 294,4t.). So wird seiner öfter in gutem Sinne gedacht; An- 

30 rufungen und Lobpreis werden an ihn gerichtet: GR285,2; 288,19. 
Ool5,3i: „Ich verehre, preise und verherrliche Jöisamin den Reinen, 
der an den Schätzen des Wassers und an den gewaltigen oberen 
Quellen des Lichtes ruht." Vgl. auch 9,17; 39,9; 40, 7 (hier nach- 
her besonders «"waT sr-n, vgl. auch S. 31,8); 59,24; Morg4,3. 

35 Aber das zweite Leben hat auf das Drängen seiner Kinder (GR 70 f.; 



1) Vgl. den großen Ja«) in den koptisch - gnostischen Schriften. Siehe 
den Index zu Carl Schmidt's Übersetzung Bd. I, p. 393. 

2) Trutz Brandt, Elehasai, p. 128. 



xxiv Jösamin. Der Achte. 



296 f.), vielleicht auch seiner Frauen (dies könnte mit N^NSNi BSü" 11- ! 
38, 11 gemeint sein) gegen den Willen des ersten Lebens die nie- 
dere Welt schaffen lassen. In der ■pa&ttö'ni SMiSNlüNri liegt etwas 
Aufrührerisches, Umstürzendes, vgl. S. 28, 22 ff. GR 132, 21 geht 
Hibil-Ziwä auf die "p^NiBTH NnSNw'N- zu den bösen Mächten, vgl. 5 
auch Brandt, Sehr., p. 171 unt. GR 346, 1 sprechen die Uthras vom 
„Hause des Jösamin, den Werken, die der Mangelhafte geschaffen". 
Hier S. 2 16 f. erscheint er als Vater der Planeten. Wahrscheinlich 
wurde er als solcher und als Demiurg verstoßen. 

S. 41,17 (38,13) klagt Jösamin darüber, daß man ihn zum 10 
Achten gemacht habe. Nach S. 259 wird er vielleicht der Achte 
der Finsternis genannt. An erster Stelle, wo die Beziehung sicher 
ist, will Jösamin sich damit als Ausgestoßenen, Zurückgesetzten 
bezeichnen. Sonst ist bei den Gnostikern die Achtheit, die öydodg, 
das jenseits der Welt der Sieben liegende höhere Reich. Es ist 15 
der Sitz der 'Qwrj, und dahin strebt die Seele durch die Sieben zu 
dringen. Eine solche Anschauung erwartet man auch bei den Man- 
däern. In der Tat findet sie sich hier S. 95, und in der Beschwö- 
rungsrolle Morg 255 ff. wird 266, 22,5 „der Name des großen ersten 
Achten, des Sohnes des allerersten großen Lebens" (vgl. auch 267, 20 
24, 34; 25, 16) genannt. Beim Schöpfer der Sieben ist der Sitz in 
der Ogdoas an sich wohl verständlich. 1 Aber der Achte als Außen- 
seiter beruht auf einem Mißverständnis oder geht auf Anschauungen 
über die Sieben zurück, die denen der Mandäer entgegengesetzt 
sind. Es scheint mir nun allerdings möglich, daß die Auffassung 25 
des Jösamin als Achten durch den Namen ■pü(N)iöT' veranlaßt 
wurde: durch ein Spiel mit 'pnia und "•■:*^.. 2 Eine solche Ausdeutung 
war aber nur bei Juden möglich. Die Phönizier haben den Namen 
ihres Esmun als öyöoog gedeutet." Daraus läßt sich schließen, 
daß bei ihnen das Ordinale ^ : :",rj war und daß bei ihnen nicht "paiü 30 

1 ) Nach Valentin sitzt der Demiurg und Schöpfer der sieben Himmel 
in der Ogdoas, vgl. Epiphanus, Hacres. XXXI, 4 (Migne I, Sp. 480, 14 f.), 
Bousset, Hauptprobleme, p. 17 2 . Wenn Rühä in einer achten Mattartä 
sitzen soll (Brandt, Jahrbücher für protest. Theologie XV III , [892, p. 4 1 7), 

ist damit zu vergleichen, daß die „Mutter" in der Ogdoas wohnt, vgl. 
Bousset, p. 12 ff. Zu A<iit als kosmischer Zahl vgl. FlorUegium Melchior 
de Vogüe, p. 373 zu 260. 

2) Wie man im Deutschen damit spielen könnte, daß der Achte in 
Acht getan sei. 

3) Vgl. Altsemit. Texte I, p. i'>. 



Jokabar. Jökasar. Jozataq. \\\ 



als ^"»HBi ausgedeutet werden konnte. Doch wird freilich bei sol- 
chen Erklärungen mit größter Willkür verfahren, wofür die Ono- 
mastica erschreckende Beispiele liefern. 

Von den anderen mit V zusammengesetzten Namen zeigen 
5 drei eine einheitliche Bildung: -xasDr 1 , ^':n:-, pNtttfTV. Die Träger 
dieser Namen sind durchaus gute Wesen. Am häufigsten wird 
Jökabar genannt; er wird namentlich in Gebeten angerufen. Er wird 
als Kusta bezeichnet, vgl. S. 44, 1 1 f. Ool 31, 25 hat er das Epitheton 
N^n. In der Oxf. Rolle G, 105 fr. heißt es: ^KbaCTOiNXn *]*&$ rPSiü« 

iü JONS" 1 » N2N0[?l] JTi«b3> NSKöb D""NJ?i «"WaiKp 66«^«» "ISSWPa 

t^bäTtfi Ni-pp^n arm ndni &o»bN 1N3N «"»»riTi »a&töbi „Ich beschwor 

und beeidigte dich bei Jökabar, dem ersten Worte, der am 

oberen Ende und am mittleren Ende und am unteren Ende steht, 
der die Welten durchquerte, kam, das Firmament spaltete und sich 

15 offenbarte", vgl. auch Ool 4, 12 ff. und S. 213 n. Er wird gewöhn- 
lich nvt genannt, namentlich in der häufigen Schlußformel von 
Gebeten ktt ^ÄONav jOEVNpi, vgl. ZDMG LXI (1907), p. 693, 14. 
Nach S. 23, 19 ist er ein Sohn des Jösämin, wo eine Handschrift 
Jökasar hat. Dieser ist nach 7, 10 ein Sohn des Ptahil. Er ist trotz- 

20 dem ein durchaus gutes Wesen. Er hat das Epitheton n:nd vgl. 
S. 5 n. Nach GR 129,14 ist der Olivenstab des lebenden Wassers 
von ihm geschaffen. Der dritte ist Jözataq, der mit Mandä dHaije 
identifiziert wird (GR 68,8; 240, 2 ff. und sonst), püt ist < p--, p-JJS. 
Der Übergang von 1 in a vor p ist an sich nicht auffällig, aber 

25 p^T steht hier innerhalb des Aramäischen ganz vereinzelt da, und 
es ist nicht einmal zu erkennen, daß den Mandäern die Identität 
mit p~T bekannt war. 

Die Bedeutung der drei Wesen ist bei den Mandäern ganz 
verblaßt. Bei der Einheitlichkeit der Bildung ist es wahrscheinlich, 

30 daß sie gemeinschaftlich zu ihnen gekommen sind. Es ist nun sehr 
interessant, daß die drei Elemente ^3:2, hiüa, pH22 sich bei Personen 
in der Urgeschichte des Sanchuniathon finden: -33 in den Kdßeiooi, 
TI3D in Xovocoo, piS in 2v6vh. Daß Xovocoq T33 enthält (lttf3 oder 
nidr), nehme ich mit Hoffmann ZA XI (1896), p. 254 f. an, wenn 

35 ich auch seinen sonstigen Ausführungen nicht zu folgen vermag. 
Da die drei Wesen unter den anderen, deren Namen mit Jö zu- 
sammengesetzt sind, eine Stellung für sich einnehmen, scheint mir 
ein zufälliges Zusammentreffen ausgeschlossen. Von den Eigen- 
schaften und Taten, die die Phönizier den Kabiren, sowie Sydyq 



XXV] 



Josmir. 



und Chusor zuschrieben, ist freilich bei den Genien der Mandäer 
keine Spur zu finden. 

In den drei Namen ist die Bildung des zweiten Elementes 
unorganisch. In allen drei erwartet man vom Aramäischen aus eine 
Form qattil. Sie scheinen danach nach einem anderen Namen um- 5 
geformt zu sein. Die Namen mit Jö sind jedenfalls künstliche Bil- 
dungen, künstliche Namen werden aber leicht nach einem einheit- 
lichen Schema geformt. Die zahlreichen Engelnamen späterer 
Bildung haben die Form qatliel, vgl. S. 119. Ich habe es früher 
ausgesprochen {Uthra, p, 543), und es ist mir noch jetzt wahrschein- 10 
lieh, daß sie alle nach Gabriel gebildet sind. Von den älteren 
Engelnamen hat Gabriel allein die Form qatliel, und Gabriel ist 
der populärste Engel des Orients. — Als die Juden nach Arabien 
kamen, hatten sie ein Interesse daran, ihren Wirten die Überzeu- 
gung von ihrer Vetterschaft beizubringen. Sie haben mit den Er- 15 
Zählungen von Ismael sicherlich nicht gekargt. So hat denn bei 
den Arabern der Name Ismael die anderen biblischen Namen um- 
geformt (vgl. S. 73 ob.), und danach wurden bei ihnen auch die 
Engelnamen in das Schema qitläil gezwängt. 

Bei keinem der drei Namen "iNitiOT, ta )Nia&OT\ pNENTT 1 kann 20 
die Form jöqatal ursprünglich sein. Aber es ist sonst kein gött- 
liches Wesen mit einem Namen dieser Form bekannt, von dem die 
Umbildung ausgegangen sein könnte. Allerdings muß man die 
Möglichkeit ins Auge fassen, daß jenes numen aus irgendeinem 
Grunde zurückgedrängt und in Vergessenheit geraten sei. Doch 25 
gibt es sonst eine Person mit einem Namen Jöqatal, die auch in 
der Religion der Mandäer von Bedeutung ist: 15ni\ Daß in einem 
gewissen Kreise Johannes eine solche Rolle gespielt habe, daß man 
nach seinem Namen die Namen göttlicher Wesen umformte oder 
neu bildete, ist nicht unmöglich. Daß dies bei den Mandäern ge- 30 
schehen sei, ist unwahrscheinlich. Bei ihnen hat Johannes seinen 
menschlichen Charakter bewahrt, auch hat in den uns erhaltenen 
mandäischen Schriften Johannes niemals den Namen l&ONiin Jeden- 
falls sind die drei Wesen schon mit dieser Benennung zu den Man- 
däern gelangt. 35 

Neben ihnen spielt auch -raoT 1 eine Rolle. Er wird als gutes 
Wesen recht häufig genannt. Wie Jökasar hat er das Epitheton 
fctt&C (GR 127, 13 = Nim;' TillTT). Er wird aber außerdem noch als 
ntt, twsia (vgl. S. 6 ff.; GR32i,2o Np^srn »sdw; 0017,25 «3013 



Jofin-Jofafin. — Ptahil. wvii 



-NWn BTSWiNp), dann als ain-y und K^ifiM bezeichnet. Morg 116 
(= Oxf. Rolle F, 94 ff.): „Josmir, du Arzt des Mänfi und seines Eben- 
bildes, heile mich von den Schmerzen, den Gebrechen und den 
häßlichen Flüchen, von einem kranken, von einem hinfälligen (kepö3 
5 „abtröpfelnd", nur hier) Körper." Schon in dieser Verschiedenheit 
der Beiwörter zeigt sich die Unbestimmtheit seines Wesens, und es 
läßt sich in der Tat nichts über ihn aussagen. -r;:c gehört zu -wo, 
dessen Gebrauch im Mandäischen singulär ist. Vereinzelt findet sich 
die Verbindung von 117:0:1 mit dem gleichfalls erstarrten NTMO, vgl. 

10 Qol 32, 11, auch 16, 29. Unter der Einwirkung von TnüT 1 wurde in 
einzelnen Handschriften p:o&r „Jasmin" zu p:DT: GR 106, 18 f.; 
346, 19. 

GR 127, 19 f. lesen wir „das große Mysterium, dessen Name 
Jöfin-Uthra ist". Sonst findet sich -p^sr ysT» als Name eines 

15 Wesens: GR 71,1 (als Vater des Nbat Jawar); 189, 13; 196, 2; L 7, 9; 
Qol 3, 12; 5, 19 und sonst. Der Name geht vielleicht auOfcOST 1 und 
rri&is^ zurück, die unter den jüdischen Engelnamen häufig genannt 
werden, vgl. Schwab, Vocdbulaire de VAngelologie, p. 145, 149. 

Es sind sieben Wesen, deren Namen mit Jö zusammengesetzt 

20 sind. Nur bei Jörabbä findet sich die Verbindung mit einem Pla- 
neten. Bei den anderen außer bei Jösamin ist, weil es gute Wesen 
sind, eine solche Verbindung nicht möglich. Ob sie nicht trotzdem 
ursprünglich bestanden hat, läßt sich aus den mandäischen Schriften 
nicht ersehen. 

25 [ösamin wird als zweites Leben vom ersten Leben abgeleitet. 

Weiterhin hat er in Abathur als drittem Leben und in dessen Sohn 
Ptahil seine Fortsetzung. Kessler hält V^S-SNnö für einen „echt ara- 
mäischen Namen" (PRE XII3, p. 166,46). An einer anderen Stelle 1 
sieht er in Petähil eine aramäische Übersetzung von Bab-il „Tor 

30 Gottes" (Babel). Schade nur, daß im Aramäischen „Tor" nicht 
petah sondern tra c heißt. Ptahil trägt mehr als irgendein anderes 
Wesen einen demiurgischen Charakter. Die Endung ist zweifellos 
bat. Da dieses auch sonst sekundär an Namen angefügt ist, so wird 
man es nicht für gewagt halten, wenn ich Ptahil mit dem ägyp- 

35 tischen Demiurgen Ptah identifiziere.- Die Entlehnung geht auf das 

1) Mandäische Probleme nach ihrer religionsgeschichtlichen Bedeutung. 
Separatabzug aus den Akten des IL Internationalen Religionswi ähn- 
lichen Kongresses in Basel (1904), p. 19. 

2) Von mir schon Uthra, p. 544 oben ausgesprochen. 



XXVII] Rüha und Ur. 



Bestreben zurück, die Weltschöpfung vom höchsten Wesen loszu- 
trennen. Ägypten galt nun als besondere Vertreterin des Materiellen, 
daher holte man dorther den Schöpfer der hylischen Welt. 

Der Name muß früh gebildet und aufgenommen sein, denn 
die Endung zeigt dieselbe Form wie bei r\ri-r und Vwiö, vgl. Ultra, 5 
a a. O. Bei diesen Namen wird die Endung in den Handschriften 
durchweg b* geschrieben. Der Zusammenhang mit bx wird bei b^mü 
und b^lrNns nicht mehr empfunden, während bei den sonstigen 
Wesen, namentlich bei den zahlreichen Engelnamen der Beschwö- 
rungen die Schreibung zwischen b-*', b^" 1 , V -1 * 1 , b^ schwankt und 10 
auf el, iel hinweist. In der Bleitafel Florilegium Melchior de Vogüe, 
p. 368, Z. 245 f. findet sich zwar V'SWiö, aber hier ist die Schreibung 
wohl durch die eben in diesen Texten häufigen Engelnamen beein- 
flußt. In der Bleitafel Klein B II, Z. 21 f. steht auch b^sns. Ptahil 
wird — für ein mandäisches Wesen ein einzig dastehender Fall — 15 
bei einem arabischen Dichter genannt. Ruba b. el-'Aggäg (f 762) 
spricht in einem Verse von der Urzeit als „der Zeit des Fitahl" 
(j£dfl3).i Die Vokalisation ist hier wohl durch das Metrum beein- 
flußt, sie spricht aber doch für die Kürze der letzten Silbe. 2 

Daß an einer Stelle des Johannesbuches anscheinend Tdavrog 20 
genannt ist (S. 8 1 5), ist von geringerer Bedeutung. Die Kunde von 
der Identifikation des Thot mit Moses kann auf Umwegen spät zu 
den Mandäern gelangt sein. Aber der ägyptische Charakter des 
Ptahil scheint mir sicher, und dies führte mich zu weiteren Kom- 
binationen. Rühä gehört zu dem Kreise der Muttergöttinnen des 25 
vorderen Orients, die in der synkretistischen Zeit zusammengeworfen 
wurden. Zu ihnen gehört in erster Linie Isis. So vermutete ich 
denn in -ir, dem Sohne der Rühä, den Horus. Die Schreibung 
--• läßt die Lesung ür wie ör zu. Das h bzw. li kann in Babylo- 



1) Vgl. Aht. ward t, Siniuithnnjni alter arabischer 1 >i<lttir III, p. XIII ff. 

2) Maßgebend für die Feststellung des Sinnes der Worte „Zeit des 
Fitahl" sind ausschließlich dir Verse des Dichters. Was die arabischen 
Erklärer dazu sagen, ist gleichgültig. Im Lisän XIV, p. 43, 8 wird nach 
Ahn Hanifa als sprichwörtliche Redensart angeführt „ich kam zu dir 
Äka^lj Js^aÄJ) flc", W as heißen soll: in einer Zeit der Hülle und Fülle. 
Die Worte sind bei Brandt, Sehr., p. ^>i (nach De Goeje) nicht ganz 
richtig wiedergegeben. Danach i.>t Bousset's Identifikation des Ptahil mit 
dem persischen Jima (Hauptprobleme, p. 356 f.) noch weniger begründet, 
als sie an sich schon ist. 



Abathur. xxix 



nien, aber auch in Galiläa abgefallen sein. Weiter vermutete ich 
in Abathur, dem Manne mit der Wage (vgl. S. 232), dem Toten- 
richter, Osiris, den Vater des Horus: Ti?1 N3N > — 5HK18. Der 
Übergang 1 > n ist an sich möglich, vgl. V»bKpm 35 7 , außerdem 
5 kann hier schon die bei den Mandäern beliebte Deutung als N2N 
jmrv»1 mitgewirkt haben. Diese Deutung ist in Wirklichkeit nicht 
mehr wert als die sonstigen Etymologien in heiligen Schriften, wenn 
sie auch von europäischen Gelehrten angenommen ist. 

So verlockend nun auch diese Erklärungen sein mögen, habe 

10 ich sie doch aufgegeben. Mir drängte sich die Vermutung auf, daß 
die Kombination der Rühä mit Tis auf einer Spekulation über den 
über dem Wasser schwebenden Ruah Gottes Gen. 1, 2 und das 
gleich dahinter genannte TW beruhe. Nicht durch die Textworte 
allein, aber unter Mitwirkung überbrachter Anschauungen konnte 

15 man annehmen, daß TIN von der weiblichen rrr unter Einfluß des 
göttlichen Wortes geboren sei. Diese Erklärung schien mir weit 
näher zu liegen, als eine Kombination mit Isis -Horus. Ich wurde 
nachher durch Brandt, Sehr., p. 131 darauf aufmerksam, daß Halevy 
in den Recherche* bibliques, p. 5S2 bereits diese Vermutung ausge- 

20 sprochen hat. 1 Zu TinsSN erfuhr ich aus Braxdt, Die jüdischen 
Baptismen (Gießen 19 10), p. 147, daß Andreas den Namen aus 
dem Persischen als „der mit der Wage" erklärt. Auf eine Anfrage 
schreibt mir Andreas (29. April 1914): „Es (-ts:s) ist eine jener 
bekannten Zusammenrückungen von äßä ( = älterem neupersischem 

25 b .', jüngerem O, mittelpers. äßäy, historisch geschrieben ^NDN, pho- 
netisch in den Turfänfragm. San«) und einem Substantiv, die einen 
Ersatz bilden für die immer mehr aus der Sprache verschwindenden 
Bildungen auf ^ — und ^'5 — „begabt mit — , versehen mit — ". 
Das mit äßä verbundene Substantiv tur bedeutet „Wage". Man 

30 vergleiche Sanskrit iulä, „Wage, Wagebalken, Gewicht", das im 
Iranischen nur *turä, jünger *tnr lauten konnte. Und dieses tur 
steckt ja in dem neupersischen Wort für „Wage" täräxü, nur ist, 
wie so oft, vgl. ädur — ädär, an die Stelle des dunkelen Vokals 
der helle getreten." 

35 TinsaM wird in erster Linie als Mann mit der Wage gekenn- 

zeichnet. Läßt sich der Name aus dem Persischen ungezwungen in 



1) Der Band ist mir nicht zugänglich, und ich weiß nicht, wie 
Halevy seine Ansicht darstellt und begründet. 



\w Rühä und Ur. 



diesem Sinne erklären, so ist jede andere Deutung aufzugeben. Die 
Vorstellung von der Gerichtswage in der Hand des Räsn-i-räst 
findet sich in der mittelpersischen Literatur, vgl. Brandt, Jahrbücher 
für protest. Theologie XVIII (1892), p. 432, und die Mandäer haben 
selber die beiden Genien miteinander identifiziert (GR286, 7). Danach 5 
ist die Figur des Wagemannes wie sonst vieles aus den Jenseits- 
vorstellungen der Perser in die mandäische Lehre gelangt und wurde 
später mit anderen der Kosmogonie eingereihten Personen zusammen- 
gebracht. 

War Ur, oder nach diesen Ausführungen Or 1 , ein Lichtwesen, 10 
woher kommt es, daß die mandäische Lehre, in der alles auf Licht 
und Leben gestellt ist, ihn zum Bösesten der Bösen stempelte? 
In den mandäischen Schriften wird oft von einer geschlechtlichen 
Verbindung des Ur mit seiner Mutter Rühä erzählt, und besonders 
dieser Zug wird in der Polemik gegen sie verwertet. Ich glaube, 15 
daß dies ihnen nicht von den Mandäern zu ihrer Herabsetzung an- 
gehängt wurde, sondern daß es zu der Lehre eines Kreises gehörte, 
bei dem Rühä und Ur verehrt wurden. Wie die Sonne, 2 so konnte 
auch das jeden Morgen neu erscheinende Licht als sich selber 
zeugend angesehen werden ; es konnte zugleich Gatte und Sohn 20 
desselben weiblichen Wesens sein. In einer Religion, die energisch 
das Sittliche betonte, war für ein solches Paar kein Platz. Gerade 
von einer verwandten Lehre aus konnte sich Widerspruch gegen 
sie erheben, konnte ihre Ablehnung mit besonderer Schärfe, ihre 
Ausstoßung zu den bösen Dämonen erfolgen. 25 



Beachte auch den iJoatog der Ophiten bei Origenes, <'<>nlrn 
< 'elsum VI, ,^ 1 , 32. 

2) Vgl. Erman, Ägyptische Religion 2 , p. 8, 17. 




Benutzte Druckwerke. xx.xi 



Benutzte Druckwerke, 

die in Abkürzungen zitiert sind. 

GR, GL: Der rechte bzw. linke Teil des Ginzä, d. h. des Thesaurus s. 
Liber magnus vulgo „Liber Adami" appellatus opus Mandaeorum 
summt pond&ris. Descripsit et edidit H. Petermaxx. Lipsiae 1867. 

Aland. Diwan: Mandäischer Diwan nach photographischer Aufnahme von 
Dr. B. Poertxer mitgeteilt von Julius Euting. Straßburg 1904. Zu 
den sonstigen Mängeln dieser Reproduktion kommt noch der hinzu, 
dali keine Möglichkeit geboten ist, die zusammenhängenden Text- 
stücke zu zitieren. Ich habe in meinem Exemplar die Stücke fol- 
gendermaßen signiert und zitiere sie danach im Kommentar. Vielleicht 
wird sich der Leser nach diesen Angaben zurechtfinden. Die Zeilen 
wird er nachzählen müssen: A das Stück unter den Figuren 42. — 
B das Stück unter den Figuren 39. — C die darauf folgenden 
Stücke. Ich habe diese einzeln numeriert, beginnend oben rechts 
(die Kolumne geht von I — 12), dann die nächste Reihe links (13 
-19), dann die am linken Rande stehenden Stücke (20 — 28). — 
D das Stück unter dem Tor 31. — E das Stück rechts der Fi- 
guren 30. — ■ F das Stück unter den Figuren 22. — G das letzte 
Stück. , 

Mcirg: Mission scicntifique en Perse par J. de Morgan. Tome V. Etudes 
linguistiques. Deuxieme partie. Textes mandaites publies par 
}. de Morgan avec une notice sur les Mandeens par Cl. Huart. 
Paris 1904. Vgl. über diese Reproduktion ZDMG LXI (1907), 
p. 689 f. 

Qol: Qolasta oder Gesänge und Lehren von der Taufe und dem Ausgang 

der Seele als mandäischer Text mit sämtlichen Varianten 

autographiert und herausgegeben von Dr. J. Euting. Stuttgart 1607. 

Brandt, Rel.: Die mandäische Religion, ihre Entwicklung und geschicht- 

liche Bedeutung, erforscht, dargestellt und beleuchtet von Dr. A. J. H. 

Wilhelm Brandt. Leipzig 1889. 
Brandt, Sehr.: Mandäische Schriften übersetzt und erläutert von Dr. W.Brandt. 

Güttingen 1893. 
Nöld.: Mandäische Grammatik von Theodor Nöldeke. Halle 1875. 
Pogn.: Inscriptions mandaites des coupes de Khouabir. Texte, traduetion 

et commentaire philologique avec quatre appendices et un glossairc 

par H. Pognon. Paris 1898. 
Siouffi: Etudes sur la religion des Soubbas ou Sabeens, leurs dogmes, leurs 

mecurs par M. N. Siouffi. Paris 1880. 



xxx u Benutzte Handschriften. 



Uthra: Uthra und Malakka. Von Mark Lidzbarski. Orientalische Studien 
Theodor Nöldeke zum siebzigsten Geburtstag gewidmet, Gießen 
i9<A P- 537 — 545- 

Benutzte Handschriften. 

Bleitafeln Klein, engbeschriebene Bleitafeln, früher im Besitze des Mr. Klein 
in der Londoner City, jetzt wahrscheinlich im British Museum, vgl. 
Florilegium Melchior de Vogüe, p. 349 f. 

Asfar MalwäSe, ein astrologisches Werk, vgl. Nöld., p. XXIV f., in zwei 
Handschriften vorhanden: Cod. Petermann I, 155 der Kgl. Bibliothek 
zu Berlin und Code Sabeen 26 der Nationalbibliothek zu Paris. Die 
Pariser Handschrift hat einen längeren Anhang jüngeren Datums, 
der in der Berliner fehlt. Soweit die Berliner Handschrift reicht, 
zitiere ich nach deren Seiten, den Anhang nach den Blättern der 
Pariser Handschrift. 

Code Sabeen 15, f. 1 — 49a = Code Sabeen 25 der Pariser National- 
bibliothek, ein Hochzeitsritual; siehe zu der ersten Handschrift Zoten - 
p.krg, Caialogue, p. 229 s. n. 15. 

Code Sabeen 24 und Code Sabeen 27 der Pariser Nationalbibliothek. 
Zwei Sammlungen mit magischen Anordnungen und Vorlagen für 
Anmiete. Stark mit arabischen Elementen durchsetzt. 

Oxf. Die Oxforder Gebetsammlung Cod. Marsh. 691, vgl. Payne-Smith, 
Catalogus, col. 648, n. 205 und Nöld., p. XXIII 1. ult. Zum Teil 
vorhanden in Cod. Par. 15, f. 49a, 1. 18- — f. 58 und in f. 130b ff. 
Fast alle Stücke finden sich auch bei Morg, doch in sehr schlechter 
Überlieferung. 

Lond. Rolle A. Eine Rolle von 806 Zeilen im Besitze des British Museum. 
Enthält ein Ritual für „die Auflegung der Krone des großen Sislam " 
(«ni DSblZTlöi SONni NlSN^ni mal!)). Geschrieben im Jahre 1289 
d. 11. (Anf. 11. März 1872). 

Lond. Rolle 1J. Eine ebenda befindliche Rolle von 634 Zeilen apotropäischen 
Inhaltes. Geschrieben im Jahre 1269 d. II. (Anf. 15. Okt. 1852). 

Oxf. Rolle F. Eine Rolle von 1404 Zeilen im Besitze der Bodleiana. 
Enthält in Z. 1 — 1222 ein Ritual für das Fest der fünf Epagomenen 
(Parwänäje oder Pansä, vgl. Siouffi, p. 102,4). Der ^ rst enthält 
ein Hochzeitsritual. Die Handschrift ist am Anfang und in der Mitte 
jänzt. Dieser Teil ist im Jahre 1203 d. PI. (Anf. 2. Okt. 1788) 
gesi hrieben. 

Oxf.RolleG. Eine ebenda befindliche Rolle von 1124 Zeilen mit zwei Texten 
apotropäischen Inhaltes. < i< chrieben 1231 — 1232(1. II. (Anf. 3. Dez. 
5). 

Pariser Diwan. Die Pariser Rolle Code Sabeen 10. Vgl. Zotenberg, 
Caialogue, p. 230, s. n. 10 und Nöld., ]>. XXIV. 

Das Leidener Glossar, früher in Amsterdam, vgl. Nöld., p. XXV. 



Gepriesen sei mein Herr! 



Im Namen des großen, fremden Lebens 1 aus den erhabenen 
Lichtwelten 2 , das über allen Werken steht, werde Heilung und 
Schuldlosigkeit 3 , Kraft und Festigkeit, Rede und Erhörung 4 , Herzens- 



i) Die gewöhnliche Einleitung mandäischer Schriften, vgl. z. B. Brandt, 
Sehr., p. 3. — N\N - 2-: „fremd", aus einer anderen als dieser irdischen 
Welt stammend. Es steht in der Bedeutung *n:n'C nahe, vgl. S. 4, 
Anm. 1; Brandt, Sehr., p. 3 2 . Häufig ist die Verbindung »"»8*1313 8**138*3 
als Bezeichnung des Erlösers, der in die Unterwelt hinabsteigt. 

2) Brandt hat die richtige Beobachtung gemacht (Sehr., p. 33), daß 
8*"»öb8* vielfach in singularischer Bedeutung dastehe. Das Durchdringen 
einer einfacheren Auffassung der höheren Welt und die Einschränkung 
ihrer bunten Fülle hat die vielen oberen Welten zu einer zusammengezogen. 
Im einzelnen läßt sich aber schwer sagen, wo eine Vielheit, wo eine Ein- 
heit gedacht ist. 

3) NrT, das im Aramäischen neben 8*31 einhergeht, aber so, daß 
es auf das Geistige und Sittliche übertragen ist, dürfte aus dem Assyri- 
schen eingedrungen sein. Im Hebräischen ist MST wohl ursprünglich, vgl. 
Jes. 1, 16. Durch arabische Juden fand es seinen Weg auch ins Ara- 
bische, vgl. Xöldeke, Neue Beiträge mr samt. Sprachunssenschaß, p. 25; 
Schulthess, ZA XXVI (1911), p. 148 fr. Im Assyrischen hat zahl noch 
den Sinn „rein sein 1 ', doch seltener, während die gewöhnliche Bedeutung 
„frei sein" ist. Welche Rolle das Wort im Assyrischen in der Gerichts- 
sprache spielt, kann ich aus den Wörterbüchern von Delitzsch und 
Muss-Arnolt nicht ersehen. Im Mandäischen findet sich oft der Sinn: 
vor Gericht unschuldig befunden werden, da obsiegen. Die Verbindung 
"T mit N2T ist häufig, z. B. GL 85, 19 fr „O Seele, du steigst zum Hause 
des Lebens empor, du stehst da vor Gericht, wirst aber unschuldig be- 
funden" (rPSKTi n-:\\n ")8*"P»), dann GL 27, 8; 28,22; 30,7; 32,2; 
Qol 60, 14 etc. Qol 14, 21 f.: „Der Schuldige wird im Prozeß obsiegen 
(n:""3 N"t~: nzn*N~), und der Gefangene wird aus dem Gefängnis be- 
freit werden". GL 36,21 von den Tyrannen: N\\:NT"r flb'ONTM N^N'Nnb 
irir-n'Nri": „den Schuldigen sprechen sie frei und den Unschuldigen ver- 
urteilen sie". So steht auch sonst oft tt\\rKT parallel SO^TN", z. B. 
GR 173, 19 f.; Qol 4, 30; 17,5; 24,8. Erst von der Gerichtssprache aus 

Lidzbarski, Johannesbuch. I 



Einführung. 



2 freude und ein Sündenerlasser 5 zuteil mir N. N. 6 II und meiner Gattin 



dürfte w\rT die allgemeine Bedeutung „siegen" angenommen haben, eine 
Bedeutung, die besonders im Syrischen häufig ist. Im Mandäischen hat 
8DT diesen Sinn namentlich, wo es von höheren Wesen ausgesagt ist, so 
in der häufigen Schlußformel 83b N^ON"? 81383 8"08T1 ""CNT 8 ri !t, vgl. 
Brandt, Rel., p. 210 m. Sie werden damit als ävixi]ioi, invicti bezeichnet, 
vgl. ZDMG LXI (1907), p. 696 6 . 8mD8T in Verbindung mit den 

Gläubigen oder ihren Seelen kann danach „Schuldlosigkeit, Seelenreinheit" 
und „Sieghaftigkeit" bedeuten. Für ersteres vgl. z. B. GR 214, 11 f.: 
„Das Erste in deiner körperlichen Reinheit (~8r"P3N~i "O" 11 ") sei: wirf dich 
nicht in Schmutz. Das Erste in deiner seelischen Reinheit ("Nn"3NT w*\) 
sei: halte dich schuldlos (^8"<ÜD83 8"08T) und liebe nichts Hassenswertes." 
Aber andererseits liegt ja besonders dem Gnostiker daran, sieghaft den 
bösen Mächten gegenüber zu sein. Auch das häufige 8J181838T b"bo 
(GR 128, 11; 210, 10 etc.) gewährt als „Kranz von Siegen" ein schöneres 
Bild (vgl. auch jZojp |L»1^jö bei Bar Koni über Mani ed. Scher II, 
p. 314, 3; Cumont, Recherches sur le Manicheisme , p. 17), obwohl ein 
„Kranz von Tugenden, Verdiensten" auch einen passenden Sinn gibt, vgl. 
Morg 31,7 fr. (-f- Oxf. 13a): „Den Männern, die von mir kaufen, sollen 
ihre Verdienste um das Haupt gewunden werden" (^lrt''8B' 1 1a "pnKIJONT 
■JfitbTJMrPn). An vielen Stellen läßt sich nicht entscheiden, welcher Sinn 
vorliegt, aber die Bedeutung „Seelenreinheit, Schuldlosigkeit" wiegt jeden- 
falls vor, und für die Verbindung 8nia8T1 8mö8 ist es die traditionelle 
Auffassung, denn Siouffi übersetzt p. 90 assoutho ou xakhoutho mit „salut 
sans fache". 

4) Man habe zu sagen und werde erhört, auch sonst: GR 316,4; 
337, 18 f.; 338,11t. Es ist eine Substantivierung der Wendung 1N738 
873n;i}3n vgl. GL 26, 6 f.; 27,8; 34, 22 f. und sonst. Siouffi sagt p. 71: 
La presence du futur eveque pres d'un malade qui doit mourir a un but 
dune grande importaix e. 11 Charge ce dernier d'une missive verbale pour 
Avather. Voici les mots qu'il le Charge de porter de sa part ä ce personnage : 
■•rxr N" ibl83:st8 P8381 ^8bl832t8 n:n Ano Asborlakh ou Anot Äsborli 
hi Anilin r. Le malade repond par les mots suivants: 8731101 187381 85lB8Ta 
Biouchko ou Amar ou Achtmo. Mon professeur m'a assure ne point 

savoir la signification mysterieuse de ces mots, qui n'est connue que des 
eveques et des pretres exclusivement. Cependant je l'ai prie de nie donner 
au moins une explication vulgairc de chaque mot. Voici la traduction 
qu'il m'en a dictee: La premiere phrase dite par Peveque signifie: „Je me 
souviendrai de toi (dans ce monde); souviens-toi de moi, 6 Avather!" 
La reponse du malade: „Oui, je ferai parvenir ta requete, et je dirai en- 
suite Amen." Ich habe die ganze Stelle mitgeteilt, da sie die Zuverlässig- 
keit von SlOUFPl's professeur besonders scharf beleuchtet. In der Oxforder 
Rolle F, Z. 4 0,5 ff. heißt es: 187381 8D1881 3»3 8p8D83b 81385108 1873131 
838p18B731 83873"»D1 8118 ,, 18 IsbliTi "(im^NOl DI^Tl N^ni5 873mü3n 
^«T^Krtl 8^-r; T»38tt5731 83p8n 811811 Nlinri 831 81P83 83831T181Ö731 



Kustas Fragen. 



N. N. und meinem Vater N. N. und meiner Mutter N. N. 1 kraft dieser 
Reden der Könige. 

mm 



Kustas Fragen. 

Der erste Abschnitt, der die beiden ersten Kapitel umfaßt, enthält 
5 Fragen und Antworten, hauptsächlich kosmologischen und kosmogonischen 
Inhaltes. Solche Fragen finden sich innerhalb des mandäischen Schrifttums 
auch GR 75 ff., 196m, 263, weiter unten in Kap. 61 und sind auch 
sonst in religiösen Urkunden nicht selten. Anderwärts ist es gewöhnlich 
der Religionsstifter, der einem fragenden Jünger die Antwort erteilt: Buddha, 

10 Jesus, Mani. In den mandäischen Schriften, in denen das menschliche 
Individuum ganz in den Hintergrund tritt, geschehen Fragen und Ant- 
worten zwischen göttlichen oder halbgöttlichen Wesen. Im vorliegenden 
Abschnitt ist die Fragende die Kustä. NE3UJ15 ,, Wahrheit, Zuverlässigkeit, 
Brudertreue •' ist das Band, das die gläubigen Mandäer zusammenhält. 

15 Als solches wurde sie zum Inbegriff der mandäischen Gemeinschaft und 
dann personifiziert. Es ist also das Mandäertum, das hier über die wich- 
tigen Fragen Belehrung sucht, sich die NS*xb holt. Sie steht am Tore 
der Welt oder der Welten. Man hat es sich wohl so zu denken, daß 



Ab^NDÖN DN5N ^rTICS N5Ni NÜTZ>-D VTNr: NpNDN:? tCtttMIBtt FrnfiWN 
"vnN2Nb. „Und der Sgandä sagt zum Sterbenden: „Suche und 
finde, sprich und werde erhört, die Uthras, welche du angebetet und 
gepriesen hast, seien dir ein Helfer und eine Stütze, ein Erlöser und ein 
Erretter am großen Orte des Lichtes und der glänzenden Wohnung, und 
gepriesen sei das Leben." Und ferner sagt der Sgandä zum Sterbenden: 
„Diese Kustä, die ich dir vorgetragen habe (= ~Nb" , " - r::Ci<) , trage 
du Abathur vor." Vgl. auch Qol 46, 9 f. 

5) So immer persönlich, die Gottheit werde zum Sündenerlasser. 
Man darf p">2N"0 nicht ohne weiteres als Abstraktum auffassen (Brandt, 
Rel., p. 172). Vgl. auch Xöld., p. 310 1 . 

6) Der Mandäer nennt immer seine Mutter, Sohn der N. N., das 
ist sicherer. Dieser Brauch findet sich sonst namentlich in der Magie. 
Die Segnungen der Einleitung gelten immer der Person, die das Werk 
hat abschreiben lassen. 

1) In B wird auch noch ein Sohn, in D Töchter und Geschwister 
genannt. BD dahinter: und ihr Xarae werde aufgerichtet am Lichtorte. 
In B ist wie in D ynrT'ai statt yN^n':" zu lesen. TinsO in D ist durch 
"!")r;:i* veranlaßt. 



Kustäs Fragen. 



sie zwischen dieser und der anderen Welt steht und von dort her die 
Antwort erwartet. Die Belehrung wird im ersten Kapitel von Ptahil erteilt. 
Dieser hat ja an der Schaffung der Welt besonders stark mitgewirkt und 
muß danach Bescheid wissen. Im zweiten Kapitel tritt an dessen Stelle 
jokasar, der dort als sein Sohn bezeichnet wird. Das zweite Kapitel 5 
befaßt sich hauptsächlich mit den Störungen, die durch die demiurgischen 
Wesen hervorgerufen wurden. Die Antworten sind hier im Gegensatz 
zum ersten Kapitel oft weitläufig und schweifen zu Schilderungen und 
Reden ab. Ihr Inhalt steht dem der folgenden Jösaminstücke nahe und 
ist wohl aus ihnen und verwandten Darstellungen geschöpft. Diese Ver- 10 
wandtschaft des Inhaltes wird auch die Zusammenstellung der beiden 
Abschnitte veranlaßt haben. 

1. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 1 
Licht. 2 

Am Tore der Welten steht Kustä und spricht fragend hinaus 15 
in die Welt. Sie spricht: „Saget mir: Wieviel beträgt die Dicke 
der Erde? Wie groß ist die Höhe von der Erde bis zum Himmels- 
gewölbe? Woraus ist Adam entstanden, woraus Hawwä, sein Weib? 3 
Woher ist Hamar- Kannä 4 , (und) das Mambügä, das überwelt- 

1) Zu \n:n - w vgl. Nöld., p. 114, 19 und oben S. 1, Anm. 1. 

2 ) Dieses Kapitel hat Th. Chr. Tychsen in Stäudlin's Beiträgen zur 
Philosophie und Geschichte III (Lübeck 1797), p. 18 ff. nach der Hand- 
schrift A transkribiert und übersetzt, natürlich mit vielen Fehlern. In 
Bd. V (1799), p. 243 fr. gibt er nach Lorsbach Varianten der Oxforder 
Handschrift und Berichtigungen. 

3) Die Handschriften haben FhNT mit dem Suffix. Ich habe ur- 
sprünglich angenommen, daß nint der Assonanz wegen stehend mit N1N" 
verbunden und erstarrt sei, ebenso wie N3w\0 in N3N0 N3N als Bezeich- 
nung für Zacharias, den Vater Johannis. Deshalb habe ich an verschie- 
denen Stellen n*-nt NIN" geschrieben. Aber die Handschriften haben fast 
immer FhNT NW". 

4) _ N"N- ..Wein" ist hier zusammen mit Öl genannt, die beide 
eine gleich große Rolle beim Sakrament spielen, siehe die folgenden An- 
merkungen. ■w:n- im Stat. abs., weil als Eigenname gedacht. Der Aus- 
druck n:wN~ "\v:n- findet sich auch Cod. Par. 15, f. 12 b = Cod. 25, f. 16 b 
(Var. -N73Ti). N:N3 erkläre ich im Gegensatz zu Nöld., p. XXVIII, 10, 
der es mit syr. p~i< „Basis, Stamm" identifiziert, vgl. auch Brandt, Sehr., 
p. 39 2 , aus dem assyrischen Icannu „Krug, Behälter" (Muss-Arn., p. 406a). 
Es ist in die mandäische Terminologie ebenso wie n:n?3 eingedrungen. 
In der ursprünglichen Bedeutung steht es noch GR 392,6: „in einem 



Kustäs Fragen. 



liehe 1 , gekommen? Aus wessen Skina 2 ist dieser Misa, der Sohn 
des weißen Sesams 3 , mir gekommen? Aus wessen Jordan kommen 



Kruge Wein (NTONl-n Witt) wird Wein zur Sättigung für dreißig Men- 
schen sein". In Cod. Par. 15, f. 46b steht fctiJO neben NT1D. In Morg 
78, 8 f. stehen SWNÖ und N3N3 in Parallele (x\NC" fi*m 8WJW ^NM -JE 
N"»N73TNp l\2^ JOöO "iwVn •*:!). tOJO bezeichnet dann einen Aufbewah- 
rungsort, Sammelort, Herkunftsstelle, so öfter NIM S2"»» s i N: k \3 GR 83, 24; 
86, 13; Joh 32, 1. Besonders häufig ist die Verbindung Nnetasral K2ND. 
Ursprünglich ist es der Sammelort, die Herkunftsstelle der Seelen, vgl. 
51 ob. Aber wie der Gläubige schlechthin als „Seele" bezeichnet wird 
(a potiori, vgl. ZDMG LXI, 1907, p. 691), so bezeichnet NnMWBPal fiMfiö 
die Gesamtheit der Mandäer und wechselt hierin mit 6*^8*11X8*21 6*260 
GR 188,21; 310,6; Mand. Diwan B, 69, vgl. auch emeraiB-Ol 6*26*23 
6r\\~iX6*2l GR 298, 9. Der Ausdruck N'p-pT^ 6*36*:2) dürfte ursprünglich 
die Sammelstelle für Almosen und dann das Almosenwesen bedeuten. Bei 
der Wichtigkeit der Institution wurde sie personifiziert und wird nament- 
lich mit dem gleichfalls personifizierten Sonntag (NnN"C2N~) genannt 
(GR 289,3,19; Qol 12,13; 62, 25; 63,2 und sonst), vgl. auch 102,10. 
Eine andere an sich mögliche Auffassung, daß 6tpVTi N2ND die Gesamtheit 
der Gerechten bezeichne, siehe S. 50 3, ist weniger wahrscheinlich. n:nd 
dient dann auch wie N2N"2 zur Bezeichnung höherer Wesen. Man findet 
es bei 16*1Ö8*D-P (GR 129, 14; Qol 59, 19; Siouffi 38,9), bei ^IZOV (GR 
127,13; Qol 16,29), der außerdem noch 6**im3>, 6*3S3ia und NTT genannt 
wird. In Morg 6, 9 f. werden die Wesen b^sn&Mai b^Ems? als etpTTi 6*36*3 
bezeichnet. Mit 6*26**3 *i6tt)i*M nun dürfte ursprünglich der Weinkrug ge- 
meint sein, aus dem der Wein zum Sakrament genommen wird, dann 
dieser Wein überhaupt. Über die Verwendung von Wein beim Sakra- 
mente der Mandäer vgl. Petermann, Reisen II, p. 118,9; Brandt, Rel., 
p. 107 ff. 

1) B«TJ2l73Ntt, 6*31306*73 ist die gewöhnliche Bezeichnung für den 
Sakramentstrunk der Mandäer, s. Brandt, a. a. O. Zu ihm wird in der 
Regel Wasser, selten Wein genommen. Ich glaube aber nicht, daß 6*313736*73 
hier nur den Wassertrunk bezeichnet und als solcher neben 6*36*3 16*736**1 
als Weintrunk gestellt wird. Hier wird vielmehr nur nach der Herkunft 
des Weines gefragt, und wenn das Waw bei 6*313736*73 überhaupt ursprüng- 
lich ist, liegt ein ev dtä dvöiv vor. Das Wasser zum Mambügä wird aus 
dem „Jordan"' genommen, und nach dem Ursprünge der Jordane wird 
weiterhin gefragt. 

2) Nrrzc wird im Mandäischen vorwiegend in der ursprünglichen 
Bedeutung ..Wohnsitz-' gebraucht, vgl. Brandt, Sehr., p. 9 3. 

3) Das Sesamöl (vgl. auch Qol 13,4, 13) wird zum „Zeichnen" der 
Täuflinge verwandt, vgl. Brandt, Rel., p. 103 f.; Siouffi, p. 80 1 . Über 
die Verwendung von Öl bei den Gnostikern vgl. PRE VP, p. 734, 47 f.; 
Anrich, Das antike Mysterienwesen, p. 104, 208, 230; Bousset, Haupt- 
probleme der Gnosis, p. 297 ff. Das Öl, das von den Mandäern im 



Kustas Fragen. 



diese Jordane lebenden Wassers? Saget mir, wieviel Tausende 

Uthras unter Jösmir-Gumä 1 sitzen. Saget mir, wieviel Tausende 

3 Uthras unter Sar-Gufna 2 sitzen. || Saget mir, wieviel Tausende Uthras 



Kultus verwandt wird, muß natürlich weiß sein. Auch der neueingeweihte 
Ophite sagte yj^otofiai %oiof.iaTi levxco ix gvlov ^corjg (Bousset, p. 297). 
Unter Elxais Eideszeugen wird Öl neben Salz genannt (Brandt, Elchasai, 
p. 15). Da sei nun eine Stelle aus der apotropäischen Rolle Morg, 
p. 255fr. angeführt: firPfcOTBK JOTi rpni «il NTifinb mpb^D rrTSi aniab 
•p:\-aa;:: k*int»m Naia-na ^3 EwaiM Nnaba b^a ns (st. abr-pab) Nbi-usab 
n's -n 's N-'b'-b tobxtnn ■'isaia:: abisbaa ■piTna'-i ia»iöbi „Auf den 
Berg des Nirig bin ich gestiegen, zur großen Wohnung des Hauses des 
Lebens, da fand ich Salz, die Tochter des Gottes Bei, und Öl, den Sohn 
des weißen Sesams, ich nahm sie und warf sie mir in den Mund, da 
richteten sie mir die Rede im Munde auf, mir N. N." (p. 265, 20 unt.). 
Vgl. auch Nöldeke, ZA XXVIII (1913), p. v 249 2 . 

1) Jösmir (vgl. die Einleitung), sowie Sar und Pirün scheinen hier 
noch als wirkliche Weinstöcke gedacht zu sein. N3Di:t findet sich auch 
sonst bei Jösmir, er wird aber auch Nim" und N12N.1 genannt, vgl. 
S. 4 4 Ende und üthra, p. 540. Zu N3Di^ und seiner Verwendung zur 
Bezeichnung himmlischer Wesen vgl. Brandt, ReL, p. 196; Jahrbücher für 
protest. Theologie XVIII (1892), p. 433 ff.; üthra, p. 538. 

2) Sar ..er war fest'' auch sonst als wirklicher Weinstock, so GR 
377,22: „er wird den Sar-Gufnä sehen und in seinem Laube, seinen 
Sprossen und seinen Ranken Platz nehmen". Als N31 iWDia GR 364, 15, 
aber auch als „Blitzrebe" («piNnl fcMDia) GR 322, 2. Als NTT liUVS 
GR 291,36. Identisch dürfte sein der Morg 162, 10 ff. (-f- Oxf. 7a) ge- 
nannte "jKa-m fiTTj ymn rpb« tpbNl v &TNa-iNp sodüo sai sssiä "lania 
IN*:;. - " Sb"np n irinNlbN "piN" ",N3'"i „Srar, der große, verborgene, erste 
Weinstock, der tausend mal tausend Früchte und zehntausend mal zehntausend 
Ranken trägt, den ich gerufen und der mir antwortete". Man sieht, wie 
sich die Grenzen zwischen Pflanze und Lebewesen verwischen. Im Mand, 
Diwan ist unter 29 ein Mann dargestellt, der ein Blasinstrument hält 
(zweite Figur von rechts), daneben (rechts) steht die Beischrift [Nman] I^TN" 
&W112E3 iNaNTp >* INTDi „Dies ist [das Bild] des Sar, der auf der Flöte 
spielt". SWTISi ist pers. ( L 5) u ;r'> {^s) v 'r°-„ 

AI weibliches Wesen entspricht Sar die nNINiü „sie war fest". GR 
322,3: „Pirün, die Blitzrebe, welche Sarrath trefflich hergerichtet hat". 
GR ,374, 7: „Sie sollen über Jasmus-Anänä (Wolke) belehrt werden, in 
derSarrath, die große, verborgene, erste Rebe verborgen sitzt". Der Par. 
Diwan, Z. 264 nennt Fjo-nzj b^inKTl «"»»iiü Jusm aani nN'iBiZJl N^M 
fiailö ZwS-rvai „die Quelle der Sarrath, deren Name Hag und Mag, deren 
Name Zahriel, deren Name Binram ist", vgl. dazu GR i49f. Siehe auch 
S. II, Anni. 2. Siouiii hat p. 40, s. 35, 38 eine Ghorot - N'üoflo und eine 
Chorot- Anono. pninü wurde ein beliebter Frauenname, vgl. z.B. hier 
1,9, 10; 2, 1. 



Kustäs Fragen. 



unter Pirün-Gufnä 1 sitzen. Wer stieß den lauten Ruf aus 2 , und 
wer schreckte den Mänä aus seinem Orte auf? 3 Wer warf den 
großen Streit hin, der in aller Ewigkeit nicht beigelegt wird? Wer 
bewirkte den hohen Wasserdurchbruch, der in aller Ewigkeit nicht 
5 verstopft wird? 4 Wer wurde der Hüter des Baues 5 bis zum Ende 
der Welten? Saget mir, worauf das Ruhebett des großen, mäch- 
tigen Mänä gestützt ist. Saget mir, wieviel Tausende Uthras zur 
Rechten des großen, mächtigen Mänä sitzen. Saget mir, wieviel 
Tausende Uthras zur Linken des großen, mächtigen Mänä sitzen. 
10 Saget mir, wieviel Tausende Uthras vor dem großen, mächtigen 
Mänä stehen. Saget mir, was die Namen der drei Gewänder des 
Glanzes, des Lichtes und der Herrlichkeit sind. Saget mir, wer 
Rede und Erhörung 6 den Uthras in ihren Skinäs offenbart hat. 
Saget mir, wer unter den Uthras den Krug mit Weihrauch nimmt 



i) GR 322,3 wird Pirün wie hier zusammen mit Sar genannt und 
als Blitzrebe bezeichnet, siehe das Zitat in der vorigen Anmerkung. Qol 
25, 8 ff.: „Ich verehre, verherrliche und preise jenen Pirün-Gufnä, den 
großen, verborgenen, ersten, aus dem 880000 Myriaden Uthras hervor- 
gegangen sind". GR 374,3: „Ich belehrte sie über Kimsath - Anänä , in 
der Pirün der Kleine verborgen ist". Morg 168 (= Oxf. 98b) wird Pirün 
als Nlöasm „Strahl", Morg 195,3t. als Uthra bezeichnet. Bei der Häu- 
figkeit der Bildung yftErp für höhere Wesen (vgl. Uthra, p. 544) fasse 
ich -p-pD als fWlS auf, Plü im Sinne des syr. ^^s „es (das Leben) hat 
mich als Pflanze hervorgetrieben". Daß der Name dieselbe Form wie 
1VT»B = nS :^ Pharao hat, ist Zufall. 

2) Ursprünglich dürfte f^Tp oder ="n^p und dahinter wohl auch 
X2- N^Npb gestanden haben, vgl. auch 5,3t. 

3) Mit Mänä ist der „große, mächtige Mänä", das höchste Wesen, 
gemeint, siehe weiterhin. Er saß ursprünglich ungestört in seinem Licht- 
reiche, bis er durch den Einbruch in seine Sphäre und die beginnende 
,. Mischung" gestört wurde. Zur Bedeutung des Wortes NDN/3 siehe Uthra, 
P- 5383. ' 

4) NpTi eigentlich „Riß, Spalt" in der Erde, aus dem Wasser 
hervordringt, daher geradezu „Überschwemmung", vgl. auch GL 9, 14; 
Morg 62 (statt psntt hat Oxf. 43 b p"H:u> = p*-2nr). Genau so wird 
Np-2 auch im Talmud gebraucht, vgl. Lew, Neuhebr. Wib. I, p. 195a. 

5) NrPN3 oft als Bezeichnung für das Weltgebäude. Die Welt als 
..Haus" auch Bundehis (Justi), LVIII, 17. 

6) Statt &W1B1 N-<3y(i) N73-cb N-7:? hat man wohl einfach ana? 
&WUJ1 zu lesen. „Rede und Erhörung" (siehe S. 2«) wurden den Uthras 
offenbart, so daß sie sie sich zu eigen machen konnten. Die Antwort 
auf diese Frage fehlt. 



8 Kustas Fragen. 



und vor den Mänä || bringt. 1 Saget mir, wer unter den Uthras 
Gebet und Lobpreisung entgegennimmt, sie in sein Schatzhaus 
bringt und da verwahrt. Saget mir, in wessen Schoß das Kind bei 
seiner Bildung gebildet wird. 2 Wenn es dann in der Mutter ist, 
wessen Geruch riecht es? Welche Lilith hockt auf dem Bette der 5 
Schwangeren?" 3 

Darauf erwiderte Ptahil und sprach: „Ich will dir die Wahr- 
heit sagen 4 , und ich will dich darüber belehren, wie es wurde. 
Die Dicke der Erde beträgt 1 2 000 Meilen. Von der Erde bis zum 
Himmelsgewölbe beträgt die Höhe 12000 Meilen. 5 Adam wurde 10 



1) Der Weihrauch wird bei der Taufe verwandt, vgl. Qol 4 f., 
Siouffi, p. 79 und Oxf. Rolle F, passim. Als Behälter wird auch Qol 5, 11 
eine Np^Np genannt. Das Räuchergefäß heißt Nrr"i rrn oder NTP1 rrn 
(so, man erwartet N^Ni-P^i ma), vgl. Qol 5,12 mit den Varianten, Lond. 
Rolle A, 564. Dafür auch SOJ-PTS: Oxf. Rolle F, 159; Lond. Rolle A, 429, 
749. Qol ebenda wird das N!~p^ rP3 eine „Stütze für alle Sprüche" 
genannt. Im Mand. Diwan sind unter 43 — 45 Personifikationen des 
Räuchergefäßes dargestellt, vgl. auch 42. Bei Siouffi, p. 79 sind die 
Dinge durcheinandergeworfen. — Das für den Kultus wichtige Räucher- 
werk wurde in den himmlischen Haushalt eingeführt, um es von da wieder 
herleiten zu können. 

2) — u: ist in ""HSS übergegangen, vgl. Nöld., p. 82,247. 

3) Der im Texte folgende Satz ist eine irrige Wiederholung von 3, 5 f. 

4) Nicht KBtiJ-O als Anruf. 

5) Nach jüdischer Vorstellung, die auch von den Arabern über- 
nommen wurde, beträgt die Dicke der Erde bezw. der sieben Erden 
500 Jahrreisen. Die Entfernung unserer Erde vom untersten Himmel 
beträgt ebensoviel, ebensoviel die Dicke eines jeden der sieben Himmel 
und die Entfernung eines jeden der Himmel vom anderen, vgl. Pcsachim 
Babli, f. 94 b und Lane, Sitten und Gebräuchen, p. 229. Die Entfernung 
von der Erde bis zum äußersten Himmel beträgt danach 7000 Jahrreisen, 
d.h. eine große Woche, entsprechend der Weltdauer. Wie das Sieben- 
teln- von Tausend, so konnte auch das Zwölffache leicht als kosmische 
Zahl aufkommen. Die Zahl 1 2 000 findet sich auch sonst in der man- 
däischen Literatur: 12000 .Meilen als Länge und Breite des Risses in der 
Kupfererde C>\< 160, 13. 12000 Meilen als Größe der Verdichtung bezw. 
der Verdichtungen der Erden GR 169,16; 338, 24 ff. Vgl. auch Siouffi, 
p. 60,7. Die Zahl findet sich auch in der Apokalypse (21, 16), dann bei 
den Persern, vgl. BundehiS, C 34; v BOUSSET, Hauptprobleme, p. 140, bei 
Mani Flügel, p. 237 unt. (nach Sahrastani), und es ist möglich, daß sie 
von den Persern zu den Mandäem gelangt ist. Viel höhere Maße finden 
sich im Mand. Diwan in dem Textstücke unter den Figuren 22. 



Kustäs Fragen. 



aus Lehm gebildet 1 , Hawwä, sein Weib, ist aus ihrem eigenen Ur- 
sprungsorte 2 hervorgegangen. Dieser Misä, der Sohn des weißen 
Sesams, kam aus der Sktnä des Jösmir-Ziwä. 3 Dieses lebende 
Wasser kommt aus dem Sammelbecken 4 des Jordan. Unter Jösmir- 
5 Gufnä sitzen 12000 Uthras. || Unter Sar- Gufnä sitzen 12000 Uthras. 5 5 
Unter Pirfln- Gufnä sitzen 24000 Uthras. Jösamin hat den großen 
Streit hingeworfen, der in aller Ewigkeit nicht geschlichtet wird. 
Abathur hat den hohen Wasserdurchbruch bewirkt, der in aller 
Ewigkeit nicht verstopft wird. Ich Ptahil wurde der Hüter des 

10 Baues bis zum Ende der Welten. Das Ruhebett des großen, gewal- 
tigen Mänä ist auf das Wort des Lebens gestützt. Zur Rechten 
des großen, gewaltigen Mänä sitzen 1 2 000 Uthras. Zur Linken des 
großen, gewaltigen Mänä sitzen 12000 Uthras. Vor dem großen, 
gewaltigen Mänä stehen 24000 Uthras. Die Namen der drei Ge- 

15 wänder des Glanzes, des Lichtes und der Herrlichkeit sind jeder 
für sich an seinem Orte ausgesprochen. 8 Singilan-Uthra 7 nimmt 



1) Vgl. GL 133, 10, dagegen hier 52, 3 f. 

2) So ist wohl N3ND hier aufzufassen, vgl. S. 4 4. Der Ausdruck 
RiDEüWi N3iO auch GR 79,9; 84, 10, 18; 282,141.; L 42, 24; 43, 1; 70, 14; 
Cod. Par. 15, f. 41a = Cod. 25, f. 49b. flifflDfi« steht hier für nVDMl 
In N1DD8M soll N vielleicht Femininsuffix sein. Eva ist hiernach nicht aus 
Adam geschaffen, wie auch bei Mani, vgl. Flügel, Moni, p. 248, 155. 
In den Schöpfungsberichten GR 13; 34 werden Adam und Eva einfach 
nebeneinander genannt. 

3) Auf die Frage über Hamar-Kannä ist keine Antwort gegeben. 

4) Vgl. Nöld., p. XXXIII, 17. 

5) Zur Zahl 12000 siehe S. 85. — 12000 „Engel des Verderbens" 
bei den Juden Pesiqta Rabbati, ed. Friedmann, p. 96b; 120 Myriaden 
Sabbath Babli, f. 88 a. 

6) Die Antwort wird also nicht gegeben. Die drei Eigenschaften 
kommen einem jeden der Gewänder zu, siehe zu 188, 10. Die Vor- 
stellung von den Lichtgewändern ist auch sonst sehr verbreitet, vgl. z. B. 
Bousset, p. 303 2 . Aus den "iy ni:n3 für Adam und Eva wurden nach 
Genesis Rabbah, c. 20, 12 -ix nl3n3 gemacht, natürlich in Anlehnung an 
bestehende Vorstellungen. Drei Gewänder anderer Art für den Sonnen- 
gott werden in einem manichäischen Fragmente aus Turfan genannt: 
Müller, Hand sei triften -Reste II, p. 39,2, vgl. auch Chavannes et Pelliot 
JA 191 1 II, p. 516 2 . 

7) Hier 253,7 wird ■(N-""'^ von Mandä dHaije angeredet. Er 
wird sonst nur noch genannt Morg 7, 4 (KlrVÖ ■JNbsrUJ fcobfi*») und 



IO Kustäs Fragen. 



den Krug mit Weihrauch und bringt ihn vor den Mänä. Samandirel- 
(> Uthra 1 nimmt Gebet und Lobpreisung in Empfang, || bringt sie in 
sein Schatzhaus und verwahrt sie da. 2 Wenn das Kind gebildet 
wird, wird es im Schöße des Vaters gebildet. Dann wird es aus 
der Hüfte 3 des Vaters genommen und in den Uterus der Mutter 5 
geworfen. Wenn das Kind im Uterus der Mutter entsteht, riecht 



Siouffi, p. 40, 29: Chounglon-Othro. Der Name erinnert an jsbasiü in 
der Inschrift von Teima, aber der Anklang ist vielleicht ebenso zufällig, 
wie der zwischen Nb:ßl3 und dem babylonischen üsüwgalln, die Hommel 
mit einander identifiziert hat (Proceedings of the Soc. of Bibl. Archaeology 
XXI, 1899, p. 135 f.). Eine innere Verwandtschaft irgend welcher Art 
läßt sich nicht feststellen. 

1) Samandirel wird in jüngeren Schriften öfter genannt. Im Pariser Diwan, 
11. 803, 816, 819 ist von einer Totenmesse (tfnp^DöW) des bV^MlSRHÄO, 
b^TJSNttNÖ die Rede. Morg 7 unt. wird Nim» b^^lSNEÖ 6üb«H 
zwischen JO 1 - l&nST und b^VStNSNSS genannt. v Im Mand. Dhvan steht 
am Kopfe von Figur 20: „Dies ist das Bild des Sdüm, des Kämpen der 
Finsternis (vgl. GR 141; 144), und bVttnMTOSÖ tiW ÜW ist sein Name, 
Bihram ist sein Name, Xakia ist sein Name, Räm ist sein Name, Rahmel 
ist sein Name, Sieben- Namen ist sein Name." Dann findet sich der 
Name noch in unsinnigen Beziehungen in dem Stück unter den Figuren 22 
und bei 6 und 1. Siouffi nennt p. 40,30 Samandriel-Othro. — Ich habe 
für den Namen keine rechte Erklärung. Da ENO ein häufig genannter 
Genius ist, könnte man an Säm + avdg + el denken, aber eine solche 
Bildung läßt sich sonst nicht belegen. Auch eine Ableitung von fijTiKBiO 
„Weinblüte" (Nöld., p. 29, 10; 128,1), vgl. N5D13, ist nicht wahrscheinlich. 
Die jüdische Angelologie bietet trotz ihrer überreichen Nomenklatur nichts 
Anklingendes. f|bfl3!üD ein Schein, der besonders in den Wochenbett- 
amuleten genannt wird (vgl. Beyer's Addüamenta zu Selden's De Dis Syris 
II (Leipzig 1672), p. 283; Schwab, Vocabulaire de l'Angeblogie, p. 200; 
Abbildungen in Jewish Encyclopaedia I, Tafel zu p. 548 links oben und 
rechts unten), liegt trotz des gleichen Anfanges lern. 

2) Erbehält sie selber, ohne sie weiter zu geben. Anders GR 222, 
3 II'.: „Wenn ihr das Abendgebet verrichten wollet, so verrichtet es, so 
lange die Strahlen noch dastehn. Der Mann, der die Strahlen verbirgt, 

nmt auch euer Gebel in Empfang und verwahrt es im Schatzhause des 
□ Lebens." Dies steht den jüdischen und christlichen Vorstel- 
lung Lher, vgl. zu diesen BRANDT, Elchasai, p. 70 und die von ihm 
aus Li Michael zitierten Stellen. Ich füge aus Exodus Eabbah 21,4 
hinzu: „Der Engel, der über die Gebete eingesetzt ist, nimmt alle Gebete, 
rlie in sämtlichen Synagogen verrichtet worden sind, bildet aus ihnen 
Kränze (oder: Kronen nT"lM3>) und legt sie um das Haupt Gottes." 

3) Die drei Handschriften haben KStbNf!. 



Kultus Fragen. 1 1 



es den Geruch des Lebens. 1 Auf dem Bette der Schwangeren 
hockt die Lilith Zahriel. - 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 3 



i) Eine andere ausführlichere. Darstellung GR 201 unt., 202. Noch 
eine andere Pariser Diwan, 1. 1503 fr. Persische Vorstellung: Bundehig, 
c. 16. Der Ausdruck „den Geruch des Lebens riechen'' bezw. „riechen 
lassen" findet sich noch einigemal: 41, 3 f.; 96, 6 f.; 99, 8 f.; GR 301.22, 
ohne daß es sicher ist, was damit gemeint ist, siehe auch die Bemerkung 
zu 96, 6. 

2) Siouffi, p. 6 (vgl. dazu n. 3) und 137 ist Zahriel Leletho bei 
der Geburt Johannis und Jesu tätig, indem sie das Kind der Inochwei 
(Elisabeth), bezw. der Mariam aus dem Munde zieht. Eine Zahriel wird 
Hibil-Ziwä in der Unterwelt zugeführt, vgl. GR 147 ff. (übersetzt bei Brandt, 
Sehr., p. 156fr.), dazu Siouffi, p. 56 f. Vgl. auch die S. 6 unten aus 
dem Pariser Diwan angeführte Stelle. Als Sohn der Zahriel wird Morg 
88, 2 f. Ptahil bezeichnet, vgl. auch Siouffi, p. 41,55- Mit dieser Zahriel 
hat der jüdische Engel TJT--7 (Schwab, Angelologie, p. 121) nichts zu tun. 
Die Zahriel ist wohl die vorderasiatische Muttergöttin, die hier als Mylitta 
erscheint. Daher dürfte TN - -; mit der arabischen Zuhrä zusammenhängen. 
Die Form Zahriel ist nach dem bei Engelnamen üblichen Schema Qatliel 
(siehe die Einleitung) gebildet. 

3) Diese Formel findet sich häufig in den mandäischen Schriften. 
Sie wurde von Brandt, Rel., p. 210 und auch bereits von Tychsen in 
Stäudlix's Beiträgen V, p. 246 (siehe oben S. 4 2 ) besprochen. Außer den 
von Brandt angeführten Stellen aus GR findet sie sich noch GL 64fr., 
Qol 64fr. und steht im Johannesbuche fast am Ende eines jeden Stückes. 
Die Überlieferung schwankt zwischen ^DNT und ^DNTT, aber so, daß die 
bessere -,"2N" hat. Je nach der Lesung ist -"NP^-"2 verschieden auf- 
zufassen. Bei "prXT- müßte es mit diesem auf einer Stufe stehen und 
Prädikat zu N"r; sein; bei -,-rNT wäre es vom folgenden Satze abzutrennen. 
Die gewöhnliche Bedeutung von N"Nncr ist im Mandäischen wie in den 
verwandten Idiomen „erzählen, sprechen". Dies paßt hier nicht. „Das 
Leben erzählt und ist siegreich" gibt keinen Sinn. Wenn die Worte be- 
deuten sollten „das Leben spricht und ist siegreich", d. h. seine Worte 
haben Erfolg, so stände 17: X da. Nun haben die Schlußformeln auch 
N"- "-rsw": an der Spitze, vgl. 32,4, und Qol 26, 14fr. heißt es: „Ich 
verehrte und pries das gewaltige erste Leben, das aus seinem Orte ge- 
pflanzt, aus seinem eigenen Schatzhause gepflanzt wurde, das darin weilte, 
wuchs, Sitz und Bestand hatte fiaN3NrnB(5>)l Sm'WV.asn (r^'^r^v 
=2N2NPwi'- in Elting's Haupttext ist eine irrige Wiederholung). Es preist 
seinerseits und spricht: Ein jeder Nasoräer, der nach diesen geheimen 
Befehlen spricht, wird siebenmal am Tage suchen und finden, sprechen 
und erhört werden (vgl. S. 2+), und sieben Sünden werden ihm am großen 



12 



Kustas Fragen. 



2. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 

Licht. 

Am Tore der Welten steht Kustä und spricht fragend: „Wer 
hat das Geheimnis des großen (Lebens) offenbart und wer Streit in 
das Licht geworfen? Wer rüttelte an den Skinas und wer brachte 5 
eine Erschütterung in Siniawis? 1 Wer hat Ur in Fesseln gelegt und 

Lichtorte und der glänzenden Wohnung erlassen werden. Und gepriesen 
sei das Leben". Auch hier paßt für ftnTWnfl» schlecht „erzählen" und 
steht andererseits zusammen mit fJaNSNnUJy „es wurde darin gepriesen". 
Allerdings folgt darauf »"nOKI «-aKöm, aber da heißt es eben „preisen", 
nicht „gepriesen werden". Nun findet sich ein Wort «"WD, das GR 3,5; 
Q0I5, 17; Morg 197,9; 198,14; 201,11 zwischen XltnXO „Schönheit" 
und N-xp- »Ehre", Oxf. 86a; Morg 261, 14, 30; Cod. Par. 15, f. 29b; 30a 
(= Cod. 25, 36 b) neben K^TKJW steht. Mit diesem N\S'J scheint mir 
■pKriTZTM zusammenzuhängen. Zu welchem aramäischen Stamme es ge- 
hört, ist unsicher. Weder N?U noch artTB (siehe zu 231,10) paßt. 
Auch an "niö, wozu TYCHSEN es zieht, ist nicht zu denken. GR 347, 
2 2 f. heißt es: „Wozu soll mir ein Körper ohne Seele, wie ein Gefäß 
fibrpb N'vS^i"? Hier kann N\X'£ zu rrcj gehören und „Glätte" bedeuten. 
Hieraus hat es sich vielleicht zu „Glanz" und weiter entwickelt. Vgl. auch 
N-wS-^ fcObs» 256,7 in Parallele zu tmfctt. Jedenfalls bedeutet N"NC an 
den anderen Stellen etwas wie „Ehrung", und danach N^NniD3> etwa „ge- 
ehrt werden". 

Die häufige Lesart -prXT dürfte darauf zurückgehen, daß man 
■pariBT» in der sonst üblichen Bedeutung auffaßte. Man fand dann den 
Sinn „das Leben erzählt und ist siegreich" nicht befriedigend und legte 
den Satz aus „sie sprechen: das Leben usw." Daß dies aber tatsächlich 
der Sinn sei, ist mir unwahrscheinlich, auch dann, wenn man es so auf- 
fassen wollte, daß die Gemeinde nach dem Vortrage des vorangehenden 
Stückes spreche 'lD1 "^DNT N^tt. «""Kritt? heißt eben in erster Linie „er- 
zählen", und in dem supponierten Sinne stände am ehesten Jtt» da. 

Zu N-T in dieser Formel vgl. S. 1 3. Siegreich wie das Leben ist 
auch „der Mann, der hierher gegangen ist". Der Erlöser, der in die 
Welt der Finsternis zur Bekämpfung der Bösen hinabsteigt, wird ander- 
wärts schlechthin als ...Mann" bezeichnet, vgl. z.B. 165,1. Im Munde 
der Gläubigen kann aber mit fi«b nicht die Unterwelt gemeint sein. Es 
ist diese Welt, und der Kampf gilt den sie beherrschenden Mächten, be- 
sonders den Sieben, vgl. 237 ff. Auch aus diesem Kampfe geht der Er- 
löser siegreich hervor, siehe auch 160, 2 f. Zur ganzen Frage vgl. Bousset, 
Hauptprobleme, p. 238 ff. 

1) Siniawis wird GR 134,6 als „untere Erde der Finsternis" (Np-x 
xz-^ri Nr-NPT) bezeichnet. Es wird auch GR 74, 19; 87, 15; 97, II, 12 
genannt. Es hat die Endung mit D^tttn-WO und D-IN^-S gemein, die 
ich nicht erklären kann. D^STT^O ist an beiden Stellen, an denen es 



Kustäs Fragen. 13 



wer Jösamin von seinem Platze heruntergestürzt? Warum haben sie 
Abathur zum Richter ernannt, warum Fehl in der Welt hervor- 
gerufen? Wer hat der Rühä || die Rede verraten, wer ihr die Kustä 7 
offenbart in der Welt? 1 Wer hatte Ruhe gebracht, wer schuf dann 

5 Aufruhr in der Höhe? Wer hat das große Gericht verkehrt, wer 
Kampf in die Welt geworfen? Wer hat die Werke (der Schöpfung) 
verwüstet, wer das Geheimnis des Lichtes offenbart? Wer hat die 
Skinäs in Verwirrung gebracht, wer das Wort gesprochen, wie es 
nicht war? Wer brachte 2 die große Waffe und warf Kampf in die 

10 Welt? Wer nahm die Lobpreisung, zersplitterte sie und warf sie 
hierhin und dorthin? Wer wiederum rief die Lobpreisung und ließ 
den Ruf des Lebens vernehmen ganz unvergleichlich?" 



vorkommt, ein Jordan: N"ni «a*i MTW» s-STTHro GR 129, 16; 131,20. 
Auch c"S"" 2 ist es vorwiegend: Nr-HN" 1 D^STTa GR 234, 24; 235, 5; 
EniO-PS K3TW Morg. 1 7 2 f . ; «-«»msp jrvil «3*1 «n'W D"nN—rs 
NrN-NCN fir-2i „P. der große Jordan des ersten Lebens, der ganz 
Heüungen isf Qol 5, 30; 9,8; N^n N*?:n k:*3 D^m Qol 12, 26. 
Malko Pariovis yardno rabbo d'maiyo hdiy Siouffi, p. 90, dazu die Be- 
merkung „Mon professeur n'a pas pu me dire qui est ce Periovis. II 
m'a dit seulement que tout fleuve est considere comme etant le souverain 
et, par consequent, le roi des contrees qu'il traverse". Andererseits: Aiar 
Gufnä (Rebe), Sohn des Piriawis Gufnä, dessen Ferse Wasser, dessen 
Wurzel der Kannä der Seelen, dessen Laub Uthras und dessen Ranken 
Lichtstrahlen sind" GL 37, 19fr. (dazu Brandt, Jahrbücher für protest. 
Theologie XVIII, 1892, p. 434); als Wesen Nm D^wr: Qol 7, 8; 8, 31. 
Daß Siniawis und Sindiriawis identisch seien (Brandt, Rel., p. 68 1 ), ist 
mir bei der Verschiedenheit ihres Wesens unwahrscheinlich, mögen die 
beiden Namen auch einmal von einem Abschreiber vertauscht worden 
sein. Auch halte ich es für ganz ausgeschlossen, daß Sindiriawis irgend 
etwas mit Serendib- Ceylon zu tun habe (Brandt, Sehr., p. 138 1 ). Haltlos 
sind auch Hoffmann's Kombinationen ZXTW IV (1903), p. 291t — In 
der Bleirolle Klein A, I, Z. ioiff. heißt es: K**nDl KntrV'b ÜNTN «TW 

txrwaiim jinbnsi &r?n «mil fioba nal swfirm oijrroa „Gebunden 

sei die Lilith (NDfirb^b fälschlich für Nn^b) Azat, die in DWW, dem 
Bau des Königshauses von Rom, haust, sie und alle (unsicher ob yinVoi 
oder }ttbiai) ihre Scharen". So schwierig es ist, DWJ* aus dem Latei- 
nischen oder Griechischen zu erklären, so unmöglich ist es mir, eine innere 
Verbindung zwischen DWM und D'nKTÖ, trotz der scheinbaren Identität 
der beiden Namen, herzustellen. 

1) Wahrscheinlich zu nb^be» yxa Nt3T01Sl Fib^iKü* Klö3> yxa tirrHs 
Nöbsa herzustellen, vgl. auch die Antwort 9, 7 ff. 

2) ACD haben &TOK, B rtT«. 



i* Kustas Fragen. 



Als Kustä dies gesprochen hatte, überlegte 1 mein Sohn Jöka- 
sar 2 ) und sprach: „Ich will dir die Wahrheit verkünden 3 , ich will 
dich darüber aufklären, wie es war. Jösamin hat das Geheimnis 
des Großen offenbart und Streit in das Licht geworfen. — Hibil 
wühlte die Skinäs auf 4 und brachte Erschütterung in Siniawis. 5 

8 I Erschütterung brachte er in Siniawis und offenbarte das Geheimnis 
der Finsternis. 5 — Ur wurde durch das Wort des Lebens mit einer 
Fesselung ohne Aufhör 6 gefesselt. — Jösamin wurde herabgestürzt, 
weil er Kampf erregen und Streit werfen wollte in das Haus des 
Gewaltigen. 7 Er sann auf Böses, daher wurde er mit einer Fessel 10 
gebunden, um ewig darin zu sitzen. Den Jösamin erniedrigte sein 
eigener Mund, weil er sich nicht an die Ordnung hielt. Er war 
unbekümmert und wollte sich nicht beugen, daher wurde er nicht 
wie die Uthras benannt. — Den Abathur haben sie zum Richter 
gemacht, weil Hibil -Ziwä ihn heruntergestürzt hatte. Er erblickte 15 
seinen Sohn s im schwarzen Wasser, da rief er ihn in (aus) seiner 
Skinfi und sprach: „Ich bin ein Königssohn, so will ich denn ferner 9 
ein Königssohn genannt werden." Er sprach: ,,Eine Ring(mauer) 
will ich um meine Skinfi aufrichten, dann wird meine Kraft doppelt 
so groß sein." Er rief seinen Sohn Ptahil in seine Skinfi hinauf 20 
und ließ ihn da Platz nehmen. Abathur frevelte gegen seine 
Eltern; er strebte nach der niederen Wohnung 10 , so wurde er von 

9 seinem Throne heruntergebracht; er ging hin ]] und wurde zur Wage. 11 
Abathur weint und jammert, und [seine Klage] steigt hinauf und 
gelangt in die Höhe: „Wer Gutes getan, findet Häßliches, wer 25 



1) Eigentlich: er holte sich Aufklärung aus seinem Sinne. Häufiger 
ist fi—Z'l'^ •CN-üNnr. 

2) Siehe zu den mit Jö beginnenden Namen die Einleitung; 

3) Siehe oben, S. 84. 

4) In der Unterwelt, doch vgl. allerdings S. 16 1 . 

5) Vgl. Petermann, Reisen II, p. 450 t.; Brandt, Sehr. p. 137 ff.; 
Rel. p. 2 1 3 I f. 

6) Vgl. Z. 11. 

7) «"»aTn soviel als «"DTn N^il, vgl. 9,8. 

8) D. h. Ptahil, vgl. Z. 20. 
Vgl. Nöld., p. 204. 

[o) Unsicher. Durchweg rP3N31 als ein Wort. Vielleicht Nn-a Nil 
n""Nw. D hat Fftöm 

11) Die Wage wird personifiziert, siehe 257, 5 ff", und die Bemer- 
kungen dazu. 



Kustas Fragen. 15 



Schlechtes tut 1 , findet Gutes. Ich sagte mir, ich würde ein Großer 
sein; wer hat mich zum Kleinen in der Welt gemacht? Ich sagte 
mir, ich würde ein König sein ; wer hat mich an das Ende der Welt 
gesetzt? Ich sagte mir, ich würde ein Vornehmer 2 sein; wer legte 
5 mir die Wage in die Hand? Wo ich sanft und bescheiden war, 
warum haben sie mich zum Empörer gemacht?" — Der Rühä hat 
Mandä dHaije die Rede [offenbart] und Streit in das Haus des 
Lebens geworfen. Die Kustä verriet ihr 3 Gubran 1 und rührte alle 
Jordane auf. Ruhe brachte Jökabar 5 , doch Aufruhr 6 warf Jösamin 
10 in die Welt. — Ptahil verwüstete die Werke (der Schöpfung), und 
Anan 7 offenbarte das Geheimnis des Lichtes. — Ethinsib 8 störte 
die Skinäs, Bihram 9 sagte das Wort, wie es nicht war. Ptahil 
brachte die große Waffe, und Nibtä 10 warf Streit in die Welt. — 



1) Zu T>aNü vgl. Nöld., p. 93. 

2) Zum Gebrauche von SOiW^S bei den Mandäern vgl. die Ein- 
leitung. 

3) fib bezieht sich wohl auf NnHi und nimmt nicht etwa das vor- 
angestellte Objekt NuWDb wieder auf, siehe auch 7, 1. Sonst ist aller- 
dings von einem Verrate der Kustä an die Rühä nicht die Rede. 

4) Gubran kämpft S. 22 mit Ethinsib - Ziwä. GR 167, 14 wird er 
neben "jNrra als einer der Wächter genannt, die Jawar-Ziwä bei Ur auf- 
stellt. Der Pariser Diwan nennt Z. 812 eine Totenmesse des Gubran, 
siehe auch oben S. io 1 . Mand. Diwan zeigt unter 50 das Bild des Gubran 
mit einer halb zerstörten Beischrift. Siouffi hat p. 40, 42 Gonwon-Othro. 
Der Name bedeutet nicht „unser Mann" (Brandt, Sehr., p. 183), da dies 
■JX-2S3 wäre. Vereinzeltes targ. N-nn ist durch ^nmä beeinflußt. 

5) Vgl. die Einleitung über die mit Jö beginnenden Namen. 

6) Vgl. 7, 1 f. tnrn ist wohl als Glosse zu ülinKH in den Text 
hineingeraten. 25, 1 steht K^äTi parallel ül^"N70. 

7) Bedeutet eigentlich „Wolke". GR 374, 25 wird jnaj« >s:n ■)£»& 
genannt. Sonst findet sich nur 2N£3 "JON (GR 108, 2 ff. als Sohn Adams), 
gewöhnlich mit 3NX3 verbunden: nx}£: "JONT 3NU:: GR 221, 4; 374, 13; 
Qol 15, 11; 40, 10. Siouffi hat p. 39, 18 falsch Nsob, ou Annon, ou 
Nsob. „Trois freres dont le premier et le dernier portent le meme nom". 
Sonst wird n:n:n zur Bezeichnung weiblicher Wesen verwandt, vgl. S. 17 3 . 

8) Ein Sohn des Jösamin, siehe den folgenden Abschnitt. 

9) Ein guter Genius. Der Name wenigstens ist persischen Ur- 
sprunges. Im Ginzä wird er selten (GR319, 4; 375,11; 377, 23), im 
Qol und Mand. Diwan sehr häufig erwähnt. In der jetzigen Taufformel 
ist die Taufe nach ihm benannt, vgl. Brandt, Rel., p. 225. 

10) 222 „hervorbrechen, emanieren" wird im Mandäischen besonders 
von Licht und Glanz gebraucht, vgl. 2N32 6TO -,? 3 ~~ ri Mor S I 7°' 3; 
N2- 1 KTTa N"^- EJN33 Qol 9, 10; ^Nttatfi en:id GR 291,33; Morg 39, 1. 



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XXXI 

- ' - 



i y Josamin. 

seiner Wucht gewachsen. 1 Reiße nicht die Wohnung nieder, die 
du gebaut hast, am Tage 2 , da sie Streit gegen dich erregen. Deine 
Söhne ******** Ethinsib ******* 3 kamen in herrlicher Pracht. 4 
Sie irren in allen Skinäs umher, sie irren umher und suchen ihren 
11 Vater, || ohne ihn zu rinden. Die Brüder treten dann zusammen, 5 
die Bösen überlegen miteinander 5 und sprechen: „Unser Vater ver- 
ließ die Erde des Äthers, womit können wir um ihn Streit erregen?" 6 
Da kam Säm, ihr ältester Bruder 7 , überlegte in seinem Inneren und 
sprach: „Wenn ich den großen Streit errege, so sagen sie, der 
Älteste zeigt sich unüberlegt. Ihr vielmehr erreget den großen Streit, 10 
ihr seid noch jugendliche Uthras. Möget ihr unterliegen oder siegen 8 , 
sie werden sagen: es waren jugendliche Uthras, und werden eure 
Unüberlegtheit in der Höhe nicht (krumm) nehmen. 9 Kommet, er- 
reget den großen Streit und verwüstet die geordneten Werke. 
Auf, beginnet den großen Waffengang und den Kampf ohne Ende! 15 



1) Die Wendung auch GL 75,24. 

2) Der mit N"" beginnende Satz gehört vielleicht zu den folgenden 
Bruchstücken, vgl. 1 1,3 ff. 

3) Hier waren wohl noch andere Söhne des Jösamin genannt. 
Ethinsib findet sich fast ausschließlich in diesen Stücken, siehe auch S. 15, 11. 

4) Der Ausdruck auch 27,i2f.; GR.71,3; GL 21, 14; 22,2. 

5) Siehe oben S. 14 1 . 

6) 'nby am nächsten „gegen ihn", aber die Brüder wollen mit denen 
streiten, die ihren Vater erniedrigt haben. 

7) klier p. 25g wird ein „kleiner Säm" genannt, der sich unpassend 
vordrängt. Er ist mit diesem Säm wohl nicht identisch. Beide dürften 
aber auch nichts mit dem in den m;i ml, iischen Schriften häufig genannten, 
in hohem Ansehen stehenden Säm zu tun haben, der gewöhnlich DNÖ 
N---:; wN:n - : genannt wird, vgl. Brandt, Kel., p. 218 2 und hier zu 147,9. 
Der Name znc ist nicht, wie Brandt, Rel, p. 194; Sehr., p. 196s an- 
nimmt, persischen Ursprunges. Kr reiht sich seiner mandäischen Bedeu- 
tung nach passend der sonstigen Nomenklatur für höhere Wesen an, 
vgl. Uthra, p. ,544. 

\) THTH3N von liN und dahinter wohl 'pn'ONT [l3>]. Mit "prrsn C 
wäre es „wenn ihr es tut (von "Q") und dann besiegt werdet", doch ist 
dies weniger wahrscheinlich. 

9) Eigentlich „annehmen, gelten lassen", so auch 271,10. Es ent- 
spricht der häufigen Verbindung 'd maRÜ, bezw. ttüwb 'cn Nm2NÜ, die 
wie jls^jJ. ^aLc „sich für jemandes Güte erkenntlich zeigen, dankbar 

a 

sein" bedeutet. 



Jösamin. IQ 

Gürtet das Schwert um 1 und leget an 2 Zorn und Pfeile 3 , || die 12 

nicht fehlgehen. Leget (sie) an und steiget hinab zur Erde des 
Äthers, zu den Skinäs dieses eures Vaters 4 , dessen Erde sie zer- 
stört haben 5 , und für den kein Thron dasteht, um auf ihm Platz 
zu nehmen." 

Da sprach [Ethinsib] zu Nbat dem Großen, [Ethinsib], der Sohn 
des Jösamin 6 (Der König des Äthers ist gekommen; nehmen wir 



i) X"~ heißt auch ,. anlegen", Waffen oder Schmuck: 82, 9; GR 
110, 12 f.; 265,21; Mand. Diwan C 11,27. 

2) N — ; wird gleichfalls im Sinne „anlegen, anziehen" gebraucht, 
vgl. besonders die Stelle Oxf. Rolle F, Z. 4250:: aNJ-PH ;t"S2 13 Din 

'•£~ NpSBfiWb „Dann, wenn ihr dem Sterbenden Kleider gewähren wollet: 
wenn es ein (gewöhnlicher) Mandäer ist, so lege ein Mandäer dem 
Sterbenden die Kleider an; wenn es ein Tarmidä ist, so lege ein Tarmidä 
dem Sterbenden die Kleider an: wenn es ein Ganzibrä ist, so lege ein 
Ganzibrä dem Sterbenden die Kleider an". Die Aufzählung geht noch 
weiter. Zu NV:~Nn und !*-2-7:n;. als Bezeichnungen für Priesterklassen 
vgl. Petermann, Reisen II, p.464; Siouffi, p. 68 ff; Brandt, Rel., p. 119t. 

3) n-:-:w s— 5 auch GL 114,1: Mand. Diwan B 106 f. ü":d 
dürfte „flink" oder ähnliches bedeuten: freilich läßt es sich damit von 
Ütt'tö nicht ableiten. Mit Rücksicht auf samamu 1. ..vergiften" bei Muss- 
Arn., p. 1059a habe ich erwogen, ob fif>Öi73ia N"" ;. ..vergiftete Pfeile" 
sein könnten, und bat Herrn Prof. Zimmern um Auskunft, ob samämu 
„vergiften" gesichert sei. Ich erhielt den Bescheid: „Das von Muss-Arn. 
nach Meißner, Suppl. angeführte samümu ..vergiften" erscheint mir noch 
nicht gesichert, ebensowenig das angebliche simmatu „Gift" (?) bei Muss- 
Arn. p. 1066a. Dagegen dürfte es sicher sein, daß KteD, i^}-* , _ 
„Medikament, Gift" auf das assyr. sammu „Pflanze", speziell gerade auch 
..Medizinpflanze" als Lehnwort zurückgeht, und somit auch aram. D730 
und eventuell auch z: - £ „vergiften", das dann sicher erst denominativ 
ist, cf. Gesenius-Buhl 1 -* und X S sub CD* und zuerst Jensen, Keilinschr. 
Bibl. VI, 1,574." — Nach GL 114,1; Diwan B 106 f. erwartet man aller- 
dings eher den Sinn „flink" oder eventuell „spitz" als „vergiftet". Daß 
Z":d = ■'* sei, wäre ja auch denkbar, zumal sich dies häufig mit }i\^ 
verbunden findet, vgl. Payne- Smith, col. 4230. — In GL 104,8; 109, 19 
ist N72*:: m w Substantiv und bedeutet „Erstarren". 

4) Kaum in Ordnung. 

5) ACD ..zerstört ist", doch mit Beziehung auf Ffp-lN müßte es 
Nw'ST heißen. 

6) Zu 0833 siehe oben S. 1 5 I0 . Nbat ist nicht der Sohn des Jösamin. 
Im Mand. Diwan im letzten Stücke auf Bl. 10 wird „die Mattartä des 



2Q Jösamin. 

gezückte Schwerter gegen Nbat, den König des Äthers) 1 folgender- 
maßen: 2 „Wer hat vor dir 3 den Jösamin gebunden, um Streit mit 
ihm zu beginnen?" Darauf erwiderte der König des Äthers dem 
Ethinsib-Ziwä 4 und sprach: „Der König 5 befahl und der König 
ließ Jösamin binden. Wer wird mit Königen Streit beginnen?" 

Da öffnete Ethinsib-Zlwä den Mund, rief zornig Nbat dem 
Großen zu und sprach zu ihm: „Unwürdig 6 bist du, und unwürdig 
ist das Nest, aus dem du hervorgegangen bist. Dein Vater ist kein 



Nbat, des Sohnes des Ptahil" genannt. Aber das ist wohl auch 
verkehrt. 

i) Dies ist wohl aus dem Folgenden hierher geraten, vgl. 13,9 t. 

2) Lies änblN»^ . 

3) Oder mit C ,.vor uns". 

4) Siehe oben S. 15, 11; 18,3. 

5) Damit ist der Lichtkönig gemeint, vgl. S. 24,4. 

6) Von mffl (vgl. Nöld., p. 65,6; 137,14 fr.) ist gebildet: 

A. Ein Substantiv NiTiD , das etwas Verwerfliches bezeichnet: „Begehr- 
lichkeit, Begierde, Wollust" : GR24, 9, 18; 28,1; 59,6,19; 111,22; 112,6 
und sonst sehr oft. Davon ist das Adjektiv IS3NS-P1Ö ,-gierig" gebildet: 

«sam« n—n GR 282,6; N^NraiNtö» «"»MO-ntt Brabaa (Var. n-:n-.-.nu7:) 

98,8, vgl. auch GR 180,7; NrNI-Plü Ö-r.-N „der wollüstige 0YT1K" (wahr- 
scheinlich aus einer Wiedergabe von Orpheus entstellt, vgl. s-aosojoj 
ZDMG LIII, 1899, p. 504 und die Identifizierung einerseits von Nbu 
mit Orpheus beim Pseudo - Melito , Cureton, Spicilegium Syriacum , p. 25, 
1 4 f. (syr.) , andererseits von Christus mit Orpheus Roscher's Lexikon III, 
Sp. 1205 fr.; weniger wahrscheinlich Hermes oder Horus. BRANDT's Deu- 
tung Sehr., p. 97 2 ist unmöglich) GR 59, 5 ff. Statt KiMWtD GR 84, 13 
(Nöld., p. 115,8 bezieht sich jedenfalls auf diese Stelle) lese ich N^TVü 

B. Ein Partizipium bezw. Adjektivum fTUÖ, das eine gute Eigenschaft 
bezei< tinet: „begehrt, erwünscht, willkommen". ■j&TONTWI 5"P1Ö1 N^npi "N7251D 
„ein jeder der gerufen, begehrt und eingeladen ist" Qol 58, 1 ; NnN72TÖ' 1 5 
KfPlDl a-y--?-, yrrü^iz GR 256,200. Sehr häufig steht !"PU3, allein 
oder mit ;*— 1», mit folgendem b, z. B. yrrnWi ven^DliXn rrv^Nn 
— -: -Nrs: torrnr GR 328,21; tttpNn s— «ib «rt^l snN-::r: GR319, 
4; ---: -NPNT Brnwoi BttTUDl srN-:-" GR 299, 14; 376,11 und sonst; 
---: i«n«b n-ü-wn:: »""BmaM« GR 376, 14; er-n rrob Nl-raJNb Joh 
80,6. STlü muß hier etwas wie „würdig", b 8CTO1 FPTD „würdig und 
wert für" bedeuten. Andererseits scheint n"CN: Joh 31,2 mit folgendem 
n&ob den Sinn „unfreundlich, übelgesinnt" zu haben. Hier dürfte mü 
aktivische Bedeutung haben: „nicht hegehrend nach". Aber im allgemei- 
nen läßt sich diese aktivische Bedeutung für friö (vgl. Nöld., p. i37> 10 ) 
nicht durchführen. 



Jösamin. 21 

rüstiger Uthra." — Darauf erwiderte Nbat der Große und sprach 
zu Ethinsib-Ziwä: „Verflucht bist du und verflucht das Nest deines 
Vaters ********** 1 pflegte Streit zu schlichten. || Unwürdig bist 13 
du des Hauses des großen Lebens, weil du mit einem Könige Streit 
5 beginnst." 

Da zo? Ethinsib-Ziwä das Schwert und stürzte sich auf Nbat 
den Großen, den König des Äthers. Einmal schlug Ethinsib-Ziwä, 
doch das Schwert schlug Nbats Glanz nicht durch. Zum zweiten 
Male schlug Ethinsib-Ziwä, doch das Schwert schlug dessen Glanz 

io nicht durch. Zum dritten Male schlug Ethinsib-Ziwä, doch das 
Schwert schlug dessen Glanz nicht durch. Da wandte sich Nbat 
der Große an Ethinsib-Ziwä und sprach: ,,Du Sohn eines schand- 
baren Mannes, nicht vor dir ängstigt sich meine Gestalt." Als Nbat 
der Große dies sagte, zogen die einundzwanzig Söhne des Jösamin 

15 das Schwert. Der Älteste legte seine Rüstung an, der Jüngste be- 
kleidete sich mit Kampfgerät. 2 Sie rufen: „Anschrei des Lebens!" 3 
und erproben 4 ihre Waffen aneinander. Das Klirren ihrer Waffen, 
das Klirren ihres Kampfgeräts, ihr Lärm, drang bis zum großen 
Könige des Lichtes: „Wie hat doch", spricht er, „Jösamin das Ge- 

20 fängnis durchbrochen und macht es unwirksam! 5 Wer bringt Streit 
unter die Uthras und verbarg sich dann?" 

|| Gubran-Uthra 6 sah es und sprach zum Lichtkönig: „Die 14 
einundzwanzig Söhne des Jösamin sind es, die den großen Kampf 
erregen, der nicht zu schlichten ist." Da sprach der Lichtkönig zu 

25 Gubran: „Ziehe du die Rüstung an und setze dich auf Parahiel. 7 



i) Hier ist vielleicht 2N „mein Vater" ausgefallen. 

2) iONip gewöhnlich „Kampf", hier offenbar „Kampfgerät", vgl. 
besonders 15, 13. 

3) 's 1fcM3(N) wird im Mandäischen anders gebraucht als im Syri- 
schen, siehe zu diesem Brockelmann, Lex. Syriaeum, p. 31b. Vr 's 'jswa 
steht immer nur als Verwünschung. Die Stellen sind z. T. schon zusam- 
mengetragen bei Pognon, Inscriptions manddites , p. 75. 

4) Kaum „spalten", vgl. S. 7 4 . 

5) Man erwartet eher „Hat etwa ?". Danach vielleicht 8TM 

(vgl. Nöld., p. 434) statt N73D . 

6) Siehe S. 15I 

7) Findet sich sonst nicht. Wohl von n-3 gebildet und als Flügel- 
wesen gedacht. Im Mandäischen gehen rrs und -ns durcheinander, vgl. 
Nöld., p. 67, 9. 



2 2 Josamin. 

Lege das schwere Kampfgerät an 1 , gehe zur Erde des Äthers und 
blicke nach den Söhnen des Jösamin " 2 

Hieraufnahm Gubran die große Waffe, setzte sich auf Parahiel 
und begibt sich zur Erde des Äthers. Alsdann öffnete Gubran 
seinen Mund und sprach zu Ethinsib -Ziwä: ,, Du Sohn des Jösamin, 5 
wirf nicht Kampf in das Haus des Gewaltigen. 3 Gehe, erbitte 4 
Vergebung für deinen Vater. Wenn er 5 sich von dir erbitten läßt, 
um so besser. Läßt er sich nicht von dir erbitten, so sei ein Sklave 
vor dem Könige. Ethinsib - Ziwä, ältester Sohn deines Vaters 6 ******. 
15 Er sprach zu ihm, || wurde jedoch nicht erhört. 7 Siehe, wie wun- 10 
derbar die Kopf binde 8 ist, die er mir verliehen hat. Die Erde willst 
du auf das Wort des Königs hin zerstören, wenn du nun Streit 
gegen die Lichtwelten erregst und sie erschreckst, ******* " 9 

Da schoß Ethinsib -Ziwft einen Pfeil ab, doch Gubran griff 
ihn mit seiner Rechten auf. Einen zweiten Pfeil schoß Ethinsib- 15 
Ziwä ab, doch Gubran griff ihn mit seiner Rechten auf. Einen 
dritten Pfeil schoß Ethinsib -Ziwä ab, doch Gubran griff ihn mit 
seiner Rechten auf. Der vierte Pfeil blieb in der Hand des Parhiel 
sitzen. Parhiel schrie laut auf 10 , und sein Geschrei gelangte zum 



1) N^N'-p kann nicht Apposition zu b^ftK^NS sein und etwa „Kampf- 
roß" bedeuten. Die Stelle ist jedenfalls nicht in Ordnung und ist vielleicht 
zu 5* ta - Nil N^finp ST* ^yttKIKfi b*1 herzustellen, vgl. 15,13. In 
Z. 8 ist NSN^p vermutlich erst nach dieser Stelle in C hineingeraten und 
hätte besser nicht in den Text aufgenommen werden sollen. 

2) Entweder ist vor y^~ etwas ausgefallen, oder 'pi^M ist fälsch- 
lich aus Z. 2 übernommen. 

3) Auch hier ist BTaTl^ = N^lll N^it, obwohl Gubran im Auf- 
trage des Lichtkönigs kommt. Vgl. 8,4; 9,8 und S. 17,3 t. 

4) Ich lese 5>a statt "in. 

5) Der Lichtkönig. 

6) Lies '■pnN* N^-wN- Fh3? Nach 11,4 ist Säm der Älteste der 
Söhne. 

7) Der Satz bildet kaum eine Fortsetzung der Rede des Gubran. 
Die Stelle scheint ganz verderbt zu sein, wie auch der folgende Satz nicht 
herpaßt. 

8) Vgl. Siouffi, p. 122, s. 4; Brandt, Sehr., p. 50 1 . Hier p. 31,7 
paßt allerdings diese Bedeutung nicht. 

9) liier ist wohl eine Lücke, keine künstliche Ellipse. 

Ki) ABD haben nnrrvpn, C NnfPTpa. Das Wort wurde wahr- 
scheinlich in dieser Verbindung mit dem Suffix gesprochen, vgl. auch 17, 1; 

35,5; 9 6 > J 3; I2 3, II- 



Jösamin. 23 

Lichtkönig. Da öffnete der Lichtkönig den Mund in unendlichem 
Glanz und Licht. Er rief nach den 440 000 Uthras , die jenseits 
stehen. Er ruft ihnen zu und spricht zu ihnen: „Nehmet eure 
Rüstung um, leget euer Kampfgerät an, setzet euch auf eure 

5 Hengste 1 || nehmet das Schwert und Pfeile mit Macht. Leget 16 

das Schwert mit Zorn um und setzet euch auf eure Hengste!" Der 
Lichtkönig ruft ihnen zu und befiehlt ihnen in Glanz und Licht ohne 
Aufhör. Er sagt zu ihnen: „Wenn ihr zur Erde des Äthers gelanget, 
bringet mir den Kopf des Ethinsib-Ziwä, der im Schöße der Bihrath- 

10 Anänä 2 , seiner Mutter, ruht. Kämpfet mit ihnen, damit sie sagen: 
„Das sind gesandte Uthras." 

Darauf fahren die 444 000 Uthras zur Erde des Äthers herab. 

(Von der Spitze der Erde des Äthers dem Wohnsitze des 

Jösamin kamen sie.) 3 Die Uthras fahren mit hoher Waffe zur Erde 

15 des Äthers herab, das Schwert tragend mit Zorn und die 

Pfeile mit Kraft. Da schlachtete Jawar - Ziwä zwölf Söhne des 

Jösamin mit dem Schwerte ab. Bihram 4 , der Weise 5 nahm 

die (übrigen) neun Söhne des Jösamin mit dem Schwerte hin. 
Jökabar 6 , ihr 7 Bruder, der teure Sohn 8 |] des Jösamin, schrie laut. 3 17 

jo Nach seinem Vater Jösamin schrie er, und sein Geschrei drang hin 
und gelangte zu seinem Vater Jösamin. Da sagte Jösamin: ,,Wer 



1) Vgl. Nöld., p. XXXII 1 . Die Schreibungen NilOl5> und ittK©*» 
schwanken. 

2) Die Namen der weiblichen himmlischen Wesen werden gern in 
der Form 3. sing. f. perf. gebildet. Das paßt aber nur bei Bildungen von 
intransitiven Verben, wie rifcHttTS, nx^N'J, nsrtO, vgl. Uthra, p. 544. 
nN"irV3 ist in rein äußerer Analogie nachgebildet, denn es heißt „sie hat 
ausgewählt'', während es ,.sie ist ausgewählt"' sein müßte, wie denn die 
entsprechenden männlichen Namen Tns und ""rvn sind. — Siouffi 
nennt p. 40,37 Bihrot-Anono ; Morg 87, 13 wird Abathur als nNirrn *12 
bezeichnet. 

3) Der Satz gehört nicht hierher, ist auch lückenhaft. Über N£7:r;> 
siehe zu 63, 1. 

4) Siehe oben S. 159. 

5) "prtP" gibt keinen Sinn. Auch wenn man aus C das ^ über- 
nehmen wollte, „der unter ihnen war", wird der Satz uneben. 

6) D allein hat -NTSJOT 1 , vielleicht durch 25, 14 beeinflußt. 

7) Im Text fälschlich „sein". Nach der vorhergehenden Darstellung 
hatte Jösamin im ganzen einundzwanzig Söhne, vgl. auch S. 25,5 t. 

8) AC fhQ, BD N-n. 

9) A nnm-pn, BCD snrpTpn. Vgl. S. 22 10 . 



2_[ Jösamin. 

hat meinen Sohn getötet, wer meinen Liebling gehemmt?" 1 Durch 
das Geschrei, das Jösamin erhob, sprengte er die Fesseln von seinen 
Händen und Füßen. Zerrissen wurden die Fesseln und Ketten, die 
der Lichtkönig ihm hatte anlegen lassen. Er erhob sich zu heftigem 
Streit und gedachte des schweren Grolles, der in seinem Herzen 5 
war. Vom Tore von Sufath 2 bis zur Erde des Äthers zerstörte er 
alle Skinäs, zu denen er gelangte. Als er zur Erde des Äthers 
kam, schrie er laut ;i zur Anänft. 4 Die Uthras fielen auf ihr Antlitz 
und halten sich mit ihren Hengsten nicht in der Höhe. Ihre Schwerter 
fielen ihnen aus den Händen, und ihre Pfeile und Stahlspieße bleiben 10 
nicht beisammen. 5 Es zersprangen die Schwerter der Uthras, es 
18 zersprangen die Sehnen ihrer Bogen. || Sie stürzten um und fielen 
auf ihr Antlitz. Jösamin stieg dann von seinem Hengste, packte 
24000 Uthras und warf sie hin, die noch auf den Füßen standen. 

Da begaben sich die 360 Erden 6 vor den großen König und 15 
sagen: „Abgeschlagen ist das Haupt des Gubran, der zur Rechten 



1 ) Das heißt in seinem Lebenslauf, sonst gewöhnlich mit Rücksicht 
auf die Seele, die an ihrem Aufstieg gehemmt wird, vgl. 99,8; 112,2; 
GR 47,11; 66,9; Morg 43, 7. So auch GR219, 15, 22 trotz des dabei 
stehenden "pbaiWrPS, ■pbtttwrpiitb. 

2) DNÖ15 nach GR 219, 10 f. eine Erde ganz unten: ,.Rühä dQudsä 
stieg herab zur unteren Erde Sufath und zu den unteren Abaddöns der 
Finsternis". Morg 185,4 i st m ^ rtN^-OT S2N* wahrscheinlich die Öffnung 
des Grabes gemeint. 

3) ACD PrnrpTp, B snrrvp. 

4) Die Handschriften haben fcWfittN, vielleicht ist trotzdem IniNSN 
„seine Frau" zu lesen. Gemeint ist wohl Bihrath, vgl. 16,5. 

5) ^"nöfi*» Part. act. Aphel von ^niö, nicht etwa von NIC, so daß 
N .__... Subjekt wäre. "INON ..Festigkeit zeigen, standhalten" steht häufig 
neben ülp. 

6) 360, die runde Jahreszahl, ist, wie sonst, auch bei den Man- 
däern besonders häufig genannt: 360 Namen GR 131,6; 360 Jordane 
(; '< 131.23; 136,12; 292.23; 360,9; Qol 19, 5; Morg 112,2 v.u.; 
360 Wagen, die vor Abathur dem Alten aufgerichtet sind, Qol 34,29; 
360 Lichtwelten Morg 169, 2 f.; 360 Glanzquellen Morg 166, 12 f.; 
Oxf. 66b; 360 Mysterien Qol 8, ,5 f. und sonst vieles. Danach 360000 
Jahre GR 99,23; 172, 9 f.; Jordane GR 136,1t.; Morg 167,9; M Y _ 

rien Pariser Diwan, '/.. 266 und sonst. Seltener ist die eigentliche 
Jahreszahl 365, so 305 „große verborgene Welten und Eier des 
Lichtes" GR 134,20fr.; Jünger GR 330, 1 f., iof., 19; 331,12; 332, 6 f. 
und sonst. Noch seltener 366, die um 1 vermehrte Jahreszahl (vgl. Flori- 
legium Melchior de Vogüe, p. 373 zu 208 f.): 366 Dämonen GR 120, 11; 



Jösamin. 25 

des Lichtkönigs stand." Die Erden zittern, und die Berge schlagen 
aneinander. : Der König erhob sich von seinem Throne und 
„Anschrei des Lebens!" rief er Jösamin zu. Er nahm von ihm den 
Glanz, die große Kraft, den Kampf 2 und die Wut, die er im Sinne 
5 hatte. [Er befahl], die Köpfe seiner Söhne abzureißen, die bei 
(Bihrath-)Anänä 3 , der Mutter des Ethinsib-Ziwä, waren. 4 Er sandte 

904 Fesseln 5 von 6 , das schwerer 7 als Eisen ist, und sie setzten 

ihn am Tore von Sufath hin 8 , bis der Achte der Finsternis ge- 
schaffen wird. 9 Siebenhundert || und fünfzig Jahre wird er in dem 19 
10 großen Blocke warten 10 , solange das große (Leben) es von ihm wünscht. 
Und das Leben ist siegreich. 



366 Skinäs GR 128, 15 f.; 129, 2 f.; 366 Sprachen der Menschen Morg 
259, 10, 20; 366 böse Mäuler und Zungen Morg 265, 20, 16 und sonst. 
Vereinzelt auch 362: $b2 jünger GR 197,17; 203,1; 362 Sprachen 
Bleirolle Klein B II, 67; Lond. Rolle B, 414 f. - Vgl. auch Brandt, Rel., 
p. 1560b., 173 2 , 194 f. 

1) ",N-w"-n:- ABD ist durch NPNr:J5p*iN veranlaßt. 

2) D. h. die Kampflust. 

3) Vgl. S. 23,9. 

4) "VN"": ist hier nicht unterzubringen. Es ist kaum mit *Np"":^ 
zu verbinden: ihnen die Köpfe abzureißen. Man erwartet hier *". 

5) Vgl. Nöld., p. 46,4 und Lew, Wörterbuch über die Targumim II, 
p. 208 b s. NpT3> II- 

6) ,, Waffe" kann hier nicht dastehn. Auch „Fessel" (siehe zu 23, 2) 
gibt keinen Sinn. Hier muß das Material, am ehesten ein Metall, genannt 
sein, aus dem die Fesseln geschmiedet waren. Da das Wort mit Zain 
beginnt und das Material schwerer sein soll als Eisen, denkt man leicht 
an Quecksilber. Die verschiedenen Schreibungen hierfür im Syrischen 
siehe bei Duval, Notes de lexicographie syriaque et arabe (Extrait du Journal 
asiatique), Paris 1893, p. 24. Normaliter kann man allerdings aus Queck- 
silber keine Fesseln schmieden. x\ber in den Kreisen der Uthras, bei 
denen es Gewänder von Glanz und Olivenstäbe von lebendem Wasser 
gibt, können schließlich auch Quecksilberfesseln hergestellt werden. 

7) — ;xr = — "}2 wie -N-wSZ == -13 kommt vor, vgl. 35, 3; GR 90, 9; 
166,24; 167,1. Zur Bedeutung vgl. Nöld., p. 1 54 3 . 

8) Nach 17,8 hat Jösamin schon früher da gesessen, er wird also 
dort wieder interniert. 

9) Das ist die nächstliegende Übersetzung, die schwer zu verstehen 
ist. Besser würde passen „so daß er der Achte der Finsternis genannt 
wird'', wenn nur "j s::Vn den Sinn „so daß" hätte. Zu Jösamin als Achtem 
vgl. die Einleitung. 

10) n^r heißt auch intransitiv ,. warten", vgl. 29, 3; 38, 8; 54,7; 191, 1 1. 



2 6 Jösamin. 

4. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Mit Herrschermacht, die mir selber zukommt 1 , unter Gebet 
und Lobpreisung, die mir selber zukommen 2 , habe ich das Maß der 
Könige 3 festgesetzt. Dem Maße befehle ich, nach dem Maße rief 5 
ich, und das Maß entsprach mir; euer Maß ist voll! 4 Nach Schwert 
und Säbel griff ich; die Welt, die ich nicht geschaffen habe, will 
ich verwüsten. Die Skinäs, die meine Hände nicht aufgerichtet 
haben 5 , brachte ich in Verwirrung. Mit lauter Stimme [rief ich] 
und brachte in die Höhe Streit. Ich verkleinerte die Werke, die 10 
geordnet waren, weg von ihrem Orte ********* Kampf mit mir 
selbst ********." 

Nsab-Ziwä sprach zu Jösamin folgendermaßen: „Habe ich dir 
nicht gesagt, keinen Zorn zu erregen und keinen Streit in den 
Jordan zu werfen? Nicht wurde dir (vor)geschrieben, Kampf zu 15 
20 erregen. Als du noch klein warst, || da benahmst du dich weise, 
jetzt mußte man dich einen Toren nennen. Du hattest einen Thron 
an der Spitze, nun haben sie dich an das Tor der Sufath gesetzt. 
Du hast die Werke verwüstet, die du von Jugend auf geschaffen, 
so daß du von deinen früheren Söhnen keinen einzigen dir als 20 
Gesellschafter gefunden hast. Du hast deine Erde und deinen Bau 

1) Jösamin spricht. 

2) Ich habe die Lesung n N^EN2^ aufgenommen, und das Wort ist 
wohl so aufzufassen, wie in der Übersetzung ausgedrückt ist. Zu NrN^blÜ 
-wXa-TNri vgl. "iNlööNi ■jNttbltÜ GR 7, 4. Da Jösamin selber über die nötige 
Macht verfügt, richtet er auch die Bitte an sich selbst, vgl. GR 69,22: 
„Das Leben stellte sich hin in der Gestalt des großen Mänä, aus dem 
es entstanden war, und richtete eine Bitte an sich selbst." Vgl. auch die 
Parallele GR 238, 1 1 ff. Wenn ich nicht irre, lassen die Juden auch 
Adonai zu sich beten. Die Lesung N^SiWi kann auf das allgemeine 
Schwanken in der Schreibung der Endungen fr, fl"», «1, \x zurückgeführt 
werden, aber an der zweiten Stelle konnte sie auch durch eine Wendung 
wie NTaSDl NwC k s:i Smn GL [3,8 beeinflußt sein. 

3) I). h. der himmlischen Wesen, vgl. Uthra, p. 544 f. 

4) Besser wäre y'b-'bft. 

5) Lies -N-r yN^DNb^. ACD haben N^\ dies ist aus int?, dies 
ans \N-r entstanden, "f^nn^rn ist nachher, vermutlich aus einer Rand- 
korrektur, in d.n Text hineingeraten (hinter NrnöfiMTB). Trotz der v Worte 
-N-r ytnnNbl hat man vielleicht mit ABD nsr^l „und meine Skmä" 
zu lesen, vgl. 23,14; 34,6; 38,2. 

'0 -n\n-, Pael von -in, auch noch 31,8; GL 54, 2 ff. Die Bedeu- 
tung läßt sich nach den mandäischen Stellen nicht genau bestimmen. Klar 



Jösamin. 27 

zerstört und hast dein Lager [und dein ] von ihrem Orte weg- 
gerückt. Geschaffen wurden von dir Frauen, nun wurden sie dir 
weggenommen. 1 Weggenommen wurde dir die frühere Klarheit 2 , die 
das erste (Leben) deinem Verstände verliehen hatte. Du hast dein 
5 großes Nest gestört und verwüstet die Werke, die wohl geordnet 
waren. Du hast das große Nest niedergedrückt zwischen den beiden 
Königen. 3 So wird denn deine Gestalt aufgelöst 1 , und die Könige 
werden dir den Prozeß machen. Nicht wird losgelassen zur Erde 
ein großer, geordneter ******, und nicht befestigt die geordneten 
10 Werke. 5 Ohne Recht stehst du da, Jösamin, und Bescheidenheit 



ist der Sinn Babli Baba gamma, f. 92b, Baba m'si'a, f. 107b nach 
Lew, Xcuhebr. Wörterbuch I, p. 386b: ..einholen" (in meinem Druck 
steht b luin). ..Zu jemandem gelangen, ihn erreichen - ' paßt auch im Man- 
däischen ungefähr. 

1) Ein Wortspiel ü^W — rromr. C hat fälschlich auch an 
erster Stelle rrcmr", und auch sonst werden sc: und n£: in den Hand- 
schriften durcheinandergeworfen. Die Ursache liegt in der Ähnlichkeit 
des mit arabischem j» und im gleich häufigen Vorkommen der beiden 
Wörter. Aus diesem Grunde habe auch ich 60,13; 65,2 versehentlich 
S3; statt 5i£3 geschrieben. 

2) Zur Bedeutung von N:p"in vgl. Nöld., p. 49 x . Die Stärke des 
Glanzes ist in NTT, fcOpin, N»rp:s£ abgestuft. NT" ist der Sonne, Nrpin 
dem Monde, N»t"PSS den Sternen verliehen, vgl. GR 33, 2 f., 23 f. N"T 
und N'pin decken sich beide mit d6$a in seiner späteren Verwendung, 
vgl. Reitzexstein, Hellenistische Mysterienreligionen, p. 169 t. 

3) Wenn die Stelle überhaupt in Ordnung ist, können nur die beiden 
Könige gemeint sein, die in der Welt einander entgegenstehen: der untere 
und der obere, der König der Finsternis und der König des Lichtes, vgl. 
Cap. 13. In anderem Sinne findet sich der Ausdruck im Asfar Malwäse, 
Pariser Codex, f. 246b: &w*7KM "p K?2&n Nniaap tt&OKIBl snt-iara "" 
ini-pa «rriöl »bta^ JTSbura 'p'nn N-m JOTS-iNnTi „Wenn im Februar 
der Regenbogen im Osten sichtbar wird, so wird zwischen zwei 
Königen Mord und Gefangenschaft stattfinden." Hier wird wohl all- 
gemein gesagt, es werde ein Krieg zwischen zwei Reichen ausbrechen; 
es sind nicht zwei bestimmte Könige gemeint, etwa der Araber und 
Byzantiner. 

4) niO—rc^: 2. Person, weil mit "i^mMI eben seine Person gemeint 
ist, vgl. auch ■'Nmm 26, 2 ff. ^Nmül A wäre ^Nmüsn „dein Hoch- 
mut", was ferner liegt. 

5) Der Satz ist stark verderbt. Zu N51 N'THÜ fehlt ein Substantiv. 
NT-D ist Epitheton zu JOnis und üttüttt: GR 78,22; GL 38, 14. Statt 
■ppNn?2Nin ist wohl 'jawpNrraNbv statt "jamNOnl vielleicht "jX-lCNr;?:^ zu 
lesen, vgl. 19, 9. 



2 8 Jösamin. 

ließest du dir nicht in den Sinn kommen. Du warst unbekümmert, 
nahmst keinen Befehl und keine Belehrung an und wolltest keine 
•21 Weisheit vom ersten (Leben) empfangen. || Du kümmertest dich nicht 
um den Glanz des Jordans, und nach Belehrungen von den hehren 
Frauen hattest du kein Verlangen. Du kennst, Jösamin, das Wort, 5 
das der König gehört hat (?). Wenn (das Wort) einmal dem Munde 
der hehren Welt entschlüpft ist, wird es unzählige Male wiedergesagt. 
Du Frecher! 1 Weißt du nicht, Jösamin, daß eine Verwüstung von 
tausend Jahren in 24000 Jahren nicht zum früheren Zustande wieder- 
hergestellt wird? Dein Stamm wurde in Aufruhr weggerafft, und 10 
du hast dir den großen Block an die Füße gebracht. Du hast viel 
gemacht die ******* 2 , nun wird das Weh von dir nicht weichen. 
Du hast dir die Träne ins Auge steigen lassen, nun gleicht sie 
dem Wasser, das im Jordan hinabfließt." 

Darauf erwiderte Jösamin dem Nsab-Ziwfi und sprach: „Ich 15 
habe mit eigener Hand das Weh gesucht, nun will ich es tragen 
und von der hehren Treue nicht lassen, sondern daran festhalten, 
bis das Große alles tut, was es vorhat." 

Und das Leben ist siegreich. 



5. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 20 
Licht. 

Als mein Vater Jösamin im Fußblocke sann 3 , da sann er in 
Zorn 4 und Trotz. [Er sann] im großen Block 5 , in die Himmels- 
22 höhe Streit zu werfen, || zu schauen das große Leben: „Krieg will 
dieses 6 mit mir führen, so will ich denn jetzt den großen Streit er- 25 
regen und Leid ihm in die Seele werfen. 7 Gelingt es ihm, sich 
von mir loszureißen, so werde ich sehen 8 , daß es niemanden gibt, 



i) Das Wort wird kaum so allein dagestanden haben. Zur Bedeu- 
tung vgl. Nöld., p. 44,21. 

2) Das Objekt im Plural fehlt. Ks wird etwas wie „Verwüstungen" 
dagestanden haben. 

3) Vgl. auch 24,11 und die ■pMNTBTl NrONlöNÜ GR 132,21. 

4) Wahrscheinlich NWlS zu lesen. 

5) Wegen Nn"l scheint mir NiNO ursprünglicher zu sein als N*HNS!: 
.. Einöde", vgl. Z. 7. 

h) Beachte das S< h wanken des Numerus mit Bezug auf tO" , rT. Hier 
kaum --TN- < ITKtT. 

7) FfbfiWi wohl aus fTT" - :-;' verderbt. 

8) ABC NTS13>, D n-p-r; ursprünglich wohl ü^~T. 



Jösamin. 29 

der größer ist als ich in der Höhe; sollte es jemanden geben, der 
schlechter ist als ich im Lichtorte? 1 Groß bin ich, und groß ist 
mein Glanz, und keine Grenze gibt es für meine Lobpreisung." 

Als Jösamin dies sagte, erfuhr es das große Leben und sprach: 
5 „Ich will Mangel decken über die Werke des Jösamin." Es rief 
den Mandä dHaije, schrieb einen Brief, sandte ihn, warnte ihn mit 
eindringlicher Warnung und sprach zu ihm: „Siehe nach, ob sein 
Glanz noch groß an ihm ist. 2 Mag er nicht sagen: Nbat der Große 
ist in Haß und der Lichtkönig 3 in Zorn gegen mich geraten." 

10 Mandä dHaije macht sich auf den Weg, bis er zum Hause des 

Jösamin kam. Als er zum Hause des Jösamin kam, sagte Mandä 
dHaije zu ihm und sprach: „Da du kein Großer warst, warum hast 
du dich überhoben? Du warst kein Großer, j| warum schmiedetest 23 
du Kampf gegen es. 4 Weh und Leid ist mir um dich, Jösamin, 

15 daß du mit der Fessel 5 des Großen gebunden bist. Deine Bitten 
gehen [nicht] in Erfüllung 6 , und deine Sorgen lasten schwer auf dir. 
Du vergißt den dir erteilten Befehl, nun fließt die Träne von dir 
zur Erde herab." — Ich sage ihm in der Höhe, was man mir auf 
der Erde gesagt hat. 7 Ich ließ mich bei Jösamin nieder, und was 

20 sie mir über ihn gesagt haben, das sage ich [ihm]. „Jösamin", 
rief ich, „keine Geradheit ist in deiner Gesinnung, keine Wahrheit 
in deiner Rede." 

Als Mandä dHaije dies sagte, erwiderte ihm Jösamin: „Wärest 
du kein Bote, daß man dich gesandt und du zu mir gekommen 

25 wärest, schlüge ich dich gar wuchtig und machte deine Reden zu- 
nichte. Dein Glanz leuchtete dann nicht mehr auf, und es erlösche 
dein Licht, in dem du stehst." 

Als Jösamin dies [sagte] und Mandä dHaije den Jösamin so 
sah, daß nämlich seine Kraft noch gewaltig sei, denn sein Vater 

1) Das steht da. 

2) -IN2ND B würde heißen „bedrückt" (vgl. Brandt, Sehr., p. 41 1 , 
196 2 ), was nicht paßt. Vgl. auch 23,13. 

3) Man erwartet hier weder i:S3: noch den Lichtkönig. 

4) fibv auf «"»Tl bezogen, siehe zu ■pTNfi in 22, 1. B hat sicher 
fib'J, D wahrscheinlich, A zweifelhaft. Liest man vb?, so wäre es zum 
folgenden Satze zu ziehen: Aber .... 

5) xrNT hat hier wie auch 35,4 sicher diese Bedeutung. Es ist 
hierin durch ixrNT rrn beeinflußt. 

6) Ich vermute -N72bNO[N5], vgl. GR 12, 14. 

7) Umgekehrt! 



■2 Jösamin. 

hatte ihn gesegnet 1 *********. Alsdann schlug Jösamin gegen 
seine Skinä. Ich verdeckte seinen Glanz, und Mann für Mann warfen 
24 eine Kette um ihn. 2 So || veränderte ich und die Uthras, meine 
Brüder, nicht den Auftrag, den der König 3 erteilt hatte. 

Und das Leben ist siegreich. 5 

Gesegnet sei der Name des Mandä dHaije. Und das Leben 
ist siegreich. 

6. — Am Tage, da der Herr Jösamin unterwies, erhob sich 
Jösamin von seinem Throne. Jösamin erhob sich von seinem Throne, 
ging Manda dHaije entgegen und sprach: „Gesegnet sei dein Glanz, io 
du König der Uthras, der über uns aufgegangen ist." 

Und das Leben ist siegreich. 4 



i ) Die Stelle ist kaum in Ordnung. Man könnte auch nach Auf- 
gabe des zweiten "pTN" mit ftb^N" einen Nachsatz beginnen lassen: Da 
sieht Mandä dHaije, daß die Kraft des Jösamin noch gewaltig ist. fJnNriNSX 
bezieht sich auf N" 1 " 1 ". Als Mutter des Jösamin wird JO"*!": m72 1, „das 
Ebenbild des Lebens", genannt: GR 294, 4; v Morg 87, 1 1 , damit ist das 
Leben sein Vater, vgl. auch S. 40 \ An der zitierten Stelle bei de Morgan 
ist N^SWlNp -NnN-N2N = JO^N^-INp N^tt. 

2) NOpiND muß „Kette", event. „Reifen" bedeuten. Es findet sich 
noch GR 85,24; 86, 1; 90, 7, 12, 15; 98, 5; GL 04, 23; 99, 10. Ich kenne 
keine Ableitung dafür, jm-oja^ jivgyog kann es nicht sein, aber aus dem 
Griechischen könnte es darum doch entlehnt sein {tieql ....). Ich fragte 
Herrn Prof. Zimmern nach einem etwaigen Zusammenhange mit baby- 
lonischem ]i(b)ars(s)igu Muss-Arn., p. 835b. Ich erhielt den Bescheid: 
„p(b)arsß)igu bedeutet allerdings speziell Binde aus Stoff (Wolle usw.), 
vielleicht so schon seiner (sumerischen) Etymologie nach (Landsberger, 
WZKM 26, 1303), was die Zusammenstellung mit einem Wort für „Kette", 
„Reifen" etwas erschweren würde. — Ich habe bisher immer erwogen, 
ob p(b)ar$(s)igu , das speziell gerade auch Kopfbinde ist, nicht vielmehr 
das Prototyp von ^cj]^, Np^TTin ist, statt der angebliehen persischen 
Herkunft. Schließlich könnte NCpiND auch eine zweite Entlehnung 
desselben babylonischen parsigu im Mandäischen sein." — Statt "N"2"i 
hat man N73"l oder "]TO*n zu lesen. 

3) Der Plural mit Rücksicht auf N" 1 " 1 ", vgl. Anm. 1. 

4) Das Stück fällt ganz aus dem Rahmen der anderen heraus, 
zwischen denen es steht. Es schließt sich an GR 342 f. an, von wo aus 
es erst verständlich wird. Stilistisch steht es den Stücken Oxf., f. 63 b ff. 
nahe, von denen das erste hier angeführt sein mag: fcon^ tO" 1 "'! N73TÜ3 



Jösamin. 3 1 

7. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Als ich Jösamin nachsann l , da überlegte ich in 2 Glanz und 
Licht, in Offenbarung und Belehrungen 3 ohne Ende. Kraft des 
5 ersten Schatzes 4 und des Wortes, das mein Vater mir verliehen, 
überlegte ich. Krieg gegen die Großen zu führen, faßte ich den 
Gedanken. Zorn und Geifer faßte ich, meinem Innern sagte ich, 
Krieg zu führen mit dem ersten Leben und mit dem zweiten Leben 5 
und mit dem Leben, || das von jeher war. 6 Streit will ich im Lichte 25 
10 erregen und Empörung 7 unter den Jordanen anfachen. Einen großen 
Kampf will ich führen, ausgedehnt und endlos." 

Als Jösamin das erste Mal die Pläne schmiedete, konnte er 
etwas Hassenswertes nicht zustande bringen. 8 ******* 

Alsdann sandten mich 9 die Uthras mit ausgedehnten Maß- 



Finfiob Türbin ftv*ib toiTi-Ji R-nrai R^nbRi smfisi R^abR ~v Ran* 
RiaRTsb Fjb'O'iRiim •in-N?2is ntimndt (f. 64 a) firiRib ridjrd pi-sbia n-s:n2 
"jNm;:- -Rnrn ^rtt — !iR3l x - :d nv:? R'OTi "S"7 ~p-2 ffr— :si N"rn 
"■'w"TwN:i „Im Namen des großen Lebens. Am Tage als Mandä dHaije 
sein Gewand (siehe S. 26 2 ) anlegte, ging sein Glanz über den Licht- 
welten auf. Sein Glanz ging über den Lichtwelten auf. Als die Licht- 
welten seinen Glanz sahen, versammeln sich alle bei ihm. Alle versammeln 
sich bei ihm, öffnen ihren Mund, segnen Mandä dHaije und sprechen zu 
ihm: „Gesegnet sei dein Glanz, der über dem Wasser aufgegangen ist. Wie 
dein Glanz leuchtet, leuchte auch deine Gestalt und verfinstere sich nicht."' 

1) Siehe zu 21,15. 

2) Wohl am. 

3) Vgl. auch RnbRbRai RniüR'naR GR 282, iq. Auch b-bajn lö'nsR 
stehen beisammen: GR 213, 10; Qol 2, 1; 25, 12. 

4) NT:*5 ist hier soviel wie R"iS£13>. 

5) Sonst gilt Jösamin selbst als das zweite Leben, siehe die Ein- 
leitung. 

6) RiöIRPRb "72 ist ein häufig vorkommendes Adverb. Es entspricht 
ÖRIIp -,72, vgl. GR 178, 5f.; 205,8fr.; 206,4; 238,17, oder mp ",73 GR 
6,1,6, steht auch parallel RpTlR : GR 177,10. xb ist also darin nicht 
Negation, sondern R*>n*lRpRb ",72 entspricht syrischem ,— ^p,p\ ,-Jäß. 
Anders Nöld., p. 406 1. ult.; 431, 1; 437,7. 

7) NSX-p ist wohl eine Glosse zu aSia^R», siehe auch S. 15 6 . 

8) 1R2R -NCNrab als ev did dvdlv, doch ist diese Auffassung sehr 
zweifelhaft. ^IRTDDI "IN2R „er handelte und hatte Erfolg"' ist sehr häufig, 
aber das Pael von —CD kommt nicht vor. Vielleicht ist ~NCN~N-" mit 
""HSIDRS als Part. act. zu lesen: Häßliches und Verwerfliches. 

9) Hier spricht wohl Mandä dHaije. 



32 Jösamin. 

regeln 1 , die sie mir mitgaben, als Boten zu ihm, mit Zorn bekleidet, 
******** bedeckt, das Schwert tragend. 2 Der Bote brachte ihm 
den Brief des Königs: „Setzet Jösamin in den großen Block, so- 
lange das große (Leben) es will." Als der Bote den Brief brachte, 
begrüßte er ihn nicht, sondern rief ihm zu: „Steh auf von deinem 5 
Throne." Bangigkeit war ihm im Sinne :! , und Galle spie er vor sich. 
(Jösamin) stand dann von seinem Throne auf, setzte sich auf die 
Erde und rief: „Wer will Bande um Jösamin werfen, weil der König 
in Zorn gegen ihn gesandt hat?" Jökasar erhob sich vom Throne 
26 und warf Bande um seine Rechte. 4 Jösamin öffnete dann || den 10 
Mund und sprach zum Boten: „Wie lange ist es schon 5 , daß du 
meine Gestalt und meine Statur 6 nicht gesehen und mit mir nicht aus 
einem Becher getrunken hast! Wie lange ist es schon, daß du keinen 
Bissen 7 von meinem Tische gegessen und keinen Kranz geflochten 
und dir um das Haupt gelegt! Wie lange ist es, daß du meine Gestalt 15 
nicht geschaut und mein Glanz sich auf dich nicht gesenkt hat!" 

Darauf öffnete der Bote den Mund und sprach zu Jösamin: 
„Sage nicht, daß ich aus eigenem Antriebe zu dir gekommen bin. 
Der König hat in Zorn zu dir gesandt, und ich kann ihm nicht 
über Jösamin sagen ******* Sanftheit von Männern ****** guten, 20 
die Großen, wenn sie nicht nach dem Willen der Bösen handeln. 8 



1) Dies ist wohl hier der Sinn von Nn&ttüSfttN . Zu NnüJNirN siehe 
sonst Nöld., p. 127, 10, auch 212,2; 222,2*]. 

2) Ich denke mir die Worte: n*~ .1 X3TT; "»KöfiOn W^b WiTfl. 

In der Lücke hat vielleicht fcON'np gestanden. fcr~"j ist in die folgende 
Zeile hineingeraten. 

3) ""0 ist auffällig, aber schwerlich „war ihm aus dem Sinne gewichen". 

4) C „um Jösamin". Obwohl man die Rechte allein nicht fesselt, 
ist doch eher fJröSOa zu ■pnNlöra abgeändert, vgl. Z. 13, als umgekehrt. 

5) Ich vermute N»DN?t, eigentlich „wie viel?", vgl. Nöld., p. 206m. 

6) Nn:*a ist liier von n:2 gebildet, wie 10,8; 170,10 und sonst. 

7) Nn!"PS ist hier erst aus dem Kultus entlehnt und bezeichnet ein 
kleines Stück Brot, wie es beim Sakrament verwandt wird. Vielleicht will 
der Verfasser aber auch sagen, daß die Himmlischen Pihtä untereinander 
essen. Für die ursprüngliche Bedeutung von Nn!"PS sind aus dieser Stelle 
keine Schlüsse zu ziehen. 

•S) Der Satz ist arg entstellt. Das Objekt zu rt'-1N72:"i scheint aus- 
gefallen zu sein. Dann vermute ich etwa N—a" "JE Nm!"P3 N3NÜ [jfONa] 
[a^öjo] N'3N^ „der gute Mann nimmt Sanftheit von guten Männern an", 
vgl. auch 29, 8. 3ND5 RnWI dürfte aus Z. 10 hierher geraten sein. Dann 
etwa „recht haben (jtto&O od. ähnl.) die Großen, wenn sie nicht " 



Jösamin. 33 

Jösamin nahm Hochmut an 1 , nun wird seine Burg und sein Bau 
zerstört. Seine Söhne gehen in Auflehnung umher, seine Frauen 
ziehen zu aus. 2 Sein Glanz und seine Helligkeit werden ver- 
dunkelt und seine Werke zerstreut. Der Zorn, || den der König 27 
s losgelassen, löst sich in Generationen nicht. Du, Jösamin, sitzest am 
Tore von Sufath 3 , weggenommen wird dir die Ehre, die Krone, 
die das Große dir verliehen. Weggenommen wird dir der Glanz, 
und Finsternis wird in deinem Bau 4 errichtet. Die Burgen deiner 
Söhne sind zerstört, und deine Throne stehen leer da, so lange als 
10 das Große dieses über dich wünscht. 5 Deine Frau, die deinen 
Stamm fortführe, wird auf Generationen hinaus nicht dein Weib 
sein. Sie erniedrigen den Stamm aller Hengste." 7 
Und das Leben ist siegreich. 



1) 3ND: »mal bzw. 2'C: häufig so gebraucht: GR 19,2 (auch hier, 
gegen Brandt, Sehr., p. 33); 20,9; 94,8 und sonst. Dazu als Adjektiv 
MNmni. Im Pariser Diwan, Z. 459 t.: (!) a-3S5i S"Smn K'»13''T3Ma ybitin 
N\-rn"t. Obwohl auch NSn ohne N geschrieben wird, ist es doch wohl 
NnlSI entsprechend dem targum. Worte. Dagegen ist ismiaNI = Nn^ä'n 
„Größe, Hoheit". Danach ist Nöld., p. 139, 11 zu berichtigen; p. 356 unt. 
ist Nmil zu lesen. Auch Siouffi schreibt KrTOttll N~N?3, gibt es aber 
mit Moro-Eddarboutho wieder (p. 38, 1), was kaum richtig ist. Vereinzelt 
findet sich NmniÄl mit s in Wendungen übler Bedeutung: smi ma»1 
Joh 272, 12; Asfar Malwäse 80, 7; ND^sn wann GR 27, 22; "inmt mSfin 
GR 376,17; GL 75,17. 

2) N"2"7 in demselben Zusammenhange mit Varianten auch 82,4; 
140,12. Aus diesen Stellen geht deutlich hervor, daß die Wendung ein 
unzüchtiges Treiben zum Ausdruck bringt. „Flüsse"' kann darin nicht 
enthalten sein. Zum Flusse hinausgehen bedeutet im Munde eines Man- 
däers das Gegenteil. Eher könnte es mit dem neben 8"«*n» stehenden 
N-2NT bzw. s^n (GR 28, 15; 59,22; 174,9; GL 17, 10; 27, 20) zusammen- 
hängen. Das Wort bezeichnet eine heidnische Institution; Nöldeke's Er- 
klärung p. 312, 2 f. (vgl. auch Brandt, Sehr., p. 463) scheint mir nicht sicher. 
Es mag sein, daß dabei Unzucht getrieben wurde. 

3) n'TTN streiche ich. 

4) Auch hier wohl ixnra von 8513, nicht „Einsicht'', vgl. S. 32 6 und 
den folgenden Satz. 

5) Vgl. auch 19, 1 f.; 25,9. 

6) Der Text ist wohl nicht ganz in Ordnung. 

7) Zweifelhaft. An sich könnte SlilöV für VPVtn9 stehen; vgl. K^IÖ 
in C, das C auch 232,9 statt N^TÖI» hat. „Jahre" paßt nicht besser. 

Lidzbarski, Johannesbuch. 3 



24 Jösamin. 

8. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Eine Stimme gelangte zu mir im Jordan und Licht gar reich- 
lich in der Welt. — Nsab-Zlwä kam von der Erde des Äthers, 
zum Orte herrlicher Pracht ist sein Gang. Er kommt zum Orte 5 

28 herrlicher Pracht, zum Boten, der || das Tor hütet, und spricht zu 
ihm: „Gehe, Bote, und sage dem großen Könige, daß Nsab-Zlwä 
am Tore steht. Diese Rede, die aus meinem Munde 1 kommt, gib 
ihm in voller Treue wieder und ***** Nachlaß wurde jenseits ge- 
rufen. 2 10 

Der Bote ging hin und trat vor den Lichtkönig, doch der 
Lichtkönig sah den Boten nicht. Einmal verneigte sich der Bote 
vor dem Lichtkönig, doch der Lichtkönig sah den Boten nicht. 
Zum zweiten Mal verneigte sich der Bote vor dem Lichtkönig, doch 
der Lichtkönig sah den Boten nicht. Da redete der Bote den großen 15 
König an und sprach zu ihm: „Nsab-Ziwä, der Sohn des Jösamin, 
steht am Tore und erbittet Nachlaß von deiner Einsicht." Da er- 
widerte der Lichtkönig und sprach zum Boten: „Offne das Tor in 
Glanz, öffne ihm, und mögen seine Füße in voller Festigkeit da- 
stehen." 3 Da öffnete der Bote das Tor in Glanz, worauf Nsab- 20 

29 ZiwFi gerade dastand. Nsab-Ziwä redete dann den König an und 
sprach: „Milde und sanft bist du, und deine Rede ist weitreichend 
und nicht müßig. Dein Glanz harrt in Schweigen 4 , und dein Licht 
und deine Pracht 5 sind weitreichend und nicht wertlos. Du hast 



i) Wohl \X?31D Statt IH731S. 

2) Es ist unklar, wie diese Worte mit den vorhergehenden zusammen- 
hängen. Vorher ist jedenfalls eine Lücke. Vgl. auch X. 17. 

3) KianiE für die Füße auch 175,6 t.; GR 376,20 t.; GL 86, 1 f.; 
Morg 2,5,5, 1,24 f. 

\) Ist ohne Aufruhr. Siehe zu *iü: S. 25 10 . Sonst ist KpTlS "INES 
„Schweigen beobai hten" häufig, danach ist vielleicht auch hier KpTTÜ *inl:n: 
herzustellen. Daß der Glanz in einer personifizierten 2iyri wohne, ent- 
sprechend den Spekulationen gnostischer Kreise (vgl. Irenäus, Adv. haereses 
I, 1,1; II, 12,2), wird hier nicht gesagt. 

5) KP.VW ist Xöld., p. 62,21 mit „Glanz" übersetzt. An vielen 
Stellen hat es sicher diesen oder einen verwandten Sinn. Hier steht es 
zusammen mit N-nn: und in der Nähe von nvt. GL 66, 9 steht es in 
Gegensatz zu N^ISJtT GR 306, 14 heißt es: „Ich sprach in meiner Nm~)3>, 
und mein Glanz ging über fösamin auf." GR 345,8: „Angenehm ist der 
Duft des Mann. So wie dein Duft, teurer Mänä, angenehm ist, ist an- 
genehm der Glanz (NmNJ:) des großen Lebens und die NmU des ge- 



Jösamin. 35 

keinen Gefährten an deiner Krone und keinen Genossen an deiner 
Herrschaft. Ein Kenner bist du der Ehre, die dir Lehren offen- 
bart 1 , die endlos sind. Deine Taufe ist im Jordan aufgerichtet, und 
alle deine Werke gehören dir. Wenn ich es dir sage, so zürne 
5 nicht, und die Sanftmut der Guten lasse sich in deinem Sinne 

nieder. Wundersam ist deine 2 , die du ersinnst, und ohne 

Müßigkeit. (Da ist) der Mann, der von seiner Feste entfernt und 
mit Waffen von seiner Wohnung 3 verjagt wurde. Seine Söhne wurden 
im Widerstände getötet, und seine Frauen gehen in Trauer 4 umher. 

10 Seine Jordane sind gestört, und seine Skinäs von ihrer Stelle ent- 
fernt. Zerstört haben sie seine Wohnung und seinen Bau, und sein 30 
Thron ist am Tore der Sufath aufgerichtet. Seine Welten sind ge- 
stört, in Gefangenschaft ist er gefangen 5 , und Seufzen ist ihm in 
den Sinn gelegt. Wenn du es in deinem Sinne wünschest, will ich 

15 ihn beruhigen 6 und seinen Sinn an seinem Platze befestigen. Ich 



wältigen Lebens. " GR 361,4: ..Ich erleuchtete sie mit NmlJ, einer NnYt?, 
die wundersam und endlos ist." GR 341,9: -Er strahlte in snr; und 
erhob sich über die Welten." Auffallend ist allerdings, daß GR 334 ob. 
zwischen „Glanz, Licht, Strahlen" und NmlS ..Gebete" eingeschoben sind. 
Alsdann findet sich snVW sehr häufig mit NniTStSin verbunden oder steht 
ihm parallel: 221, 12; GR 219, iö; 305, 1, 9: 306, 19; Qol 3, 10; 26, 25 ff.; 
28,13: 41,21. Aber auch hier wird es „Erleuchtung" sein, wie es denn 
auch an diesen Stellen vielfach mit „Licht" und „Leuchten" in Verbin- 
dung steht. An der Stelle GR 64,13 übersetzt es Brandt, Sehr., p. 1 1 3 
mit „Belehrung", ohne eine nähere Begründung zu geben. An dieser 
Stelle und auch an anderen, z. B. GR 152,7, kann es allerdings diesen 
Sinn haben. Aber man müßte es dann von NT ableiten, das im Peal 
den Sinn „lehren" nicht haben kann. Hingegen ist 8mlS 142, 13 sicher 
Nm b T , 3> „Wachen". 

T • 

1) Vielleicht KMNlöönSN >nVnv\\\.:i (haplologisch statt •jnVntn'tnw:: 
oder statt ^«bfirba«»"]) „und offenbart sind dir Lehren". Zur Verbindung 
von Vtn;. mit CiaN vgl. S. 313. 

2) Keines der verschiedenen Nmsi paßt hier; man erwartet etwas 
wie NniTD „Rede". 

3) N"ni*- irrtümlich statt IrHjn. 

4) Zweifelhaft. Der Ausdruck findet sich noch 31,9, außerdem 
steht Mand. Diwan B, Z. 8: jNSnBT NSinas FftfittKi ■pöNUJT' „Jösamin. 
dessen Frauen in tinbä dasitzen". Ein Vergleich der beiden Stellen hier 
mit 26, 11 könnte zur Annahme führen, daß N^r^ bzw. BOH^a „Unzucht" 
od. ähnl. bedeute, aber dazu paßt -N^nN" 1 im Diwan nicht. 

5) Statt N^2w vermute ich ST3"£ mit Beziehung auf Jösamin. 

6) D hat xn:ST, bei AC ist es zweifelhaft. Für nnttP* spricht r^zv. 



3* 



ß6 Jösamin. 

will ihm Wissen durch deine Taufe aufrichten ' und deinen Namen 
über ihn aussprechen. Mag Jösamin erfahren , daß er von deinem 
Namen nicht verlassen ist. [Mag er wissen, daß] der Lichtkönig, 
der gezürnt, sich beruhigt hat und Verzeihung ihm in den Sinn 
gekommen ist." 5 

Als der Lichtkönig dies hörte, freute er sich über Nsab-Ziwä 
über die Maßen. Mandä dHaije erhob sich dann von seinem Throne 
und sprach zum Lichtkönig: „Einem Manne, der von seiner Erde 
und seiner Skinä vertrieben ist, hast du keine Macht zu vergeben." 2 

31 Als der Lichtkönig dies hörte, sprach er || zu Mandä dHaije: „Du 10 
bist von deinem ersten Tage an Jösamin nicht hold. Von deinem 
ersten Tage an hassest du ihn, weil du eine Frau aus seinem Neste 
begehrt und er sie dir nicht gegeben hat. So hältst du den tiefen 
Haß :; in deinem Sinne fest, und er wird sich in aller Ewigkeit nicht 
zersteuen. Du zerstörst und verwüstest seine Wohnung, und noch 15 
hältst du am Hasse fest. Von den frühesten Zeiten an wurde wem 
das angetan 4 , was Jösamin angetan wurde, dem Manne, der von 
seiner Erde vertrieben wurde und dem Kanzälä 5 , das das große 
(Leben) ihm verliehen? Von seinen früheren Söhnen hat er keinen 
einzigen wiedergefunden fi , und seine Frauen gehen in Trauer um- 20 
her." Darauf sprach der Lichtkönig zu Nsab-Ziwä: „Ich will dir 
Geheimnisse offenbaren, daß du mit Glanz den Adel 7 behältst, den 
du von deinen Vätern (ererbt), und die Weisheit, die deinem Ver- 
stände zugeteilt ist. Teuer bist du, teuer dein Jordan und teuer 

32 das Nest, aus dem || du hervorgegangen bist. Reichlich ist dir 25 



1) Ich lese FrbSTiny. 

2) SNrPöl ist aus nan" 1 ?:) 1 :, vielleicht auch aus nNDNnTin verderbt. 

3) Ein Wortspiel. 

4) Wahrscheinlich fiaTnrtf ■}«» N->"W:nNp anja p zu lesen, wobei 
N—IN" kaum personifiziert (vgl. GR 152,1) aufzufassen ist: „Gegen wen 
von den alten Äonen wurde so verfahren..." Vielleicht ist aber auch 
N" 1 *^':-^" ",<: aus Z. 8 versehentlich hierher geraten. 

5) Vgl. S. 22*. Wenn hier nicht ursprünglich etwas ganz anderes 
gestanden hat, ist die „Kopfbinde" vielleicht als Zeichen der Herrschaft 
gedacht. 

6) ABD haben NTi&ONb, C NiNINb mit darübergeschriebenem 1. 
Dies ist "iNINTfttb zu lesen und S< heint mir das Richtige zu sein. Siehe 
zu 20, 4. 

7) NmUT-lD „hervorragende Stellung, Adel". So auch GR 2, 19, 
nicht „Erkenntnis", wie es Brandt, Sehr., p. 7 wiedergegeben ist. 



Josamin. 37 

Sanftmut [und?] dem Herkunftsorte 1 , aus dem du entstanden bist. 
Bringe deinem Vater sanfte Worte und lasse sein Herz auf dessen 
Stütze ruhen. 2 Sage ihm: „Das große Leben ist der Güte zu 

dir voll." 
5 Gepriesen sei das Leben. Das Leben ist siegreich, und sieg- 

reich ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



9. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

„Zu wem soll ich rufen, daß er mir antworte, und wem soll 

10 ich ein Wort sagen? Wem soll ich ein Wort sagen, daß er nicht 
abändere 3 , was ich sage? Nicht hat der, nach dem ich gerufen, 
mir geantwortet, nicht der, zu dem ich gesprochen, mein Wort ge- 
hört. 4 Es schmerzte und drückt mich, es drückte und schmerzt 
mich gar sehr. 5 Wie lange soll ich noch am Tore von Sufath sitzen, 

15 wie lange seufzend dasitzen? Wann soll mein Streit gelöst und diese 
meine Bande zerschnitten werden? Was habe ich in der Höhe ge- 
sündigt, was begangen || am Lichtorte? Was habe ich an Taten 33 
begangen, die kein Mensch begangen haben sollte? Jetzt ist es 
mir weh, weh meinem Herzen. Wie muß ich seufzen und ist weh 

20 den Höfen meines Antlitzes. 6 Wieviel müssen sie doch Träne(n) 
vergießen, ohne sich satt zu weinen. Wer gleicht mir, dessen Söhne 
alle auseinandergetrieben wurden und auf dessen Ruf 7 niemand ant- 
wortet? Ich gleiche einer hohen Zeder, die die Zimmerer umringt 



1) Vgl. S. 5. 

2) A hat nriMti, BD Nn:Ni. 

3) Wohl STSfiNSöabi zu lesen. 

4) Vielleicht ist zu nVnMn«*WW1 als Objekt »b73NÖ zu ergänzen, 
vgl. Z. 7 f. 

5) Bei dem offenbaren Chiasmus ist statt "wby finnfiOl wahrschein- 
lich X-bNJTDNT zu lesen, vgl. 33,2. 

6) Zu Nirsmxn vgl. Nöld., p. 134,4. Es ist assyrisch; aramäisch 
findet es sich zuerst in der lydisch - aramäischen Inschrift von Sardes. In 
der eigentlichen Bedeutung steht es noch 283,12, uneigentlich schon 
241,13; 243,5. Sonst findet es sich nur mit Körperteilen zusammen: 
GR 345, 1 1 „wie ging der Glanz auf (fittl B) über den «-»SttWlKn eures 
Antlitzes- 4 ; GR 99,4 „er schlug auf die N^JO^Xn seiner Brust", vgl. auch 
GR 310,24; GL 3,7; 130,5; Qol 30,5. Mit N^Si« BrSKaiKn sind nach 
dieser Stelle die Augen gemeint. 

7) Ursprünglich doch wohl fftsp b$, bzw. ri'rNpb. 



^8 Jösamin. 

und niedergeworfen haben. Wie eine Zeder, in die ringsherum ein 
Eisen hineingeschlagen ist, haben die Worte meiner Feinde mich 
umgeben. 1 Wehe mir! Nicht mein Bruder vom Mutterleibe 2 und 
nicht mein Freund von meiner Freundschaft erinnerte sich, daß ich 
mit ihm Treue geschlossen. Sie kehrten um ****** 3 , und mein Salz 5 
und meinen Becher schütteten sie aus. Sie haben den Tag meines 
Weines vergessen und erinnern sich keines einzigen meiner Tage. 
34 Wieviel bin ich auf hohe Berge gestiegen und wieviel || die Pfade 4 
der Bachtäler hinabgestiegen! Tausend waren mir Freunde und 
zweitausend haben [an?] meinem Tische (Brot?) gebrochen. Jetzt, 10 
wo ich mit meinem Fuße ausgeglitten bin, ist niemand da, der 
mich an der Hand faßte. Wo gab es einen Tag, an dem ich mir 
sagte, daß ich hier sitzen würde? Mein eigenes Herz hat es mir 
nicht offenbart, und niemand von den Uthras hat mich darüber be- 
lehrt. Nun sind meine Burgen zerstört und meine Söhne im Auf- 15 
rühr fortgenommen. Verwüstet ist meine Skinä, und meine Boten 
speisen nicht bei mir. 5 Diese meine zarten Frauen gehen barfuß 

1) An erster und dritter Stelle paßt inn, vgl. auch 35,4, aber die 
für fr: ""in vor NbT"N£ angenommene Bedeutung ist gesucht. Hier würde 
flbp^Ti sehr gut passen: in die ein Eisen, ein Keil hineingetrieben ist. 
p und *) gehen auch sonst in den Handschriften durcheinander, vgl. z. B. 
25, n. [3, 17, 18. Denn die Schreiber schreiben bei p oft erst ein "n und 
fügen nachher den Mittelstrich ein. Aber an allen Stellen steht doch 
wohl dasselbe Wort, und SnpTin, "ppTM kann nicht heißen „sie haben 
in ihn, in mich hineingestoßen' 1 . ■jTTi^M enthält wahrscheinlich das Suff. 
I. sing., vgl. «■'TlTir:, und "p ist nicht die einfache Pluralendung (vgl. Nöld., 
p. 223, 18 ff.). Daher kann ■'Nbr' nicht „um mich" heißen. Ich fasse ^Nb5> 
als Wehruf auf, vgl. Nöld., p. Si 2 . 

2) Ich lese NÖI&O^. C hat NmN^JOl. 

3) In ""IS ist der Rest eines gesonderten Objektes erhalten. 

4) Eventuell mit C „Stuten". 

5) Unsicher. Dia oder cc:. ist vielleicht eine Nebenform von ÖM, 
das freilich nur westlich ist. Lew, Neuhebr. Wörterbuch I, p. 312b führt 
auch C*.' an (unt. II), aber wenn nur der Infinitiv SiPM existiert, so ist 
er nicht auf diese Wurzel zurückzuführen, da er zu 032 gehört. An DD3 

in ■»ja-.f ist nicht zu denken, da dies Denominativ ist, doch ist Dia IV 
bei Lkw, ibid., p. 313a zu beachten, —niia *0*~$ hier nach Kehiboth 
25a (falsches Zitat; die Worte stehen an dieser Stelle nicht) scheint für 
jnN-rri: AD, vgl. auch (', zu sprechen, aber dies gibt hier keinen 
rechten Sinn, vgl. auch 3Ö,6f. In der Oxf. Rolle ('•, Z. 997 f. heißt es 
in bezug auf Dämonen: erw:^ xrx; 13> tp^NiTl NDb" 1 ^ 1*' „sei es eine 
Ablösung, die sich ablöst, sei es eine Schar, die sich schart". Auch 



Jösamin. 3 g 

einher, während sie doch so vollkommen sind. 1 Diese 2 

mein Herz in Trauer und Klage fällt ab(?)." 

Als Jösamin dies sagte, erwiderte Mandä dHaije und sprach: 
,,Wer Gutes tut, findet Gutes, wer Häßliches tut, findet Böses. 3 
5 Wenn du bescheiden wärest, wäre dein Glanz nicht von seinem Orte 
gewichen, jetzt, wo du auf Böses gesonnen, || ist passend der Ort, 3* 
an dem du sitzest." Als Mandä dHaije dies sagte, erwiderte Jösamin 
und sprach: „Alein Sohn! Ich weiß, wer mich in diese Bande ge- 
legt hat. Wäre die Fessel 4 nicht zu schwer für mich, wäre eine 

io leichtere als sie mir umgelegt, erhöbe ich ein mächtiges Geschrei 5 
und zerstörte alle Berge. Ich täte meinen Feinden etwas an, daß 
keiner zum anderen gelangen könnte. 6 Es sei denn, daß 7 einmal 
der Tag eintritt, wo mir Verzeihung 8 gewährt wird. Wenn dies 
eintritt, daß mein Thron wieder aufgerichtet wird, dann will ich 

15 eine Bestechung zahlen, daß Gute zu Schlechten werden. Aber ich 
habe eine Stütze darin, daß ich weiß, daß ich nicht allein dastehe. 9 
Ich habe von meinem Vater gehört, daß Große, die sich über Ge- 
ringe überheben, wegen ihrer Sünden zur Rechenschaft gezogen 
werden. Und Eltern hassen nicht (ihre) Söhne." 

20 Als Jösamin dies sagte, freute sich das große Leben über seine 

Rede. || Es sandte Nsab-Ziwä, den Wächter, der allerorten sitzt. Es 36 
sagte zu ihm: „Geh zu Jösamin und stütze sein Herz auf seine Stütze. 



dieses D^fcM käme hier in Betracht. Im Asfar Malwäst steht es einige- 
mal in Verbindung mit Krankheiten. P. 63, 1 f.: NrmaNDI KCai NOTp "' 
c-\\;. wN*z*Tr n-: ■)?; p. 79, 12: fTr-nn" 1 : arimsn tf fiaDiiPi NDT'p ir. 
NTirpa« steht für "WirTaN. 

1) Im Pariser Diwan, 1024 t. heißt es: iKttbfctttal NnfiOÖlB'^ mi* 
WiKSMKbl NDiNüTal 'ptt'Wtt n-ri ..Es gibt Frauen (vgl. ZJthra, p. 538 t.), 
die vollkommen, und es gibt von ihnen, die unrein und unordentlich sind. - ' 

2) B hat "'NriTNTnND». Ich habe für die beiden Wörter keine Er- 
klärung. Weder DZ3 noch yns (vgl. Nöld., p. 47, 19) paßt. 

3) Gegensätzlich zu q, 2. 

4) Vgl. S. 29s. 

5) Vgl. S.-22«». 

6) Die Wendung auch in der alten Bleitafel Florilegium Melchior de 
Vogüe, p. 358, Z. 93 f. 

7) Vgl. Nöld., p. 478. 

8) Lies arnnffirn]"!, vgl. 30, 7. 

9) Siehe 36,4; GR 299,28; 314, 13; Morg 72, 11. 



4Q Jösamin. 

Sage ihm: „Du bist von unserer Pflanzung 1 , so werden wir dich 
nicht allein lassen. Du sollst nicht sagen: ich stehe allein da. 
Deine Skinä ist festgegründet in Glanz und Ehre, und deine Burg 
und dein Bau sollen neu gegründet werden, wie sie waren. Deine 
Kinder sollen dir wieder ins Leben gebracht werden und deine 5 
Boten in deiner Skinä als Wächter dienen. Dein Thron soll fest 
aufgerichtet werden, wie er war, und du sollst in deiner Skinä König 
genannt werden." 

Als Nsab-Ziwä dies hörte, machte er sich auf, er kam zu 
Jösamin und sprach zu ihm: ,,0 Jösamin, höre mein Wort, das ich 10 
spreche. Grüble nicht und verzehre dich nicht 2 und laß dir keinen 
37 Fehl in den Sinn kommen. || Warum willst du, was eintreten soll, 
so zunichte machen? Mich hat das große (Leben) gesandt 3 und 
zu mir gesagt: „Geh zu Jösamin, geh, beruhige Jösamin und sage 
ihm, daß wir alle seine Uthras erleuchten wollen. Er soll gestützt 15 
werden, doch sich beugen 4 und bücken, dann soll er wissen, daß 
er bei uns wieder aufgerichtet wird." Jetzt, du Jösamin, höre das 
Wort der Wahrheit. [Nimm an] Sanftmut und sei ohne Wider- 
spenstigkeit. Jetzt soll der Gestank von deiner Skinä fliehen, und 
Wohlduft dir zuwehen. Reiner Äther soll kommen, und nun magst 20 
du die Verfolgung vergessen. Du sollst glänzen, leuchten und auf- 
gerichtet werden und König in deiner Welt sein." 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



10. — Ich sagte mir 5 , ich würde ein Großer sein, wer hat 25 
mich zum Kleinen in der Welt geschaffen? Ich sagte mir, ich würde 
38 ein König sein, warum haben sie mich von || meinem Throne ge- 



1) Vgl. Qol 40, 7 : „Gepriesen seist du, mein Vater Jösamin, du 
Keiner, Sohn der Pflanzung ("pnaiSfi) des gewaltigen Lebens." Danach 
hat Morg 4, 3 einfach ■pn:r}r: *ü fcTDfin ■pnNttJT' und Siouffi, p. 38, 4 
YaiuJiomin-Dakhio-bar-Nissöbto (ou fils de Nissobto). 

2) (11.43,4: NlfiOTlJXbl KEVINS, dort zum Mänä des großen 
Lebens gesprochen. Das zweite Verb gehört doch wohl zu N"D „brennen" 
als Ethpaal. N"DT)i*b ist die ältere defektive Sehreibung. 

3) N^^TH hängt in der Luft. Es kann weder zum Vorhergehenden, 
noch zum Folgenden gezogen werden. Vielleicht ist es Rest eines Parallel- 
satzes zu &rai "p-nNis n:n. 

1) [ch vermute ^N7:p:;t 

5) Das folgende Stück berührt sich mit p. 262 ff, 



Jösamin. 4 1 

stürzt? Es haßte mich Nbat der Große, es haßte mich Sarrath, 
meine Mutter. 1 Ich habe meine Welten verwüstet, nun ist Ver- 
wüstung in meine Skinä gekommen. Da ich sanft und bescheiden 
war, warum haben sie mich zum Empörer gemacht? Da sie mich 
5 zum Vollkommenen geschaffen 2 , warum haben sie mich zum Urheber 
des Fehlerhaften gemacht? Da ich recht und ordentlich war, warum 
haben sie mich zum Mißmutigen 3 in der Welt gemacht? Da ich 
König an der Spitze der Lichtwelten war, warum haben sie mich 
an das Ende der Welten gesetzt? Gesetzt haben sie mich an das 

10 Ende der Welten, und ich muß im Fußblock ausharren. Warum 

haben sie mich zum Empörer gemacht und der Sanfte ? Da 

ich König in den Welten war, warum haben sie mich zum Urheber 
des Widerstandes 4 gemacht? So, ja so ergeht es einem jeden 
Manne, der auf das Gerede 5 der Frauen hört. Ein Uthra, der auf 

15 das Gerede der Frauen hört, wird von seiner Welt 6 heruntergeworfen. 
Alsdann, als ich ein Hervorragender unter den Uthras war, warum 
haben sie mich zum Achten 7 gemacht? Warum || haben sie das Licht 39 
von mir losgelöst und meinen Glanz davongetragen? Sie nahmen 
mir meine Prachtgewänder und fesselten mich mit Fesseln, am 

20 Orte 8 , wo ich meine Eltern suche, meine Augen jedoch die ihrigen 
nicht treffen. Ich suche mein Weib, doch mein Weib kommt mir 



1) Siehe S. 6 2 . Sarrath ist sonst nicht Jösamins Mutter, vgl. S. 30 1 . 

2) Wohl aus pnbNTO verderbt. 

3) Wie im jüdischen Aramäisch (vgl. Lew, Chald, Wörterbuch II, 
p. 595a) hat D^Ol: auch im Mandäischen den Sinn „betrübt". D05 und 
-in stehen einander gegenüber: GR 3, 17; 9,14; 263, 19 ff.; 273,13. An 
dieser Stelle könnte D^Oi allerdings auch die im Syrischen übliche Bedeu- 
tung „krank, schwach, elend" haben. Wie Oxf. 24b NÖNM K»"P steht 
(NVTNn NO^Oi N»T>Vl N""M RTflÖ DV6 ToWVN, entstellt Morg 43, 8 f.), so 
GR 140,4 &OD^D3 BPHtt» «"»H und hier 127,8t. NtPD3 «rPfitt als Be- 
zeichnung für den jerusalemischen Tempel. 

4) Lies JPTp N^KTD, vgl. NrtOOin N^^lNM Z. 4. 

5) Vgl. auch 262,8. )ry, in den mandäischen wie in den jüdischen 
Schriften nicht bloß ..murmeln", sondern auch „murren" (vgl. 68,5; 120,9) 
wird auch allgemein von verächtlichem Gerede gebraucht (GR 63, 19; 
Mavid. Diwan C .5). Hier 133, 5 wird das Pael vom Zwitschern der 
Vögel gebraucht. 

6) Lies ItpjVn, was auch C hat. 

7) Vgl. die Einleitung. 

8) Ein Beispiel für die Verwendung eines bloßen Substantivs als 
Ortsbezeichnung im Mandäischen außer rP3. 



a 2 Der gute Hirte. 



nicht vor die Augen. Ich suche die Uthras, meine Söhne, aber sie 
kommen mir nicht vor die Augen. Wenn es mir weh tut und mich 
drückt, da weine ich um mich. Unter allen Uthras, die einen Fehler 
begangen, haben sie nur mir den Fehler heimgezahlt, [den] ich nicht 
einmal begangen habe. 1 Da ich ruhig vor dem Könige war, warum 5 
haben sie mich von meinem Throne gestürzt? Wehe, daß mein 
eigener Mund 2 mich heruntergebracht und meine eigene Zunge mir 
zur Verfolgung wurde. In Fesseln haben sie mich gelegt, zu einem 
Heruntergekommenen 3 haben sie mich gemacht, und wegen der Un- 
treue 4 meines Mundes haben sie mich von meinem Throne gestoßen. 10 
Während ich selber ein König war, machten sie mich zu einem Uthra, 
der vor einem Könige stehen muß. Als ich sanft und bescheiden 
40 war, || haßten mich die Uthras, die mir gehörten. Wehe 5 , alle Frauen, 
die ich hatte, alle, ja alle gerieten in großen Zorn gegen mich, und 
man band mich an einem Orte fest. 15 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 




Der gute Hirte. 

In GR 177, 18 ff. wird Mandä dHaije mit cinem guten Hirten ver- 
glichen. Die Stelle ist verderbt; sie mag ursprünglich etwa gelautet haben: 20 

ir; [frspNb] ■pbarim Nasa jtni la «saarm Tob-nKiil »""M BHMwabi 



lrrKWib Fispa b*1 nsnb irs- nr r*öiö nn Vö ■j-D'wn p^rwim n^ns 



1) Sehr zweifelhaft. Vgl. auch 38, 3 f. 

2) Lies UTbil \N\:"i statt iNTaiD 1 ! trb'n. 

3) GR 6o, 14 w.-rdeu die Planeten «■«K'lfin genannt: „den Wanderern 
wurde gegeben, daß sie bei Tag und bei Nachl wandern" (von Brandt, 
Sehr., p. lou.jf. unrichtig übersetzt). Diese Bedeutung kommt hier nicht 
in Betracht; fösamin mußte ja lest im Blocke sitzen. Ich vermute, daß 

JTNTfin hier arab. J> ist. 1 50, w paßt freilich auch diese Bedeutung nicht. 

D Oder ähnliches. «IKpM ist jedenfalls von 1p» herzuleiten, aber 
die Bedeutung läßt sich darum nicht näher bestimmen. GL 60,4 sagt 
der Mäua: „Ein Mänä hin ich des großen Lebens, an dem NiNpN und 
Trug nicht ist." NINpN und ..Trug-' Stehen sich also nahe. Nach C 
wäre KIKpKS im ganzen als das Nomen aufzufassen und wäre Subjekt zu 
■)fi*bD1!5N. Kaum richtig. 

5) Ich lese jetzt "n'ts mit ('; zur Bedeutung vgl. Nöld., p. 81 2 . 



Der gute Hirte. 43 



Fröimp^ yrVrrirsr •■DVnTiN": ir, 'pS-jb'iNSSH „Zu Mandä dHaije habet 
Verträum. Wie ein guter Hirt, der seine Schafe hütet, hält er von euch 
jeglichen Geist des Abfalles fern. Wie ein guter Hirt, der seine Schafe 
zu ihrer Hürde führt, setzt er euch hin und pflanzt euch vor sich auf. u 

5 Was dort nur kurz gesagt ist, wird hier in zwei Abschnitten ausführlich 
geschildert. Die beiden Stücke sind wohl nur wegen der Verwandtschaft 
des Inhaltes zusammengestellt; nichts weist darauf hin, daß sie desselben 
Ursprungs sind und von vornherein zusammengehören. 

Die Vorstellung vom guten Hirten ist alt. Sie ist auf heidnischem 

10 Boden entstanden, sie knüpfte sich an verschiedene Götter, besonders an 
Hermes, und ist erst von da aus ins Christentum eingedrungen, vgl. 
Reitzensteix, Pohnandres. p. 12 IT., 3 1 f., 113 ff.; Hellenistische Mysterien- 
religionen, p. 36, 107; Wexplaxd, Urchr istliche Literatur formen , p. 387. 
Daher braucht auch das Bild bei den Mandäern nicht aus dem NT oder 

15 der altchristlichen Kunst entlehnt zu sein. Die Gefahr, die in dem ersten 
Stücke der Herde droht, ist eine plötzliche Überschwemmung; der Hirt 
sucht Rettung auf einem Schiffe. Dieses Bild liegt für Babylonien, wo 
das plötzliche Anwachsen der beiden großen Ströme oft Unheil anrichtet, 
nahe. Auf altchristlichen Darstellungen findet sich mehrfach das Bild des 

20 guten Hirten neben dem der Arche Noahs. Sie sollen beide die Errettung 
der Gläubigen veranschaulichen; eine organische Verbindung zwischen den 
Bildern ist nicht vorhanden. Vgl. Reitzensteix, Poimandres , p. 113. Auch 
in diesen Darstellungen hat man nicht ein Vorbild unserer Schilderung 
zu sehen. 

25 ..Ein Hirte bin ich, der seine Schafe liebt." Diese Art der Ein- 

führung findet sich auch sonst in der mandäischen Literatur. Nicht bloß 
in dem verwandten Abschnitte p. 143 ff., sondern auch in Kap. 34 f., dann 
in GR 335,13: ..Eine Rebe bin ich, eine einsame, die in der Welt da- 
steht. Nicht habe ich einen hohen Pflanzer, nicht einen Pfleger, nicht 

30 einen milden Helfer, der komme und mich über jedes Ding unterrichte." 
GR 360,7: „Der Hüter des reinen Tarwan bin ich, der Sohn des großen 
Nbat. Ich bin der Sohn des großen Nbat, aus den beiden reinen Bergen 
(siehe zu 195,14) bin ich hervorgegangen." GL 38 fr.: ..Ein Mänä bin 
ich des großen Lebens, ein Mänä bin ich des gewaltigen Lebens, ein 

35 Mänä bin ich des großen Lebens. In der Tibil hat wer mich wohnen 
lassen, wer hat mich wohnen lassen in der Tibil? In den körperlichen 
Rumpf hat wer mich geworfen, wer hat mich geworfen in den körper- 
lichen Rumpf, der weder Hände noch Füße hat?" GL 86, 10: „Der 
erste Vertrauende bin ich unter den Auserwählten, das Haupt bin ich 



44 Der gute Hirte. 



der Gläubigen. Von Anfang an bin ich mit dem Zeichen gezeichnet und 
ging ich hin an das Ufer des Jordan." GL 123,1: „Ein Guter bin ich, 
ein Sohn des großen (Lebens), der ich im Tränenrock Wohnung nehmen 
mußte, im Rock verzehrenden Feuers, das finster und lichtlos ist." Ebenda 
Z. 13: „Ein großes Glanzwesen bin ich, an dem weder Mangel noch Fehl 5 
ist." GL 134,24: „Ein Glanzwesen bin ich, ein Sohn von Glanzwesen. 
Ein Glanzwesen bin ich, ein Sohn Gewaltiger (oder: des gewaltigen Lebens, 
siehe oben), ein Glanzwesen bin ich, ein Sohn Großer. Wer hat mich 
in die Tibil gebracht und da wohnen lassen? Wer hat mich in der Tibil 
wohnen lassen, in dem Hause, das Lügner gebaut?" N2N steht überall 10 
an zweiter Stelle, nur GR 316, 1 hat N2N an der Spitze: „Ich bin Jöka- 
bar-Kustä, der ich vom Hause meines Vaters weggegangen und her- 
gekommen bin. Ich bin hergekommen mit verborgenem Glanz und mit 
Licht ohne Ende." Besonders wirkungsvoll ist die Einführung, wenn das 
Prädikat ein zusammengesetzter Ausdruck ist. Da wird der erste Teil künst- 15 
lieh abgetrennt und vor N2N gesetzt: N^ln DfcWö N5N niWD, hier 2 10 ff. 
Gerade beim vorliegenden Stücke vom guten Hirten denkt man an 
die Ich -Prädikation lyco ei/xi 6 Jioijiirjv 6 Kalos Joh. 10,11,14. Diese 
Art der Selbsteinführung wurde in den letzten Jahren wiederholt unter- 
sucht; es genügt jetzt, auf Norden, Agnostos Theos, p. 186 ff. zu verweisen. 20 
Daß der Mandäer von den NT liehen Stellen abhängig sei, ist nicht an- 
zunehmen. Diese Selbstprädikation ist ja gerade bei den Semiten beliebt 
und wird bei ihnen von jeher als feierliche Einführung namentlich gött- 
licher Wesen angewandt. 

11. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 25 
Licht. 

Ein Hirte bin ich, der seine Schafe liebt, Schafe und Lämmer 
hüte ich. Um meinen Hals (trage ich) die Schafe 1 , und von dem 
Dorfe entfernen sich die Schafe nicht. Nicht trage ich sie 2 an das 



[) sri" 1 '-, nur hier. Alle Handschriften haben so, nicht S.'^l. Die 
Bedeutung ist durch den Zusammenhang gesichert. 

2) Nold. übersetzt p. 291 unt. „ich bereite sie", was nicht paßt. 
Qol 22, [O steht --2-N^"l N-2XÜ "prP3 „die Guten mögen kommen und 
Gutes finden" (Ethpaal). Dann hat NmaNE einer alten [deenverbindung 
folgend die Bedeutung „Gewürz, Spezerei" angenommen, danach sr^NE 
„riechen lassen, beräuchern" mit Ethpaal als Passiv: Oxf. Rolle I\ Z. ii(>7f., 
1320fr.; Lond. Rolle A , Z. 528. Das allespaßt hier nicht, liier erwartet 
man „treiben" oder „tragen". Ich vermute danach an dieser Stelle 
■p-i^KiMtbl (von )2Ü) und in 42, 5 INim^. 



Der gute Hirte. 45 



Meeresufer., damit sie nicht den Strudel des Wassers sehen, damit 
sie sich nicht vor dem Wasser fürchten, und wenn sie Durst haben, 
kein Wasser trinken. Ich trage hin und tränke sie mit Wasser aus 
meiner hohlen Hand, bis sie sich satt getrunken haben. Ich bringe 

5 sie nach der guten Hürde \ und bei mir || weiden sie. Von der 41 
Mündung des Fräs (Euphrat-), von der Mündung des Fras-Ziwä 3 
brachte ich ihnen Dinge von wundersamer Güte. 4 Ich brachte ihnen 
Myrte und weißen Sesam und brachte ihnen helle Kreuze. 5 Ich 
fege und spüle sie ab 6 und lasse sie den Duft des Lebens 7 riechen. 

10 Ich legte ihnen einen Gürtel um, bei dessen Anblick die Wölfe er- 
beben. 8 Nicht springt ein Wolf in unsere Hürde, und vor einem 



1) asn" 1 " außer an der in der Vorbemerkung angeführten Stelle 
auch noch GL 10,23: ..Wer soll die Klapper (NniölD^fiO) in die Hand 
nehmen und die Schafe nach ihrer Hürde (-pi-rND^-nb) klappern ? - 
Das Wort ist ins Arabische übergegangen. Lisän XVII, p. 2 hat: 

r ixU J**J »-«a3 ^ Sj-H*. ^jJI ..Dibn ist ein Gehege aus Rohr, das für 

die Schafe hergestellt wird." Ibn Manzür hält es für ein persisches 
Fremdwort. 

2) Der Name n&ns, der noch einigemal vorkommt (Qol 13,5,14; 
N^ n&ns GR 67,8; 386,25; nsbrm nsns GL 10,20; ntt nans Mand. 
Diwan B, 2,30,36; «la-raab awis snn am n&nsb nbwnB ötöib ynni 
r-7Sp b-2'nb N731S N-m b^TNp Nii-ir ..zwei Mündungen öffneten wir 
dem Prät-Ziwä; eine Mündung geht nach Msunne - Kustä und eine Mün- 
dung nach der Tibil" Mand. Diwan B, 38), wurde zu BJK1B umgewandelt 
und somit der kosmogonischen Nomenklatur der Mandäer eingereiht 
(Mira, p. 544). 

3) Vgl. auch GR 370,24; 371, 1. 

4) Vielleicht steht hier auch schon Nrr^lO im Sinne von wohl- 
riechendem Kraut, vgl. S. 44 2 , dann hätte man «m3KB K^STBl zu lesen 
..Kraut von wundersamer Art". Zur Konstruktion vgl. Nöld., p. 460. 

5) Hier werden Dinge aus dem Kultus der Mandäer genannt. Vgl. 
S. 53. Die Myrte dient zum Kranze. Über die BpttasTl siehe zu 189, 11. 
Siouffi nennt p. 39, 26 unter den göttlichen Wesen Drapchi, ou Ätokm 
und sagt „Ils sont freres" ! 

6) Vgl. auch 127, 10 f. — UM3 und nrr zusammen (-smVT , WDi:D) 
auch Chnllin Babli, f. 60 a. 

7) Siehe zu 6, 4; 96, 6. 

8) Bei 6031 ABD wird allgemein das Schreckenerregende ausge- 
drückt, vgl. «■»Tri'TfiWWm VPnbt* r^-a- GL 68,7, aber w*X*i ist doch 
wahrscheinlicher. Vgl. auch 144, 4. Statt fcTTimNn»-'» steht auch KibttÄTW, 

so BPfcrwrm «"«nb« yfr-a- GR 88, 18; jrbrmpm N-nrwo flVwtt GR 

344, 18. 



4 5 Der gute Hirte. 



grimmigen Löwen 1 brauchen sie sich nicht zu ängstigen. Vor dem 
Sturme brauchen sie sich nicht zu fürchten, und ein Dieb kann bei 
uns nicht eindringen. Ein Dieb dringt nicht in ihre Hürde, und um 
ein eisernes Messer 2 brauchen sie sich nicht zu kümmern. 8 

Als meine Schafe 4 friedlich 5 hingestreckt waren und mein 5 
Haupt auf der Schwelle lag, da öffnete sich ein Spalt in der Höhe, 
und Donner 6 erdröhnte 7 hinter mir. Die Wolken erfaßten einander 
und wütende Stürme entfesselten sich. 8 Regen stürzte haufenweis 

1) Vgl. auch GL 14,8; 75,22. 

2) WO^Ö ist die übliche Form im Mandäischen, vgl. Nöld., p. 12$, I. 
WM« in C gibt kaum eine ältere Lesart wieder. Es ist Schreibfehler 
oder durch das Syrische beeinflußt. Daß sikUnä alt und jedenfalls älter 

als dieses Stück ist, zeigt arab. lag?, das im Sawäd entlehnt sein dürfte. 

Die Form WOSÖ habe ich mir sonst aus dem Mandäischen nicht verzeichnet. 

3) ACD haben xbz', B ab*, also dieselbe Unsicherheit wie 23, 1. 

4) i»li»1 ABD, vgl. auch 42,6, ist erst durch die Abschreiber 
hineingebracht, die N3N mit n:\S „Auge" zusammenwarfen. Man hat hier 
nicht eine Quetschung des p in SOpN, der gewöhnlichen Form des Wortes, 
anzunehmen. 

5) Die richtige Form ist DNbllia. Die Schreibung ölbwa entspricht 
der getrübten Aussprache des langen a und findet sich auch sonst: GR 
125,8; Cod. Paris. 15, f. 52a unt., wo Morg 44,9 und Oxf. 25b, 5 Ü«bffla 
haben. SlOUFFl hat p. 170 Cs6l2 chlom. DlbuS'a erscheint hier 45,2 als 
Name. Damit ist wohl Muhammed gemeint, und es scheint ein Calem- 

bour zu sein: f^^.- 

6) Nöldeke übersetzt Vun&W p. 158, 16 mit „Himmelskreis", p. 301, I 
riiOrr:» ViaiNa „die Himmelssphäre verdunkelt sich". Aber es ist ja 
bereits Nacht. Asfar Malwäse, Cod. Par. 26, f. 238b f. wird die Bedeutung 
des Blitzes (NpTa) in den verschiedenen Monaten besprochen, f. 2.39a £ 
die &r»11öya bimfcUl NnNinN, f. 243 b ff. die Bedeutung des Sturmes («p"«T). 
Weiterhin f. 253a unt. steht Np"lN31 bialSW zusammen, f. 253b ob. bttlM 
NipN£NXn Np^SI, worin 8p">D wie hier Spalt im Himmel (NTps) und 
N-p.S£X^ ein Plural von %*-» ist. Danach ist blS^lM eine Gewitter- 

erscheinung, wohl „Donner". Es ist wie -ipnp schallnachahmend. Von 
NibaiNa 109,10; 116,10 ist es zu trennen. 

7) Nöldeke identifiziert es wohl a. a. O. mit syr. joi^ „trübe sein" 
(vom Auge). Ich vermute, daß es -:•;, ist; zu tt< 3> vgl. Nöld., p. 71. 
Auch im Asfar MahoäSi . Cod. Par., t. 239b f. steht «irtttt b-tflKa; f. 226b 
Kirrt« Kim Siehe auch 35,5. 

8) 1-py heißt auch im Mandäischen „entwurzeln, ausreißen". Hier 
konnte es in demselben Sinne stehen und N3" , N zum Subjekt haben, aber 
42,1 wie auch [32,8; [33,U muß es intransitiv sein. Das Leidener 



Der gute Hirte. 47 



herunter und Hagel 1 , der Elefanten erschlägt, Hagel, der || Berge 42 
zerschmettert, und Stürme entfesseln sich in einer Stunde. Meere 
brachen hervor- und überschwemmten alle Welt. Dort unter dem 
Wasser entkam nicht wer von der Höhe heruntersank wie in einem 
5 Schlünde. 4 Das Wasser trieb fort einen jeden, der keine Flügel 
oder Füße hatte. 5 Er eilt hin und weiß nicht, daß er hineilt, er 
kommt und weiß nicht, daß er kommt. 6 Da sprang ich auf und 
trat in die Hürde, um meine Schafe von ihrem Orte fortzutragen. 7 
Ich sah mir die Augen voll 8 : ich sah das Meer, ich sah den wütenden 
10 Sturm, ich sah die Regenwolken, die einander keinen Gruß ent- 
bieten. Zehntausend mal zehntausend Drachen sind in jeder ein- 
zelnen Wolke. Ich weine um meine Schafe, und meine Schafe 
weinen um sich selbst. Es weinen die kleinen Lämmlein, die aus 
dem Tore der Hürde nicht herauskommen können. 



Glossar hat p. 132: ^ipxa ^pN £% £& eradicare, p. 166: ■npssa -ps 
£jAj> tf an ferro, aber p. 48: ipaa -px jlfc*i 5^" eradicari (beachte das 
tanafal). Vielleicht durch Ipy = p"C' beeinflußt, siehe zu 136,10. 

1) Nbx?;, steht in diesem Sinne oft im Asfar Malwäse: Nlö" 1 »! Nz\s 
ababai p. 202, 5, 7; ktikm Kbsbai N^rra 209,1; si-iaal sVs:.- Cod. 
Par., f. 245a; jwripn ttbaba f. 239b. 

2) NTliriN BD ist durch srmnN in der folgenden Zeile veranlaßt. 

3) Unsicher. Die Wendung findet sich auch GR 320, 17, wo sie 
sich schwer mit dem Vorhergehenden verbinden läßt. X*V"2 wird Nöld., 
p. 132,29 mit Recht von N'^y hergeleitet. In leicht verständlichem Sinne 
steht Asfar Malwäse, p. 213, 1 f.; 216, 12 f. «13ÖKH NrnbsNiöb »nT>b«n "ja 
„es geht von der Höhe (snrV"'a) zur Niedrigkeit", es geht abwärts. 
P. 222,8 steht n-;.cn7o »m^NTaV Nrnbsatö y:. 

4) Vielleicht n:t für X - :-D3. 

5) Vielleicht X"""""'; 13> zu lesen: der nicht fliegen oder laufen konnte. 
Vielleicht aber auch sreaa« statt N"."N3 vgl. Nöld., p. 157, 19: der keine 
Arme und Füße hatte, um zu schwämmen. 

6) iD ist wohl ebenso zu streichen wie SWi'H'b ABD. Statt NDNi 
erwartet man N*n;xi, das etwa über ein fälschliches finsi zu snN^ wurde. 

7) Vgl. S. 44 2 . "Nrx ist hier durch das folgende "Nrx veranlaßt. 

8) Nicht etwa: ich füllte die Augen (mit Tränen), ab» ist so oft 
mit n:*N verbunden: N?2^Nz n2""r:2 -x:\X „sieh dich satt an der Welt" 
GR96/4; ■paen iriNTab «siiöm N—N2N-- -NnN:N- yps -n:\x jobra „sieh 
scharf Qin und Anatan, die Recken der Finsternis, daraufhin an, welchem 
Dinge sie gleichen" GR 140,9; rpb73 «■»'MPO 6T»:i \s:*N (so mit BCD 
statt n»b») „ich sah mir die Augen am schwarzen Wasser voll" GR 
337,11; a'Vi2DZ' N'mria(a) FtFi* „seine Augen wurden voll des Lichtes" 
GR 64, 24, bzw. \X3\X GL 50, 13; 88,3; 115,9- Siehe auch zu 97,9- 



48 Der gute Hirte. 



13 Als so ********, trat ich in das Haus, || stieg auf die höchste 

Stelle 1 und rufe nach meinen Schafen. Nach den Schafen meiner 
Obhut rufe ich, ich pfeife nach ihnen 2 und lasse sie hören, daß 
sie zu mir kommen sollen. Ich pfeife nach ihnen auf meiner Pfeife 3 
und schlage an meine xakßjaithä* nach dem Wasser hin. Ich rufe 5 
ihnen zu: „Meine Schaf lein, meine Schäflein, kommet! Nach meinem 
Rufe richtet euch! Kommet 5 , richtet euch nach meinem Rufe, dann 
werdet ihr den Wolkendrachen 6 entgehen. Kommet, kommet zu 
mir! Ein Hirte bin ich, dessen Schiff bald kommt. Es kommt 
mein Schiff des Glanzes, und ich komme mit und bringe meine 10 
Schafe und Lämmer hinein." Ein jedes, das auf meinen Ruf ge- 
hört und auf meine Stimme geachtet und seinen Blick mir zugewandt, 
das fasse ich mit meinen beiden Händen und bringe es zu mir in 
mein Schiff hinauf. Doch jedes männliche und weibliche Lamm, das 

44 sich hat packen lassen, |] zog der Wasserstrudel 7 hinab, verschlingt 15 
das gierige Wasser. Wer auf meinen Ruf nicht gehört, der versank. 
Ich trat auf die höchste Stelle des Schiffes. Das Vorderteil steht 
zusammen mit dem Pfahl. 8 Ich sage: „Wie weh ist mir um meine 



1) Vgl. auch 44,2. Sonst ist KnnN'n, pl. NnN?:in „Hohe, Anhöhe", 
vgl. GL 58, 15; 99,4. 

_') vriNp ist hapl< »logisch aus pfiWINp, "ppi^KIÖ, ":p"lN'^ aus 
■-:N:p""NC entstanden. Die Varianten zeigen auch Formen, die auf 
■"n:-"Nw (vgl. Nöld., p. 231 f.) zurückgehen. 

3) Vgl. Nöld., p. 130,24. 

4) Jedenfalls ein Schallinstrument, aus Metall oder eine Art Pauke. 
Eine Glocke (3NT < 3NT, wie ND'O'DT „Glas" aus Nmaw), mandäisch 
&W5NT, ist es kaum, da man auf eine Glocke in der Regel nicht klopft. 
Vgl. auch [61, 13. 

5) Dieses -,-pn:n ist vielleicht fälschlich aus -pnN hergestellt. Schwan- 
kungen finden sich auch sonst, vgl. n. 15 und p. II, n. 18, und sie zeigen, 
daß aeben 'pn&WN auch ymtn existierte. 

6) STSKSfifi aus C. 

7) Vgl. auch Z. 5. KrO^lD ist die; gewöhnliche Form, vgl. GR 
[63,21; 391,1; Nöld., p. 117,21. Oxf. Rolle G, 807 hat fcOnl ND-ND. 

8) Die Stelle ist dunkel. N-iNrPi! steht im Johannesbuch immer als 
Teil des Schiffes (132,4; 156,10; 234,10). Es scheint zum assyrischen 
mhr „gegenüberstehn, vorn sein" zu gehören, und danach faßt man es 
am ehesten im Sinne „Vorderteil" auf. Hierzu paßt auch 234,10: „sie 
schufen ihm Vorder- und Hinterteil". Die Stellen 152,4; [56,10 bieten 
dafür keine Stütze, spre< her) aber nicht dagegen. Herr Prof. Zimmern 

ireibt mir auf eine Anfrage: „mahru im Sinne von „Vorderteil" eines 
Schiffes findet sich, soweit ich sehe, gerade nicht. Dagegen ist für „Vorder- 



Der gute Hirte. 49 



Schafe, die vom Schlamm l heruntersinken. Sie versenkte der Wasser- 
strudel weg von mir, der kreisende Wasserstrudel. Wie schmerzt 
es mich um die Widder-, welche die Wolle an ihrer Seite in die 
Tiefe gezogen hat. Wie schmerzt es mich um die Lämmlein, deren 
5 Bauch sich nicht mit Milch gefüllt hat. Von tausend fand ich eines 
wieder, von einer ganzen Generation fand ich zwei. Wohl dem 3 , 

der im W T asser 4 und in dessen Ohr kein Wasser gedrungen 

ist. W T ohl den großen Widdern, die mit ihren Füßen gestampft 
haben. 5 Wohl dem, der den Sieben und Zwölf entkommen ist, die 
10 die Schafe stehlen. Wohl dem, der sich nicht niedergekauert und 
nicht hingelegt und || tiefen Schlaf nicht geliebt hat. Wohl dem, 45 
der in diesem mangelhaften Zeitalter des Bislom heil geblieben ist.'' 



teil des Schiffes" durch das große Schiffsvokabular K. 4378 (bei Delitzsch, 
Ass. Lesest., 3. Aufl., S. 86 ff.) Kol. VI, 36 ausdrücklich pän elippi bezeugt. 
Doch halte ich es trotzdem nicht für unmöglich, daß ein mandäisches 
S-s-?: des Schiffes auf ein babylonisches mahnt, das reine Synonym von 
pänu, zurückgehen könnte.' 1 - - Die vorliegende Stelle ist unklar. N"iNrr: 
scheint hier ein am oder im Schiffe aufrecht stehender Teil zu sein. 
Im assyrischen Schiffsvokabular steht mahrät elippi hinter sikkat elippi 
(Delitzsch, Handuörterb. , p. 403b). ..Die Sache wird so liegen (auch 
im Hinblick auf die entsprechenden Ideogramme): sikkat elippi: die Schiffs- 
pflöcke, mahrät elippi: die vorderen (seil. Pflöcke) des Schiffes" (Zimm.). 
Das würde hier ganz gut passen. In anderem Sinne steht BTttti-jn 

GL 10, 20; m, 14 f. Da ist es offenbar eine Vorrichtung beim Bewässern 
(Schleusenbrett?). Nöldeke übersetzt es u 2 ; 432,9; 441,9 mit ..Maß": 
das paßt nicht. — SOTß ist der aufgerichtete Pfahl oder Stein: als Grenz- 
pfahl, Grenzstein, Wegstein. Es entspricht dem Sinne nach dem assyrischen 
kudurru. Eine Frage an Herrn Professor Zimmern, ob hierfür eine 
Nebenform bekannt sei, die N^-ir entspreche, wurde von ihm verneint. 
Auch hier wird ÜOTIS ein Pfahl sein, aber Näheres ergibt sich aus dem 
Zusammenhange nicht. 

1) Syr. \1zld vgl. Pavxe- Smith, 3686 unt. Auch 141,11. 

2) n-'t^n:. nur hier und in Z. 11. Ich nehme die Bedeutung nur 
nach dem folgenden s"':;' an, das doch wohl = &P3ia"ü> ist, also männ- 
liche Schafe. 

3) Die mit b ?rmü eingeleiteten Sätze sind in den mandäischen 
Schriften häufig. Norden weist Agnostos Theos, p. 100 f. nach, daß 
öÄßiog 6g, [xdxäQ 6g (oorig), felix qui , beatus qui der Sprache der Mystik 
und der Mysterien eigentümlich ist. 

4) Ich kann aus N"--N auch bei leichten Änderungen nichts Passen- 
des gewinnen. Kaum f;z~v~: dessen Fersen im Wasser stehen. 

5) Und sich dadurch auf der Oberfläche hielten, 
ö) Ein Wortspiel. Zu z-r^-a vgl. S. 4' 

Li dz barski, Johannesbuch. 4 



c Der gute Hirte. 



Wohl dem, der sich einen Kranz aufgesetzt und daneben 1 die Kopf- 
binde umgelegt hat. Wohl den Jüngerinnen, die sich aus den 
Schlingen- der Rühä befreien, sich befreien von dem Schmutz und 
der Schande und der Kette ohne Ende. Meine Auserwählten ! 3 Ein 
jeder, der am Ende des Zeitalters des Nirig 4 leben wird, dem sei 5 
sein eigenes Gewissen eine Stütze. Er wird kommen und in die 



1) An dessen (des Kranzes) Seite? Oder ist etwa N372N3 Seite des 
Kopfes, „um seine Schläfen"? Zu Kpyma vgl. Petermann, Reisen II, 
p. 462; Nöld., p. 20,15; Brandt, Sehr., p. 50 1 und oben S. 30 2 . 

2) Das Mandäische hat 1) absbp = syr. fcLo „Schmach". Dieses 
steht GR 174,5 (in der Nähe smnnsa); 178, 14 («mnriNm «btfbp); 181,3 

und 225, 1 J (parallel KnNlETSJ „Laster"); 215, 18 (Nm^NTI übübpl fin»72T) 

und sonst; pl. srbarp GR 224,25 (örbsbpi sr^WBT ttpidi NunNVn). ■ 
2) wN-'r.sr-p „Schlingen", seltener «i?«bp, GR 216,3; 225,21; 362,19 
und sonst; Nöld., p. 29,3; 114, [6. Der Singular vielleicht GR 213,28, 
vgl. die Varr. Hier liegt an erster Stelle „Schlinge" vor, an zweiter 
spricht KniBSKta für „Schmach, Schande 1 ', «nb^CIS für „Schlinge", doch 
ist wegen des Singulars ersteres wahrscheinlicher. 

3) —na kann „erwählt" wie „erprobt" heißen, vgl. Nöld., p. 311, 
alur wS— "~3 ist am ehesten exÄexroi. Der Sinn der auch im Johannes- 
buch häufigen Wendung Np"PT ÖTTS1S ist nicht sicher. Mit Rücksicht auf 
das manichäische „Erwählte, der Wahrheit (Söhne)" Müller, Ein Doppel- 
blatt aus einem manichäischen Hymnenbuch (Abhandlungen der Berl. Aka- 
demie 1912), p. 22, 309; 28,428 und das manichäische Cj^-i^a (vgl. Flügel, 

Mani, p. 271, 195; Müller, Handschriften- Reste II, p. 5) habe ich er- 
wogen, ob NpVT nicht die Gesamtheit der Gerechten, Frommen be- 
zeichnet und Npv- n— \-n „die A.userwählten aus der Np-PT" bedeutet. 
Damit würde NpVT N""": tatsächlich NJ2tt»3 N— "2 entsprechen, vgl. 
Nöld., ebda. Aber es liegt immerhin näher, NpTT als reines Abstraktum 
und KpTT N*~"r;a im Sinne ..von erprobter Frömmigkeit" aufzufassen. 

|| Nirig, d.h. Nergal, Mars, in erster Linie als Planet, dient auch 
zur Bezeichnung der kriegerischen Araber, besonders der Muslims. GR 
231,22 wird Nerig auf „'Abdallah den Araber" bezogen, womit verschleiert 
Muhammed selber, 'Abdallahs Sohn, gemeint ist, vgl. auch Brandt, Rel., 
p. ;'»_>('., WO aber 'Abdallah unrichtig identifiziert wird. Der Ausdruck 
:.---: n N-tf-n N35*H weist auf eine Zeit hin, in der man ein Ende der 
Araberherrschaft erwartete; das würde für die letzte Omaijadenzeit passen. 
Die Wendung wurde nachher formelhaft, im sehnlichen Wunsche, daß die 
muslimische Herrschaft ein Ende nehme. Im Pariser Diwan, Z. 1745 f. 
sagt der Abschreiber von sich y BPM1 mnft WUnl N33"H3 pb^n 
vNr^Vp-r ..wir kamen zur Welt am Ende des Zeitalters des Nirig, in dem 
die Austobe reichlich waren". Er schrieb es im Jahre 1127 d. II. = 1715 
n. Chr. 



Der gute Hirte. 51 



lichte Wohnung aufsteigen, an den Ort, dessen Sonne 1 nicht unter- 
geht und die Lampen des Lichtes 2 nicht verdunkeln." 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



5 12. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das 

hehre Licht. 

Ein Uthra ruft von außen her und spricht: „Komm, sei mir 
ein liebevoller Hirte 3 und hüte mir tausend von zehntausend." 

„So will ich dir denn ein liebevoller Hirte sein 4 und dir 
10 tausend von zehntausend hüten. Wie ist aber die Welt voll von 
Schlechtigkeit und besäet 5 mit Disteln und Dornen!" 6 

„Komm, I! sei mir ein liebevoller Hirte und hüte mir tausend 4r> 
von zehntausend. Ich will dir dann Sandalen des Glanzes bringen 7 , 
mit denen du die Disteln und Dornen niedertreten kannst. Erde 
15 und Himmel vergehen, doch die Sandalen des Glanzes vergehen 
nicht. Sonne und Mond vergehen, doch die Sandalen des Glanzes 
vergehen nicht. Die Sterne und Tierkreisbilder des Himmels ver- 
gehen, doch die Sandalen des Glanzes vergehen nicht. Wind, 
Feuer und Wasser vergehen, doch die Sandalen des Glanzes ver- 
20 gehen nicht. Die vier Winde des Hauses 8 vergehen, doch die San- 



1) A hat FhlÖEN'-ö, BCD trtÖWNTÖ, vgl. auch 57, 14. Die Wendung 
findet sich auch GR 371,17 (NlöttNE oder SlIÖWNH}, Var. &T1Ö73N1B bzw. 
t:^:n:, auch an den anderen Stellen unsicher); GL 11,5; 86,3; 104,1; 
109, 25; Qol 38, 10; Morg 75, 6 = Oxf. 5ha, 1; Pariser Diwan, 1448. 
Wahrscheinlich gehen alle Lesungen auf SllönNlü zurück, vgl. auch Nöld., 
p. 160,7. 6*">TDÖNU3 ist wuhl durch NVNTw beeinflußt. 

2) Damit sind die Sterne gemeint. 

3) N'tn C*"N" ist auffallend. Beide Wörter könnten st. absol. sein, 
wie :r£D -N^, vgl. Nöld., p. 302, aber rriS" sollte dann an zweiter 
Stelle stehen. Daß Ü^KI nicht ..mein Freund" bedeutet, ..komm, mein 
Freund, sei mir ein Hirte", zeigt die Antwort. 

4) h K*V , nri statt "jNri-nr ist durch N-T"- beeinflußt, umgekehrt 
nachher firV'iyi 46,1 (hier C besser x-"t"t), ii durch -|N5""ir", fsV" 13H. 

5) In N*;— 7 ABC ist 3> nicht der alte Stammkonsonant, sondern der 
Vokal e; es ist eine jüngere schlechtere Schreibung. 

6) Dieselbe Wendung GR 12, 10; GL 77, 20 f.; Qol 67, 10 f. 

7) GL 97, 19: fimnsi «TTl jrbiaMO (BCD). 

8) Siehe oben S. 7 \ 



4* 



- 2 Der gute Hirte. 



dalen des Glanzes vergehen nicht. Früchte und Trauben 1 und 
Bäume vergehen, doch die Sandalen des Glanzes vergehen nicht. 
Alles, was geschaffen und erzeugt ist, vergeht, doch die Sandalen 
des Glanzes vergehen nicht. So komm denn, sei mir ein liebe- 
voller Hirte und hüte mir tausend von zehntausend!" 5 

„Ich will dir nun ein liebevoller Hirte sein und dir tausend 
von zehntausend hüten. Doch wenn ein Löwe kommt und eines 
fortträgt, woher soll ich es ersetzen? 2 Wenn ein Wolf kommt und 
eines fortträgt, woher soll ich es ersetzen? Wenn ein Dieb kommt 
und eines stiehlt 8 , woher soll ich es ersetzen? Wenn eines ins 10 
47 Feuer fällt und verbrüht, || woher soll ich es ersetzen? Wenn eines 
in den Schlamm 4 fällt und darin stecken bleibt 5 , woher soll ich es 
ersetzen? Wenn eines ins Wasser fällt und ertrinkt, woher soll ich 
es ersetzen? Wenn eines in der Hürde zurückbleibt 6 , woher soll 
ich es ersetzen?" J 5 

„Komm darum doch, sei mir ein liebevoller Hirte und hüte 
mir tausend von zehntausend. Wenn ein Löwe kommt und eines 
davonträgt, so gehe es dahin und falle dem Löwen anheim. Mag 
es dahingehn und dem Löwen anheimfallen, weil es vor der Sonne 
sich verneigt. Wenn ein Wolf kommt und eines davonträgt, so gehe 20 
es dahin und falle dem Wolfe anheim. Mag es dahingehn und dem 
Wolfe anheimfallen, weil es vor dem Monde sich verneigt. Wenn 
ein Dieb kommt und eines stiehlt, dann gehe es dahin und falle 
dem Diebe anheim. Mag es dahingehn und dem Diebe anheim- 



1) Ms ist mir nicht ganz sicher, daß N^^y, seltener «^35>, in dieser 
häufigen Verbindung ..Trauben" sei, vgl. Nöld., p. 27, 17. Es könnte 

h U-'j sein, obwohl dieses sieh in der Bedeutung mit N^B deckt. 
A.ber die Tradition ist jedenfalls für „Trauben", denn gerade jüngere 
Texte haben, wohl unter Einfluß von >-**», oft &m33>. 

2) Zu n:" eigentlich „zuzählen", nicht zu r:;: „ihn (den Löwen usw.) 
abwehren", so Nöld., p. 275, [8. Es stände dann vor fin-jrr, paßt auch 
oi< ht für alle Fälle. 

3) Mdnd. Diwan A (Stück unter den Figuren 42) sagt in Z. 6, dab 
es aut der Erde des Ptahil „360000 Schafdiebe" gebe. 

4) Assyr. Siknu, vgl. Muss-Arn., 1032a. \±ii± depöt, Sediment 
Duval, Notes de lexicographü syriaque et arabc. p. 48 könnte dann eine 
Fntlehnung sein. 

3) So auch jn&ro N*>»a «»vni)" 1 » (iR 17"- '■ 
6) Vom Hürdengeist zurückgehalten. 



Der gute Hirte. 53 



fallen, weil es sich vor Nirig verneigt. 1 Wenn eines ins Feuer fällt 
und verbrüht, dann gehe es dahin und falle dem Feuer anheim. 
Mag es dahingehn und dem Feuer anheimfallen, weil es sich vor 
dem Feuer verneigt. Wenn eines in den Schlamm fällt und darin 
5 stecken bleibt, dann gehe es dahin und falle dem Schlamme anheim. 
Mag es dahingehn [| und dem Schlamme anheimfallen, weil es sich 48 
vor Christus verneigt. Wenn eines ins Wasser fällt und ertrinkt, 
dann gehe es dahin und falle dem Meere anheim. Mag es dahin- 
gehn und dem Meere anheimfallen, weil es sich vor den Meeren 

10 verneigt. Wenn eines in der Hürde zurückbleibt, dann gehe es 
dahin und falle dem Hürdengeiste- anheim. Mag es dahingehn und 
dem Hürdengeiste anheimfallen, weil es sich vor den Ekurs 3 ver- 
neigt. 4 Wenn eines an der Seite des Hürdengeistes' bleibt, so 
mag es dahingehn und der Seite des Hürdengeistes anheimfallen. 

15 [Mag es dahingehn und der Seite des Hürdengeistes anheimfallen} 
weil es sich vor dem Heiligen Geiste verneigt. Komm, sei mir ein 
liebevoller Hirte und hüte mir tausend von zehntausend." 

„So will ich dir denn ein liebevoller Hirte sein und dir tausend 
von zehntausend hüten. Ich will tausend von Tausenden hüten und 

20 von zehntausend diejenigen, die ihn 6 anbeten. Doch einige von ihnen 
irrten mir weg. Ich stieg auf hohe Berge und ging in tiefe Täler 



1) Mit Xirig wird GR 59, 19 der Diebstahl in Verbindung gebracht: 
..Die Dämonen des Xirig streuen Diebstahl unter die Menschen", vgl. 
auch S. So 2 . 

2) Doch wohl so aufzufassen. Hier könnte ein rein äußeres Spiel 
mit den Worten n;2*~; ").' vorliegen, aber weiterhin ist diese Auffassung 
nicht möglich. Herden- und Hürdengeister gibt es überall, die vielfach 
mit Vegetationsgeistern identisch sind. Im alten Babylonien war es Tamüz. 
vgl. Zimmern, Der babylonische Gott Tamüz (Leipzig 1909), p. 8, 30 f. 

3) Ursprünglich ..Berghaus", dann Tempel, dann Insasse des Tem- 
pels, Gottheit, Götze, vgl. Ultra, p. 541 2 . 

4) Die Worte N15NÖ NrpNSi N1JN3NV" sind wohl als Glosse in den 
Text eingedrungen. Lies NrrNSn N"N\"Cb als Erklärung zu N"-":;v 

5) Der ganze Satz wird als Häufung empfunden. Im Vordersätze 
kann KWH -;, N^n^xr.N allenfalls noch einen Sinn haben: das sich dem 
Hürdengeiste zum Beischlaf gesellt (die bekannte Marmorgruppe Pan mit 
der Ziege in Neapel, vgl. Roscher"s Lexikon III, 1470): aber rx: - : 
N!2"": " N"c:N\"N ist schwer verständlich. Wenn an dieser Stelle nicht 
N"2":n:.w\ zu streichen ist, so ist der ganze Ausdruck rein äußerlich über- 
nommen. 

0) C: mich. 



?a Die Uranfänge. 



1» hinab, || ich ging hin und fand es, wo 1 es nichts abpflücken kann. 2 
Jedes einzelne faßte ich mit meiner Rechten und legte es auf die 
Wage. Tausend unter zehntausend haben das Gewicht." 3 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 




Die Uranfänge. 

Dieses Stück, das die Anfänge der Schöpfung zum Gegenstande hat, 
ist versehentlich zweimal in das Sidrä eingefügt, hier und 224fr. Wahr- 
scheinlich hat es ursprünglich dort gestanden, denn dort findet es sich in 
Gesellschaft eines anderen verwandten Stückes. Die „Guten", die die 10 
Fragen aufwerfen, sind gläubige Mandäer, so daß auch hier, wie in 
Cap. I, 2, die Fragen von der Kustä ausgehen. Die Existenz zweier 
Welten wird vorausgesetzt, es wird aber gefragt, ob am Anfang dies 

liegt in N"i!"i ein König da war oder zwei. Die Beantwortung ist ganz 

dualistisch und berührt sich mit Darstellungen in der Lichtkönigslehre, 15 
vgl. Brandt, Rel., p. [94. Uns interessiert besonders, daß der Vertreter 
des Bösen als König dieser Welt (Joh. 12, 31; 14,30; 16, IIJ Asc. 
Jesaiae 4, 2) und als König dieser Zeitalter bezeichnet wird. Obwohl 50, 5 
■pTN" steht, ist doch wohl fiTIfcn, «las auch 225, 14 hat, das Ursprüng- 
liche, so daß der Böse hier nicht wörtlich 6 äg%(ov rov aicbvog xovxov 20 
(Ignatius, Epheser 17,1; 19,1 u.a.) genannt wird. Das Stück bricht mit 
W N"2— :sn"ü 50, 12 ab, denn nicht nur das folgende Stück über die Seele, 
sondern wahrscheinlich auch der Schöpfungsbericht 51, 8 ff. gehört ur- 
sprünglich nicht damit zusammen. 

13. Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 25 

Licht. 

Euch sage 4 und erkläre ich, ihr Auserwählten und Vollkom- 
menen, die ihr in der Welt wohnet. Werdet nicht ein Anteil der 
Finsternis, sondern richtet eure Blicke zum Orte des Lichtes empor. 



1) Unsicher. Vgl. Nöld., p. 206. ^ wäre dann dahinter ausgefallen. 

Zu C]Sa vgl. Nöld., p. 38,22 (zu GR 381,6). 

j) Diesen Sinn erwartet man, alier das bloße bpn hat ihn nicht. 

I) Ähnliche Einleitungsworte finden sich GK 376,25; Qol 64,9. 



Die Uranfänge. 55 



Sondert euch ab vom Bösen zum Guten 1 , sondert euch ab vom 
sündigen Bösen des Ortes der Finsternis. Liebet und belehret ein- 
ander-, damit eure Sünde und Schuld euch vergeben werde. Sehet 
und höret und lasset euch belehren, damit ihr siegreich zum Orte 
5 des Lichtes emporsteiget. 

Die Guten sitzen da und suchen, und alle, die verständig 
sind, lassen sich belehren. :; Die Guten sprechen, holen sich Rat 
und sagen: „Wer will kommen, wer ij mir sagen, wer will mir kund ">o 
tun, wer mich belehren, wer will kommen, wer mir sagen 4 , ob ein 

10 König (am Anfang) war oder zwei?" Die Guten sprechen und lassen 
sich belehren: „Zwei Könige waren da; zwei Naturen wurden ge- 
schaffen; ein König dieser Welt und ein König von außerhalb der 
Welten. Der König dieser 5 Zeitalter legte ein Schwert und eine 
Krone von Finsternis an. 6 Eine Krone von Finsternis setzte er sich 

15 auf und nahm ein Schwert in seine Rechte Ein Schwert nahm er 
in seine Rechte, er steht da und tötet seine Söhne, und seine Söhne 
töten einander. Der König von außerhalb der Welten setzte sich 
eine Krone von Licht auf. Eine Krone von Licht setzte er sich 
auf und nahm die Kustä in seine Rechte. Die Kustä nahm er in 

20 seine Rechte und steht da und belehrt seine Söhne. Er steht da 
und belehrt seine Söhne, und seine Söhne belehren sich gegen- 
seitig." 

,,Wer will kommen, wer mir sagen, was vorher 7 war? Als 
noch nicht der Himmel ausgespannt 8 und noch nicht in ihm Sterne 

25 gebildet, als die Erde noch nicht verdichtet und keine Verdichtung 



1) Lk-s snN^r nach 225,4. 

2) Auch GR 18, 8 ff.; 39,3. 

3) Ich gebe jetzt das Waw, das ich nach 225,9 ergänzt habe, 
wieder auf. Auch GL 4Q, 6 schwankt die Lesung. 

4) Dieselbe Form der Frage auch 229,5; GR 358, 17; Mörg5l,4. 
( =i) Lies ■"bN!~.'i. 

(>) Zum reflexiven Gebrauch von fib vgl. Nöldeke, Syrische Gram- 
matik 2 , p. 168. Aber trotz des Wechsels des Subjekts ist auch fib'2^0 
zulässig. Zur eventuellen Inkongruenz im Numerus beim ersten Sb?: ,, 
vgl. Nöld., p. 383, 421 ob. 

7) Hinter -,72 ist vielleicht äfcmp ausgefallen, vgl. N2N- "lNDNSN 
Nöld., p. 204. 4. l-am NDK- -,N73 22O, 8 B ist wohl eine sekundäre 
Ergänzung. 

8) Hier wird auch wie in 226,8 -"rrr gestanden haben. 



Die Uranfänge. 



ins Wasser gefallen, als Sonne und Mond noch nicht in diese Welt 
51 gingen 1 , wie 2 war da || die Seele?" 

„Als die Seele noch im Kannä 3 saß, hungerte sie nicht und 
durstete nicht. Als die Seele noch im Kannä saß, hatte sie 
keine Schmerzen und keine Fehler. Als die Seele noch im Kannä 5 
saß, empfand sie keine Wärme und keine Kälte. Als sie noch 
im Kannä saß, wurden ihr die Stirnlocken gedreht 4 , und eine 
Krone von Äther ward ihr aufs Haupt gesetzt. Ihre Augen waren 
Lichtstrahlen (?) und schauten nach dem Orte des Hauses der Großen. 5 
Ihr Mund war von reiner Vollendung und pries den König des 10 
Lichtortes. 

Vom Tage an, wo der Böse zu denken anfing, bildete sich 
Böses in ihm. H Er geriet in großen Zorn und begann einen Kampf 
mit dem Lichte. Der Bote wurde gesandt, niederzutreten die Kraft 
der Empörer. Da brachten sie lebendes Wasser und schütteten es 15 
in das trübe Wasser; sie brachten leuchtendes Licht und warfen 
es in die düstere Finsternis. Sie brachten den angenehmen W r ind 
und warfen ihn in den wütenden Wind. Sie brachten das lebende 
Feuer und warfen es in das verzehrende Feuer. Sie brachten die 
Seele, den reinen Mänä, und warfen sie in den nichtigen Körper. 7 20 
-V2 || Aus Feuer und Wasser wurde der eine Himmel ausgespannt. 8 

Aus Feuer und Wasser haben sie die Erde auf dem Amboß ge- 



1) Dieselbe Aufzählung in anderem Zusammenhange GL 76,8 fr.; 
Morg 72, 12 ff. Nach dieser Stelle allein würde ich 1 fi-.ittb anders 
auffassen, vgl. Nöld., p. 355, I2f., doch siehe hier 56, i (S. ho, 22); GL 76, 
[3; Morg 73,3. 

2) Vgl. Nöld., p. 206, 2. 

3) Siehe obeH S. 5. 

1) Vgl. GR [35, 10; [78,10; 257,14; Nöld., ]). 1.20,6; 457,1. 

5) I! hat fr-nsr. danach kann man N-rNnn"] ma mniö über- 
setzen: nach ihrem Orte im Mause der Großen. 

6) Vgl. GR i.v 14; 34, 1 i. 

7) Auf beiden Seiten je fünf Elemente, wie bei Mani, vgl. die Zu- 
sammenstellungen und Nachweise bei Bousset, Hauptprobleme, p. 230 fr. 
Berührungen sind vorhanden, so zwei verschiedene Winde, zwei verschie- 
dene Feuer, aber keine durchgehende Übereinstimmung. Das letzte Paar, 
Seele und Körper, scheint nur hinzugenommen zu sein, um die gegebene 
Zahl fünf auszufüllen. Mit dem ..reinen Äther" der Fragmente von 
Turlan ist hier die Seele nicht identis< h. 

1 n-— steht kaum pleonastisch da, sondern soll die Existenz eines 
Himmels hervorheben, wohl im Gegensatz zu der auf babylonischer An- 



Die Uranfänge. KJ 



dichtet. Aus Feuer und Wasser sind Früchte, Trauben und Bäume 
entstanden. Aus Feuer und Wasser wurde der körperliche Adam 1 
gebildet. 2 Sie schufen den Boten und schickten ihn zum Haupte 
der Generationen. 3 Er rief mit himmlischer Stimme in die Unruhe 
5 der Welten hinein. Auf den Ruf des Boten erwachte Adam, der 
dalag. 4 Adam, der dalag, erwachte und ging dem Boten entgegen: 
„Komm in Frieden, du Bote, Gesandter des Lebens, der vom Hause 
meines Vaters gekommen ist. Wie ist doch das teure, schöne Leben 
an seinem Orte fest gepflanzt! Wie ist mir aber (hier) ein Sessel 
io aufgestellt und sitzt meine finstere Gestalt in Klage da!" Da er- 
widerte der Bote und sprach zum körperlichen Adam: „Schön hat 
man deinen Thron aufgerichtet, Adam, und deine Gestalt sitzt hier 
in Klage dar Alle gedachten deiner zum Guten und schufen mich 
und sandten mich zu dir. Ich bin gekommen und will dich be- 
15 lehren,- Adam, und dich aus dieser W T elt erlösen. Horche und höre 
und laß dich belehren und steig siegreich zum Lichtort empor." r>:{ 
Adam hörte und wurde gläubig, — Heil dem, der nach dir 
hört und gläubig ist. Adam nahm Kustä an, — Heil dem, der nach 
dir Kustä annimmt. Adam schaute voller Hoffnung hin und stieg 
20 empor, — Heil dem, der nach dir emporsteigt. 

Horchet und höret und lasset euch belehren, ihr Vollkommenen, 
und steiget siegreich empor zum Orte des Lichtes. 
Und gepriesen sei das Leben. 



schauung fußenden Annahme von 7 Himmeln (siehe oben S. 8 5) und 
Manis Lehre von zehn Himmeln (vgl. Flügel, p. 218, n. 125; Müller, 
Handschriften -Beste II, p. 4 h unt.. 07; Chavaxxes et Pelliot JA 191 1 

IL p- 515)- 

1) N*~;N-:^ häufig zur Bezeichnung des Körperlichen im Gegensatz zum 
Geistigen, z. B. auch N~ .-.N-:^ Xw"::, N* - :.NC w'zr, x— ;N£ **pt u. and. 

2) In diesem Stücke, das nicht mit dem vorhergehenden zusammen- 
gehört, wird in auffälliger Weise die ganze Schöpfung mit ihrem Inhalt 
auf eine Mischung von Feuer und Wasser zurückgeführt. Da diese Welt 
aus einer Mischung von Gutem mit Bösem hervorgegangen ist, scheint es, 
daß hier das Wasser als das gute, das Feuer als das böse Element an- 
gesehen wird. Diese Auffassung kann sich in feindlichem Gegensatze zum 
Mazdaismus gebildet haben. Man findet sie auch im frühchristlichen Schrift- 
tum, vgl. Bousset. a. a. O., p. 151 f., 156. 

3) Vgl. S. 93. — 228,1 hat ..an das Ende der Generationen"! 

4) Der Satz auch GL 120, 13; Qol 36,30. 



Sum-Kustä. 



Sum-Kusta. 

Von den Sühnen Noahs wird in den mandäischen Schriften an 
mehreren Stellen Sem genannt: GR 26, 24; 381,8; Qol 18, 22; Morg 88,9; 
Joh 78, [3; 90,9; 277,4, v gl- aucn Siouffi, p. 85 unt. Die Form ü"KB 
entspricht der des Appellativs für „Name", vgl. Nöld., p. 97, 10; 185, 10; 5 
Brandt, Rel., p. 106, 1 14t.: Sehr., p. 44 2 . Die drei Brüder finden sich 
nur GR 50, 1: rPÖ&n :X" DllD, worin der Name des Cham dem des 
Jafeth im Anlaut angeähnelt ist. 1 Vom biblischen Erzähler wird Sem der 
Vorrang gewährt, und er wurde geradezu zum Repräsentanten Israels. 2 
In den mandäischen Schriften heißt es nur GR 50, 2 f., daß von den drei 10 
Söhnen des Noah tue Welt zu neuem Leben erweckt werden sollte. Sonst 
erscheint Sem allein als Erneuerer der Welt. Auch den Mandäern gilt Sem, 
sicher unter jüdischem Einfluß, als Repräsentant ihrer Gemeinschaft, und 
sie bezeichnen ihn geradezu als Kustä. 

Im ersten Kapitel des folgenden Abschnittes wirft Sem Probleme 15 
auf. die die Gedanken eines jeden Mandäers beschäftigen müssen: Was 
ist das Schicksal der Seele nach dem Tode, wie ihr Weg? Wenn das 
Hauptziel des Gläubigen ist, seiner Seele den Aufstieg zu ermöglichen, 
wozu nimmt er ein Weih, wozu zeugt er Kinder, die ihn auf seinem 
Wege eher hemmen als vorwärts bringen können? Sein „Helfer" sucht 20 
ihn über diese Bedenken hinwegzubringen. Sem konnte in Parallele zu 
Seth gebracht werden, und dies scheint tatsächlich geschehen zu sein, 
denn bei [renäus, Haeres. 1, 30,9 finden wir Nwea als Frau des Seth, 
während GR 381,9; Morg 88, 9 Sems Frau NrPttTliia, NrPfimi genannt 
wird. 3 Andererseits konnte Sem auch mit Hibil-Ziwä auf eine Stufe ge- 25 
stellt werden, und so sehen wir ihn in (\i'n Stücken 1 5 - 17 dessen Rolle 
bei den Mächten der Unterwelt spielen. 

14. Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das 

hehre Licht. 



1) Eine merkwürdige Verwirrung zeigt Siouffi, p. [32 unt. Da 
heißen die drei Söhne Noahs Harn DNirs, Yamine y"x.~ ei Ybphet rPBR\ 

2) Vgl. Ed. Mi. vir, l'/r l.<r,n lihn . p. 210t. 

,\) N\--N - -: eis, heint aber auch GR 49, _'4 als Frau des Noah, 
GR 212, 14 ff. als Frau des Dinanukht. Sie hat bei den Gnostikern noch 
eine ganz andere Stellung, vgl. BOUSSET, p. E4 2 , 73, 103. 



Sum-Kustä. 59 



Sum-Kustä steht da, trägt vor 1 und belehrt.-' Sum bar Nu, 
Sum-Kustä, steht da und spricht demütig 3 vor dem Herrn: „Mein Maß 
ist voll. Ich will nun hingehen, weiß aber nicht, wer mich führen 
soll, [damit ich ihn frage], wie weit mein Weg ist. Weder unter 
5 den Guten, noch unter den Bösen gibt es jemanden, der hingegangen 
und zurückgekehrt wäre, daß ich ihn frage, wie weit mein Weg ist. 
Weder unter den Ruhigen, noch unter den Widerspenstigen gibt es 
jemanden, der hingegangen und zurückgekommen wäre, daß ich 
ihn frage, wie weit mein Weg ist. Was habe ich gegeben, daß 

10 man mir gebe, und was habe ich geliehen, daß man mir leihe? 4 
|| In die Höhe gestiegen 5 ist die Klarheit, und vermehrt hat sich' 5 die 54 
Trübung, und niemand ist da, der mich abhole. In die Höhe ge- 
stiegen ist die Reinheit, und vermehrt hat sich der Schmutz, und 
niemand ist da, der mich abhole und sage: „Auf, wir wollen hin- 

15 gehen!" Was habe ich geleistet und was hergegeben, daß ich, 
wenn ich hingehe, es mir als W r egzehrung aufladen kann? Denn 
dies habe ich gehört, dies ist mir ins Ohr gedrungen: Wer Weg- 
zehrung mit sich trägt, den führt man hinüber, wenn er bei der 
Überfahrtstelle anlangt. Wer aber keine Wegzehrung mit sich trägt, 

20 der bleibt sitzen und wartet auf die Überfahrt. Mein Haupt ist 
weiß geworden, und ich wünsche hinüberzugehen. Wie eine Saat, 
deren Ernte herangekommen ist, hörten meine Augen auf zu sehen. 
Wie eine Burg, deren Dach herabgestürzt ist, hörten meine Ohren 
auf zu hören. Wie eine Unfruchtbare, die keinen Sohn gehabt, 

2$ hörte mein Mund auf zu sprechen. Wie ein Fluß, der an der 
Mündung austrocknet ", hörten meine Hände auf zu arbeiten. 
Wie eine Frau, die kein Kind großzieht, hörten meine Füße 



i) "3 — ; ist bei den Mandäern wie bei den Juden und Christen über 
die Bedeutung „untersuchen, forschen" hinausgegangen; es heißt auch 
seine Betrachtungen zum Ausdruck bringen, in Rede oder Schritt: ■p:""£~N~ 
s-DS- Nbsps GR 152,0; ■pasrtJY'b flotter «m GR 350, 6; 352,7. 
Ktte*"l*1 stellt häufig neben 8TT0: GR 37,22.24: 44,4: 103, 24, al. 

2) Er stellt nicht bloß zu eigener Aufklärung Betrachtungen an, son- 
dern trägt sie auch belehrend vor, wie auch Jahjä im folgenden Abschnitt. 

3) N-:"N^ steht fälschlich für ÜTiT 1 » = |3>ÜO. 

4) Ich lese jetzt mit C erb^aneri r.'Z-N" und nachher "ptt^KO^ m"£ - N\ 

5) pbö heißt aber auch geradezu „verschwinden". 

6) Besser würde eine Bildung von tt13 „zurückgeblieben ist" passen. 

7) GL 88, 12: bis der Euphrat an seiner Mündung austrocknet. 



60 Sum-Kustä. 



auf zu gehen. Wie ein Stammler (Kind), der kein Buch lernen 
.").") kann ' , lief ich umher bei Tag und bei Nacht. || Ich nahm ein Weib 
und zog Kinder auf. Ich nahm ein Weib voller Begierde nach dieser 
Welt. Ich habe Söhne hier großgezogen, wie mein Vater mich 
großgezogen hat, und habe es als Zahlung 2 geleistet innerhalb dieser 5 
Welt. Was habe ich nun davon 3 , daß ich eine Frau genommen, 
und was m habe ich davon, daß mir Söhne zuteil geworden sind, 
wenn meine Söhne mir meinen Weg nicht kaufen und meine Töchter 
mich nicht über das große Süf-Mecr ' bringen! Meine Brüder kom- 
men nicht mit mir, und meine Schwestern sind mir keine We^- xo 
zehrung. Wenn meine Frau, die mich liebt, in Kummer meiner 
gedenkt'' und um mich weint, eine Stunde am Tage, kann ich mich 
darum an meine Werke halten und mich auf die Werke meiner 
Hände stützen?" 

Als Sum bar Nu dies sagte, kam zu ihm ein Bote, ein Bei- 15 
stand , und sprach zu ihm: ,,Es bedrücke dich nicht, daß du eine 
Frau genommen, und es betrübe dich nicht, daß dir Söhne ge- 
kommen sind. Wenn es keine Ehefrau in der Welt gäbe, gäbe es 
keinen Himmel und keine Erde auf dieser Welt. Es gäbe keinen 
Himmel und keine Erde, und keine Dichtigkeit hätte sich gebildet 20 
und wäre in das Wasser gefallen. Wenn es keine Ehefrau auf der 
.")('. Welt gäbe, gingen Sonne und Mond || nicht hierher. | Nicht gingen] 
hierher Sonne und Mond, und ihr Licht leuchtete nicht in dieser 
Welt. Wenn es keine Ehefrau in der Welt gäbe, käme hierher 
kein lebendes Wasser. Kein lebendes Wasser käme hierher, und 25 
keine Saat gäbe es auf dieser Welt. Wenn es keine Ehefrau auf 



1) B gibt mit ni'tn" richtig den Sinn von n:.tn an, vgl. auch [-05,6. 

2) Die Handschriften haben n:n~*=:, doch vermute ich n:n _ ". Allen- 
falls: ich habe es als Pflug hergegeben, um eine weitere Saal vorzubereiten. 

3) Vgl. Nöld., ].. 29, [3. 
|) Siehe die Einleitung. 

5) Wohl N-Vs-=s--;- fr'rN— n: -;\ 

6) 2^: „pflanzen" hat häufig den Sinn „schaffen": GR 6,24 und 
ist. Auch das häufige N33tN5, bzw. N2j£n: STDiO heißt oft ..Erzeuger", 

vgl. 77, 3, 8; [oi, 7; 254, 15; GR 97, 17; GL 62, 11; [02, 1 ff.; siehe auch 
Nöld., p. 468, 15. Alier hier paßt diese Bedeutung nicht. Es muß 
hier „Aufrichter, Meiler- bedeuten, sieh danach im Sinne mit N" N"iN, 
NpSNi^NS decken, denen es in der Tat oft parallel steht: 60,13; °4>5; 
■der durch die es ersetzt ist: CR 354,23; 363,1, 



Sum-Kustä. 61 



der Welt gäbe, käme der Äther-Wind 1 nicht hierher. Der Äther 
wäre nicht geschaffen, das Feuer nicht entstanden und verbreitete 
sich über alles.' 2 Eine Frau wurde hier geschaffen, wie Himmel und 
Erde auf dieser Welt. 3 Du hast Kinder großgezogen, damit auf 
5 der Welt jemand da sei, der deines Namens gedenke. Sie versehen 
deinen Körper mit Wegzehrung nach dem Seol , sie folgen dir nach 
der Grabstätte, sie rezitieren Totenmessen für dich am Tage, da du 
die Welt verlassest. Sie geben Almosen nach deinem Tode, damit 
nicht das Urteil gegen dich gefällt werde." 

10 Darauf erwiderte Sum bar Nu dem Gesandten, der von der 

Höhe gekommen war: „Wenn sie nur nicht Unzucht treiben und 
mir Gruben graben. Wenn sie nur nicht stehlen, und ich deshalb 
verurteilt werde. Wenn sie nur nicht || Gesänge des Satans singen, 57 
und mich dafür das lodernde Feuer verzehrt. Wenn sie nur nicht 

15 den Namen des Lebens verleugnen, und ich eines doppelten Todes 
sterben muß." — Da erwiderte der Gesandte des Lebens und sprach 
zu Sum bar Nu, der Gesandte, der von der Höhe gekommen war: 
„Die buhlen, die werden ins Feuer wandern; die stehlen, die wird 
großer Zorn treffen; die Gesänge des Satans singen 4 , die wird das 

20 lodernde Feuer verzehren; die den Namen des Lebens verleugnen, 
die werden eines doppelten Todes sterben. Dich haben sie nicht 
zum Richter in der Tibil gemacht, nicht zum Entscheider in der 
Welt geschaffen. Hätten sie dich zum Richter gemacht, so hätten 
sie Abathur nicht hierher gebracht. Verlasse unverzüglich 5 die Welt, 



1) Die Verbindung steht auch GR 101,5; 221, 13; 283,4. An 
der letzten Stelle heißt es: „Wenn der Ajar-Ziqä nur einen Tag nicht wehte, 
würden alle Seelen sterben und eingehen." 

2) Vgl. Brandt, Sehr., p. 2$°. 

3) Vgl. auch die eindringliche Mahnung zur Ehe GR 67 (übersetzt 
Brandt, Sehr., p. 120). Irenäus läßt die Gnostiker sagen (Haeres. I, 6,4): 
ög äv iv ■rioof.ico yevojiievos yvvaixa ovx l(pih]oev, cooze avri]r y.oaiyj- 
drjvcu, ovx k'oTiv ig~ äXrj'&etag xal ov ycogtjoei slg älrißeiav. 

4) Im Text der Singular. 

y. 7 

5) Zweifelhaft. ~NDN ist GL 58, 7 sicher jJal. „zurückhalten", vgl. 
Nöld. , p. 273, 1. So vielleicht auch GL 41, 14. In Joh 62,5 hat es 
wohl den Sinn „hemmen". Dann steht es mehrmals neben pN20 ..ver- 
lassen". Hier, dann 72, 2; Pariser Diwan, 1043: N"r?:~Nrn Nn55> "" 
b^NiDVi nV- npn-o -xris t-~ n-n^nv:t «nW -? v- (Text N--;"::-Nn1) 
fiby [Text ba'H'^n). „Wenn es die Frau eines Unterpriesters oder die 
Frau eines einfachen Mandäers ist (die buhlt), so verlasse sie und 



6 2 Sum-Kustä. 



dann mag sich Feuer an sie heften und sie verzehren. Verwüstung 1 
trage die Tibil davon, wenn die Vollkommenen sie verlassen. Auf, 
steige zum Hause des großen Lebens empor, zum Orte, wo die 
Guten wohnen, dem Orte, dessen Sonne nicht untergeht und dessen 
Lichtlampen nicht verdunkeln 2 , dem Orte, wo keine Lüge, wo kein 5 
Fehl und Mangel ist." 
:>s || Und das Leben ist siegreich. 



15. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Sum-Kustä steht da, trägt vor und belehrt. Sum bar Nu steht 10 
in Treue da und spricht: „Was habe ich im Hause des großen 
Lebens verbrochen, daß das mangelhafte Zeitalter an mich heran- 
gekommen ist? Die Sieben drückten mich, und die Zwölf wurden 
mir zur Verfolgung. Das erste (Leben) hat mich vergessen, und 
das zweite fragt nicht nach mir. Ich geriet in große Verfolgung 15 
und in Sorgen, die kein Ende nehmen. Wehleid traf mich, und 
meine Tränen fließen und wollen nicht aufhören." 

Nimrus 3 steht da und sinnt und spricht zu ihren Söhnen, den 
Unholden 1 : ,,Der Auserwählte ist uns in die Hände gefallen; kom- 
met, verwickeln wir ihn in unsere Stricke und lassen wir ihn eine 20 



frage nicht nach ihr." Es wird hier ebenso gebraucht, wie IS*»«©, das 
einen ~rr entgegengesetzten Sinn hat, vgl. S. 7<S-\ Es steht GL 112, 14 f. 
neben ..gehen-: BTSSttn» ^«n»»«^ -HO»- „Rasch, unverzüglich" würde 
passen, aber wie ist es zu erklären? 

1) A hat «aW), BCD N=-"in. 

2) Siehe 1 >ben S. 5 1 '. 

3) Es ist Kulm, „die Mutter der Welt" (GE [14,16; 3 2 9> IQ )- 
Häufiger ist die Schreibung DTTOK3. Der Name ist mit der manichäischen 

\^(^}J bei Bar Koni, bzw. NeßgoDÖ fjv ehai xr]v vXrjv cpijoi in der Ab- 
schwürung, auch bei Theodoret, (vgl. Flügel, Mani, p. 247 t; Cumont, 
Kecherches sur U manicheisme, p.42; Chavannes et Pelliot, JA 1911 II, 
p. 525 2 ) identifiziert worden, vgl. Brandt, Rel., p. 183*; Bousset, p. 28,47 f. 
Kaum mit Recht. 

4) Das ist ungefähr der Sinn des Wortes, vgl. Nöld., p. [3 1 ; Brandt, 
Sehr., p. [883. Mehrfach werden die Zodiakalzeichen so genannt: GR 

. 24 „die sieben Planeten und die zwölf nichtigen Bratin»»»", dann 
')[■; 98,7; 99, 1. 11 und sonst, aber hier sind es die Planeten, vgl. 59,2. 
Herr Professor ZlMMERN schreibt mir auf eine Anfrage, daß das Wort 

h im Babylonischen nicht nachweisen lasse. 



Sum-Kusfcä. 63 



große Erschütterung vernehmen, damit er die himmlischen Reden 
vergesse. Fangen wir ihn mit unserem Bilür 1 und Gesang, damit 
er vergesse die Anbetung zu jeder Zeit. Wir wollen ihn an uns 
fesseln und zum Haupte über uns machen. Wir wollen ihn in feste 

5 Gefangenschaft bringen, in schreiende Finsternis werfen und in un- 
seren Wachthäusern zurückhalten, || damit er den Ort vergesse, aus :>» 
dem er gekommen ist. Lassen wir große Not auf ihn los, damit 
er vom Wegstein abirre." 

Als die Planeten, die Verführer dieser Welt, dies sagten, er- 

10 widerte ihnen das Haupt des Zeitalters, Sum bar Nu: „Gehet, gehet, 
ihr Bösen, deren Richter das Feuer sein wird. Was ihr gesagt, 
erreicht ihr nicht, was ihr gegen mich ausgeheckt, wird nicht ein- 
treffen. Meine Augen-, die zum Leben emporschauen, zwinkern 
nicht dieses Gezwinker. Meine Ohren, die Gebet und Lobpreisung 

15 hören, lauschen nicht eitlem Gesänge. Mein Mund, der voll ist 
von Gebet und Lobpreisung, bringt mir keinen frevelhaften Gesang. 
Meine Hände, die Almosen geben, begehen in der Tibil keinen 
Mord. Mein Herz, indem das große Leben ruht, wird nicht durch 
Bilür und Gesang zum Frevel verleitet. 3 Meine Seele und mein 

20 Rumpf, die durch die Kustä vervollkommnet sind 4 , fallen 4 nicht in 
das lodernde Feuer. Mein Körper hat keine Unzucht getrieben, 
er fällt nicht in die Maschen der Sieben. Meine Kniee, die vor 
dem Leben knien und niedersinken, beugen sich nicht vor den 
Götzen 5 und Kapellen 6 und Idolen. Meine Füße, || die die Pfade <>o 

1) Es ist ein Musikinstrument: «-mVai N^INp GR 11 3- 5) 220, I 
(von Rühä als Verführungsmittel hergestellt); 115,16 (gleichfalls in Ver- 
bindung mit Rühä); 336,1 (mit Libat). Eine Erklärung dafür habe ich 
auch aus anderen Sprachgebieten nicht erhalten können. Mit dem gleich- 
lautenden — -ra, veluriya Beryll hat es jedenfalls nichts zu tun. 

2) Vgl. zum Folgenden' GL 78, 1 ff.; Qol 07. 14 ff. 

3) Hier wohl von WD1. Doch könnte es auch zu KttH gehören und 
„bestochen werden" bedeuten, vgl.GR 2 1 5,6 und zu KnTTOn Nöld.,p. 146, 16. 

4) Es muß BTObfiraral, «'»bDfittRb heißen. Der Singular steht kaum 
deshalb, weil Seele und Körper als eins gedacht sind. 

5) K"W»a«n kann hier nur in diesem Sinne stehen, was singulär ist. 
Vielleicht ist tp5«h aus «mD^MM ..götzendienerisches Treiben", vgl. 176,5» 
zurückgebildet. Die Worte kommen nur an diesen Stellen vor, sie waren 
anscheinend dem Mandäischen fremd, und so konnte leicht ein Mißver- 
ständnis eindringen, wie in größerem Umfange bei den Arabern, vgl. 
Xöldeke, Neue Beiträge %ur sentit. Sprachwissenschaft, p. 30. 

6) Vgl. üthra, p. 54 1 2 - 



64 Sum-Kustä. 



der Kustä wandeln, gehen nicht in Lug und Trug. Ich habe mich 
makellos erhalten, daher kenne ich keine Furcht. Zum Guten hat 
das Leben meiner 1 gedacht, makellos habe ich mich erhalten, daher 
habe ich keine Furcht vor der Tibil. Ich suchte 2 die glänzende 
Wohnung, meine Augen richtete ich zur Höhe empor, und mit 5 
meiner Seele hoffte ich auf das Haus des Lebens". 
Und gepriesen sei das Leben. 



1(>. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Sum-Kustä steht da und belehrt. Sum bar Nu, Sum steht in 1 
Treue da und spricht: „Die Sieben waren mir zur Gegnerschaft 3 
und die Zwölf zur Verfolgung. Sie sagen: Wir wollen ihn in unserer 
Erde fesseln , damit er den Ort des Lichtes nicht schaue. 4 Wir 
wollen ihn in der Tibil zurückhalten, damit er nicht zum Jenseits, 
zum Licht, hinaufsteige. Zorn und Leid wollen wir gegen ihn los- 1 
lassen, damit er den Mann, seinen Beistand, vergesse. Wir wollen 
ihn durch unser großes Mysterium fangen, damit er nicht nach 
seinen Helfern frage. Wir wollen ihn in harte Gefangenschaft 
bringen, damit er die himmlischen Reden vergesse. Schwere Krank- 
heit wollen wir gegen ihn loslassen, damit er seinen Herrn aus dem 1 
<>1 Sinne verliere. || Wir wollen ihn unseren Gesang und unser Lallen 
lehren, damit er sein Gebet einer jeden Zeit vergesse. Lassen 
wir ihn in große Verfolgung und in die Kümmernisse dieser Welt 



j) Der Text hat irrtümlich „deiner". 

2) "lpiöS hat wie im jüdischen Aramäisch (vgl. Levy's Wörterbb. s.v.), 
so auch im Mandäischen, neben „suchen, untersuchen, prüfen" (hier; 
[43, 7 j [ 57> 8; GL iij.-'iir.) auch die Bedeutung „erkennen": 134,12; 
[63,4. Das Leidener Glossar hat in seiner verworrenen Art p. 46: ^.xüz 
"ttiMfi« j*«xj ^ä»; certiorem fieri; p. [14: ---^"n:. -ip'02 ^r*j ^ifs. 
conföteri; p. [58: sn - pc3 wi^u* im ii. 

3) Bei N:.N2":Nr; schwankt der Gebrauch zwischen Abstrakturo und 
Konkretum. Wie hier steht es auch sonst parallel oder koordiniert mit 
N"— 1. vgl. Nöld., p. 4 t8. Andererseits stehl es GL 22, 19 parallel N3mb^2, 
und dem entspricht auch di< Bedeutung des syrischen \.^jm vgl. Bar'Ali 
3255; Nöldeke, ZDMG XXVI] (1873), p. 500*. Auch ist davon ein 
besonderes Abstraktum NmüNaaNn gebildet. I. X. Epstein's Ableitung 
ZATW XXXIII (1913), p. 225 scheint mir sehr zweifelhaft. 

Ahnliche Ausführungen GR 335; 369. 



Sinn -Kusta. 65 



geraten. Lassen wir Wut 1 gegen ihn los, damit er sein Gebet 
der Nacht vergesse. Halten wir ihn mit unseren bösen Schlingen 
zurück, damit er nicht zum Hause des gewaltigen (Lebens) empor- 



steige." 



5 Als die Planeten, deren Augen das Licht nicht schauen, so 

sprachen, [erwiderte ich]: „Ich komme durch eure Geheimkünste 
nicht zu Falle, und durch eure Anstöße komme ich nicht zum 
Straucheln. Ich höre nicht auf eure Rede, und euer loderndes 
Feuer verzehrt mich nicht. Ich lasse mich nicht in eurer Behausung 

10 zurückhalten und vergesse 2 nicht meine Helfer. Ich höre nicht auf 
euer frevelhaftes Wort und vergesse nicht meinen Herrn aus meinem 
Sinne. Nicht drückt mich euer Zorn und eure Verfolgung, und 
nicht unterlasse ich die himmlischen Reden. Nicht drücken mich 
eure Bemühungen (um mich) 8 , und nicht gebe ich mein Gebet der 

15 Nacht auf. Nicht lasse ich mich in eure Wohnung einschließen 
und in eure Pläne verwickeln, und nicht gebe ich die Gebete einer 
jeden Zeit auf. Ich vergesse nicht das große Leben und bin nach 
Vergänglichem nicht lüstern. Ich vergesse nicht die verborgenen 
Uthras, || meine Brüder, und lasse mich nicht in der Wohnung der 62 

20 Untreue zurückhalten. Ich vergesse nicht die Lobpreisung meines 
Vaters 4 , und euer Zorn drückt mich nicht. Ich vergesse nicht meine 
verborgenen Bücher 5 und habe kein Verlangen nach eurem 6 nich- 
tigen Gesänge. Ich vergesse nicht jene meine Gebete, und aufge- 
halten habe ich 7 eure Bemühungen um mich, daß ich meinen Herrn 

25 vergesse; nicht ist meine Rede von vergänglichen Dingen. Wer 
sollte seine Familie s vergessen und nach der Wohnung der ver- 

1) Wohl keine bloße Verschreibung für NtTK, das B hat, sondern 
ein anderes Wort verwandten Sinnes. 

2) Die Handschriften schwanken bei N'i3: durchweg zwischen Ethpeel 
und Aphel. Ethpeel ist häufiger wie auch in den Targumen. Hierin 
und noch mehr bei der Endung ;>r oder fr ist im folgenden eine heu- 
lt isc Verwirrung. 

3) Vgl. 62,5. 

4) Siehe oben S. 30 1 . 

5) Zu 'WTö vgl. auch 64, 11; 65, 14. 

6) Lies h ,l31fiWrV. 

7) Siehe oben S. 61 5. 

8) B hat Nrr und auch die anderen Handschriften scheinen N zu 
haben, dennoch ist !=JnN«?fiWN zu lesen. Zu xnxONrN vgl. Nöld., p. 183. 
Man erwartet hier freilich einen Gegensatz zu Vergänglichem. Der Aus- 

Lidzbarski, Johannesbuch. 5 



Su m - kusta. 



gänglichen Dinge Verlangen haben? Wer sollte die Rede vom 
Leben, die Lobpreisung des großen Lebens und sein Gebet ver- 
gessen, um von der Täuschung dieser Welt zu sprechen und zu 
hören? Wer sollte das Gebet und die Lobpreisung seiner Eltern 
vergessen, um in dem körperlichen Rumpf wohnen zu wollen, der 5 
ganz von Schmerzen und Fehlern voll ist? Wenn das große Leben 
mich wünscht, soll meine Gestalt zu seinen Wohnsitzen empor- 
steigen. Der Körper halte seinen Herrn und dessen ganzes Haus 
zurück. 1 Dunkelheit schlage das Haupt ihrer Diener. Ich steige 
63 zum Hause des großen Lebens empor, wohne || an der Spitze des 10 

' 2 und vergesse nicht meine Helfer." 

Und das Leben ist siegreich. 



druck findet sich auch einigemal im As far Malwäge: NnNlZ3N:s ma p. 61, 

l. ult; 72,7 t.; ndnonsnI Nn-Na 75,13; 112,5. 

1) Der Satz ist nicht klar; der Herr des Körpers ist vielleicht der- 
jenige, der sich au ihn hält. Besser würde SnaN passen, das der Par- 
allelsatz hat. 

2) Nöld., j). 39, 15 ist 6WW3 mit „Ende" übersetzt. Dies paßt nur 
für die Verbindung N^a^N nöHWD, die auch an der von Nöldeke an- 
geführten Stelle (GR 378, 38) steht. Dieses n&UWa t.ist durchweg in 
der Wendung n-:tn nNSWob s-:?x (GR 99, 24; 242,4; 270,3; 28(1,17; 
378,38; 393,6; Joh 3,6; 4,7); nur GR 175,20 steht naxn-ob Mtoarab 
n-:tx — muH zu einem Nomen &tnat7a ,, 3 gehören. Nöldeke leitet es 
zweifelnd von 'f'-J) ••zusammenziehen" ab; vielleicht ist es < DX]?. 

Daneben findet sieh oft ein Wort NJWO, das zu einem mehrmals ' 
vorkommenden Verb yiZZ (GR 2 38, 26; 239,20; 240,22; 297, 9) gehört. 
NÖLDEKE bemerkt a.a.O.: „Die sonstige Wurzel yi2Z (Stellen) bedeutet 
wohl „emporsprudeln" und dürfte mit j*+> yvp (vgl. NSB]5 „Heuschrecke- 1 ) 
identisch sein.- Wo yzz für sieh steht, an den ersten beiden Stellen, 
t es intransitiv, parallel bzw. koordiniert NT! „entstehen" und N^pTiy 
„geschaffen werden", doch an den beiden anderen Stellen transitiv mit 
RKWO als Objekt, [oh 224, 10 kann ywaa intransitiv wie transitiv sein, 
liier könnte es „emporsprudeln" oder „emporsprudeln lassen" heißen. 
Aber bei K"n b iNT , M N--Ni Kaw>2 yswa GR 297,9 kann yaa diesen Sinn 
nicht haben. In der Oxf. Rolle (!. 779 ff. steht: jons-n ?- arr- yy 
ü'-ü--. fcTDix^NE nj::nz:- N-'Jirs:- Niöa&om Niöa&pm »SKaTipl flmsb 

•,-~~'T":n~ „Wenn es Rühä ist. die auf dem Munde des (kaum 

„des Opfers" "der ..ihres Opfers" in unserem Sinne, gemeint ist jeden- 
falls der Mund des |ahja) sitzt und austrocknet, niederdrückt, krank macht 

und das Gesicht (lies ^DnX'nNB) des Jahja Ram-Zihrun." Hier 

paßt für yizz sehr gut yizj; „und zusammenpreßt". Auch bei N£723 



Sum-Kustä. 67 



17. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Sum-Kustä steht da, trägt vor und belehrt. Sum bar Nu, Sum 
steht in Treue da und spricht: .,Ich war nicht ein Sohn des Hauses 1 , 

5 und meine Gestalt war nicht von den vergänglichen Dingen. Meine 
Wurzel ist nicht von der Welt, und die Bösen vergehen sich nicht 
an mir. Die Planeten stellten sich wieder auf 2 und sprechen mit 
mir: „O du fremder Mann, der du keinen Herrn und keine Herrin 
hast. Was willst du allein an einem Orte anfangen, an dem die 

10 Bösen so zahlreich sind? Wenn sie schwere Krankheit gegen dich 
loslassen, wer wird dir ein Arzt sein? Wenn die Bösen dich in 
ihrer Burg fesseln, wer wird dir ein Befreier sein? Wenn sie dir 
Fangstricke auf den Weg werfen, wer wird dir ein Erlöser sein: :; 
Ein Erlöser wird wer dir sein, wer dir ein Retter? Ein Haus 1 bist 

15 du), dessen Herr es verlassen und dessen Baumeister davon gewichen 
ist. Das Leben faßte seinen eigenen Plan und || stieg ganz 1 zum <>4 
Orte des Lichtes empor. Jetzt bist du uns in die Hände gefallen, 
so daß du nicht wieder herausfällst. Du bist in unserer Burg ge- 
fesselt, daß du dich nicht losmachen kannst. Du wurdest durch 

20 unseren Griff gepackt und durch unsere Werke abgeschlossen. 



„Grube" schwankt ja 3 und p, vgl. Dalman, Wörterbuch, p. 305a. s. 
Ni:"2p_. Dieses yiz'p kann sehr wohl in die kosmogonische Terminologie 
hineingeraten sein, etwa in Anlehnung an die Tätigkeit des Töpfers, der 
den Ton in der Hand zusammendrückt, um ihn zu dichten. Das Wort 
würde sich also mit NDM berühren. Aber wenn auch an einigen Stellen 
„Schöpfung" ikI. ähnl. passen würde (hier: 220, 4; GR J40, 3. 16, 22) 
297,9), allenfalls auch GR 307, 22 (parallel x-;,", doch auch aONO, also 
eventuell = NnX73"0), durchführen läßt sich diese Auffassung nicht, siehe 
224, 10 f.; GL 65,22; 67,12. [n der Bleirolle Floril&gium Melchior de 
Vogüe, p. 334, Z. 51 steht NS'rrr parallel N*:: und n:-T. Da kann es 
allenfalls „Verdichtung", nicht aber ..Schöpfung" schlechthin bedeuten. 
Die Übersetzung ..(Welten)ende" ist aufzugeben. Auch in den Nold., 
p. 476 unt. übersetzten Worten GL 53, 23 nVsi-X? ttlWOb SSV- (so im 
Text) heißt Nj:":"^ nicht ..Ende". ..Die Verfi >Igung kann- nicht zu Ende" 
hieße anders, etwa flbfittnsb XjT'I'D NS-"-r. 

1) D. h. dieser Welt, siehe oben S. 7 5. 

2) ~"2'a- wäre ..sie stellten mich auf", aber es dürfte für "?2"X~ 
oder für "j"P73JSp verschrieben sein, vgl. N""-*N~ B. 

3) Vgl. Nöld., p. 418. 

4) In pfibllDl (im Druck ist das dritte Waw abgesprungen) scheint eine 
Verderbnis vorzuliegen, vgl. 66, 1 f. 

5* 



68 Sinn - Kustä. 



[Abgeschlossen bist du] in unserer Burg, daß dein Helfer nicht zu 
dir gelangen und der Mann, dein Beistand, nicht nach dir fragen 
kann." 

Als Sum bar Nu dies hörte, kamen ihm die Tränen und hörten 
nicht auf. „Das Leben ist nicht da", spricht er, „nicht Mandfi 5 
dHaije am Orte des Lichtes. 1 Silmai und Nidbai 2 haben sich davon 
gemacht, und Sonntag 3 ist in die Höhe gestiegen. Der Vorabend 
des Tages 4 hat mich verlassen, und vergessen haben mich die 
Uthras, die mich hierher gebracht. Verloren gehen meine Taufen, 
und meines Zeichens gedenken sie mir nicht im Hause meines ro 
Vaters. Vergessen haben sie meine Reden 5 und meine Bücher, 
und zunichte geworden ist mein Gebet der Nacht. Verlassen 



1) Im Pariser Diwan, 1 352 ff. heißt es: STTMlNn 'pNiTl bltWM 

n-5:n?:j m^bi «""h n-\\b ■p'-uN -^rrn iBNasbn -pt-ib-oa ama-il x^ä^rro 
— 3>i Nn»37a -piNi-n )frFtxvn*\ ya 'j'PswNn b^Bta -pr- -nina iNHNa N^-i 

ÄOTtürTl N^N": „Da es Priester und Bischöfe gibt, die Hochmut ganz be- 
deckt, die sagen: „Das Leben ist nicht da, nicht Mandä dHaije am Orte 
des Lichtes-', so ist ihnen die Krone vom Haupte heruntergefallen, und 
sie werden ein Anteil des Ur, des Herrn der Finsternis." 

2) Siehe die Einleitung. 

3) Der Sonntag wird von den Mandäern heilig gehalten, vgl. Brandt, 
Rel., p. 90; SlOUFFl, p. 143. GR 288,9: „Der Tag ist älter als die Nacht 
und der Sonntag älter als der Sonnabend." NnNC3Nr; findet sich oft 
personifiziert, siehe oben S. 44 und Siouffl, p. 12; 39,25; 143. Morg 
1 r 5, 5 fT. (= Oxf. Rolle F, 77 ff.) steht ein Gebet an ihn: „O gepriesener 
Sonntag, reiner Hüter des Lichtes, Äther, reines Licht, Retter, der ganz 
Wohltat ist, Unsichtbarer, Unendlicher! Sei mir (Oxf. F hier und im 
folgenden NT: 1 *—) ein Erhörer und erhöre mich, sei mir eine Stütze und 
stütze mich, sei mir ein Aufrichter und richte auf (Oxf. F NW'Npl) diese 
meine Seele des NN." Im Mcmd. Diwan C, 2, 27, 28 wird eine Nn1NE3«?3 
KiNlZJaNJ-J-i genannt. 

4) Ebenso wie der Sonntag wird N»T &TS3N heilig gehalten. Er 
wird öfter zusammen mit Sonntag genannt: 78, I ; 213,5; GR 285, 11 ff.; 
288,3; GL 37, 13. Sein Name ist teuer: 84,8; 94,13; 112,14}- Morg 
70,6. Am N?:" 1 N~r:"N soll der Mandäer sich seiner Frau nicht nähern: 
Qol 72, (8. N"£3N steht III ob. vor den verschiedenen Wochentagen und 
bezeichnet nach dieser Stelle den Abend oder die Nacht vor dem be- 
treffenden Tage. Da n*d:n mit den sieben Wochentagen und nachher noch 
besonders N73T N n r::N genannt wird, kann K73V nicht einen Tag der Woche 
bezeichnen, [ch vermute, daß N»T> (P52K der Vorabend des Neujahrs- 
tages ist. 

5) A hat NpN-nN mit darübergeschriebenem *, das ist --NiaN — in, 
wie zu lesen ist, vgl. auch 65, I )• 



Sum-Kustä. 6g 



haben mich die verborgenen Hüter, im Stich gelassen die Männer, 
die mich (hierher) gebracht." 

Als Sum bar Nu dies sagte, kam der Bote, der Helfer 1 , 6r> 
herangeflogen. Es kam der große Helfer, der Bote, den das Leben 

5 gesandt. Er zerbrach 2 ihre Wachthäuser und schlug eine Bresche 
in ihre Feste. 3 Er sprach zu ihm: „Was weinst du, Sum bar Nu? 
Wie das Senken der Augenwimper 4 (so rasch) bin ich hierher 
gekommen. Was haben die Bösen dir angetan, was die Sünder 
gegen dich verbrochen, gegen dich, den alle Uthras lieb gewonnen, 

10 dem die Erde des Lichtes ein Beistand ist?" Der Auserwählte 5 
ruft belehrend dem Manne Sum zu und spricht: „Was haben die 
Bösen dir angetan, daß dein Herz in Zwiespalt geraten ist, daß du 
sagst: .Das Leben ist nicht da, nicht Mandä dHaije am Orte des 
Lichtes. Ein Haus bin ich, das sein Herr verlassen und dessen 

15 Baumeister davon gewichen ist. Silmai und Nidbai haben sich davon 
gemacht, und Sonntag ist in die Höhe gestiegen. Vergessen haben 
sie meine Taufe, und meines Zeichens wird nicht im Hause meines 
Vaters gedacht. Vergessen haben sie meine Reden und Bücher, 
und gehemmt wurden meine Gebete jeder Zeit. Zunichte wurde 

jo meine Anbetung, || zunichte mein Gebet der Nacht. Das Leben <>6 
rechnete seine eigene Rechnung und sein Maß für jede Zeit aus.' 
Sum, wer hat gesagt, daß du hier gefesselt werdest und die Bösen 
dich in ihrer Feste gefangen halten sollen? Ein Mann, dessen 
Name im Hause des großen Lebens eingeschrieben ist, wird nicht 

25 in der Wohnung der Sünder gefesselt. Nach wem seine Helfer 



1) An erster Stelle haben die Handschriften iO^N:, an zweiter 
N3CN:, wo jedenfalls auch KlaStftH zu lesen ist, siehe S. 27 1 . Zur Wendung 
vgl. GR 354.23; 363,1; GL 133, 13 f. 

2) Es sollte INan, -lN3Nn oder -p-iasn heißen, vgl. auch GL 95, I. 

3) Vgl. auch GR 354,8: GL 13,18; 95,20'.; 107,7,14; 124,7 t.; 
Morg 48, 13. Eins mit NDS^Ö bedeutet „den Mund verziehen" (zum 
Hohn): GR247, 13; 266,6; GL 64,21; 00,23; 95,22, wie im Talmud 
(Lew, Neuhcbr. Wörterb. IV, p. nob), vgl. auch Payne- Smith, 3257. 

4) Lies NDNT. DS1 bedeutet eigentlich „treten- 1 . Die Wendung 
steht auch 190, 17; GR 281, 22 f.; WN ÖKEn^Ö hv GR 247, 18; 260, 3; mit 
KT» (eine Handschrift WS«) Qol 54, II. Von der ursprünglichen Bedeutung 
..mit den Füßen treten" her bezeichnet syr. \aL20i eine kleine Zeiteinheit, 
vgl. Bar Bahlll, 1501; Payne-Smith, 3965; Brcklm., 359a. 

5) Im Text steht irrtümlich der Plural. 



•(, Jahja-Jöhäna. 



fragen, wird nicht durch den Griff der Bösen gepackt. 1 Ihn ver- 
zehrt nicht das brennende Feuer. Denke an uns und rufe uns, 
damit wir dich zu uns laden und du in unserer Skinä'-' eine Stütze 
findest. Die Sieben, die dich verfolgt haben, gehen zugrunde, du 
aber steigst zum Lichte empor." 5 

Und das Leben ist siegreich. 



Jahja-Johänä. 

Die Erzählungen von Johannes nehmen einen großen Teil des Sidrä 
ein. und nach ihnen hat es den einen seiner Namen erhalten. Sie waren 
es auch, derentwegen man dieser Schrift schon früh besondere Aufmerk- i<> 
samkeit zuwandte. Daß in ihnen kein neues historisches Material über 
den Täufer zu erwarten sei. konnte man sich von vornherein sagen, aber 
.null die Annahme, alte legendarische Bildungen in ihnen zu linden, 
wurden enttäuscht. 

Die Erzählungen des Ginzä über Johannes sind Brandt, Rel., p. jj<S; [5 
Sehr., p. io.S ff. übersetzt, vgl. auch Rel., p. 137 t. In ihnen, wie in den 
Stücken des Tohannesbuches sind die Berührungen mit den neutestament- 
lichen Berichten gering. Keiner der Verfasser hat das XT direkt benutzt. 
Bekannt sind: die Namen der Eltern, ihr hohes Alter, die Namengebung, 
die Tauft' Christi, die Erscheinung des heiligen ( ieistes in der Gestalt 20 
einer Taube. Vom Ende des |ohanues, das am ehesten in der Erinne- 
rung bleiben mußte, zeigt sich keinerlei Kenntnis, und daß die Erzählung 
GR [89fr. entstehen konnte, zeigt, daß die Mandäer wirklich nichts davon 
wußten. Auch der charakteristische Zug vom Verstummen des Zacharias 
(Luc. 1,22), der auch zu .Muhainnied gedrungen ist (Sur. 3,36; I ij. I I ), 25 
i-t nicht bekannt. Dagegen hat sich eine neue [ugendgeschichte gebildet, 
in der beliebte und verbreitete Motive verwertet sind. 

Der (ieburt gehen Träume voraus, die ungewöhnliche Ilimmels- 
erscheinungen zum Inhalt haben. Der Zug vom Stern, der über Elisabeth 
stellen bleibt, isl wahrscheinlich durch das XT beeinflußt. Nicht ohne 30 
Humor i^t der schlaftrunkene Traumdeuter gezeichnet. Sein Name Liljukh 



1 ) Lies ^-:t-:n:. 
2) Lies "Nr:"w2. 



Jahja-Jöhänä. y \ 



kommt sonst nicht vor, auch ist die Erklärung der Form nicht sicher. 
Er kann *"T „Nacht" enthalten und für diesen Fall gebildet oder eine 
reduplizierte Koseform sein. Als Vorbedeutung erscheinen auch drei 
Lampen um Zacharias. Als Mani vor Säpür trat, erschien nach dem 
5 Fihrist (p. 328,27; Flügel, Muni. p. 171) auf seinen Schultern ..etwas 
wie zwei Lampen von Licht" ()y ^ ^^a-l^-J! J^o). Aller dies soll wohl 
ein Gegenstück zu den beiden Schlangen des Azdahak sein. 

Das erste Stück enthält viele Xamen , die jüdisch sind oder sein 
sollen. Der Verfasser hatte in Babylonien Gelegenheit genug, jüdische 

ic Namen zu erfahren, und eine Anzahl Namen sind es in der Tat. yz~* 3NU 
EvrjjLieQog ist in der Form iQ-paü mehrmals bei Juden belegt. Der be- 
kannteste Träger dieses Namens ist der sogen. "£N 3~ ~3 ~"2, der Schul- 
haupt von Sura war und 4OS gestorben sein soll , vgl. Seder haddorolh 
(Warschau 1897) 1. p. 168a; II, p. 1,50a. Die auch im Ginzä zusammen- 

13 genannten EppfiT und *püN N":^ (R 332, 5) sind Jakob und Beniamin. 
Der erste Name zeigt eine Aussprache, die dem jankef der polnischen Juden 
nahesteht; der Name wurde nur gehört, nicht gelesen. In "p73N N"2, 
d. h. Söhne des Amin oder Amen, zeigt sich ein arges Mißverständnis. 1 
Viele Namen sind aber ganz künstlich gebildet, und wenn man auch 

_'o vieles dem Wunsche zuschreiben mag, Namenpaare zu gewinnen, so zeigen 
die Formen doch, daß der Verfasser jüdischen Kreisen fern stand. 

Auf Kap. iS sollte Kap. 32 folgen. Aber wie im ganzen Buche 
zeigt sich auch in diesem Teile die Tendenz, Zusammengehöriges durch 
Einschachtelungen auseinanderzureißen. Es sind Stücke eingefügt, die 

25 Johannes in einem späteren Alter handelnd oder redend einführen, vgl. 
auch GR 213 ff. Auch seine Heirat wird hier erzählt. Erst p. riöff. 
kommt der Abschnitt über seine Geburt und seine ersten Jahre. Die 
Verhandlungen über die Namengebung gehen auf Luc. 1,50, ff. zurück. 
Die Entführung auf einen Berg ist vielleicht durch die Geschichte des Zal 

30 beeinflußt (Schahname, ed. Mohl, I, p. 220). 

In Kap. 21 werden Mirjai und Enisbai zusammen genannt. Es ge- 
schieht nur hier, und auch dies beruht auf einer älteren Reminiszenz. 
Als Mutter Jesu kennen die mandäischen Schriften nur Miriam. Mirjai 

1) Es ist kein Scherz, wie sich ihn Christian Morgenstern mit 
einem anderen x-amin in den Galgenliedern geleistet hat: 

Dinge gehen vor im Mond, 
die das Kalb selbst nicht gewohnt. 

Tulemond und Mondamin 

liegen heulend auf den Knien. 



12 Jahjä-Jöhänä. 



ist für sie die Heldin einer Legende über die Verpflanzung der man- 
däischen Religion von Jerusalem nach Babylonien, vgl. Kap. 34 f. Aber 
sie ist mit der Mutter Christi identisch, und ihr Name ist zusammen mit 
dem der Elisabeth zu ihnen gelangt. Die Namen beider sind auch in 
dasselbe Schema hineingezwängt, siehe die Einleitung. Die für Zacharias 5 
stehend angewandte Bezeichnung N3ND NnN „der greise Vater" findet sich 
auch GR 57,5. Hingegen wird GR 190,13 Johannes von Mandä (IHaije 
sii angeredet. 

Der Satz ,. jahjä predigt in den Nächten, Jöhänä an den Abenden 
der Nacht" wird ursprünglich nur an der Spitze der Kapitel gestanden 10 
hüben, in denen Johannes redend und belehrend auftritt, vgl. auch S. 58 ff. 
Verkehrterweise wurde er dann auch vor die Stücke gesetzt, die von ihm 
erzählen. Nach diesem Satze stehen in einigen Stücken Äußerungen über 
ungewöhnliche Naturerscheinungen (St. 20, 28, 31, $2, 33). Sie sind 
abgerissen, last unverständlich und stehen mit der folgenden Erzählung 15 
in keinem Zusammenhange. Auf die Wahl dieser Eingänge hat wohl die 
Art eingewirkt, die Schilderungen bedeutsamer Ereignisse durch die Er- 
zählung von ungewöhnlichen Vorgängen in der Natur, die ihnen voraus- 
gingen , einzuführen. 

In Stück 22 ist ausführlich vom Islam die Rede, und die Art, wie 20 
von dessen Anfängen gesprochen wird, weist auf eine spätere Zeit hin. 
Die Anspielung auf das Verbot des Semantmn und die Vorschriften über 
die Kleidung (^4,4, 11) könnten sich zwar auf die Verordnungen des 
Omar beziehen, aber wahrscheinlich haben sie die scharfen Maßnahmen 
dir ersten Ahbassiden gegen die Andersgläubigen im Auge (vgl. Kremer, 25 
Culturgeschichte des Orients 11, p. [67 f.). 7,5.') ist von einer „Kuppel 
der Priester- die Rv(U\ vgl. auch Nbl^j NÜttlp 140, 14. Es gab meines 
Wissens am Tempel in Jerusalem keinen Ort, der so (etwa Z":r~i2~ n3|5 ) 
nannt wurde. Am h Herr Prot. S. KRAUSS in Wien schreibt mir auf 
«ine Anfrage, daß ein solcher Ausdruck sich im Talmud und Midrasch 30 
nicht finde. Ich halte es nun für möglich, daß sich hier eine Kunde 
vom Felsendom widerspiegle. Man hatte von dem berühmten Bau gehört, 
hatte aber keine Kenntnis von seiner Entstehung und glaubte, daß er 
seh, ,n zum alten Tempel gehört habe. 1 Auch dies weist auf eine spätere 
Zeit hin. 35 



i) In der Renaissance wurde mehrfach das Bild des Felsendoms 
zur Darstellung des alten Tempels benutzt, so von Perugino in IVtii 
Schlüsselübergabe, von Raffael in der Vermählung Mariae. 



Jahjä-Jöhänä. 73 



Für diese Frage nicht zu verwerten ist Z-HX - :: 74, 12. Auf den 
ersten Blick sieht es aus, als ob es das arabische f*^yi\ wäre, und mau 
könnte daraus schließen, daß zur Zeit des Verfassers bereits diese Form 
bei den Juden verbreitet war. Andererseits ist f^V-i wahrscheinlich bei 
5 den Arabern entstanden, von ihnen nach J^U-l gebildet (vgl. Ephcm. II, 
p. 44 r ). Aber GR 45, 14: 4<>. 7: 381, i<> findet sich CTlN-ns. Daß 
dieses pc ifc, r*! st 'i- ' sl unwahrscheinlich. Ich vermute vielmehr, dal') es 
auf eine Aussprache abrähem zurückgeht. Der Ton hatte sich auf die 
Panultima gelegt, und unter dessen Einfluß schwächte sich das benach- 
io barte a zu e ab, ein Vorgang, der sich auch beim awröhem der Asch- 
kenazim zeigt. 

Besonders aber spricht für die Jugend der Stücke, daß Johannes in 
ihnen neben NrNH" auch N"nN", d. h. mit der arabischen Form des 
Namens benannt wird. Selbstverständlich kann hie und da die jüngere 
15 Form später eingefügt oder an Stelle von n:n-" gesetzt worden sein, 
aber bei den sonstigen Indizien für die Jugend liegt für diese Annahme 
kein Anlaß vor. 

Das Verhältnis des arabischen ^2*4 zu -jSrn" 1 ist bis jetzt nicht auf- 
geklärt. In Fischers Arab. Chrestomathie, wo die Frage zuletzt berührt 
20 ist (Glossar, p. 155b), wird ^-^i als eine Entlehnung aus dem Aramäischen 
angesehen und auf das mandäische NTIN* hingewiesen. Tatsächlich aber 
ist ^z&i ein rein arabischer Name; er ist das regelmäßige Imprf. 3. sing, 
m. zu LS ^-. Daß die arabische Orthographie vorschreibt, diese Form, im 
Gegensatz zum Namen, ^c 5 ^ zu schreiben, ist ohne Belang. Der Name 
25 kommt auch bereits in nabatäischen und sinaitischen Inschriften vor: N"~- 
in el-'Öla Rev. bibl. 1914, p. 267 unt.; 1 ~rr am Sinai CIS II, 1026. Als 
die Juden in Arabien eingewandert waren und sich da heimisch fühlten, 
ersetzten sie, wie sie es sonst zu tun pflegen und andere es tun (Ephem. 
II, p. 341 f.), ihre Namen durch einheimische. Für die Wahl des fremden 
30 Namens genügen geringfügige lautliche Übereinstimmungen. Juden, die 
"nv hießen, nahmen den Namen ^^i an, wie später ^^^i für ----- 
gewählt wurde. 2 Die Juden lieben Namen, die den Begriff des Lebens 
enthalten (C^n, rpn, Vital u. and.) und hängen ja das Wort „Leben" 
auch an andere Namen an. So paßte ihnen der Name ^t^i sehr gut. 



1) In einer ebenda mitgeteilten Grabschrift aus el- c ÖIa vom Jahre 
307 n. Chr. wird vielleicht auch ein Jude ''.'Jiyc "U HPtP genannt. 

2) Vgl. meine Dissertation De propheücis , quae dieuittur, legendis 
Arabieis, Berlin 1893, p. 34 t. 



74 



| ahüi - I <>huii;i 



[nfolge des Brauches bei den luden, überall wo der Name in kultischem 
Zusammenhange genannt wird, namentlich in hebräischen (lebeten, nicht 
den fremden, sondern den hebräischen Namen zu nennen, bleibt die 
Kenntnis des hebräischen Namens und seine Beziehung zum fremden er- 
halten. Wie jetzt ein deutscher Jude, der nicht historisch und philologisch 5 
gebildet ist, einfach sagt, hebräisch heiße er Abraham, deutsch Alfred, 
hebräisch Isaak oder Israel, deutsch Isidor oder Ismar, hebräisch Mose, 
deutsch Moritz, so konnten auch die arabischen Juden in späteren Gene- 
rationell glauben, daß hebräisch ",:nv und arabisch ^-^i einander ent- 
sprechen. So wurde auch von Arabern, wohl zunächst von christlichen, 10 
der hebräische Name des Täufers durch ^**4 ersetzt. Muhammeds 
Äußerung, daß der Name des Täufers vorher nicht gebraucht worden sei 
(Sur. [9,8), geht auf Luc. 1,61 zurück. Das Mißverständnis wird Muham- 
med übernommen haben. 1 

hh schwankte, ob ich N'NItr Johanna oder Jöhänä umschreiben 15 
sollte. Ich habe mich für letzteres entschieden. Die Form Nim" 1 findet 
sich auch bei den Juden. Hierin ist das ausgehende" einfach abgeworfen, 
und die übliche Transkription Ninr ist berechtigt. Bei Kurzformen treten 



1) Hier sei eine Bemerkung über einen anderen hebräisch-arabischen 

Namen, über n ; ::d -^W'**'} angefügt. Im Gegensatz zu Nöldeke, ZDMG 
XV (1861), p. 806'' und Lagarde, Übersieht, p. 86 nehme ich folgenden 

Zusammenhang an. o)^- ist ein echt arabischer Name, das Deminutiv 

zu yjUJLi;. Kr wurde in Arabien von |uden, die rttf^lü hießen, angenommen. 
Vielleicht hat das Deminutiv erst bei ihnen besondere Verbreitung gefunden, 
denn die Juden haben eine Vorliebe für verkleinerte Namen. Auch jetzt 
kommt es vor, daß jüdische Namen in der Form, die sie in einem be- 
stimmten Lande angenommen haben, von Juden in einem anderen Lande 
entlehnt werden. So wurde pT'N, d. h. Isaak in englischer Aussprache, 
schon früh von deutschen Juden übernommen u\x\ bürgerte sieh bei ihnen 

neben Isaak, ttzig ein. Ebenso, glaube ich, ist c j , »*c i *- aus Arabien nach 
Norden zu aramäisch sprechenden Juden gewandert und wurde von ihnen 
regelrecht zu ■p-i-Vd umgewandelt. Daß die Endung y\ < an gerade in 
den arabisch - syrischen Grenzgebieten als Nominalendung vorkam, wissen 
wir aus den Denkmälern (vgl. die Zusammenstellung bei BROCKELMANN, 
Grundriß I. p. [43«). Auch da blieb es den Juden bekannt, daß 
y~.~'~'Z hebräis« hem rrirz entspreche. Natürlich haben sie die aramaisierte 
Form besonders Aramäern gegenüber gebraucht, und als die aramäischen 
Bibelübersetzungen entstanden, wurde sie auch in ihnen für rpfbd ein- 
etzt. Hingegen haben die Juden in den Targumen für die historischen 
■ neu die alten hebräischen Namen beibehalten. 



Jahjä-Jöhänä. 75 



zwar Verdopplungen von Konsonanten ein, aber gewöhnlich nur bei 
stärkeren Kürzungen. "Icodvvtjg ist aus icoavavt}^ entstanden, vgl. "Ioiavdv 
Luc 3,27. Das syrische . fno« ist wahrscheinlich durch das eigene 
_!*», beeinflußt. Die uoctrvna Addai nennt einen <-3L*- Der Name ist 
5 vielleicht wirklich alt. „Im ist für sich als Name denkbar, es kann aber 
auch aus einem theophoren Namen abgekürzt sein. Dieses "» " kann 

3 7 

auf , ImO* wie sonst auf die Wiedergabe hebräischer Namen eingewirkt 
haben, vgl. Payne-Smith, 1321. Für die Auffassung des mandäischen 
n:n~"^ ist die syrische Form und das aus ihr geflossene ^^-yi nicht maß- 
te- gebend. S101 tri hat Youhono und Petermann nach dem Priester Jahjä 
(Reisen II, p. 454) Jehana, beide mit einfachem n. 



18. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Ein Kind wurde aus der Höhe gepflanzt, ein Mysterium in 

15 Jerusalem offenbart. Träume sahen die Priester, Erstarrung befiel 
dessen Kinder 1 , Erstarrung befiel Jerusalem. Am Morgen ging er- 
früh nach dem Tempel. Er öffnete seinen Mund || in Frevel und 67 
seine Lippen der Lüge. Er öffnete seinen Mund in Frevel und 
sprach zu allen Priestern: „In meinem Gesichte der Nacht schaute 

jo ich, [ich schaute) in meinem Gesichte. Als ich dalag, schlief ich 
nicht 3 und ruhte nicht, und nicht befiel mich Schlaf bei Nacht. Ich 
schlief nicht und ruhte nicht (und schaute), daß ein Stern erschien 
und über Enisbai stehen blieb. Feuer brannte an Abu Säba 
Zakhriä; drei Himmelslichter (Lampen) erschienen. Die Sonne 

2 5 g m g unter, und die Lichter gingen auf. Feuer hing 4 am Volks- 



1) In A und D ist es zweifelhaft, ob fth'Vz oder isbl5>5, C hat "'»buo. 
Die Bedeutung ist recht unsicher; es sieht aus, als ob da ein Ortsname 
parallel 3Nr£N~)"' stände, aber an den Fluß "Nr"" (1411,4) ist nicht zu 
denken. Nr*r2 ist vielleicht durch 67, 1 beeinflußt. 

2) Wer? SlOUFFl, p. 4 hat ..im des Juifs". 

3) An dieser Stelle haben alle Handschriften n*"-":xr, während an 
den anderen Stellen (hier Z. 4: 69,6; [28,11) einzelne Handschriften 
das an sich richtigere n">32ö« haben, vgl. auch Nöld., p. 248, 15 f. rPW'a 
ist durch rraS^ffl beeinflußt, wohl nicht nur unter der Hand der Ab- 
schreiber, sondern auch in der Sprache. So hat 141. 4 Cod. A rPT:» 
statt n^-N^ unter Einwirkung v<>n rPS3' , 3, obwohl sie dort nicht unmittel- 
bar nebeneinander stehen, weil Tu und 2:;. gewöhnlich verbunden wer- 
den, vgl. S. 89 2 . 

4) N^n könnte auch heißen „sich anzünden", siehe zu 139,12. 



- M Jahjä-Jöhäna. 



hause 1 , Rauch 2 stieg über dem Tempel auf. Eine Erschütterung 
bebte in der Markabtü 3 , daß die Erde von ihrer Stelle wich. Ein 
Stern flog dahin in Judäa, ein Stern flog dahin » in Jerusalem. Die 
Sonne erschien bei Nacht, und der Mond ging bei Tage auf." 

Als die Priester dies hörten, warfen sie Staub auf ihr Haupt. 5 
jaqif, der Priester, weint, und die Tränen des Beni-Amin fließen. 
Silai und Salbai 5 warfen Staub auf ihr Haupt. Elizar öffnete den 
Mund und sprach zu allen Priestern: „Wer mag das Buch der 
Träume nehmen, und wem ist das Buch der- Gesichte zugänglich? 
Wer mag das Buch der Träume nehmen, daß er euch die Träume to 
(SS deute, die ihr gesehen?" || Elizar (!) öffnete dann den Mund und 
sprach zu allen Priestern: „Jaqif deutet (sonst?) Träume, doch bis 
jetzt versteht er diese nicht. Beni-Amin deutet Träume; ist er nicht 
ein Mann, der eure Geheimnisse verdeckt? (?) Tab-JömTn offenbart 
uns nichts, von dem ihr behauptet, daß er über alles, was ist 15 
und nicht ist, Auskunft geben kann." 



1) Sabbath Babli , f. 32 a findet sich der merkwürdige Ausspruch: 
„ Wegen des Vergehens in zwei Dingen sterben die c Am-haäres, weil 
sie die heilige Lade NITN (wohl N^hN, die aramäische Form für -,ilJ«) 
und weil sie die Synagoge tH rra 'nennen." Ich weiß nicht, worin die 
Schwere der beiden Vergehen liegt, aber jedenfalls zeigt der Ausspruch, 
daß die' Synagoge Z'J rP2 genannt wurde. Der Ausdruck findet sich auch 
GR 56,7, ist aber von Brandt, Sehr., p. 92 mißverstanden. 

2) anttia < «"lölp; über diesen Wandel vgl. Nöld., p. 38 f. Der 
Übergang von p zu i ist ja im Iräq ganz gewöhnlich, siehe auch oben 
S.64 2 . Das Verb dazu ist ^iKüa, auch GR 204,9; Mcuid. Diwan C, 9, 14; 
Pael -\xc:N\-. Oxf. Rolle F, 630: sn" ^NBJWl N" 2b Ki-P1 «-«ni ^NT^Nlm 
„Dann wirf Weihrauch ms Feuer und lasse ihn in Rauch aufsteigen." 

3) Die mS^, Gottes Thronwagen, spielt in der jüdischen Mystik 
ausgehend von Ezechiels Visionen eine grolle Rolle, vgl. E. Bischoff, 
Babylonisch- Astrales, p. [496". Auch in den mandäischen Schritten ist 
NP2N2-N" ein Himmelswagen, aber besonders im Dienste der Planeten: 
[09,11; 11'), 10: 122, 10: 1X0, 10 ff.; GR 74,23b; 171,24; 172,9; 
175,12; 221,5; 3i6,ioff. Der Singular NMfcO^Kö für sich, schlechthin 
als Wagen, gibt hier keinen Sinn. Es dürfte KnKaWlKH zu lesen und 
allgemein aui die Himmelsbahnen zu beziehen sein. 

4) vmt von Meteoren auch GR 392,11,23; Asf. Malwääe, p.259f.; 
1 od. Par. 26, t. 247b. Assyrisch wird saräru so gebraucht, Muss-Arn., 896b. 

5) Die Namen hissen sich beide nicht belegen. -^tria könnte aller- 
dings als Koseform von K^ttJ = Nb^WS existiert haben, -xarNia, wohl 
ursprünglich "^37""C vgl. 74, 12, wäre dann danach gebildet, 



Jahjä-Johänä. yy 



Die Erde murrt zur Unzeit und wird gewälzt durch die Himmels- 
sphärcn. Die Erde öffnet ihren Mund und spricht zu Elizar 1 : 
„Gehet zu Liljukh, daß er euch die Träume deute, die ihr gesehen." 
Da öffnete Elizar den Mund und sprach zu allen Priestern: „Wer 
5 geht zu Liljukh, damit er euch die Träume deute, die ihr gesehen?" 
Sie schrieben dann einen Brief und legten ihn in die Hand des Tfib- 
Jömln. Täb-Jömin nahm den Brief und begab sich zu Liljukh. 
Liljukh lag auf seinem Bette, noch war der Schlaf von ihm nicht 
geflohen. Eine Erschütterung kam ihm ins Herz, brach sein Herz 

10 und brachte es von der Stütze herunter. 2 Täb-Jömin näherte sich 
Liljukh. Täb-Jömin trat an Liljukh heran, rüttelte ihn aus dem 
Schlafe und sprach zu ihm: „Träume || sahen die Priester, Erstarrung 69 
befiel Jerusalem. Am Morgen ging er früh nach dem Tempel. Er 
öffnete seinen Mund in Frevel und seine Lippen der Lüge. Er 

tS öffnete seinen Mund und sprach zu den Priestern: „In meinem Ge- 
sichte (als ich dalag, in meinem Gesichte) der Nacht schaute ich, 
[ich schaute] in meinem Gesichte. Als ich dalag, schlief ich nicht 
und ruhte nicht, und nicht befiel mich bei Nacht der Schlaf. Ich 
schlief nicht und ruhte nicht, da sah ich, daß ein Stern erschien 

20 und über Enisbai stehen blieb. Feuer brannte an Abä Säbä 
Zakhria. Drei Himmelslichter wurden gesehen. Die Sonne ging 
unter, und die Lichter gingen auf. Feuer hing am Volkshause, 
Rauch stieg am Tempel empor. Eine Erschütterung bebte in der 
Markabtä, die Erde wich von ihrer Stelle. Ein Stern flog dahin 

25 in Judäa, ein Stern flog dahin in Jerusalem. Die Sonne erschien 
bei Nacht, und der Mond ging bei Tage auf." 

Als Liljukh dies hörte, warf er Staub auf sein Haupt. Nackt 
erhob sich Liljukh von seinem Bette und brachte das Buch der 
Träume. || Er öffnet es und liest darin und sieht nach, was darin 70 

30 geschrieben steht. Er öffnet es und liest darin und deutet sie (die 
Träume) im stillen, ohne (die Deutungen) laut zu lesen. Er schreibt 
ihnen in einem Briefe und erklärt ihnen auf einem Blatte. Er sagt 
ihnen darin: „Wehe euch Priestern allen, denn Enisbai soll ein 
Kind gebären. Wehe euch Rabbinen 8 , denn ein Kind soll in 

35 Jerusalem geboren werden. Wehe euch, Lehrern und Kna- 



1) Lies -Nrbybi. 

2) Der Text ist wohl nicht ganz in Ordnung. 

3) D^äl, aber sie haben wohl räbbönim gehört. 



-x Jahja-Johäna. 



ben 1 , denn Enisbai soll ein Kind gebären. Wehe dir, Meisterin 
Thora, denn Jöhänä soll in Jerusalem geboren werden. Jöhänä soll 
den Jordan empfangen und Prophet in Jerusalem genannt werden." 

Liljukh schreibt ihnen im Briefe und sagt ihnen: „Der Stern, 
der kam und über Enisbai stehen blieb, (bedeutet): Ein Kind wird 5 
von der oberen Höhe aus gepflanzt, es kommt und wird der Enisbai 
gegeben. 2 Das Feuer, das an Abä Sabä Zakhriä brannte, (bedeutet): 
Jöhänä wird in Jerusalem geboren werden." 

Täb-JömTn nahm den Brief und machte sich rasch nach Jeru- 
salem auf. :; Er ging hin und fand alle Priester in Trauer dasitzen. 10 
71 Er nahm den Brief und legte ihn || in die Hand des Elizar. Dieser 
öffnet ihn und liest ihn und findet darin wundersame Reden. Er 
öffnet ihn und liest ihn und sieht, was darin geschrieben steht. Er 
liest ihn im stillen und gibt ihnen über ihn 1 keinen Bescheid. 
Elizar nahm ihn dann und legte ihn in die Hand des Abfi Sabä 15 
Zakhriä. Dieser öffnet ihn und liest ihn und sieht, was in ihm ge- 
schrieben steht. Er liest ihn im stillen und gibt über ihn keinen 
Bescheid. Er nahm vielmehr den Brief und legte ihn in die Hand 
des Elizar. Elizar öffnete nun den Mund und sprach zu Abä Sabä 
Zakhriä: „0 Abä Sabä, gehe weg aus Judäa, damit du nicht Streit 20 
in Jerusalem erregest!" Abä Sabä erhob dann seine Rechte und 
schlug Elizar auf den Kopf. Er sprach zu ihm: ,,0 Elizar, du großes 

1) Vielleicht N"~- — i N'-^N': „Elementarlehrer" zu lesen, im Gegen- 
satz zu den Rabbinen, vgl. ----- —pi liaba bathra Babli, f. 21a, doch 
siehe auch 1 36, (>. 

2) Lies ribn'-r - . Das Perfekt drückt die Zuversicht aus. 

3) - N"X« heißt vorwiegend „verlassen", vgl. Nöld., p. 46^ und oben 
S. 6i5. Es steht so allein "der in Verbindung mit paiö, vgl. Nold., 
p. 144. Es findet sich aber auch als [ntransitivum rieben anderen intran- 
sitiven Verben der Bewegung, besonders bei biN. Hier hat mau wohl 
ein Wort wie ri-rN zu ergänzen. Die Wendungen DNblBJSWa -n;:n - ^ 
f.—--: hier: flbra -arsn -n"no GL [3,23; «abso -,-rvjöru ^«»nte 

GR 330,24; NJabfiO V-W-n--: ^NaNffl GR 308, 14 sind nach Nöld., § 269 
aufzufassen. Zu bttTB "INttNiIJ vgl. Nöld., p. 387, 10, wo [94,22 statt 
1 1 4, _' 2 zu lesen ist. 

4) Wiederum ist es unsicher, ob Nb» "der nbr zu lesen ist, vgl. 
auch S. 294, 463. AU haben nrr, CD Nby. Dies wäre zum Folgenden 
zu ziehen: Vielmehr. In Z. 6 haben BCD ribr, A N?r. Das direkte 
Objekt zu pi'JJ&tsn kann nur der Brief, nicht die Leute sein. Danach ist 
fibp^NSMlKbi A.BD besser als ■pbp'HöNDnNbn (', wobei ••'? das entfernte 
Objekt angeben müßte. Danach ist aber an dieser Stelle J*Vr zu lesen. 



Jahjä-Jöhänä. - (y 



Haus, du Haupt aller Priester. Wenn du in deinem Inneren deine 
Mutter kenntest, dürftest du nicht in unsere Synagoge kommen. 
Wenn du in deinem Inneren [deine Mutter] kenntest, dürftest du 
nicht die Thora lesen. 1 Denn deine Mutter war ein Buhlweib. Ein 
5 Buhlweib war sie, die || für das Haus ihres Schwiegervaters nicht "rl 
paßte.- Da dein Vater nicht die ioo Stater 3 Geld hatte, um ihr 
den Scheidebrief zu schreiben, verließ er sie kurzerhand 4 und fragte 
nicht nach ihr."' Gibt es einen Tag, an dem ich komme und aus- 
schaue und Misä, Amräs Sohn 6 , nicht sehe? 7 Ja, gibt es einen 
10 Tag, an dem ich komme, ohne in eurer Synagoge zu beten, daß 
ihr nun unwahr und unaufrichtig seid und ein Wort saget, das ihr 
über mich nicht gehört habet? Wo gibt es einen Toten, der wieder 
lebend würde, daß Eni>bai ein Kind gebären sollte? W r o gibt es 
einen Blinden, der sehend würde, wo gibt es einen Lahmen s , dem 



i) Hinter 'j&tlÖSfiOS nehme ich n^ST "N^r an. Dieses dürfte zu 
rpIfiTM entstellt sein, das hinter fi3rN"~Sp in den Text geriet. 

2) Kaum ..zahlte", also njrab v «Ö. 

3) Lies JTTnö 873, bzw. X— nor N<:. Stater auch GR 387,3. 

4) Siehe oben S. 6 1 5. 

5) Siehe a. a. O. das Zitat aus dem Pariser Diwan. Statt fcnpiaiB 
hat man STp"niB = \Ldz^.A, (vgl. 120,8), evtl. N*>p-Q' v lB = T»JM3B zu lesen, 
vgl. *-p-2"w' r-;.M Lew, NeuJieb?: Wörterbuch IV, p. 502a. 

6) Mose, Sohn des 'Amram. Die Form KTZJi» ist wahrscheinlich 
durch das Appellativ NC» ..Öl" beeinflußt. Daß hier ein Fall einer all- 
gemeinen Umformung der männlichen Namen nach dem Schema qibl vor- 
liege, das sich auch in l3 -^* erhalten hätte, wie andere Namen zu qitlai 

schematisiert wurden, ist möglich, doch fehlt es an anderen Beispielen. 
Umgekehrt wurde in der LNN der Name des Moabiterkönigs Mesa, 
wahrscheinlich unter Einfluß von Mto(v)ofjg , zu Mojod. 

7) In einer Vision, um irgendeinen Bescheid zu erhalten, etwa auf 
Fragen des Gesetzes. 

8) Der Gelähmte, der kriechen muß, wie ein Reptil; auch dieses 
ist ein paai. Das Wort findet sich auch in der Bleirolle Florilegium 
Melchior de Vogüe, p. 360, 132, hier 274, 13 und GR 29, 11 (von Brandt, 
Sehr., p. 48 unrichtig übersetzt). Lond. Rolle B, 431 ff. heißt es: ■ps'iä 
"Ewrn BOD1DNT251 jo-paONEä jcnrN-i n — v Kn«binsn sobinsl «"»unatt 

"r;"Xr~3 73 ..Gelöst sei der Zauber der Junggesellen und Jungfrauen, der 
Blinden, die in den Moscheen (als Bettler) sitzen, und der Lahmen, die 
auf ihren Knien kriechen." 



80 Jahja- Johäna. 



die Füße 1 , und wo gibt es einen Stummen 2 , der ein Buch 

lernt, daß Enisbai ein Kind gebären sollte? Es sind heut 22 Jahre 
her. daß ich keine Frau gesehen habe. Nein, nicht durch 3 mich 
und nicht durch euch wird Enisbai ein Kind gebären." 

Da erhoben sich alle Priester und sagten murrend ' zu Abu 5 
Säbfi Zakhriä: „Sei ruhig und bleib sitzen, Abä Säbä, und die 

73 Gelassenheit der Guten || ruhe auf dir."' O Abä Säbä, wenn es 
keine Träume gäbe in Judäa, wenn es keine Gesichte gäbe in Jeru- 
salem, dann wäre alles, was Misä gesagt, Lüge. Vielmehr wird dein 
Wort und unser Wort bewahrt, [und bewahrt werden?] die. Träume, u 
die wir gesehen. Jöhänä wird den Jordan empfangen und in Jeru- 
salem Prophet genannt werden." 

Abft Säbä entfernte sich darauf aus ihrer Mitte, und Elizar 
folgte ihm nach. Da wurden drei Lampen gesehen, die ihn beglei- 
teten. Sie liefen heran, faßten Abä Säbä am Saume seines Ge- 1; 
wandes und sagten zu ihm: „O Abä Säbä! Was ist es, was dir 
vorangeht, und was ist es, was dir folgt?" Da erwiderte er ihnen: 
„O Elizar, du großes Haus, du Haupt aller Priester! Ich weiß nicht, 
wen die Lampen, die vor mir einhergehen, behüten. Ich weiß nicht, 
mit wem das Feuer geht, das mir folgt. Nicht durch mich und 2( 
nicht durch euch wird Enisbai ein Kind gebären." Da erhoben 

7+ sich ü alle Priester und sagten murrend zu Abä Säbä Zakhriä: „O Abä 
Säbä Zakhriä, sei ruhig, fest und gefaßt, denn das Kind wird aus 
der höchsten Höhe gepflanzt und dir im Greisenalter beschert. 
Jöhänä wird geboren werden, Jöhänä wird den Jordan nehmen und 2= 
in Jerusalem Prophet genannt werden. Wir werden mit seiner Taufe 



1) Dem die Füße wieder beweglich, lebendig würden usw. Ich 
kann dies aber aus dem Worte flVNipn nicht herauslesen. Das Daleth ist 
sicher. „Dessen Nacken Füße sind" kann natürlich nicht dastehn. 

j) Das Wort findet sieh auch GR _'7<;, 11. Dasselbe wird sonst 
von n;.Vn ausgesagt, vgl. 54,14; 105,6. Das Leidener Glossar hat p. 30: 
n-:~ tr^' mutus; p. 122: Np:(-j~ y^M ^ mutus. 

1) Das ist hier jedenfalls der Sinn von V~3, nicht ,, wegen". "^I 
steht für das einfache Suffix, vgl. Nöld., p. ,^4. Das gewöhnliche Wort 
tür „wegen" im Mandäischen ist biüi^öN. 

4) Siehe oben S. 4 1 5. Oder auch hier ..reden" in verächtlichem 
Sinne, „schmusen"? 

5) Vgl. auch -''»7, 1. 

6) (' hat: „Nein, dein Wort i^t unser Wort, und bewahrt werden 
die Träume, die wir gesehen haben." Der erste Teil paßt nicht. 



Jahjä-Jöhänä. 81 



getauft und mit seinem reinen Zeichen gezeichnet werden. Wir 
werden sein Pihtä empfangen, sein Mambühä trinken und mit ihm 
zum Orte des Lichtes emporsteigen." 

Es erhoben sich alle Priester und sprachen murrend zu Abä 
5 Säbfi Zakhriä: „O Abä Sabal Wir wollen dich über deinen Stamm 
und deine Väter aufklären, aus denen du hervorgegangen bist. 
MiSä, Amras Sohn, ist aus deinem Stamme hervorgegangen. Silai 
und Silbai 1 sind aus deinem Stamme hervorgegangen. Brahim 2 und 
Srael 3 sind aus deinem Stamme hervorgegangen. Bnai und Beni- 

10 Amin j| sind aus deinem Stamme hervorgegangen. Risai und Rath 75 
sind aus deinem Stamme hervorgegangen. Risai und Bazrai sind 
aus deinem Stamme hervorgegangen. Zakkai und Zakunai sind aus 
deinem Stamme hervorgegangen. Ramis und Mahramir sind aus 
deinem Stamme hervorgegangen. Rabin (Rüben?) und Jahuda sind 

15 aus deinem Stamme hervorgegangen. Ezairab und Razai sind aus 
deinem Stamme hervorgegangen. Sie, welche die Kuppel der 
Priester 4 gebaut und Bildsäulen und Bildnisse darin gebildet haben, 
sind aus deinem Stamme hervorgegangen. Hannai und Hananai sind 
aus deinem Stamme hervorgegangen. Der Mann, der die Thora 

20 geschrieben hat, Tus der Große ist sein Name 5 , ist aus deinem 
Stamme hervorgegangen. Rama und Samuel 6 sind aus deinem 
Stamme hervorgegangen. Rab(bi) Hannai und Rab Hananai sind 
aus deinem Stamme hervorgegangen. Bne-Risa und Samuel sind aus 
deinem Stamme hervorgegangen. Täb-Jömln und die Schullehrer 7 

25 sind aus deinem Stamme hervorgegangen. Die gesegneten Fürsten 8 , 



i) Siehe oben S. 76 s. Im folgenden werden biblische und sonstige 
jüdische Namen genannt, die sich nur zum Teil identifizieren lassen. Es 
sind gewöhnlich Paare; viele gehen auf die Koseendung ai aus. 

2) Vgl. S. 73 ob. 

3) Israel. 

4) Vgl. S. 72. 

5) Ich vermute, daß es Thot, Tdaviog ist. Dieser wurde mit Moses 
identifiziert, vgl. Reitzenstein, Poimandres, p. 182, 188. Siehe auch 198, 10. 

6) Der erste Name ist anscheinend durch Rämah, den Geburtsort 
Samuels , beeinflußt. 

7) N'-sp^ gibt bei ar- pH72 keinen Sinn. Vielleicht fiPpTT^ SO^pNÖl 
oder aber N*n»pi N""~Np" zu lesen, siehe 70,6 (S. 78 x ); 82,3. 

8) Persisch jliy4&>, sonst n-"tx" IH8TÖ vgl. Nöld., p. XXXII unt., dieses 
außer GR 386, 1 ff. auch Morg 269, 29, 33 (jrrx— nsa); Lond. Rolle B, 
144,501 f. (N'Vx— KttNlD). Es ist möglich, daß dieses vereinzelte ÜT^milNÖ 

I.idzbarski , Johannesbuch. ' J 



82 Jahjä Juli. um. 



76 die deine Ahnen, Abä Säba, sind, || sie alle haben kein Weib ge- 
nommen und keine Söhne gezeugt. Im Alter hatte aber doch ein 
jeder einen Sohn. Söhne hatten sie, und sie wurden Propheten in 
Jerusalem. Wenn nun auch aus dir ein Prophet hervorgeht, so 
nimmst du diesen Stamm wieder auf. 1 Ja, Jühänä wird geboren 5 
werden und in Jerusalem Prophet genannt werden. 1 ' 

Elizar öffnete dann .den Mund und sagte zu Abä Säbä: „O Abä 
Sabal Wenn Jühänä den Jordan empfängt, so will ich sein Knecht 
sein, mit seiner Taufe getauft 2 und mit seinem reinen Zeichen ge- 
zeichnet werden. Wir wollen sein Pihtä nehmen, sein Mambühä to 
trinken und mit ihm zum Orte des Lichtes emporsteigen." Abn 
Säbä öffnete dann den Mund und sprach zu allen Priestern: „Wenn 
das Kind aus der höchsten Höhe kommt, was wollt ihr dann in 
Jerusalem tun? Das Kind haben sie aus dem Becken des Jordan 3 
geholt und in den Leib der Enisbai gelegt." 15 

Das Leben ist siegreich und siegreich der Mann, der hierher 
gegangen ist. 

77 10. — Jahjä predigt in den Nächten, Jühänä an den Abenden 
der Nacht. Jahjä predigt in den Nächten und spricht: ,, Durch die 
Rede von meinem Vater leuchte ich und durch die Lobpreisung 20 
des Mannes, meines Schöpfers. 4 Ich habe meine Seele von der 
Welt befreit und von den Werken, die häßlich und nicht recht sind. 
Die Sieben fragen mich aus, die Toten, die das Leben nicht ge- 
schaut haben, und sprechen: „In wessen Kraft stehst du da, und 
mit wessen Lobpreisung predigst du?" Darauf erwidere ich ihnen: 25 
„Ich stehe in der Kraft meines Vaters da und mit der Lobpreisung 
des Mannes, meines Schöpfers. Ich habe kein Haus in Judäa ge- 
baut, keinen Thron in Jerusalem aufgerichtet. Ich habe nicht den 



dunli das andere N ~Nw (Nöld., p. [27,19) beeinflußt ist. Vielleicht 

ist es aber auch für N";."~~Nw i iivuk verschrieben. 

1) liier kaum N™ „Eifer, Haß". 

2) n:^-::^-: ist durch N":-w-i"*: beeinflußt. 

3) Siehe oben S. 9, 4. 

4) Hier 101,5; GL 62, 10 besser w::. Oxf. 33b (= Morg 52) 
hat -nz^n: anasoi flnfraimnai n::--n- zjö FivTa (Cod. Nnrpatöirai, 
doch weist x*rn*2C"P2" Morg auf rin" hin) „Im Glänze meines Vaters 
stehe ich da und in der Lobpreisung des Mannes, meines Schöpfers." 
Vgl. auch GL 44, 16; 51,4. Zu N3XN2 siehe S. ÖO 6 . 

/ 



Jahjä- Jöhänä. 



Rosenkranz 1 geliebt, nicht den Verkehr mit lieblichen Frauen. - 
Ich habe nicht das Mangelhafte geliebt, nicht das Gefäß der Wein- 
trinker. 3 Ich habe keine körperliche 4 Speise geliebt, und Mißgunst 
fand bei mir keinen Platz. Ich habe nicht mein Gebet der Nacht 

5 vergessen, nicht vergessen den wunderbaren Jordan. Ich habe nicht 
meine Taufe vergessen , nicht mein reines || Zeichen. Ich habe nicht 78 
den Sonntag vergessen, und der Vorabend des Tages hat mich 
nicht verurteilt. Nicht habe ich Silmai und Nidbai vergessen, die 
eine Wohnung im Hause des gewaltigen (Lebens) haben. Sie sprechen 

io mich rein 5 und lassen mich emporsteigen; sie wissen, daß an mir 
kein Fehl und Mangel ist." 

Als Jahjä dies sagte, freute sich das Leben über ihn in hohem 
Maße. Die Sieben entboten ihm ihren Gruß, und die Zwölf ver- 
neigten sich vor ihm. Es sprach zu ihm: „Von allen diesen Reden 6 , 

15 die du gesprochen hast, Jahjä, hast du nicht eine einzige unwahr 
gesagt. Angenehm und schön ist deine Stimme, und keinen gibt 
es, der dir gleiche. Schön ist deine Rede in deinem Munde und 
kostbar die Sprache, die man dir verliehen. Das Gewand, das das 
erste Leben Adam, dem Manne 7 , gegeben hat, das Gewand, das 

20 das erste Leben Räm, dem Manne, gegeben hat, das Gewand, das 
das erste Leben Surbai, dem Manne, gegeben hat, das Gewand, 
das das erste Leben Sum bar Nu gegeben hat, hat es jetzt dir 
gegeben. Es hat es dir gegeben, Jahjä, damit du emporsteigest 



i) S~~X* V"T3 oder N"H~NT N" 1 '?" 1 ::: muß angenommen werden. Der 
kultische Kranz der Mandäer ist ein Myrtenkranz. Der Rosenkranz wird 
hier als Kranz verwerflicher Festivitäten angeschen. ..Viele von ihnen tragen 
Rosenkränze- sagt Petermann, Reisen II. p. 120, doch ist damit an- 
scheinend die misbaha gemeint. Übrigens bedeutet arab. norde im r Iräq 
allgemein „Blume", vgl. Meissner, Mitteilungen des Seminar* für Orient. 
Sprachen V (1902). Abt. II, p. 105 l8 . Das Leidener Glossar hat p. 84: 
"•NTYI • NTVl ) U! )' • > Ä 5 lilmm. Siehe auch zu 83,15. 

2) Siehe auch zu 24(1,4. 

3) Ich vermute STSwi. 

4) So aufzufassen, vgl. auch S. 57 1 , nicht etwa ..Verleumdung" mit 
Rücksicht auf j,j_: 'v,^i. Siehe auch 212,16. 

5) Vgl. S. 1 3. 

6) Ein Plural von xr:. etwa 8nNT>B ist anzunehmen. 

7) Im folgenden werden die männlichen Häupter der Generationen 
aufgezählt, vgl. S. 93. 

6* 



,s i Jahja- Johäna. 



und mit dir emporsteige ********. Das mangelhafte Haus 1 wird 
7t> in der Einöde || zurückgelassen werden. Ein jeder, der sündlos 
befunden wird, wird zu dir zum Orte des Lichtes emporsteigen; 
wer nicht sündlos befunden wird, wird in den Wachthäusern zur 
Rechenschaft gezogen werden." 5 

Und das Leben ist siegreich. 



20. — Jahjä predigt in den Nächten, Jöhänä an den Abenden 
der Nacht. Jahjä predigt in den Nächten und spricht: „Im Namen 
dessen, der wunderbar und außergewöhnlich ist. Die Sonne saß 
im Hofe-, und der Mond saß im Drachen. 3 Die vier Winde des m 
Hauses packen sich an den Flügeln und wehen nicht." 4 

Die Sonne öffnete den Mund und sprach zu Jahjä in Jeru- 
salem: „Du hast drei Binden, eine Krone, die an Wert der ganzen 
Welt gleichkommt. Du hast von Masklil 5 ein Schiff, das hier auf 
dem Jordan einhergeht. Du hast ein großes Boot, das hier zwischen 15 
den Wassern einhergeht. Wenn du zum Hause des großen (Lebens) 
gehst, gedenke unser vor dem großen (Leben)." Da öffnete Jahjä 
81) den Mund und sprach zur Sonne in Jerusalem: || „Du fragst nach 
den Binden, Vollkommene bewachen deine Krone. 6 Dieses Schiff 
MaSklil 7 haben sie mit herrlicher Pracht zusammengefügt. Auf das 20 



1) Hier der Körper gemeint. NTX3 ist neben N""iNi:2 in den Text 
aufzunehmen. 

2) Im Asfar Malwäse, p. 238 t. werden angegeben ■pol ixnNinj* 
SVIN* 1 NrHllta ir „die Omina des Mondes, wenn er in der ÜMTYIIS sitzt"; 
p. 257 f. NrmXS n\n>r ns "C^lXwi NnNina. Das angehängte jüngere 
Stärk in Cod. Par. 26 gibt noch f. 237b f. «rm» nbTirn -pon BttKSlöitt 
„die Rechnung über den Mond, den die tfrrtiJE um ringt", und KnTiX 
wechselt hier im Gebrauch mit NrrmnNO ab. «mix ist also der Kreis, 
der „Hof", um Sonne und Mond. Auch die arabischen Astrologen nennen 
Lr *£J| Jja. (bzw. Ü/IjJI) Ü;!oJ! iUUs und ;*£JI Jjä-, vgl. AhLWARDT, Ver- 
wichniß der arabischen Handschriften V, p. 272a, 286b. 

3) Vgl. Nöldeke und Bezold ZA XXV (1911), p. 355 ff. 
I) Der Satz auch GR -'03, 13 f . ; 204,4!. 

5) Das Wort kommt sonst nicht vor, und ich kann den Sinn nicht 
bi timmen. Man denkt zunächst an eine Holzart. 

6) Der Satz ist kaum in Ordnung. Die Sonne fragt ihn nach seinen 
Sachen, und im folgenden ist auch nur von seinen Sachen die Rede. 
Die Abänderung zu - ( N:Nn aliein macht den Satz noch nicht gut. Wieder- 
um zweifelhaft, ob wsVr oder r,'?z\ BD haben nVr, C xrr, A unsicher. 

7) So hier, als ob es der N'ame des Schiffes wäre. 



Jalij.i Jöhäna. 85 



Boot, das zwischen den Wassern einhergeht, ist das Siegel des 
Königs gelegt. Die in deinem Namen buhlt, dahingeht und sich 
dem Misthause 1 nähert, die sucht von ihrem eigenen Gatten Kinder 
zu erlangen und findet sie nicht. Wenn sie dann ihr Gelübde er- 
5 füllt haben- und sie abscheidet, ist sie für das Haus des Lebens 
unwürdig und wird nicht bestimmt für die lichte Wohnung." 
Und gepriesen sei das Leben. 



21. — Jahjä predigt in den Nächten, Jöhänft an den Abenden 
der Nacht. Jahjä predigt in den Nächten und spricht: „Stehe ich 

10 nicht allein da?" Ich gehe hin und her. 4 Wo gibt es einen Pro- 
pheten, der mir gleicht? Wer predigt gleich meinen Predigten, und 
wer redet mit meiner wundersamen Stimme?" 

Als Jahjä so sprach, weinen die beiden Frauen. Mirjai und 
Enisbai weinen, und beiden fließen die Tränen herab. Sie sagen: 

15 „Wir wollen hingehen, und du bleib hier, siehe zu, || daß du uns"' 81 
nicht zum Straucheln bringst. Ich will hingehen, und du bleib hier, 
siehe zu, daß du mich nicht zum Straucheln bringst. — Ich will 
hingehen, und du bleib hier, siehe zu ,; , daß du mich nicht mit 
Trauer erfüllst." 7 

20 Jahjä öffnete dann den Mund und sprach zu Enisbai in Jeru- 

salem: „Gibt es jemanden, der mich in der Höhe ersetzen könnte? 
Gibt es jemanden, der mich im Hause des gewaltigen (Lebens) er- 
setzen könnte? Gibt es jemanden, der mich in der Höhe ersetzen 
könnte, daß du mich loskaufest? Wenn du mich loszukaufen ver- 

25 magst, so bringe deine Edelsteine 8 und kaufe mich los. Wenn du 



1) D.h. dem Hurenhause. Zu xVp^p vgl. Nöld., p. 78,20. 

2) Ich weiß nicht, in welchem Sinne. 

3) iNb steht besonders in Fragesätzen, vgl. Nöld., p. 435. Derselbe 
Eingang auch 122,9; vgl. auch 35,10; 36,4. 

4) *"N und NPN stehen weiterhin (114 f.) vom Hingehen ins Jen- 
seits und vom Zurückkommen. Hier kann SPS diesen Sinn nicht haben 
(„ich gehe hin und komme zurück" oder ..muß ich nicht allein hingehen 
und zurückkommen?"), denn Jahjä betont ja, daß er nicht zurückkommt. 

5) Lies ■jSbnNV-'lDDNa. 

6) Lies iPVn. 

7) Diese Worte sagt wohl eine jede der beiden Frauen. 

8) N'b-n, das parallel oder neben SOSIHN», NnN^fcWINE steht (131, 15; 
170.13: 273. 14: GL 131,24; Cod. Paris. 15, f. 12b = Cod. Par. 25, 
f. loa), muß diese Bedeutung haben. Es ist mir unwahrscheinlich, daß 



S() Jahjä-Jöhänä. 



mich loszukaufen vermagst, so bringe deine Perlen und kaufe mich 
los. Wenn du mich loszukaufen vermagst, so bringe dein Gold und 
kaufe mich los." 

Enisbai öffnete dann den Mund und sprach zu Jahjä in Jeru- 
salem: „Wer gleicht dir in Judäa, wer gleicht dir in Jerusalem, daß 5 
ich ihn ansehe und dich dabei vergesse?" „Wer gleicht mir 1 , 

82 wer gleicht mir, daß du ihn 2 ansehest || und mich vergessest? Vor 
meiner Stimme und der Stimme meiner Predigten verschwand die 
Thora in Jerusalem. Vor der Stimme meiner Reden lasen die Leser 
nicht mehr in Jerusalem. Die Buhler ließen von ihrer Unzucht, und io 

die Frauen gingen nicht zu :: aus. Die Bräute kommen in 

ihren Kränzen heran, und ihre Tränen fließen zur Erde. Das Kind 
im Leibe seiner Mutter hörte meine Stimme und weinte. Die Kauf- 
leute verkaufen nicht 4 in Judäa, und die Fischer fangen nicht in 
Jerusalem. Die Frauen der Israeliten bekleiden sich nicht mit far- 15 
bigen Gewändern, die Bräute legen kein Gold und die Edeldamen 
keine Edelsteine an. 5 Frauen und Männer sehen ihr Gesicht nicht 
mehr im Spiegel an. Vor meiner Stimme und der Stimme meiner 
Predigten erhob sich das W r asser zu Säulenreihen. Vor meiner 
Stimme und der Stimme meiner Predigten brachten mir die Fische 20 
ihre Grüße dar. Vor meiner Stimme und der Stimme meiner Pre- 
digten machten die Vögel eine Verbeugung 6 und sagten: „Wohl dir 

s:i und abermals wohl dir, Jahjä, und wohl || dem Manne, den du an- 
betest. Du hast dich befreit und errettet, Jahjä, und leer die Welt 
verlassen. Die Frauen haben dich nicht durch ihre Unzucht ver- 25 
führt, und ihre Worte dich nicht verwirrt. Durch Wohlgerüche und 
Parfüms hast du nicht deinen Herrn aus dem Sinne vergessen. Du 
hast dich nicht mit Wein berauscht und keine Freveltaten begangen. 



es ara b, £&., ^ sei, trotz ^ptrbiJT, ich denke eher an bbn „durch- 
bohren", sc daß es Steinchen zum Aufziehen, '{ y ^ , wären, vgl. auch assy- 
risch hulälu Muss-Arn., 314b. 

1) Dies sind nach dem Folgenden die Worte des Jahjä; vorher muß 
eine Lücke sein. 

2) Lies n'T-N-TN-. 

3) Vgl. S. 33 . 

4) Lies trasNTöNb. 

5) Siehe S. [9 1 . 

6) Vgl. auch [37, 1 1 i. 



Jahjä-Johänä. 87 



Kein Abfall hat dich in Jerusalem erfaßt. Du hast dich befreit und 
errettet und dir deinen Thron errichtet im Hause des Lebens." 
Und das Leben ist siegreich. 



22. - Jahja predigt in den Nächten, Jöhänä an den Abenden 
5 der Nacht. Jahja predigt in den Nächten: „Eine Stimme rief in 
die Welt und sprach: O, die ihr in Frevel dasteht, kommet, kaufet 
einen Weg vor euch. 1 O, die ihr Zins und Zinseszins 2 verzehret, 
kommet, kaufet einen Weg vor euch. O, die ihr mit wohlriechenden 
Kränzen dalieget, stehet auf, kaufet einen Weg vor euch. O, die 

10 ihr euch mit Rosen :: und Seide bekleidet, stehet auf, kaufet einen 
Weg vor euch. || O, die ihr mit verschönertem Gesichte 4 dalieget, *A 
stehet auf, kaufet einen Weg vor euch. Denn es schwinden 5 die 
Leute von erprobter Frömmigkeit, und die Stimme des Lebens 
wird nicht mehr in der Welt gerufen. Die Totenmessen schwinden, 

15 und ein reines Burzinqä wird nicht mehr aufgesetzt. Die lebendige 
Taufe schwindet, und das wundersame Zeichen hört auf." 

Als Jahja dies sagte, sprachen Jaqif und Beni-Amin und 
Mirjai folgendermaßen zu Jahjä in Jerusalem: ,,(Wir beschwören 
dich), o Jahjä, beim Leben, das du anbetest, und abermals be- 

20 schwören wir dich, Jahjä, beim Vorabend des Tages, dessen Name 
teuer ist, (sage uns): Sollen wirklich die Leute von erprobter Fröm- 
migkeit schwinden und die Stimme des Lebens nicht mehr in der 
Welt gerufen werden? Sollen wirklich die Totenmessen schwinden, 
und das reine Burzinqä nicht mehr aufgesetzt werden? Soll wirk- 

25 lieh die lebendige Taufe schwinden und das wundersame Zeichen 
aufhören?" Als Jaqif und Beni-Amin und Mirjai so sprachen, er- 
widerte ihnen Jahjä in Jerusalem: „Wenn alle Priester hingemordet 

1) Der vor euch her zum Ziele führe. 

2) B hat riar;, C bisrr. Die Schreibung schwankt überall beim 1 
dieses Wortes. Siehe auch GR20, 12; 38,23; 187,2: GL 32, 11. Das 
Richtige ist binm, vgl. auch Nöld., p. 1 47 2 . 

3) Mit Rosengewinden, Rosenkränzen usw. Siehe auch S. 83 ' und 
GR 225,11: GL 30,14 t. Wahrscheinlich nicht rosenfarbige Gewänder 

(»jjyo w>V), obwohl solche in der hier in Betracht kommenden Zeit ge- 
tragen wurden, vgl. Aghäm VI, p. 183, 19; Kremer, Culturgeschichtc des 
Orients II, p. 131. 

4) Sonst öfter K"na&*S 11QXÜ: GR 21,9; 241,9; 243,16; 277,22; 
GL 99, 1 1. 

3) Siehe S. 59.5. 



g3 Jahjä-Jöhänä. 



85 und nicht mehr da sind, [und] die Israeliten || hingemordet sind 1 , 
da wird Muhammed, der Araber, geboren werden, der Sohn einer 
Sklavin des 'Abdallah.'- Er ruft die Welt auf, er beseitigt alle 
Tempel ;; , und Moscheen entstehen in großer Zahl in der Welt. Sie 
beseitigen 4 die Geradheit und das Heil 5 , und Lüge und Frevel 5 
nehmen überhand in der Welt. Sic beseitigen die Hochzeiten und 
Gastmäler von der Tibil. Sie beseitigen den Glauben, malen kein 
Bild für die Wöchnerin, und nicht wird die Glocke geschlagen in 
der Tibil. 6 Es klappern dann aber auch nicht alle Söhne der Lüge, 



1) Auch GR 29 wird das Auftreten Muhammeds an die Zerstörung 
Jerusalems angeschlossen. Es ist wohl möglich, daß die Autoren dieser 
Stücke keine rechte Vorstellung mehr von der Zeit zwischen der Zerstörung- 
Jerusalems und dem Beginne des Islams hatten. Aber andererseits kannte 
der Verfasser des vorliegenden Stückes doch wohl genug Juden und 
Köhanim, um zu wissen, daß sie nicht alle hingemordet worden seien. 
Das Ganze ist eben im Stile der Apokalyptik gehalten, in der man es 
mit der Wirklichkeit nicht genau nimmt. 

2) A hat SnttN, BD NnttN. Ich hätte dies in den Text aufnehmen 
sollen. Ämina, Muhammeds Mutter, war zwar die einzige Frau 'Abdallahs 
(vgl. Sprenger, Mohammad I, p. 142), aber dies war dem Verfasser kaum 
bekannt. Er wollte Muhammed herabsetzen, und er hatte allgemein die 
arabischen Verhältnisse im Auge. Die arabische Frau konnte dem Man- 
däer leicht als Sklavin erscheinen. In der Polemik der Juden gegen die 
Muslims wird Ismael, der Ahnherr und Repräsentant der Araber, verächt- 
lich als Sohn einer Magd (-iza, d. h. Hagar) bezeichnet, vgl. Stein- 
schneider, Polemische und apologetische Literatur, p. 281, 284. Aber auch 
dies war kaum von Einfluß auf unsere Stelle. Die Angaben über Mu- 
hammeds Ahnen in BC zeigen, wie wenig die Mandäer von ihnen wußten. 
In rv:rw. b^YülüN ist Ismael enthalten, doch hier mit Samuel zusammen- 
geworfen. Siehe S. 50 4 ; 8l,2l. 

3) Die mandäischen, siehe die Einleitung. 

4) Auch im folgenden haben die Handschriften vereinzelt den Sin- 
gular, doch wird hier wohl allgemein von den Muslims, nicht von Mu- 
hammed allein gesprochen. 

5) Nicht ..und sie hörtauf"; das wäre D^Niül. Auch sonst N/ObNlö 
n-:n':^: C\< 10,2; GL8o,i3f.; 81, iof.; Qol 38,16t; 39> 28 ; 45.32 

und sonst. 

6) An diesen und anderen Stellen (114; 1 I 7, ,s) ist die Rede da- 
von, daß für die Wöchnerin bzw. das Kind ein Bild gemalt bzw. die 
Glocke geschlagen wird. Beides geschah zu ihrem Schutze, zur Abwehr 
böser Geister. Die Bilder enthielten wohl magische Figuren, etwa von 
der Art, wie sie bei den Juden üblich sind, vgl. Jewish Encyclopaedia I, 
p. ,5.(1/ und Tafel. Über die Benutzung von Schallinstrumenten bei Ent- 



Jahjä-Johänä. 89 



die eine Weisheit des Frevels in die Welt bringen. 1 Sie (die Mus- 
lims) verwerfen das Buhlen und buhlen doch, sie verwerfen das 
Stehlen und stehlen doch 2 , sie verwerfen Zins und Zinseszins, und 
dabei geben sie eins und nehmen dafür neun. Sie machen trüge- 
5 risch ihre Wage(n) 3 und machen groß ihre Gewichte. 4 Einige von 
ihnen || lassen sich den Kopf abschaben 5 , einige das Haar wachsen, 86 
andere färben 6 sich den Bart mit Henna. Einige färben sich den 
Bart mit Henna , und dann stellen sie sich hin und beten in ihren 
Moscheen. Wenn sie einen Mann sehen, dem der Gurt (Himjänä) 
10 umgebunden ist, überzieht eine krankhafte Wut ihren ganzen Körper. 
Sie stehen da und fragen sie aus und sprechen zu ihnen: „Wer ist 
dein Prophet? Sage uns, wer dein Prophet ist, sage uns, was deine 
(heilige) Schrift ist, sage uns, wen du anbetest." Die Verfluchten 



bindungen vgl. Samter, Geburt, Hochzeit und Tod, p. 03 f. P. 117, ,5 

wird der Brauch allerdings verächtlich gemacht. Auch Sioüffi's inter- 
essante Angaben p. 75 erwähnen diesen Brauch nicht. 

1) Obwohl im vorhergehenden Satze vplp vom Schlagen der Glocke 
gebraucht ist, dürfte es hier wie 'J3"nD ..klappern, mit der Klapper 
(NrrtQl^fiO) schlagen" bedeuten. Der Satz scheint mir ein Verbot der 
Benutzung des otjfiavrQOV seitens der Christen im Auge zu haben, macht 
im übrigen den Eindruck eines sekundären Einschiebsels. Dafür daß 
KWD"Ö' , »fiO „Glocke" sei (vgl. Nöld., p. 39, 14), spricht nicht, daß in einer 
anderen Schrift (GR 226, 20 f.) vom Schlagen des oiquavTQOV fiTlDpfiU NlülpKS 
gesagt wird. 

2) Auch in der jüdischen Polemik wird den Arabern besonders die 
Neigung zur Unzucht und zum Diebstahl vorgeworfen, vgl. Steinschneider, 
a. a. O., p. 258. Aber in den mandäischen Schriften werden auch sonst 
Hurerei und Diebstahl oft zusammen genannt. Diese Vergehen kommen 
eben im Leben am häufigsten vor. In einer aramäischen Mundart könnte 
auf die Zusammenstellung die Assonanz (22:0 Tis) eingewirkt haben, aber 
auch im Dekalog steht E]6»n Nb neben 555*1 Nr, und Xenophanes aus 
Kolophon wirft Homer und Hesiod vor, sie hätten den Göttern angedichtet: 

y.Xenxetv jaor/svetv ts xai äXXrjlovg änaxEveiv 
(Diels, Fragmente der Vorsokratiker J3, p. 59 f., 11, 12). 

3) Assyr. xibämtu Muss-Arn., 274. 

4) Der arabische Konsument, wohl in erster Linie ein Stadtbewohner, 
hält sich seine eigene Wage und seine Gewichte. Wenn ihm etwa der 
Landmann seine Produkte zum Verkaufe bringt, muß er dessen Wage 
und Gewichte benutzen. Sind die Gewichte zu groß, so verliert er dabei. 

5) Von TW, vgl. auch GR 226, 19, dort von den Christen. Danach 
ist auch in den jüdischen Schriften TW in diesem Sinne nicht ohne wei- 
teres in TW abzuändern. B hat fälschlich „scheren". 

6) Am Färben nehmen die Mandäer Anstoß. 



qq Jahja- Jöhäna. 



und Beschämenswerten wissen nicht und verstehen nicht, sie wissen 
nicht und verstehen nicht, daß unser Herr der Lichtkönig in der 
Höhe ist, er, der Einzige." 1 

Und das Leben ist siegreich. 



!>:{. — Jahjä predigt in den Nächten, Johann an den Abenden 3 
der Nacht. Jahjä predigt in den Nächten und spricht: „Lasset euch 
durch mich warnen, meine Brüder, lasset euch durch mich warnen, 
meine Freunde! Lasset euch durch mich warnen, meine Brüder, 
st vor den Gruben, welche die Frauen graben. Alle Gruben || werden 
verstopft, und alle Erdlöcher 2 beruhigen sich ;; , doch die Gruben, 10 
welche die Frauen graben, werden in tausend mal tausend Jahren 
nicht verstopft. 4 

(Eine Frau), die unrein und unordentlich ist 5 , die verschlingt 
der finstere Berg. 6 Die unrein und unordentlich ist, die passiert 
nicht das große Süf-Meer. Die unrein und unordentlich ist, die 15 



1) Das Eindringen der Muslims in die Gläubigen und ihre Fragen 
nach einem Propheten und einem „Buch" ist liier sehr anschaulich ge- 
schildert, siehe auch die Einleitung. Die letzten Worte sind wohl pole- 
misch gegen J^-l *JU! gerichtet. — Die Umwälzungen nach der islamischen 
Eroberung sind in kräftigeren Farben GR 387 f. ausgemalt. 

2) Lies x*j:N7:iz, vgl. 89,7; S. 66 unt. und Nöld., p. 41 ob. 

5) Die' offene Grube ruft nach ihrem Opfer. Vgl. auch 89,7; GR 
89,9; 97, [4. 

4) Die beiden Sätze linden sich entstellt und mißverstanden bei 
SlOl 111 . p. 89 n. 

5) Im Pariser Diwan, [O241. heißt es }8tab«l8Hl Nn&OSntt">2 rTO 
fcWi&OöiSbl Ncrx-J-T ■pi-pjwn nm, also N316ÖHRV) NS3NB?:) als Gegensatz 
zu ^N»b«lB». 

(,) Siehe auch 97,4; 99,6. Der ssittrH NTTJ steht GR 302,] als 
Strafort für die Götzendiener. Nach GR 368, \ muß er ebenso passiert 
werden wie das Süf-Meer. Morg 47 f. (== Oxf. 29a) hal den Hymnus: 
„Gekommen, gekommen ist Mandä dHaije, nun wird der Finsterberg 
leuchten. Leuchten wird der Finsterberg, und das trübe Wasser wird 
prangen." Nr>N ist Perfekt, wie im vorhergehenden Stucke, nicht Impe- 
rativ; vgl. auch die Hingänge der manichäischen Hymnen bei Müller, 
Ein Doppelblaü (Abhandl. der Berl. Akademie [912), p. 2iff. Anders 
hier 256,3. Die Vorstellung von finsteren bergen ist jüdisch, vgl. schon 
[erem. [3,16, dann den Targum zu 1 Chr. 5, 26. Man begegnet ihnen 
Lter besonders in den Alexandergeschichten. 



Jahjä-Johänä. 91 



wird leere Schamteile haben. 1 Die unrein und unordentlich ist, die 
wird tote Kinder bekommen. Verfluchen werden sie Himmel und 
Erde. Weil sie das lautere Wasser verunreinigt, die verborgenen 
Geheimnisse verraten und es herausgenommen und auf den Mist- 

5 häufen geworfen hat-, haben Himmel und Erde einen bösen Fluch 
gegen sie ausgesprochen. Wenn ihr zu Bette gehet, gießet Wasser 
über euch. 3 Bevor ihr Wasser über euch gießet, waschet euch vor 
allem den Kopf. Denn wenn auch nur ein Haar auf eurem Kopfe 
bleibt 1 , dürfet ihr nicht sagen: wir haben uns mit Wasser ge- 

to waschen in dieser Welt.""' 

Und das Leben ist siegreich. 



•^4. — Jahjä predigt in den Nächten, Johann an den Abenden 
der Nacht. || Jahjä predigt in den Nächten und spricht: „Ich war im 88 
Hause meines Bildes." 6 Er spricht: „Ich war ohne Mangel und 
15 ohne Fehl 7 und habe kein Laster in meinen Sinn aufgenommen. 



i) Ich gebe den Plural des Originals wieder. N^biEPffl bezeichnet 
den äußersten Teil der weiblichen Geschlechtsteile; man erwartet hier eher 
die inneren. Vgl. auch Lew, Xeuliebr. Wörterbuch IV 7 , p. 507a. 

2) Vgl. die Parallele 88, 14. Hier scheint von einem künstlichen 
Abort die Rede zu sein. Vgl. auch 95; 98. 

3) Vgl. GR 14-4: 35, 3 f- 

4) Gemeint ist jedenfalls ein fremdes Haar. 

5) Die Worte N":tJ< "pTiSm gehören kaum hierher. Sie hätten nur 
einen Sinn, wenn es sich um eine Waschung bei der Masseqtä handelte. 

6) Sioliii sagt p. 110,3fr. ..Pendant les liuit jours de noces, les 
nouveaux maries sont consideres comme impurs, ils sont, sous ce rapport, 
appeles Sourto , JSnTlX, c'est-ä-dire ..profanes 011 nun baptises". Es folgen 
Bemerkungen über ihren Zustand der Unreinheit. Neuvermählte sind ebenso 
den Nachstellungen der bösen Geister ausgesetzt wie Neugeborene, inso- 
fern ist ihre Nähe auch für andere gefahrlich, und daher sind sie unrein. 
Aber warum heißt dieser Zustand SP-j:. j Wird den Dämonen gegenüber 
üngiert, daß es nicht die wirklichen Personen, sondern nur ein Abbild 
von ihnen sei? Oder ist Xrn"j£ in dem Sinne, den es in der Astrologie 
erhalten hat (vgl. S. 84 2 ), hierher übertragen? Wird fingiert, daß die Neu- 
vermählten ebenso von einem Ringe, einem Hofe, umgeben seien, wie 
Sonne und Mond? Dann könnten sie allerdings nicht schlechthin xmii: 
genannt werden. Und in welchem Sinne steht NHlliS svn hier? Ist es 
das Haus der Hochzeitsfeier, vgl. Kap. 31? Jedenfalls ist keine Verbin- 
dung zwischen diesem Satz und dem folgenden zu gewinnen. 

7) Die Wendung auch GR 132,23 h 



Q2 Jahjä-Jöhänä. 



Durch ihre Werke 1 habe ich mich nicht hemmen lassen, und ihren 
Weg gehe ich nicht. 

Ich rufe und belehre, ich belehre meine Freunde, die in der 
Welt wohnen: Meine Auserwählten! Seid ohne Mangel und Fehl, 
und keine Lüge sei in eurer Rede. Befreiet euch von der Tibil und 5 
der nichtigen Wohnung. W 7 ählet ein Weib und nehmet ein Weib, 
doch ein Weib, die Tochter Gottloser, nehmet nicht. Nehmet kein 
Weib aus dem Hause Gottloser, damit euch nicht das lodernde 
Feuer verzehre. Die unrein 2 und unordentlich ist, die wird das 
lodernde Feuer verzehren. Die unrein und unordentlich ist, der 10 
wird man leere Schamteile lassen. Die unrein und unordentlich ist, 
die wird tote Kinder haben. Die unrein und unordentlich ist, die 
werden Himmel und Erde verfluchen. Denn sie hat das lautere 
Wasser verunreinigt, die verborgenen Geheimnisse verraten und ist 
s<> hingegangen und hat es in den Kot geworfen. 3 Sonne || und Mond 15 
gingen darüber auf und sprachen einen schweren Fluch gegen sie aus. 

Meine Auserwählten! Befreiet euch von der nichtigen Wohnung. 
Wenn ihr euch euren Frauen nähert, waschet euch mit Wasser und 
reiniget euch. Vor allem waschet euch den Kopf, denn wenn auch 
nur ein Haar auf eurem Kopfe bleibt, seid ihr noch nicht rein. 20 
Meine Brüder! Befreiet euch von den Gruben, welche die Frauen 
graben. Alle Gruben werden verstopft, und alle Erdlöcher kommen 
zur Ruhe, doch die Gruben, die die Frauen graben, werden in 
tausend mal tausend Jahren nicht verstopft." 

Und das Leben ist siegreich. 2 5 



05. — Jahja predigt in den Nächten, Jöhänä an den Abenden 
der Nacht. Jahja predigt in den Nächten und spricht: ,,0 ihr Edel- 
männer, die ihr dalieget, o ihr Edelfrauen, die ihr nicht aufwachen 
wollet, ihr Edelmänner, die ihr dalieget, was wollt ihr am Gerichts- 



1) AI) „durch ihre Hände". Gemeint sind die der finsteren 
Mächte, vgl. 64, 3. 

_') NeiNö» 4 ! an dieser Stelle in A ist unter dem Einflüsse des vor- 
hergehenden Kapitels entstanden. Im ganzen ist liier NS5ND» B i schwerlich 
eine bloße Verschreibung von NDSNÜöl, sondern eine euphemistische Ab- 
änderung. Das z wurde nach W>«SMKbl genommen. Daß J^> sieh 

mit EpÜ berührt, ist Zufall; aui KB5N372 hat es jedenfalls nicht eingewirkt. 
Siehe hierzu und /um Folgenden S. 97 ff 



Jahjä-Jöhänä. 93 



tage 1 anfangen? Wann die Seele denKörper abstreift,-' || am Gerichts- 90 
tage, was wollt ihr anfangen? O du verworrene, durcheinander- 
geratene, verdorbene Welt! :! Deine Männer sterben, und deine 
trügerischen Schriften werden geschlossen. Wo ist Adam, der erste 
5 Mann, der hier das Haupt des Äons war? 4 Wo ist Hawwä, sein 
Weib 5 , aus denen die Welt zum Leben erwacht ist? Wo ist Situ, 
Adams Sohn, aus dem Welten und Äonen entstanden sind? Wo 
sind Räm und Rüd, die zum Zeitalter des Schwertes gehörten? 
Wo sind Surbai und Sarhabel, die zum Zeitalter des Feuers ge- 

10 hörten? Wo ist Sum bar Nu, der zum Zeitalter der Überschwem- 
mungen gehörte <n) ? Alle sind ausgezogen und nicht wiedergekommen 
und setzten sich hin als Hüter in der Tibil. 6 (Der jüngste Tag) 
gleicht einem Festtage, auf den die Welten und Äonen warten. 
Die Planeten sind Mastochsen, die für den Tag der Schlachtung 

15 dastehn. 7 Die Kinder der Tibil sind fette Widder, die auf den 

i) Zum b bei der Zeitbestimmung vgl. Nöld., p. 355. 

2) Die Wendung auch GL 104,7; 116, 10. 

3) Vgl. auch GL 129, 21 f. 

4) Die im folgenden angedeuteten Weltepochen und ihre Häupter 
sind ausführlicher beschrieben GR 26 f. (übersetzt Brandt, Sehr., p. 43 ff.); 
261 f.; 379 f., vgl. auch Joh 276 t.; Siouffi, p. 130; Petermann, Reisen 
II, p. 458; Brandt, Rel., p. 123. Die Vorstellung von den Häuptern der 
verschiedenen Weltepochen findet sich auch bei den Jeziden, vgl. Bittner, 
Die heiligen Bücher der Jeziden oder Teufelsanbeter (Wien 191 3), p. 15,4. 

5) Siehe oben S. 43. 

6) Zwischen den beiden Teilen des Satzes ist ein Widerspruch. 
Vielleicht wird im zweiten gesagt, daß sie auch weiter über die Vorgänge 
in der Welt wachen. Die Hüter und Wächter werden im mandäischen 
Schrifttum häufig genannt. Oben 5, 6 wird Ptahil als Hüter des Weltbaues 
bezeichnet. GR 299, 9 ff", erhält Anus, 3 13, 2 1 fi". Säm-Ziwä den Auftrag, 
„das Zeitalter zu bewachen". 316,18 wird Hibil fONT ^Nt:iO genannt, 
siehe auch hier 179 t. GR 91, 10 werden zwei Uthras als Hüter über 
den Jordan des großen (Lebens), bzw. 292, 25 über einen jeden der 
360 Jordane eingesetzt. Vgl. auch 187 t. und Brandt, Rel., p. 62. Die 
Vorstellung von den „Wächtern" findet sich bereits im AT und geht wohl 
noch weiter zurück, vgl. Zimmern, KAT3, p. 629. Über ihr Vorkommen 
in der spätjüdischen und christlichen Literatur vgl. Bousset, Religion des 
Judentums 2 , p. 371 und Preuschen, Zwei gnosiisehe Hymnen, p. 51, 53. 
Auch in den manichäischen Schriften sind die „Hüter" häufig, siehe z. B. 
Müller, Handschriftenreste aus Turf an II, p. 18, 24, 38. Durch jüdische 
Vermittelung ist die Vorstellung auch zu Muhammed gelangt. 

7) GL 130,3: „Die Planeten sind Mastochsen, die auf den Märkten 
zum Verkaufe dastehen", vgl. auch N'öld., p. 315,6. 



Q, Jahjä- Jöhänä. 



Märkten zum Verkaufe dastehn. Meinen Freunden aber, die dem 
91 Leben huldigen, werden ihre Sünden und Vergehen erlassen werden." 
Und das Leben ist siegreich. 



20. — Es hatten keinen Gefallen an mir die Äonen, keinen 
Gefallen an mir alle Welten. Es hatten keinen Gefallen an mir 5 
die Äonen ******* 

******* nach dem Briefe der Kustä, der hierher gelangt ist. 1 
Sie nahmen den Brief und legten ihn in die Hand der Juden. Diese 
öffnen ihn, lesen darin und sehen, daß er nicht enthält, was sie 
wünschen, daß er nicht enthält, was ihre Seele will. Sie nahmen 10 
den Brief und legten ihn in die Hand des Jöhänä. „Nimm, Rab 
Jöhänä", sagen sie zu ihm, ,,den Brief der Kustä, der von deinem 
Vater (dem Leben) an dich angelangt ist." Jöhänä öffnet ihn- und 
liest ihn und erblickt in ihm ein wundersames Schriftstück. Er 
öffnet ihn und liest in ihm und wurde des Lebens voll. „Das ist", 15 
sagt er, „was ich wünsche, und dies 3 will meine Seele. Jöhänä hat 
seinen Körper verlassen, seine Brüder halten Predigten, seine Brüder 
predigen ihm auf dem Berge, auf dem Karmelberge." 4 Sie nahmen 
92 den Brief und brachten ihn nach dem Berge, dem Karmelberge. 
Sie lesen ihnen 5 aus dem Briefe vor und erklären ihnen das Schrift- 20 
stück: dem Jaqif und Beni-Amin und Sumel. Sie kommen auf 
dem Karmelberge zusammen ******* 

Mandä dHaije 6 , der fern von der Höhe ist: „Ich bin zu dir 
gekommen, o Seele, die dich das Leben auf die Tibil gesandt hat. 



1) Der Brief soll wohl Jöhänä mitteilen, daß seine Seele den Körper 
verlassen solle. GL [08 unt. ist der Brief, der der Seele mitgegeben wird, 
in Kustä geschrieben. Das Folgende ist unklar und stark fragmentarisch. 

j) BD haben ari beiden Stellen sr~N-:, A hat an beiden Stellen 
finSlNS, C an erster Nr,~NC, an zweiter fin^ND. Man erwartet rinrrs 
-der f^NriND, fibanriND, vgl. Nöld., p. 235 unt. 

ntn- statt -pTNri ist durch falsche Beziehung aui rs::r: entstanden. 

4) Dieser Satz gehört wohl schon zum Inhalte iU-s Briefes, aber 
man erwartet „Jöhänä soll seinen Körper verlassen". Der Karmel wird 
verschiedentlich in den mandäischen Schriften genannt: GR 110,3: 113,1; 
[18,8; [96,21; Morg 50, 1 f., siehe auch Brandt. Rel., p. 38. Seine 
Kenntnis ist wahrscheinlich aus der Geschichte des Elias und der Baals- 
priester zu den Mandäern gelangt. 

5) Li« - — -N- statt -,-r-z-Nr. 

6) Stammt offenbar aus einem anderen Zusammenhange. 



Jahjä Johänä. Q5 



In Kleidern der Acht 1 ging ich in die Welt. Ich ging im Ge- 
wände des Lebens und kam in die Welt. Das Gewand der Sieben 
brachte ich-, zur Acht ging ich hierher. Das Gewand der Sieben 
nahm ich und faßte die Acht mit meiner Hand. 3 [Ich habe sie ge- 
5 nommen] und nehme sie, ich werde sie nehmen und nicht loslassen. 
Ich habe sie genommen und halte sie fest, und die bösen Geister 
sollen sich in gute verwandeln. 1 

Warum weinet ihr, Generationen, || warum weinet ihr, Völker: 5 l x\ 
Warum schwindet eure Pracht? Für euch habe ich mein Abbild 
10 gebracht", begab ich mich in die Welt hinein." 
Und das Leben ist siegreich. 

27. — Jahjä predigt in den Nächten, Jöhänä an den Abenden 
der Nacht. Jahjä predigt in den Nächten und spricht: „Gibt es 
einen, der größer ist als ichr s Sie messen meine 3 Werke, be- 

i) Ich ziehe jetzt arasnrrl ABD vor. Mit tevtxan ist die Ogdoas 
gemeint. Auch 'Oyöoäg und £cofj stehen in Parallele, vgl. Reitzenstein, 
Poimandres, p. 54 oben. 

2) rrs = pt-n. vgl. Xüld.. p. 261,7. 

3) Mandä clHaije kommt zu der Seele herunter, die auf die Tibil 
gesandt ist. Hier wird anscheinend nur gesagt, daß er selber himmlische 
Gewänder trage, nicht daß er sie der Seele bringe, um ihr nach den ver- 
breiteten Vorstellungen den Aufstieg zu ermöglichen (vgl. Bousset, Haupt- 
problemt . p. 303 3 ). Aber man könnte schließlich 3 "»aö« auch im Sinne 
von ..gehen mit, bringen" = 3 NnJS auffassen. Andererseits scheint er 
ihr das Gewand der Sieben zu bringen, damit sie es anziehe und leichter 
die Sphäre der Planeten passiere. Mit der „Acht" müßte hier die Seele 
gemeint sein, was unverständlich wäre. K-WKnn C an erster Stelle paßt 
des Geschlechtes wegen nicht. Ich vermute, daß K* , 2N»ni statt &r2N»n 
zu lesen sei: die zur Acht, zur Ogdoas gehörige. Dahin will er sie wieder 
hinaufführen. -x~:, 1Nri3 ist aus -;i**3 verderbt. Es blieb im Texte 
stehen, daneben ist aber noch aus einer Korrektur das richtige Wort hinein- 
gekommen. 

41 Ich ziehe jetzt die Lesung ABU vor, doch gibt auch die 
Lesung C, die ich in den Text aufgenommen habe, einen Sinn: ich packe 
die bösen Geister; sie sollen sich in gute verwandeln. 
Vgl. auch GR 175,20. 

6) GR 17,12 hat ----Nr-\-. ■pba-osno"'». 

7) Xur sein Abbild. Das erinnert an die Lehre der Doketen in 
bezug auf Jesus. 

8) Dies ist sonst eine Frage im Munde der rebellischen Mächte, 
siehe oben S. 29. 1 und besonders GR 280, 25. 

9) Lies -X-N2-;'. 



o6 Jahjä -Jöhänä. 



rechnet ist mein Lohn und meine Krone, und meine Lobpreisung 
bringt mich hinauf in Freude ***** i*****" 

Jaqif verließ das Volkshaus, Beni-Amin verließ(en) den Tempel, 
Elizar, das große Haus, verließ die Kuppel der Priester. Die Priester 
sprachen zu Jahjä in Jerusalem: „Jahjä, geh hinaus aus unserem 5 
Orte, Jöhänä, geh hinaus aus unserer Stadt! Durch deine Stimme 
erbebte das Volkshaus, vom Halle deiner Predigten erbebte der 
Tempel, vom Halle deiner Reden erbebte die Kuppel der Priester." 
Darauf erwiderte Jahjä den Priestern in Jerusalem: „Bringet Feuer 
94 und verbrennet mich, bringet || ein Schwert und zerstückelt mich." 10 
Doch die Priester antworteten Jahjä in Jerusalem: „Feuer verbrennt 
dich nicht, Jahjä, denn der Name des Lebens ist über dich aus- 
gesprochen. Ein Schwert zerstückelt dich nicht, Jahjä, denn Bar- 
Haije 2 ruht hier auf dir." 3 

Und das Leben ist siegreich. 15 



28. — Jahjä predigt in den Nächten, Jöhänä an den Abenden 
der Nacht. Jahjä predigt in den Nächten und spricht: Die hohen 
Burgen stürzen ein, die hochaufgerichteten Paläste werden zerstört. 
Es gibt niemanden auf dieser Welt, dem man sagte „Wohl dir", 
ohne ihm rasch zu sagen „Wehe dir". 

Die Juden versammelten sich , gehen zu Jahjä und sagen ihm : 
„Wir beschwören dich, Jahjä, bei dem Könige des Lichtes, den du 
anbetest, weiter beschwören wir dich, Jahjä, beim Sonntag und dem 



1) KZlEM" 1 !? sonst ..Fang, Griff" gibt hier keinen Sinn. 

2) ..Der Solin des Lehens." Er wird öfter als «""{"Ita "SN an- 
gerufen: GR 219,8; 234,15; Qol 62,21; 63,1; Morg 68 1. ult. (1. nach 
Oxf., 40a «iinia v aN ~wN\xm). Kr wird N^ni NnDN72 gleichgesetzt (GL 
[21, 2i; Morg 31,4). GF 294,16 sagt fawar zu Josamin "13 fiTTi SIN 
n"-. [oh 1,52,2; 179,11 steht x^-13 parallel NaNlöaittt. GR 10S, 7 
ist es ein Sohn Adams mit N^nmu- als Schwester. Natürlich kann auch 
der Gläubige als ..Sohn des Lebens" bezeichnet werden, vgl. [86,3, unc * 
so findet sich denn s^-ma auch als Personenname: Qol 70,15; Mand. 
Diwan I), 9 f. 

3) Siouff] erzählt p. </, ,sll'.: „Les [uifs .... firent entourer de fagots 
la maison oü sc trouvait Yahio et y mirent le feu, pour faire perir le iils 
d'Abou-Saoüa; mais la flamme; une fois apaisee, ils virent Yahio sortir 
sain et sauf du milieu de la braise. Ils le frapperent alors avec les armes 
(ju'ils portaient, mais les coups ne faisaient aueun effet sur lui." Diese 
Darstellung scheint mir vom vorliegenden Stücke des Johannesbuches aus- 
zugehen; ein interessantes Beispiel legendarischer Wucherung. 



Jahjä-Johänä. 0,7 



Vorabend des Tages, dessen Name teuer und bedeutsam ist, (sage 
uns): Fehlt jemand durch Unzucht, worin wird seine Prüfung bestehen? 
Fehlt jemand durch Diebstahl, welches Urteil spricht man über ihn? 
Buhlt jemand mit der Frau seines Nächsten , welches Urteil spricht 9ö 
S man über ihn? Verläßt jemand eine Frau und nimmt eine andere, 
welches Urteil spricht man über ihn? Treibt eine Frau Unzucht, 
welches Urteil spricht man über sie? Geht jemand zu den Wahr- 
sagern und den Chaldäern der Lüge, welches Urteil spricht man 
über ihn? Trinkt jemand Wein in der Schenke 1 , [verfällt in] Trun- 

to kenheit 2 und vergeht sich in diesem Zustande, welches Urteil spricht 
man über ihn : Geht jemand zu einer Sängerin 3 und sät Samen der 
Lüge, und sie wird von ihm schwanger, nimmt dann ein Medikament 4 
und geht in die Gassen und wirft das Kind weg, und die Augen 
des Kindes blicken nach der Mutter, doch die Mutter sieht das Kind 

[5 nicht'*, welches Urteil spricht man über ihn? Liegt jemand bei seiner 
Frau und wäscht sich nicht mit Wasser, welches Urteil spricht man 
über ihn 1 Wäscht sich eine Frau nicht mit Wasser, welches Urteil 
spricht man über sie? Schläft jemand bei seiner Frau an jenem 
ersten Tage, an dem sie sich |] von der Unreinheit und Menstruation 96 

20 wäscht, welches Urteil spricht man über ihn? Genießt jemand Zins 
und Zinseszins an Gold und Silber, welches Urteil spricht man über 
ihn? Liebt jemand Gold und Silber 11 und tut nicht Gutes damit, 
welches Urteil spricht man über ihn? Riecht jemand den Duft des 
Lebens 7 und spricht den Namen des Lebens nicht darüber aus, 

25 welches Urteil spricht man über ihn? Tut jemand häßliche Werke, 
welches Urteil spricht man über ihn- Färbt jemand seine Hände 
und Füße s und verdreht die Gestalt, die sein Herr ihm bestimmt 



1) Dazu gehört auch Musik, vgl. 97,15: -47- l6f.; GR 220,0. 

2) N"-S- sn nach 97, 14. 

3) Die im Orient von jeher auch die Prostitution vertritt. 

4) Ein Abortivmittel. 

5) Vollständiger 98 und 248. 

ö) Obwohl die Liebe zu Gold und Silber an sich verwerflich ist, 
ist der erste Satz NSOJOn N2~NT DNfiTSl -n:":: dennoch zu streichen. 
Kr steht auch 99,0; 249,6 nicht. 

7) Vgl. auch 6,4. Mit dem „Duft des Lebens" ist hier wie auch 
GR 301,22 offenbar etwas ganz Konkretes gemeint. Es ist wohl der Duft 
des beim Taufakt verwandten Weihrauchs, siehe auch S. 11 1 . 

8) In B: mit Henna, vgl. S. 100,13. 

Lidzbarski, Johannesbuch. / 



qg Jahjä-Johäna. 



hat, welches Urteil spricht man über ihn? Liebt jemand gefärbtes 
Zeug, welches Urteil spricht man über ihn?" 
97 Als die Juden so sprachen, schrie Jahjä laut auf 1 , rief || und 

sprach: „Bewahre, daß das große, gewaltige Licht Anteil suche an 
Trübungen.- Ein jeder, der in Unzucht fehlt, wird seine Prüfung 5 
im (Höllen)feuer finden. Ein jeder, der in Diebstahl fehlt, wird auf 
dem Finsterberge gefesselt werden. Ein jeder, der mit der Frau 
seines Nächsten buhlt, wird das Feuer zum Richter haben, bis sein 
Geist aufhört. * Ein jeder, der mit einer verwitweten Frau buhlt, 
wird auf dem Finsterberge gefesselt werden. Ein jeder, der mit m 
einer Braut buhlt, wird auf Doppelmaschinen 8 geschlagen werden 
und seine Augen an Abathur nicht sättigen. 4 Ein jeder, der eine 
Frau verläßt und eine andere nimmt, wird an Feuergeräte ge- 
schlagen werden. Eine Frau, die Unzucht treibt, wird als Ofen- 
scheite verwandt werden und ihre Augen am Hause des Lebens 15 
nicht sättigen. 6 Ein jeder, der zu Wahrsagern und Chaldäern der 



1) Alle Handschriften haben finm"Pp3, siehe auch zu 15,8. 

2) Der Verfasser verwahrt das große Licht dagegen, daß es mit den 
berührten Scheußlichkeiten irgend etwas zu tun habe, vgl. auch GR 301,6. 
Das folgende Stück ist 247,3fr. wiederholt. In einem Religionskreise, 
dessen Blicke so stark auf das Jenseits gerichtet sind, hat man sich natür- 
lich intensiv mit der Frage nach dem Schicksal der Guten und der Bösen 
nach dem Tode beschäftigt. Einzelne Äußerungen sind durch die ganze 
mandäische Literatur zerstreut. Zusammenstellungen von Strafen finden 
sich auch GR 300f. und besonders im Mand. Diwan, siehe auch Siouffi, 
p. [27 f. In der altchristlichen Literatur fanden solche Schilderungen in 
die Apokalvptik Aufnahme (Petrusapokalypse). Vgl. besonders die an- 
regende Behandlung des Stoffes in Dieterich's Nekyia. 

3) Nicht sicher. Findet sich auch [59, < s und BTSlilfiMa -p-n f 55) ll 
neben Netzen. GL 107,4,12 werden der Seele jraiKn NTJiriN« von der 
Rühä auf dem Wege gegraben. Es scheint danach eine Vorrichtung zum 
Einfangen zu sein. Dies paßt auch für GR 216,1: „Der Listige gleicht 
n-:--n-:, das in List verdeckt ist." An dieser Stell«' ist Riainwa als Sin- 
gular konstruiert. Vielleicht ist es fxdyyavov unter Einfluß von [inyavi). 

Unter den Fragen fehlen die beiden letzten Fälle. Zur Wen- 

dung 3 vtbn h:-n, a N-'r:-n;- rtr« vgl. S. 47*. 3 Kibnvi* XiV* steht 

parallel 2 b«D2 ^:\\ Vgl. [05, IJ Ll6, 5, doch ist ersteres jedenfalls ein 
stärkerer Ausdruck: sich an etwas satt sehen. Die mit "nriN3K in Ver- 
bindung stehende Wendung bedeutet wohl, daß das Auge seinen Blick 
rri< lit wird ertragen können. 

5) E: Geräte von Eis und Feuer, doch siehe S. 99, I. 

6) sr: mit - nur an dieser Stelle; 247,13 hat besser N^ttn'O. 



Jahja-Johäna. qq 



Lüge geht, wird auf Eisgeräte l geschlagen werden. Einen jeden, 
der in einer Schenke Wein trinkt, sich bei Pauken und Liedern 
berauscht und in diesem Zustande Unzucht treibt, wird man mit 
Kämmen || von Ketten 2 zerkämmen, und er wird seine Augen an 9s 

5 Abathur nicht sättigen. Ein jeder, der zu einer Sängerin geht und 
Samen der Lüge sät, sie dann von ihm schwanger wird und ein 
Medikament nimmt, hingeht und das Kind in den Kot wirft, dann 
eine Grube gräbt und es verscharrt, sich dann umwendet und 
mit den Fersen darauf tritt; die Augen des Kindes blicken '■ nach 

10 der Mutter, doch die Mutter sieht das Kind nicht an; das Kind 
stirbt dann im Kot, und die Mutter weint darüber ganz verstohlen, 
die 4 wird zur Rechenschaft gezogen werden in jenem Wachthause 
der gierigen, wütenden 5 , stummen und tauben Hunde. Sie wird 
zur Rechenschaft gezogen werden, ihre Augen an Abathur nicht 

15 sättigen, und ihr Name wird aus dem Hause des Lebens ausgewischt 
werden. Ein jeder, der sich seiner Frau nähert und sich nicht mit 
Wasser wäscht, wird im Leibe des Leviathan seinen Wohnsitz finden. 
Eine Frau, die sich nicht mit Wasser wäscht, wird Schlag auf 
Schlag erhalten. Der reine Name wird sie verfluchen, mit einer 

20 Auflösung 6 ohne Ende || wird sie der Hüter des Lichtes plagen, und 99 



1) N--N2 bedeutet im Mandäischen nicht bloß „Hagel", sondern 
auch ..Eis". GR 317,11 werden ..sechzig Stäbe von KTlNa" genannt. 
Oxf. Rolle F, 186,531; Lond. Rolle A, 58(1 steht es neben vkvhi, das 
..Hagel'' bedeutet, vgl. auch S. 47 x . 

2) N"i?aip scheint hier diese Bedeutung zu haben (vgl. Nöld., p.47,20), 
wenn ich auch keine rechte Vorstellung von solchen Kämmen habe. GR 
300, 2 1 werden in demselben Zusammenhange übzfp N'-XON": (CD firbaip) 
„Sägen von N(')bmp" genannt, vgl. auch E und 248, 1. Man könnte 
auch an targum. &6np, »b3p_ „Finsternis" denken, aber „böser Feind" 
(Kessler, PRE XIIA p. 174,17) bedeutet «bmp allein nicht. 

3) Lies FftarTNi"!, vgl. auch 248,5. 

4) Ursprünglich ist die Strafe wohl auf den Mann bezogen, der ja 
dm Anstoß zum Vergehen gegeben hat, vgl. auch 248, 7 und Nöld., 
p. 445 f. Doch ist es begreiflich, daß nach der lebendigen Schilderung 
der Herzlosigkeit der Mutter in die Handschriften die Beziehung der Strafe 
auf sie eingedrungen ist. 

5) E „entflammten", siehe auch S. 20 6 . 

6) Zweifelhaft. KMrT'O heißt sonst „Ader", vgl. Nöld., p. 136, 12 ; 
SlOUFFl, p. 149, 170, findet sich aber in der Literatur bis auf Lond. Rolle 

B, 227 (jr:j^—"r «mtöi ■pmar «»nabn, vgl. Siouffi, p. 14g) nur in 

übertragenem Sinne: N-::n »»TID 271.3; 272,3; D'TO'WJ NpSSi MKTTD 

7* 



IOO Jahjä-Johänä. 



ihr Name wird ausgewischt werden aus dem Hause des Lebens. 
Einen Mann, der an jenem ersten Tage, an dem seine Frau sich 
mit Wasser von der Unreinheit und Menstruation wäscht, bei ihr 
schläft, wird man in den schwarzen Wolken der Finsternis stehen 
lassen. Einen jeden, der Zins und Zinseszins an Gold und Silber 5 
verzehrt, wird man auf dem Berge, dem Finsterberge, stehen lassen. 
Ein jeder, der Gold und Silber liebt und damit nicht Gutes tut, 
wird eines doppelten Todes sterben und abgeschlossen werden 1 . 
Ein jeder, der den Duft des Lebens riecht und den Namen des 
Lebens nicht darüber ausspricht, wird im Hause des Abathur zur 10 
Rechenschaft gezogen werden. Ein jeder, der häßliche Werke tut, 
wird durch das Schwert und den Säbel der Planeten hingerafft 
werden. Ein jeder, der Hände und Füße färbt 2 und die Gestalt 
verdreht, die sein Herr ihm bestimmt hat, wird mit seinen Händen 
100 Kohlen fassen und mit seinen Lippen || den Brand anfachen. 3 Er 15 
wünscht den Tod und kann nicht sterben; das Leben nähert sich 
ihm nicht, es läßt ihn nicht sterben und erlöst ihn nicht aus der 
Qual, um hinaufzusteigen und den Ort des Lichtes zu schauen. 
Wegen der Taufe, die er im Jordan empfangen, wird er nicht ver- 
urteilt, in der Behausung der Sünder [zu bleiben]. 4 Einen jeden, 20 
der gefärbtes Zeug liebt, bekleidet man mit Finsternis, bedeckt ihn 
mit Hüllen der Dunkelheit und legt ihm Brandsandalen an die Füße. 
Finsternis geht vor ihm einher, und Dunkelheit folgt ihm nach. 
Böse Geister und Dämonen bilden seine Begleitung. Weil er ge- 



GR 74, 18 f.; KSlttnl NplN^ 6W1 RWT»« GR 75,8; KSliBS-ii 6tt«TnD 
GR 83,2] f.; [51,12; -lfiTNl KpKl «31 BOKTB GR 178, (8; «MP^PB 
KVlSRI SO^Nl Qol 21, [8 und sonst. 

i) Siehe oben, S. 24 x . 249,8 hat ..und wird aus der Welt weg- 
gewischt werden". 

2) Siehe oben, S. 97 8 . 

3) Nach Siouffi, p. 106 m werden jetzt bei den Mandäem bei einem 
Hochzeitsfeste der Braut und den eingeladenen jungen Mädchen Hände 
und Füße mit Henna gefärbt. Trotzdem ist nicht anzunehmen, daß der 
Verfasser sich mit seinem Eifer nur gegen Männer wendet. Siehe auch 

1 iben S. 89, 7. 

4) TKTMWiKb (das n ist sicher) könnte INUNnyNb sein, doch ist 
nach 250,4 1»M»)3M3 zu lesen. Der Satz ist ein späteres Einschiebsel, 
denn er stellt in Widerspruch zu den vorhergehenden Sätzen. Kr wurde 
zu einer Zeit eingefügt, als man im Gebrauch der Henna kein schweres 
Vergehen sah. 



Jahjä-Jöhänä. 101 



färbtes Zeug geliebt, wird er in den Wachtstationen festgebunden 
werden, bis sein Geist aufhört. 1 

Euch sage und erkläre ich, ihr Seelen der Männer von er- 
probter Frömmigkeit, die das Leben bezeugen: Begehet keine 
häßlichen Werke, damit ihr nicht in den Ort der Finsternis hinab- 
sinket." 

Das Leben wird hochgehalten || und ist siegreich, und siegreich 101 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 2 



29. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das 
io hehre Licht. 

Jahjfi predigt in den Nächten, Jöhänä an den Abenden der 
Nacht. Jahjä predigt in den Nächten und spricht: „Ich glänze durch 
die Rede von meinem Vater, ich glänze und leuchte durch die 
Lobpreisung des Mannes, meines Schöpfers. 3 
15 Machet euch frei von der Tibil und der nichtigen Wohnung, 

von einem Auge, das zwinkert, und von Lippen, die Lügen reden. 
Unser Herr! Siehe uns an, befreie uns und errette uns von den 
Werken, die hassenswert und nicht recht sind. 

Lasset euch von mir warnen, meine Brüder, lasset euch von 
2o mir warnen, meine Freunde! Lasset euch von mir warnen, meine 
Brüder, vor Handlungen, die hassenswert und nicht recht sind. 

Lasset euch von mir warnen, meine Jünger! Seid friedlich und 
bescheiden. Liebet den Sonntag und ehret den Vorabend des Tages. 102 
Gebet Almosen, das mehr wert ist als Weib und Kind. Lohn 4 und 



i) Wie gegen Henna, so wendet sich der Autor auch gegen farbige 
Gewänder mit auffallender Schärfe. Es scheint, daß er eine gerade ein- 
gerissene Mode bekämpfen will. 

2) In den Handschriften außer B steht hier noch der Zusatz: „das 
(das Leben) seine Freunde nicht verurteilt. Und das Leben ist siegreich." 

3) Siehe oben S. 60 6 . 

4) Np-T" N"I3N ist eine sehr häufige Verbindung. 168, 2 stehen 
die Wörter noch in einfachem Sinne: der für eine Leistung beanspruchte 
oder gewährte Lohn und die milde Gabe. Hier aber, wie auch GR 39, 21; 
41,15 und sonst ist mit NpT'T die Gewährung des Almosens und danach 
mit N'naN die Auszahlung des Lohnes gemeint. Dem Löhner seinen Lohn 
nicht zu entziehen oder zu kürzen, wird als ein Verdienst angesehen; vgl. 
Sätze wie GR 19,25: „und der Lohn des Löhners übernachte bei euch 
nicht''; GR 38, 2 f.: „Gebet den Lohn des Löhners, und wenn er den 
Lohn von euch fordert, bleibe dieser bei euch nicht zurück." 



I , ,_, Jahjä -Jöhänä. 



Almosen werden auf dem Wege gefordert, wie die Hand, die dem 
Munde reichen soll. 1 Lohn und Almosen werden auf dem Wege 
gefordert, wie ein Unterdrückter, der einen Retter sucht.-' Wer 
Lohn und Almosen nicht aufweisen kann, für den ist über die Flüsse 
keine Brücke geschlagen. 3 Wer Lohn und Almosen nicht aufweisen 5 
kann, für den gibt es auf dem Meere keinen Übergang. Wer Lohn 
und Almosen nicht aufweisen kann , der wird sein Auge an Abathur 
nicht sättigen. Wehe den Bösen und Lügnern, die das Almosen 
vergessen und es nicht gegeben haben. Vergessen haben sie das 
Almosen und es nicht gegeben 4 , haben vergessen den Mann, der 1 
mc erlösen soll. 

Meine Auserwählten! Liebet die Almosenspende und liebet 
den Sonntag 5 , damit ihr (der Seele) eine Brücke über das Meer 

i) In einem manichäischen Gebete bei A. von Le Coq, Türkische 
Manichaica uns Chotscho I (Abhandlungen der Kerl. Akademie, phil.-hist. 
Cl., iijii), p. 2$ findet sieh der Vergleich ..wie auch die Hand dem 
Munde teuer ist - '. 

2) N--w';- heißt [05,7,11 ..blind", aber nach Kp:fin-|NE steht das 
Wort hier in der ursprünglichen Bedeutung, vgl. auch GR [5,16; (iL 
103, 1 2 und Nöld., p. 41S, 20f. 

,^| N-j:-: findet sieh auch im Mandäisehen häufig in der ursprüng- 
lichen Bedeutung „Grenze": GR 9,19; 11,10; [28,3; Qol 34, 10 (neben 
&ONO); GR 39, 20, 23; 295, i'> (neben jö-d, &630) und sonst oft. Es 
steht so namentlich in den Krmahnungcn, nicht rechtswidrig die Grenzen 
abzuändern: GR40. 17 t.: [83,9; Gl- 17, 9; i<>, 13; 27,23. K^IF» T\"2 
„Grenzort": GR 152,9; [54,7 und sonst. Da die Feldmarken oft durch 
aufgeschüttete Wälle gekennzeichnet werden, konnte N^arö auch die Be- 
deutung „Wall, Damm" annehmen: 207,1201; 231,6; GR 3X1,24; Qol 
05,13 b Andererseits bilden bei Überschwemmungen, wenn die Felder 
unter Wasser stellen, die Wälle und Dämme die einzige Möglichkeit, das 
Gebiet trocken zu passieren, und so kam «isro zur Bedeutung „Über- 
gang" und bedeutet dann auch geradezu „Brücke". Es steht im Man- 
däisehen parallel BnaKM N~2"-_ (hier, dann [78,7 = GR 370,6; GL 
[01,15; 107, 2) wie im Talmud, vgl. Levy, Neuhebr. Wörterbuch III, 
p. 215b. In der Bedeutung „Grenze" ist Klar» oft mit fcOTÖ „Grenz- 
pfahl. Grenzstein" (vgl. S. 49) zusammengestellt. Aber Spekulationen wie 
die der Gnostiker über oqoq und oravQÖg (vgl. C. Barth, Die Interpre- 
tation des Neuen Testaments in der Valeniinianischen Onosis, Texte und 
Untersuchungen, Reihe III, Bd. 7, Heft 3, p. 84 ff. und Bousset, ZNTW 
XIV (1913), p- 273 ff.) finden sich nicht, können es auch nicht, da hier 
entsprechende Ausdeutungen von BOTD nicht möglich waren. 
11 Vgl. GR 566, [2 11: 
5) Siehe oben S. .5; 68 3. 



Jahjä-Johänä. 



gelegt werde. Eine Brücke soll ihr über da- Meer gelegt werden, 
an dessen Ufer tausend mal tausend stehen. Tausend mal tausend 
stehen an dessen Ufer, doch von tausend wird nur einer hinüber- 
gelassen. Von tausend wird einer hinübergelassen und von | zwei- 163 
5 tausend zwei. 1 Sie lassen hinüber die Seelen, die eifrig und des 
Lichtortes würdig sind." 

Gelobt sei dein Name, Herr des Lichtes, der nicht die ver- 
dammt, die seinen Namen lieben. 



30. — Jahjä predigt in den Nächten, Johänä an den Abenden 
io der Nacht.- Jahjä predigt in den Nächten. — Glanz ging über den 
Welten auf. Wer sagte Jesu: Wer sagte Jesu Christo, dem Sohne 
der Mirjam, wer sagte Jesu, daß er an das Ufer des Jordan ging 
und zu ihm sprach: „Jahjä! taufe mich mit deiner Taufe und den 
Namen, den du auszusprechen pflegst, sprich auch über mich aus. 
Zeige ich mich als deinen Schüler, so will ich deiner in meiner 
Schrift gedenken 3 , bewähre ich mich nicht als Schüler, so wische 

i) Nach Epiph.vxius . Eueres. 24, 5 ermahnte Basilides seine An- 
hänger, m Vater und seinem Geheimnisse niemand etwas zu ent- 
hüllen, sondern veigend für sich zu bewahren: irl dk anb yu.iojr 
1 Ivmetr, xm bvotv äxo uvquov. Der Satz ist vielleicht durch escha- 
tologische Aussprüche, wie sie hier und anderwärts vorliegen (185,3; - ~ - 
zwei von zehntausend) beeinflußt. Das Zahlenverhältnis findet sich aller- 
dings auch Deuter. 32. 30. 

: Dieses Kapitel ist bereits von G. W. Lorsbach in Stäudi 
Philosoph l GesekiehteV (Lübeck 1799)- P- 3 ff - aus 

mitgeteilt und übersetzt. Eine recht anerkennen- Leistung. Der Inhalt 

auch • SioüFFI, p. 138 £ schlecht und recht wiedergegeben. 

3) Die Schwankung in der Lesung zwischen N: _ N"-sr - ": und 
s:— :-sr-: läßt eine passivische und aktivische Auffassung des Verbums 
zu: -wenn ich mich als dein Jünger er wenn ich meiner- 
Jünger heranbilde. N~ — z k mmt - ost im Sinne von _Paß. Passier- 
schein- vor: GRi:- - : 144.3^5 *57= " ; 344- 10: vgl. auch 

Brandt. Rel.. p. 215, 10: Sehr. p. 151 1 . Hier ist es wohl allgemein im 

- hrift gefaßt, wie denn 121, MN~r und WiBlttD 
gegenüberstehen. Jesus sagt: so werde ich deiner in meinem Evangelium 
gedenken. Wh en weiterhin, daß Einrichtungen des christlichen Kultus 
durch entstellende Wörter lächerlich gemacht werden- Vielleicht wurde 
hier ÄpTTE wegen des Anklanges an l^-z^z. J-0>ZofrS - „Abtritt' 
(Pay.ve- Smith. 3244) genommen. Daß mi: KpTYTS auf U^=^2 angespielt 
werde, womit das Evangelium gemeint sei. nehme ich nicht an. Denn 
^L09oa ist La diesem Sinne nicht nachzuweisen, wenn es auch naheliegt. 



io ^ Jahjä-Jöhänä. 



weg meinen Namen aus deinem Blatte." Darauf erwiderte Jahjfi 
104 Jesu Christo in Jerusalem: ,, Belogen hast du || die Juden und be- 
trogen die Priester. Den Samen hast du den Männern abgeschnitten 
und Gebären und Schwangerschaft den Frauen. 1 Den Sabbat, den 
Moses gebunden, hast du in Jerusalem freigegeben. Belogen hast 5 
du sie durch Hörner, und Schmachvolles hast du durch Sofar ver- 
breitet." 2 



^ülf als Bezeichnung für den Koran auf ein so gebrauchtes P-- ' - 2 
zurückzuführen, vgl. zur Frage Nöldeke, Neue Beiträge, p. 2 3 f. 

Als Parallele zu ^NnDNIÜ "P "'KMiab fi^SIS erwartet man „gedenke 
meiner in deiner Prudqä". Diesen Sinn könnte man auch mit Hilfe von 
"T!Sp*Tl b 1S ,, a B zur Not gewinnen: ich sei von dir in deiner Prudqä erwähnt. 
Aber dann stände eher N-blNDIN. Auch hat an den Parallelstellen 
[05,3; 107,14 keine Handschrift das Suffix "X. Bei t ]lsnDN1I3 wiederum 
liegt kein Schwanken vor. SlOUFFl gibt Jesu Worte wieder (p. 130,40'.): 
..Si tu me crois digne du bapteme, baptise-moi, et je prierai pour toi; 
sinon, tu n'as qu'ä effacer mon nom du livre du destin, ou je figure 
comme devant etre baptise." Siouffi's „professeur" ist kein Mann der 
Akribie, und es ist im allgemeinen nicht ratsam, nach seinen Worten den 
Text zu rekonstruieren, aber es ist möglich, daß sein Text KnSNUJ "hne 
Suffix hatte. Seine Auffassung von NnöNIZJ (zum Worte vgl. Nöld., p. 48, 4) 
ist richtig. In diesem Sinne steht es auch 121,6, vgl. auch 277,0; GR 
ii'i, 1. Die Wendung findet sich auch mehrmals im Pariser Diwan (Z. 4 1, 
602, 931, [091). Der Sinn der Worte Jesu ist: Wenn in deinem Schicksals- 
blatte mein Name mitgenannt sein sollte, insofern als ich zu dir in Be- 
ziehung stehen sollte, so wische meinen Namen aus. 

i) Infolge des Zölibats und des Gebotes der jungfrauschaft. Bei 
Siouffi, p. [38 sagt Yahio: „Je ne puis te donner le bapteme ä cause 
de la taute que tu a commise en interrompant la reproduetion des hommes 
par l'ordre que tu leur as donne de ne plus sc marier." 

j ) N":n^, jedenfalls von n::< abzuleiten, findet sich neben "j^Diä öfter 
in Verbindung mit K»T "jr:-! , p{-p!Ktt)Bi» b'-' a~:~:< Cod. Par. 1 5, f. I7a= 
( od. 25, f. 2 r a; -prib-D br »— :- jwzk GR 259, 3, 6; BraV« rr «i»*i -josij 
GR 359,12. Im Plural [67,8 und danach vielleicht auch GL [29,21. 
Das Leidener Glossar hat p. [o: *:iaio N"-):. J*^i ^L\ peceare; p. 57: 

wS-:s~n:. n - ;-- ^^^ ^^ peccare; p. 98: N"ip j& iniquitas. Die Stelle 
macht den Eindruck, daß die Mandäer an der Verwendung von Blas- 
instrumenten im christlichen Kultus Anstoü nahmen. Auf eine Anfrage 
■te mir jedoch Herr Prof. v. d. Goltz, daß ihre Verwendung in der alt- 
christlichen Kirche nicht wahrscheinlich sei. Er verwies mich auf G. Riet- 
schel, Lehrbuch der hüurgik I, p. 177. Danach vermute ich, daß der 
Verfasser jüdisches und Christliches durcheinander geworfen hat. Die Juden 
verwenden ja den Sofar im Gottesdienst bis zum heutigen Tage. Hier 



Jahjä-Jöhänä. 105 



Darauf erwiderte Jesus Christus dem Jahjä in Jerusalem: „Wenn 
ich die Juden belogen habe, verbrenne mich das lodernde Feuer. 
Wenn ich die Priester betrogen habe, will ich eines doppelten Todes 
sterben. W T enn ich den Männern den Samen abgeschnitten habe, 

5 soll ich nicht das große Süf-Meer überschreiten. Wenn ich Geburt 
und Schwangerschaft den Frauen abgeschnitten habe, so ist ja ein 
Richter vor mir aufgestellt. Wenn ich den Sabbat freigegeben habe, 
verbrenne mich das lodernde Feuer. Wenn ich die Juden belogen 
habe, will ich auf Dornen und Disteln treten. Wenn ich Schmach- 

iü volles || durch Blashörner verbreitet habe, so sollen meine Augen 105 
nicht auf Abathur fallen. So taufe du mich denn mit deiner Taufe 
und den Namen, den du auszusprechen pflegst, sprich über mich 
aus. Wenn ich mich als deinen Schüler zeige, will ich deiner in 
meiner Schrift gedenken, bewähre ich mich nicht als dein Schüler, 

15 so wische weg meinen Namen aus deinem Blatte." 

Da sprach Jahja zu Jesus Christus in Jerusalem: „Ein Stammler 1 
wird kein Gelehrter, und ein Blinder schreibt keinen Brief. Ein 
wüstes Haus steigt nicht in die Höhe, und eine Witwe wird nicht 
zur Jungfrau. 2 Stinkendes Wasser wird nicht schmackhaft, und ein 

20 Stein wird nicht durch Öl weich." 3 

Darauf erwiderte Jesus Christus dem Jahjä in Jerusalem: „Ein 
Stammler wird zum Gelehrten, und ein Blinder schreibt einen Brief. 
Ein wüstes Haus steigt in die Höhe, und eine Witwe wird zur 
Jungfrau. Stinkendes Wasser wird schmackhaft, und ein Stein wird 

25 durch Öl weich." 

Da sprach Jahjä zu Jesus Christus in Jerusalem: || „Wenn du 10(> 
mir hierfür eine Erklärung gibst, bist du ein weiser Messias." 
Darauf erwiderte Jesus Christus dem Jahjä in Jerusalem 4 : „Ein 

steht auch nicht das sonst im Mandäischen übliche NTiB'na (vgl. GR 60, 5 ; 
105,8; 113,10; Nöld., p. 126,5), das mit der christlich - syrischen Form 
übereinstimmt (jji^ui,), sondern ein das hebräische isrd wiedergebendes 

1) Vgl. 54,14; S. 6o*. 

2) smTn ist hier in der ursprünglichen Bedeutung aufzufassen, 
nicht im Sinne „Braut", siehe auch die folgende Bemerkung. 

3) Vgl. auch GR 217,16. Siouffi sagt: Yahio, persistant dans 
s>m refus, lui dit: ..Les muets recouvreront la parole, les aveugles la vue, 
les sourds Foule, et la femme mariee sa virginite, avant que tu sois baptise." 

4) Die Erklärungen sind sehr schwach. In allen wird der Erfolg der 
guten Werke hervorgehoben. 



joh Jahja-Johänä. 



Stammler wird zum Gelehrten: ein Kind, das von der Gebärerin 
kommt, blüht auf und wird groß. Durch Lohn und Almosen kommt 
es empor, es kommt empor durch Lohn und Almosen und steigt 
auf und erblickt den Ort des Lichtes. 

Ein Blinder, der einen Brief schreibt: ein Bösewicht, der zum 5 
Tugendhaften l geworden ist. Er ließ von der Unzucht und ließ 
vom Diebstahl und gelangte zum Glauben an das gewaltige Leben. 

Ein wüstes Haus, das wieder in die Höhe steigt: ein vor- 
nehmer Mann, der demütig geworden ist. Er verließ die Schlösser 
und verließ das Aufbrausen 2 und baute ein Haus am Meere. Ein io 
Haus baute er am Meere und öffnete darin zwei Türen, damit er 
denjenigen, der im Elend dalag, zu sich brachte, ihm die Tür öffnete 
und bei sich aufnahm. 3 Wenn er zu essen wünschte, stellte er ihm 
einen Tisch mit Kustä auf. 1 Wenn er zu trinken wünschte, mischte 



i) Lorsbach hat schon richtig gesehen, (lall n""C"2 13, irnNü >a 
hier nicht „ein Sohn Böser, ein Sohn Guter" ist. 

2) Wohl NTiNS zu lesen, vgl. 273,9 und den Hymnus Oxf. 94a: 

6^31 ^NbüNlUB NÜT213 
-JM-IjCI^* *j73 N-nNr (Cod. N^"l3N) frlSN 

„Kustä reichte dir das große (Leben), 
Entferne «las Aufbrausen ans deinem Sinne. 
Dein Sinn fülle sich mit uns. 
Unser Gewand und dein Gewand seien eins." 
Der Plural N"""1N£ hier wurde durch N"""ipN veranlaßt. 

3) Die beiden Türen hatten wohl die Bedeutung, dal) das Maus 
von beiden Seiten zugänglich war. Aus Mißverständnis drang auf die beiden 
Türen hin die Erweiterung in ABD ein. Warum sollte der .Mann, der 
sieh selbst der Einfachheit zugewandt hat, dem Demütigen ('ine andere 
Tür zuweisen als dem Hochaufgerichteten? 

4) So bizarr es auch klingen mag, so wird liier doch zweifellos ge- 
sagt, dah die Bewirtung in Kustä, in der Darreichung des wahren Glaubens 
stattfindet. Es entspricht den übrigen Darlegungen in Jesu Antwort. Daher 
glaube ich, daß im folgenden Satze nt:n~ „Wein" zu Unrecht im Texte 
steht. Auch da wird nutet: oder Nü'ÄiDa gestanden haben. Etwas an- 
ders wird GR [5, 8 ff. gesagt: Sehet ihr einen Gefangenen, der gläubig 
und wahrhaftig i-t. so gebel Lösegeld und löset ihn aus. Aber nicht mit 
Gold und Silber allein sollt ihr die Seele loslösen, sondern mit Wahrhaf- 
tigkeit (N^'^"~) und Glauben und des Mundes reiner Rede loset die Seele 
los: von der Finsternis zum Lichte, vom Irrtum zur Wahrheit , vom Abfall 
iind Autruhr zu Gebel und Lobpreisung, vom Unglauben zum (ilauben 
.in euren I lerrn. 



Jahjä-Jöhänä. 107 



er ihm Krüge [mit Kustä]. Wenn er sich hinlegen wollte, || breitete 107 
er ihm ein Lager in Kustä aus. Wenn er gehen wollte, führte er 
ihn auf Pfade der Kustä. Er führte ihn auf Pfade der Kustä und 
des Glaubens 1 , und dann steigt er- empor und schaut den Ort des 

5 Lichtes. 

Eine Witwe, die zur Jungfrau wird: eine Frau, die schon in 
ihrer Jugend verwitwet ist. Sie hielt ihre Scham geschlossen und 
saß da, bis ihre Kinder erwachsen waren. Wenn sie hinübergeht, 
schwindet ihr nicht ihr Antlitz vor ihrem Gatten. 

[o Stinkendes Wasser, das schmackhaft wird: ein Hurenmädchen, 

das zur Edlen geworden ist. Sie steigt eine Ortschaft hinauf und eine 

Ortschaft hinab, ohne den Schleier- von ihrem Antlitz abzuwerfen. 

Ein Stein wird durch Öl weich: ein Ketzer, der vom Berge 

herabgestiegen ist. 4 Er verließ die Zauberei und verließ die Hexerei 5 

15 und bekannte sich zum gewaltigen Leben. Er fand eine Waise und 
sättigte sie und füllte die Taschen der Witwe. 6 

So taufe mich denn, du Jahjä, mit deiner Taufe und den 
Namen, den du auszusprechen pflegst, sprich über mich aus. Wenn 
ich mich als deinen Schüler zeige, will ich in meiner Schrift deiner 

20 gedenken, bewähre ich mich nicht als dein Schüler, so wische weg 
meinen Namen aus || deinem Blatte. Du wirst um deine Sünden 10s 
zur Rechenschaft gezogen werden, und ich werde um meine Sünden 
zur Rechenschaft gezogen werden." 

Als Jesus Christus dies sagte, kam ein Brief aus dem Hause 

25 des Abathur: „Jahjä, taufe den Betrüger im Jordan. Führe ihn in 
den Jordan hinab und taufe ihn und führe ihn wieder zum Ufer 



1) Die Pfade der Kustä werden auch sonst empfohlen: GR 19,25; 

22, 17; 37,4. 

2) Nach 106, 5 f. der Reiche. 

3) mb'k'D kommt sonst nicht vor, aber eben aus diesem Grunde 
kann es schwerer in den Text eingedrungen sein als das häufige N?"»53. 
Auch trägt man einen Kranz nicht über dem Gesichte. Für Nb-br darf 
man nach \l±2> den Sinn „Hülle, Schleier, Izär" annehmen. 

4) Jesus spricht von den mandäischen Verhältnissen aus. Unter dem 
Zandiq ist hier der Mazdajasnier (oder Manichäer) gemeint, der vom Ge- 
birge zu den in der Ebene wohnenden Mandäem hinabsteigt. 

5) WI-nB wie hier auch sonst in der Regel mit S":-Nn verbunden: 
GR 74. 17; 78,1; 81,5; 121,3; 166,10; 331,7t Mit «?« - Mist " 
Lew, Neukebr. Wörterbuch IV, p. IO ist es schwerlich identisch. 

ü) Die Wendung auch GL 10,24; 101,8; 103,13. 



[Q 8 Jahjä-Johäna. 



hinauf und stelle ihn da hin." Da machte sich Rühä einer Taube 
gleich 1 und schlägt ein Kreuz über den Jordan. Ein Kreuz schlägt 
sie über den Jordan und stellte das Wasser in verschiedenen Farben 
her. „Jordan", sagt sie, „du heiligst mich und heiligst meine sieben 
Söhne." 2 5 

Den Jordan, in dem Christus -Paulis 3 getauft wurde, habe ich 
zur Traufe* gemacht. Das Pihtfi, das Christus -Paulis nimmt, habe 
ich zum „Sakrament" gemacht. Das Mambuha, das Christus -Paulis 
nimmt, habe ich zum „Abendmahl" 5 gemacht. Die Kopfbinde, die 
Christus-Paulis nimmt, habe ich zum „Pfaffentum" G gemacht. Den 10 
10!> Stab, den || Christus -Paulis nimmt, habe ich zum Dreck 7 gemacht. 

Lasset euch von mir warnen, meine Brüder, lasset euch von 
mir warnen, meine Lieben! Lasset euch von mir warnen, meine 
Brüder, vor den , die dem Kreuze gleichen. 8 Sie schlagen es 



1) Abgesehen von diesem übernommenen Zuge nimmt Rühä auch 
GR i 16 f. eine fremde Gestalt an, die der Eva. Über die Taube in den 
religiösen Vorstellungen der Mandäer gibt SlOUFFi, p. ii() interessante 
Bemerkungen. 

2) Es wird auf KöTipl »mi angespielt. Die Planeten werden 
als Söhne der Rühä angesehen, vgl. Brandt, Rel, p. 61 f. 

3) Lorsbach erklärt DlVas als pers. j-Ä deeeptor, vafer (vgl. Vullers 

I, p. 262a s. v. j»fi), vielleicht mit Recht, aber wie die Schreibung B^VlNS 
zeigt, scheint hier der Name Paulus mitgewirkt zu haben. Man hat den 
Apostel mit Christus zusammengeworfen. 

4) Hier und im folgenden sind Bezeichnungen aus dem christlichen 
Kultus /.. T. in entstellter Form gebraucht. Bei diesem Worte hat LoRS- 
BACH, von der Lesung MWIID ausgehend, an 83*115 furnus gedacht, was 
nicht paßt. In JWNlima, »WltTO ist es an das Wort für „Krankheit" 
angelehnt und dürfte von «sna \2iz.S. im Sinne „Taufbecken" ausgehen, 
vgl. arab. ä^j^U)' ^fr, das jedenfalls auch in dieser speziellen Bedeutung 
tntlehnt ist. 

5) Nach der Lesung in AC scheint auch jtteWTip entstellt worden 
zu sein. Etwa zu N:xzp-l"p ..Kropf"? 

6) Dahinter steckt ein Wort für die Kopfbedeckung der christliehen 
Priester. Aber diese wird nicht schlechthin BHiWtt genannt. \o^s liegt 
zu fern, noch ferner \L^ z-z , Nöldeke, Neue Beiträge, p. 37- 

7) Gemeint ist \.~*Jio^o. 

-S) N"wS"l-, N"N:— I findet sich auch sonst, ohne daß es mir mög- 
lich ist, die Bedeutung festzustellen. GR [18,20 wird &r»»-n unter den 
Sternen genannt: „Ich beschwor 'U-n N\\/;-n, daß sein Bild nicht in der 



Jahjä-Jöhänä. 109 



an die Wände 1 , dann stellen sie sich hin und verneigen sich vor 
dem Klotze. Lasset euch von mir warnen, meine Brüder, vor dem 
Gotte, den der Zimmermann zusammengefügt hat. Wenn den Gott 
der Zimmermann zusammengefügt hat, wer hat dann den Zimmer- 
5 mann zusammengefügt?" 2 

Gepriesen sei das Leben, und das Leben ist siegreich. 



31. — Jahjä predigt in den Nächten, Jöhänä an den Abenden 
der Nacht. Jahjä predigt in den Nächten und spricht: „Die (Him- 
mels)räder und (Himmels)wagen erbebten. Sonne und Mond weinen, 

10 und die Augen der Rühä vergießen Tränen." Er spricht 3 : „Jahjä, 
du gleichst einem verbrannten Berge, der in der Tibil keine Wein- 
blüten hervorbringt. Du gleichst einem ausgetrockneten Flusse, an 
dem man keine Pflanzen zieht. || Du gleichst einem verödeten Hause, 110 
vor dem ein jeder, der es erblickt, sich fürchtet. Ein Land wur- 

15 dest du ohne Herrn, ein Haus ohne Ansehen. 4 Ein falscher Pro- 



Welt gesehen werde." GR 300,14 fr.: „Meine Auserwählten! Euch rufe 
ich zu und sage ich, daß ihr die Verfehlungen der Namrus, des fiTKHn 
und der sieben Planeten nicht begehen sollet. Wer ihre Verfehlungen 
begeht, wird in der Fessel schwarzen Wassers sterben." GR 301, 16: 
„Er wird seine Prüfung im lodernden Feuer, in Hitze, Eis und Brand 
zu bestehen haben, worin die Seelen der s^SWH geprüft werden." Im 
Mand. Diwan, B, 106 scheint es soviel wie „Schütze" zu sein: „Das Gebet 
der Guten, derer von erprobter Frömmigkeit, ist derart wie die N^fiWn 
von leichter Hand; wenn sie den Pfeil absenden, wird er nicht abge- 
schnitten^). Gleich jenen (vgl. S. 193) Pfeilen ist das Gebet und 

die Lobpreisung." Die Worte Nn^N^ DNlV« V?:N"n machen den Ein- 
druck eines schwachen Versuches, STSWH etymologisch zu deuten. Sie 
haben den Wert, daß sie die Lesung K^SWn stützen und die wenigstens 
für diese Stelle naheliegende Annahme, daß ^"»NDTl „Rhomäer, Byzan- 
tiner" als Bezeichnung für die Christen zu lesen sei, ausschalten. Es ist 
aber auch nicht wahrscheinlich, daß die Rhomäer von den Mandäern 
unter jüdischem Einflüsse „Edomiter" genannt worden seien. 

1) Vgl. Nöld., p. 113,7. 

2) Es ist diese Stelle, die Lorsbach und nach ihm Kessler PRE 
XII3, p, 172,3 fr. übersetzt: „Hütet euch vor dem Gott -Zimmermann! 
Dem Zimmermann gebührt die Axt, aber kein Weihrauch!" 

3) Es ist nicht klar, wer der Redende ist. Es ist nicht Jahjä selbst, 
der zu sich spricht, denn die Worte werden von ihm gehört. An eine 
„innere Stimme" ist hier kaum zu denken. 

4) Weniger gut F Nnrn „Tongerät": in dem kein Tongerät ist. 
Noch weniger paßt KTPH D. Dies hat dieselbe doppelte Bedeutung wir 



T IO Jahja-Johäna. 



phet wurdest du, der du keinen hinterlassest, der deines Namens 
gedenke. Wer wird dich mit Vorrat, wer mit Proviant versehen, 
Jahjä, und wer wird dir nach dem Begräbnisorte folgen?" 

Als Jahjä dies hörte, zog sich ihm eine Träne im Auge zu- 
sammen 1 ; eine Träne zog sich ihm im Auge zusammen, und er 5 
sprach-': „Angenehm wäre es, ein Weib zu nehmen, und herrlich, 
daß mir Kinder würden. Doch wenn ich nur nicht eine Frau nehme 
und dann der Schlaf kommt, die Begierde zu ihr mich erfaßt und 
ich mein Gebet der Nacht unterlasse. Wenn nur nicht die Be- 
gierde in mir erwacht und ich meinen Herrn aus dem Sinne ver- 10 
gesse. Wenn nur nicht die Begierde in mir erwacht und ich mein 
Gebet für eine jede Zeit unterlasse." 

Als Jahjä dies sagte, kam ein Brief aus dem Hause des Aba- 
111 thur: „Jahjä, nimm eine Frau und bilde dir einen Stamm 3 || und 



In erster Linie „Schande": GR 356, 16; 362, r; vgl. Nöld., p. 45.4. 
Ein Plural: GL 72, 24; Morg 5 g, 12; 60, 6 ( = = Oxf. 41 b; 42 a). Dann 
aber steht es in jüngeren Texten im Sinne ..Huld" in der Reihe Nn'SNH'n 
N"Npr: S'S'wi K'HSTOI jnfiTl "der in ähnlichen Verbindungen: Morg 
[97,9; [98,14; 201.10: 2O0.12.17: 261,14,29; Cod. Par. 27, f. 31b; 
54a. Da diese Texte Beschwörungen sind, scheint mir das Wort unter 
jüdischem Einflüsse in sie eingedrungen zu sein. N~w n n findet sich in der 
Tat in diesem Sinne wenn auch nicht in derselben Verbindung, bei 
Montgomery, Aramaic Tncantation Tcxt.s, 13,0. Für eine Doppelbedeu- 
tung von ion im Aramäischen darf danach dieses NTrr; nicht heran- 
gezogen werden. Zur Frage vgl. Schulthess, Homonyme Wurzeln, p. 31 f. 

1) Die verschiedenen Formen an dieser Stelle und NnrVWH SrNü 
hVk-nj: (Var. nb-ss) CR 306, 2 1 ; Nnrv:-- yHrrarNa ■ji^T'NK GL 2 5, 10; 
Nni-ra-n nrs: *isn«üX3> CK ii4<-C «niTro-n ■prrwws ■pb'wnKBX , *n 
[oh 270, 5 f.; »nrPöTi r:^ "i&nNEttM» GL 21, [9; -in'inüx:? anr-pn-na -:\\« 
CR [66,22; -w\-w\"Jj:r NT-'"";: \n:-n GR 327,7 zeigen, wie sehr das 
Verb in formaler und syntaktischer Hinsieht schwankt. sniS im Sinne 
„durchdringen, hervorbrechen" würde für einige Formen passen, vgl. auch 
Payne-Smith, 3439f. Aber bei N^INX wäre es auffällig, daß der dritte 
Konsonant als Guttural behandelt sein sollte, während «*iä in seiner son- 
stigen Anwendung (vgl. S. 7')*) als tert. inf. gebraucht ist. Es scheint 
doch, daß allen Formen TIS zugrunde liegt mit der Bedeutung „zusammen- 
ziehen", wie „sich zusammenziehen". In diesem Sinne steht auch ^l&nNtMt» 
teils von der Träne im Auge, teils vom tränenden Auge. An -,TJ. „bilden" 
(vgl. S. 8 2 ) ist hier wohl nicht zu denken. 

2) Siehe zum Folgenden SlOUFFI, p. iof. 

j) Als allgemeine Mahnung an die Gläubigen CR [4,35 35> 2 5 v $- 
am h Brandt, Rel., p. < s ,s '. 



Jahjä-Jöhättä. i i i 



siehe zu, daß du nicht die Tibil eingehen lassest. In der Nacht zum 
Montag und in der Nacht zum Dienstag suche dein erstes Lager ' auf. 
In der Nacht zum Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag widme 
dich deinem hehren Gebete. In der Nacht zum Freitag- und in der 

5 Nacht zum Sonnabend suche dein erstes Lager auf. In der Nacht 

zum Sonntag und in der Nacht zum „Tage" 3 widme dich deinem 

hehren Gebete. 4 Am Sonntag nimm drei und lasse drei, nimm drei 

und lasse drei. 5 Siehe zu, daß du nicht die Tibil eingehen lassest." 

Darauf schufen sie Jahjä eine Frau aus dir, dem Orte der 

10 Getreuen. ,; Bei der ersten Schwangerschaft wurden Handan und 
Sarrath geboren. Bei der mittleren Schwangerschaft wurden Bihram 
und R'himath-Haije geboren. Bei der letzten Schwangerschaft wur- 
den Nsab, Säm, Anhar-Ziwä und Sarrath geboren. 7 Diese drei 
Schwangerschaften fanden in dir, du Ruine Jerusalem, statt. 



i) Insofern als es seine erste Ehe ist, vgl. auch S. 112,25. 

2 K"'t3tfrr(K) ta » e i N"-^ oder 8Ü8n(Nh1 findet sich in jungen Stücken 
öfter als Bezeichnung für den Freitag: Qol 720,40; Morg 64, 7 (Oxf. 46a 
STBNriN-fi); Cod. Par. 15,48b - Cod. 25,57a; Oxf. Rolle F, 12 15; Lond. 
Rolle B, 57. NLWn-, NÜNrrNI ist wie sonst im Aramäischen „Kanal": 
GR 337, 3 ff.; GL 111,15 f.; vr*ft N*?:n '-1 Qol2,27; GR 308, 4. Die 
vN'-JwS-(N)- sind für den Kultus von Bedeutung, vgl. z.B. Morg 9, 6 f.: 
„Heilung und Schuldlosigkeit werde euch zuteil, o ihr himmlischen Könige, 
Uthras, Tempel, Kanäle und Skinäs der Lichtwelten insgesamt." Wenn 
nun Freitag der Tag des Wasserlaufes bezw. der Wasserläufe genannt 
wird, so ist anzunehmen, daß an ihm irgendwelche Handlung an den 
Kanälen vorgenommen wurde. Bei der Aufzählung der Wochentage 
SlOUFFl, p. 143 wird Freitag Ourouflo, SnDTT»?, d. h. jk=>ojl genannt, 
vgl. auch Qol 72 b, 40. 

3) Zu txav a~z:s siehe oben S. 68 *. 

4) Über die Gebete der Mandäer vgl. Brandt, Rel., p. 92 t". S10111 i 
bemerkt p. 12 2 : Depuis so n manage, Yahio prit pour regle de n'employer, 
toutes les nuits, que quatre heures pour la priere. 

5) Ich vermute, daß mit „Nehmen" Jordane, d. h. Taufen gemeint 
sind. Zum Ausdruck "jjoV R3TW vgl. Brandt, Rel., p. 100. Daß der 
Satz sich auf den ehelichen Verkehr beziehe, ist unwahrscheinlich. 

6) Der Ort der Leute der Kustä ist wohl identisch mit NÜ101D N""- - :. 
Er ist „jenseits". Cod. Par. 15, f. 16a = Cod. 25, f. 20a heißt es: SWSia 

»nara ^mn b^rib bwab fibn» wsia cirx'r Frbn* ctt&tbsn b-'rvttb nrrr 

K^NÜTÖ-Dl „Eine Rebe steht für Sitil, ein Baum steht für Anos, eine 
Rebe steht für Sitil jenseits in dir, dem Orte der Getreuen." 

7) Die Namen stimmen z. T. überein mit denen der Kinder Evas 
GR 108 ob. Sie sind denen göttlicher Wesen entlehnt, vgl. S. b 2 , i.y\ 



I 12 



Jahjä-Jöhänä. 



Jahjä öffnete den Mund und sprach zu Anhar 1 in Jerusalem: 

112 II „Unterrichte du deine Töchter, damit sie nicht zugrunde gehen, 
und ich will meine Söhne aufklären und belehren, daß sie nicht 
gehemmt werden." Darauf öffnete Anhar ihren Mund und sprach 
zu Jahjä in Jerusalem: „Ich habe Söhne in der Tibil geboren", 5 
sagt sie zu ihm, „doch (ihr) Herz habe ich in der Tibil nicht ge- 
boren. 2 Wenn sie sich belehren lassen, so werden sie zum Orte 
des Lichtes emporsteigen; lassen sie sich nicht belehren, so wird 
sie das lodernde Feuer verzehren." 

Jahjä öffnete den Mund und sprach zu Anhar in Jerusalem: 10 
„Wenn ich die Tibil verlasse, sage mir, was du nach mir tun willst." 
— „Ich will nicht essen und will nicht trinken", erwidert sie ihm, 
„bis ich dich wiedersehe." — ,,Lüge hast du gesprochen, Anhar, 
und in Täuschung ist dein Wort herausgekommen. 3 Wenn ein Tag 
eintritt und ein Tag ausgeht, issest du und trinkest du und ver- 15 
gissest mich aus deinem Sinne. Ich fragte dich vielmehr beim 
großen Leben und beim Vorabende des Tages, dessen Name teuer 

113 ist: Wenn || ich die Tibil verlasse, sage mir, was du nach mir tun 
willst." — „Ich will mich nicht waschen und will mich nicht kämmen", 
sagt sie zu ihm, „bis ich dich wiedersehe." — „Du hast wieder 20 
eine Lüge gesprochen, Anhar, und in Täuschung ist dein Wort 
herausgekommen. Wenn ein Monat eintritt und ein Monat aus- 
geht, wäschest du dich und kämmest dich und mich vergissest du 
aus deinem Sinne. Wiederum fragte ich dich, Anhar, bei dem 
ersten Lager, in dem wir beide liegen. 4 Wenn ich meinen Körper 25 
verlasse, sage mir 5 , was du nach mir tun willst." — „Ich will keine 



[87, 26ff. Siouff] sagt allerdings p. 14 2 : Nous avons dit aüleurs qu'il n'etait 
pas constate que le legislateur des Soubbas eüt eu des enfants. Mon pro- 
fesseur le certifie, et croit que Yahio voulut parier ... d'enfants spirituels. " 

1) Es ist seine Frau. Der Name bedeutet wahrscheinlich „es (das 
Leben) erleuchtete". Kr wurde als Frauenname bei den Mandäern sehr 

beliebt, Vgl. /.. B. I, 9, 12, 15; 2, I, 2, 3. 

2) Nach rrbT" 1 ^? in K hatte der Text ursprünglich wohl mbT" 1 und 
r-r-p\\V. 

3) Dieselbe Wendung steht GR 329,3 von der Ruhä. 

4) So in den besseren Handschriften. Es ist ihr erstes Ehelagcr, 
vgl. auch S. 1 1 1 ob. AD: in dem wir beide gelegen haben. 

,S) In N">b*n7JN I) hat sich vielleicht das i des fem. sing, erhalten, 
doch ist es wahrscheinlicher, daß erb"H73N aus einer anderen Form ver- 
derbt ist, vgl. Nöld., p. 2 2(>. 



Jahja-Johänä. 113 



neuen Gewänder anziehen", erwidert sie ihm, „bis ich dich wieder- 
sehe." — „Du hast wiederum Lüge gesprochen, Anhar, und in 
Täuschung ist dein Wort herausgekommen. Wenn ein Jahr eintritt 
und ein Jahr ausgeht, ziehst du dir neue Gewänder an und ver- 
5 gissest mich aus deinem Sinne." 

„Was sagst du mir nicht alles, Jahja", spricht sie zu ihm, 
„und wie sehr zerschlägst du || meinen ganzen Körper! Wenn du 114 
gehest, wann willst du wiederkommen, damit meine Augen in die 
deinigen fallen?" — „Wenn eine Wöchnerin im Seol niederkommt 

10 und ihr eine Glocke auf dem Friedhof aufgehängt wird. 1 Wenn 
man ein Bild im Seol malt 2 , und sie dann ausgeht und man ein 
Gelage auf dem Friedhofe gibt. Wenn eine Braut im Seol umher- 
zieht 3 und man auf dem Friedhofe Hochzeit feiert. Wenn die 
Hochzeitsburschen 4 im Seol leihen und die Rückzahlung auf dem 

15 Friedhofe geschieht." 5 

Da erwiderte sie ihm: „O Herr! Wie soll das geschehen, daß 
eine Wöchnerin im Seol niederkommt und eine Glocke für sie auf 
dem Friedhof aufgehängt wird? Malt man denn ein Bild im Seol, 
und geht man dann aus und gibt ein Gelage auf dem Friedhofe? 

20 Zieht denn eine Braut im Seol umher, und feiert man Hochzeit auf 
dem Friedhofe? Leihen denn die Hochzeitsburschen im Seol, und 
geschieht die Rückzahlung auf dem Friedhofe?" 

II „Wenn du weißt", erwidert er ihr, „daß dies nicht geschieht, 115 
warum dringest du mit der Frage in mich: Wann kommst du wieder? 



1) Siehe oben S. 88 6 . ABCD: Glocken. 

2) Die meisten Handschriften haben NTXS, als ob Frauen oder die 
Frau das Bild malte, ich ziehe aber jetzt N^Nit C vor, siehe a. a. O. 

3) Im feierlichen Hochzeitszug der Orientalen, der Zeffeh. Bei den 
Mandäern scheint er allerdings jetzt nicht mehr üblich zu sein, siehe die 
Beschreibung der mandäischen Hochzeitsbräuche bei Siouffi, p. 106 ff. 

4) Hier haben alle Handschriften «■»3K3XDTD, während nachher C 
allein das den sonstigen aramäischen Formen entsprechende ^ncr: hat. 
Das Wort findet sich sonst nur noch Cod. Par. 15, f. 14b f. = Cod. 25, 
f. 19a, auch dort in der Form 1N31Ö123. Danach ist (N^SWfflllÖ die eigent- 
liche mandäische Form und dürfte unter Einfluß der sonstigen Nomina 
auf an aus dem älteren Nncia entstanden sein. Zu N^üpittJ in C vgl. 
S. 46 2 und die Einleitung. 

5) Es ist unklar, was damit gemeint ist. Die Bedeutung von 'piD'-iKM 
und S»ms sehe ich als sicher an. Wird etwa dem unbemittelten Bräu- 
tigam von den eingeladenen Führern das Brautgeld geliehen? 

Q 

Lidzbarski, Johannesbuch. 



IH Jahja-Johäna. 



Ich gehe hin und komme nicht wieder. Wohl dem Tage, an dem 
du mich noch siehst. Gäbe es ein Hingehen und Wiederkommen, 
so fände sich keine Witwe in der Tibi!. 1 Gäbe es ein Hingehen 
und Wiederkommen, so fänden sich keine Waisen in der Tibil. 
Gäbe es ein Hingehen und Wiederkommen, so fänden sich keine 5 
Meister und Lehrer in der Tibil. Gäbe es ein Hingehen und 
Wiederkommen, so fänden sich keine Nasoräer in der Tibil." 

Anhar öffnete darauf den Mund und sprach zu Jahjä in Jeru- 
salem: „Ich will dir für teures Geld ein 2 kaufen 3 und dir 

einen Holzverschlag 4 für den Friedhof zusammenfügen lassen." 3 10 
Doch Jahjä öffnete den Mund und sprach zu Anhar in Jerusalem: 
„Warum willst du ein für teures Geld kaufen und einen Ver- 
schlag für den Friedhof zusammenfügen lassen? Vertraust du, daß 
ich wiederkomme, daß du sagst: es soll kein Staub auf ihn fallen? 

Anstatt daß du für teures Geld ein kaufest, gehe lieber und 15 

verteile Brot für mich. Anstatt daß du einen Verschlag für den 
116 Ü Friedhof zusammenfügen lassest, gehe lieber und lies Totenmessen 
für mich." — Anhar öffnete darauf den Mund und sprach zu Jahjä 
in Jerusalem: „Du gehst hin und vergissest mich, und ich werde 
in der Wohnung der Sünder (vom Jenseits) abgeschnitten werden." 20 



1) Vgl. GL [5 unt; solche Betrachtungen finden sich auch sonst in GL. 

v 

2) Dieses ftWTN läßt sich kaum von syr. \*rt „Bogengewölbe" trennen. 

Nach 140,0 verneigen sich die Juden vor dem N3TN. Nach Qol 54, 2 3 
gibt es Leute, die sich vor N:a^T JMTN verneigen. Im Mand. Diwan B 73 
heißt es: „Diejenigen, die ihren Gürtel lösen und hingehen und sich vor 
Ni^bn n:.t verneigen. Wenn die Not an sie herantritt, gehen sie hin und 
verleugnen ihren Herrn." Diese Worte machen den Eindruck eines Ab- 
ialles zum Islam. Ist mit N:.TN hier der Mihräb gemeint? fcWIT'b ist doch 
wohl „Ziegel", eine Rückbildung von jlaL. Sanhedrin Babli, f. 107b 
findet sich die merkwürdige Äußerung, daß Jesus einen Ziegelstein auf- 
gestellt und sich vor ihm verneigt habe (nb mtiniüSTl Nnmb qpT bt«). 
Nach der vorliegenden Stelle sieht es aus, als ob man ein 6WT8 fertig 

kaufen könnte. Nun bemerkt Pere Anastase (siehe S. 141): „ C )l, hutte 
construite en forme oblongue dans l'eau ou hors de l'eau." Danach 
könnte N"v\ % hier ein kleinerer Aufbau sein. Ob SONIfiWTN GR 217, l() 
(vgl. Nöld., p. 142,4) mit diesem NÜTN zusammenhängt, ist zweifelhaft. 

3) Lies ^NbstSNSaKT und "{NbNS&nöft«. 

4) NmaNp ist assyr. qabütu Muss- Arn., 901b. Von diesem Worte 

kommt wohl auch y.ißajTog, während sriUTi, iFP"^, ^^ ( v gl- NöL_ 
1.11.1, Xmc liri/räf/e. p. 37,4p) davon zu trennen sind. 



Jahja-Johäna. j T e 



[Doch Jahjä erwiderte ihr]: „So ich dich vergesse, vergesse mich 
die lichte Wohnung. So ich dich vergesse, sollen meine Augen auf 
Abathur nicht fallen. Wenn ich zum Hause des Lebens aufsteige, 
wird deine Totenklage 1 sich auf dem Friedhof erheben." 
Gelobt sei das Leben, und das Leben ist siegreich. 



32. — Jahjä predigt in den Nächten, Jöhänä an den Abenden 
der Nacht. Jahjä predigt in den Nächten und spricht: „Die (Him- 
mels)räder und (Himmels)wagen erbebten. Erde und Himmel weinen, 
und die Tränen der Wolken fließen herab." 

10 „Mein Vater", sagt Jahjä, „war neunundneunzig und meine 

Mutter achtundachtzig Jahre alt. Aus dem Sammelbecken des 
Jordan- || holten sie mich; sie brachten mich empor und legten mich 117 
in den Leib der Enisbai. ,Neun Monate', sagten sie, .sollst du in 
ihrem Leibe bleiben, wie alle übrigen Kinder darin bleiben.' Keine 

15 weise Frau", sagt er, „brachte mich zur Welt in Judäa, und nicht 
haben sie mir die Nabelschnur abgeschnitten in Jerusalem. Mir 
bildeten sie kein Lügenbild, und mir hängten sie keine Trugglocke 
auf. 3 Von Enisbai wurde ich im Orte Jerusalem geboren." 

Der Ort Jerusalem erbebt, und die Mauer der Priester wankt. 4 

20 Elizar, das große Haus, steht da, und sein Körper zittert. Die 
Juden versammelten sich, kommen zu Abä Säbä Zakhriä und 
sprechen zu ihm: „O Abä Säbä Zakhriä! Du mußt einen Sohn 
haben. Sage uns nun, welchen Namen wir ihm geben sollen. Sollen 
wir ihm den Namen „Weisheits-Jaqif" 5 geben, || daß er das Buch 1 is 

25 in Jerusalem lehre? Oder sollen wir ihm den Namen Zatan-Estünä 6 



i) Für N^N ,, w möchte man am ehesten den Sinn „Umherstreifen" 
annehmen, vgl. Lew, Neuhebr. Wörterbuch IV, p. ,54ha. Aber GL 20,4; 
21,19 mu ß es ..Totenklage'' od. ähnl. bedeuten. Eine passende Ab- 
leitung für das Wort in diesem Sinne kenne ich nicht. 

2) Siehe oben S. 9, 4. 

3) Siehe oben S. 88 6 . 

4) Vielleicht zu lesen: KT>«3 D«btt)&m2 KnNM NPN72 ÖNbSJfimyn 

5) Nach dem Syrischen würde man nrrairrrn erwarten, vgl. NöL- 
deke, Syr. Grammatik 2 , § 224*, aber ABC haben sicher Nn, in D ist 
es unsicher. 

')) GR 333 erklärt Anös-Uthra der Namrus, der Mutter der Welt, 
er wolle das von ihr gebaute Jerusalem zerstören. Da werden Israel, 
Jaqif, Adonai, dann auch Zatan als &T31B223> bezeichnet, vgl. auch Brandt, 

8* 



l j5 Jahja- Johäna. 



geben, damit die Juden bei ihm schwören und keinen Falscheid 
leisten?" 

Als Enisbai dies hörte, schrie sie auf und sagte: „Von allen 
diesen Namen, die ihr nennet, will ich ihm keinen einzigen geben, 
sondern den Namen Jahja- Johann will ich ihm geben 1 , den das Leben 5 
selbst ihm gegeben hat." 2 Als die Juden dies hörten, wurden sie 
von bösem Zorn gegen sie erfüllt und sagten: „Welche Waffe sollen 
wir für einen und seine Mutter herstellen, damit er durch unsere 
Hand getötet wird?" 

Als Anos-Uthra dies hörte, nahm er das Kind und brachte es 10 
auf Parwan, den weißen Berg, auf den Berg Parwan, auf dem die 
119 Säuglinge und Kleinen mit Mambühä großgezogen werden. 3 || [Dort 
blieb ich], bis ich zweiundzwanzig Jahre alt war. Ich lernte da 
meine ganze Weisheit und eignete mir vollends meine ganze Rede 
an. 4 Sie bekleideten mich mit Gewändern des Glanzes und bedeckten 15 
mich mit Wolkenhüllen. Sie wickelten um mich einen Gürtel, einen 
Gürtel von Wasser 5 , der über die Maßen leuchtete und glänzte. Sie 
setzten mich in eine Wolke, eine Glanzwolke, und in der siebenten 
Stunde eines Sonntags brachten sie mich nach der Ortschaft Jerusalem. 6 

Rel, p. 128 2 . Dort sind die K^IÜlSS* als wirkliche Säulen gedacht; halb 
übertragen wird N21ÜS!:» hier 136,0 von Elizar gebraucht. Die Mandäer 
werden bemerkt haben, daß die Juden ihre Großen als „Säulen" bezeichnen 
(vgl. Lew, Neuhebr. Wörterbuch III, p. 660a), und sie malten es sich in 
ihrer Weise aus. Der Name -,a*nNT findet sieh nur an diesen Stellen und 
130,7. Die jüdische Onomatologie gewährt keinen Anhalt, ihn zu er- 
klären. Sollten die Mandäer ihn aus -jn3 unter Einwirkung von fi^St 
gebildet haben? 

i) An erster Stelle schwanken die Handschriften zwischen Sbp"»ONÜ 
und fi^NpöNW, an zweiter haben alle Rbp^ÖWa. RbipÖKM bei Nöld., 
p. 407 ist nicht richtig. fftpONE bezieht sich auf Enisbai. Vielleicht ist 
die ursprüngliche Lesung an beiden Stellen SbfitpDNM. 

2) Über die Xamengebung bei den Mandäern vgl. Siouffi, p. 78 '. 

3) Der Berg Parwan wird nur hier genannt. Sonst findet sich öfter 
ein Land * ) N - nNn, das auch schlechthin „das reine Tarwair' ("JfiO^fitn 
Nrrrjo) genannt wird. liier [89, iof. wird es als Berg Tarwan bezeichnet. 
Die beiden Örter s< heinen identisch zu sein; vgl. die Schilderung GR 304 ob. 

4) ^nzi findet sich au< h GR 56,7; GL 45, 1 ff. neben NnWlDlfT Man 
kann es hier schon geradezu mit „lernen" übersetzen, wie in der fcrtUS. 

5) D.h. von lebendem Wasser, vgl. GR 25, 14, dazu GR 320, 13; 
CiL [1,8 und Oxf. 63 a ftfi^NDNl &T»1 MfiTKnlH "pTNln "p-Q). 

6) Im Text steht -ppSN „sie brachten mich hinauf". Man erwartet 
das Gegenteil. Frei ausgemalt bei SlOUFFI, p. 7. 



Jahja-Jöhänä. 117 



Da rief eine Stimme in Judäa, ein Ruf verkündete in Jerusalem. 
Sie rufen aus: „Welche Frau hatte einen Sohn, der dann gestohlen 
wurde? Welche Frau hat für ihn Gelübde getan und war unbe- 
kümmert darum? 1 Welche Frau hatte einen Sohn, der gestohlen 
5 wurde? Die komme und sehe nach ihrem Sohne." 

Wer sagte der Battai 2 , wer unterrichtete Battai, wer sagte 
Battai 3 , daß sie hingehe und Enisbai sage: ,, Ein Jüngling || ist nach 120 
Judäa gekommen, ein Prophet gekommen nach Jerusalem. Ein 
Jüngling ist nach Judäa gekommen; neben ihm steht sein 4 Schutz- 

10 engel. Sein Mund gleicht dir und seine Lippen seinem Vater Abil 
Säbä Zakhriä. Seine Augen gleichen dir und seine Brauen seinem 
Vater Abä Säbä Zakhriä. Seine Nase gleicht dir und seine Hände 
seinem Vater Abä Säbä Zakhriä." 

Als Enisbai dies hörte, eilte sie ohne Hülle hinaus. Als Abä 

15 Säbä Zakhriä sie so erblickte, schrieb er ihr einen Scheidebrief. 
Die Sonne murrte vom Himmel herab und der Mond von seinem 
Platze zwischen den Sternen. Die Sonne öffnete ihren Mund und 
sprach zu Abä Säbä Zakhriä in Jerusalem: „O Abä Säba Zakhriä, 
du großer Maribä 5 , der gealtert ist und seinen Verstand verloren 

20 hat, gleich einem Araber, den sein Kismet verlassen hat. 6 Ein 

1) Mögen auch sonst Tri und üblö zusammengehören und auch im 
Mandäischen zusammenstehn (80,6; Kni«»NbNlö1 NniN: Cod. Par. 27, 
f. qb), so gibt doch hier DNttbNTÜI ABCD keinen Sinn, man müßte es 
denn zu ntraVfiWJNVn abändern. Die Frau hatte ein Gelübde getan für 
den Fall, daß sie einen Sohn bekäme. Sie bekam den Sohn, erfüllte aber 
ihr Gelübde nicht, da kam er ihr abhanden. In nStVNttJl sehe ich eine 
Form von ^blö, danach nN^^Ci. 

2) Battai ist ein Frauenname, Koseform eines mit na zusammen- 
gesetzten Namens. Es ist der Name der von Siouffi erwähnten servante. 
Aus Mißverständnis wurde in den Handschriften "fiWPfiO daraus gemacht, 
und dies zog noch andere Entstellungen des Textes nach sich. 

3) Stilistisch damit übereinstimmend GR 328,22; 332,15. 

4) A hat FipMfnNS. Auf das Suffix weist auch die Lesung in C hin. 

5) N2" , '"!N , '2 auch GL 7, 18: „Geh, du Greis, der du ohne Weisheit, 
und du großer W1N73, der du ohne Verstand bist."' An beiden Stellen 
wird es also als Schimpfwort für einen Greis gebraucht. fiWl&W „Krater" 
(Nnir - :, vgl. Nöld., p. 129,7), in die Kosmologie hineingetragen und auch 
mit N 31 verbunden (GL 26, 24 ff.), kann es nicht sein. Vielleicht wurde 
N3N ""l?:, das als ehrende Ansprache an einen Greis gebraucht sein könnte, 
spöttisch zu NI^IN'O umgewandelt. 

6) Der starre Glaube des Muslims an das festbestimmte Schicksal 
wird den Mandäern ebenso aufgefallen sein, wie später den Europäern. 



, , 8 Jahjä-Jöhänä. 



121 Jüngling ist nach Judäa gekommen, ein Prophet gekommen || nach 
Jerusalem. Ein Jüngling ist nach Judäa gekommen ; warum schickst 
du Enisbai weg?" 

Als der Jüngling sie allein 1 sah, machte er sich los und fiel 
von der Wolke herunter. Er machte sich los und fiel herunter von 5 
der Wolke und küßte den Mund der Enisbai. Als Anos-Uthra ihn 
sah, sprach er zu Jahjä in Jerusalem 2 : „Steht es für dich, Jahjä, 
in deinem Buche geschrieben, ist es dir auf deinem Blatte erklärt, 
sie allein auf den Mund zu küssen?" — Darauf erwiderte Jahjä und 
sprach zu Anos-Uthra in Jerusalem: „Neun Monate weilte ich in 10 
ihrem Leibe, so lange als alle übrigen Kinder darin weilen, ohne 
daß sie es widerwillig ertrug, darum fällt es mir auch jetzt nicht 
zur Last, sie allein auf den Mund zu küssen. Nein, Heil und aber- 
mals Heil dem Manne, der Vater und Mutter (Gutes) heimzahlt. 
Ein Mann, der Vater und Mutter belohnt, hat nicht seinesgleichen 15 
auf der Welt." 

Als Jahjä dies sagte, wußte Anos-Uthra, daß Jahjä ein weiser 

122 Mann ist. Darauf sprach Anos-Uthra zur Sonne || in Jerusalem: 
„Gebt mir acht auf den Jüngling, den Mann, den der König gesandt. 
Gebt mir acht auf den Jüngling, bis wir nach ihm verlangen." Dann 20 
sprach Anos-Uthra zum Monde in Jerusalem: „Gebt mir acht auf 
den Jüngling, den Mann, den der König gesandt. Gebt mir acht 
auf den Jüngling, bis wir nach ihm verlangen." 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 25 



Am li dem Mandäer ist sein Schicksal auf einem Blatte genau vorgezeichnet 
(siehe S. 104 und oben '/.. 8), aber wie der westliche Gnostiker vermag 
auch er das allein Wertvolle an ihm, die Seele, dem Einfluß der eijuag/nevt] 
zu entziehen. GL 79, 11 ff. heißt es: „Geh hin in Heil, du Auserwählter, 
Keiner, Sündenloser, an dem kein Fehl ist. Du hast deinen Platz (eigent- 
lich: dich) aus der Tibi! heraus erwählt, und dein Los (N-b^n) ist aus 
den .Viiien herausgesprungen. Herausgesprungen aus den Äonen ist dein 
Los, und über aller Welt stehst <\u\-' 

i) Lies Nn\\[--]-V, vgl. X. 7. NrPNln heißl „die Gebärerin", was 
hier nicht paßt. Daß es für N"r stehe, ist nicht wahrscheinlich, obwohl 
es im Pariser Diwan, [457 f. von Hibil-Ziwä heißt: fiTTt 13 "NTN"! 
rhWHJti fiHN y-i-iz- -- rnz: N5N5N y: K^rro» Brutto ..Als er dann 
inen Vater (den Lichtkönig) erblickte, machte er sich los und fiel von 
der Wolke herunter, er und alle seine Prüder und Helfer." 
2) Vgl. die Ausmalung bei SlOUFFl, p. 8. 



Jahja-Jöhänä. iiq 



33. — Jahjä predigt in den Nächten, Jöhänä an den Abenden 
der Nacht. Jahjä predigt in den Nächten und spricht: „Stehe ich 
nicht allein dar 1 Vor meiner Stimme beben die (Himmels)räder und 
stürzen die (Himmels)wagen um, faßte der Sturm Schweigen und 
5 setzte sich hin in den Einöden 2 der Welt, weinen Sonne und Mond 
und trauern Erde und Himmel." 

Christus öffnete den Mund und sprach zu Jahjä in Jerusalem: 
„Ich fragte dich, Jahjä, beim großen Leben || und beim Sonntag, 123 
dessen Name teuer ist. Ich fragte dich, Jahjä, bei dem Wege, den 

io die Männer von erprobter Frömmigkeit gehen, ohne gehemmt zu 
werden. Sage mir: welchem Dinge gleicht die Form des Messers 
des Sauriel? 3 Sage mir: wenn die Seele den Körper verläßt, womit 
kleidet sie sich, und welchem Dinge gleicht sie im nichtigen Körper ? 
Die Seele gleicht doch nicht etwa dem Blute, daß sie im Körper 

15 sich erhitze und darin gehemmt werde? Die Seele gleicht doch 
nicht etwa dem Winde, daß sie in die Berge fahre, sich da ver- 
liere und gehemmt werde? Die Seele gleicht doch nicht etwa dem 
Tau, daß sie auf die Früchte falle und sich verliere?" 

Als Christus dies sagte, schrie Jahjä laut auf, die Tränen 

20 kommen ihm ohne Aufhör, und er spricht: „Bewahre, daß der hohe 
Lichtkönig Anteil suche an Trübungen. 4 Nicht dem Blute gleicht 

i) Siehe zu 8o, io. 

2) Vielleicht N" , " l "iN^2 zu lesen. Das zweite Jod kann sich in der 
Lesung von D erhalten haben. Kaum ..Seiten". Vgl. auch 242,9. 

3) b-"— "Nj: (b^'TiittS; Siouffi, p. 14m, 32 u, 63U hat Savrid] ist 
der übliche Name des Todesengels bei den Mandäern. Er hat gewöhn- 
lich das Beiwort BpYTOiö, sicherlich nicht bloß „der Löser", der die Seele 
vom Körper löst, sondern auch „der Erlöser". Vgl. Brandt, Rel, p. 73; 
Sehr., p. 45 9 ; Jahrbücher für protest. Theologie XVIII (1892), p. 426. 
bWlKX ist aus dem hebräischen bsp "n/BS ..mein Fels ist Gott" entstanden. 
Dies findet sich Xum. 3, 35 als Personenname, wurde aber später auch 
als Engelname verwandt, vgl. Schwab, Vocabulaire de l'Angeloloyie, p. 230; 
Axz. Ursprung des Gnostixismus, p. 14 [EovqiyjX). Auch als Name des 
Todesengels ist bN^llS wohl bei den Juden aufgekommen, wenn es sich 
auch bei ihnen so nicht nachweisen läßt. Es ist in dieser Verwendung 
ein Abwehrname, Gott -sei -bei -uns, wie das arabische J^'))*- Auch 
dieser Name ist zweifellos von Juden entlehnt und muß schon bei ihnen 
so verwandt worden sein, denn nur wer die Bedeutung des Namens 
bs—iT" kannte, konnte ihn auf den Todesengel übertragen. bs^S wurde 
wie die sonstigen Engelnamen in das Schema qalliel hineingezwängt und zu 
b^TNi: umgeformt. 

4) Siehe oben S. 98, 4. 



!2o Jahjä-Jöhäna. 



die Seele, daß sie sich im Körper erhitze und gehemmt werde. 
Nicht dem Tau gleicht die Seele, daß sie auf die Früchte falle und 
sich verliere. Nicht dem Winde gleicht die Seele, daß sie in 
124 die Berge fahre und gehemmt werde. 1 Fest gewickelt || wird die 
Seele in den nichtigen Körper eingeführt. Wenn die Seele sich 5 
vollkommen erhalten hat, steigt sie in einem Gewände des Glanzes 
empor.-' Das Messer des Sauriel besteht aus drei Flammen. 3 Wenn 
er sie zur Eile treibt, um sie fortzutragen 4 , läßt er die drei Flammen 
gegen sie los. Eine läßt er gegen sie los des Abends, die andere 
beim Hahnenruf, die dritte läßt er gegen sie beim Herauskommen 10 
der Strahlen los. Wenn das Feuer zu wüten anfängt, gleitet die 
Seele aus den Füßen und Knien. Aus den Füßen und Knien gleitet 
sie und nähert sich der Hüfte. Darauf verläßt sie die Hüfte, dringt 
in das Herz und sucht da Platz zu fassen. Dann fällt sie in die 
Brust und preßt sie (?) h Die Augen, das Gesicht und die 15 



1) Nach dem Geschlechte der Partizipia NWNfTl, N^DNnDTOi usw. 
in der Frage wie in der Antwort muß man sie auf NnWIS"^, nicht auf 
N"~, Np" 1 ", NrNÜ beziehen, obwohl letzteres den Sinn bessern würde. Ich 
weiche hierin von Nöld., p. 307 ' ab. 

2) Die folgende Schilderung zeigt Berührungen mit den Darstellungen 
der jüdischen Literatur, die vom Parsismus abhängig ist, während sie ihrer- 
seits stark die christliche und muhammedanische Eschatologie beeinflußt 
hat, vgl. A. Wünsche, Die Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode nach 
Apokryphen, Talmud und Kirchenvätern, Jahrbücher für protest. Theologie 
VI (1880), p. 355 — 383,495 — 523; Lueken, Michael, p. 119 fr.; Böklen, 
Die Verwandtschaft der jüdisch -christlichen mit der Parsischen Eschatologie, 
p. 9fr.; M. Wolff, Muhammedanische Eschatologie, Leipzig 1872. 

3) Auch sonst trägt der Todesengel ein Messer oder ein Schwert, 
aber dem Zuge mit den drei Flammen bin ich sonst nicht begegnet. Viel- 
leicht hat das Flammenschwert vor dem Paradiese (vgl. Gunkel, Genesis*, 
p. 2^) auf das Bild eingewirkt oder das Schwert des Engels Michael, dem 
auch die Kolk- des Seelenboten zugefallen ist, vgl. Lueken, Michael, passim. 
— Zum Plural 6tnNÜJ3> und &mN1ö3> vgl. Nöld., p. [68. 

4) Qol 46, 1 1 haben in dein entsprechenden Satze 2 -, !"i"u\D("')72 IV 
fi-i—r"'~ alle Handschriften FtTitöV, bzw. fiTi-pö, fiTfifPü (vgl. 45b unt.), 
daher lese ich jetzt auch hier mit A Sli-ra: 1 . 

,S) !n"lN73bl (ACD ri, I! N) ..und ihrem Herrn" ist kaum ursprüng- 
lich. Eher könnte „Galle" (NDT'73) dagestanden haben. Mit biV2iKr\iK 
-der kt-in;-*" ist nichts anzufangen. Vielleicht ist üwaswrpn oder 
NÜÖSMmn (zu Ü7D3 < E3»p „packen", vgl. vorher NUllNb) oder TNÖiWrPn 
bzw. NTiNsrP": „zieht sich zusammen" zu lesen. 



Jahja- Johann. 12 I 



Lippen des Menschen erfaßt ein Zucken 1 , und die Zunge dreht 
sich hin und her. 2 Sauriel setzt sich dann auf die Augenbrauen 
und spricht zu ihr: „Geh heraus, du || Seele! Warum hütest du noch r2"> 
den Körper?" Da sagt sie zu ihm: „Du willst mich aus dem Körper 
5 herausholen, Sauriel; zeige mir erst mein Gewand [und bekleide 
mich damit?] 3 , dann hole mich heraus und bringe mich hin." — 
„Bringe mir erst deine Werke und deinen Lohn 4 ", erwidert er ihr, 
„dann will ich dir dein Gewand zeigen und dich bekleiden." 5 — 
„Ich wußte nicht, Sauriel," sagt sie zu ihm, „daß meine Zeit kommt 

10 und man dann rasch nach mir sendet 6 , um gute Werke zu tun, 
damit du mir mein Gewand bringest und mich damit bekleidest." 
Doch er erwidert ihr: „Ist denn noch niemand vor dir gestorben, 
und hat man noch niemanden auf den Friedhof hinausgetragen?" 
Darauf sagt sie zu ihm: „Durch die Kraft dessen, der vor mir ge- 

15 storben ist, und durch die Kraft dessen, den sie auf den Friedhof 
hinausgetragen haben. 7 Es liefen hin und her 8 (die Weiber), die 
weinten, und es liefen hin und her (die Männer), die klagten, so 
lange der Körper vor ihnen dalag. Wenn die Seele den Körper 
verläßt, gehen vier hinaus auf den Friedhof. Es liefen hin und her 

20 (die Weiber), die weinten, es liefen hin und her (die Männer), die 



1) Dies wird das Wort ungefähr bedeuten; es findet sich sonst nicht. 

2) Vgl. zu D3"tt Nöld., p. 86,1; 132,25; 230,24; 283,4. 

3) Siehe Z. 4, doch kann man auch [■jfit'nilN] "WTÖiab W'üinb 'jiTlMN 
ergänzen. 

4) Siehe oben S. ioil 

5) Auch die Verhandlungen zwischen dem Sterbenden und dem 
Todesengel sind in der jüdischen Haggadah sehr beliebt und knüpfen 
sich besonders an den Tod Mosis. Vgl. die S. 120 2 angeführten Schriften, 
außerdem Wünsche, Aus Israels Lehrhallen I, p. 158 ff.; Grünbaum, 
Neue Beiträge zur sentit. Sagenkunde, p. 183 f. Aus der erbaulichen 
Literatur ist der Zug, ins Burleske umgewandelt, in das Volksmärchen 
eingedrungen. In verschiedenen Versionen der Meisterdiebsgeschichte krönt 
der Schelm seine Heldentaten mit dem Streich, daß er sich als Todesengel 
(im Grimmschen Märchen als Petrus) verkleidet, einem Manne bei Nacht 
einredet, er wolle ihn ins Jenseits holen, und ihn in einem Sack oder 
Sarg an einen verabredeten Ort bringt. Auch da bittet das Opfer um 
Aufschub. Vgl. meine Neuaram. Handschriften II, p. 246 ff. 

6) ABCD „und du nach mir gesandt wirst' 1 . 

7) Der Satz ist auch nach der Abänderung von ^"»HfitpN zu "»atafitpfc* 
nicht zu verstehen; dahinter scheint auch eine Lücke zu sein. 

8) Die Seele erzählt von einem früheren Falle. 



122 Jahja- Johann. 



klagten, und es liefen hin und her die schrien, bis sie ihn in den 

126 Schacht ' || versenkten. Hatten sie den nichtigen Körper versenkt 

und zugeschüttet, dann hörten die Frauen mit den Totenklagen 2 

auf. Man verschüttete den Schacht, und die Männer gingen 3 

davon. Sie verließen eilig den Körper und das Grab und gingen 5 
hin, griffen zum Becher und aßen Brot und vergaßen den nichtigen 
Körper. Nun, willst du, Sauriel, so laß mich hier noch zwei Tage 
bleiben, ich will dann meine ganze Habe verkaufen 1 und unter 
meine Söhne verteilen und will mein Gewand mit mir nehmen, das 
Kleid, das zum Orte des Lichtes emporsteigt." Doch Sauriel er- 10 
widert ihr: ,,Gibt es ein Kind, das den Leib seiner Mutter verlassen, 
und das man dann wieder in seine Mutter hineingebracht hätte, 
daß ich dich im Wohnorte der Bösen zurücklasse, damit du unter 
deine Söhne eine Teilung vornehmest? 5 Ich will dich von hier fort- 



1) NT^tfa mit a als Hilfsvokal statt des Murmellautes. 

2) Die Form auch GL 20,4, zu der Nöld., p. 266* zu vergleichen ist. 

3) An ,, Gleichnisse' ist nicht zu denken, aber auch eine Form von 
m"2 wird hier kaum gestanden haben. In passendem Zusammenhange 
steht N^TrP?: N^bn , "_ 242.2, aber wie sollten die Worte von dort hierher 
geraten sein? 

4) Lies "pnNTr. 

5) Im GR 184 kommt „der Mann" auf seiner Wanderung durch 
die Mattartäs auch in die Mattartä des Esu-Mslhä. Christus verbeugt 
sich viermal in tiefer Verbeugung vor ihm, und die Seelen, die mit ihm 
eingeschlossen sind, fragen ihn erstaunt nach dem Grunde seines Ver- 
haltens, wo er sich in der anderen Welt selber als den höchsten Gott und 
Herrn ausgegeben hatte. Da antwortet Christus den Seelen: „Dieses ist 
der Mann, der zu mir herangekommen ist, und viermal verbeugte ich mich 
vor ihm in tiefer Verbeugung. Den Namen des oberen Seins hat er nicht 
genannt, den Namen des unteren Seins hat er nicht genannt, den Namen 
des Heiligen Geistes hat er nicht genannt, den Namen des Messias hat 
er nicht genannt, den Namen des Gottes der Nazarener (Text: Nasoräer) 
hat er nicht genannt, den Namen der Jungfrau, der Tochter ihres Vaters, 
hat er nicht genannt." Da sprechen die Seelen zu Christus: „Christus, 
unser Herr, wirf uns wieder auf drei Tage in unseren Körper, dann wollen 
wir all unsere Habe verkaufen, zum Jordan hinabsteigen und uns auf den 
Namen dieses Mannes, der zu dir herangekommen ist, taufen Lassen." 
Hoch Christus erwidert den Seelen: „O ihr Gestrauchelten, die ihr ge- 
strauchelt seid! Habt ihr, als ihr noch in jener Welt wäret, gesehen, 
daß man ein Kind, das den Leib seiner Mutter verlassen, wieder in seine 
Mutter eingeführt hätte, daß ich euch wieder auf drei Tage in euren 
Körper werfe, damit ihr all eure Habe verkaufet, zum Jordan hinabsteiget 
und euch auf den Namen dieses Mannes, der zu mir herangekommen ist, 



Mirjai. 12, 



führen, und ziehe das Kleid der Finsternis an, weil || du dich in 127 
der Tibil nicht hast warnen lassen und deinen Weg zum Orte des 
Lichtes nicht geliebt hast. So sollst du nun im Hause der Bösen 
bewacht werden, bis Himmel und Erde vergehen.' 1 
5 Und gepriesen sei das Leben. 



Mirjai. 

In GR 332, 1 sagt Anos-Uthra: „Der Mirjai ward ich ein Arzt. 
Ein Arzt ward ich der Mirjai und heilte sie ganz und gar. Ieh wurde 
der Arzt der Kustä genannt, der heilt, ohne Lohn zu nehmen " 

io Die Stelle ist bei Brandt, Rel., p. 155 f. übersetzt und besprochen. Eine 
ausführliche Erzählung über Mirjai hat Siouffi, p. 16 ff. Sein Gewährs- 
mann hat auch hierfür das Sidrä benutzt, doch weist seine Erzählung 
Züge auf, die darin nicht stehen. Die Angabe, daß Mirjai eine Tochter 
des Hohenpriesters Eleazar war, findet sich hier nicht, ist aber vielleicht 

15 von Siouffi's Gewährsmann nach 136,6 angenommen. 

Der folgende Abschnitt enthält zwei Stücke über Mirjai. Im ersten 
wird erzählt, daß Mirjai, eine Jungfrau aus königlichem Hause, versehent- 
lich in den Tempel der Mandäer gekommen sei, dort ihren Glauben 
kennen gelernt und sich ihm angeschlossen habe. Ein diesem naheste- 

20 hendes Stück ist bei Morg 56 ff. = Oxf. 38 fr. = Cod. Par. Sab. 15,550". 
erhalten. Da die Oxforder Handschrift im Gegensatz zu Morg einen 
guten Text bietet, teile ich ihn hier mit Übersetzung mit: "pi-pJWHBa 



taufen lasset?'' Er lehnt ihren Wunsch ab. Diese Unterhaltung ist zwi- 
schen den Seelen und Christus schlecht am Platze, sie ist auch lückenhaft, 
denn es ist nicht angegeben, wozu die Habe verkauft werden soll. Die 
Stelle wird aus einem Zusammenhange, wie er hier vorliegt, entlehnt sein. 
— Hier wird die Verlängerung des irdischen Daseins, wenn auch nur 
auf kurze Zeit, im Ginzä die Rückkehr der Seele in den Körper als ebenso 
unmöglich hingestellt, wie der Wiedereintritt in der Mutter Leib. Die Un- 
möglichkeit elg rrjv noäiav xijs pyjTQÖg öevregov eioeX&e7v xal yevvtjdrjvac 
wird Joh. 3,4 von Nikodemus Jesu Forderung einer geistigen Neugeburt 
entgegengehalten. In diesem Zusammenhange kann der Einwand auch 
sonst in Kreisen umgegangen sein, in denen man die nahyyeveoia, wie 
sie in den Mysterienreligionen gelehrt und geübt wurde, verwarf. Eine 
Entlehnung aus dem XT liegt jedenfalls bei den Mandäern nicht vor. 



I2 i Mirjai. 

\x-— «a NH3> N73N rpal «aan b*> n^niu wrrtia aimanw spsi er^M 
■wi"»» n«*ia mns w» ^bwum jpbTWzn Wi^öa «aa^n n»3> ewaTi 
Y , 5'w "pn^ia )12 N-tfb» ^wi ntijo stbe^ ^sra N^sas« nt-ini -pso« i 
jpwt' NriNbri "pTri NM fiban»« »man«» ^rnaa rpabi avbw ■pna*'« V 3 
ic4tra tjttpn i'»tt te iam a» mab Tni» ■»&!■«* jnw aN rrnb i«rt« 5 
anro "wn« fi^inwi ivam-n bspn irsbsp b» (Cod. Par. r^jw} - !) 
rpamb wim mab KmartNttsabi w«b ktik Nns^tONb fiprutb "wsb 

sön mab nn«30 nsrarr»^ *KrTn«atttti 8ttTn«rw>b Fin&ttO !-in»J-pi «ia«a 
6m«1 tr^ba nNttii^i Nns^aiüb SnN:o Nra^iwi nsns nwai-p'-n 10 
Küwab wr 1 » flmbö« Nnr ntjn2 «a»töa«nm »nKTa» ana« «nsNiaa 
tnan Wttiba tnsNpN wna BWKp no tnnj* by öNbt8&m3>a «aiio "indnI 

■jlrtblDl "piTNÜlS by MHOW «"««ÜlSrWl 'pSTKmB b2> K^SNpN «"MSI 

n:n babiö&msb Nnn^i Ktt^iöNp bs> toiaaan armriNl arp^NO K^ai-jKa 
6HMM3 -»«^«»b flri»K!Tn "lfitab nnsr^Kb SrpsröTi Fj^royNb nnnairm 15 
Profil N'nnN V 3 nsnw^di kt* Ttt« an* Titaa arb^i-pa aipi:i n^sti 
h ,3>5NT N^rn ^wai-ian pirtbna rpssri k^MI anawa itw lins ^nab 
„Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre Licht. Am 
Tore des Volkshauses stößt die Mutter auf Mirjai. Die Mutter stößt auf 
Mirjai und fragt sie aus: /Woher kommst du, meine Tochter Mirjai, deren 20 
Gesicht Rosen pflückt? 3 Dein Gesicht pflückt Rosen, und deine Augen 
sind voll von Schlaf. Von Schlaf sind deine Augen voll, und über deiner 
Stirn liegt Schlummer.' 4 Darauf erwidert sie: ,Zwei, drei Tage sind es 
her, da ließen sich meine Brüder im Hause meines Vaters nieder. 5 Im 
Hause meines Vaters ließen meine Brüder sich nieder und lassen wunder- 25 
same Predigten vernehmen. Wegen der Stimme und des Schalles der 
Predigten der Uthras, meiner Brüder, kommt kein Schlaf über meine 
Augen. Nicht kommt über meine Augen Schlaf, nicht Schlummer über 
meine Stirn.' , I last du nicht, meine Tochter Mirjai, gehört, was die 



1) In dieser Handschrift steht oft N für das Suff. 3. fem. sing., vgl. 
Nöld., p. 684. 

2) Hier und sonst sehwanken die Lesungen zwischen NnYlNXN 3 und 
sm-'^J, vgl. auch CR 25, 21; 288,10; Qol 61, 24 und sonst, dazu 
Brandt, Rel., p. 140 f. Die Pariser Handschrift hat NrmMN^b. Das Rich- 
tige ist NmTjJ-jirb. 

3) Soll wohl bedeuten, daß das Gesieht ganz gerötet sei. 

4) Siehe zu 245, 13. 

5) Dieses ist wohl der Sinn der Worte, nicht ..meine Brüder öffneten 
das Haus meines Vaters". 



Mirjai. 125 

Juden von dir sagen? Die Juden sagen: Deine Tochter hat Liebe zu 
einem Manne gefaßt. Sie hat Haß gegen das Judentum und Liebe zum 
Nasaräertum gefaßt. Sie hat Haß gegen das Volkshaus und Liebe zum 
Tore des Tempels gefaßt. Sie hat Haß gegen die Tutiftä und Liebe zu 
5 den prangenden Kränzen gefaßt. Am Sabbat verrichtet sie Arbeiten, am 
Sonntag hält sie ihre Hände still. Mirjai hat auf der Stelle 1 das Gesetz 
verworfen, das die Sieben in Jerusalem gebunden haben.' Wie Mirjai 
dasteht, tut sie Staub auf ihre Füße und spricht: , Staub in den Mund 2 
der Juden und Asche in den Mund 2 aller Priester. Der Mist, der unter 

10 den Pferden hegt, komme auf die Ältesten, die in Jerusalem sind (Morg). 
Ich kann nicht hassen, den ich liebgewonnen, nicht lieben, gegen den ich 
Haß gefaßt. Ja, ich habe meinen Herrn Mandä dHaije liebgewonnen (und 
hoffe), daß mir in ihm ein Helfer erstehen wird, ein Helfer und eine 
Stütze vom Orte der Finsternis zum Orte des Lichtes.' — Du hast den Sieg 

15 errungen, Mandä dHaije, und allen deinen Freunden zum Siege verholfen. 
Und das Leben ist siegreich." 

Das zweite Stück beginnt mit einer Parabel. Sie unterbricht die 
Erzählung und ist anderswoher entlehnt. Wahrscheinlich war schon in 
der ursprünglichen Fassung der Parabel Mirjai als der Weinstock bezeichnet, 

20 der den gläubigen Vöglein Schutz gewährt (131, 14; 134, 11; 136,4)- und 
dies war die Veranlassung, daß die Parabel hierher gesetzt wurde. Die 
Erzählung wird erst mit £]N3fiOD5> 136,8 fortgesetzt. Ob die Worte 
«"«Säirw'b -prb\Nl bis dahin ursprünglich mit der folgenden Erzählung 
oder mit der Parabel zusammenstanden oder als Brücke zwischen den 

25 beiden Stücken vom Kompilator eingefügt wurden, ist mir ungewiß. Die 
Erzählung schließt sich nicht direkt an Kap. 34 an. Sie setzt die Flucht 
an den Euphrat voraus, die hier nicht erzählt ist; zwischen den beiden 
Stücken müssen wir also eine Lücke annehmen. 

Mirjai ist die Kustä, Mirjai der Weinstock, an den die Gläubigen 

30 sich klammern sollen. Es ist zweifellos ursprünglich Maria, die Mutter 
Jesu. Der Name ist zu den Mandäern zusammen mit dem der Elisabeth 
gelangt, und sie wußten nicht mehr, wem er eigentlich angehörte, 
vgl. S. 71 f. In der Legende, deren Heldin sie wurde, spricht sich 
deutlich die Vorstellung aus, daß das Mandäertum bei den Juden in 

35 Palästina seine Heimat hat und von dorther nach Babylonien verpflanzt 
wurde. 



1) NTiN enthält das Suffix 3. fem. 

2) ■prpmaiB by steht für yfrpamDb, vgl. 131, 7 f - 



I2 6 Mirjai. 

34. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Mirjai bin ich, eine Tochter der Könige von Babel 1 , eine 
Tochter der mächtigen Herrscher von Jerusalem. 2 Geboren haben 
mich die Juden, großgezogen die Priester. Sie trugen mich in ihrem 5 
Rockschoß hinauf in das trübe 3 Haus, in den Tempel. Adonai legte 
in meine Hände und auf meine beiden Arme 4 eine Last. Fegen 
und spülen muß ich das Haus ohne Festigkeit. Nichts ist an ihm, 
um die Armen zu stützen, nichts, um die gequälten 5 Seelen zu er- 
quicken. Alein Vater ging in das Volkshaus, meine Mutter ging 10 
in den Tempel. Mein Vater ging hin und sagte mir, und meine 
Mutter ging hin und befahl mir: „Mirjai! verschließe deine inneren 
128 Türen und schiebe die Riegel vor. 6 Siehe zu, || daß du nicht in die 
Hauptstraßen hinausgehest und nicht die Sonnen 7 meines Herrn 
auf dich fallen." 15 

Doch ich, Mirjai, hörte nicht auf das, was meine Mutter mir 
gesagt, und horchte nicht mit dem Ohr s auf das, was mein Vater 
mir befohlen. Ich öffnete die inneren Türen, und die äußeren ließ 
ich offen stehen. Ich ging auf die Hauptstraßen hinaus, und die 



1) In Kreisen, in denen die in Jerusalem herrschende Religion ver- 
worfen wurde, konnte Babel als Bezeichnung dafür aufkommen. Sie wird 
von auswärts zu den Mandäern gekommen sein. Anders spricht Mani 
von seiner Herkunft aus Babel, Müller, Handschriften -Beste II, p. 51. 
— Später kam die Annahme auf, daß Jerusalem am Euphrat gelegen 
habe, vgl. Brandt, Rel., p. 139m. Diese Vorstellung findet sich in den 
mandäischen Schriften nicht, und ich möchte sie auch an der vorliegenden 
Stelle nicht annehmen. Die häufige Zusammenstellung von Jerusalem mit 
"*-N" fudäa zeigt vielmehr, daß die Lage der Stadt bekannt war. 

2) Der Ausdruck ist vielleicht durch GR 27, 9 f. beeinflußt. 

3) Vgl. S. 4 i3. 

4) Eine häufige Verbindung, vgl. GR 205,2!., 22 f.; 206, 19 f.; 
GL 3, [o; 8i,3f.; Qol 57. 17: 39» *5- 

5) Vgl. Nöld., p. 16. 

6) Zu n-nux vgl. Lew, Chald. Wörterbuch II, p. 200b, s. anar; 

vielleicht ist auch dort N*133> ZU lesen. Man erwartet hier das Gegenteil 
von NTUJ, vgl. 128,4. Vielleicht liegt eine Bildung von T"£ vor, etwa 
•p3*~wN". vgl. auch S. 24 \ 

7) Mir nicht verständlich; kaum soviel wie „Augen". Zu finöKttöna 
„Diener" möchte ich es schon wegen b^STi nicht abändern. 

Man erwartet *N:~nr3, denn es ist eher mit rTTlfitJE als mit 
■jfinpNSi zu verbinden, doch siehe auch S. 17.5'. 



Mirjai. 127 

Sonnen l meines Herrn fielen auf mich. Ich wollte nach dem Volks- 
hause gehen, doch mein Weg trug mich nach dem Tempel. 2 Ich 
ging hin und fand meine Brüder und meine Schwestern, wie sie 
dastehen und Predigten halten. Meine Brüder halten Predigten, und 
5 meine Schwestern werfen Erörterungen auf. Bei der Stimme ihrer 
Predigten und bei der Stimme ihrer Erörterungen wurde ich schläfrig 3 
und legte mich auf der Stelle hin. Meine Brüder gingen fort und 

o 

weckten mich nicht, und meine Schwestern entfernten sich und rüt- 
telten mich nicht auf. Doch du, meine Schwester in Kustä 4 , rüttelst 

10 mich vom Schlafe auf || und sprichst: „Steh auf, steh auf, Mirjai, 120 
bevor es zu tagen anfängt und der Hahn seinen Morgenruf erschallen 
läßt 5 ; bevor die Sonne strahlt und ihr Glanz über den Welten auf- 
geht; bevor die Priester und Priestersöhne herausgehen und sich in 
den Schatten der Ruine Jerusalem setzen; bevor dein körperlicher 

15 Vater kommt und Verderben 6 über dich bringt, wie du es nicht 
hast." Ich, Mirjai, verheimliche meine Gebete und verheimliche 
meine Reden von Grund aus. 7 

Früh begann es zu tagen, früh ließ der Hahn seinen Ruf er- 
schallen, früh strahlte die Sonne, und ihr Glanz ging über den 

20 Welten auf. Die Priester und Priestersöhne gingen hinaus und setzten 
sich in den Schatten der Ruine Jerusalem. Da kam mein körper- 
licher Vater heran und brachte Verderben über mich, wie ich es 
nicht hatte. Er sprach: „Wo bist du hergekommen, du verhurter 
Trog 8 , || den nicht und Riegel? r ' Wo bist du 130 

1) B „und die Sonne". 

2) D. h. der Mandäer, siehe die Einleitung. 

3) Das steht da, doch siehe S. 124, 26 ff. Zur Form rPEP2 vgl. S. 75 3. 

4) Hier wohl eine weibliche himmlische Person. 

5) Vgl. zu rp~ Nöld., p. 00. 

6) Eigentlich „Umsturz", vgl. Nöld., p. 31, 2; 55,2; 127,7; 131,13. 

7) Aus den beiden Lesungen ist -x:N":rr zu kombinieren. Der Sinn 
des Satzes dürfte sein, daß sie ihre Gebete heimlich verrichtet habe. 

8) Daß ..Trug" hier als Schimpfwort für Dirne gebraucht sei, ist 
nicht undenkbar. ABC haben beidemal RrPfiOfitT», die schlechte Hand- 
schrift D »rP38Ta, das eine defektive Schreibung davon sein kann. Die 
äußere Überlieferung spricht für RTPMMTO, trotzdem ist das Aktiv KrP3«TH 
oder KrPfiOKT wahrscheinlicher. 

9) N^Ka», das an dieser Stelle keine Handschrift hat, ist nach Z. 5, 
wo alle Handschriften es haben, herzustellen, vgl. auch 274,7; 275,8 
und S. 12Ö 6 . Man erwartet in dem Satze den Sinn, daß Riegel und son- 
stige Verschlüsse sie nicht zurückhalten können. ]a \ m. nach Bar Ali, 



128 Mirjai. 

hergekommen, wehe 1 , du brünstige 2 Hündin, die nicht Pflöcke 

und Verschlüsse? Wo bist du hergekommen, wehe, wehe! du Stück 
grobes Zeug(?), das mir auf mein Gewand geflickt ist?" 3 — „Wenn 
ich ein verhurter Trog bin, so will ich deine und Riegel aus- 
reißen. Wenn ich eine brünstige Hündin bin, so will ich die Pflöcke 5 
und Verschlüsse wegschlagen. 4 Wenn ich ein Stück grobes Zeug 
bin, das dir auf dein Gewand geflickt ist, so schneide 5 und trenne 



n. 3921 im aramäischen (?) Dialekte die Schminknadel, nach Bar Bahlul, 
756 auch im Dialekte von Tirhän eine Stange zum Heranziehen des Schiffes 
an das Ufer, wird hier eine Vorrichtung zum Verschließen der Tür sein. 
Es dürfte in der Bedeutung ungefähr Nn30 entsprechen, dem es parallel 
steht. Mag man nun Sirr^pwsNbi von* 'anp oder Tnp oder ^-py (vgl. 
Z. 5) ableiten, keines liefert den anzunehmenden Sinn. 

1) Es kann auch heißen „woher bist du über mich gekommen", 
doch ist es mir wahrscheinlicher, daß ^bs>, if/btn eine Interjektion ist, siehe 
oben S. 38 t , 42 s. 

2) jfitt Ethpaal öfter „in Gier oder Wut entbrannt sein": GR 
111,22; 112,6; 258,7; 281,20, auch mit «ifittKn«» verbunden: GR 
225,6; 282,5. Hier steht - ( K1-;NU5» wohl in demselben Sinne, obwohl 
es auch „mit Geschwüren bedeckt" heißen könnte. 

3) Einigermaßen sicher ist in dem Satze nur der Sinn von NSmn 
„Gewand", obwohl es an sich auch „Beisasse" bedeuten könnte, vgl. 
Nöld., p. 133, 17 ff. NJtMIS ist sonst nur in der Bedeutung „Happen, 
bissen" bekannt; im Talmud ist es nach Levy, Neuhebr. Wörterbuch I, 
p. 41a nur als ein Stück rohes Fleisch belegt. Aber in welchem Zusam- 
menhange sollte es hier stehen? „ein Bissen , der mir auf das Gewand 

gespien ist", so dal) &rbfcOp3> und die Varianten zu JO^pl bzw. iobp"n 
abzuändern wäre? Das paßt zunächst zu Z. 8 nicht, wo das NS£7213> ab- 
geschnitten oder abgetrennt werden soll. Dann kann man sich weder von 
NpNO, noch von nthnO einen Bissen denken. JonNO könnte nur der Sarw- 
Baum (eine Zypressenart, Low, n. 333) sein, und es kommt so auch in 
einem Hochzeitsliede Cod. Par. 15, f. 22a = Cod. 2^, f. 27a vor: 

NTiNDb firuin Finünp 

„Seine Statur gleicht dem Sarw-Baum, 

Sein Bart der Wasserminze." 
(Vgl. Low, n. 213, Var. NDNi^Nn^ölö). Ich nehme nun, da mir Besseres 
fehlt, an, daß N3SWW hier „Flicken" heißt, daß NpNO die richtige Lesung 
und das Verb zu Sf'b(N)'»p h i e j von ypl herzustellen sei. 

4) Ich lese p1ÖB5> statt piDD, vgl. auch S. 36 x . Der für ^ip« und 
--" angenommene Sinn scheint mir näher zu liegen, als daß man sie als 
Imperative auffasse, obwohl nachher ein Imperativ steht. 

5) "Nb-n, das nur zu bVa gehören könnte, und INpÖlB gehören nicht 
recht zusammen. [ch vermute ijma. 



Mirjai. I2Q 

mich von deinem Gewände ab." — Darauf rief er: „Kommet, sehet 
die Mirjai, die das Judentum verlassen und hinging, um ihren Herrn 
zu lieben. Kommet, sehet die Mirjai, die das farbige Zeug verlassen 
und hinging, um ihren Herrn zu lieben. Sie ließ Gold und Silber 131 

5 im Stich und ging hin, um ihren Herrn zu lieben. Sie ließ die 
Tutifta 1 im Stich und ging hin, um den Mann mit der Burzinqä zu 
lieben." Da erwidert ihm Mirjai: ,,Fern liegt es mir zu lieben, den 
ich gehaßt. Fern liegt es mir zu hassen, den ich liebgewonnen. 2 
Nein, fern liegt es mir, meinen Herrn, den Mandä dHaije, zu hassen, 
der mir eine Stütze in der Welt ist. Eine Stütze ist er mir in der 
Welt und ein Helfer am Orte des Lichtes. Staub in den Mund der 
Juden, Asche in den Mund aller Priester. 3 Der Mist, der unter den 
Füßen der Pferde ist, komme auf den Obersten unter den mäch- 
tigen Herrschern von Jerusalem." 4 

15 Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 

ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



10 



35. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 

Licht. 

Mirjai bin ich, eine Rebe, ein Baum, der an der Mündung 
20 des Euphrat steht. Die Blätter des Baumes sind Edelsteine 5 , die 
Früchte des Baumes || Perlen. Das Laub des Weinstockes ist Glanz, 132 
seine Ranken wertvolles Licht. 6 Seinen Wohlgeruch verbreitete er 
unter die Bäume, und er zieht hinaus über alle Welten. Es rochen 
ihn die Vögel der Luft; ein Schwärm 7 setzte sich auf den Baum. 



ij Es zeugt von geringer Kenntnis der jüdischen Verhältnisse beim 
Verfasser, daß er annimmt, die Tenllim würden von Frauen getragen. 

2) An erster Stelle vermute ich Dl!"n3> 1, an zweiter fTnaNtT"! 1. "Nlb 
wird durch den Paralleltext gestützt (vgl. S. 124, 15), sonst würde ich 
Sjob fvorrnn „den mein Herz liebgewonnen" lesen. 

3) Vgl. Goldziher, ZDMG XLII (1888), p. 587 ff.; Bacher XLIII 
(1889), p. 613 ff. 

4) In der Beschwörungsrolle Morg 264 heißt es col. 18, 32 f. in bezug 
auf die Dämonen: ..Staub in ihren Mund, Mist in ihre Kehle-'. 

5) Siehe zu 81,7. Aus fiTSXn und Nm ist N'b Ti herzustellen. 

6) Gegensatz zu tXlpSC N"n3. 

7) Dies ist jedenfalls der Sinn des Wortes, aber eine Herleitung ist 
mir nicht möglich. Aus 8n!"ito „Mond" wurde &TPD, aber darum darf 
man das vorliegende Wort nicht von nno „umherkreisen" ableiten, denn 
wie das Assyrische zeigt, ist das n darin h. Man denkt an tfS^D, aber 

Lidzbarski, Johannesbuch . 9 



jiq Mirjai. 

Ein Schwärm setzte sich auf den Baum, und sie wollen da ihr Nest 
bauen. Sie flattern in ihm umher 1 und setzen sich in ihm nicht 

fest. Von seinem Laube essen sie 2 , aus seinem Innern trinken 

sie Wein. Sie essen, was nicht verwerflich 3 war, und trinken, was 
nicht Wein war. 4 5 

Während die Vögel in dem Weinstocke saßen, brachen Winde 
und Stürme 5 los. Sie rüttelten die guten Vöglein auf, sie schlugen 
gegen den Baum, sie warfen das Laub des Weinstockes nach allen 
Seiten hin und verscheuchten die Vögel aus ihrem Orte. Mancher 
Vogel war da, der nicht davonflog, sondern sich mit den Krallen 10 
und Flügeln 6 festhielt, bis die Winde und Stürme vorüber waren. 
133 Andere wiederum 7 hielten sich nicht fest und eilten weg || 8 



dies wäre im Mandäischen nicht mit c Ain geschrieben, so daß der Über- 
gang zur Schreibung N^TO fehlt. Audi ] t ±*, in übertragenem Sinne kann 
es nicht sein, da dieses griechisch ist. 

i) N'C\sn gibt keinen Sinn; wenn es „schonen" heißen sollte, müßte 
es mit b3> konstruiert sein. Es geht wohl auf STOCKE zurück. Der obere 
Teil des ü war verwischt. 

2) NpTT findet sich nur hier. Nach p~iT „ausstreuen" wäre es das 
Laub, das sonst abfällt. 

3) Das Wort gehört wohl zu «-^-1», vgl. Nöld., p. 126m. 

4) Der Satz paßt nicht zum Vorhergehenden. Er findet sich auch 
GL H, 14; Qol 57, 8. Dort ist er hergenommen und gedankenlos hier 
eingeschoben. 

5) Das Wort findet sich noch GL 1, 14, 20; 14,4; Morg 64, 12 
(= Oxf. 46a; Cod. Par. 15, f. 57b). Die Lesungen schwanken zwischen 
N-n"an, {raNnan, tt-n^ND, N^KaTi, SOn-OT. Die Bedeutung ist, da 
es an drei Stellen mit Np^T zusammensteht, aufs Ungefähre bestimmt. Der 
Stamm wird 31N sein, das auch das assyrische abübn „Sturm" geliefert 
hat. Zu -wVpwS vgl. S. 4<)\ 

6) AD haben FrDiMi R^öiüa, B .iM&wi N^iDTja, C nd:n5i Nisnüa, 

also eher Ss:N5" rl^iDlUa, worin der Plural enthalten sein dürfte. 

7) NrN steht häufig luv nzz-: GR 80,24; 133,6; 139,3; 142,9,24 
und sonst. Auch nzn wurde wohl mit verstärktem k, d. h. akkä oder 
mit der später eingetretenen Trübung des ä akkö gesprochen. Ich glaube, 
dal» aus diesem akkö mit Dehnung der ersten Silbe das im Arabischen 
des 'Ir;'n| beliebte dkö, äkü „es ist" hervorgegangen ist. Die Herkunft 
von ^ ist mir weniger wahrs< heinli« h , ebenso die Identität mit akün (so 
Meissner, Mitteil, des Seminars für orient. Sprachen IV (1901), Abt. II, 
p. .14 1). 

3) NlDöKttJ ..Sonne- paßt hier ebensowenig wie [28, 1. A hat 



Afirjai. 131 

Wehe denen, die sich nicht festhielten, sondern vom Baume weg- 
stürzten l und davonflogen. Wie schön ist der Baum des Lebens 
und schön die Vögel, die auf ihm weilen! Die Winde und Stürme 
gingen vorüber, und Ruhe kam über die Welt. 
5 Wie die Vögel dasitzen und zwitschern- und ihr Nest bauen 

wollen, wie die Vögel auf dem Weinstocke sitzen, kreiste und flog 3 
ein Adler heran. Ein weißer Aar 4 kam, schaute hin und erblickte 
die Vögel. Er kreiste umher, stürzte sich auf sie mit seinen Flügeln 5 
und kam und setzte sich auf den Baum. Die Vögel knüpften mit 

10 ihm ein Gespräch an und sagten zu ihm: „Bei deinem Leben, Adler! 
Auf diesem Baume waren wir Vögel ohne Zahl, doch da stürzten 
gegen sie Winde los, und wütende Stürme kamen an den Baum.* 5 
Sie schüttelten sie vom Baume, daß sie ihnen (beinahe) die Flügel 
ausrissen. Mancher hielt sich fest, den vermochten die Winde und 

15 Stürme nicht loszureißen, mancher aber flog eiligst davon. Wir 
sagen dir nun, Adler, wir fragen dich || wegen der Vögel, weil du 134 
scharfsichtig 7 bist und alles in der Tibil siehst. Was haben mit 
jenen Vögeln, unseren Brüdern 8 , die Winde und Stürme getan? 9 
Was trägst 10 du über sie?" 

20 Da erwiderte er ihnen: „Wollet lieber nicht erfahren, meine 



1) Das ursprüngliche konsonantische Alef in N'ltt (vgl. \fi) hat sich 
im Mandäischen kaum erhalten. Auch erwartet man hier keine Aphel- 
form, während das Aphel 134,5 m Ordnung ist. anBN ist Peal pl. und 
wahrscheinlich durch N~iD beeinflußt. 

2) Siehe oben S. 41 5. 

3) Von den gegebenen Formen ist DNE3" , 7a A als Infinitiv jedenfalls 
unrichtig, wenn man es nicht zu CNi: DiSü" 1 » ergänzen will. B hat Part. 
Aphel, C Part. Ethpaal, D Part. Ethpeel. 

4) NTCT3 ist zu wiederholen. Der Adler zeigt sich hier als Freund 
der Mandäer, daher muß seine Farbe dem mandäischen Ideal entsprechen, 
vgl. auch 262,4 uncl Brandt, Rel., p. 156 Anm. 

5) Man könnte ebensogut MS"»« „auf den Weinstock" lesen. Aber 
141, 10 haben alle Codd. fJBSiWn. Auch GL 88, 4 hat flgiatKSa "»KöMü. 

6) Beachte das bloße N:sb:* bei XDN, doch ist es vielleicht aus 
■pfPNINby verderbt. 

7) Wie im jüdischen Aramäisch wurde auch im Mandäischen lz'0 
zu TlD, vgl. auch Nöld., p. XXIX, 22; 69,24. 

8) Oder „unser Bruder!'' vgl. Z. 4. 

9) Die beiden Lesungen sind zu "pmanN zu kombinieren. 

10) In der vorliegenden Form kann es nur zu N — ; „tragen" gehören. 
Man erwartet eher rTHN" 1 oder etwa rr-ßiS ~. 

9* 



132 



Mirjai. 



Brüder, was aus jenen Vögeln geworden ist. Schleuderkugeln 1 
trieben sie von mir weg, zerbrachen ihnen die Flügel, sie wurden 

ausgerissen, zerbrochen-', sie gingen hin und stützten sich auf 3 

Der Weih und der Sperber 4 umkreisten sie , rissen Stücke aus ihrem 
Fleische und aßen von ihnen, die fett waren. Wehe denen, die 5 
dem Wasser anheimfielen, wenn ihnen nicht ein Anteil am Über- 
gang war(?). Wohl euch, ihr Vöglein, die ihr euch an diesem Wein- 
stock festhieltet, eine Gefährtschaft wurdet ihr der Mirjai, dem 
Weinstock, der an der Mündung des Euphrat steht. Sehet und 
135 überzeuget euch, ihr Vöglein, || daß ich zu euch gekommen bin. 10 
Ich bin zu meinen Brüdern gekommen, um ihnen in der Tibil eine 
Stütze zu sein. 5 Gekommen bin ich, um Mirjai zu heilen und Wasser 
den guten, teuren Pflanzen zu bringen, den Weinstöcken 6 , die an 
der Mündung des Euphrat stehen. In einem weißen Eimer schöpfe 
ich und bringe ich Wasser meinen Pflanzen. Ich trage und halte 15 
(ihn) auf den Armen des Glanzes, die mir eigen sind. Ich trage 
und halte (ihn) und gebe zutrinken. Wohl dem, der von meinem 
Wasser getrunken. Er trinkt, findet Heilung und Bestand und wächst 
um das Doppelte. 7 Die Weinstöcke, die Wasser getrunken, brachten 
gute Früchte hervor. 8 Ihr Laub wand sich empor und prangte. Die 20 
Reben, die kein Wasser getrunken, brachten Bitterkräuter und 9 



1) Persisch s^ji J? „Tonkugel" des Schleuderers, vgl. Vullers U, 

1025b. Man erwartet hier eigentlich keine Jagd, doch vgl. auch die 
nächstl' tlgende Anmerkung. 

2) Die Lesung INSNrTiÖS* ist sicher. An einen Hebraismus ist nicht 
zu denken. Zu nNSNnSiS 1 möchte ich es nicht herstellen. Wahrscheinlich 
wurde -\szNrr zu l iKSKn , ,D3> unter Einfluß von £3N73NniB3>. 

3) „Vogelfänger", siehe S. 144 4 ? Kalü, lealiu seil im Assyrischen 
• in Vogel sein, vgl. Muss.-Arn., 383a, s. kalte 8. 

4) Nach Abi). ;x'wNa, eine nicht eingebürgerte Entlehnung, viel- 
leicht erst aus dem Arabischen, daher ohne aramäische Endung. j^lDiO 
in (' ist vielleicht aus N'p-wNn verderbt, vgl. S'nn 

5) Die LAA sind zu "b'-nri zu kombinieren. 

6) Lies arasia. 

7) Entweder B51DN21 "der rrczuzt, wobei dahinter ein Verb ausge- 
fallen wäre. 

8) Obwohl an beiden Stellen pNBS bzw. pNSSN steht, ist dennoch 
p":N zu lesen. Oder man muh "j-rrN-"^ dazusetzen. 

9) &TpV3H WWW steht GL 102,7; 105,7; [l8, [5; 124,12; Qol 
38,2 auch mit an" „Wermut" (Low, p. 81, 10 f.) zusammen, wpby be- 
zeichnet jedenfalls auch eine Pflanze, schwerlich „Blutegel". 



Mirjai. 133 

hervor. Wehe denen, die auf dem Wege nicht vorwärts gegangen; 
wehe denen, die am Wegstein nicht vorübergegangen sind. Sie 
haßten Slmath-Haije 1 , Mirjai, die teure Kustä. 2 Meine Brüder! 
Haltet euch fest, seid der Mirjai eine Gefährtschaft. Ich will mich 

5 in der Welt umsehen 3 , || den Ruf des Lebens erschallen lassen und 13(> 
die Schlafenden aufrütteln 4 und wecken." 

Der Adler flog vom Baume weg, er kreist umher und belehrt 
seine Freunde. Er spricht zu ihnen: „Höret auf meinen Ruf, meine 
Brüder! Bleibet fest und ertraget die Verfolgung! Seid Mirjai eine 

10 Gefährtschaft. Eine Gefährtschaft seid Mirjai! Wehe den Juden, 
die für Mirjai eine Verfolgung waren. Wehe Elizar, dem großen 
Hause, der Säule 5 , die den Tempel stützt. Wehe Zatan-Estüna, 
der Lügenhaftes gegen Mirjai gezeugt hat." 

Alle Juden versammelten sich, die Lehrer, die Großen und 

15 Kleinen 6 , sie kamen (zusammen) und sprachen von Mirjai 7 : ,,Sie 
lief fort 8 von den Priestern, liebte einen Mann, und sie faßten sich 
an den Händen. Sie faßten sich an den Händen, gingen hin und 
ließen sich an der Mündung des Euphrat nieder. Wir wollen 9 sie 
töten und Mirjai in Jerusalem verächtlich machen. Einen Pfahl 

20 wollen wir für den Mann aufrichten, || der Mirjai verdorben und weg- 137 
geführt hat. Es soll keinen Tag in der Tibil geben, wo ein Fremder 



1) Vgl. die Vorbemerkungen zu Kap. 57. 

2) Auch Morg 60 unt. (= Oxf. 42b; Cod. Par. 15, f. 57a) wird die 
Kustä personifiziert als Tochter angeredet: „Weine nicht, meine Tochter 
Kustä, nicht mögen dir die Tränen in den Busen fließen. Du weißt 
ja, daß dein Weg gerade gerichtet, daß dein Wegstein (Morg.pl.) zwi- 
schen Lampen (1. N^KTC Oxf., Par.) des Lichtes aufgerichtet ist. Deine 
Lampen (1. ^NTü Oxf.) werden hochgehalten und leuchten. In deinem 
Momente und deiner Zeit steig empor und schaue den Ort des Lichtes." 

3) Siehe oben S. 131 7 . 

4) Man erwartet STTHSim 

5) Siehe oben S. 115 6 . 

6) Oder „die Lehrer der Großen und Kleinen", siehe S. 78 ', wenn 
nicht überhaupt JT'nptf'n zu streichen ist. 

7) W^vob fälschlich für W'T?: b$. 

8) nN"ip3>1 < nNpl^i, aber keine bloße Verschreibung (vgl. C), 
sondern eine gesprochene Metathese. Auch sonst zeigen sich Schwan- 
kungen, vgl. 159,12 und GR 271,8, wo ACD ~NpN "Np^:, B pK*Yi» 
pK 1 "!« hat. Siehe auch S. 4Ö 8 . 

9) Die beiden LA sind zu ■pi^Nn zu kombinieren. 



134 Mirjai. 

in Jerusalem eintritt. Sie spalten ihre (Tauben -)Schläge 1 und fangen 
die Tauben in Jerusalem ein." 

Alle Juden versammelten sich und folgten Mirjai nach. Sie 
gingen hin und fanden, daß für Mirjai ein Thron am Ufer des 
Euphrat errichtet war. 2 Eine weiße Fahne war für sie hingezogen, 5 
und ein Buch war in ihrem Schöße aufgerichtet. Sie liest in den 
Büchern der Kustä und rüttelt alle Welten auf. Den Stab lebenden 
Wassers hält sie in der Hand, der Gürtel ist ihr um die Lenden 
gebunden. Mirjai betet in Demut und predigt mit wundersamer 
Stimme. Die Fische versammelten sich aus dem Meere, die Vögel 10 
von der Mündung des Euphrat. 3 Sie kommen der Stimme der 
Mirjai nach und haben keine Lust, sich zum Schlafe hinzulegen. 
138 Sie atmen den Duft ein, der vor ihr war, und vergessen || diese Welt. 

Als die Juden dies sahen, standen sie vor ihr auf. Sie schämten 
sich, ballten die Fäuste, schlugen auf die Vorhöfe ihrer Brust 4 und 15 
weinten. Die Mutter der Mirjai sprach, und Tränen strömen ihr in 
den Busen. 5 „Sieh mich an, meine Tochter Mirjai", sagt sie zu 
ihr, „sieh mich an, die ich deine Mutter bin. Du bist meine Tochter 
und die Tochter aller Priester. Dein Haupt 7 ist das große Ober- 
haupt des Tempels. Erinnerst du dich nicht, Mirjai, daß die Thora 20 
in deinem Schöße lag? Du öffnetest sie, lasest darin und wußtest, 
was darin steht. Die äußeren Schlüssel lagen in deinen Händen, 



1) Das Suffix bezieht sich auf fiTilfir, doch ist vielleicht -,NnN^N35b 
zu lesen.. Das Wort gehört zu \sa^£> und zeigt denselben Lautwandel, der 
beim echtaramäischen v.a,^.,o eingetreten ist, vgl. Nöld., p. 47, 19. 

2) GR 351,21: „Zur Rechten des Mandä dHaije haben sie Jösamin 
einen Thron errichtet an der Mündung des Fras-Ziwä." 

3) GR 192,7 fr.: „Jöhänä geht dahin, und Mandä dHaije begleitet 
ihn. Der Glanz des Mandä dHaije verbreitete sich über den Jordan und 
sein«- Ufer. Die Fische öffneten ihren Mund vom Meere her, die Vögel 
von den beiden Ufern des Weltmeeres." GR [93, 9 ff.: „Mandä dHaije 
setzte seinen Weg fori nach dem Orte, der ganz Glanz, nach dem Orte, 
der ganz Lieht ist, und [ohana begleitete ihn. Die Fische versammelten 
sieh vom Meere her, die Vögel von den beiden Ufern des Weltmeeres 
um den Körper des föhänä und verdecken ihn." 

4) Siehe oben S. 37 6 . 

5) Siehe oben S. 133 2 . 

'1) Dem Parallelismus ist der Sinn geopfert. 
7) Lies -N'^— bzw. h piD''1? Man erwartet am ehesten ^"DS. 
N2- gehört zu w" 1 ^. 



Mirjai. 135 

und die inneren legtest du an Ketten. Alle Priester und Priester- 
söhne kamen und küßten dir die Hand. Wem du wolltest, öffnetest 
du 1 die Tür, wen du nicht wolltest, der mußte umkehren und an 
seinen Platz zurückgehen. Tausend stehen da, und zweitausend 

5 sitzen || da. 2 Sie unterwerfen sich dir wie ein verschnittener Sklav 3 , 139 
und auf dein Wort hört man in Jerusalem. Warum vergaßest du 
deine Brüder und entfremdete sich dein Herz den Priestern? Siehe, 
die Bräute weinen in Judäa, die Frauen und Männer in Jerusalem. 
Ihr geliebtes Gold haben sie von sich geworfen und widmen sich 

io der Klage und Trauer um dich. Sie sagen: „Wir wollen unser Gut 4 

zerstören, bis Mirjai wiederkommt. Wir schmieden Gold , 

und schöne Seidengewänder und Ketten legen wir an." 5 Sie stehen 
auf den Dächern und schauen aus, daß sie dich in Jerusalem wieder- 
sehen. Gelübde geloben sie deinetwegen, wenn du zu mir kommst 

15 und wir hingehen. 6 Meine Tochter! Steh auf, kehre zu deiner 
Ortschaft, der Stadt Jerusalem, zurück. Komm, zünde die Lampen 
an 7 , die von dem Tage, an dem du dich entfernt hast, erloschen 

i) Lies FibnNnNS. 

2) Eine ähnliche Wendung in anderem Zusammenhange GR 2 io,8, 19. 

3) AD weniger gut ,.wenn sie eine Entscheidung treffen". 

4) Zur Endung -,ftTN beim Singular siehe Nöld., p. 17g oben. Die 
Schreibung -jirb&TO D ist eine ältere defektive und stützt für diese Stelle 
die Priorität von -&ri6N73 gegen - ( n\X72. Die Wendung H^N» OND findet 
sich häufig GR 94 ff. 

5) TTD"'» kommt sonst nicht vor, macht auch keinen heilen Ein- 
druck. Es kann für sich betrachtet nur bedeuten „war es etwa schwer?" 

SSTTSp, vielleicht X'TNp oder NTTNp zu lesen, scheint mir arab. y oder 
dessen persischer Vorläufer zu sein. a*W-\ ist event. anders aufzufassen, 
vgl. Nöld., p. 40, 15 ff. -pa-! ist wohl zu "pTOSI herzustellen. Nun kann 
N73- ..wegwerfen' 1 wie „anlegen" (Kleider oder Schmuck) bedeuten, siehe 
oben S. 19 1 . Danach ist es zweifelhaft, ob «-»äBKO hier Fesseln oder 
Schmuckketten sind. Und was soll mit «ansn y.^'^ü'- gesagt sein? Ich 
habe den Eindruck, daß hier ursprünglich gestanden habe, daß sie aus 
ihren Goldsachen Ketten schmieden, die sie anlegen. 

6) Der zweite Teil des Satzes ist kaum in Ordnung. 

7) Sbn, "^riN scheint geradezu „anzünden" zu bedeuten. Hier 
könnte man auch „hänge die Lampen auf" übersetzen, aber 141, 13 
müßte ibnN schon „anheften" bedeuten, dann kämen wir auch zu „an- 
stecken". In Oxf., 75b f. steht Ptaibn KTni N^KTO, worin «bn wohl auch 
den Sinn „anzünden" hat. Im Asfar Malwäse, p. 237, 13; Cod. Par., 
f. 239a, 2 steht «ibrvn N-n3. Darin ist fc^brPn = jobrrn als Ethpeel, oder 
ton steht in intransitivem Sinne „sich anzünden", vgl. auch 6.7,7; 6 9> IO - 



136 Mirjai. 

sind. Habe kein Verlangen nach diesem Manne, der dich gefangen 
HO genommen und fortgeführt hat. || Den Mann, der nicht von deiner 
Ortschaft ist, lasse für sich allein in der Welt zurück. Mag er nicht 
sagen: ich bin hingegangen und habe Mirjai von ihrem Orte weg- 
geführt. Komm, lehre die Kinder, auf daß sie lernen. 1 Lege die 5 
Thora in deinen Schoß und laß uns deine Stimme vernehmen, wie 
sie war. 2 Von dem Augenblicke 8 und von dem Tage an, wo du 

die Hallah abhübest, war sie zugedeckt 4 " 

Als Mirjai dies von ihrer Mutter hörte, lachte sie und freute 
sich in ihrem Sinne. „Wären doch nicht die Juden", sagt sie zu 10 
ihr, ,,[und] die schändlichen, nichtsnutzigen Priester. Wären doch 
nicht die Juden, die dastehn und sich vor einem Gewölbe verneigen. 5 
Sie sollen in der Finsternis begraben werden. Gehet, gehet", sagt 
sie zu ihnen, „ihr Narren, ihr Kotlinge 6 , die ihr nicht von der Welt 



1) Köb" 1 ^ „Geißel" (Lond. Rolle B, 82: -,72t aotDK'iNJ-il ND^IS )"ü 
X'wXIX^i NDttSNp) paßt nicht, wenigstens so, wie es hier dasteht. Ich 
vermute 'psV^'i. 

2) Nn'M'i-rb -N:nN" an sich gibt keinen Sinn. Man könnte ifittnN 
als jüdisches Wort im Sinne von „lehren" auffassen, aber bald darauf in 
Z. ,5 steht es in dem sonst im Mandäischen üblichen Sinne, und die Worte 
'181 "pMfcOn 'N2DNT hängen dem Sinne nach mit r\SC\Tt ^pECNra NrP&m» 

[38, 8 f. zusammen. Andererseits vermißt man bei ""pDS&Oa iNSDNI das 
Objekt, und die ganze Gruppe bis N*i~ii 'ID hängt nach. Ich vermute, 
daß diese irrtümlich abgetrennt wurde und daß es ursprünglich in Z. 3 f. 
geheißen habe: kski yo riM *ta *]"bxp ^NEiüNi ^pBi&on KrTWiafc "wnNi. 

p 

3) = \2L£>b. Es kommt sonst im Mandäischen nicht vor. 

4) Mir scheint hier auf den jüdischen Brauch der Teighebe ange- 
spielt zu sein. StVtl wurde allerdings aramäisch zu NnVn, und danach 
erwartet man hier Nn'rNM, nicht N^NM. Jetzt wenigstens ist es bei den 
luden Brauch, daß die Hallah, bevor sie abgehoben wird, mit einem 
Tuche zugedeckt ist. Aus &TÜBN2 (so C, B vielleicht NTÄlBßW, AD N^IBfiWi) 
kann ich hier nichts machen; es scheint aus Z. 1 1 hierher geraten zu sein. 
Mit Rücksicht auf "^ habe ich bei N?N~ auch an (£u^u* „Wasserkrug" 
(Brockelmann, Lex.jp.497a nach Barhebräus, Gram. U (so!), p.95,l.u.) 

lacht. Aber auch hier würde man NnbNM erwarten, dann paßt das 
Zudecken hierbei schlechter. Schließlich würde auch N^iTSN" iTDND „sie 
schüttln die Becher aus" keinen Sinn geben, wenn man es dicht als 
hi in hstück ansehen will. 

5) Siehe i iben S. 1 14 2 . 

6) GR 231,5 werden die luden N^SSö*^ SrüilRi genannt, wofür 
Z. 15 zwei Handschriften NiXBiOl haben. Es bedeutet „Abortus und Ab- 



Mirjai. 137 

wäret. 1 Ich bin kein Weib, das zur Unzucht ausgezogen ist 2 , und 
nicht ist es, daß ich einen Mann geliebt hätte. Ich bin nicht aus- 
gezogen, um zu euch zurückzukehren und um euch, die Kuppel 
des Frevels 3 , wiederzusehen. Gehet, || gehet weg von mir, die ihr Hl 

5 Falsches und Lügenhaftes gegen mich gezeugt habet. Ihr zeugtet 
gegen mich Unzucht und Diebstahl und stelltet mich hin, wie ihr 
selber seid. 4 Gesegnet sei der Mann, der mich von meinen Fesseln 
befreit und meine Füße hier gepflanzt hat. Keine Unzucht habe ich 
mit ihm getrieben 5 und keinen Diebstahl in der Welt begangen. 

10 Statt des Zeugnisses, das ihr gegen mich gezeugt habt, kam mir 
Gebet und Lobpreisung." 

Wie die Priester dastehn und mit Mirjai an der Mündung des 
Euphrat sprechen, kam ein reiner Aar, dessen Flügel die Welten- 
fülle sind. 6 Er flog auf die Juden zu, stürzte sich auf sie mit seinen 

15 Flügeln 7 , fesselte sie und versenkte sie auf den Grund des Wassers, 
tiefer als der stinkende Schlamm. Er versenkte sie tiefer als das 
brennende (Wasser;, das innerhalb des trüben Wassers ist. Er Ver- 
senkte ihre Schiffe auf den Grund des brennenden Wassers. Er 
zerstörte den Tempel und legte Feuer an Jerusalem. Er brachte 

20 einen Sturz über sie und tötete die Jünger in Jerusalem. Er ließ 
sich zu ihr herab, senkte vor ihr 8 seine Flügel, setzte sich hin zu 142 



gänge". Auch im Syrischen wird V ^J von Entleerungen aus dem Körper 
gebraucht. Hier hat A &022:i33 3 D &05SS3, B RiltSNi, C trSB«. 

1) Wenn der Satz einen Sinn haben soll, so kann hier nur die 
andere Welt gemeint sein, aber dies bedeutet Nöbfc* schlechthin nicht, im 
Gegenteil. Der Satz kann nicht in Ordnung sein. 

2) Vgl. S. 33 2 - 

3) Vgl. S. 72 unt. 

4) Vgl. Xöld., p. 335 m. 

5) Zu n^-,-5 A siehe S. 753. 

6) Eine öfter vorkommende Wendung: GR82, 8, 17; 90,8,12; GL 
88,3; 115,7; II9> 23; 120,4. Die Lesungen schwanken zwischen N^Nbw, 
N^äVöN, N"!sbN72. Das Bessere ist K^NbM bzw. N^NböN, denn es ist 

CO 

jjL-o. Die Wendung bedeutet, daß der betreffende Gegenstand die Welt 
ausfüllt. Auch üch'D, \\L& ist mit ..Erde" verbunden, doch in anderer 
Nuancierung. Vielleicht ist der Plural N"Nb72 in den Handschriften irr- 
tümlich aus N'N?73 = N^a < NNb?3 entstanden. Pogn., p. 243 werden 

TT: T T : X 

manichäische Parallelen nachgewiesen. 

7) Siehe S. 1 3 1 5 . 

8) Dieses Schaphel ist Nöld., p. 212 nachzutragen. 



138 



Der Seelenfischer. 



ihr, erzählte und predigte ihr, und sie reichten sich das geliebte 
Kustä. Er umschlang sie in kräftiger Umschlingung, streckte sie 
hin und legte sie auf den Thron. 1 „Mirjai", spricht er zu ihr, „sieh 
mich in Güte an, vor dem Leben gedenke mein. Ich bin dein 
guter Bote, der Mann, der auf deine Rede hört. Ich bitte dich um 5 
die hohe Kustä, die Kustä, welche die Jordane auserwählt haben." 
— ,,0 guter Uthra", erwidert sie ihm, ,,Uthra, den das Leben 
gesandt. Dein Glanz und dein Licht ist über uns aufgegangen, 
und deine Ehre ist erprobt am Lichtorte. Ein jeder, der auf deine 
Stimme hört, wird in den lauteren Ort eingeschlossen werden. Er 10 
wird in den Lebensschatz 2 eingeschlossen werden, und deine Strahlen 
werden [über ihm] doppelt aufgehen. Von einem jeden, der auf 
deine Stimme nicht hört, wird Wachen 3 und Schlaf weggewischt 
werden. Er gehöre 4 zu den Juden, den Sklaven, und allen Priestern 5 , 
den Söhnen der Magd. 6 Ich und du wollen uns emporwinden 7 und 15 
US siegreich emporsteigen || zum Orte des Lichtes." 

Gelobt sei das Leben, und das Leben ist siegreich. 




Der Seelenfischer. 

Der Abschnitt, der die Stücke 36 — 39 (p. 143,3—163,12) umfaßt, 
berührt sich mit den Stücken II, 12 (p. 40— 49) über den guten Hirten. 20 
Sie zeigen dieselbe Ichformel als Eingang, und sie führen Gedanken aus, 
die auch im NT ausgesprochen sind. Eine direkte Abhängigkeit vom NT 
nehme ich allerdings wie bei den Hirtenstücken, so auch hier nicht an. 



1) ABC haben JPÖ^nDb, D F^OTDb. 

2) liier offenbar nicht als Name, wie sonst gewöhnlich, siehe die 
Vorbemerkungen zu Kap. 57. 

3) Siehe S. 34, Anui. 5 Ende. 

4) Man sähe hier lieber ein anderes Verb als jnfr. Eine Lesung 
&n3N N-Nür-K'b -j-y-rPD ist nicht wahrscheinlich, da tfilSN N^NülttK' 1 
parallel NnttN N" 1 ^ STSSli« steht. 

5) Lies ■pttblDbl. 

6) Man denkt bei Nn"N K^a eher an die Araber, siehe S. 88 2 , aber 
steht hier als Parallele zu &n:aN. 

7) Wohl so aufzufassen, siehe auch S. 132,20. Zu syr. %^ vgl. 
Brockelmann, Lex., p. 40b 1. ult. und p. 493a zu 50a. 



Der Seelenfischer. 139 



Trotz der vorhandenen Berührungen ist es mir nicht wahrscheinlich, 
daß die Abschnitte von demselben Verfasser herrühren. Von den beiden 
Hirtenstücken zeigt das erste eine packende Darstellung, das zweite eine 
geschickte Gliederung. Hier ist weder von der einen noch von der an- 
5 deren Eigentümlichkeit etwas zu merken. Das Verständnis der Fischer- 
stücke wird freilich durch die vielen Termini, deren Sinn sich nicht er- 
mitteln ließ, erschwert, aber wahrscheinlich würde der Inhalt uns nicht 
mehr fesseln, wenn wir sie ganz verständen. Auf der einen Seite steht 
der Seelenfischer, der immer wieder seinen hohen Beruf im Gegensatz 

10 zum häßlichen und schmutzigen Treiben des Fischervolkes preist, auf der 
anderen die Fischer mit ihren wiederholten vergeblichen Versuchen, sich 
dem fremden Manne zu nähern. Obwohl kein fortschreitender Gedanke 
durch die vier Stücke geht, rühren sie wohl dennoch von demselben Ver- 
fasser her. Er legt offenbar Wert darauf, zu zeigen, daß er in allen 

15 Dingen Bescheid wisse, die zum Fischergewerbe gehören, und wenn er 
das Fischervolk nicht gar zu schlecht machte, könnte man annehmen, daß 
er selber aus Fischerkreisen hervorgegangen sei. 

Der Abschnitt enthält zahlreiche Ausdrücke aus dem Fischer- und 
Schifferleben, die sich sonst weder im Mandäischen, noch in anderen 

20 semitischen Mundarten belegen lassen. Dadurch wird das Verständnis 
sehr erschwert. Ich habe mir alle erdenkliche Mühe gegeben, die vielen 
Dunkelheiten aufzuhellen, aber mit geringem Ergebnisse. Da gerade tech- 
nische Bezeichnungen, die in einem engen Kreise üblich sind, am Boden 
haften bleiben und von einer Sprache in die andere wandern, nahm ich 

25 an, daß manche dieser Ausdrücke auch bei den jetzt arabisch sprechenden 
Schiffern und Fischern des 'iräq fortleben; bei einigen konnte ich es mit 
Sicherheit feststellen. Ich arbeitete daher Fragebogen aus, die erstens 
allgemeine Fragen über das Fischerei- und Schiffereiwesen in Babylonien, 
dann ein Verzeichnis der in Betracht kommenden Wörter mit ihren even- 

30 tuell jetzt im Arabischen üblichen Formen enthielten. Ich sandte die 
Bogen im Januar 1907 an Herrn Geheimrat Delitzsch mit der Bitte, sie 
an die Expedition in Babylon zu senden, da ich annahm, daß sich dort 
jemand fände, der die Einheimischen nach dieser Richtung befragen könnte. 
Ich fügte auch die Blätter mit dem mandäischen Texte bei für den Fall, 

35 daß sich ein Mandäer auftreiben ließe, der eine Übersetzung liefern könnte. 
Selbstverständlich enthielte diese viel Falsches, aber sie könnte hie und 
da die traditionelle Auffassung eines Satzes bieten. Herr Geheimrat 
Delitzsch schrieb mir, daß bei der Expedition niemand wäre, der sich 
der Sache annehmen könnte, doch gedenke er in Bälde nach Babylonien 



I i Der Seelenfischer. 



zu reisen, und er wolle sich um die Frage bemühen. Bis zum Sommer 
1909 hatte Herr Geheimrat Delitzsch die Reise nicht angetreten, und 
da ich damals selbst im Begriffe war, nach dem Orient zu gehen, bat ich 
um die Rücksendung der Blätter. Bis zum c Iräq sollte sich allerdings 
meine Reise nicht ausdehnen, aber ich hoffte, namentlich in Damaskus 5 
Leute aus Babvlonien aufzutreiben, die mir Auskünfte erteilen könnten. 

In den ersten Tagen des Oktober 1909 fuhr ich auf der Niger der 
.Messageries Maritimes von Konstantinopel nach Beirut. Ich sah mich 
bereits auf dem Schiffe in den verschiedenen Klassen nach Leuten aus 
dem c Iräq um. Ich lernte zwei Männer kennen, die ich ausfragte. Der 10 
eine war der Dichter und philosophische Schriftsteller Gemil Sidqi ez-Zahawi 
(^jLfcjJI ^j-s Je**-) aus Bagdad. Eigentümliche Ereignisse waren seiner 
Reise voraufgegangen. Aus angesehener Familie, ein Sohn des Mufti von 
Bagdad Muhammed Feidi, hatte er sich philosophischen und naturwissen- 
schaftlichen Studien zugewandt. Er lernte die europäische Aufklärung 15 
kennen und fühlte sich besonders zu Darwin, Büchner und Renan hin- 
gezogen. In einem Werke ^U^UÜI arbeitete er eine neue islamische Phi- 
losophie auf Grund des Darwinismus aus. In freiheitlichen Gedichten, die 
besonders in ägyptischen Zeitungen erschienen, bekämpfte er das Regime 
'Abdulhamids. 1 Die Regierung wagte nicht, ihm etwas anzuhaben, inter- 20 
nierte ihn aber in Bagdad. Gleich nach dem Einbruch der hurrijet wurde 
er als Professor für islamische Philosophie nach Konstantinopel berufen. 
Das dortige Klima bekam ihm aber nicht, er gab die Stelle auf, um eine 
Professur an der Rechtsschule in Bagdad zu übernehmen, und war im 
Begriffe, in seine Heimat zurückzukehren. 25 

Der andere war der Leutnant 'Abdallah ez-Zuheir aus Basra. Ich 
habe nur einige Angaben von ihnen erhalten, die ich in den Anmerkungen 
mitteile. 

In den Basaren von Damaskus fragte ich viel nach Leuten aus dem 
'Irfiq herum, lange ohne Erfolg. Schließlich erfuhr ich zu meiner Freude, 30 
daß der Kaufmann Muhammed cl-Bassam im Stadtviertel el-Qanawat aus 
Süq es-Siüh stamme. Es ist ein angesehener Mann, Wekil des Fürsten 
von Mail, und er soll die Handelsverbindung zwischen dem Negd und 
Damaskus beherrschen. Ich besuchte ihn, es entwickelte sich ein langes 
Gespräch über die Subba, mit denen er in seiner Heimat in Berührung 35 
gekommen war, und dem zwei in einem Winkel kauernde Beduinenscheichs 



r) Seine Gedichte sind in Buchform erschienen in f^^'l fl&\ Teil 1, 
Beirut, ällft»2*l SxJaJI, 1327. 



Der'Seelenfischer. 141 



mit Erstaunen zuhörten, es war aber nicht möglich, aus ihm irgend etwas 
über die Schiffer und Fischer herauszuholen. Er lehnte es rundweg ab, 
auf diese vulgären Dinge einzugehen. Die einzige Beute, die ich von 
diesem Ghazu heimbrachte, waren zwei Fischnamen. 1 
5 Im April 1910 war ich zwei Tage in Tiberias. Ich ließ nur von 

einem Fischer seine Geräte zeigen, ihre Verwendung beschreiben und 
zeichnete die für sie und ihre Teile üblichen Benennungen auf. Die ent- 
sprechenden Aufnahmen E. W. G. Mastermax's 2 wurden im wesentlichen 
bestätigt, in einigen Punkten konnte ich sie berichtigen. Auf einer Boots- 

10 fahrt nach den heißen Quellen ließ ich mir die Bezeichnungen für die 
einzelnen Teile des Bootes nennen. Wie zu erwarten war, ist die Ter- 
minologie am Tiberiassee eine andere als in Babylonien. 

Da ich in Syrien nichts erreichen konnte, sandte ich, bevor ich 
Syrien verließ, die Fragebogen an den deutschen Konsul in Bagdad mit 

15 der Bitte, sich der Sache anzunehmen. Herr Konsul Dr. Hesse schrieb 
mir, er wolle alles tun, was in seinen Kräften liege. Aber es vergingen 
einige Jahre, ohne daß in der Angelegenheit etwas geschehen konnte. 

Im August 1 9 1 3 wurde ich durch Maxim. Bittner's Veröffentlichung 
der beiden Jezidenschriften auf den Pater Anastase Marie in Bagdad auf- 

20 merksam und entschloß mich, an ihn zu schreiben. Ich bat ihn, sich die 
Fragebogen auf dem Konsulat geben zu lassen und mir mitzuteilen, was 
er erführe. Da er kein Deutsch verstand, hatte Herr Konsul Hesse die 
Freundlichkeit, ihm die Fragen ins Französische zu übersetzen. Pere 
Anastase Marie 3 fragte Fischer aus und sandte mir eingehende arabische 

25 Beschreibungen der am Euphrat und Tigris üblichen Fangarten und Ge- 
räte. Ich habe die Stücke übersetzt, mit Fischereikundigen in Berlin durch- 
gesprochen und wollte sie hier im Anhang mitteilen. Zu meiner Über- 
raschung hat Abunä Marl die Texte, kurz nachdem er sie mir übersandt, 
ohne zu vermerken, auf wessen Veranlassung (und mehr als das) er die 

30 Aufnahmen gemacht hat, in der Zeitschrift Loghat el-Arab (III, p. 519 — 525) 
abgedruckt. Ich verzichtete nun darauf, sie hier mitzuteilen, und verweise, 
wo es nötig ist, auf die dortigen Stellen. Die Fragebogen waren für 
Europäer bestimmt, an einen Orientalen hätte ich die Fragen anders gestellt. 

1) El-Bassäm sagte mir, daß er es gewesen sei, der eine Abschrift 
des Koran -Kommentars des Tabari in Häil habe herstellen lassen und 
nach Kairo gebracht habe. Dies wurde mir nachher in Kairo bestätigt. 

2) The Fisheries of Galilee. Palestine Exploration Fund. Quart. St. 
1908, p. 40 — 51. Erweitert in Studies in Galilee, Chicago 190g, p. 37 — 4 S - 

3) Arabisch ^S)^». 



142 Der Seelenfischer. 



Nach inneren und äußeren Momenten schien es mir ratsam, die Ant- 
worten, die Pater Marl auf direkte Einzelfragen sandte, nur in sehr be- 
si hränktem Maße zu verwerten. 

Hilfsmittel zur Kenntnis des Schifferei- und Fischereiwesens in Baby- 

lonien sind: Aufsätze von ^j^-jJi fö in der Loghat el-Arab II, p. 93 — 103, 5 
152—155, 198—205, 393 — 403; III, p. 82 — 80, 243 — 247.- Bemer- 
kungen von B. Meissner, Mitteilungen des Seminars für Orient. Sprachen 
IV (1901), Abt. II, p. 160, s. n. 45. — Petermann, Reisen II, p. 125 f. 
— M. Mainzer, Über Jagd, Fischfang und Bienenzucht bei den Juden in 
der tannäischen Zeit. Gießener Dissertation 19 10. Imm. Low, Ära- 10 

maische Fischnamen, Festschrift für Nöldeke, p. 549 — 570. — M. Streck, 
Bemerkungen zu einigen arabischen Fischnamen, ZDMG LXI (1907), 
P- 633—640. 

Von Fischen, die in den Gewässern Südbabyloniens existieren, 
wurden mir genannt: 15 

Von P. Anastasc: 



-^ o - > s < o ****** # « n "•*" *>-»■ 



1) Vgl. Streck, p. 636,29; 640. 

2) Vgl. Petermann, p. 126; Low, Fischnamen, p. 556, 29; Streck, 
p. 636 ff. 

3) Vgl. Petermann, a.a.O.; Low, p. 551,3; Streck, p. 635fr. 

4) Vgl. Petermann, a.a.O. (Dscherrije); Low, p. 552, 5 und hier 
S. [51,8. 

5) Vgl. Petermann, p. 125 unt. (Qittan); Sachau, Am Euphrat und 
Tigris, p. 61; Streck, p. 636 6 . 

6) Vgl. Petermann, p. 120 (Schildsch oder SchJaq, mandäisch 

Schilqa). — Lisän XII, p. ,53: 3^' > st ( ' U1 'deines Wesen in der Gestalt 

eines Fisches mit zwei Füßen am Schwänze gleich dem Falk: des Frosches, 
ohne Hände. Es findet sieh in den Wasserläufen Basras. Kein ara- 

lies Wort. Ihn el-.V rähi: 3*"*" ' sl der ^ ;i ' {syx&vs) von den 

Fischen, entspricht ܣf?*\ und -W^H'. Er soll zu den Fischen von Bahrein 

gehören. Vgl. auch S. 143 2 . 

7) Wohl identisch mit c ^*~ ..Seeaal", vgl. Fraenkel, Fremdwörter, 

p. 122; LöW, p. 55'). 23. Aueh der Name des Kraniehs hat in Baby- 
lonien die Form qatlül, vgl. S. 1 | |, 1. 



Der Seelenfischer. 143 



Später fügte P. Anastase ergänzend hinzu: ^ ' ^sp') 'ffr. ' xl j ')*, 
Cj%x« '.l~Jl ^^ ' r*^ '8^5^11 

Leutnant 'Abdallah ez-Zuheir nannte . mir als k£ ^ .iU-J! *U-,| 

J ^r") ^5>" ^ [J] j-»^) oV.j> < 2 ^ a ^ d 'Ä ^J"" 

Muhammed el- Bassam: 15^) ' 5 )yy*'- 

Ich bat P. Anastase auch um ein Verzeichnis der Wasservögel^ (zu 
S. 160) und erhielt folgende Liste: ^k^ yd '(martin - pecheur) C&c** 
& *J$1 J*j *tfäS <lhj. <}', <+£ '6&5U ,! jU <^UJI j-Cb 'J^rfi ,! 



8) Nach Lo$rÄa* el-Arab III, p. 523 „petits poissons rouges". 

9) iöV- doch wohl = ,_!», vgl. Payne- Smith, 2567. Der Fisch 
dürfte seinen Namen davon haben, daß er sich im Schlamm aufhält. 

10) Vielleicht identisch mit dem vom Qamüs genannten ytfij. Tag III, 

p. 241 gibt die Erklärung: Er hat einen mitten auf dem Rücken hervor- 
ragenden Stachel. Wenn der Fischer nach ihm jagt und ihn packt, gibt 
er einen Laut von sich. Er wird besonders in den Tümpeln und in den 
Baumwurzeln in den Süßwassern gefangen. Vgl. auch j>aiol \2al, jy»') 

Low, p. 565, 69. 

11) Nach Loghat el-Arab III, p. 523 / retin. 

12) Vielleicht erinnert seine Haut an einen Ringelpanzer. 

13) Anscheinend auch ein Fisch, nicht die Schildkröte oder die an- 
deren von den Arabern für 5) genannten Wassertiere, vgl. Lisän XI, 
p. 414; Damiri (1292) I, p. 417. 

1) P. Anastase bemerkte auf meine Anfrage zu diesem Namen, daß 

er (ikU iäiUj) ^yii geschrieben werden müßte. 

2) So deutlich von 'Abdallah selber geschrieben, doch bemerkt 

Anast. dazu ($& 3! &* U>j*-! 5 3)fi> laiü,) jjli, vgl. S. 142 6 . 

3) Vgl. Low, p. 551,2 „Seekrebs, Hummer", Anast. „crevette'\ 
vgl. auch Dozy, Suppl. I, p. 17a, s. ^V.)! und II, p. 326a, s. j»<Kf. 
Auch Jacut I, p. 886, 9 nennt j-^^l unter den Fischen. Es ist der 
Plural xaQideg. 

4) Nach Anast. „ecrevisse". 

5) Anast. bemerkte dazu: £3^ f £j£l ')y~' ')yV«< ( )y^- Ist jeden- 

falls identisch mit Sabür bei Petermann, p. 126; auch mit >jH Dozy I, 
p. 720a? Vgl. auch Low, p. 558, 36. 

6) Auch die arabischen Lexikographen bezeichnen ^ und 1*1* als 
Wasservogel {Lisän XII, p. 169 f.; Tag VII, p. 40; vgl. auch Damiri II, 



144 



Der Seelenfischer. 



£, 



(Pelican ^Wl g^i) <-i>£l lS $*Z '*%.$ f. s '^ ' )^ ! ft < )^ 1 Jj <v *) 
Hier findet sich nirgends ein Anklang an die mandäischen Namen. 
Die Liste zeigt aber auch geringe Berührungen mit der bei Petermann, 
Reisen II, p. 124 f. und gar keine mit der Vogelliste bei Jacut I, p. 885. 5 

36. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Ein Fischer bin ich, ein Fischer, der unter den Fischern er- 
wählt ist. Ein Fischer bin ich, der unter den Fischern erwählt ist, 
das Haupt aller Fischfänger. 4 Die Wasserlachen 5 kenne ich, die 10 



p. 188), j^ soll aber nach ihnen auch eine Benennung des Raben nach 
seinem Krächzen sein. 

7) Zum Gebrauche von jj), und ^ bei den Arabern vgl. Nöldeke 
bei Fraenkel, Aram. Fremdwörter, p. 117. 

1) Für diesen Namen des Kranichs schwankt die Vokalisation im 
Arabischen, siehe die Lexx., auch Fraenkel, p. 118. Petermann hat 
p. 125 Charnuk, was nach ihm ein Reiher sein soll. 

2) Damiri nennt II, p. 427 j'jJI als Wasservogel, Lisän XII, p. 266 
&»iyi als Wasservogel im ( Iräq. 

3) So auch Lisän XII, p. 200,5, danach ist £& bei Damiri I, 
]). 184 zu berichtigen. Der Fehler geht, wie die alphabetische Anordnung 
zeigt, auf Damiri selbst zurück. 

4) JOriO steht in offenbarer Parallele zu N"TN:£, vgl. auch 146,8. 
[ch ziehe es zu N~~. Es sind Leute, die durch Absperrungen im Wasser 
(vgl. auch NrN-r^a Z. 7) die Fische fangen. Es ist nicht unmöglich, daß 
das Wort sich in dem Namen ecCäli bei Meissner, Mitteilungen des Semi- 
nars für Orient. Sprachen IV (1901), Abt. 11, p. 137 erhalten hat, obwohl 
man den Namen auch anders ableiten kann. 

,5) Das Wort kann dem jetzigen ;y tl und >f>- entsprechen. Zu )j>- 
vgl. Völlers, ZDMG XLIX (1895), p. 502; Mitteilungen des Seminars 
für Orient. Sprachen VII (1904), Abt. II, p. 274 zu S. 84, Z. 9; Sachau, 

Am Euphrat und Tigris, p. 70. Aber es paßt besser zu yfi. Ez-Zahäwl 

und Leutnant 'Abdallah wann für dieses. Ersterer erklärte ;y& als •*£>!; ,U, 
letzterer als ü^o Jb j^s\ ) jl^Jyi *Us. Auf meine frage an P. Anastase 

nach dem Gebrauch von )j£> und )<p- im 'Iräq erhielt ich die Mitteilungen: 
I.e mot )y&> signifie: marais, marecages, quelquefois cependant: vaste plaine, 
assez basse pour qu'elle soit sujette aux inondations quand le fleuve grossit 
et deborde. — Aujourd'hui les riverains du Tigre et de l'Euphrate donnent 

le nom de j^i. ä im bras du lleuve dans lequel les poissons vont s'y 



Der Seelenfischer. 



M5 



inneren 1 und die ergründe ich, in die Netzanlagen, 

die Wasserlachen und alle Fanganlagen trete ich ein und durch- 
suche den Sumpf im Finstern. Mein Schiff wird nicht abgeschnitten-, 
und nicht werde ich in der Nacht gehemmt. Ich sehe den Fisch 
5 im Schutt. Ich drang auf dem Wege vor mit einem sakrähä 3 , der 
nicht von Eisen war. Ich verdeckte den squfänä, der für uns eine 
Störung war. Ich || schob die Schwimmer 4 beiseite, die den Weg 144 
des Lebens hemmen. Auf meinem Haupte richtete ich einen Hut(?) 
auf, in dessen Schatten die Fische dasitzen. Die Fischergabel 5 , die 

10 ich in der Hand habe, ist ein an seiner Stelle ausgesuchter Margnä, 
ein Stab lauteren Wassers, bei dessen Anblick die Fischer erbeben. 
Ich sitze in einem Boote des Glanzes und komme in die Tibil der 
Vergänglichkeit. Ich komme an der Oberfläche des Wassers, ich 
ziehe hin an des Wassers Oberfläche und ziehe hin an der Ober- 

15 fläche der Überfahrt. Ich komme in einer Säbaitä 6 , in langsamejn, 
sicherem Gange. Das Wasser wird durch mein Boot nicht aufge- 
rührt, und von meinem Boote wird kein Laut gehört. Vor mir steht 



perdre et oü ils sont saisis. — Les riverains de l'Euphrate appellent le 
tournant dans le fleuve &)ysd\ et ceux du Tigre ÜjjUI ,, u i^lj-J! et d'autres 

8 ) , 3 jJ '- Siehe jetzt auch seine Bemerkung Loghat el-Arab III (19 14), p. 52 1 \ 

1) Nach dem Zusammenhange ist auch für N"^:; die Bedeutung als 
Fangstellen anzunehmen. Es könnte mit assyr. gissu (Muss-Arn., 229b) 
identisch sein, dessen Bedeutung nicht gesichert scheint. Sollte es wirk- 
lich „Ruhr, Dickicht" sein, so könnten die N^afa mit Rohr bewachsene 
dhwär sein. 

2) Von den anderen, in deren Gesellschaft es sich zum Fischen 
hinausbegibt. 

3) Aus dieser Stelle geht hervor, daß der sahränä sonst aus Eisen 
war. Der Gegenstand wird wohl, wie die Q^hntD, mondfürmig gewesen 
sein oder etwas Mondförmiges an sich gehabt haben. Vielleicht eine 
Stange mit einem Kopf in Mondsichelform zum Abstoßen. 

4) Daran denkt man der Form nach zunächst, azj) „schwimmen"': 
GR 191, 17; 380, 19. Es könnten nun auch bestimmte Gegenstände sein, 
die als „Schwimmer'' bezeichnet wurden. N^p findet sich hier mehr- 
mals, vgl. S. 49 x . 

5) Meissner schreibt a. a. O. V (1902), p. 102 I2 : „fäle = Dreizack, 
der zum Fischfang gebraucht wird"'. Nach Loghat el-Arab III, p. 520,3 
ist &IÄJ! ein langes Rohr, an dessen Spitze sich ein Eisenstück befindet, 
das in fünf Zinken ausläuft, von denen ein jeder drei pfeilförmige Spitzen 
hat. Das Wort ist vielleicht von assyr. paltu Muss-Arn., 810b herzuleiten. 

6) Offenbar ein Fahrzeug. 

Lidzbarski, Johannesbucb. 10 



1 (O 



I >er Seelenfischer. 



Hibil, an meiner Seite ist Sitil lieblichen Namens sichtbar 1 , dicht 
bei mir, dicht vor mir sitzt Anös und predigt. Sie sagen: „O Vater, 
guter Fischer-, hailoh 3 , Fischer lieblichen Namens!" Dicht bei mir, 

145 dicht neben meinem Boote höre ich den Lärm(?) || der Fischer, der 
Fischer, die Fische essen 4 , und ihr Gestank 5 dringt zu mir; den 5 
Lärm der Fischer und den Lärm ihrer Händler , die einander 
schmähen und fluchen. Ein jeder beschuldigt den andern. Der 
Käufer sagt zum Fischer: „****** 7 deine Fische, sie rochen bereits, 
und niemand will sie mir abkaufen. Du machtest den Fang auf 
hoher See s , so daß Verlust über den Käufer kommt." 10 

Darauf spricht der Fischer und läßt den Mann, seinen Kunden, 
hören: „Fluch über dich, Fluch über deine Abnehmer, Fluch über 
deine Glocke 9 , Fluch über dein Boot, daß es sich nicht fülle. Du 
hast kein Salz gebracht und über deine Fische geschüttet, die du 
kauftest 10 , damit die Fische deines Bootes nicht stinkend werden 15 
und du sie dann für schweres Geld verkaufen kannst. Dann hast 
du kein Mehl und keine Datteln gebracht, hast kein Salz " 

146 gebracht. Wenn du dann mit leeren || Händen kommst, schließt 



1) Doch wohl N^rrr. 

2) Der „gute Fischer" wie der „gute Hirte". 

3) Jedenfalls eine Interjektion, aber zweifelhaft, ob es das arabische 
&U! O sei (vgl. B), schon weil dies zum Vorwärtstreiben gebraucht wird. 

4) Im Orient steht die Fischnahrung nicht in besonderem Ansehen, 
vgl. Streck, a. a. O., p. 034. 

5) Eine häufige Wendung: GR 82,16; 85,6; 89, 18 f. und sonst. 

6) Die ihnen die Fische abnehmen, um sie weiter zu verkaufen. 

7) „Nimm zurück" oder Ahnliches zu ergänzen. 

8) 1). h. es sind keine Flußfische? 

9) Wohl um die Käufer herbeizulocken, nicht die (docke, von dei 
S. 1 56, [6; i 58, 1 - die Rede ist. 

[o) Man erwartet eher rüKSTl, oder etwa rPäaKTMl „die du ver- 
kanten willst", Vgl. weiterhin. 

11) .\C haben BT'-inNÄ, B wahrscheinlich N^DNUn. Darin kann ein 
Epitheton zu den vorhergenannten Spezereien oder auch ein neues Kon- 
servierungsmittel genannt sein. Dies wäre snnNS: „Saturei" Low, n. 270. 
— 1'. Anastase schreibt: „On ne conserve ici les poissons que rarement, 
et voiei comment: on y met actuellement du sei et den autre chose, e1 
on les expose au grand vent, soit en les pendant, soit en les mettant 

sur des nattes de roseaux qu'on appelle Kfi pl- i5)'r? (so!), lun ^ c ^ te 
de l'autre. D'autres retirent les intestins ei les remplacent par des epices." 



Der Seelenfischer. 147 



sich dir nicht an, wer von schöner Güte ist. 1 Gehe, gehe, du 
Gottloser, kaufe nicht von uns, um mit deiner trügerischen 2 Wage 
Geschäfte zu machen. Du hältst sie, um falsch zu kaufen 3 , stützest 
sie mit dem Ellenbogen und nimmst zehn um fünf. 4 Nun fliegt fort 

5 dein Kauf und dein Käufer und wird, als ob er nie gewesen. Du 

klagst über der Menschen und hegst keine schönen Gedanken " 

Als der Oberfischer, das Haupt des lebenden Stammes, der 
höchste unter allen Fischfängern, dies hörte, sagte er zu ihm : 
„Bringe mir mein •"', reiche mir das squbrä*, damit ich in den 

10 Sumpf hinaus einen Ruf ertönen lasse, damit ich die Fische der 
Tiefen warne 7 und die stinkigen Vögel verscheuche, die meine 
Fische verfolgen. Ich will den großen Sidmä 8 einfangen und seine 
Flügel auf der Stelle zerbrechen. || Ich will ihm wegnehmen ***** 9 147 
und in mein squbrä blasen. Ein rechtes squbrü ist es, auf daß sich 

15 nicht das Wasser mit Pech mische." 10 

Als die Fischer den Ruf hörten, fiel ihr Herz von der Stütze 
herunter. Einer ruft dem anderen zu und spricht zu ihm: „Geh in 



1) Das steht da, aber kaum ursprünglich. Vielleicht fab'HKttKb 
..wird dir etwas besonders Gutes nicht zuteil 1 '. 

2) Nach assyr. saläpu, Muss-Arn., 879b. 

3) Wohl 'jMMttpbl. 

4) Er stützt die Schale, die die Waren enthält, heimlich mit dem 
Ellenbogen und läßt sie nicht den Gewichten entsprechend sinken. Da- 
durch erhält er mehr Ware, hier Fische, als ihm zukommt. 

5) x':mD im sonstigen Sinne, vgl. S. 150«, paßt hier nicht. Auch 
mit ■»SWTDb C weiß ich nichts anzufangen. 

(>) Offenbar ein Blasinstrument. Ich habe auf die Frage über die 
Verwendung dieser bei den Fist hern des c Iräq keine brauchbare Antwort 

erhalten. 

7) C hat &n, D fr, A unsicher. Das Wort entspricht wohl -nnx 
Lew, Ghald. Wörterbuch II, p. 558 f. Danach erwartet man N-nnarrj; 
die Form jnn&O» ist wohl durch &nBfcT3> beeinflußt. Ob man es zu syr. 
\hl ziehen darf, dessen griechische Herkunft in Frage gestellt worden ist, 
vgl. Jensex bei Brockelmann, Lex., p. 401b s.v., und danach s-insr» 
berechtigt wäre, scheint mir zweifelhaft. 

8) Nach dem Zusammenhange ein Wasservogel. Ich kann ihn nicht 
identifizieren. Hier haben alle Handschriften »»TD, siehe zu 158,4. 

9) Das Objekt, das vor HaO 1 »» gestanden haben wird, fehlt. Viel- 
leicht war es in flronb enthalten. 

10) Auf daß sich nicht Lichtes mit Finsterem, Gutes mit Bösem 
mische. 158,12; GR 79, 3 steht K-Qiab «Tpa fiTM sprichwörtlich, um 
eine unmögliche Mischung zu kennzeichnen. 



10 



148 



Der Seelenfischer. 



deine „Innenanlage". 1 Denn da ist der Ruf des Fischers, des 
Fischers, der keine Fische ißt. 2 Seine Stimme gleicht nicht der 
eines Fischers, nicht sein squbrä unserem squbrä. Seine Stimme 
gleicht nicht unserer Stimme, seine Rede nicht dieser Welt." 

Noch stehen die Fischer da, sie suchten nicht in ihrer Innen- 
anlage Schutz. :! Wie die Fischer dastehn und überlegen, erreichte 
sie 4 rasch der Fischer, er teilte das Wurfnetz 5 , spaltete 6 Ge- 

i) N"N"i« wohl eine Anlage zum Fischen, vgl. Z. 8, vielleicht iden- 
tisch mit a"N-N3 STSfa 143,6. 

2) Am nächsten liegt es, irbaab zu hiDüb abzuändern, doch könnte 
man auch N^bs^Nb lesen: der keine Fische einfängt. 

3) Von ^730 (vgl. Nökl., p. 46, 14) ist im Mandäischen nur das 
Partizip ^120 gewöhnlich, besonders in der Verbindung NVftO N5N73 UND, 
siehe S. 18 7. Sonst findet sich neben dem Ethpaal hier nur das Ethpeel 
260, 3 f. In den Targumen ist ^anöN häufig, das als Ethpaal wie als 
Ethpeel vokalisiert wird. 

4) Dies scheint der Sinn des Pael "pii« zu sein. Es findet sich 
auch 202, 11; GR 102,24; 385, 15, 17; GL 54,2, 17; Qol 47, 17 (vgl. die 
Parallele 46,11). Eine Ableitung ist mir nicht möglich. 

5) Bei NrP^Ö denkt man zunächst an „Angel", vgl. Nökl., p. 103, 23. 
Diese Bedeutung scheint es auch 204, 5 zu haben. Es hat sich in diesem 

Sinne sogar bis heute erhalten, denn ez-Zahäwi erklärte mir 4^ als 

jJU~JI j^oJ ISsy^. Aber die Bedeutung paßt hier ebensowenig wie 14g, 10; 
157,13. An dieser Stelle steht ÜOpBfiOl NTPb^Db SATINS, dann Morg 
62,0 Oxf., 44a pNEOn KIT^Ob TJTB. Weder "HS „auseinandertreiben", 
noch -•:: paßt zu „Angel". In Montgomery, Aramaic Incantation Teocls 
[9,10 (p. 195) steht N-nNT NnTTD. Die Angel hat zwar ihren Blei- 
senker, aber man kann darum nicht ohne weiteres von einer Bleiangel 
sprechen. Montgo.mkrv denkt p. 199 an Nnb^Ö „basket", and here used 
of a metal cage. Ich vermute, daß es hier und an den anderen Stellen 

mit dem runden Wurfnetz J^L, 4}~- Loghat el- Arah III, p. 520,5 identisch 

ist. Mit dem Blei sind wohl nicht die Bleiringe gemeint, sondern die 
Bleistücke zum Beschweren des Netzes, siehe auch S. 1 57, I 7. Die Stelle 

Morg 62,5fr. ist nach Oxf., 44a zu lesen: bsn srnTn br flrnb^ flVnäo 
■pstTasbl wN-:" p«D3i srrb-cb ttts ■prpMVwJi ymal «"»aia srpYm 

n"~w N~N2N N'ilTN "pFPNb'WJl „Er wirft sein Wurfnetz über Große und 
Kleine aus. Die Fische, die hinreichend Kraft hatten, trieben das Netz 
auseinander und entkamen. Die Fische, die nicht hinreichend Kraft hatten, 
blieben unter dem Blei liegen." Danach ist auch GL 57, l8ff. JONS« 
neben Nrpb^ö und Nrrb „Blei", nicht „Finsternis" (Nöld., p. 61, 14), dies 
sonst wS _ N3N-, trotzdem NDllBfi dabeistellt. 

6) GL 57, 21 f. findet sich Nrrb parallel Krpb"0. Danach stand 
vielleicht hier BP!"Pb oder -p-'b als Objekt zu 0N"IC. 



Der Seelenfischer. 14g 



blinden 1 warf er sie in 2 Er fesselte sie mit Knoten. Sie 

sprechen zu ihm: „Löse uns 3 aus unserer Fessel, damit deine 
Fische nicht zu unserem Boote hinaufspringen. Wir fangen nicht 
die, welche deinen Namen || nennen." 1*8 

5 Als die Fischer so zu mir sprachen, schlug ich sie 4 mit einer 
eisernen Keule. Ich fesselte ihren Händler 5 [am] Ufer 6 , welcher 
nicht leiht 7 Ich umstrickte sie mit Stricken von Bast s 



1) Nicht sicher. In der Lond. Rolle B, 279 steht pb^ND«^ yp^ttl, 
also bmtD gegensätzlich zu vno. Danach scheint es etwa „umbinden'' 
zu bedeuten und zu ^-2 zu gehören. 

2) Man denkt zunächst an \+iö], was aber nicht paßt, wenn es 
nicht eine Höhlung als Sammelstelle für Fische sein soll, vgl. auch 162,4. 
Es könnte aber auch ein Plural von N-mN „Reuse" sein, vgl. Mainzer, p. 5 1 . 

3) Lies "Nr-lC. Das Daleth ist durch -pai"!« beeinflußt. 

4) Die Bedeutung gebe ich nur nach dem Zusammenhange, vgl. 
srnsn rszhvpi rPTra Berakhoth Babli, f. 58a (die Lesung nach Lew, 
Neuhcbr. Wörterbuch IV, p. 263a). WXß kommt sonst nicht vor. Es ist 
vielleicht aus UJ3M gebildet. Im Talmud stehen «J3tt» und ÖlSanfi dem 
Sinne „schlagen'' sehr nahe. 

5) N-!N:.:Nn kann nur Ni.jn sein, nach 145 ob. erwartet man jedoch 
eine Mehrzahl. 

6) Für ütti^i konnten mir ez-Zahäw! und P. Anastase nur das ara- 
bische 3fr angeben. Dieses liegt jedenfalls im Hochzeitsliede Cod. Par. 25, 
f. 24b = Cod. 15, f. 19b vor: 

Cod. 15 hat srsTtt, Nn:fi3, N'rbt-iNir. 

„Wohlan, du Große oder Kleine, 

Die auf dem Steilufer steht, 

Komm herunter in die Halle, 

Des Königs Reiterei zieht vorüber." 
vS'n-ZNT steht irrtümlich für NTON^; statt NTlhKÜltW vermute ich NTn&tÜX 13>. 
Bei dieser Bedeutung von ND'va müßte man annehmen, daß hier by davor 
ausgefallen sei. 

7) STTÖN'-lKb'i am nächsten „welcher nicht leiht", vgl. Q0I7, nf.: 

von denen, die nicht geben, aber nehmen, die nicht leihen (S"'OS~xrn), 

sich aber bezahlen lassen (St. 3nö) a , aber das folgende Wort? Man denkt 
zunächst an ffr-a-X'i, doch kommt dabei kein passender Sinn heraus. 

8) Payne- Smith verzeichnet 1802 unt. ^©j^-^ und ^o ^ -a für ..Pa- 
pyrus". Es ist nicht nötig, daß es für ^c,*^ verschrieben sei, denn im 
Ostrakon Ephem. II, 237 steht anscheinend NT 2? als „Papyrus". Auf 



j cq Der Seelenfischer. 



und zerbrach ihre Schiffe ******* Ich verbrannte ihr ganzes Netz- 
werk 2 und das 3 , das die Netze zusammenhält. Ich warf Ketten 

um sie und hängte sie hinten an mein Schiffshintcrteil. 4 Ich ließ 
sie einen Eid leisten, nahm ihnen ihr Geheimnis ab, damit sie die 
guten Fische nicht fangen. Damit sie sie mir nicht stehlen, sie an 5 
ein Rohr stecken 5 , sie hoch hängen, sie zerschneiden und sie schlagen 



meine Frage, was Stricke von p^lDÜO sein könnten, schreibt P. Anastase: 

,1 - 
„Les cäbles de cjj^ 3 sont faits avec des fibres des cocotiers, qu'on 

,° -» '" -* 

appelle )V^, autre prononciation ou forme dialectale j^-^. Quand les 

fibres de palmiers- cocotiers sont assez chers, 011 les remplace par les fibres 
des palmiers -dattiers J^J. Le iiura reste le meme." Es schien mir ge- 
boten, noch einmal ausdrücklich zu fragen, ob die Bezeichnung Stricke 

\< .11 ^5^^ für Baststricke jetzt tatsächlich gebräuchlich sei, worauf ich die 
Antwort erhielt: „Oui, le cable de eW*^ est encore employe die nos jours." 

1) N"':'r steht vielleicht statt J07: b$ „auf dem Wasser", aber auch 
dieses befriedigt nicht ganz. 

2) K!"pb ist eigentlich das Einzelnetz, wie denn auch weiterhin der 
Plural steht. 

3) Nn£" steht in ähnlichem /Aisammenhange wie hier auch [62,4. 

7 

Man denkt an V 30 -*? doch bedeutet es hier offenbar nicht ein Netz 

schlechthin. Mit guffe, &■& , dem geflochtenen Boot des Irfiq, hat es nach 
dieser Stelle ni< hts zu tun, wenn der Sinn auch 162,4 anginge. 

4) NbrrD ist assyrischen Ursprunges, vgl. Delitzsch, Handwörterbuch, 
]). 362, 242 b und [ENSEN bei Brockelmann, Lex., p. 169b. Nach PoGNON 
[A [913 1, p. 395fF. ist die Bedeutung „cote oppose". Das Leidener 

(dossar hat p. 157: NbrnS >*-j* jmjijiis. Das Wort ist als J>^ und J>^> 
auch ins Arabische übergegangen, vgl. Lisän XIV, p. I()2f., Tag VJII, 
p. 95 ob. Tabari, Annales I, p. 101,5 heißt es ^y^-'f. I*** (c?^-^ 1 ) «j^ 
jUIU y^> ^ } während Kisai von Iblis sagt: 4~ä~b J^£= ^ jjJ , s i e he 
Lidzbarski, De propheticis, qaae dieuntur, legendis Arabicis, p. 24. Auch 
Loghat el-Arab 11, p. 203,45 ist J^^ unter den Schiffsteilen verzeichnet; 
über die Herkunft wird gesagt: kanthelia ^ ^^js" &* t"**- y ?! 

5) Zum Trocknen. Cjö^i bezw. C|Ti findet sieb öfter in jüngeren 
Texten im Sinne „an etwas befestigen, an etwas binden". Es wird be- 
sonders in den Codd. Par. 24 und 27 vom Befestigen von Amuleten an 
verschiedene Körperteile gebraucht. Das Leidener Glossar hat es mehr- 
mals mit den Bedeutungen „binden, anbinden, umbinden". P. 79: rp 

r\x-N;. ^.f. b~>.) alligare, //>j<ur; p. 89: S-H ±& alligare; p. 104: >y+*H >*+*> 
alligare; p. [34: ^^H ^ compedibus constringere; p. 151: ^^i t^^- 
cingere. /um sonstigen aramäischen pol kann es nicht gehören, da dies 
eine entgegengesetzte Bedeutung hat. Ich leite es von ;qsb ab. 



I >er Seelenfischer. i c i 



' mit Lorbeer und Aloe. 2 Sie werden hingestreckt 3 und können 

nicht aufstehen. Die Netze 4 , und die Fischergabel lassen 

sie nicht mehr in den Jordan. Sie schneiden nicht ab ******* und 

stehen nicht im Flußgelände 5 und machen in den Pfuhlen 6 ihren 

5 Fang. Sie werfen nicht das Wurfnetz hinein und nehmen nicht 

und Aloe. 

Ich sprach zu denen, die essen 7 des Fisches, dessen 

Name Aal ist. Sie essen den Aal und den 8 , der auf den 149 



i) N~N*NZ kann sein: i. „Bienenkorb", dann allgemein „Korb". 
Über die Verwendung eines Korbes beim Fischfang vgl. Loghat el-Arab 
III (1914), p. 523,14. 2. „Fisch", vgl. Low, Festschrift für Nöldeke, 

p. 555, 15 und Mainzer, a. a. O., p. 42. In diesem Sinne steht es GR 
1-7, 20. — 3. In den Anweisungen für den Kultus steht N1N1ND öfter 
zusammen mit Früchten und Spezereien: Morg 183,5; Cod. Par. 15, f. 2a, 
45b (Np^Ni K^NIJO); Oxf. Rolle F, 367, 1266; Lond. Rolle A, 504. Die 
Bedeutung kann ich nicht bestimmen. Da es auch hier neben Spezereien 
steht, wird dasselbe KINliO gemeint sein. 

2) en:i-i, auch Pariser Diwan, 1. 1136 ist jedenfalls ^'; ..Lorbeer". 
Die Form rond neben rand auch beduinisch in Palästina, vgl. E. v. MüLlNEN, 
ZDPV XXX (1907), p. 135. Zu Aloe vgl. Nöldeke, Neue Beiträge, 
p. 43. Die hier genannten Spezereien werden wohl zum Konservieren 
verwandt. Vielleicht sind es die epices, von denen P. Anastase S. 146" 
spricht. Aber vielleicht dienen sie auch als Betäubungsmittel für die Fische, 
vgl. Petermaxx, Reisen II, p. 133. Von diesem .iU-J! yä>) schreibt 
P. Anastase: „Les poissons ainsi empoisonnes ne sont manges que par 
les Chretiens et les Musulmans pauvres; ceux qui les mangent n'en souffrent 

aueun mal. Autrefois on l'appelait s^Aj^U uu c yfc^4>U" (persisch 

..Fischgift"). 

3) Es scheint mir für ■pinNITÖl verschrieben zu sein; es bezieht 
sich auf die Fischer. 

4) ..Taufen" paßt natürlich nicht, aber auch „färben", vgl. 157,9, 
gibt hier keinen Sinn, sofern man es nicht zu N-^N^xb ergänzen will. 

5) Arabisch Ju.), 

6) JO^vlna ist doch wohl für N"-"N~:2 verschrieben. 

7) Kleingehacktes? 

8) N~:p wird im Asfar Malwäst mehrmals als Tier genannt. P. 225, 12 
neben Krebs (fittKCnNÖl Nölp). 142,4; 148,6 das Fell des Tieres (NrO'/J 
NOipi) als Heilmittel an einen Besessenen zu befestigen. Ebenso p. 144,3 
als Mittel „Blut und Haare vom Affen und vom Nölp und Haare, 
die vor dem Gesichte des Pferdes sind" (NOipn rrTIJO:" N"pi N?3T 
N'Clcn fir:N fla^p«"! Fl-'TiaWl). P. 148,4: „ein Haar vom Bart des 
XC"p N2rxr und Blut von einem schwarzen Hunde". P. 145,7: „Bringe 



[m Der Seelenfischer. 



Vorderfüßen aufrecht steht. Sie fangen den 

l Ich band sie in den Sümpfen des Truges, und sie 

werden gefangen 2 und gefesselt. Sie trinken nicht Wasser vom 
Ulai :! und kennen nicht den Weg zum Flusse Ksas. Ich band sie 
5 in ihren Schiffen fest und warf meine Seile nach den Guten aus. 4 
Ich spreche zu ihnen: „Stellet hier euer Boot 5 auf, damit es nicht 
in den Schutt gerate." 



den Schwanz RiüaVKp Niabl« "Uni KÖTp KlaVNSV Zu RiöK^Kp = JJ£Ö 

vgl. Dozy, Suppl. II, p. 395b; Low, ZDMG LXVT (19 12), p. 733. Low 
identifiziert brieflich JO")p mit ]]CuD, das er für den Marder hält; anders 
Nöldeke, ZDMG XXXV (1881), p. 235, vgl. auch XXXVI (1882), 

p. 13 1, 3^- 

1) Ich weiß mit den Worten nichts anzufangen. Im ersten ist viel- 
leicht nach der Lesung in B der Name für den Bunni, Binni, eine Karpfen- 
art, enthalten, vgl. S. 142, 17. 

2) pSü paßt nicht; man erwartet eine Bildung von Nlü, etwa N^'Ttü. 

3) Mit "'Nbiy ist jedenfalls der Euläus gemeint. Dieser läßt sich 
nicht mit Sicherheit identifizieren, vgl. Weissbach bei Pauly - Wissowa VI, 
1061 ff., aber jedenfalls reichten die Niederlassungen der Mandäer bis in 
sein Gebiet. In der Bleitafel Klein A, I, 1.98 fr. heißt es nN^ N^D? 
FinJWTNB "j-bnDT N^Sl Nbl3>1 SiS^S by N" |ta nü a i Nn^b. Hier ist w< »hl der- 
selbe Fluß gemeint; vielleicht habe ich in der sehr kleinen stark verwischten 
Schrift hinter dem Alef das Jod übersehen. „Gebunden sei die Lilith 
Tildath, die am Ufer des Ula(i) wohnt, sie und alle ihre Sippen." Die 
Form -sb"' findet sich an einer anderen Stelle der Tafel. II, 18 ff. heißt 

es: -pbsoi ndidI N-ipNS "»»bwl s-psn n^tüI kth fcrfiwniB TD3>. Mit 

dem ersten Orte ist wohl ein Kastell am Euläus, mit dem zweiten 
(1. N'npfcOl) die Qafa von Karkha dBeth-Slokh (vgl. Hoffmann, Syrische 
Akten /ins. Märtyrer, p. 267 f.) gemeint. Unmittelbar yorher wird der Ort 
^"ibon ND"13 genannt. „Gebunden sei der Dämon Srznaia, der in der 
Burg von Ulai und in der Burg von Karkha dSalokh wohnt." Die Zu- 
sammenstellung des Ulai mit dem Ksas ist allerdings auffällig, denn dieser 
gehört der eschatologischen Geographie an, siehe Kap. 51, auch zu 159, 11. 
Und hier sieht es so aus, als ob das Trinken des Wassers vom Ulai in 
eschatologischer Hinsicht von Bedeutung wäre. Die Perserkönige haben 
angeblich nur Wasser vom Euläus getrunken, nach Strabo (XV, 735) 
weil das Wasser näviüiv kXarpQoraxov sei, nach Solinus (XXXIII, 4) 
weil der Flui) tarn puro fluore inclitum est. Sollten dies die wirklichen 
Gründe gewesin sein? 

4) Um sie zu retten. Schwerlich nach den Untersinkenden (23U). 
Siehe auch zu 155, 6. 

5) Nn*DN72 hat hier wahrscheinlich diesen Sinn. Für das syrische 
j£aau> wird die Bedeutung „Geländer", wie „Schiff" angegeben, vgl. 



Der Seelenfischer. 153 



Als das Haupt der Fischfänger 1 so sprach, erwiderten ihm die 
Fischer und sprachen: „Gesegnet seiest du, Fischer, und gesegnet 
sei dein Boot und dein Fahrzeug. Wie schön ist dieses dein Wurf- 
netz, wie schön das Garn 2 , das an ihm ist. Schön ist deine Leine 
und deine Schlinge"', der du nicht den Fischern der (irdischen) Welt 
gleichest. An deinen Maschen sind keine Muscheln 4 , und deine 
Fanggabel greift keine Fische. Wo bist du hergekommen? || Sage 150 
es uns; wir wollen deine Lohndiener werden. Wir wollen backen 



Brockelmann, ZA XVII (1903), p. 254 f. Im Asfar Malwäsc, p. 185 unt. 
heißt es: N"HNn fcOSS 83131 NSKtSlNÖS NDlDfiTO fifOn^ n"N3 IS Ein 
bfcPNprP731 „Dann, wenn du ein NmDfiOJ bauen willst, so baue es im 
Krebs und in den Fischen, dann wird es von Dauer sein." Da bedeutet 
es doch wohl auch „Boot". P. Anastase gibt für makuthö (nach meiner 
Transkription) an Bedeutungen an: „1. garde-fou qu'on met dans une 
embarcation pour empecher les pecheurs de tomber; 2. dans le sens d'outre 
dont se' sert le pecheur dans le cas echeant; 3. embarcation qui n'a 
comme armement que le mät." An einer anderen Stelle schreibt er „il 

y a i]Ss), outre, dont se sert le pecheur et qu'il met sous sa poitnne 
pour pouvoir nager et aller chercher le poisson, quand il n'a pas ä sa 
disposition un petit bateau, ou il en a, mais il veut aller au plus vite 
pour attrapper sa proie." 

1) Lies uobiO ©-n oder jobtoi wan. 

2) Weiterhin 155,2 findet sich neben N2NPN auch die Schreibung 
N3Nnr. Das Wort schien mir dem assyr. itannu, itänu bei Muss-Arn., 
131b „Netz, Schlinge" (vgl. auch Delitzsch, Handivörtcrb., p. 158b) zu 
entsprechen, und ich bat Herrn Prof. Zimmern um eine Äußerung darüber. 
Er stimmte dieser Gleichsetzung bei und bemerkte weiter: „Das Netz 
selbst bedeutet itannu sicher nicht, sondern einen Teil des Netzes, etwa 
dessen „Maschen" oder „Garn", cf. die bei Del. angeführte Stelle: ein 
ausgespanntes Netz (setu mparrurtu), aus dessen itanni (wohl Plur. Hanne) 
ein Fisch nicht entkommt. Ähnlich auch in der parallelen, bei Del. und 
Muss-Arn. nicht verzeichneten Stelle Reisner, Hymn. Ur. 56,72 (in Tran- 
skription und Übersetzung bei Miss Hussey AJSL 2^ (1907), p. 146—150): 

„ein Netz, aus dessen kleinen (pl.) itani ein Vogel nicht entkommt" 

Nach der, auch bei Del. gegebenen, Vokabularstelle, wo itanu neben 
qarnu ..Hörn" mit dem gleichen Ideogramm SI steht, würde man viel- 
leicht eher auf eine Bedeutung wie „Haken" raten; doch beweist das 
nicht allzuviel. Wenn also, wie wahrscheinlich, itannu = Garn, Strick 
od. ä., darf man dann am Ende es als Prototyp ansehen zu ^13« und 

d#d»'>7?" 

3) Vgl. 151, 14 und Nöld., p. 46,4. Es ist wohl die Schnur zum 
Zuziehen des Netzes, vgl. Logliat el-Arablll, p. 520,5. 

4) Vgl. Uthra, p. 541 \ 



I c^. Her Seelenfischer. 



und Brei einrühren und es vor dich bringen. Iß du, und die Krumen, 
die dir aus der Hand fallen, die wollen wir essen und davon satt 
werden." 

Doch ich erwidere ihnen: ,,0 ihr Fischer, die ihr Schmutz 
schlürfet, ich bin kein Fischer, der Fische fängt, und ich wurde 5 
nicht zum Schmutzesser geschaffen. 1 Ein Fischer der Seelen bin 
ich, die das Leben bezeugen. Ein armer 2 Fischer bin ich, der die 
Seelen ruft, zusammenbringt und belehrt. Er ruft sie und sagt 
ihnen, daß sie kommen und sich bei ihm versammeln. 3 Er sagt zu 

ihnen: Wenn ihr 4 kommet, werdet ihr von den stinkigen Vögeln 10 

errettet werden. Ich werde meine Freunde erretten, sie empor- 
bringen und in meinem Schiffe aufrichten. Ich werde sie mit Ge- 
wändern des Glanzes bekleiden und mit teurem Lichte bedecken. 
Ich werde ihnen eine Ätherkrone aufsetzen und was sonst das Große 
ir>l ihnen auf dem Haupte aufrichtet. Sie sitzen dann auf || Thronen 15 
und glänzen in teurem Lichte. Ich trage sie hin und richte sie 
empor, doch ihr Sieben sollet hier zurückbleiben. Der Anteil des 
Schmutzes und der Schmutzerei soll euer Anteil sein. An dem 
Tage, an dem das Licht emporsteigt, wird die Finsternis an ihren 
Ort zurückkehren. Ich und meine Jünger werden emporsteigen und 20 
den Ort des Lichtes schauen." 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



37. - - Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 25 

Ein Fischer bin ich des großen Lebens, ein Fischer bin ich 
des gewaltigen Lebens, ein Fischer bin ich des großen Lebens, ein 
Ilote, den das Leben gesandt. Es sprach zu mir: „Geh, fange 
Fische, die keinen Schmutz essen, Fische, die nicht Wasserfenchel 5 
essen und stinkigen Fenchel ,; nicht riechen. Sie nähern sich nicht 30 



1 ) ( )der „genannt". 

n-:n kaum in Ordnung. 

3) Entweder rirN-TK oder -,-nan. 

4) Siehe S. 1 

5) P. Anastase vermerkte zu sundo: „Phellandre aquatique". 

6) Wohl identisch mit j,J=., vgl. Low, p. 383m und Payne-Smith, 
3420. I'. Anastase vermerkte zu sindo: „Fenouil, plante qui pousse spon- 
tanement le long du Tigre et de l'Euphrate". 



Der Seelenfischer. 155 



dem Fräße schlechter Datteln ' und geraten nicht - in die Netze des 
Sumpfes. Das Leben knotete mir eine Schlinge und baute mir ein 
unvergängliches Schiff. Ein Schiff, dessen Flügel von Glanz sind' 1 , 
das wie im Fluge dahingeht, und nicht werden ihm die Flügel aus- 

5 gerissen. 4 Ein wohlgerüstetes 5 Schiff ist es und zieht am Herzen 
des Himmels dahin. Seine Taue sind Taue des Glanzes, || und ein 15*2 
Steuer der Kustä ist daran. „Sonntag" faßt die Stange 7 , Bar-Haije 
erfaßte das Steuer. Sie ziehen hin s zu den Skinas und verteilen 
Licht unter die Uthras. Sie richteten in ihnen 9 Throne auf, und 

10 lang hingezogen kamen die Jordane heran. Auf das Vorderteil 10 
sind Lampen gesetzt, die bei den wütendsten Stürmen nicht er- 
löschen. Alle Schiffe, die mich erblicken, beten mich unterwürfig 
an. Unterwürfig beten sie mich an und kommen, um mir ihre 
Ergebenheit zu bezeigen. Am Vorderteil 10 steht der Fischer und 



1) Vielleicht soviel wie y*'£ , j 3 ^, j^c eine Art schlechter Datteln 
bei Low, p. 114, vgl. auch Meissner, Mitteilungen der Vorderasiat, (jcsell- 
schaft XVIII (1913), 2, p. 40. Nach Loghat el-Arab III, p. ,524, 17 
werden Datteln als Köder verwandt; vgl. auch 155,12; 157,8. ,.Flossen" 
(siehe Onkelos zu Lev. 11,9, auch Brockelmann, Lex., p. 307a s. ], , ) 
kann es nicht gut sein. 

2) Dies dürfte ungefähr der Sinn des Wortes sein, aber weder "p*a 
noch p:r paßt. Die Lesung wird durch 156,3; 157,9 gestützt. 

3) J*-PT B ist nicht richtig trotz NrrnTJW in Z. 16, das wohl auch 
nicht in Ordnung ist, vgl. Anm. 5. Vielleicht NTTi JTSOitt f^SSJWl, 
vgl. Z. 17. 

4) tfuWSTtUE kann sich nur auf fTöifi« beziehen, vgl. 133, 13. 

5) Ich vermute NDTN^NTÖ. 

6) Zweifelhaft. trara Sita^a auch GR 86, 1 ; 97,16,19; 11 8, 11; 
124, 16. 3iOb zu J*n">b „Herz" sicher nur als Stat. absol. und mit Suff. 
1. sing. In der vorliegenden Verbindung ist 3JOb3 vielleicht 2JO~b~3, 
also „am Tore des Himmels", vgl. trüT<25 2J*3 b? GR 208,15. 

7) Das Daleth ist zweifellos. Das Wort ist sicher identisch mit syr. 
j'j.1, daher wird auch hierfür das Dalath gesichert, gegen Schulthess 
ZA XXV (191 1), p. 291t. „Mastbaum" paßt hier nicht; es scheint eine 
Stange zum Lenken zu sein. 

8) -pn bezieht sich schwerlich auf an JON und N2JO10 „durch sie". 
Das Wort ist wahrscheinlich nicht in Ordnung; vielleicht ist es durch 
"]"Ü2£S*ln beeinflußt. Vgl. auch S. 38 3. 

9) Bezieht sich auf NDW3U5. 

10) Nicht ganz sicher, vgl. S. 48 8 . 



1^6 Der Seelenfischer. 



hält wundersame Reden. Lampen (sind da) 1 , deren Dochte sich 

nicht hin und her bewegen 2 , und ein ist bei ihm nicht. Er 

trägt keinen Ring des Truges, und mit weißen Gewändern ist er 
bekleidet. Er ruft den Fischen des Meeres zu und spricht zu ihnen: 
„Nehmet euch in acht in der Welt! Nehmet euch selber vor den 5 
stinkigen Vögeln in acht, die über euch sind. Wenn ihr euch in 
acht nehmet, meine Brüder, werde ich euch ein Beistand sein: ein 
Beistand und eine Stütze aus dem Orte der Finsternis zum Orte 
153 |des Lichtes." 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 10 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



38. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Der Fischer bekleidete sich mit Gewändern des Glanzes, und 

ein Beil hing ihm an der Schulter 3 und Unruhe des Frevels, 1 

und eine Glocke ist nicht am Querholz. 4 Als die Fischer den 
Fischer erblickten, kamen sie und sammelten sich um ihn. ,,Du 

bist", sagen sie zu ihm, ,,ein 5 Fischer, der du keine Fische 

des Sumpfes gefangen hast. Du hast nicht die 6 gesehen, in 

denen die Fische sich sammeln Wir wollen dich 

mit den Fischern vertraut machen, sei unser großer Teilhaber und 
nimm einen Anteil wie wir. Gewähre uns einen Anteil an deinem 
Schiffe, und nimm du an unserem Schiffe Anteil. Wohlan, nimm 
als Teilhaber von uns an und gewähre uns einen Anteil an deinem 



20 



1) Der Satz dürfte ursprünglich hinter N"Oijn<>tb K"HlNa CPp^TSl 
gestanden haben. 

2) Schwerlich in Ordnung. 

3) [ch kann mit N"'2" i nb(N) nichts anfangen. Es kann weder „Wolf" 
noch „Bär" sein, wenn es nicht in übertragenem Sinne gebraucht sein sollte. 

4) Vielleicht mit targum. St^W „Riegel" identisch. P. Anastase schreibt: 
„nagro signifie 3 choses: 1. le manche de gouvernail auquel est attache 
un greift (i' h hatte gefragt, ob am nagro eine Glocke hänge); 2. le poisson 

qui entre dans le «r'^' b~ vers le printemps; 3. une espece de natte 
qu'on inet sur les embarcations pendant la mauvaise saison ou les fortes 
chaleurs pour garantir les pecheurs contre les intemperies de Fair." Nach 
NT1N3 (' könnte es auch «las „Schlepptau" sein. 

5) Es kann uichl zu fittä „Glück" gehören. ..Glücklich" wäre K3M1NA. 

6) Man denkt zunächst an einen Singular zu NnSoV"^ „Fangstellen", 
vgl. 143,7, ;iljcr lliTPNIJMa zeigt, daß '1er Text hier nicht in Ordnung ist. 



Der Seelenfischer. 



157 



Schiffe. Gewähre du uns einen Anteil, und wir wollen dir einen 
Anteil an dem geben, || was wir haben. Verbinde, dein Schiff mit 154 
dem unsrigen und kleide dich in Schwarz wie wir, damit du, wenn 
du deine Lampe hochziehst, etwas findest, damit die Fische (nicht) 
5 deinen Glanz sehen 1 und dein Schiff Fische aufnimmt. Wenn du 
(auf uns) hörst, wirst du Fische fangen, sie in dein Schiff werfen 
und Geschäfte machen. Wenn du auf unsere Rede 2 nicht hörst, 
wirst du Salz essen, verrichtest du aber unsere Werke, so wirst du 
Ol und Honig essen. Du rührst einen Brei ein, du füllst Becher 

io und verteilest sie unter alle Fischer. Wir setzen dich als Haupt 
über uns alle ein. Die Fischer versammeln sich bei dir 3 , die ersten 
folgen dir hinten nach, sie werden deine Sklaven, und du nimmst 
drei Teile von dem, was uns zufällt. Unser Vater soll dein Diener 
sein, und wir wollen uns deine Hörigen nennen. Unsere Mutter 

iS soll auf deinem Lager (?) sitzen und Netze knüpfen, sie soll deine 
Dienerin sein || und dir Garne jeglicher Art knüpfen. Sie soll die 155 
Zederstücke i verteilen und Bleistücke in die Maschen legen; Maschen, 
Maschen, die dann schwerer sind als alle Welt. Sie soll das Wasser 
durch die Garne teilen, und wenn die Fische hineingeraten, sollen 

20 sie gehemmt werden. Sie kennen dann nicht den Weg, den sie 
suchen, und wissen nicht zu ihrem Wege zurückzukehren. Wie 
Mauern, die zusammenstürzen, kommen sie und fallen auf die Guten. 5 
Sie lassen nicht die Fische sich aufrichten, noch das Gesicht nach 
dem Geröll zu wenden." Sie lassen sie tief unter den Schlamm 



i) Nb ist störend, denn die Fische werden durch Licht angezogen, 
vgl. auch 157, Q f. 

2) ",NmiÖ ist zu "N^mD unter Einfluß von 153, 10 verderbt. 

3) *N" , nV")2 '«IT" ist irrtümlich aus der vorhergehenden Zeile wie- 
derholt. 

4) Wohl die Holzstücke, die in den einen Rand des Netzes gesteckt 
werden, damit er oben schwimme. Am Tiberiassee verwenden sie jetzt 
Kork (fellhi). Daß NnVw, NnrCN ..Zeder"' oder die weibliche Zeder sei, 
ist nicht völlig sicher, vgl. Meissner, Mitteilungen der Vorderasiat. Gesell- 
sehaft XVIII (1913), 2, p. 35. An dem anderen Rande werden Bleistücke 
befestigt, um ihn nach unten zu ziehen, vgl. auch S. 1485. 

5) Dies ist doch wohl hier der Sinn. Subjekt sind die Netze. Siehe 
auch 157,12 und zu 149,6. 

6) SMS* steht für N":n. 

7) Die Laichstelle aufzusuchen, oder um sich da zu verbergen. 



Der Seelenfischer. 



sinken und schließen sie ein : Sie tragen sie in Haufen 

zusammen und schütteln sie (?) aus dem 2 Da gibt es ein 

:; , in das die Fische geraten und gehemmt werden. Auf den 

. . . . 4 des ist Flechtwerk'' aufgerichtet, zwischen zwei Maschi- 
nerien c Hingeworfen sind Netze und , die mit schlechten 5 

156 Datteln" als Köder angefüllt sind, || die Tod essen lassen. Wehe 
dem Fische, der von ihnen geblendet ist 8 , dessen Auge das 
Licht nicht schaut. Weise sind die Fische, die sie kennen. Sie 

gehen an allen Ködern vorbei. Sie gehen hin und 9 , und die 

Netze werden ihnen dort zum Lager. Einer von tausend sieht es, 10 

und von zweitausend sehen es zwei. Sein 10 ist geschlossen, 

und eine Glocke ist an dessen Pförtchen gehängt. Eine Glocke, 
die in Frevel geschmiedet ist und alle Welt einfängt. Dort ist das 

Wasser mit Fenchel gemischt Pflöcke (?) des Todes. 

Wehe den Fischen, die in sie hineingeraten." 15 

Als der Fischer dies hörte, stampfte er auf das Schiffsvorder- 
teil. Der Fischer stampfte auf die Schiffe der Fischer, da lagen 
die Fischer dicht zusammengedrängt 11 in den Lachen, zusammen- 



1) Eigentlich „zusammen mit dem Kranze". Mit Nb^bs ist hier an- 
scheinend ein Gerät oder eine Vorrichtung zum Fangen gemeint. Oder 
ist vielleicht trb'O zu lesen? Siehe die Variante zu firbfitt und S. 156 6 
zu Nnb-'r:'. 

2) Nach rr.'72 müßte man annehmen, daß fcr'INEN, Ni'iKü Singular 
sei. Danach wäre der Stamm N1E2 wie bei ■pb'HNtt. Aber wenn nur der 
Text in diesen Dingen zuverlässig wäre, siehe zu 153,9! Ez-Zahäwl 
dachte an arab. ;Usl „Reifen", was nicht paßt. 

3) Aus PT2 und p3T zusammengesetzt? 

4) Im Assyrischen bedeutet gaslsu „Stange", wofür Muss- Arn., 233a 
auch giSSu anführt. Natürlich kommt auch \x.. „Boden" Payne-Smith, 
701 in Betracht. 

5) Gehört vielleicht zu a*no. Das davorstehende fi^',2^\ paßt nicht 
zu "^-n"";; es ist wohl aus (Uv folgenden Zeile hierher geraten. 

6) Siehe zu 97, 8. 

7) Siehe zu [51, 1 3. 

Nöld., j). [473. 
9) Die Worte von N^p: k \- irbTN an scheinen sich wieder auf die 
unklugen Fische zu beziehen. Hinter firpSNi ist vielleicht eine Lücke, vgl. 
151. [3; '57, 9- 

10) Mit Beziehung auf eine Fanganlage. 

1 1) Die gewöhnliche Bedeutung von «sp „schwimmen" (siehe S. 145*) 
paßt hier nicht, denn es heißt nachher N^pbNölsbl. Für die gegebene 



Der Seelenfischer. 159 



gebunden wie Getreidebündel, und können nicht emporsteigen. Das 

Rohr schlägt \ und die Fische der Meere lagern 2 über den 

Fischern. || Sie murren im Sumpfe, und das Wasser umringt sie im 157 
Kreise (?). 

5 Da sprach er schreiend'- mit seiner Stimme. Er redete mit 

seiner hehren Stimme und sprach zu den Fischfängern: „Fort von 
mir, ihr stinkigen Fischer, ihr giftmischenden Fischer. Gehet, gehet, 

fanget Fische, die euren eigenen Schmutz 4 Steiget zu eurem 

5 hinab und gehet an das Ende des Überganges. Ich bin 

10 kein Fischer, der Fische fängt, und meine Fische sind erprobt. Sie 
werden nicht durch den Haken mit schlechten Datteln gefangen, 
einem Fraß, den [meiner] Fische nicht essen. Sie geraten nicht ,; 
in die farbigen 7 Netze, und nach den Lampen der Lüge wenden 
sie sich nicht. 8 Sie sinken nicht vom Schlamme des Wassers her- 

15 unter, und nachdem des Truges gehen sie nicht. Sie 9 teilen 

nicht das Wasser ******, die auf die Guten fallen sollen. Wenn die 
Fischer das Wurfnetz über sie werfen, reißen sie das Netz ausein- 
ander und machen sich frei. 10 Es wird keinen j Tag in der Tibil 158 



Auffassung muß man sich auf cl^d Pesitta zu Exod. 15,8 stützen, das 
allerdings durch \\" beeinflußt ist. 

1) ,.Und geht/ paßt weder inhaltlich noch formal. 

2) Vielleicht ^::N': NTON73N" 1 N" 1 :" - ), vgl. 160, 8. 

3) ?:j: ist hier schlecht am Platze, da es „wiehern; kreischen" (von 
Vögeln) bedeutet. 

4) Man erwartet N"'rr k \, das wohl ausgefallen ist. Hier scheint eine 
größere Lücke zu sein, deren Rest m":: ist. Im jetzigen Text läßt es 
sich weder mit dem Vorhergehenden noch mit dem Folgenden verbinden. 

5) Hier und 160,8. Auch aus der anderen Stelle läßt sich der 
Sinn nicht erschließen. 

6) Siehe S. 155 2 . 

7) Seine Netze sind natürlich weiß. 

8) Im Syrischen findet sich - t ±£>, besonders in den Bezeichnungen 
für Strangurie, sonst hat es auch die Bedeutung „sich wenden", vgl. Low, 
p. 323 t. Diese paßt hier sehr gut (siehe S. 157 '), ebenso GR 2S0, 12. 
An dieser Stelle ist "liWNS Pael Perf. nach dem danebenstehenden Ü^Np, 
obwohl ringsherum Participia act. stehen. „Und wenn seine (des Königs 
der Finsternis) Scharen von ihm davonlaufen, bringt er sie durch sein 
Wort zurück, und die Dämonen, die er wünscht, wendet er um und stellt 
sie vor sich auf." 

9) Wohl Netze gemeint, siehe 1,55, 3 ft". 
10) Siehe oben S. 148 s. 



!Öo ^> er Seelenfischer. 



geben , an dem die Fische die Fischer fangen. Es wird keinen Tag 
in der Tibil geben, an dem die Taube den Raben liebt. 1 Ver- 
flucht seid ihr, ihr stinkigen Vögel, und verflucht euer Nest 2 , daß 
es sich nicht fülle. Wehe eurem Vater Sirmä B , dessen Lager im 
Rohr ist. Wehe dir, hungrigem Safnä*, dessen Flügel 5 in der Tibil 5 
nicht trocken werden. Wehe dir, stinkigem Sagiä, der du die 
Fische siehst und seufzest. Er schreit und weint bitterlich, wenn 
er nach den Fischen schlägt und keine erreicht. Wehe dir, Arbänä 

6 , der du aus den Tiefen die Fische holst. Wohl dem, der sich 

aus den Krallen derer befreit, die Fische fangen. Wohl dem, der sich 10 
von den Männern befreit, welche die Tibil hüten. Fort, fort, ihr 
I.V.) Planeten, seid ein Anteil eurer eigenen Häuser. Wasser || mischt 
sich nicht mit Pech 7 , und das Licht wird nicht zur Finsternis ge- 
rechnet. 8 Der Teilhaber der Vollkommenen kann nicht euer Teil- 
haber genannt werden. Der Gute kann nicht zu den Bösen, nicht 15 
der Böse zu den Guten gehören/' Euer Schiff kann sich nicht mit 
dem meinigen verbinden 10 , nicht euer Ring 11 an meinen Ring gelegt 
werden. Da ist euer aller Haupt, zählet euch zu seinem Reiche. 
Dieser euer grober Vater blieb im schwarzen Wasser stecken. Eure 
Mutter, die Netze und schwere Doppelmaschinen knüpft, habe ich 20 
mit dem Stabe (lebenden) Wassers gezüchtigt und ihr einen Spalt in 
den Kopf geschlagen. 12 Ich leite meine Freunde, richte sie in meinem 
Schiffe empor und führe sie an allen Zöllnern vorbei. Ich führe sie 13 



1) Vielleicht mit I) Np!lfit1?a „verscheucht", denn cm Pael im Sinne 
„lieben" ist zweifelhaft, vgl. Dalman, Wörterb., p. 383a. 

2) Eigentlich „euer Stamm". 

3) ACD haben aWTC, Ij WJTO, vgl. auch 146, 12. Welche Le- 
sung ist richtig? Ich kann die hier genannten Wasservögel nicht identi- 
fizieren, vgl. S. 143 f. 

4) Die Lesung NrtNC wird durch N^ENS gestützt. 

5) ^Nö5fiOl steht für ^NrrNün; es ist durch N"Nr beeinflußt. 

6) „Vernichtend" oder nc^ mit gerundivischer Bedeutung? 

7) Si.-hr S. [47 *°. 

8) Siehe auch GL 53, 22. 

9) Im Text verkehrt. 

10) Im Text ein Wortspiel. 

11) Man erwartet eher Np02 „Schlinge", vgl. [49,11. 

12) Vgl. GR90, 24; [03,10; 11S, 10; 344,22. 

[3) Hier dieselben Schwankungen in der Bildung des Part. act. mit 
dem Pronomen 1. sing, und folgendem Objektssutlix wie 43,2 t. 



Der Seelenfischer. iöi 



durch den Durchgang 1 des Frevels 2 , den Ort, wo die Fische ge- 
fangen werden. Ich lasse sie den Fischessern entfliehen", und ihr 
werdet in euren Sldnäs ein Ende nehmen. Ich und meine Freunde 
der Kustä werden in der Skinfi des Lebens Platz finden. || Ich werde 1(50 
5 sie auf Thronen unter glänzenden Fahnen in die Höhe ziehen." Die 
Sieben sind unterlegen, und der fremde Mann blieb siegreich. Der 
Mann von erprobter Frömmigkeit war siegreich und verhalf seinem 
ganzen Stamme zum Siege. 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
io ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



30. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Die Stimme des reinen Fischers ist es, der ruft und in den 
Lachen die Fische der Meere belehrt. Er spricht zu ihnen: „Richtet 

i 5 eure 4 auf, steht aufrecht auf der Oberfläche des Wassers, 

dann wird eure Kraft doppelt so groß sein. 5 Hütet euch vor den 
Fischern, welche die Fische fangen und den Jordan schlagen. 6 Silmai 
und Nidbai verfluchen sie, und sie gingen hin und ließen sich hinter 
mir eine Meile fern nieder. 7 Die Fische verfluchen ihr Wurfnetz 
20 an ihrer Stelle." 8 

Als der Fischer so sprach, [indem] er alle [Fischer] warnte, 
[als] die Fischer seine Stimme hörten, kamen sie heran und sam- 



i) Die Zöllner sitzen an der Durchgangsstelle, daher vermute ich 
N13N73. SO^NM könnte „Lagerstätte" (l*n~) sein. 

2) Oder des Ulai? Siehe S. 152 3. 

3) Siehe S. 133 8 . Vielleicht ist 60513 SrViO „den Fischfängern'' zu 
lesen, vgl. srblD in D. 

4) Siehe S. 159 5 . 

5) Er hat die Täuflinge im Auge. 

6) Vielleicht ist das Verfahren gemeint, das Loghai el-Ardb 111, 
p. 522 beschrieben wird. Die Fischer schlagen mit den Händen oder 
Stöcken auf das Wasser, um die Fische aufzuscheuchen und sie in ein 
spiralförmig aufgestelltes Netz hineinzutreiben. 

7) Ich vermute 720 oder rrsü. 

8) Die W< irte scheinen einen Fluch zu enthalten. NiriNlS am näch- 
sten steht NirpS. vielleicht „Geschrei" (Nöld., p. 66, 19; 102,15), siehe 
auch Pugn., p. qi und oben S. 2 1 3 zu "S52. Nicht paßt jeu», „heiterer 
Himmel" oder eine Bildung von *4~i. „dürsten". Vielleicht ist Nin ab- 
zutrennen, und K5E ist der Rest eines Wortes oder einer Wortgruppe. 

Lidz barski, Johannesbuch. JI 



162 D er Seelenfischer. 



161 melten sich um ihn. Sic stellten sich hin, um ihn auszufragen, und 
wußten nicht, woher er kam. „Wo 1 warst du, Fischer", fragen 
sie ihn, „daß wir deine Stimme nicht im Sumpfe hörten? 2 Dein 

Schiff gleicht nicht unserem Schiffe, und nicht ist dein 3 zwischen 

******. Dein Schiff ist nicht mit Pech ausgepicht, und nicht gleichst 5 
du den Fischern dieser Welt." Die Fischer sehen ihn, werden tiefrot 
vor Scham und bleiben auf ihrem Platze stehen. Sie sprechen zu 
ihm: „Woher kommt es, daß du fischest, ohne zu finden? Dein 
Schiff gleicht nicht unserem Schiffe; es leuchtet bei Nacht wie die 
Sonne. Dein Schiff ist vollendet in Äther, und wundersame Fahnen 10 
ziehen sich darüber. Unser Schiff geht dahin im Wasser, doch dein 
Schiff zwischen den Wassern. Unsere Rohre, die aus unserem 
Sumpfe, murren über einander 4 und zerbrechen. Unter ihnen ist 

die Fischergabel des Zornes, an der und nicht sind. 5 

Deine %ak(k)aitä* y Fischer, ist derart, daß, wenn die Fische sie 15 
sehen 7 , sie sich entfernen. Wir haben noch keine Fischer gesehen 8 , 

162 die dir gleichen. || Der Wind trägt dein Schiff dahin 9 , der Mast 10 



1) Vgl. Nöld., p. 206, 10. 

2) Lies ifiWKHiöKbl. 

3) Vielleicht auch ein Wort für Schiff'. P. Anastase schreibt „peut- 

etre ^j^ petite embarcation rapide". 

4) Daß sie die Fische fangen müssen. 

5) Die Wendung findet sich auch GR 2 1 6, 14 und ist vielleicht von 
da entlehnt. Dort heißt es: ,.Der Aufrührerische gleicht einem geheizten 
Ofen («an = fiWHN vgl. Nöld., p. 159, 17), der VPV*V) STÖlNtt nicht hat." 
N'C'Nr; und N , """~ scheinen mir konkrete Dinge zu sein, die dem geheizten 
Ofen an sich fehlen oder, wenn sie fehlen, seinen Nutzen verringern oder 
aufheben. ,. Wasserbassins", wie Nöldeke p. XXXIII, 17 f. annimmt, paßt 
nicht. Sie erwartet man nicht bei einem Ofen, außerdem heißt „Bassin" 
Di!rt, vgl. S. 9, 4. Daß fcTTm 8TD18.1 „Erbarmen und Geneigtheit" (N3n) 
sei, ist unwahrscheinlich, nicht bloß wegen der Endung N" 1 bei fiPölNfl, 
die durch N'"~ veranlaßt sein könnte. Aber unser Verfasser hat die 
Worte so (.der ähnlich aufgefaßt, denn ersetzt sie in Gegensatz zu NWH. 
Jedenfalls ist hier josisrn zu lesen. 

6) Siehe oben S. 48*. 

7) Man erwartet nach der anderen Stelle eher, daß sie sie hören. 

8) Lies INb-'TriNV. 

9) So auch 3 NTl (il< 2l6, 15 f.: „Der Wüterich gleicht dem lo- 
dernden Feuer, das der Wind weiterträgt." 

10) Gehört wohl zu Ur^\ Fraenkel, WZKM 111 (1889), p. 181; 
Brockpjlmann, Lex., p. 20b, 505b. C hat zwar hier N—NpD, aber 163,2 



Der Seelenfischer. 163 



dem Fischer und ein Steuer, das in den Wasserlachen leuchtet. 1 

An deinem Wurfnetz ist keine Leine, und 2 haben sie nicht 

darum gelegt. Nicht sind daran 3 , die ein listiger Anschlag 

gegen die Fische des 4 sind. Du hältst dein Garn 5 

5 und hast keinen Klopfer 6 und keine Axt. Dein Garn fischt nicht 
im Wasser 7 und ist nicht gefärbt 8 , um Fische zu fangen." 

Als die Fischer so sprachen, erwiderte ihnen der Fischer: 
„Wohlan 9 , ihr Fischer und Söhne von Fischern, fort, entfernet euch 
von mir. 10 Fort, steiget zu eurer Ortschaft, der Ruine Jerusalem, 

10 empor. Fraget über mich euren Vater, der mich kennt, fraget eure 
Mutter, die meine Magd ist. Saget ihm, da ist ein Fischer im Boot, 
|| an dem vier . ... n sind. [Da ist] ein Steuer, und es steht darin, 163 

und ein Mast und Lösungen. 12 Sie zerstören das Land 

Jerusalem." 

15 Als sie dies vom Fischer, der hierher gegangen ist, hörten 

und erkannten, sprachen sie zu ihm: „Habe Mitgefühl, Nachsicht 
und Erbarmen mit uns und vergib uns unsere Sünden und Ver- 
gehen. Wir sind deine Sklaven, zeige dich uns nachgiebig. Wir 
wollen auf deine Fische achtgeben, daß keiner von ihnen fehlt. Die 

haben alle Handschriften ST-ppD. Auch GR 273, 15 geht trotz der Ver- 
schiedenheit der Varianten das Jod durch, entsprechend ioxoxeQaia. Zu 
trennen davon ist -ppD GL 58, 13; Nöld., p. 46, 7 ff. 

1) Lies 1Nr;N2T? 

2) Schwerlich mit j..Q-^ Low, p. 312 grüne Bohnen als Köder zu 

verbinden. 

3) Es ist zweifelhaft, ob hier RiTWSM (vgl S. 157*) vorliegt. B hat 
«■»iTOSt, in AC zweifelhaft, ob N">rt1ÖN oder sonVON. 

4) Siehe S. 149 2 . 

5) Siehe S. 1503. 

6) Gehört wohl zu *^p3, vgl. auch die Lesart in B. 

7) Ich vermute STÖS frOTNO Nb = \'lxi^ ]L± V- 

8) Wie ihre Netze, vgl. S. 159,13- 

q) „Meine Brüder" paßt nicht. Es ist eine Interjektion und ent- 
spricht iNi-£> S. 149 6 . Nach dem mißverstandenen i«fiN schrieb man dann 
auch \s:m statt N-om. 

10) Siehe auch GR 333, b; Nöld., p. 237, 20 f. 

11) Vgl. auch 148,13. Kaum aus jobpi („Masten", vgl. j53) oder 
N , 72"n, assyr. dimmu „Säule, Stange" verderbt. 

12) Vielleicht s. v. w. „Zerstörungen", vgl. das folgende riV'D-Nt. 
Siehe auch zu 273, 16. 

11* 



164 



Der Eisenschuh. 



Knechte deiner Jünger wollen wir sein, die deinen Namen in Kustfi 
nennen. Wir wollen andauernd auf alle achtgeben, die deinen 
Namen nennen." 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 5 




Der Eisenschuh. 

Die beiden folgenden Kapitel sind parallele Stücke. In beiden sucht 
Rühä den Hibil-Ziwä, bzw. den fremden Mann zu überreden, daß er 
bei ihr seine himmlische Stimme und seinen himmlischen Gesang ver- 
nehmen lasse. In beiden wird sie abgewiesen. Die einleitenden Worte 10 
stehen in beiden Kapiteln in Widerspruch mit dem weiteren Inhalte der 
Stücke. Die Einleitung lautet so, als ob der Uthra in der jenseitigen 
Welt wäre, während er weiterhin (vgl. besonders 164,8) in der Unterwelt 
mit Rühä spricht. Die Ausdrücke b^nb p, ")Nnb "(0 finden sich in dem- 
selben oder ähnlichem Zusammenhange auch 45, 12; 245, 12; GR 367, 24; 15 
368, IO. Daß b'fib J72 nur die Herkunft des Uthra bezeichne (ein Uthra 
von jenseits her predigt), ist nach der Gegenüberstellung im parallelen 
Satze nicht wahrscheinlich; es hieße auch b^nb pl. Man hat hier eben 
wieder eine der Unebenheiten in der Darstellung, denen man auch sonst 
so oft im mandäischen Schrifttum begegnet. 20 

Im zweiten Abschnitt begründet der fremde Mann die Ablehnung 
damit, daß er kein BBKÜTä sei, der vor dem Volke Musik mache. Das 
Wort findet sich im mandäischen Schrifttum nur noch im Asfar Malwäse, 

p. ss, 2: w KiNDia -ajo bKDtnrn «nan ö^mt isn kVkti KrwiTKaaa 

N-1N- X-wN"i N:N\X- „Wenn bei ihren Kitern der Wassermann ist, so 25 
wird sie ihren Vater erhöhen und ihre Mütter erniedrigen (1. b^BlZSNTi), 
und ihr Vater wird N:X3i." oder Ortsrichter sein." Hier scheint N2ND13. 
nach dem Zusammenhange eine angesehene Stellung zu bezeichnen. Nach 
dem Johannesb. bedeutet es aber offenbar das Gegenteil, und Näheres 
erfahren wir aus den einheimischen syrischen Wörterbüchern. Bar Ali, 30 
s. n. 2802 und Bar Bahlül, col. 471,2 (vgl. auch Payne- Smith, 685) 
führen beide V 1 -*'—- als Bezeichnung für die k), die Zigeuner, an. Dies 
paßt tür unsere Stelle vorzüglich. 

Schon in vorislamischer Zeit saßen Leute von Sind im südlichen 
Babylonien und den benachbarten Gebieten. Große Massen von ihnen 35 



Der Eisenschuh. i6 ; 



wurden unter den Omaijaden in den Sumpfgegenden am unteren Tigris 
angesiedelt, und sie haben später den ersten abbassidischen Chalifen viel 
zu schallen gemacht. Vgl. M. J. de Goeje, Memoircs d'kistoire et de geo- 
graphie orientales. III. Memoire sur Irs migrations des Tsiganes ä travers 
5 VAsie, Leiden 1903, p. 1 ff. Im Gothaer Bar c Ali, wo, wie i^Iy^Ulj ^UysJI 
zeigt, ) 1 ""> statt li-* -^ trotz der Stellung zu lesen ist, werden die k} 
auch <*A~V, ] a1 A ^ n , Leute von Maisän, genannt. Daher ist es nicht auf- 
fallend, sie in den mandäischen Schriften erwähnt zu finden. Auch von 
den Syrern werden sie als Musikanten (ujyJ^ ) bezeichnet. Im Syrischen 

10 schwankt die Überlieferung zwischen V*-» -^ un d V^ 2 -^» das Mandäische 
hat nur K5NÖ15. Die Schreibung U^o^ ist wohl durch das genuin syrische 
] 1 .r,n 7 ,,der Schutz suchende Flüchtling'' beeinflußt. Daß der Name mit 
diesem Worte identisch sei, glaube ich nicht; wahrscheinlich steckt ein 
Zigeunerwort darin. 

15 Die hiernach gesicherte Bedeutung von NlfcOiS zwingt uns, im Asfar 

Malwäse NUSö'W und NDNMl iONWT in gegensätzlicher Bedeutung aufzu- 
fassen: er wird zum Vagabunden herabsinken oder ein angesehenes Amt 
bekleiden, obwohl dies zum einheitlichen D"nNT) schlecht paßt. 

40. — Im Namen des großen Lebens und im Namen der 

20 teuren Kustä. 

Ein Uthra predigt von jenseits her, und Rühä antwortet ihm 
aus den Toren der Finsternis. „Wer bist du von den Uthras", 
fragt sie ihn, || „daß deine Stimme so lieblich und dein Gaumen so 164 
süß ist?" Darauf erwidere ich ihr: „Der Anschrei des Lebens über 

25 dich, du böse Rühä, du Rühä, die du immer nach Bösem trachtest. 
Ich bin Hibil-Ziwä, ich bin ein Eisenschuh 1 , ein Eisenschuh bin 
ich, der die Finsternis niedergetreten hat." Da geht sie an ihn 
heran und spricht: „Nimm von mir geliebtes Gold und Silber, das 
mehr wert ist als Weib und Kind, und singe mir etwas von deinem 

30 hehren Gesänge." Doch ich erwidere ihr: „Ich bin ein gewappneter 
Uthra, der gegen die Dämonen ausgezogen ist; ich bin gekommen, 
um die Finsternis niederzutreten. Ein gewappneter Uthra bin ich, 
den das Leben gewappnet und ausgesandt hat. Ein gewappneter 
Uthra bin ich, der König über alle Welten. Ein gewappneter Uthra 



1) RTSTlp findet sich sonst im Mandäischen nicht. Es ist wie 
ir^j-ß xgrjmg oder xg^mdiov, vgl. Fraenkel bei Brockelmann, Lex., 
p. 509 a. 



T 5t> Der Eisenschuh. 



bin ich, dessen Kraft hart gegen euch ist. Ein gewappneter Uthra 
bin ich, der mehr als alle übrigen Uthras gewappnet ist." 1 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



41. — Im Namen des großen Lebens und im Namen der 5 

teuren Kustä. 
165 || Der Mann predigt von jenseits her, und Rühä erwidert ihm 

aus den Toren der Finsternis. Gold holt sie 2 in Körben-, und an 
die Spitzen ihrer Haarlocken 4 steckt sie Perlen. Sie begibt sich zu 
ihm und spricht: „O du fremder Mann! Nimm von mir geliebtes, 10 
teures Gold 5 an und wunderbare Perlen und singe mir von deinem 
hehren Gesänge. Trage vor mit der Stimme des Lebens und be- 
lehre mich von Grund aus." Doch ich erwidere ihr: „Verschwinde 
und mache dich davon von mir, du Rühä, die du auf Böses 
sinnest." Da kommt Namrus heran, nähert sich ihm und spricht: 15 
„O du fremder Mann, trage mir von deiner wunderbaren Predigt 
vor." Doch ich antworte ihr: „Halte dich still, Namrus, und dein 
Zorn laste auf dir. Ich bin kein Zigeuner, der vor niedrigen Leuten 
Musik macht. Ich bin ein Mann aus der anderen Welt, ein Eisen- 
schuh bin ich, dessen Wort und Gesang Keulen und Schläger 7 für 20 



1) Auch GR 258,26 wird Ilibil von den Bösen aufgefordert, ihnen 
etwas vorzusingen, aber dort geht er auf ihre Bitte ein. 

2) Das Verb kann sich nur auf Rühä beziehen, trotz n^CN:. 

3) GR 225,8; 333,19, im Hand. Diwan 33, sowie in dem Stücke 
rechts neben 30 und sonst kommt NDip, 8TBip vor, doch im Sinne „Affe", 
liier ist es wohl -,-£-, vgl. Lew, Neuhebr. Wörterbuch IV ', p. 271a. 

4) NrPlfcllt — (^©7 findet sich nur an dieser Stelle. Erubin Babli, 
f. 100b heißt es rT^Vs n»lÜ n^TW „sie lockt sich das Haar wie eine 
I.ilith". 

5) -r-wN^ bzw. -N-.x-i oder N-ptT ist richtig, vgl. 104,(1. Das i 
wird durch "pKiöl gestützt. Vielleicht war auch hier die Stelle vollstän- 

1 , wie in [6 |, '». 

6) Ähnlich Cod. Par. 15, f. 17a = Cod. 25, I. 21a: yftairßH nNBSVtf 
-"THNb N""!r"i fcOlöra NYP72 'Wiimp ''- „Verschwindet und machet euch 
davon von mir, ihr Toten, ihr Bösen, die ihr das Leben nicht geschaut 
habt". GR353, 24; GL 53, 21 steht in der ähnlichen Wendung das 
Ethpaal von ^=. s-Va-rr gehört zu sba „in die Verbannung gehen". 

7) l«h lese N-'rrN" DOBbip, vgl. B. N^DN, besonders häufig 
transzendental als N"Ti NbSN bezeichnet (GR333, 5; 353> ix ; 354>7; 



Die Mysterien. 167 



die böse Rüha sind." „Wohlan", sagt sie zu ihm, „so mag denn 
die Kustä dich heil erhalten, Guter, || und heil erhalten das Wort, 166 
in dem du dich geäußert hast." l 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
5 ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



Die Mysterien. 

Nach einer vielverheißenden Einführung kommen JVußerungen über 
die N'TN" dieser Welt, bei denen man, wie man auch den Sinn von NTN*i 
fassen mag, keinen verständigen Sinn in der Aufzählung durchführen kann. 

10 Bei NTN~ denkt man wie bei {ivoTtJQiov zunächst an die tiefere, nur den 
Eingeweihten durchsichtige Bedeutung eines Dinges, einer Erscheinung 
oder einer Handlung. Das Mysterium des Salzes soll die Seele sein. Das 
Salz wird im Kultus unter den Ingredienzien für den Räucherofen ({«N^Nü) 
verwandt und wird so oft erwähnt. Diese Ingredienzien werden als JOTNi 

15 bezeichnet: Morg 183; Cod. Par. 15, f. 45b. Aber diese Auffassung paßt 
nur für die eine Stelle. Anderwärts sieht es aus, als ob NTN^i das Symbol, 
die symbolische Äußerung wäre, so wenn gesagt ist, daß das Mysterium 
der Erde die Ruhe, das Mysterium des Lichtes der Tag, das Mysterium 
des Todes der Schlaf, das Mysterium des Körpers die Rose sei. Durch- 

20 führen läßt sich aber auch dieser Sinn nicht, und das Stück bleibt voller 
Widersprüche und Unverständlichkeiten. Ich übersetze iSTN'n durchgehend 
mit „Mysterium" und lasse den Widersinn so, wie er dasteht. 

42. — Die Stimme des Mandä dHaije ist es, der ruft und 

seine Freunde aufklärt. 2 Er erklärt den Männern von erprobter 

25 Frömmigkeit die Mysterien dieser Welt 3 , der Welt voller Mysterien 

363,23 und sonst), ist, wie schon die Verbindung mit ü~l2 zeigt, ein 
Instrument zum Schlagen, dessen Wirkung man als „vernichtend" ansah. 
Wie hier mit Nöblp verbunden, steht 273,15 abrN, Morg 194,2; 195,6 
(an beiden Stellen sbrN zu lesen); 195,12 NbnNsci NbrN mit NalK: 
..Beil", Morg 258, 7, 1; 259,9,3 artl »b5N noch mit WO^D „Messer", 
ND">0 „Schwert" und NBV.B „Geißel" zusammen. Die im Mand. Diwan 29 
von den beiden Figuren links hochgehaltenen Gegenstände werden in den 
Überschriften als NainNTl N7DN und als NlZJJSrW*» Nb^tf bezeichnet. 

1) Auch GR 240,15; 343,23; Morg 164 t. 

2) So fängt auch das Stück GR 366, 4 an. 

3) N^bx "TNrn N^TN" in anderem Zusammenhange GR 338, 1. 



168 Die Mysterien. 



und Winke, der Welt voller Mysterien, die noch kein Mensch er- 
kannt hat. Das Mysterium der Erde ist die Ruhe, das Mysterium 
des Ambosses der Himmel. 1 Das Mysterium des Lichtes ist der 
Tag, das Mysterium der Finsternis die Nacht ********* das lebende 
Wasser *********.'-' Das Mysterium des Salzes ist die Seele 3 , das 5 
Mysterium des Schwertes das Feuer. Das Mysterium des Todes ist 
der Schlaf 4 , das Mysterium der Welten ist Adam, das Mysterium 
des Ersten sein Sohn. Das Mysterium des Gewölbes ***** der Leute 

von erprobter Frömmigkeit ist 5 Das Mysterium der Milde 

ist die Augen zuzudrücken und hundertundeins zu wissen. Die 10 
Mysterien der Taufe sind eins zu sagen und [hundertundjeins zu 
167 hören. 7 Das Mysterium || der Perle ist, eins zu sagen und [hundert- 
undjeins zu hören. Das Mysterium der Liebe ist, die Augen auf 
den Straßen zuzudrücken und [hundertundeins] zu wissen. Das 
Mysterium der Armut ist, in die Welt hinausgesandt zu werden. 8 15 
Das Mysterium der Auserwählten ist die Myrte und das Mysterium 
des Körpers die Rose. 9 Denn wie die Myrte frisch prangt, so 
prangen die Auserwählten, doch wie die Rose zerfällt, so zerfallen 



1) Auf dem Amboß wurde die Erde gedichtet; es ist nicht zu er- 
sehen, wie er den Himmel darstellen soll. 

2) Hier ist jedenfalls eine Lücke. Ursprünglich hat vielleicht }073 
N"— parallel N*T)3 gestanden. 

3) Vgl. die Vorbemerkung. Eine interessante Stelle über das Salz 
habe ich S. 6 zitiert. 

4) Tod und Schlaf sind oft zusammengestellt. Berakhoih Babli, f. 57b: 
nn-:b ö"Höia7a IHN WTÜ „Der Schlaf ist ein Sechzigste] des Todes". Uias 
[4,231; 16,672 und sonst oft in den antiken Literaturen, vgl. Roscher's 
Lexikon I, 2846. Im Grimmschen Märchen „Die boten des Todes" (177): 
mein leiblicher Bruder, der Schlaf. 

5) Mit NäÜlp ist wohl das Himmelsgewölbe gemeint, vgl. 2,8. Da- 
zwischen und NpVT N" l ~P!"7:i'l ist eine Linke. Die folgenden Worte sind 
so, wie sie dastehn, unverständlich. C hat &tby, B fib", in AD unsicher. 

Zu fcoTnai vgl. 107, 3. 

<■) Wohl NTN ©Na^Ö, siehe weiterhin. 

7) Lies N1-" N73 N721Zru\ Der Fehler ist durch Haplographic ent- 
standen. Infolge der häufigen Verbindung Nttn\Z53»1 INWN (siehe S. 2 4) 
wurde hier und weiterhin NUHT»! zu N 72 PUT 731. 

8) Schwerlich in Ordnung. N" i nNn , a' 1 7: Nöld., p. 13, 22 f. beruht 
aui einem Versehen. 

9) Lies N-TN- (oder N^ND^) »"l^NSl NTN1. 



Ermahnungen. 169 



auch die Körper. 1 Die Körper zerfallen, und das Maß der Welt 
wird voll. 

Woher bist du, wahrhafter Mann, gekommen, der du die 

Schändlichkeiten dieser Welt aufzählst?- Ich bin ein Mann aus der 

5 anderen Welt, auf dessen Haupt das Mal aufgerichtet ist. Das Mal 

ist auf meinem Haupte aufgerichtet, und ich steige damit zum 

Lichtort empor. 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



IO Ermahnungen. 

43. — Die Stimme des Mandä dHaije ist es, der als Richter 
in die Welt kommt. || Er richtet die Ganzibräs und erzürnt die 16S 
Tempelvorstehcr. 3 Er richtet die, welche Gebet für Lohn und Al- 
mosen lehren 1 , die man ihnen gegeben. Man hat ihnen Lohn und 

15 Almosen gegeben, und sie brachten sie in ihr Schatzhaus 5 und ver- 
bargen sie da. Sie brachten sie in ihr Schatzhaus und verbargen 
sie da, weil die Rede des Lebens aus ihrem Sinne gewichen ist. 

Die Stimme des Mandfi dHaije ist es, der ruft und alle seine 
Freunde belehrt: „Lasset euch durch mich warnen, meine Brüder, 

20 lasset euch durch mich warnen, meine Freunde! Lasset euch durch 
mich warnen, meine Brüder, vor dem Tode, den die Tempelvorsteher 



1) Im Tan/um Scni zum Buche Esther ed. David, p. 19 ob. werden 
in Anknüpfung an noin als Namen für Esther die Frommen der Myrte 
gleichgesetzt: JlDirD ■pb'TiE N^IS. Weiterhin: N"J^p loa - ' NON Nb~ -pfin 

van Nöb^m y-i- srabya Npbin -pr-fb rva yvz s[>]p-H£ Epai Nmnoi. 
„Wie die Myrte Sommer und Winter nicht vertrocknet, so haben auch 
die Frommen Anteil an dieser und an der kommenden Welt." Vgl. auch 
Megillah Babli, f. 13a. 

2) Wenn auch dieser Sinn für das Aphel von N": ungewöhnlich 
ist, ist er doch hier anzunehmen. An dieser Stelle werden die K"^2ia 
nicht aufgezählt, wohl aber GL 129 unt. Zur Bedeutung vgl. S. 104 2 . 

3) NDSTÖNM W-, (bei Nöld., p. 186 unt. nicht richtig übersetzt) scheint 
sich mit N?:N ü5"n, der Bezeichnung des höchsten geistlichen Würdenträgers 
der Mandäer, zu decken. 

4) Sonst steht für „lehren" das Aphel. 

5) Ein Wortspiel mit fin^TMW, das eigentlich „Schatzhalter" bedeutet. 



ijo Ermahnungen. 



sterben. Sobald ihr Mund sich öffnet, sterben sie, und sobald ihre 
Augen sich schließen, werden sie wegen ihrer Seele zur Rechenschaft 
gezogen. 1 Denn dort werden sie eine Prüfung zu bestehen haben. 
Eine Prüfung werden sie dort zu bestehen haben." Er sagt zu ihnen: 
„Her zu mir-, ihr Lehrer, von denen man verlangt, ohne daß sie 5 
gewähren wollen; sie stürzt man herab. 3 Her zu mir, ihr Scholaren, 
die man lehrt, ohne daß sie lernen wollen." Dort richtet er Vater 
und Sohn, richtet Lehrer und Schüler, richtet 4 Mutter und Tochter, 
165» richtet dort || Schwiegermutter und Schwiegertochter. Dort richtet 
er den Knecht und seinen Herrn, den Lohndiener und seinen Lohn- 10 
herrn. Alle Rechtssachen richtet man, und alle erledigt man, nur 
nicht den Handel zwischen Mann und Weib, bis der Große ihm im 
Rechtshandel beisteht, Mandä dHaije ihn freispricht, ihn emporhebt 
und aufrichtet im Hause der Vollendung. 5 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 15 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



44. — Die Stimme des Lebens ruft: ,,Heil dem, der sich 
selber versteht. Ein Mann, der sich selber versteht, hat nicht seines- 
gleichen in der Welt. 6 Heil euch, ihr rechtschaffenen Diener, die 
ihr euch von allem Bösen ferngehalten habt. Wehe dir, böses 20 
Herz, das Schlechtigkeit beherrscht 7 und das die Schlechtigkeit nicht 
in guter Güte ruhen läßt s ******* und die Gesinnung des Wüte- 
170 richs, der vom Zorne des || Satans wurde 9 . Wer der Leiden- 
schaft freien Lauf läßt 10 , wird in den Tiefen hausen müssen. Wer 



1) Der Zusatz ■pSTK'iaNBS in einigen Handschriften ist sekundär. 

2) Wohl aus dem Imperativ sing, von NnN erstarrt. 

3) Vgl. GR 230, 16 ff., doch -pViriNOU AD „man hemmt sie" (auf 
dem Wege) paßt auch. 

4) WN *i ist durch Nn&fßi beeinflußt. 

5) Die Sätze malmen zur Friedfertigkeit in der Ehe. 

6) Siehe aueh 171,2; 184, 5 f. 

7) Oder „berät". 

8) Lies fTVNpaN'CJxV:. Man könnte «"OKtta aus ACD übernehmen, 
abei Nn-^Ni: hätte dann keinen Sinn. 

9) An den parallelen Stellen 182,3; GR 20, 22 steht passender 
N'V", arbom» statt wN--. Vielleicht ist nnNTra Niit zu lesen, sonst 
s< hwebt NnNTn in der Luft, denn es ist kaum mit N~N-:n zu verbinden. 

10) n«3p ans auch im Talmud: n~rp n'-nu rrwp y^DT -,N?3 S(W- 
hedrin Babli, I. [02b, vgl. dazu Lew, Neuhebr. Wörterbuch IV ', p. 332a. 



Ermahnungen. 171 



seinen Mund zum Fluche öffnet, wird den Lichtort nicht schauen. 1 
Wenn jemand seine Hände zum Schlage erhebt, so werden sie ihren 
eigenen Herrn mit dem Schwerte töten. Wehe dir, du weiter 
Bauch, der du dich an dieser Welt nicht hast sättigen können. Euch 

5 rufe ich zu und sage ich, ihr Männer, die ihr Almosen gebet. Gebet 
ihr, so bezeuget es nicht, bezeuget ihr es einmal, so tuet es nicht 
wieder. Gebet ihr mit eurer Rechten, so saget es nicht eurer 
Linken. 2 Wehe dem Weisen, der seine Weisheit nicht gelehrt hat. 3 
Wehe dem Baumeister, der vor sich keinen Bau gebaut hat. Wehe 

10 dem Wegebauer, der für sich keinen Weg geebnet hat. Er steigt 
nicht empor, um den Ort des Lichtes zu schauen." 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



45. — Die Stimme des Lebens ruft, die Stimme des gewal- 

15 tigen Lebens. 4 

|| Die Stimme des Lebens ruft: „Ein jeder gebe auf sich selber 171 
acht. Heil dem, der sich selber kennt, und sein Herz ihm ein Bau- 
meister ist. Heil den Leuten der Kushi: sie steigen empor und 
schauen den Ort des Lichtes. Wehe dem Ratgeber, der sich selber 

20 keinen Rat erteilt hat. Wehe dem Wegebauer, der sich selber 
keinen Weg geebnet hat. Wenn er darauf geht, soll er nicht aus- 
gleiten? 5 Wehe dem Baumeister, der vor sich keinen Bau errichtet 
hat. Wehe der Mißgunst, daß die Bösen von dieser Welt nicht 
satt werden. 6 Wehe dem weiten Bauche, der, soviel er auch essen 

25 mag, nicht voll wird. Wehe der Doppelzunge, die über denselben 
Fall zwei verschiedene Urteile fällt. Wehe den Lernenden, die man 
lehrt, ohne daß sie lernen wollen. Wehe den einfältigen Narren, 

Bemerkenswert ist, daß swp N"ns parallel JS^p öA (GR 16, 18) gebraucht 
wird, wie NillS 1 8*153 parallel «3TW öab. 

1) Nach der Lesung in AC sind die Worte vielleicht zu U"Nb 
inb" i TNrn rv^b herzustellen. 

2) Die Mahnung auch GR 15 unt.; 35 unt. 

3) -iN3CNb steht in den Handschriften zusammen und wurde hier 
nur in der Not getrennt. Es ist iNaCN »b, doch siehe allerdings 168,2. 

4) Auch GR 356 f. Der Inhalt wiederholt sich zum Teil in Kap. 50. 

5) Vielleicht ist auch hier, wie 182,6 und GR 357-4 ^i zu lcseri - 
Dann wäre es keine Frage, sondern man hätte zu übersetzen: ..damit er, 
wenn er darauf geht, nicht ausgleite". 

6) Lies N-niTÖNbi nach GR 357, 5. 



j~2 Drei Wünsche. 



die in ihrer Narrheit stecken bleiben. Wehe dem Weisen, der seine 
Weisheit nicht gelehrt hat. Wehe den Herrschern, die über Ver- 
17-2 lassene herrschen und keine schönen Werke tun. || Sie fallen in das 
lodernde Feuer; mit ihren Händen schüren sie die Kohlen, und mit 
ihren Lippen fachen sie den Brand an. Wehe dem bösen Herzen, 5 
das Schlechtigkeit beherrscht. 1 Schlechtigkeit beherrscht es, daher 
wird es mit dem Ende der Welt enden. Es wird enden und den 
Ort des Lichtes nicht schauen. Heil dem, der Gutes getan; wehe, 
wehe, ruft der, der Schlechtes getan. 2 Wehe dem Manne, der 
hatte und mit seinem Gute nichts Gutes getan hat. Sünden hat 10 
er für sich begangen und vor sich Anstöße gehäuft. Heil dem Manne, 
der hatte und mit seinem Gute Gutes getan hat; er hat Lohn für 
sich bereitet. Seine Werke gehen vor ihm einher, seine Werke 
gehen einher vor ihm und bilden vor ihm eine Stütze 3 auf dem 
Wege. Eure Hände mögen Rechtschaffenes tun, damit ihr empor- 15 
steiget und den Ort des Lichtes schauet." 
Und das Leben ist siegreich. 



Drei Wünsche. 

Mit geringen Abweichungen auch GR 358, siehe auch 366. Das 
Stück ist hier zwischen die Ermahnungen eingeschoben, während es 20 
passender mit Kap. 48 zusammenstände. 

17:} 46. — || Aus dem Lichtorte bin ich hervorgegangen, aus dir, 

glänzender Wohnung. Aus dem Orte, den ich verlassen, begleitete 
mich ein Uthra aus dem [Hause des] Lebens. Der Uthra, der mich 
aus dem Hause des Lebens begleitete, hielt einen Stab lebenden 25 
Wassers in der Hand. Der Stab, den er in der Hand hielt, war 
voller Ranken vorzüglicher Art. Er reichte mir von seinem Laube, 
davon fand mein krankendes Herz Genesung. 1 Wieder reichte er 



1) Vgl. S. 170?. 

2) BE: ..wehe dem, der Schlechtes tut". Im Ginzä steht beides 
nebeneinander. 

3) Ginzä hat besser rtVwaDWm 

I) Lies NENrrS. Die Verbindung findet sich auch 204,11 f.; GR 
301,6; Morg 55,4 (== Oxf. 36b). Das Wort NBNPS» steht außerdem noch 



Ermahnungen. 173 



mir davon, da wurden Bücher dessen voll. 1 Zum dritten Male 2 
reichte er mir davon, da richtete er mir die Augen im Kopfe 
empor. ; - Meine Augen richtete er mir im Kopfe empor, da erblickte 
ich meinen Vater und erkannte ihn. 4 Ich erblickte meinen Vater, 
5 ich erkannte ihn und richtete an ihn drei Bitten. 5 Ich bat ihn um 
ein starkes Herz, durch das groß und klein 6 getragen werden 
kann. Ich bat ihn um Sanftmut, an der keine Auflehnung ist. Ich 
bat ihn um ebne Wege, damit ich in Heil emporsteige 7 zum Orte 

des Lichtes, 
o Das Leben wird hochgehalten || und ist siegreich, und siegreich 174 

ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



Ermahnungen. 

47. — Aus dem Lichtorte bin ich hervorgegangen 8 , aus dir, 
glänzender Wohnung. Mit Gewändern des Glanzes war ich be- 
15 kleidet, und ein Kranz von Siegen 9 war mir um das Haupt gelegt. 
Ich kam und fand die Nasoräer, wie sie am Ufer des Jordan da- 
stehen. Ich richtete meinen Thron auf und setzte mich hin, wie 



GR 182,3; 183,21; 275,6; 370,4; Asfär Malwäse 51; 131 und sonst 
hier in Verbindung mit "iSD ,. erkranken-'. Es ist Ethpaal von hön. Auch 
an den von Lew, Xeuhebr. Wörterbuch IV, p. 658 angeführten Stellen 
dürfte "Ens zu lesen sein. 

1) Man möchte hier Sr?2 wiederholen. An der Parallelstelle im 
Ginzä steht „Bücher und Gebete wurden voll" (lies y~iz). 37 1, 2 steht 
yz" s"— ;-s- RTWPn C, danach auch Z. 1 1 f . Gemeint ist, daß Gebete, 
Predigten, Bücher davon ihren Inhalt erhielten. 

2) Im Ginzä besser rvbMTi; n*6n ist nach k \:n gebildet. Auch an 
der stilistisch übereinstimmenden Stelle Morg 68, 6 ff. steht nsbri nach s:n. 
Oxf. 48b f. hat den Text besser: «-»«pa yittVß S=N"J nr^sr N3n 

sspn ■ftnia'in yltfcia fitaMta rta-«tt«-n n»bn yr, araKB. 

3) Stilistisch nahestehend GR 367,181!'. 

4) Auch GL 113, 21 f. 

5) Lies Nnötb-JID. 

6) Obwohl die Nomina im Maskulinum stehen, sind sie doch wohl 
neutrisch, allgemein „große und kleine Dinge"' aufzufassen. 

7) Lies psorn. 

8) Als Sprecher hat man sich hier etwa Mandä dHaije zu denken. 

9) Siehe S. 2. 



I7i Ermahnungen. 



ein Vater, der zwischen seinen Söhnen sitzt. Der Gute sitzt da und 
lehrt seinen Söhnen alles Wahre, an dem kein Irrtum ist. 1 

Meine Söhne! Sehet zu, daß ihr nicht Ehebruch begehet 2 ; 
sehet zu, daß ihr nicht Diebstahl begehet; die ehebrechen und 
stehlen, steigen nicht zum Hause des Lebens empor. Nicht steigen 5 
sie zum Hause des Lebens empor, nicht schauen sie den Ort des 
Lichtes. 

Meine Söhne! Sehet zu, daß ihr keine Zauberei treibet und 
die Serie im Körper beklemmet. Die Zauberer und Fälscher wirft 
17r> man in siedende Töpfe, und Feuer ist [| ihr Richter. 10 

Meine Söhne! Sehet zu, daß ihr die Grenzen nicht verrücket, 
daß ihr den Grenzstein nicht versetzet. 3 Die Augen derer, die 
Grenzen verrücken, erblicken nicht das Licht. 

Meine Söhne! Sehet zu, daß ihr nicht den Diener den Händen 
seines Herrn und die Magd den Händen ihrer Herrin ausliefert 4 ; 15 
den Schwachen überlasset nicht dem Mächtigen. 5 |Wer anders 
handelt], wird an einem abgelegenen Orte, im Hause der Zöllner, 
gefesselt, sein Auge sieht nur Finsternis, und sein Fuß findet keinen 
festen Boden." 

Meine Söhne! Sehet zu, daß ihr nicht (zur Frau) eine Magd 20 
nehmet, die nicht freigelassen ist, und somit eure Söhne in ein 
Herrenhaus bringet. Denn sündigt der Diener eines Tages, so 
werden am Tage, wo sein Herr über ihn urteilt, die Sünden, die 
der Diener begeht, über das Haupt seines Vaters kommen. 7 

Meine Söhne! Sehet zu, daß ihr keine Deuter seiet und eure 25 
Augen keine Winke geben. Denn die Deuter und Winker werden 
176 den Wachtstationen zugeteilt werden. Den Wachtstationen || werden 
sie zugeteilt und mit hartem Gerichte gerichtet werden. 

Meine Söhne! Sehet zu, daß ihr nicht Zins und Zinseszins 
verzehret, sonst werdet ihr im Finsterberge gerichtet werden. 30 



1) Siehe zum Folgenden aueh GR 20 f.; 300 f.; GL 103. 

2) Zur Form ■p'l'VPn vgl. Nöld., p. 240,21 fh 

3) N2"i ist fälschlich in den Text hineingeraten, vgl. GR 40, 17; 
GL 52, 4, 9. Statt 1 N73T (aus X. 9?) ist wohl wS::b'-jy zu lesen. 

4) Lies *,Viö' , »' , n, vgl. die parallelen Stellen GR 14,17; 35, 18. 

5) I )ieser Satz auch GR 66, 22. 

6) Parallelen: joS, 4 f.; GR 37h, 20 h; GL 86, I f. 

7) Vgl. GR 22,7 h; 43,7 h 



Ermahnungen. ij? 



Meine Söhne! Sehet zu, daß ihr nicht den Idolen, Satanen 
und Ekurs, dem Götzendienst und der Lust dieser Welt huldiget, 
denn über die Götzen und Satane wird ein hartes Urteil fallen, und 
ihre Anbeter werden nicht zum Hause des Lebens emporsteigen. 
5 Nicht werden sie zum Hause des Lebens emporsteigen und den Ort 
des Lichtes nicht schauen. 

Achtet auf das, was ich euch anbefohlen, und leget kein 
Zeugnis des Frevels und der Lüge ab; wegen des Zeugnisses des 
Frevels und der Lüge werden sie vor dem Richter zur Rechenschaft 
10 gezogen werden. Vor dem Richter werden sie zur Rechenschaft 
gezogen werden, der alle Welt richtet. Er richtet jedermann gemäß 
seinen Werken und seinem Verdienst. 

|j Meine Söhne! Alles, was euch verhaßt ist, tuet auch euren 177 
Nächsten nicht an, denn in der Welt, in die ihr euch begebet, gibt 
15 es ein schweres Gericht und Urteil. Schweres Gericht und Urteil 
gibt es darin, und jeden Tag werden bewahrte Mänäs darin ausge- 
wählt. Denn ein jeder, der beladen ist, steigt empor, doch wer 
leer ist, wird hier verurteilt. 1 Wehe dem Leeren, der leer 2 im 
Hause der Zöllner dasteht. Als er es in seiner Hand hatte, da gab 
20 er nichts, dort wird er in seiner Tasche suchen und nichts finden. 3 
Die Bösen und Lügner werden in die Finsternis gestürzt werden. 
Werfen wird man in das lodernde Feuer, in das lodernde Feuer 
wird man werfen den, welchem man ins Ohr gerufen, der aber nicht 
hören wollte. Ich zeigte ihm ins Auge, er wollte aber nicht sehen; 
25 ich zeigte ihm, er wollte aber mit dem Auge nicht sehen. 4 

Das Leben ist siegreich, und siegreich ist der Mann, der hierher 
gegangen ist. 



i) Vgl. 214 ob.; GL 90, 24. 

2) Zum Schwanken zwischen *Np"i und "p*~ (vgl. Nöld., p. 137, 13; 
200,21) siehe die Einleitung. Auch GL 132,1g stehen beide Formen 
nebeneinander. 

3) Vgl. Morg 35, 5 f. 

4) Vgl. auch 237, 7 ff.; GR 23, 1 f.; Morg 69 unt. Wahrscheinlich 
hat auch hier ursprünglich FJ3*tt3>a N^sbl Sb^-p fctttSJNbl fillt'a f^lpi 
gestanden. Die beliebte symmetrische Gruppierung und Wiederholung hat 
in diesen Sätzen zu einer eigentümlichen Stellung geführt. rij~"rn gehört 
eigentlich, wie es im zweiten Gliede steht, zu NOTÖNb, ebenso n**Nn zu 
N7~N-, in den vorderen Gliedern sind sie aber so gestellt, als ob sie zu 
rir-np und frrp\s- gehörten. Vgl. auch ZDMG LXI (1907), p. 6957. 



iy6 Ein zweites Gebet. 



Ein zweites Gebet. 

Es ist wie das verwandte Stück 46 dem Ginzä entnommen (R 370). 

48. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

17s || Kustä! Dich bezeuge ich, wie ein Mann, der nach Erkenntnis 5 

sucht. 1 Zu dir lasse ich meine Augen emporschauen, du Gute, 
Auserwählte, Auserwählte des Lebens, die hierher gegangen ist. 
Sage meinem Herzen, daß es ausruhe 2 , sage meinem Innern, daß 
es genese. 3 Sage meinen Gedanken 4 , daß sie fest seien und an 
ihrem Platze haften. Sage dem Wächter des Meeres, daß er mir 10 
im Meere einen Übergang bewahre. Sage dem, der Flüsse über- 
brückt 5 , daß er mir über die Flüsse eine Brücke baue. Sage dem, 
der Berge ebnet, daß er mir auf den Bergen einen Weg ebne. Sage 
dem Bildner, der Bildwerke und Bilder herstellt: auf dein (eigenes) 
Haupt schlägt die Begierde. 7 Sage dem körperlichen Baumeister 8 : 15 
führe eilends deinen Bau auf. Eilends führe deinen Bau auf, denn 
gar bald mußt du ihn verlassen. Denn diese Welt ist vergänglich, 

179 und ihre Werke gehen auseinander. || Verloren geht das geliebte 
Gold , und das Silber wird gesucht und nicht gefunden. Die Herzen 
der Freude 10 werden ausgerissen, und ihr Gesang geht dahin und 20 
wird zunichte. Der König läßt seine Krone im Stich, und die Edel- 



1) Im Ginzä hat Cod. B N^NIT, ACD 'pNSi. Dies ist irrtümlich 
aus N'^ni abgeändert, wie sonst oft die Endung y aus N" 1 , in der An- 
nahme, es sei die Pluralendung. Es ist von Petermann fälschlich zu 

N"wSnn hergestellt. 

2) Lies nach dem Ginzä N~r: SNab^b. 

3) Lies nach dem Ginzä NDfcWPn, siehe S. 1 72 4. 

4) Lies ■>üWN' 1 'nb bzw. ■'Nsso-n bs>. 

5) Nach dem Ginzä, wo -NlTN^b zu lesen ist. 

o) Obwohl die Codd. und das Ginzä NnNTiB haben, ist Nns"£" 
zu lesen, vgl. auch GR 1 77, 5. 

7) Das ist wohl der Sinn der Worte. W^2 LJ3H auch 62,13; 
GL to,6; |i,<). Vgl. auch GR 228,25: „Sie liehen Bildwerke und ge- 
färbtes Zeug, lieben die Wollust der Tibil." 

8) N~-:.N-;i ist so aufzufassen, siehe S. 57 1 . N'-^NEi Nb^-pN ent- 
icht S."üi NbSiTlN GR 6,5 (vgl. vorher JOTlNSi N^N:.:n:), WO der 

Text gegen Brandt, Sehr., p. 12' in Ordnung ist. Mit „Hau" im folgenden 
ist ein Hau zum Wohnen in dieser Welt gemeint. 

9) Das Folgende auch GL 76 unt. 

\") An den Parallelstellen [83,10; GL 76, 19 steht NVlNri N'r:^. 



Der Pflug. 177 



Ieute gehen in die Gefangenschaft. Die Vollkommenen steigen zum 
Licht empor, doch die Frevler werden hier zurückgehalten. 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 




5 Der Pflug. 

49. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Jenseits, zu Seiten der außerweltlichen Glieder 1 der Kustä 
steht der Pflug. Es pflügt der Pflug, der kein Ochsenpflug ist und 

10 nicht von Sippe offenbart wurde. 2 Der Pflug ist ein Pflug der 

Kustä, die Lohn und Almosen aussät. Sonntag 3 faßt den Pflug an, 
und Bar-Haije 3 hält die Saat. Ausgezeichnete Männer säen und 
streuen Edelsteine aus, streuen und werfen Perlen aus. Gute säen 
und streuen aus; sie brachten die Saat heraus und droschen sie in 

15 Generationen. Sie brachten sie heraus, droschen sie in Generationen 
und setzten über sie 4 Hüter ein. Hüter setzten sie [| über sie ein, 180 
die außerweltlich, gesegnet und fest über die Maßen sind. Ich spreche 
zu ihnen: ,, Ihr Hüter, die ihr Generationen 5 behütet, bewachet auf- 
merksam euren Wagen 6 ; bewachet aufmerksam euren Wagen und 



1) fcWlNlDTa ist schwerlich nur eine späte Verschreibung, denn es hat 
eine Stütze in NnNIZW nfcT3")Nlö52 Nöld., p. 133,2. Die Form ist freilich 
noch immer unklar. Sollte das N aus einer alten Glosse, die das fremde 
R^IBW durch &02NÜM erklärte, in das Wort hineingeraten sein? 

2) BObAT* ist wohl in Ordnung, aber wahrscheinlich nicht die En- 
dung von \srQ— VC bzw. -Nnsm-'C BD. Vielleicht ist FtnmTHB „von 
ihrer (der Rühä) Sippe' zu lesen; hier spricht ein himmlisches Wesen. 
„Der nicht von meiner Sippe (d. h. der Gemeinschaft der Gläubigen) ver- 
bannt wurde"' könnten die Worte rein sprachlich genommen bedeuten 
(vgl. S. 166 6 ), aber das paßt hier nicht in den Zusammenhang. 

3) Vgl. S. 96*. 

4) Man kann ■■rv , N"Nrr nur auf K^IfcH beziehen, vgl. auch 180,2. 

5) Es wurde von mir übersehen, daß B fiO^tn hat. Dies paßt 
besser als N~iS~. 

6) Unsicher, ob joas s. v. a. NnblJ? ist. Es müßte der Wagen sein, 
der das Getreide heimfahren soll. Trotz der Parallele zu N"NT ist in 

N-3N kaum Jfl enthalten. 

Lidzbarski, Jobannesbuch. 12 



jjg Rrmahnungen. 



euren Weg, damit ihr euren Wagen unversehrt mitnehmen könnet." 
Jetzt geht Kustä und kommt, nachdem sie einen Fächel lebenden 
Wassers in die Hand genommen hat. (Sie nahm] einen Fächel und 
belehrte die Guten, ihre Söhne 1 : Die Eifrigen, die eifrig sind 2 , stürzen 

als Brunnen- :! herab. Wiederum, die eifrig sind, stürzen als 5 

Ofen- 3 herab. Die Frauen, die nicht eifrig und unwürdig 

sind, sinken von ihrer Hürde herab. Sie sinken von ihrer Hürde 
herab und nähern sich dem Munde des Hengstes. 4 Erlöst 5 und er- 
rettet sind eure Seelen, meine guten Brüder und meine gläubigen 
Schwestern. Die vollkommenen Männer und vollkommenen Frauen 10 
1S1 werden erlöst werden. Sie werden aus dem Munde dieses || Hengstes 
erlöst werden, dessen Name Ur, Herr der Finsternis, ist. 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 




Ermahnungen. 15 

50. — ******** * G er handelt mit Lohn und Almosen, so wird 
er denn emporsteigen und den Ort des Lichtes schauen. Wehe 
den Machthabern, die über Verlassene herrschen und keine guten 
Werke tun: sie fallen in das lodernde Feuer; mit ihren Händen 
schüren sie die Kohlen, und mit ihren Lippen fachen sie den Brand 20 
an. Die erwerben und es nur ihren Kindern hinterlassen, gehen 
hin und sieden im Feuer. Sie gehen hin und sieden im Feuer, und 
ihre Herrlichkeit wird ihnen abgesperrt. 7 Wehe den einfältigen 



1) Die Handschriften haben 8T33, doch ist fr: 3 "der "<Ni3 zu lesen. 
Letzteres wäre als Anruf vom Satze abzutrennen. 

2) r\i'Z> bezeichnet als Adjektiv eine gute Eigenschaft, vgl. S. 20 6 . 
Man erwartet hier dabei eine Verneinung, Vgl. auch Z. 9. 

3) Für N'^pN und K^BTIK weiß ich nichts zu bieten. Die Winter 
kommen sonst nicht vor. Die Abänderung von JOBIIN zu STATIN hilft 
oi( lit viel. 

4) GR225, 24 hat N^SNffl NrUJIi'T N^IDb als Strafe, siebe auch 
oben S. 23 1 . 

5) Lies "|NplNÖM. 

6) Der Anfang fehlt. liier wird Ähnliches gestände]! haben wie 
Qol 40, 19, vgl. auch Qol 64,31; GR 340, 15. 

7) Vgl. GR 17, 12, auch hier 93, 1. 



Ermahnungen. 179 



Narren, die in ihrer Narrheit verstockt sind. Wehe den Lernenden, 
die man belehrt, ohne daß sie die rechte Weisheit lernen wollen; 
in der Finsternis werden sie untergebracht werden. Wehe den 
Lehrern, die man bittet, die aber nichts hergeben wollen. Wehe 

5 der Doppelzunge, die zwei verschiedene Urteile in derselben Sache 
fällt. Wehe dem bösen Herzen, das Schlechtigkeit || beherrscht. 1 ls-_» 
Schlechtigkeit beherrscht es, darum wird es am großen Tage des 
Endes ein Ende nehmen. Wehe dem Wüterich , der mit dem Zorne 
des Satans angefüllt ist. Wehe dem Baumeister, der vor sich keinen 

io Bau aufgeführt hat. Er hat keinen Bau vor sich aufgeführt, auf 
den er, wenn er dahingeht, sich stützen könnte. 2 Wehe dem Wege- 
bauer, der für sich selber keinen Weg geebnet hat, damit er, wenn 
er darauf geht, nicht ausgleite. Wehe dem, der gute Ratschläge 
erteilt, sich selber aber keinen Rat erteilt hat. Wehe dem, der 

15 hatte und von seinem Gute nicht Gutes gestiftet hat; hernach sucht 
er in seiner Tasche und findet nichts. Weil er es in seiner Hand 
hatte und nichts hergeben wollte, soll er am großen Tage des Endes 
ein Ende nehmen. Wenn jemand mit eigner Hand seine Augen 
blendet, wer soll ihm ein Arzt sein? Wenn jemand mit seinen eignen 

20 Hörnern seinen Weg zerstört, wer soll ihm ein Wegebaucr sein? 

Euch sage und erkläre ich, ihr Auserwählten und Vollkom- 
menen, die ihr in der Welt wohnet: Wer geht zum Hause des 
Lebens und kehrt dann || zur Wohnung der Finsternis 3 zurück? 183 
Meine Auserwählten! Sehet ein, daß diese unsere Welt zugrunde 

25 geht und ihre Werke dem Verderben anheimfallen. Ihre Werke 
gehen auseinander und nähern sich nicht. Verloren geht das ge- 
liebte Gold, und das .Silber wird gesucht und nicht gefunden. Es 
verschwinden die Schatten der Täuschung und der Dienst dieser Welt. 4 
Es verschwinden die Wohlgerüche und die Lustdinge dieser Welt. 

i) Vgl. auch S. 170/. 

2) Lies nDi statt "to. filiOn lasse ich jetzt nach ABD fallen. Es 
ist aus Z. 7 hierher geraten. Zu diesem Satze vgl. auch GR 218, 13. 

3) Broesn ist als Abstrakt aufzufassen, vgl. WTOk. Hier könnte 
X'DtNH TH durch das parallele N^fi n"U veranlaßt sein, aber der Aus- 
druck findet sich auch GR 133,7, wo kein Wort im Plural in der Nähe 
steht, das es beeinflußt haben könnte. 

4) A hat „Irrung", D „Irrungen". Nn'ÄNUN'O wird gestützt durch 
240,4; GR 365, 3, vgl. auch die parallelen Sätze GR 277, 21 ff.: 

12* 



l8o Ermahnungen. 



Vollendete! Zu Ende gehen die Tage und Monate und Stunden 
und Soße 1 und werden, als ob sie nie dagewesen. 2 Die ganze Welt 
hört auf und nimmt ein Ende, als ob sie nie dagewesen. 2 Aus- 
gerissen werden die Weinstöcke der Freude, und ihr Gesang geht 
dahin und verschwindet. 3 Der König läßt seine Krone zurück, und 5 
die Edlen, die Herren der Welt, verlassen die Welt in Herzens- 
kummer. Die Tibil zerfällt und hört auf in den Tiefen des Ge- 
stankes der Finsternis. Ihr, meine Auserwählten, habet kein Ver- 
trauen auf diese trügerische Welt. 
184 Meine Auserwählten! Heil dem, der [| gehört hat und gläubig 10 

geworden ist; wehe dem, der ermattet und liegen geblieben ist. 4 
Heil dem, der gehört hat und gläubig geworden ist; er steigt empor 
und schaut den Ort des Lichtes. Die Frevler, die gehört, aber 
nicht gläubig geworden sind, die richten ihr Antlitz zum Orte der 
Finsternis; sie verschlingt der Finsterberg. Heil dem, der sich selber 15 
kennt und sein Herz ihm ein Baumeister ist. Wer auf sich selber 
achtgibt, hat nicht seinesgleichen in der Welt. 5 

Meine Auserwählten! Bleibet fest und ertraget die Verfolgung 
der Welt. Die Verfolgung der Welt ertraget mit wahrhaftigem, 
gläubigem Herzen. Verehret mich aufrichtig, damit ich euch als 20 
Stütze beistehe. 

Meine Auserwählten! Der Weg, den die Seelen zurücklegen 
müssen, ist weit und ohne Ende. Auf ihm sind keine Parasangen 
abgemessen und keine Meilensteine nach dem Maße gesetzt. Jede 



1) Bei den Mandäern der 12. Teil einer Stunde, vgl. Nöld., 
p. XXVIIIm. Dieselbe Reihenfolge auch GR 99,20t. 

2) S""s:i nr kann bedeuten „wie er nicht (gewesen) war" und 
„als ob er nicht gewesen wäre". liier stellt Nirrüön 13 N*nNn parallel 
Verben im Sinne „ein Ende nehmen, aufhören", GL 65, 2 2 stellt es par- 
allel 2":t _ ": „wird weggenommen", vgl. auch 146,5. Andererseits heißt 
es hier 196,3 DNTIp "J73 PNTTNri iD "n"73n N^lNn, was nur heißen kann 
,.wie sie nicht vorher gewesen war". Die beiden Bedeutungen gehen also 
nebeneinander her, doch wiegt die Bedeutung „als ob er nicht gewesen 
wäre" vor. 

3) Siehe zu [79,2. N^ölü ist beizubehalten; Wein wird von Gesang 
begleitet. Bei n - n:- mit Beziehung auf jt:d" denkt man leicht an das 
hebräische TWT. Aber ein tatsächlicher Zusammenhang liegt nicht vor. 

I) Vgl. 210,4; GR [8, 10 f.; 356, 19- 

5) Vgl. 200, 1 f.; GR 303,4 I.; Morg 4] unt 

6) Vgl. 195, 12; Morg 42, 3 ff. 



Der Fluß Ksas. 181 



Parasange ist eine Wachtstation, und an jeder Wachtstation sitzen 
Vögte und Zöllner. Geschmiedet und bereitgelegt ist die Waffe, 
poliert und bereitgelegt ist das Eisen. Die Töpfe sind hingesetzt 
und brodeln, || die die Seelen 1 der Bösen in sich bergen. Aufge- ls"> 

5 richtet ist die Wage und sitzt da. Von tausend wählt sie einen 
aus, einen wählt sie von tausend aus, zwei von zehntausend. 2 Sie 
wählt und bringt die Seelen empor, die eifrig sind und sich des 
Lichtortes würdig zeigen. 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 

10 ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



Der Fluß Ksas. 

Der Fluß Ksas, den die Seelen zu passieren haben, wird außer im 
Johannesbuch (149,5; 206,2) nur bei Siouffi genannt (1511, 60, 126). 
Die Furm tf^N^D, die Siouffi durchweg hat, ist wühl durch das häufige 
15 Appellativ N1ÖK1BS (Nöld., p. 41,5; 115,20) beeinflußt. 

51. — Unter die, welche an den Türen liegen 3 , rief er laut 
mit einer Stimme; mit einer Stimme rief er laut von den beiden 
Ufern des Flusses Ksas, des Flusses, dessen Wasser Drachen und 
dessen Wogen Skorpione sind. In ihm sind Feuerbrände, an seinen 

20 beiden Ufern liegen lauter Ketten, an seiner Mündung ist das Gefäß 

für 4 aufgerichtet. Sie nehmen fest und halten dort zurück. 

Die buhlen und stehlen, überschreiten nicht den Fluß Ksas. Die 
Zauberer und Zauberinnen überschreiten nicht den Fluß Ksas. Die 
Nicker und Winker überschreiten nicht den Fluß Ksas. Die Leute, 

25 die Grenzen verrücken, überschreiten nicht den Fluß || Ksas. Die 186 
Leute, die Grenzsteine versetzen, überschreiten nicht den Fluß Ksas. 
Ich jedoch, weil ich gerüstet bin, weil ich der Sohn des Lebens 5 
bin, drang tief in den Fluß, den Fluß Ksas, ein. 6 Nicht schlugen 

1) Wohl NnN % wa" , :b(r)'i K"HT1 Nn-N- zu lesen. 

2) Siehe oben S. 103 r . 

3) Und Eingang ins Jenseits wünschen. 

4) Lies NnirnNbNiab ,.für die den Körper abstreifenden Seelen", 
vgl. 89, 13? Zur Endung siehe Nöld., p. 169. 

5) Vgl. S. 96 » ; 

6) Vgl. syr. }\m1] Brockelmaxx, Lex., p. 107 b. 



l8i Jörabbä. 

mich die Drachen, nicht stachen mich 1 alle Skorpione. Nicht ver- 
zehrte mich das Feuer, nicht vernichteten mich alle Ketten. Nicht 

warfen sie mich in das Gefäß 2 , weil ich Kustä bin und der 

Duft des Lebens auf mir ruht. 

Gelobt sei das Leben; das Leben ist siegreich. 5 



Jorabba. 

Die beiden folgenden Stücke befassen sich mit dem Verhalten von 
S^nne und Mond den Gläubigen gegenüber. Die Sonne wird, wie auch 
sonst, siehe die Einleitung, mit Jörabbä, dem großen Jö, identifiziert; der 
Mond trägt den babylonischen Namen Sin. Jörabbä wird als „kriege- 10 
rischer Mann" bezeichnet. Wir kommen damit in den Kreis der An- 
schauungen Marcions, der den Gott des Alten Testaments als bcllorum 
concwpiscentem (Irenäus), als belli potentem (Tertullian) zum bösen Gotte 
degradierte, vgl. Bousset, Hauptprobleme, p. 109 fr.; E. de Faye, Gnosiiques 
et Gnostkisme, p. 131' ff. Das Verhältnis der beiden Sterne zu den Gläu- 15 
bigen ist ein feindliches, und sie werden eindringlich verwarnt, doch wird 
der Mund mit günstigeren Augen angesehen. Obwohl die beiden Stücke 
sich ergänzen, sind sie doch verschiedenen Charakters und rühren von 
verschiedenen Verfassern her. Im ersten Stücke erscheint als Beschützer 
der Gläubigen Hibil-Ziwä, im zweiten „der Mann". Wir haben hierein 20 
ähnliches Verhältnis wie bei den parallelen Kapiteln 40, 41. 

In den Stücken ist von zwei Hütern die Rede, die Sonne und Mond 
beigegeben sind. Über die Vorstellung von Hütern vgl. S. Q3 6 . Nach 
[93, 4f. ist anzunehmen, daß die Hüter bestellt seien, um das Licht von 
Sonne und Mond zu bewachen, wenn es der Welt entzogen ist. Aber 25 
ihre Funktion wurde nachher anders aufgefaßt, vgl. 187, 13 t. und Siouffi, 
p. 149. 

52. Im Namen des großen Lebens. — Es zitterte und er- 
bebte Jörabbä 3 , der kriegerische Mann: „Auf, setze dich in deinen 



M Vgl. Lew, Chald. Wörterbuch I, p. 112b. 
2) Siehe oben S. i8i< 

Der Auf. mg ist lückenhaft. Die Bedeutung von Wttttm 18« ist 
. . GL 16,19; -' S - S; -'9,20; 31,14; Nöld., p. 248 1 . Jörabbä 
erbebte, als Flibil-Ziwä die Befehle an ihn richtete. 



J'irabbä. 183 

Wagen. Auf, setze dich in deinen Wagen und kreise in dieser 
Welt. 1 Kreise in der Welt und sei ein Richter über alle Welten. 2 
Wenn du eintrittst und wenn du austrittst — am Morgen ging er 
auf, beim Dunkelwerden ging er unter 3 — erhitze dich nicht und 
5 wüte nicht und sündige nicht an meinen Söhnen. Versündige dich 
nicht an meinen Jüngern, die bei dir in der Welt wohnen." 

Jörabbä machte sich auf und begab sich hin, bis er zum Hause 
des Ptahil 4 || kam. Sie 5 , die drei Sterne, nahmen Gebote 6 von ihrem 187 
Vater 7 entgegen. Gebote nahmen sie von ihrem Vater entgegen 

10 und verehren und preisen ihn über die Maßen. Alltäglich steigt 
dreimal die Lobpreisung vor Ptahil empor. Samis nimmt in Hoch- 
mut 8 900 Gebete in Empfang. Sin, der aussätzige, mangelhafte 9 , 
nimmt 300 Gebete entgegen. Libat, die Buhlerin, nimmt in Hoch- 
mut 600 Gebete entgegen, und mit 24 Gebeten preisen sie den Vater. 

15 Wie Jörabbä in seinem Wagen sitzt und in der Welt umher- 

fährt, kam Ewath, die lügnerische Rühä 10 , und erteilte ihm nichts- 



1) Die Form Sn~N" kann sein: 1. Perfekt von *m ,. wohnen" mit 
Fta, so GR 238,4; 251,22; 262,13; Qol 26, 17. 2. Perfekt oder 
Imperativ mit fto als heteroklitische Bildung von N"T ,. tragen", die an- 
scheinend GL 41, 24; 72,11 vorliegt. Jedenfalls ist Nttba fTNn^ statt 
N"TN *"TNn? zu lesen. Aber hier erwartet man eher „kreise darin", also 
etwa Ra'Wrt. Daß SnlNT < n^Si" sei, glaube ich nicht. 

2) Entsprechend der alten Vorstellung, daß Samas der Welten- 
richter sei. 

3) Ein Zitat über die Sonne, das aus einer Randbemerkung in den 
Text hineingeraten ist. Die Worte finden sich Qol 11,23; Cod. Par. 15, 
f. 15a = Cod. 25, f. 19a. Vgl. auch GR 267, 10. 

4) D. h. in diese Welt. 

5) Die folgenden Sätze bis zum Schluß des Absatzes sind aus an- 
derem Zusammenhange hierher geraten. 

6) In ACD der Singular. 

7) D. h. Ptahil. 

8) Siehe S. 33 1 . 

9) Die Bezeichnung als Aussätziger hat der Mond wohl von seiner 
Farbe und seinen Flecken erhalten. GR 231,5: „Von ihm (dem Monde) 
gehen hervor die aussätzigen Männer und Frauen." Die Vorstellung ist 
nicht etwa aus einer Stelle wie GR 118,17 mit Nn~" statt BOaTa hervor- 
gegangen. 

10) NnsKIKS N-— ni03> wird besonders GR 196,24 fr. genannt. 
GR 207, 13; GL 35, 6 heißt sie Kizmp^ Niin nNW. GR 209, 2 nennt 
sie „Ewath Rühä, die Mutter der Ehelosen". Es ist möglich, daß Eva 
in riN"' enthalten ist. 



t $4 Jörabbä. 

nutzige Ratschläge. Sie ermahnt sie, indem sie zu ihnen in Schlech- 
tigkeit über die Söhne der großen Sippe spricht, daß das Leben in 
Zorn geraten sei. 1 

Als die Hüter, die Jünglinge, dies sahen, stiegen sie zum Hause 
des Lebens empor. Sie gingen hin und erzählten Hibil-Ziwä von 5 
den Taten, die Jörabbä in dieser Welt begangen hat. Sie sagten 

188 es Hibil-Ziwä, da machte er sich auf und begab sich zu || seinen 
Brüdern. Er machte sich auf, begab sich zu seinen Brüdern und 
trat vor die Uthras hin. Wie die Uthras dasitzen und überlegen, 
ging Hibil-Ziwä, trat hin, schlug Jörabbä mit der Keule und warf 10 
Rühä von ihrem Throne herab. Er sprach zu ihm: „Was habe ich 
dir gesagt, als du dich zum hinfälligen Hause begäbest? Was haben 
meine Jünger begangen, daß du Schlechtigkeit gegen sie losgelassen 
hast? Schlechtigkeit hast du auf sie losgelassen und ängstigst sie 
innerhalb dieser Welt." 15 

Darauf nahm ich von ihm den Glanz und das Licht und setzte 
ihn in finstre Nebel. Ich nahm die große Krone weg und schlug 
mit der Keule auf sein Haupt. 2 [Ich nahm weg] die vier Strahlen 
des Glanzes, des Lichtes und der Herrlichkeit 3 , und die Hüter flohen 
vor ihm. Tibil stand in Zerstörung da, die ganze Welt ging zu- 20 
gründe. Jörabbä schrie und weinte, [es weinte und schrie] Jörabbä, 
und er klagte in seinem Wagen wegen des Zornes, der über ihn 
gekommen war. Sein Antlitz verfinsterte und verdunkelte sich, und 

189 er stand in seiner ursprünglichen Gestalt 4 da. || Darauf sprach er zu 
Hibil-Ziwä: „Wenn es dir beliebt, sei mir Vergebung von dir ge- 25 
währt. Ich schwöre dir 5 bei den goo Gebeten, mit denen ich 
meinen Vater Ptahil preise. 6 Ich schwöre dir bei jener Stunde und 



1) In Unordnung und lückenhaft. 

2) Ich las früher «bSN [N^ii] Irrur-n rPpS ,, l8l J vgl. 190, 10 f., jetzt 
• u h mit AC rPÖp^m Zu Nb^N siehe S. 166?. 

3) N - Npr" S~T!3T N"PT kommen einem jeden der vier Strahlen zu 
wie den einzelnen Gewändern (vgl. [89,6; 190,1; S. <■)") oder Kronen 

189,7 h Vgl. auch die anispsn «Tinai svrt srunab n^iuj gr 109, 10; 

3I3>24; 337, 17- 

4) Noch bevor er das Licht erhalten hatte. BC haben KmttlSI, 
in AD ist es zweifelhaft, ob Nn~ oder Sn - . 

,5) Nicht „ich beschwöre dich" (Nöld., p. 262 x ), vgl. Z. 13 f. Es 
ist aus einer Pealform verderbt. 
Kr lügt, vgl. S. 183, 14. 



Jörabbä. 185 

Zeit, wo er mich verschlucken und verzehren wollte', wo er mich 
vernichten wollte und du mir ein Erlöser- wurdest. Ich schwöre 
dir bei dem Gewände des Glanzes, des Lichtes und der Herrlich- 
keit, das du mir aus dem verborgenen Orte gebracht hast. Ich 

5 schwöre dir bei den vier Kronen des Glanzes, des Lichtes und der 
Herrlichkeit, die von mir genommen wurden. Ich schwöre dir bei 
dem großen Antlitz der Herrlichkeit, aus dem der Schimmer 3 des 
Glanzes hervorgegangen ist. Ich schwöre dir bei den beiden Hütern, 
die mir auf dem Berge Tarwan [hingestellt sind] mit Fahnen des 

10 Glanzes in hohem Maße 4 , mit mir in Güte reden und in glänzenden 
Reden sprechen." Jörabbä leistete gültige Schwüre und besiegelte 
seine Eide. 

Darauf gab er ihm das Gewand des || Glanzes, des Lichtes und 190 
der Herrlichkeit zurück, das er ihm aus dem verborgenen Orte ge- 

15 bracht hatte. Er gab ihm die vier Kronen des Glanzes, des Lichtes 
und der Herrlichkeit zurück, daß er die Welten erleuchte. Er gab 
ihm das große Diadem des Glanzes über die Maßen. 5 Er rehabi- 
litierte ihn und ließ ihn in seinem Wagen Platz nehmen und gab 
ihm die Wächter wieder, die von ihm genommen worden waren, 



1) Hierüber wird sonst nichts erzählt. 

2) Siehe oben S. 67, 13. 

3) Zu den verschiedenen Bedeutungen von xn"" (79, 12; 159, 9; 
203,6; 271,6) kommt auch noch der Sinn „Schimmer, Glanz"' od. ähnl. 
Dieser Sinn ist besonders GR 222, 2 klar und wurde auch von Brandt, 
Rel., p. 92 erkannt. Der Sinn liegt aber auch GR 348 f. und hier vor. 
Auch sonst dienen im Semitischen Wörter mit der Grundbedeutung des 
Spaltens zur Bezeichnung von Lichterscheinungen. 

4) Die im Kultus der Mandäer verwandten »"nöaNTl haben etwa 
die Form X, vgl. Brandt, Rel., p. 1 1 7 f . Daher wird N1ÖDNT1 geradezu 
mit „Kreuz" übersetzt. Das Leidener Glossar hat p. 105: 'S',: . KwC"i 

^UJLö . >-~J*e crux, sogar p. 102: NwE — : <-*A* crueißgere. Aber dirafs be- 
deutet ursprünglich „Fahne", und die jr^N" 1 im Mand. Diwan s. n. 12 
sind wirkliche Fahnen in der Form, wie sie auch bei uns hergestellt werden. 
Daher läßt sich, wo es sich nicht um die Kultgegenstände handelt, über 
die Form nichts aussagen; so übersetze ich es denn hier nach der ur- 
sprünglichen Bedeutung. ff^T;: paßt nicht zu UO'nüe«. Da es sonst 
mit btnDaN — i verbunden wird, vermute ich, daß es aus diesem Grunde 
irrtümlich an Stelle eines ausgefallenen oder verwischten Wortes, etwa 
"p/2"'Np, hierher gesetzt worden ist. 

5) 189,9 ste ht etwas anderes. Es scheint, daß eine vorhandene 
Lücke, vgl. B, nach 188,9 ergänzt wurde. 



!86 Jörabbä. 

daß sie auf ihn achtgeben ganz und gar; alle Wächter gab er ihm 
wieder bei. 1 

Da rief eine laute Stimme aus dem Verborgenen und ließ ihn 
hören in der dunklen Finsternis: „Weißt du nicht, Jörabbä, daß 
Zorn über dich gekommen ist? Weißt du nicht, Jörabbä, daß ich 5 
dich in dunkle Finsternis gebracht habe? Weißt du nicht, Jörabbä, 
daß ich Plage und Zorn gegen dich losgelassen und alle Wächter 
sich entfernt haben, als ich einen bösen Fluch gegen dich ausge- 
sprochen und dich in dunkle Finsternis gebracht hatte? In dunkle 
Finsternis habe ich dich gebracht, wobei niemand dir zum Erlöser 10 
wurde. Rühä, deine Mutter, und Christus und die Planeten und die 
zwölf Sternbilder waren in finsteren Nebelwolken versteckt und 
konnten gegen meine Kraft nichts ausrichten. Weißt du nicht, 
191 Jörabbä, daß ich wie das Senken der Augenwimper 2 hierher || ge- 
kommen bin? Weißt du nicht, Jörabbä, daß du nur meinetwegen 15 
in der Welt leuchtest? Weißt du nicht, Jörabbä, daß ich nur meiner 
Söhne wegen dir Festigkeit und Achtsamkeit gebracht habe? 3 Weißt 
du nicht, Jörabbä, daß ich deine Gestalt verfinstern und erbeben 
lassen kann?" 4 

Darauf weinte er in seinem Wagen und sprach zu Hibil-Ziwä: 20 
,,Wcnn ich mich an deinen Jüngern versündigt habe, dann mag Pein 
und Folter gegen mich erhoben werden. Doch bei deinem Leben, 
Hibil-Ziwä, und beim verborgenen Orte, aus dem du gekommen 
bist; bei deinem Leben, Hibil-Ziwä, (schwöre ich,) daß ich nicht 
gegen deine Söhne gesündigt habe. Nicht habe ich gegen deine 25 
Jünger gesündigt, die bei uns in der Welt wohnen." 

Hibil-Ziwä stieg dann zu seinem Orte empor, doch Jörabbä 
verurteilte er in das hinfällige Haus. Er trat hin, um im Hause zu 
warten, bis die Tibil zu Ende geht. Als Jörabbä in seinem Wagen 
hinausfuhr, sprach er zu ihm in glänzenden Reden. 5 Er fürchtete 30 
sich und sprach: „Ich will an den Söhnen der hehren Gemeinschaft 



1) Dieser ganze Absatz verträgt sich nicht mit dem Folgenden; es 
ist ein sekundärer Einschub. 

2) Vgl. S. 694. 

3) [ch vermute ^NSribn :-ü: v :x. An sich könnte NDpin auch „Hel- 
ligkeit'- bedeuten, aber GR 301, 22 sind NttTaiSl nhiNmNTi Nipin zusam- 
mengestellt, vgl. auch 194,2. NmtfMNT gehört zu "iNSiNTry. 

)l Vielleicht zu Kttia ^jötmaib tomssubn «■OliBNr-tb herzustellen. 
5) Unsicher, vgl. 195, 1. 



Sin. 187 

Gutes tun." Doch da kam die lügnerische Rüha und teilte ihm 
Zauberei und nichtige Werke || mit. Sie nahm von ihm *******.* 192 
Da wurde er voll von Bosheit, da wurde er von Bosheit voll und 
vergaß die Furcht und Angst, bis am letzten Tage ihnen 2 das Recht 
gesprochen wird. Alle Dämonen sinken in die Finsternis hinab und 
sterben eines zweiten Todes. 

Und das Leben ist siegreich. 



Sin. 

53. — Als 3 die Helligkeit 4 aus ihrem Orte geschaffen war 5 , 

10 ging [der Mann] eilig, kam zur Welt des Fehlerhaften und verlieh 
sie Sin in Fülle. Der Mann, der ihm die Helligkeit verlieh, rief 
ihm eindringlich Warnungen und Verordnungen zu. Er sprach zu 
ihm: ,,Das Gewand der Helligkeit gebe ich dir 6 , damit du damit 
die Dunkelheit des hinfälligen Hauses erhellest. 7 Wenn der Glanz 

15 der Sonne sich verdeckt, wird deine Helligkeit aufsteigen. Wenn 
der Mann bei seinem Weibe unter deinem Horoskop liegt, wird die 
Saat unter deinem Zeugnis 6 zustande kommen in der glänzenden 
Wurzel. Beleuchte du ihr Antlitz und befreie sie von Schmerzen 
und Gebrechen und von allen den Gestalten, die zu nichts nützen, 

20 sowie von der Schlechtigkeit und dem Leid des hinfälligen Hauses. 
Denn die Wurzel der lebenden 6 Saat wurde deinen Händen || an- 193 
vertraut. Beleuchte du und erhelle und halte aufrecht ihren Stamm 
in hohem Maße." 

Da sprach Sin 6 zu dem Manne, der ihn mit Helligkeit bekleidet 

25 hatte: „Einen Tag im Monat bleibe ich verborgen, und meine 
Strahlen sind verhüllt. [Verhüllt ist] meine Helligkeit, und die beiden 
Hüter geben darauf acht. 8 Wenn ich nicht da bin und die Männer 
dann bei ihren Weibern liegen, so werden, wenn das Weib an jenem 



1) Oder: ich nahm; jedenfalls ein Bruchstück. 

2) Den Dämonen etc. 

3) Das Stück steht auch GR 3 1 1 f. 

4) Vgl. S. zr- 

,5) B hat n-o^ny, siehe S. 27 1 . 

6) So besser im Ginzä. 

7) Lies rja"\sn::Nni. 

8) Einige Berührungen mit GL 56, 3 ff., vgl. auch Brandt, Rel., p. 62 
und Anm. 2. 



188 Sin - 

Tage empfängt, Stumme und Taube und häßliche Gestalten aus 
ihnen hervorgehen. Wenn sie an jenem Tage empfängt, werden 
Taube und Aussätzige, Hand- und Fußlose aus ihnen hervorgehen. 
Die Planeten verwirren den Samen und tun ihm alles Böse an." — 
„Die an jenen Tagen zustande kommen 1 ", sagte der Mann zu ihm, 5 
der ihn mit Helligkeit bekleidet hatte, „sind für unsere Stämme un- 
tauglich. 2 Nicht werden sie uns zugezählt und nicht zu unserer 

194 Wurzel gerechnet für alle Zeiten. Eine Wurzel || der Finsternis ist 
es; sie wird zum Neste zurückkehren, aus dem sie gekommen ist." 
Darauf rief er ihm zu, gab ihm Befehle und spornte ihn an und 10 
ließ auf ihn Festigkeit und Achtsamkeit. 3 „Gib acht", sagte er zu 
ihm, „auf die Gemeinschaft der Seelen, die wir in der Welt zurück- 
gelassen haben." 

Er verbeugte sich und entfernte sich von ihm 4 und ging zum 
Hause des Abathur. Er machte sich auf und stieg zu den Wacht- 15 
häusern hinab. Er machte sich auf und stieg zu den Wachthäusern 
hinab, um die Rechnung in jeder Hinsicht vollständig zu machen. 5 
Am Tage, an dem er 6 der Tibil entzogen ist, in den Stunden, 
an denen er von der Welt verborgen ist, läßt er 7 wegen der An- 
stöße, die er gegen die Jünger schleudert, Pein, Bedrückung und 20 
Marter gegen ihn los. Angst, Furcht und Schrecken zeigt er ihm, 
bis er stirbt und vergeht, sich verfinstert und seine Gestalt aussieht, 
wie sie nie gewesen. s Wenn er aus den Wachthäusern heraus- 
kommt, wird ihm seine Farbe weggenommen. Seine Farbe wird 
ihm weggenommen, und seine Gestalt sieht aus, wie sie nie gewesen. 25 

l'.>:> Hernach setzt er sich in seinen Wagen || und zieht helle Strahlen 
an. Sie spannen die starke Helligkeit über ihn, und er tritt seine 



1) Nach dem Ginzä. 

2) Im Text stellt dies und die Fortsetzung im Singular. 

3) Die dritte Person statt der ersten mit Beziehung auf Sin nach 
rinn Ginzä. Wie das folgende RblNMN zeigt, hat sie auch hier ursprüng- 
lich gestanden. Statt NnftflNT lese ich nach Ginzä ABC NniNnw, vgl. 
-iNrwiT? im folgenden und [91,3 (S. iS6>); GR 301,22. Danach fasse 
ich auch hier Bttpin nicht im Sinne von „Helligkeit" auf. 

4) Nach dem Ginzä. 

5) Nach den letzten Worten beziehen sich die Sätze auf Sin. Ob- 
wohl sie auch im Ginzä stehen, scheinen sie ein Einschiebsel zu sein. 

6) Der Mond. 

7) Der Mann. 

8) Vgl. S. 180 2 . 



Sin. 189 

Wanderung durch die Welt an. Am ersten Tage erscheint er an 
der Spitze des Himmels. Dieser öffnet sich 1 , worauf er vom oberen 
Himmel herauskommt und am unteren Himmel zur Ruhe geht. 2 
Bis zum zweiten Tage leuchtet nicht 3 seine Helligkeit über alle 

5 Welten. Bis zum siebenten Tage im Monat redet Sin in der Stimme 
des Lebens. In der Stimme des Lebens redet er, weil er die Furcht 
und die Angst vor dem Leben im Sinne hat(te>. Wenn er über 
den siebenten Tag hinaus ist, hat er schon die Furcht und Angst 
vergessen. Vergessen hat er Furcht und Angst und schleudert 

10 Böses in die Welt. 

Euch sage und erkläre ich, ihr Männer, die ihr das Leben 
bezeuget: Seid fest und ertraget die Verfolgung im hinfälligen Hause. 
Denn :! gar bald wird die Tibil untergehen und die beiden Berge 4 



1) Ginzä: Am ersten Tage, an dem er erscheint, öffnet sieh die 
Spitze des Himmels. 

2) Zweifelhaft, eigentlich „stützt sich". 

3) Nach dem Ginzä. 

4) Mit den beiden Bergen können hier nur Sonne und Mond ge- 
meint sein. Die Bezeichnung ist schwer verständlich und aus anderem 
Zusammenhange zu erklären. „Zwei Berge" werden auch sonst in den 
mandäischen Schriften genannt. GR 106,22: „Sie brachten Wasserminze 
und Ocimum Basilicum (Low, p. 272, 152), deren Duft aus der Skinä der 
beiden reinen Berge kam." GR 321,23 (nach verschiedenen BTOS 1 »): „Er 
wird die beiden reinen Berge sehen, die sanft sind und an ihrem Orte 
sitzen." GR 360, 7: „Der Hüter bin ich des reinen Taiwan (vgl. S. n63), 
der Sohn des großen Nbat. Ich bin der Sohn des großen Nbat, aus 
den beiden reinen Bergen bin ich hervorgekommen." Oxf. 32a (schlecht 
Morgsof.): R-ma y m n «Ta n*6n Rnarauj R-rai «— a ynr ewa 
fnsaa N---7 N-'-n -r\s- -\vaen rto-o« >n=- sr:-:c s^prta tr«r 
— -: -sr-sr nVwtt R"»pbKöl RpVT N'T~3 STO'raprVH R^RpnTO „Zwi- 
schen den zwei Bergen und den v drei Skinäs, zwischen den zwei Bergen 
hat Jawar der auserwählte seine Skinä aufgeschlagen. In der Skinä, die 
Jawar aufgeschlagen, finden die Männer von erprobter Frömmigkeit ihren 
Platz. Ihren Platz finden dort die Männer von erprobter Frömmigkeit 
und steigen dann empor und schauen den Ort des Lichtes." Wir sehen 
hier also die beiden Berge als Stätte und Herkunftsort guter Dinge und 
göttlicher Wesen. In Zach. 6, 1 kommen die vier Wagen D"nfltt "»SB T"."r 
hervor. In der Vision des Elxai (Hilgexfeld, Xovam Testamentum extra 
canonem 2 , p. 233; Brandt, Elchasai, p. 60) erscheint das uytov nvevfia 
über einer Wolke ävä iieoov ovo öokov. Die zwei Berge als Szenerie 
für Visionen und Epiphanien dürften der des am Morgen erscheinenden 
Sonnengottes entlehnt sein. Auf babylonischen Zylindern findet sich häufig 



jgo Sin. 

zusammensinken. [Zusammensinken werden] die beiden Berge, und 
196 die Kraft des Lichtes || wird von ihnen genommen werden. Weg- 
genommen wird die ganze Festigkeit, die sie in hohem Maße hatten. 
Ihre Gestalt wird dunkel und verächtlich 1 und sieht aus, wie sie 
noch nie vorher ausgesehen hat. Die Seelen, die sich zu ihnen 5 
bekannt haben 1 , heulen und schreien und weinen von ihrem Orte 
aus und sagen zu ihnen 1 : „Als wir in dieser Welt waren, leuchtete 
euer Glanz über alle Welten. Wir zeugten für euch und verehrten 
euch und priesen euch über die Maßen. Warum wurde jetzt eure 
Gestalt verächtlich und wurde dunkel und finster, wie sie es nie 10 
gewesen?" Die Planeten hatten keine Aufklärung, die sie ihren 
Verehrern darüber geben konnten, wie es zugegangen war. — Die 



die Darstellung, wie Samas zwischen zwei Bergen hervorkommt, z. B. 
Gressmann, Texte und Bilder II, p. 12; Jastrow, Bilder mappe zur L'eli- 
gion Babyloniens und Assyriens, n. 171. Das Bild muß in einer Gegend 
entstanden sein, in der der Horizont im Osten mit Bergen abschließt, 
und die zwei Berge sind die schematische Darstellung eines Gebirgskammes. 

In den Hieroglyphen wird „Gebirge" durch C^2 und „Horizont" durch 
fOi , d. h. die Sonne zwischen zwei Bergen, dargestellt. Vielleicht be- 
deutet auch das im kretischen Kulturkreise häufige Bild 1^— 'I (vgl. Dussaud, 
Les civilisations prehelleniques , p. 195 ff.), das als zwei Votivhörner auf- 
gefaßt wird, die beiden Berge, und die Labrys in der Mitte den Zeus 
zwischen ihnen. 

\;n h dem aramäischen Achiqar- Roman (Pap. 52, 14, vgl. Ephem. III, 
p. 255,4) soll Achiqar bezw. der Sklave zwischen zwei Bergen (N^IU *pn 
■j—n —~n) hingerichtet werden. Es ist möglich, daß der Ort als Kult- 
stätte und die Hinrichtung als Opferung gedacht wird. Dazu paßt gut, 
dal) in den Sprüchen des Romans besonders C5UTI3 als Gott hervortritt, 
vgl. Smend, Theol. Litrxtg. 191 2, Sp. 392. Leider ist das Stück zu frag- 
mentarisch, als dal) man sich ein sicheres Urteil über die Frage bilden 
konnte. 

Die beiden Berge waren also etwas Gegebenes. Das Bild lieh sich 
verschiedentlich verwenden, /.. I!. für zwei mächtige Reiche. Ich habe 
auch erwogen, ob es hier so aufgefaßt werden kann, aber der ganze Zu- 
immenhang spricht dafür, dal) Sonne und Mond gemeint sind, so wider- 
sinnig die Bezeichnung auch sein mag. Sonne und Mond werden auch 
sonst mit bergen in Verbindung gebracht. In Bergen sollen sie hausen, 
und sie werden auch anderwärts mit bergen identifiziert, vgl. Gressmann, 
Israelitisch -jinlischi Kschalolntjie, p. [o8ff. 

1) Nach dem Ginzä. 



Der fremde Mann in Jerusalem. igi 



Planeten und ihre Verehrer und ihre Seelen 1 und alle ihre 

Unfälle, aber auch die Seelen der Kinder der großen Gemeinde des 
Lebens, die an sie glaubten 2 , werden in den unteren Seol hinab- 
sinken. Sie werden in die große Schlange fallen, deren Name Ur, 
5 Herr der Finsternis, ist. Doch von jenem Tage an || werden unsere 197 
Seelen und die Seelen unserer frommen Brüder und unserer gläu- 
bigen Schwestern, die Seelen der rechtschaffenen und gläubigen 
Männer erlöst und errettet werden. Sie werden emporsteigen und 
den großen Ort des Lichtes schauen. 
10 Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 

ist der Mann, der hierher gegangen ist 




Der fremde Mann in Jerusalem. 

Im Ginzä wird an einigen Stellen vom Erscheinen des Anos-Uthra 
in Jerusalem erzählt, vgl. Brandt, Rel., p. 147 ff. Diese Vorstellung wird 

15 hier als Einführung zu einer Polemik gegen Judentum und Islam benutzt. 
Die Einführung zeigt Berührungen mit den Mirjai- Stücken und mit dem 
letzten Abschnitte dieses Buches. Anfangs ist es der „fremde Mann" 
(197, 16), der spricht, weiterhin Mandel dHaije (201,5), bald darauf Hibil- 
Ziwä. (201, 13). Namentlich das Stück 201, 8 ff. könnte angefügt sein, 

20 aber auch sonst werden die Personen hier durcheinandergeworfen. 

54. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Ich wollte und will mich nicht hinaufbegeben nach der Ort- 
schaft Jerusalem 3 , dem Orte, der ein Ort Böser ist, der Burg 4 , die 
25 lauter Sünder ist, dem Orte der Sünder, der Burg, die Adonai 
gebaut, der Burg, die Adonai gebaut, und in die er Lüge in Fülle 



1) "rNwN'TT "|"S'wi, das etwa heißen könnte „die würdig sind und 
nicht abwichen" (vgl. fi^öi» yi2 ^3KTÖ«b GR 13, 13), ist ebensowenig am 
Platze wie "pSllBm im Ginzä, Das Richtige mag von beiden Lesungen 
weit abliegen. 

2) Nach dem Ginzä. 

3) Ähnlich Morg 71, 7 ff, wo Oxf. 52 a besser hat BWaÄÄM^I rP3SNb 

«baNS smtna HaTiTni (l. Fto-iKTab), 

4) Lies NT"l!"JNÖ1, vgl. Z. 10. 



102 Der fremde Mann in Jerusalem. 

hineingebracht hat. 1 In Fülle hat er Lüge hineingebracht, und 
gegen meine Jünger ward Verfolgung. 2 Wie wenig Behagen und 
Lust hatte ich, nach dem Orte Jerusalem hinaufzusteigen! Als ich 
nun nach der Stadt Jerusalem kam, öffnete Adonai den Mund und 
sprach mich vom Himmel aus an. Adonai sprach mich vom Himmel 5 

198 aus an und sagte mir: „Wohin gehst du, du fremder Mann, || gegen 
dessen Willen die Burg gebaut wurde? Die Burg wurde gegen 
deinen Willen gebaut, in der du einen Fang zu machen suchst." 
Darauf sprach ich zu Adonai, über den meine Heldenwerke voll 
waren :; : „[Ich habe dort] meine Brüder Jaqif und Beni-Amin, die 10 
beiden Goldsöhne. Ich habe Mirjai, die Vollkommene, die mir 
Generationen und Welten wert ist." 

Als Adonai [dies] hörte, rief er Rühä und sprach zu ihr: ,,Was 
für Leute aus den Gemeinden des Lebens sind hierher gekommen? 
Einen Fang wollen sie bei uns machen. 4 Komm, wir wollen ein 15 
Buch des Frevels und des Truges schreiben, mit dem Generationen 
und Welten gefangen werden sollen." Hernach sprach Rühä den 
Befehl aus, worauf Nbu und die Sieben die Thora schrieben 5 und 
zusammenreihten. 6 Sie, sie haben die Thora geschrieben und zu- 
sammengereiht und in die Hände des Samis- Adonai gelegt. Adonai 20 
rief durch seine Wunderwerke den Mlää bar Amrä, setzte ihn 7 auf 
den Berg Sinai, vierzig Tage verschloß er ihm den Mund vor Speise 

199 und Trank, vor Speise und Trank verschloß er ihm den Mund und 



1) Dil- Erbauung Jerusalems wird mehrmals in den mandäischen 
Schriften berührt: GR 23 u.; 50,10; 52,24; 329; 381. Nach GR 50, 10 
wurde Jerusalem von Salomo erbaut, indem Tempelbau und Stadtbau 
zusammengeworfen wurden. Besonders gehässig ist die Schiklerung GR 329, 
wo die Gründung der Stadt auf Rühä und ihre Söhne, die Sieben, zurück- 
geführt wird. GR 38 1 werden Jörabbä- Adonai, Rühä und die Sieben als 
Erbauer genannt. Daß Adonai die Stadt gebaut habe, war eine für die 
Mandäer naheliegende Annahme. Die Vorstellung kann aber auch durch 
die Wendung D?blD5rT] fTTia Ps. 147,2 und daraus im Achtzehngebet hervor- 
gerufen sein, wo n:a aber ..wiederaufbauen" heißt. 

2) Es kann auch heißen ..er wurde zum Verfolger", Nökk, p. 418. 

3) Soll wohl bedeuten: dem ich mit meinen 1 leidenwerken ge- 
wachsen war. 

4) GR 381m sucht Adonai mit seinen Bundesgenossen durch den 
Bau Jerusalems ..einen Fang zu machen". 

5) Siehe auch S. 8 I, l<> I. 

*>) Es ist wohl nicht gerade an die Einteilung in -j — no gedacht. 
7) Lies ftamN. 



Der fremde Mann in Jerusalem. 193 

gab ihm das Buch des Frevels, durch das Generationen und Welten 
gefangen werden sollten. 

Meine Auserwählten! Ich erkläre euch über die Juden, daß 1 
ihre Schrift nicht vom Lichte gekommen ist. Wäre ihre Schrift 
5 vom Lichte gekommen, so ständen sie alle in einer Verfassung. 2 

Meine Auserwählten! Ich erkläre euch über die Araber, daß 
ihre Schrift aus der Thora genommen ist. Aus der Thora ist ihre 
Schrift genommen, doch wollen sie die Thora nicht anerkennen. 
Sie beschneiden sich wie die Juden, und doch fluchen sie den Juden. 
10 Sie wissen nicht, daß Rühä die Juden verworren und Unruhe unter 
sie geworfen hat. Ein jeglicher beschimpft den andern, und sie 
wissen nicht, wen sie anbeten. 

Meine Auserwählten! Von dem Tage, an dem Jerusalem ge- 
baut wurde, bis der Dämon Bizbat' kam, konnte ich nicht unter 



i) N'*N~i wohl pleonastisch mit Bezug auf die folgende Aussage, 
vgl. Xöld., p. 3850b. Man könnte es auf n-wl;--^ beziehen: ..welche 
existieren", aber ein solcher Zusatz hätte nur einen Sinn, wenn, wie in 
GR 24, 11, noch etwas dabei stände. 

2) n:n*2 wird im Mandäischen wie im Syrischen im Sinne von 
„Natur" gebraucht, siehe S. 5,5,11. Hier bezieht es sich wohl in erster 
Linie auf den Glauben der Juden. Im Ginzä wird an mehreren Stellen 
den Juden wie den Christen vorgeworfen, „daß sie nicht in einer Rede 
dastehn- (n~:-n-x't nV:n\: N-rnal): R 24, 1; 46, 1 1 f. - - 24, 13 t.; 120, q. 
Die Auffassung der Worte bei Brandt, Sehr., p. 40 2 ist nicht richtig. Es 
wird auf Parteiungen bei den Juden und Christen hingewiesen, wie be- 
sonders aus GR 24,14fr.; 120 zu ersehen ist. Beachte auch sonst die 
Polemik gegen die Juden an den angeführten Stellen, namentlich GR 45 f. 

3) Damit ist Muhammed gemeint. GR 29,21; 61,7 wird dieser als 
S< >hn des wN27"3 bezeichnet, der Gebrauch schwankt also wie bei 'Abd- 
allah. Bereits in der Bleitafel Klein A, die sicher aus vormuhammeda- 

ischer Zeit stammt, wird i:N2T*a genannt. I, Z. 36 fr.: -rns üiWna TD" 

-~—Z~> ..Gebunden sei Bizbat, der Vater der Dämonen'' (auch Oxf. Rolle G, 

'•■ 3^5 N^ilNöl itvzn ^NZVi). Bizbat ist also ursprünglich der Name 

.es Vaters der Dämonen, dann wurde Muhammed als dessen Sohn an- 

esehen (GR 29, 2 1 f . ist N~~X3 Apposition zu ^Nnr::; bei Brandt, Reh, 

1. 159; Sehr., p. 49 nicht richtig übersetzt); später wurde der Name auf 

vluhammed selber übertragen. Über das Wesen des Bizbat findet sich 

eine nähere Angabe, es läßt sich also nicht sagen, worauf die Kombi- 

lation beruht. Der Name Muhammed wird auch ^N"N~N":, in der Oxforder 

^< «lle G, Z. 369 sogar ^X2Nn -, 2 geschrieben, trotzdem wurde die Identi- 

ikation nicht durch die lautliche Berührung veranlaßt; die Form ^xzn~"": 

iürfte umgekehrt durch die Identifikation beeinflußt sein. Im Mund. Diwan 

mter 24 wird eine Nn*b*b Elf auch BNa'iNa ~'V""ZV BSWniÖ genannt. 

Lidzbarski, Johannesbuch. 1 3 



I() , Der fremde Mann in Jerusalem. 



euch in der Welt wohnen. Mein Gewand war kein körperliches, 
daß ich unter euch in der Welt wohnte. 1 Ich stieg in die Höhe 
und trat zu den Msunne Kustä, ich setzte mich da hin und sprach: 

•200 „Wohl und abermals wohl dem, der auf sich achtgibt. Wer auf 
sich achtgibt, hat nicht seinesgleichen in der Welt."- Ich spreche: 5 
„Wie weh ist mir um meine Jünger, die in jenem Zeitalter leben; 
sie mißachten die Perlen und fehlen und vergehen sich gegen mich. 
Wie weh ist mir um meine Jünger, die in jenem Zeitalter leben: 
Rühä ließ los und trieb gegen sie Schmutz und Menstrualblut und 
stürzt sie hinab zu den Toren der Finsternis. 8 — Wie weh ist mir 10 
um meine Jünger, die in die Gefangenschaft der Rühä geraten sind. 
Sie ließ gegen sie Wogen der Unzucht, des Gesanges und der 
Hurerei los und stürzt sie hinab zu den Toren der Finsternis. — 
Wie weh ist mir um die Söhne der Männer von erprobter Fröm- 
migkeit, die ****** '" 

Ein jeder, der in den Jahren des Dämons Bizbat die Kopf- 
binde um sein Haupt legt, ist mir Generationen und Welten wert; 

201 er ist mir mehr wert als tausend. Wenn || er den Körper verläßt, 
wird er zwischen den Uthras des Lichtes seinen Platz finden. — 
Ein jeder, der in den Jahren des Dämons Bizbat die weiße Fahne 4 20 
[hochhält?], den Ruf und die Stimme [hört?J 5 und zum weißen 



Andererseits wird ebenda B, Z. 47 ein tnriND round xrsi V2 erwähnt. 
[ch möchte bei dieser Gelegenheit bemerken, daß, obwohl es nahe- 
liegt, N-nND vom babylonischen sähiru herzuleiten und danach im Sinne 
,Zauberer" aufzufassen (vgl. auch >^H> docn für den PmraJ K^FlSö 
wenigstens die Bedeutung „Dämonen" gesichert ist. Es steht in der Regel 
mit N---.N- zusammen, vgl. auch GR 394,1; Nöld., p. II3,|- 

i) Die Angabe ist aulfällig, denn die Jahrhunderte vor dem Islam 
waren sicherlich eine Zeit starker religiöser Betätigung bei den Mandäem. 
In der Tat hat GR 302, 1.4 11". gerade das Gegenteil und damit das Rich- 
tige, vgl. Brandt, Rel., p. 59, 1 59. Wahrscheinlich zog sich ..der Mann" 
h dem Einbru« h des Islams wegen der zahlreichen Abfälle in seiner 
Gemeinde zu den Msunne Kustä zurück, siehe weiterhin. 

2) Siehe 184, 6 f. 

3) Rühä ist hier Vertreterin des Unglaubens und des Bösen, nicht 
des Christentums. Muhammed selbst wird im Mand. Diwan in der Bei- 
schrift zu 18 als Sohn der Rühä bezeichnet. 

4) Das ist die Fahne des Mandäertums. 

5) nr--N-, das sich zug nl S"S"- NiZ»&m und Nribsfcn Nbe*p 
beziehen soll, ist kaum in Ordnung, vgl. «b^KM B und GR 29,24; 30, 1. 



Der fremde Mann in Jerusalem. 105 



Jordan hinausgeht, dem wird man mit Fahnen des Glanzes 1 ent- 
gegengehen aus dem Orte des Lichtes. — Einem jeden , der Mandä 
dHaije zu sich ruft, werde ich, Mandä dHaije, ein Beistand sein. 

Meine Auserwählten! Wenn ihr Opfergaben 2 für die Götzen 
5 sehet, dann hat entweder euer Verstand gelitten, oder man verkehrt 
euch den Sinn. Das erste Zeitalter gehörte nämlich ganz unseren 
Gemeinschaften. Das zweite Zeitalter gehörte ganz unseren Gemein- 
schaften. Das dritte Zeitalter gehörte ganz unseren Gemeinschaften. 
Das vierte Zeitalter 3 war lauter Schlechtigkeit. Von ihm Schlech- 
10 tigkeit ******. 4 

Ein jeder, der auf diese verborgene Rede, die aus meinem, 
des Hibil-Ztwä, Munde hervorgegangen ist, horcht und hört, — o 
welch ein Ort ist ihm hergerichtet! Wer aber nicht auf sie horcht 
und hört, — welche Pein harrt seiner im Orte der Finsternis! So 
15 horchet und höret denn, meine Auserwählten, und lasset || eure 202 
Gemeinschaft 5 zum Orte des Lichtes emporsteigen." 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



1) GR 30, 1 hat S-tTÜNTl. Die beiden Wörter werden in den Hand- 
schriften durcheinandergeworfen, vgl. S. 185+ und Brandt, Sehr., p. 4g 4 . 

2) s" 1 : hat an den sonstigen Stellen wahrscheinlich, diese Bedeu- 
tung, vgl. Brandt, Sehr., p. 99 \ Nöldeke, Neue Beiträge, p. 63, Pogn., 
p. 255. Hier wird offenbar gesagt, daß der Anblick der N"" auf einer 
Sinnestäuschung beruhe, danach können es nicht wirkliche Opfergaben sein. 
Es scheint mir nicht ausgeschlossen, daß der Verfasser von der Bedeutung 
der N-:\" keine Kenntnis mehr hatte, auch die Stellen GR 301 f. nicht 
kannte und in ;x*ra nach dem Arabischen Ginns sah. In der jüdischen 
Zauberschale ZK II (1885), p. 115 f. kommt rv:r\ri wa vor, wozu die 
Bemerkungen Grünbaum's, p. 225 und Montgomery's, Aramaic Incari- 
tation Texts, p. 80 zu vergleichen sind. 

3) Nir; kann nicht hierher gehören. 

4) Mit diesen Zeitaltern können nur die großen Weltepochen gemeint 
sein, vgl. S. 93. Das erste Zeitalter ist das Adams, das zweite das der 
Rani und Rüd, das dritte das der Surbai und Sarhabel, das vierte das 
der Sintflut. Nach GR 26 f. stiegen die Seelen der drei ersten Zeitalter 
zum Licht empor. 

5) Kann auch Plural sein. 




13* 



jq6 ITibils Klage. 



Hibils Klage. 

55. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

O wie will ich mich dann freuen 1 , wo mir so weh und bang 
ist in der Behausung der Bösen! O wie will ich mich in meinem 5 
Herzen freuen außerhalb 2 der Werke, die ich in dieser Welt ge- 
schaffen habe! Wie lange soll ich einhergehen und wie lange sinken 
innerhalb aller Welten? Wie lange soll ich die Uthras erleuchten 
und wie lange den Schatz hinaufschaffen 3 in das Haus des gewal- 
tigen (Lebens)? 4 Wie sehr will ich mich freuen und meine Seele 10 
zu meinem Vater emporschauen lassen! Wie sehr will ich mich 
über die Werke freuen, die ich an den Armen und Kindlein getan! 
Wie sehr will ich mein Herz besänftigen und will ich mein Inneres 
beruhigen! 5 Wie lange soll ich Kraft den Uthras und Rede den 
Gewaltigen in der Welt bringen? 6 Wie lange soll ich die bösen 15 
Geister niederhalten und die Widerspenstigen hinmorden? Wer von 
euch will mich von dem hochmütigen Abathur befreien? Wie lange 
203 soll ich || die Werke auf meinem Nacken tragen und erdulden? 7 
Wie lange soll ich den Sonntag niederwerfen 8 und verfolgen, wie 
lange niederwerfen diese Welt? Wie lange soll ich Kraft und Festig- 20 
keit nach dem Zöllnerhause bringen, die nicht da sind? Wie lange 



1) Hibil ist es, der spricht, vgl. 204,13, der hier als Dcmiurg er- 
scheint, vgl. 205,6 und Brandt, Rel., p. 44. Derselbe Eingang findet sich 
auch GL 89, 1; 108,16, aber dort ist es der einzelne Mensch, der sich 
nach Befreiung von der irdischen Welt sehnt. Siehe auch das Stück 73. 

2) Die Stellen im Ginzä zeigen, daß nNSb an dieser Stelle ursprüng- 
lich ist, daneben wird aber noch -,Nnb dagestanden haben. Vgl. auch 
S. 129 2 . 

3) Lies p^DN^, vgl. auch 204, 5. Hier ist die Schreibung wohl 
durch -N-:n^* beeinflußt. 

4) Ks ist mir nicht klar, inwiefern er die Uthras erleuchtet und 
welchen Schatz er hinaufschaffen soll. Die Seelen oder Gebete? Eher 
versteht man die Erleuchtung der Uthras durch die Simath-Haije 210, ii. 

5) Lies THNttjy. 

6) i-'r-rrN ist am ehesten Perfekt (< ■jibTPrv»), doch scheint es 
mir nach dem Folgenden für "bviwr zu stehen. Vgl. auch Nöld., p. 2 15. 

7) Vgl. den „Träger'', den 'Ü/ilk/oqos des Mani, siehe auch zu 

242,I3- 

8) Dies erwartet man beim Sonntag nicht, da es ein guter Genius 

ist, siehe oben S. 68 3, auch 20b, 12. Hier und im folgenden sind die 

Formen enioy, N'T'^2, fi^TW durcheinandergeworfen, ebenso bei üfip. 



Hibils Klage. 197 



soll ich die Hengste bändigen und ins Joch bringen.' 1 Wie lange 
soll ich pflügen und wie lange Samen ausstreuen in der Welt? Wie 
lange soll ich säen, wie lange ernten und wie lange Vergängliches 
austeilen? Wie lange soll ich die Bösen und Toren drücken, sie 
5 in Töpfe werfen und sie da kochen lassen?- Wie lange soll die 
Wagschale leicht bleiben 3 , und wie lange noch soll Abathur zu Gericht 
in der Welt sitzen? Wie lange soll ich Samis schlagen und ihn in 
dieser Welt verurteilen? Wie lange soll ich ihn zugunsten der Männer 
von erprobter Frömmigkeit ermahnen, die in dieser Welt wohnen? 4 

10 Wie lange soll ich die Wachtstationen schlagen und Sin in sie 
werfen? Vom Dreißigstem?) bis zum Dreißigsten werfe ich ihn in 
siedende Töpfe. — Wie lange soll sie (die Erde) noch die Saat 
aufnehmen und die Frucht sich in der Welt ausbreiten? 5 Wie 
lange sollen noch die Schiffe versinken || und wie lange sich zum 204 

iS Orte des Lichtes erheben? 6 Wie lange soll ich lebendes Wasser 
ausmessen und in das trübe Wasser gießen? Wie lange sollen die 
Uthras tragen und wie lange Schmutz und Schlechtigkeit auf sich 
nehmen? Wie lange soll es dunkel, wie lange hell werden, und 
wie lange soll ich Perlen dem Vergänglichen überlassen? Wie viele 

20 sollen an meiner Angel 7 hängen bleiben 8 und soll ich Arme und 
Verfolgte emporziehen? 9 Wie lange soll ich die Berge schlagen 
und Vergängliches in Finsternis hüllen? Wie lange soll ich Ketten 10 



1) -prr-N: (vgl. Nöld., p. 254, 1) könnte nur heißen „er führt" oder 
„wir führen sie ein". Man erwartet --rr-S": 1 . 

2) TNwNz;- statt V-w'Nz:-- wohl unter Einfluß des b, doch siehe 
auch S. 1963. 

3) Vielleicht ist bfitp^ zu einer Form von bpn zu ergänzen. 

4) Vgl. Kap. ,52. 

5) Diese Auffassung des Satzes ist nicht ganz sicher. Jedenfalls 
haben die Handschriften K31Ü, nicht rr.'-. 

6) Hier sind wohl nicht die Planetenschiffe gemeint; vielleicht Schiffe, 
die die Seelen zum Lichtorte führen, vgl. 206,10; GR 320, 2. 

7) Unsicher, vgl. S. 148 s. 

8) na-'rp, f^briN könnte auch für r^'-ri' stehen, dann hieße es 
..wie viele soll ich hochheben - . 

9) Lies p-CKV, vgl. S. 1963. 

10) Nöld., p. 169,17 ist KnfiWT« mit „Stricke" nach talm. «'tritt 

übersetzt. Weiterhin steht :cn bei «n« Pffl und im Mand. Diwan 

23,21 werden 'tt von Gold und Eisen genannt; es sind also eher Ketten. 
Ebenda 37, 36, 33 sind 'tt abgebildet. Es sind leicht gewellte Linien, die 
allerdings ebensogut Stricke wie Ketten darstellen können. 



jpg Hibils Klage. 



und Knäuel 1 gegen die Buhler und Diebe der Welt auswerfen? 
Wie lange soll ich die Frevler und Lügner, die in der Welt 
wohnen, schlagen und hinmorden und drücken? Wie lange sollich 
Unruhe unter sie schleudern, und wie lange sollen sie einander 
morden? Wann soll endlich der Streit geschlichtet und mein krankes 5 
Herz Heilung finden? Wann wird endlich die Tibil ein Ende neh- 
men, so daß ich meine Angel von der Welt verdecken kann?" 

205 Als Hibil-|jZiwfi dies sagte, erwiderte ihm Manda riHaijc und 
sprach: „Wirst du denn so sehr zum Straucheln gebracht, Hibil- 
Ziwa, und so sehr in dieser Welt verfolgt? Was von allen Werken, 10 
welche die frevelhaften Menschen tun, bleibt auf deinem Nacken?" 

Als Hibil-Ziwä dies hörte, sprang er von seinem Sessel auf. 
Er öffnete seinen Mund in Treue und sprach zu Mandä dHaije: 
„Auf wessen Nacken sonst fällt die Tibil, die ich geschaffen habe? 
Wem von den Uthras soll ich die Werke anvertrauen, die ich ge- 15 
schaffen und gegründet habe? Als ich Adam und Hawwä, sein 
Weib, geschaffen, — sie wurde gebildet, dann wurde sie bestraft 
und verwiesen-, — da wurde ich ihnen zur Verfolgung. Ich habe 
die Wachtstationen eingeteilt, Ketten den Juden geschmiedet und 
Zöllner eingesetzt, die alles tun, was ihnen befohlen wird. Ich habe 20 
einen Weg von der Finsternis zur lichten Wohnung geebnet. In 
der Wachtstation des Abathur habe ich Zeugen aufgestellt. Ich habe 

206 Abathur hergebracht und als Richter der Welt eingesetzt. Ich || habe 
ihn an die Wage gesetzt und ihm Macht über die Werke der Welt 
verliehen. Ich habe den Fluß Ksas 3 geschaffen und Abathur an ihn 25 
gesetzt. Ich habe Adatan und Jadatan, die beiden Zeugen, ge- 
schaffen, zu Schriftführern habe ich sie ernannt und zu Beisitzern 
des Abathur gemacht. 4 Ich habe die weiße Frucht geschaffen, in 



1) Vgl. Lew, Neuhebr. Wörterb. IV, p. 243a; Payne-Smith, 34 82 - 

2) nr-"N':"; (fi nur in C) bezieht sich anscheinend auch nur auf I lawvvä, 

3) Vgl. Kap. 51. 

p Das Genienpaar A.datan- Jadatan wird auch sonst genannt, aber 
in verschiedenen Funktionen. GR [27,16; 293,1; 296,3 erscheinen sie 
als Wächter des ürjordan. Nach GR322, 8 sitzen sie am Tore des 
Hauses des Lehens. Dies wird auch Qol9,l8f.; 59, -0 f. von ihnen 
gesagt, hier mit dem Vermerk ..und beten für die Geister und Seelen 
am Lichtorte" bezw. ..und beten für die Geister und Seelen der wahr- 
haftigen und gläubigen Menschen am Orte des Lebens". Abgebildet sind 
im Mand. Diwan s. 42 (das haar in der Mitte). Siouffj nennt p. 39, 17 
Adathon ou Yadathon und bezeichnet sie als Brüder. 



llihils Kla igg 



der die Seelen eingewickelt liegen. Aus ihr blühen sie empor und 
setzen sich an die Wage. Ich habe die Wasserbäche geschaffen, 
den Jordan, in dem die Seelen getauft werden. Ich habe den Steg 
geschaffen, auf daß alle Seelen zu den Wasserbächen hinziehen. 1 
S Ich habe ein Schiff für die Guten als Fähre gebaut, damit es die 
Seelen zum Hause des Abathur hinüberführe, auf daß er ihnen 
Kraft und Festigkeit verleihe in hohem Maße. Ich habe den Sonntag 
gebracht und über alle Zöllner eingesetzt. Ich spreche zu ihm : 
„Wer il einen Brief mitbringt, der gehe weiter 2 , wer keinen Brief 207 

10 mitbringt, der bleibe bei dir verborgen. Alle Frevler und Lügner 
sollen in deinem Wachthause geprüft werden, bis ein Brief und 
eine Nachricht von der Tibil 3 zum Leben emporsteigt. Wenn ein 
Brief und eine Nachricht zum Leben emporgestiegen ist, kommt 
ein (Antwort)schreiben vom Leben über sie. Wenn der Brief zum 

15 Hause des Abathur gelangt, steigen sie empor." — Ich habe die 
Werke eingerichtet und Tod und Leben in der Welt geschaffen. 
Von Buhlern und Dieben werden die, deren Seelen eifrig sind, zum 
Lichte emporsteigen; die nicht eifrig sind, werden in die Finsternis 
hinabsinken. Denn die verführerische Rühä ist gekommen, um alle 

20 Welten zu verführen. Als ich die reine Warnung erblickte, warnte 
ich vor ihr. 4 Ich habe einen Damm 5 geschaffen und einen Pfahl 6 
aufgerichtet. Ich sage den Nasoräern, den getreuen und gläubigen 
Männern, daß sie sich auf den Damm stützen sollen. Stützen sollen 
sie sich auf den Damm, dann werden sie emporsteigen und den 

25 Ort des Lichtes schauen. Wer vom || Damm abgleitet, stütze sich 208 
auf den Pfahl. Wer aber von beiden abgleitet, der stürzt ab, und 
für den gibt es kein Aufstehen mehr. 7 Er stürzt ab, ohne aufzu- 
stehen, und der Berg, der Finsterberg, verschlingt ihn. Er verlangt 
nach einem zweiten Tode, und sein Auge erblickt nicht das Licht. 

30 Sein Auge erblickt nicht das Licht, und sein Fuß findet keinen 
festen Boden." 



1) sp~ND ist zu streichen. Es ist vielleicht aus 207, 4 hierher 
geraten. 

2) Vgl. auch 209, 13. 

3) Man erwartet vom Hause des Abathur. 

4) Ich kann dem Satze keinen vernünftigen Sinn abgewinnen. 
,5) Hier wohl so aufzufassen, vgl. S. 102 3. 

6) Ich ergänze KIDTD hinter rP»J?K, vgl. 208, I. 

7) Parallele Qol 65 m. 



200 Der Makellose. 



Siegreich warst du, Manchl dHaije, und machtest siegreich 
alle, die deinen Namen lieben. 

Und das Leben ist siegreich. 



Der Makellose. 

56. — Wer sich makellos in ihr 1 erhält, dessen Skinä wird 5 
an der Spitze der Lichtwelt sein. Uthras versammeln sich bei ihm 
und schließen Bundestreue mit ihm. Bundestreue schließen sie mit 
ihm und nehmen von ihm an sich ******* * 2 und auf ihrem Haupte 
errichten sie eine große Krone, dergestalt, daß sie die Welten er- 
leuchtet. Sie setzen ihm 3 einen Kranz, einen Kranz von Siegen 4 , 10 
auf, und ,,Erleuchter der Skinäs" nennen sie ihn. Bei wem das 
große (Leben) nicht erschienen ist, dessen Herz fiel ******. Er 
209 vielmehr gehört zu den Kennern der Kustä, bei dem Kustä || ruht, 
dessen Sinn erleuchtet und dessen Herz erweckt ist. Wessen Sinn 
nicht erleuchtet und wessen Herz nicht erweckt ist, der findet seinen 15 
Platz in der Skinä des Heiligen Geistes. Er fällt in finstere Töpfe, 
und seine Gestalt leuchtet nicht. Wessen Herz aber erweckt und 
wessen Sinn erleuchtet ist, der leuchtet mehr als Sonne und Mond. 
Mehr als Sonne und Mond leuchtet er, und Ruf und Geruch ver- 
breitet er in der Welt. Tagtäglich versammeln sich Jünger bei ihm, 20 
nehmen von ihm das Zeichen an und steigen durch seine Kraft 
empor. Denn die Kraft seines Vaters (des Lebens) ist bei ihm ver- 
wahrt, und das Wort seines Vaters ruht bei ihm. Wenn [seine 
Seele] emporsteigt, wird er in den Wachthäuscrn keiner Prüfung 
unterzogen, und die Planeten sprechen ihm nicht das Urteil. Er 25 
wandelt nicht auf dem unzüchtigen Wege, und sein Auge sieht nicht 
die Finsternis. Er geht vorwärts auf dem Wege der Männer von 



1 ) In dieser Welt. 

2) Nach 209,8 könnte man N":v£")"i ergänzen, aber man erwartel 
eher, daß it von ihnen das Zeichen annehme. Der Text ist auch weiterhin 
nicht in Ordnung. Statt ..auf ihrem Haupte" erwartet mau „auf seinem 
Haupte-. 

,S) N"b-CN"*n ist wohl zunächst aus rr'riWn verderbt, aber ursprüng- 
lich dürfte RVatflKri dagestanden haben. 

4) Vgl. S. i3. 



Der Schatz des Lebens. 201 



erprobter Frömmigkeit, auf dem Sonntag einherschreitet. Sie steigen 
empor durch verborgene Worte 1 , welche Finsternis 2 vor dem Ver- 
gänglichen verborgen hat. || Sie steigen empor durch geheime Myste- 210 
rien, deren Form verborgen und verwahrt ist vor den Welten. 
5 Selig und abermals selig, wer sich von der Welt absondert; 

er steigt empor und erblickt den Ort des Lichtes. Wer sich nicht 
absondert, sondern träge liegen bleibt 3 , wird seinen Platz im Leibe 
des Drachen Leviathan finden. 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
10 ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



Der Schatz des Lebens. 

Die mandäischen Schriften bieten den Ausdruck „Schatz des Lebens" 
in zwei verschiedenen Bezeichnungen: N^M "wS^"" bzw. \sln "N^":' und 
N"'"»n a i Nna^ö bzw. 6?"rl nfiWD. Die volleren Formen und der appella- 

15 tivische Gebrauch sind selten (Qol 16, 15; GR242, 21; Job. 142,11), 
sonst bezeichnen die Ausdrücke in ihren kürzeren Formen personifizierte 
Wesen. Im Svrischen findet sich appellativisch für den Bereich des ewigen 
Lebens \1m. j.=] 4 wie \1m. ft^auu». 5 Von Mani wird eine Schrift 0)]aavQÖg 
£(ofjg angeführt 6 ; wie sie aramäisch betitelt war, wissen wir nicht. Im 

20 Mandäischen ist ijttl "INS")» seltener (GR 189,15; 196,4; 205,17; Qol 
16,16; 31,14; 58,28), dagegen häufig N^'n nfiWD. Im Gegensatz zu 
-N~ -N2*;' ist N"- nfi*Ü">ö, dem Geschlechte von Nn'2" l D entsprechend, 
ein weibliches Wesen. Der Lebensschatz ist eine Steigerung der einfachen 
Bezeichnung für „Leben'', und dem entspricht auch die hohe Bedeutung 

25 der Slmath - Haije. Sie wird oft zusammen mit Jawar-Ziwä angerufen. 
In der Oxforder Rolle F, Z. 55 f. (schlecht Morg 1 12, 8 ff.) heißt es: NSN1073 

nsr:-- pl wabm -pribtt yitt nrnl «"»sämo -prbiöl y.rraKV a~- nswö 

1) Lies jr— :-:n yDipbKD. 

2) C: „Lichf. 

3) Siehe S. 180, 1 1. 

4) Vgl. Acta Martyrum, ed. Bedj.vx IV, p. 661, 16; 664, 10. 

5) Isaaci Antiocheni Opera ed. Bickell I, p. 22, 451. Ephräm 
sagt vom Gebet v^n ]1» l^ü^ni Opera ed. P. Benedictus III, p. 274 A. 

6) Vgl. die Abschwörung bei Kessler, Mani, p. 404 unt.; Flügel, 
Mani, p. 368 f.; Cumont, Becherches sur Ic Manicheisme, p. 54. 



702 Der Schatz des Lebens. 



PNw"*E ^"CNS aOTNi „Gepriesen sei Simath - Haije , die Mutter aller 
(himmlischen) 1 Könige, aus der alle Welten hervorgegangen sind, die sich 
ans dem Schatze 2 der geheimen Mysterien ausgesondert hat." Hier 
[35,12 wird Simath -Haije mit Mirjai, der teuren Kustä, identifiziert. 
Siouffi sagt p. 40, n. 2 zu Simoth - lldiij: C'est le prineipal personnage 5 
du sexe feminin. Elle est pour ce sexe ce qu'est Moro - Eddarboutho 
pour l'autre. Der Mand. Diwan zeigt unter 40 „das Bild der Simath - 
Haije, der Tochter des Jösamin, der Gattin des " (zerstört). 

In den folgenden Stücken werden die Beziehungen der Simath - 
Haije zu anderen hohen Wesen geschildert, in abwechselnden Bildern, 10 
die oft unglücklich gewählt sind, da sie sich widersprechen oder an sich 
sinnlos sind. Namentlich wird das Bild der Krone und des Gewandes 
gebraucht. Zu dem in den mandäischen Schriften häufig genannten üND 
(vgl. S. [87) hat N"n nNWÖ keine Beziehung. 3 Man darf DfcWÖ nicht 
auf eine Stufe mit nN^rrn, riN'-HB'O 4 stellen, denn das Femininum zu 15 
ÜKC ist nNÜ!S5. Auch kann nNtt^D nicht in äußerlicher Analogie nach 
jenen vollen Formen als Femininum zu DN5 gebildet sein. Denn rtfiWö 
N"- ist eine stehende Verbindung und müßte aus N""- UND hervorgegangen 
sein. Dies ist an sich schon unwahrscheinlich, außerdem findet sich CNO 
immer in anderen Verbindungen. N""Jl UND steht nur Joh 216,4; 2l 7>i> 20 
wo es aber umgekehrt sekundär aus N^n riSWD gebildet sein dürfte. 

Im Mand. Diwan in der Beischrift zu 41 steht riNWÖ neben NrTT-|, 
und in den Beis< hriften zu 7 wird l.ibat- Ruhft geradezu nftWO genannt. 
Bei dem wilden Durcheinander dieser Zusammenstellungen ist dem keine 
Bedeutung beizumessen. 25 

57. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Der Schatz bin ich, der Schatz des Lebens 5 , der Schatz bin 
ich, der Schatz des gewaltigen (Lebens), der Schatz bin ich, der 
Schatz des Lebens, eine Krone war ich von jeher für das Gewaltige. 6 30 



1 ) Vgl. Uthra, p. 544 f. 

_•) Obwohl beide r/exte rN':"" haben, glaube ich doch, daß dafür 
riNtt^C zu lesen ist, denn ..aus der Glut" oder ,. Wut der geheimen Myste- 
rien" gibl keinen Sinn. 

j) Gegen Brandt, Sehr., p. 55I 

1) Vgl. S. 23». 

5) Zur Einführung vgl. S. 44. 

6) In den Oden Salomos i; 5, io ist Gott wie ein Kranz auf dem 
Haupte des Anbeters. 



Der Schatz des Lebens. 203 



Der Schatz bin ich, der Schatz des Lebens, von jeher erleuch- 
tete ich die Uthras und Skinäs und ward dem Jordan zum Schmuck. 
Zum Schmuck ward ich dem Jordan, der von jeher war 1 , durch den 
die Uthras leuchten. 2 Das Große machte mich klar 3 und hellte 
5 mich auf und machte mich zum Gewände. Es machte mich zu 
seinem Gewände, und tagtäglich preist es den Äther über die Maßen. 

|| Der Schatz bin ich, der Schatz des Lebens, eine Krone 211 
ward ich dem König der Herrlichkeit. Die Uthras leuchten durch 
meinen Glanz und preisen meine Gestalt über die Maßen. 

10 Der Schatz bin ich, der Schatz des Lebens, der ich mich auf 

den König der Herrlichkeit als Schmuck niederließ 4 , so daß er in 
seinem Verstände 5 leuchtete, daß er hell und leuchtend ward und 
seine Gestalt mehr als die Welten erglänzte. Als er leuchtete und 
die Uthras und Skinäs im Äther erleuchtete, legte mich der König 

15 als Gewand um Nsab-Ziwä. Nsab-Ziwä nahm mich dann, brachte 
mich hin und legte mich als Gewand über den Jordan. Als Gewand 
über den Jordan legte er mich, durch das die Uthras über die 
Maßen leuchten. 

Der Schatz bin ich, der Schatz des Lebens. Die Bösen sind 

20 blind und sehen nicht. Ich rufe sie zum Lichte, doch sie vergraben 
sich in die Finsternis. ,,0 ihr Bösen", rufe ich ihnen zu, ,,die ihr 
in die Finsternis hinabsinket, richtet euch auf und fallet nicht in 
die Tiefe." Ich rufe ihnen zu (i , doch die Bösen hören nicht und 
versinken in das große Süf-Meer. So || wurde der Jordan zur Brücke 212 

25 für die Uthras; zur Brücke für die Uthras wurde er, während er 
die Bösen abschnitt und in das große Süf-Meer abwarf. 

Der Schatz bin ich, der Schatz des Lebens, eine Krone wurde 
ich dem Manda dHaije. Er verlieh mir die Herrschaft über die 
Uthras und die Skinäs, die dort sind. 



1) N"- fcOaiNpab y:i bezieht sich eher auf tfmNlt als auf N % :i*N'. 
Man erwartet allerdings am ehesten eine Beziehung auf Simath - Haije. 
Dann müßte ;*-- xr:-Npw\r y:i wegen der Häufigkeit dieser Wendung 
sekundär aus STttlNpK^ y: ergänzt sein. B hat auch i nicht. 

2) Vgl. GR 336, 14 f- 

3) yCN3 ist Pael von -5-3, also eigentlich y)5'"fc*3, oder mit Übergang 
in r;' "piSa. Ich bemerke, daß sonst ttJ^SNI "3 in geistigem Sinne ge- 
braucht wird. 

4) Vgl. auch GR 89,24; 236, 3 f. 

5) Lies n-'2 m ?z. 

6) Lies yrxr-sp. 



;oi Der Schatz des Lebens. 



Der Schatz bin ich, der Schatz des Lebens, zum Erleuchter 
der Lichtwelten wurde ich. Tagtäglich preisen sie das große 
(Leben), und durch mich steigen sie empor und schauen den Ort 
des Lichtes. 

Der Schatz bin ich, der Schatz des Lebens, ein Gewand wurde 5 
ich den Lichtwelten. 

[Der Schatz] bin ich, der Schatz des Lebens, ein König wurde 
ich den Nasoräern. Ein König den Nasoräcrn wurde ich, die durch 
meinen Namen Preis und Bestand finden. Preis und Bestand finden 
sie durch meinen Namen, und auf meinen Namen hin steigen sie 10 
empor und erblicken den Ort des Lichtes. Den Männern von er- 
probter Frömmigkeit, die mich anzogen, wurde das Auge des Lichtes 
voll. Voll des Lichtes wurde ihr Auge, und in ihrem Herzen nahm 
Mandä dHaijö Platz. Wer mich, den Lebensschatz, anzieht, liebt 
nicht Weib und Kind, liebt nicht Gold und Silber, liebt nicht Geld 15 
213 und Gut, [liebt nicht) körperliche Speise 1 , || und Mißgunst hat bei 
ihm keinen Platz. Nicht fand Mißgunst bei ihm Platz, und nicht 
vergaß er das Gebet der Nacht. Er vergaß nicht die Reden und 
Schriften, und vom Worte seines Herrn wich er nicht ab. Er wich 
nicht von dem Gebete seines Vaters Mandä dHaije ab; darum fällt 20 
er nicht in das große Süf-Mcer. Er vergaß nicht den Sonntag, 
noch ließ er den Vorabend des Tages beiseite. Er vergaß nicht 
den W T eg des großen (Lebens), (den Weg) des Lohnes und der 
Almosen. Er wird dahingenommen beim Gebete der Nacht, er wird 
dahingenommen in glänzenden Gewändern, die von dem großen 25 
(Leben) hergekommen sind. Uthras füllen ihm auf, was fehlt, und 
was leer ist 2 , laden sie ihm voll. Wenn er eine reine Last trägt, 
wird er zu den Männern von erprobter Frömmigkeit gerechnet. 
[Gerechnet wird er] zu den Männern von erprobter Frömmigkeit, 
die sich auf den Namen des Jawar absondern. Der Lebensschatz 3° 
ruhte auf ihnen, er erleuchtete ihre Gestalt 1 , und ihnen ist ein Weg 
zum Hause des Großen errichtet. Ich habe mit lauter Stimme ge- 
211 rufen || und die Jünger hierher gewiesen. Ich spreche zu ihnen: 
„Der Weinstock, der Früchte trägt, steigt empor, der keine trägt, 
wird hier abgeschnitten. Wer sich durch mich aufklären und be- 35 



,, Vgl. S. 83*. 

2) Lies p-:r oder pNID^IT, vgl. 145, 12. 

3) Lies nr,-N-;N nNTlü. Die Handschriften haben Nn^NiTiN. 



Der Schatz des Lebens. 205 



lehren läßt, steigt empor und schaut den Ort des Lichtes, wer sich 
nicht durch mich aufklären und belehren läßt, der wird abgeschnitten 
und fällt in das große Süf-Meer." 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
5 ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



58. _ Der Schatz bin ich, der Schatz des Lebens, der Jordan 
ist mir als Thron aufgerichtet. Die Jordane fließen mit meinem 
Gerüche dahin, und das Wasser frohlockt in meinem Glänze. [In 
meinem Glänze frohlockt] das Wasser, und vor meinem Glänze hüpft 

10 es. Mein und des Jordans Glanz wird herrlich darin 1 ; herrlich wird 
er darin, und dessen Gestalt 1 leuchtet über die Maßen. 

Das Gewand des Gewaltigen bin ich, und ein jeder, der mich 
anzieht, freut sich und ist wohlgemut 2 ; wer mich anzieht, erhält 
Wohlgeruch und wird herrlicher als alle Welt. 

15 || Ein Gewand wurde ich dem Könige, ich verlieh ihm Herr- 215 

lichkcit und verdeckte ihn vor den Uthras. ;; In meinem Schmucke 
verharrt er 4 , und durch mich freut er sich und leuchtet über die 
Maßen. Durch mich leuchten sie und werden aufgeklärt. Er 
sagt 5 : „Ein jeder, der dieses Gewand anzieht, wird erglänzen, und 

20 seine Gestalt wird herrlich werden gleich mir. 1 ; Eine Krone wurde 
ich dem Könige, und an der Spitze seiner Skinä wurde mir ein 
Thron errichtet in hoher Pracht. Als der Thron mir errichtet war, 
bezeigen mir alle ihre Unterwürfigkeit. Alle bezeigen mir ihre Unter- 
würfigkeit und preisen meine Gestalt über die Maßen. 

25 Alsdann sprach er 5 zu Nsab dem Großen, und sie reichten 

sich die Hand. Von seinen Gewändern bekleidete er ihn und legte 
mich, den Lebensschatz, als Hülle um ihn. Als Hülle um ihn legte 
er mich, so daß ich seine Gestalt bedeckte. Ich spreche zu ihm: 
„Gehe durch die Kraft des Lebensschatzes. Alle deine Werke, die 

30 du ausgewählt hast 6 , sollen festgegründet sein. || Festgegründet sollen 216 

1) Der Plural der Suffixe bezieht sich auf N*:. 

2) Trotz des nahen firpl "C2 ist doch wohl d«öSOn* im sonst 
üblichen Sinne aufzufassen. 

3) Kaum „ich beschützte ihn mehr als Uthras", vgl. 222,8. 

4) Siehe zu 1132 S. 25 IO , doch könnte INEDfiW aus -sns: verderbt sein. 

5) D. h. der König, vgl. auch Z. 9. 

b) -N-rS ACD ist wühl aus fKnMTa9 entstellt, dagegen nlfiWQ 
richtig und zu rTlKttii zu ergänzen. 



2o6 Der Schatz des Lebens. 



alle deine Werke sein, die du ausgewählt hast, Denn 

wem bereit liegt ein Gewand, wem (ein Gewand] bereit liegt, der 
wird abseits von dir stehen und dir Unterwürfigkeit bezeigen." 

Der Schatz bin ich, der Schatz des Lebens; Säm-Haije 1 sandte 
mich mit den von dorther stammenden Turbanen des Glanzes zu 5 
den Diamantwelten.- Zu den Diamantwelten sandte er mich, um 
ein Gewand dem Könige zu sein, um seine Gestalt in seiner Skinä 
zu erleuchten, um hohe Herrlichkeit auszuschütten, auf daß die 
Uthras durch seine Gestalt leuchten. Wir fuhren und zogen hin, 
auf Schiffen des Glanzes drangen wir durch. 3 Wir drangen auf 10 
Schiffen des Glanzes durch, bis wir zum Grenzhause kamen. Unser 
Glanz ging über den Diamantwelten auf, durch die Kraft des Lebens- 
schatzes erglänzten sie. Sie erglänzten durch die Kraft des Lebens- 
schatzes, sie gehen dem Lebensschatz entgegen und sprechen zu 
ihm: „Gesegnet sei dein Kommen, Lebensschatz, durch dessen 15 
Duft die Uthras wohlricchcn, und durch den die Skinas leuchten." 
217 Hierauf nahm Nsab || der Große den König in die Kustä des Großen 
auf 4 , und sein geheimer Name ist bewahrt bei Jükabar. 



59. — Der Schatz bin ich, der Schatz des Lebens. Säm- 
Ilaije verlieh mir ein lauteres Gewand, durch das die Welten leuchten. 20 
Er verlieh mir einen Gürtel, einen Gürtel (lebenden) Wassers, in 
dem es keine Schmerzen und Plagen gibt. 5 Er verlieh mir eine 
große Krone, durch deren Glanz die Welten leuchten. Er verlieh 
mir Wohlgeruch, so daß das Wasser durch meinen Duft wohlriecht. 
Er verlieh mir hohe Kraft, die glänzt und erleuchtet ist über die 25 
Maßen. Er verlieh mir verborgene Helfer, und Wohlbewahrte setzte 
er über mich ein. Er verlieh mir hohen Sieg, so daß durch mich 
die Jordane sieghaft werden. Wenn sie meinen Namen über den 



1) Vgl. die Vorbemerkungen. 

2) Oder zur Diamantwelt. Sie ist nur hier genannt, sonst nur noch 
NDfiWTi ton-in vwxo GR 6, II. 

3) Zu N13>, doch n;i< h Mediae Waw. 

4) Zur Konstruktion vgl. RnaiaM N'n-^ WWW» 239,2; GR 318,22; 

Nns"»af»a tra^il maspa GR 360,27. In GR 318,22 hat n sn-n. Auch 
hier hat, was ich nachtrage, A N3T>!, aber fehlerhaft. Nach der Nold., 
302 besprochenen Konstruktion müßte es, wenn es Adjektiv zu NÖ1I313 
wäre, as— i heißen. Es ist durch das erste ioi beeinflußt. 

5) I ).i elbe GR (20, 13; GL. 11, 8. 



Der Schatz des Lebens. 



207 



Jordan aussprechen, dann läßt sich meine Kraft über ihm nieder, 
und durch mich steigt der Jordan empor und erhalten die Uthras 
Festigkeit. Er verleiht ihnen Rede und Erhörung und läßt sie das 
Vergängliche überwinden. Er verleiht ihnen eine leuchtende Gestalt, 
5 und meine Kraft und meine Heldenwerke sind auf dem Jordan ge- 
lagert. Nsab dem Großen wurde bestimmt, daß er durch mich 
Festigkeit erhielt. Den ' Welten verleiht meine Kraft Licht, und '21 s 
den Lauf des Wassers läßt sie die Körper lebenden Wassers zurück- 
legen. Durch meine Kraft sowie durch die Kraft des Wassers und 

10 des Äthers wurden die Erden des Glanzes gedichtet. Durch meine 
Kraft sowie durch die Kraft des Wassers und des Äthers wurden 
die Skinas des Glanzes bewohnbar. Durch meine Kraft sowie durch 
die Kraft des Wassers und des Äthers schuf man den Uthras 
Früchte, Trauben und Bäume. Man schuf ihnen] Glanzwolken, die 

15 Rede und Erhörung bringen. 1 Man gab ihnen ein reines Zeichen, 
daß sie durch ihre Kraft 2 gesiegelt werden. Sie werden durch ihre 
Kraft 2 gesiegelt und an reinen Grenzen 3 aufgerichtet. Sie werden 
auf Thronen des Glanzes aufgerichtet und Häupter der Welten 
genannt. Einer wird herrlicher als der andere: der, bei welchem 

20 das Mysterium und die Rede seiner Väter Platz findet. Er wird 
herrlicher als alle Uthras, herrlich wird seine Gestalt, und er 
glänzt und leuchtet gleich den Strahlen des Glanzes am Orte des 
Lichtes. 

Durch meine Kraft || sowie durch die Kraft des Wassers und 219 

25 des Äthers wurde allen Lichtwelten Erleuchtung verliehen. Ver- 
liehen wurde allen Lichtwelten Erleuchtung, und wir haben die Macht 
über sie erhalten. Wir erhellten und erleuchteten und vervollkomm- 
neten unsere 4 Werke. Wir weisen den Uthras ihren Weg 5 und 
verleihen Schätze den Äonen. Wir verleihen dem Könige eine reine 

30 Pflanzung'', weil er von uns 7 gepflanzt wurde. 



1) Ich vermute ■p'Wl statt "p-N - . 

2) Doch wohl „ durch dessen Kraft". 

3) Bei der Verschiedenheit der Bedeutungen des Wortes (vgl. S. 102 3) 
ist der Sinn hier zweifelhaft. 

4) Eher „ihre Werke": VinK*pa3>b. 

5) Lies "r--N7:, vgl. 218,2; der Fehler ist durch Z. 7 beeinflußt. 

6) D. h. Nachkommenschaft. 

7) Lies -n-n:-:^ 



208 Der Schatz des Lebens. 

Wir wanderten und gingen 1 , bis wir zu Säm dem Großen 
kamen. Wir redeten Säm den Großen an und sprachen zu ihm: 
„Dein Glanz leuchtet, und deine Gestalt ist erhellt, denn von deinem 
Glänze ruht ein Teil auf uns." 2 Wir setzten dann Säm den Großen 
über die Skinas und Jordane für alle Zeiten ein. 5 

220 Wir wanderten und gingen, bis wir zu Jawar-|Ziwä kamen. 

Als wir bei Jawar-Ziwä anlangten, sprachen wir ihn an: ,,Du bist 
der Vater 3 der Uthras und der Herr 4 aller Skinäs. Wir haben dir 

eine Pflanzung gepflanzt 5 und haben dich als Herrscher über 6 

und die Geschöpfe des Lichtortes eingesetzt." Alsdann bekleidete 10 
sich Mandä dHaije mit Gewändern von uns, und von unserer Kraft 
und unserem Mysterium ruhten Teile auf ihm. 

Wir wanderten und gingen, bis wir zum Hause des Jösamin 
kamen. Als wir in das Haus des Jösamin kamen, ging unser Glanz 
über Jösamin auf. Unser Glanz ging über dem Hause des Jösamin 15 
auf, und Jösamin war in Brüten versunken. Als er in Brüten ver- 
sunken war, ging er durch das Tor des Eies 7 heraus. Als wir ihn 

i) Das folgende Sti'uk stellt mit dem Vorhergehenden in keinem 
Zusammenhange. Es gehört zu den Stücken, in denen die Besuche einer 
Erlösergestalt bei den guten Genien oder den Mittelwesen geschildert wird; 
/. I!. 253fr.; GR3o6f.; 342 IT. Am häufigsten werden Jösamin, Abathur, 
Ptahil besucht. 

2) Ahm hat wohl ^Nrr fcOllSlB "JNmsWS ■pan „denn von unserem 
(ilanze ruht ein Teil auf dir'' zu lesen. 

3) Es muh nzx oder "pm::N heißen. 

4) Lies -p\\-N-:- oder - ( -\S-N?2i. 

3) Lies ^xVwx:3Ni::. 

6) Vgl. S. 66 2 . 

7) Die Handschriften haben Nr^r^rr. Nrnb^n, ursprünglich 
„Eiweiß", hat sich im Mandäischen zur Bedeutung „Ei" erweitert. Es 
kommt nur in kosmologischer und mythischer Verwendung vor, wofür sich 
KrTO niemals findet. Dieses Wort wurde für die hohe Sprache der Mystik 
als zu gewöhnlich empfunden und sollte durch ein anderes ersetzt werden. 
Mau grill zu einem pars pro toto und gab natürlich dem weißen Teil'' 
den Vorzug. n\-V3 findet siel, nur in gewöhnlichem Sinne Pogn., p. 17 II'.; 
Asfar Malwäse, p. [42; Lond. Rolle 15, Z. 98 (Nbito'iiKni Nrpa!). Wegen 

1 iner überweltlichen Bedeutung hat srnr .- häufig das Prädikat N'DND. 
Ei sollte alxr seinerseits einen bergenden Behälter darstellen (vgl. 
23:- f.; CK 155,; 1.: Mand. Diwan B, 117), und so steht es in Ko- 
ordination mit «■'O^ (GR 131,14; 13.5,7). C>\< I 34, 2 i steht es zusammen 
mit N"TN, hirr 231,16 mit NnWVDlö. Vom Tor des iO^b'n ist auch 
1 die Rede: Morg 42 unt. 0. NTinb-rn Oxf. 23b); 59,4 (Oxf. 40b); 
177. ' (1 N""i:r: N-PTl s-rar -h asn b?l Oxf. 108a). 



Der Schatz des Lebens. 209 



erblickten, sprachen wir ihn an: „Du warst unser großer Vater und 
unser Haupt, und dein Glanz ging in der „Ablösung" 1 auf. Du 
gingst einher- im Hause des Lebens, und deine Werke sind erprobt 
am Orte des Lichtes. Den Ordner der Ordnungen 3 hat man dich 
5 genannt. Du bist der Herr der Güte." 4 Ich erleuchtete 5 || und er- 221 
hellte und richtete ihn in seiner Skinä für alle Zeiten auf. 

Wir wanderten und gingen, bis wir in das Haus des Abathur 
kamen. Bei unserer Ankunft im Hause des Abathur ging unser 
Glanz über Abathur auf. Abathur sprang auf, erhob sich von seinem 

10 Throne und richtete eine Bitte an das Leben. Eine Bitte richtete 
er an das Leben wegen der Vergehen, die er begangen hatte. Die 
drei Uthras 6 sprachen zu ihm: „Die Frauen der Kustä freuen sich 
jenes Mannes, der mit dem Gewände des Glanzes bekleidet ist. Er 
ist mit dem Gewände des Glanzes bekleidet, und Licht ist ihm über 

15 die Schulter gelegt. Unser Vater wägt mit der Wage und zeichnet 7 
mit dem reinen Zeichen." Hierauf verliehen wir Abathur die Herr- 
schaft über den großen Jordan lebenden Wassers, über die Seelen, 
die zur lichten Wohnung emporsteigen, und über die Erleuchtung 8 
und die Lobpreisung, die aus der Welt emporsteigen. Wir setzten 

20 ihn über die Sieben und Zwölf ein, damit er ihnen befehle und bei 
ihnen Gehör finde ganz und gar. Wir sprachen zu ihm: „Warum 
I fehlst du, Abathur, wo du aus dem Verborgenen gepflanzt bist? 222 
Warum fehlst du, Abathur, wo du aus reinem Glänze geworden 
bist? Warum fehlst du, Abathur, zürnest mit Ptahil und ist Ptahil 

25 über dich erbost? Jetzt, wo Verkehrtheit und Schlechtigkeit von 



1) ND^n findet sich noch GR 263, 13fr.; 273,12,20; Qol 65,22; 
Oxf. Rolle F, 1 1 5 1 . Es ist ursprünglich die Ablösung in der Wache und 
wird so noch Oxf. Rolle G, 997 gebraucht, freilich auch schon mit Bezug 
auf die Geisterwelt : D^SOi NO^Na "' O-'rs-T Xn:'" VJ , siehe oben S. 38s. 
Dann wurde es, wie namentlich GR 263, 13 fr. zeigt, auf die Sterne über- 
tragen. Diese Übertragung auf die Himmelskörper hat auch das weibliche 
Geschlecht mit sich gebracht, das Nöldeke, p. 160, 16 auffallend findet. 

2) Lies 'TöWMOlBT ? siehe S. 115 1 . 

3) Nicht „Verfasser von Büchern", was es an sich auch heißen 
könnte. 

4) B: „der ganz Güte ist - '. 

5) Man erwartet den Plural. 

6) Sie sind die Genossen des Mandä dHaije, vgl. GR 251. 

7) Lies f=i2?:-wN~ . 

8) Vgl. S. 34 5 - 

Lidzbarski, Johannesbuch. 14 



2io Der Schatz des Lebens. 



euch gekommen ist, leiden die Seelen wegen eures Fehls 1 und 
werden zurückgehalten." Wer fest und standhaft bleibt, wird auf 
den Pfaden der KustTt zum Orte des Lichtes emporsteigen 2 ; wer 
nicht fest und standhaft bleibt, geht am Ende der Welt zugrunde. 3 
Ich verdeckte Abathur vor den Planeten und bewahrte seinen Schatz 5 
in vollkommener Weise. Ich machte ihn leuchtend und glänzend, 
[und] Wohlgeruch des Äthers verbreiteten wir über ihn. Wir machten 
glänzend seine Werke und seine Rede in vollkommener Weise. 

Wir wanderten und gingen, bis wir zu Ptahil-Uthra gelangten. 
Bei unserer Ankunft bei Ptahil-Uthra wurde er voll Erbarmens 4 10 
und sprach: „Wenn es meinem Vater Mandä dHaije beliebt, so 

223 sende er rasch einen Guten || zu mir, damit die dunklen Wolken 
der Finsternis von mir genommen werden." Tag für Tag setzt er 
sich Verkehrtheit und Bosheit in den Sinn; Fehl und Mangel 
******** 5 , denn mein Vater zürnt auf mich." Wir reden ihn an 15 
und sprechen zu ihm: „Auserwählter, den das Leben zu ihnen 6 
gesandt und einen Thron ihm errichtet hat am Orte des Lichtes. 
Wir errichten ihm Erleuchtung, die ihn erleuchtet und zur lichten 
Wohnung emporführt." Er spricht zu ihnen: „Wenn die Jünger 
fehlen, [was] kann ich für sie tun? Wenn die Planeten Anstöße 20 
vor sie werfen, so bin ich in die dunklen Wolken der Finsternis 
eingehüllt. Wenn das Große über mich zürnt, wer wird vor dem 
Großen meiner gedenken?" — Da erwiderte Mandä dHaije dem 
Ptahil-Uthra und sprach: „Du wirst wegen der Fehltritte der Jünger 7 
zur Rechenschaft gezogen werden, weil durch deine Wut, deinen 25 
Zorn und deine Leidenschaft die Planeten entstanden sind. Du hast 

22+ ihnen Macht über die Jünger verliehen, || daß sie an ihnen im Trüben 



1) Lies TDSünDlJtS. 

2) pvrNC "der pNCP3 ist zu streichen. 

.}) Dieser Satz ist kaum noch zu Abathur gesprochen; wohl ein 
späteres Einschiebsel. 

1) Es paßt schlecht, steht aber da. 

5) Diese Worte klingen mehr nach einer Äußerung über Ptahil. Das 
Folgende ist dann wohl Rest einer Rede des Ptahil. Allenfalls kann man 
herstellen: =br raNI fiTia«"! bias^N fhi£i3> b? b^N» twsoirm tfi&noifr 
fedenfalls ist r.;x~ zu lesen. 

6) Man erwartet filNb? 'JWlVlTP'lB „zu dem das Leben uns ge- 
sandt hat". 

7) Lies N">TXn&tn1. 



Weitere Fragen. 2 i i 



sündigen und sich vergehen. 1 Sie lassen auf sie Begierde und 
Leidenschaft los und werfen sie in den Weltuntergang. Sie machen 
die Kinder der Welt trunken, und diese werden dann [in der Welt] 
zurückgehalten. Wenn die Planeten an den Jüngern sündigen, so 

5 wird es, Ptahil, durch deine Torheit geschehen; wenn die Jünger 
dann sündigen, so wird es, Ptahil, durch deine Torheit geschehen." 
— Darauf sprach Mandä dHaije zu Ptahil -Uthra 2 und redete ihn 
an: „Unser Vater, Auserwählter ohne Fehl, dessen Helfer 3 Jawar 
war! Jawar war dir ein Helfer und Sonntag ein Befreier. Das große 

io Leben kannte deinen Namen. Es sprudelte auf der Sprudel 4 des 
Jordan, der dich gesandt hat." 

Und das Leben ist siegreich. 




Weitere Fragen. 5 

Vgl. Kap. i, 2, 13. 

I5 61. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 229 

Licht. 

Wer will kommen, wer mir sagen; wer will mir kundtun, wer 
mich belehren; wer will kommen, wer mir sagen, wer dem Fras- 
Ziwä G das Tor geöffnet und wer ihm seine beiden Ufer gegraben 

20 hat? Wer hat die Erde dicht gemacht und den Himmel herrlich 
darüber gespannt? Wer hat an ihm Strahlen des Glanzes gezogen 
und die Uthras in ihren Skinäs erleuchtet? Wer taufte mit der 
lebendigen Taufe, und wer zeichnete mit dem reinen Zeichen? Wer 
streute Samen darin (in der Welt) aus, und wer war darin Hüter? 

25 Wer gründete darin Skinäs, und wer baute darin Tempel? Wer 
rief den Ruf des Lebens und erleuchtete den weiten Palast? Wer 



1) Ich ziehe jetzt «inn B vor. Mit &rmn ACD heißt es „daß 
sie (die Jünger) mit ihrer Hilfe gegen das gewaltige Leben sündigen und 
sich vergehen". 

2) Umgekehrt! 

3) Vgl. S. 60 6 . 

4) Vgl. S. 66 2 . 

5) Kap. 60 entspricht Kap. 13, vgl. S. 54. 

6) Vgl. S. 45 2 . 



14* 



2i2 Weitere Fragen. 



l und knüpfte die Krone aufs vortrefflichste? Wer richtete darin 

230 den Eimer auf und wurde || darin Arzt genannt? Wer zog den 
Anteil des großen (Lebens) ein und brachte ihn sieghaft hinauf zum 
Orte des Lichtes? 

Das weiß das Leben, das Leben weiß es und braucht nicht 5 
zu fragen, wissen tut das Leben, daß Jawar dem Fras-Ziwä die 
Mündung geöffnet, daß Jösamin ihm die beiden Ufer gegraben hat. 
Ptahil hat die Erde Tibil dicht gemacht und den Himmel herrlich 
darüber gespannt. Bihram zog an ihm die Strahlen des Glanzes 
und erleuchtete die Uthras in ihren Skinas. Silmai taufte mit der 10 
lebendigen Taufe, und Nidbai zeichnete mit dem reinen Zeichen. 
Adam streute den Samen aus, und Sitil war in der Welt Hüter. 
Anos-Uthra gründete darin Skinäs und baute darin Tempel. Hibil 
rief den Ruf des Lebens und erhellte den weiten Palast. Jokasar 
und knüpfte die Krone aufs vollkommenste. Haijasum - rieh- 15 



1) Das Mandäische hat zwei verschiedene NTttTS. 1. Ein Abstraktum 
in der Wendung N:r k s:;i s-jr: iniZ^S Oxf. Rolle F, 285, 984. Es be- 
deutet, wie die danebenstehenden Wörter zeigen, ..Gedeihen". — 2. Fin 
anderes n~ z~- , für welches dieser Sinn nicht paßt, ohne daß sich die 
Bedeutung näher bestimmen läßt. GR 89, 23 f. heißt es: „Einen Jordan 
werden sie in der Welt schaffen und über ihn Pracht breiten; Pflanzen 
von N—-"r werden sie pflanzen." Der Plural zeigt, daß intü^ hier kein 
Abstrakt ist. Allerdings könnte man fcO'TO'Oi zu N^TDSl abändern, vgl. 
239,2; GR 318,23. Aber ein Hochzeitsgebet Cod. Par. 25, f . 2 1 b 
(•■= Cod. [5, i. 1 7 ;i ) hat: KTl»"^ '"in PlfioV ITUÖKl »^«M "72 miTT 6WN73 

■pTNfii wN-~w-r ---rr ■piTppttJNi N"~ sra rpnrrsn rrn« N»bN ■pTNSil 
NttbN "pTNi-il n— w-r •— nr ■prrppaai N"- &o» rnnSTS Din nmVn „Ein 
Mänä war ich von Mänäs her, der ich zu den beiden N^IZJ^ dieser Welt 
ging. Ich kam und öffnete das lebende Wasser und tränkte die beiden 
wN-«-z dieser Welt. Wiederum öffnete ich das lebende Wasser und tränkte 
die beiden n-w" dieser Welt." Das Gebet wird Oxf. Rolle F, 1383 an- 

ihrt. Man sieht, daß smiS*^ hier etwas ganz Konkretes ist, und es 
\n Pflanzung zu bedeuten. Da Ttt53 hier im Johannesbuch 
parallel 'nüa steht, denkt man leicht an -itZJp, aber ein wirklicher Zusam- 
menhang ist ausgeschlossen, vgl. Nöldeke, ZDMG XL (1886), p. 735. 

dererseits paßt auch NTJJa Levy, Neuhebr. Wörterb. II. p. 427a nicht. 
Doch da talm. v \"c: (auch syrisch) zu babyl. guSüru gehört, könnte auch 
n _ w" auf babyl. g§r zurückgehen, und vielleichl wird sich von 
hierher noch eine passende Erklärung bieten. 

2) Fs ist aus N"- "w „Name des Lebens" umgestellt. Qol 59, 
1 5 ff.: ..Zu preisen, zu verehren, zu verherrlichen, zu segnen den Ilaijasum- 
Kustä, den Boten des Lebens, und das erste Wort der Männer von 



Die Weltschöpfung. 213 



tete darin den Eimer auf und wurde darin Arzt genannt. Bar- 
Haije zog den Anteil des Großen ein und brachte ihn sieghaft hinauf 
zum Orte des Lichtes. 

Das Leben ist siegreich, und siegreich || ist der Mann, der 231 
hierher gegangen ist. 



Die Weltschöpfung. 

Zu den sonstigen mandäischen Kosmogonien, die Brandt, Rel., 
p. 24 fr. zusammengestellt hat, kommt hier eine neue hinzu. Sie ist dürftig 
und verworren; sie befaßt sich mit der Schaffung der Erde, der Wasser 

10 und des Himmels. Beteiligt an der Schöpfung sind Hibil-Ziwä, Sitil, 
Ptahil und Ajar, der personifizierte Äther. Gegen sie nimmt Sihlün eine 
feindliche Stellung ein. Der Name 1"lVrpTÖ bedeutet „es (das Leben) hat 
mich gesandt - ' (vgl. 241,3) und gehört zu der Gruppe von Namen, die 
ich Uthra, p. 544 besprochen, habe. Sihlün findet sich sonst nur als 

15 &nm» Tibi-Plö JObiW Morg 7, if.; Siouffi 39,27 hat ihn vielleicht aus 
dem Johannesbuch. Das Wesen ist wohl eine junge Schöpfung, und viel- 
leicht steckt irgendein Krrr:; in ihm, aber kaum Gabriel. Einige Berüh- 
rungen zeigen GR 168 ff.; 267 f. und Mand. Diwan B. 

Das Kapitel hat den natürlichen Eingang kosmogonischer Erzählungen 

20 vom babylonischen Enuma rtis bis Manis Kosmogonie (Bar Koni ed. 
Scher II, p. 313). 

62. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Als die Tibil noch nicht existierte und die Welt noch nicht 
25 geschaffen war, als die Verdichtung noch nicht vollführt und zustande 
gekommen war, als das Wasser noch schwarz war, da machten 
sich auf und kamen Hibil-Ziwä und Sitil und Sihlün und Ajar, sie 
kamen zur Tibil (!) und stellten sich hin. Hibil warf den Damm 1 
auf, maß das Wasser und teilte es in Adern-' aus. Wie Sihlün 
30 dasteht, füllte er seinen Sinn mit Gift gegen Hibil-Ziwä und Ajar- 



erprobter Frömmigkeit, der durch die Welten drang, kam, das Firmament 
spaltete und sich offenbarte". Qol 71,7 ist es ein Personenname. 

1) Siehe S. 102 5 . 

2) Eigentlich „Finger". 



214 ^' e Weltschöpfung. 



Ziwä und sprach zu ihnen: „Meine Brüder, ihr einfältigen Uthras, 
ihr Uthras, die ihr ohne Glanz und Schönheit seid. 1 Aus dieser 
Welt, zu der ihr mich gebracht habt, wird keine Erde entstehen 
und kein Himmel zu bilden sein. Das schwarze Wasser wird nicht 
trocknen, und die Erde aus dieser Welt, die ihr geschaffen habt, 5 
nicht zustande kommen. Wie sollte dem Adam Hawwä, sein Weib, 
wie ihm seine Söhne entstehen? Wie sollten sie fallen, wie sich 
232 erheben? Wie sollten die Eier 2 und Skinäs entstehen? || Wie sollte 
Adam Kraft, wie sollten ihm Gewürze kommen? Wie sollen Adam 
wohlriechende Pflanzen und Gewürze aus diesem schwarzen Wasser 10 
entstehen? (Wie soll ihm eine Frau entstehen?) W 7 ie soll die alte 
Myrte 3 und die (sonstigen) wohlriechenden Gewächse gepflanzt, wie 
Maru astargan 4 gepflanzt werden? 5 Wie soll sich hier Omamir- 
Ziwä einfinden? 6 Wie soll er hier Blumen und Kräuter pflanzen, 



1) Die Wendung "pbmb N^NDI K^KBJl hat sich nach einer anderen 
gebildet. GR 8, 18 heißt es: «■»öTüNI l ptfD«bl 'piTKIDfisb -pn^b^DT 
«•nnN5«b liirw»; GR 211, 14: K^KDNrn N^rratDNbi twan wn "p ^«b^ba 
-n;-n:n? rr.-2 Rd^üni; Qol n, 3: N-nN-rxbn ccn2 firrii iXITmi FrnNib&s"! 
^iNriNiNb rr:" - : FisTttNl K^itBKbl. Da ist Nrro = ]<tla,, nnd wahrschein- 
lich mit Nöld., p. 62, 17 f. — fovs- „Ihre Kränze verwelken nicht und 
gehen nicht auseinander, und ihre Blätter fallen nicht ab" usw. Daneben 
gibt es ein Substantiv- N^NM", das etwas Gutes aussagt, vgl. S. 1: Anm. 
GR 347, 23 steht rfrrrb N*Jwi. Dieser Ausdruck wurde nun nach dem 
anderen zu rrbrrb &ONS1 S'N'öi erweitert, worin n*ND zu ^ND „schön 

;i" gehört. Danach ist N'NDT fcTKlöi ACD das Richtige. Da übrigens 
im Mandäischen fitilD, NND vom Verfliegen der Blätter gebraucht wird, 
könnte babyl. pü, etwa „Spreu", vgl. Jensen KB VI, 1, p. 453 f., dazu 
gehören. 

2) Vgl. S. 208 7. 

3) Die Myrte ist von Bedeutung, weil der im Kultus getragene 
Kran/, aus ihr geflochten wird. GR 345, 24: „Wir beschwören ihn bei 
der alten Myrte, der wohlriechenden Pflanze, aus der sie den Kran/, 
winden." Auch sonst ist von ihr vielfach die Rede. Wahrscheinlich 
wurden wegen ihrer kultischen Bedeutung ihre Anfänge in die Urzeit ver- 
setzt, daher das Beiwort NTÖ^lüfitp. Zur Myrte in anderen Kulten vgl. Fehrle, 
Kultische Keuschheit im Altertum (Religionsgesch. Versuche VI), p. 239 fr. 

I) Vgl. Low, Aramäische Pflanzennamen, p. 251,37. 

5) Vielleicht arbn-WM yWn fcTiNi-p^l NiClöNp KON r-n^-: ■prfitM 
-N.-.-Nr-wN s— n-: bTittTH "prair 

6) GL 2 ff. wird svt TöNttp mehrmals neben b^llNSS als Seelen- 
geleiter genannt. Sonst kommt er nicht vor. Hier zwischen den Pflanzen 
erwartet man ihn nicht. 



Die Weltschöpfung. 215 



und wie sollen Heilpflanzen und Sämereien aus diesem schwarzen 
Wasser entstehen? Wie soll sich die griechisch kunstvolle Erde 
gestalten und wie Hengste, Rinder und der Pflug zustande kommen? 
Wie soll die Erde geschaffen , wie bepflügt werden und Same dann 
5 in die Erde fallen? Wie sollen die Kinder Adams gehen, womit 
[das Getreide] mähen, womit es || zermahlen, wie soll Adam das 233 
Pihtä schaffen und essen? Wie soll das weiße Lamm 1 entstehen? 
Wie soll es niedersinken, wie hochkommen, wie empfangen, wie 
gebären? Wie sollen die Lichträder geschaffen werden, die dem 

10 Adam mahlen, damit er esse? Wie soll der Himmel und die Vögel 
entstehen? Wie soll die weiße Taube geschaffen werden, um Adam 
eine Gefährtin zu sein : " 

Als Sihlün dies sagte, kam Ptahil heran und sprach zu ihm: 
„Ich will die Verdichtung bilden, und Ajar wehe darüber. Ich will 

15 das schwarze Wasser wegschaufeln, und Hibil bilde ihm eine Sen- 
kung." 2 Ich will die Erde bilden, und das Gewand 3 wollen wir von 
Ur bringen. Hibil und Sitil mögen das Zeltdach ausspannen." 4 

Da wurde Sihlün voll Zornes, schlug Ptahil und sprach zu ihm: 
„Du bist ein Frevler, Sohn eines Frevlers, dessen Güte das Leben 

20 nicht annehmen will. Wer bist du unter den Uthras \\ und den 234 
Männern 5 , daß du die Welt schaffen willst?" Als Sihlün so sprach, 



1) Das Weib wird hier als „weißes Lamm", weiterhin als „weiße 
Taube'' bezeichnet. Bei Nntfn denkt man zunächst an „Feige- 4 , aber 
Feigen sind nicht weiß, dann heißt es im Pariser Diwan, 205 ff.: triNr; "l" 
NDNn la tnnspal «Mram y- ^or -irr: N"r>v: y-r^z «■»'btttttH 
w\-"~*: KIRVil „Wenn alle Gewänder von Seide sein sollten, so sei es 
außer dem Gürtel; der sei von Wolle, der Tochter des weißen 8n»n." 
Hier ist also NDNn zweifellos „Schaf". Der Ausdruck NriNn 13 NlÖNpN 
N-N-n entspricht snctTri NWÖ11Ö in Wo* 1 » 2,11. Dieses NnKD bildet 
eine prächtige Parallele zu NnNn im Ostrakon aus Elephantine Sachau, 
Taf. 63, 1, für das ich Deutsche LUeraiurxeiiung 191 1, col. 2979 (= Ephem. 
III, p. 256) die Bedeutung „Schaf-' festgestellt habe. Die Herleitung ist 
auch jetzt noch ungewiß; nb kann es natürlich nicht sein. 

2) Eigentüch jemand oder etwas, das es in die Tiefe zieht. Gemeint 
ist doch wohl eine Senkung, wo das Wasser sich sammeln kann. 

3) Das zur Schöpfung erforderliche Gewand. GR 268, 13t.: „Er 
(Ptahil) nahm lebendes Feuer, dann nahm er eines von den Gewändern, 
mit denen er bekleidet war, warf es in das schwarze Wasser, und die 
Erde Tibü dichtete sich." 

4) Xöld., p. 278, 19 nicht richtig übersetzt. 

5) Hier ist wohl etwas ausgefallen. 



jlh Die Wcltschöpfung. 



stürzte sich Ptahil in das schwarze Wasser. Das schwarze Wasser 
schaufelte Ptahil weg, und Hibil und Sitil schufen eine Senkung 
für das Wasser, j Ptahil] 1 schaufelte die Erde der Tibil zusammen, 
als ob nie Wasser daran gewesen wäre. Ajar schlug mit seinen 
Flügeln, und wie Sihlün noch dastand, war das Trockne da. Ptahil 5 
schlug Säulen ein, Hibil spannte den Himmel aus, Sitil bildete die 
Räder, und Anos band sie an ihm fest. 2 Hibil ging rasch, Jösmir, 
Zihrün 3 und Bihrün wurden Zimmermeister. Sie fügten das Schiff 
zusammen und machten ihm ein Vorder- 4 und Hinterteil. 5 Hibil 

schuf einen 6 , brachte den Jordan und legte ihn unter der 10 

Erde Tibil im Kreise herum. Er setzte einen Messer hin, der maß 
das Wasser und goß lebendes Wasser [in das trübe Wasser]. Als 
es in das trübe Wasser eintrat, klagte und weinte das lebende 
235 Wasser. Als es in das trübe Wasser eintrat, als er || das lebende 
Wasser unter das trübe Wasser mischte, trat Finsternis in das Licht 15 
ein. 7 Sie brachten dann Jösamin, setzten ihn über die Tibil und 
sprachen zu ihm: „Gib uns deine Söhne, damit sie in der Tibil 
umherkreisen und diese Welt erleuchten. Wir wollen Stämme 
schaffen und gründen, an denen du deinen Anteil nehmen sollst." 



1) V^JlMDS in Z. 3 gehört wohl hierher. 

2) Es sieht aus, als ob N!"P2 ein Objekt zu PJ3"iNl3:i enthielte. 

3) NTil^ "pli-PT wird GR 127, 1 2 f . mit NUNS TttöT' identifiziert. 
Im Ginzä wird Zihrün sonst mir noch R 221,3 genannt: ■p'nrT'n TFIT 
■•-rrai T!"i3"i, vgl. zu diesen Namen Uthra, p. 544 und Siouffi, 
p. 39,21 f.; 51 f. Zihrün wird an anderen Stellen als NTN1 „Mysterium" 
(Oxi b; Cod. Par. 25, f. 38a = Cod. 15, f. 31a; Cod. 25, f. 38b = 
Cod. 15, f. 31b), als N31 NTN1 Qol 2,11,25, a ^ N^OfiO NTfin Morg 5, 8 
und Siouffi, p. 41,52, als NirnNTJ ..Strahl" Morg 168, 2 f.; 172,9t.; 
17-. iof. (Oxf. 109b: jrajafcm b"'5>73Nb\D' , ffl "p^iiTT) bezeichnet. Im Mand. 
Diwan stehl unter der zweiten Figur 20 (von links): ..Dies ist das Bild 

Zihrün, der eine Keule trägt und auf dem Kopfe des Ur steht." 
■"--"2 wird außer an den angeführten Stellen nur noch Morg 77, 2 
(Oxf. 57a) b^ywfcOi ■p-rvs und danach wohl Siouffi, p. 39,24 genannt. 

4) Vgl. S. 4 8 8 . 

5) Obwohl es nicht gesagt ist, ist das Schiff doch wohl als Planeten- 
schiff gedacht . weiter unten. 

6) Im babylonischen Talmud heißt n-j:"2 "in „Grenznachbar", was 
ni< h< paßt. Etwa .. Brti< kenpfeiler" ? 

7) Ursprünglich mag der Text gelautet haben: &OÜ3 n-t; N*': N-nm 
n~:-n\- n--:^ -,z a-r, N-: -pSKai yot& yr'-a wanun N":n in 'firMriMn 
ns-s- n---:; Nnrrn NTofiNn N":n n--- fcr»(b) ■pi'QIN in "rn— n. 



Mänas Sendung. 2 1 7 



Da brachten sie Samis und Zihrün 1 , sie brachten Sin den Großen 
Sadrel, sie brachten sie und stellten sie am Jordan auf und sprachen 
zu ihnen: „Geht ihr in der Tibil für den Tag auf, und wenn sie 
bedeckt sind-, geh du Sin für die Nacht auf :i , damit nicht auf der 
5 Erde und am Himmel Streit entstehe und die Dämonen Macht über 
Adam und sein Weib gewinnen. Sie nahmen dann Samis für den 
Tag und Sin für die Nacht auf, sie brachten Libat (Venus) die 
Große und Bei (Jupiter) den Großen und Kewan (Saturn) den Großen 
und Nirig (Mars) den Großen 4 , sie bauten ihm ein Schiff 5 , brachten 

10 Hawwä die Kleine 6 und gewährten ihm Anteil (an ihr?) und machten 
ihn || zum Übernehmer der Tibil. 7 Die Söhne des Jösamin über- 236 
nahmen diese dann auf achtzig Jahre, hernach wollten die Söhne 
des Jösamin nicht mehr, da brachten sie die Planeten, von denen 
ein jeder sie einzeln übernahm. 8 

15 Und gepriesen sei das Leben. 



Mänas Sendung. 

63. — Eine Stimme aus der Höhe rief uns zu. Es 9 wählte 
einen Mänä aus und sandte ihn zu uns, einen Mänä sandte es uns 



1) Hier offenbar ein anderer Zihrun als der vorhergenannte; es 
scheint der Morgenstern zu sein, siehe S. 1 1 2 . Nachher wohl b'WJNOl yz. 
Sadrel wäre dann der Abendstern. 

2) Hier steht die dritte Person, weil er sich nun an Sin wendet. 

3) Lies N'l- Nrt83"JKM statt &r>17"P3 "FK1 

4) Nbu- Merkur fehlt. 

5) Die Worte beziehen sich auf fösamin, obwohl er für sich kein 
Schiff braucht. 

6) Im Gegensatz zu den Planeten wird sie als „die Kleine" be- 
zeichnet. Es ist jedenfalls eine andere als die Frau Adams. Sie wird 
sonst nicht genannt. 

7) Der ,.Übernehmer" der Tibil ist ihr Regent, vgl. 235,2. Im 
Asfar Malwäse, p. 195fr. wechselt in bezug auf die Planeten N3NbnNp73 
Nn-i-^n mit Nnvcn sr^s - :. 

8) Hier werden die Söhne des Jösamin von den Planeten geschieden, 
vgl. dagegen 235, 3. Zu der Herrschaft der Sterne über die Welt vgl. 

GR 379- 

9) -sn: und -S"NO sind wahrscheinlich Plurale mit tTT; als Sub- 
jekt, vgl. Z. 14. Nachher spricht der Mänä plötzlich von der Rede des 
Manda «IHaije (237,3 t.). Ich glaube, daß er sich mit Mandä dHaije 



2i8 Mänäs Sendung. 



aus dem lichten Heime. Der Mänä macht sich auf und kommt zu 
denen, die ihn kennen und verstehen. Als die Kenner 1 den Mänä 
erkannten, sprangen sie auf und kleideten sich 2 in Weiß; sie sprangen 
auf und kleideten sich in Weiß und setzten sich prangende Kränze 
auf. [Prangende Kränze] setzten sie sich aufs Haupt und gehen 5 
dem Mänä entgegen. Sie verneigen 15 und verbeugen sich vor ihm 
und strecken sich in ihrer ganzen Länge hin. Sie sprechen zu ihm: 
„Woher ist deine Palme 4 , woher 5 deine Wurzel und Palme, woher 
der Pflanzer, der dich gepflanzt hat?" Da erwiderte der sanfte 
Mänä und sprach zu den Kennern: „Meine Wurzel ist vom Leben 10 
und meine Palme vom Orte des Lichtes. Die Männer, die mein 
237 Gewand geschaffen haben, sind Mänäs 6 aus || dem lichten Heime. 
Meine Söhne riefen mich, da kam ich, diese Welt zu wecken. 7 
Heil dem, der auf meine Rede hört und meinen Pfad wandelt. Wer 
auf die Rede des Mandä dHaije hört, schaut das gewaltige Leben. 15 
Wer auf die Rede des Mandä dHaije nicht hört, fällt in das lodernde 
Feuer. [Im lodernden Feuer] wird seine Wohnung sein, bis zum 
großen Gerichtstage, an dem ich gegen ihn zeugen werde. Ich 
war eine (warnende) Stimme, ich rief ihm ins Ohr, doch er wollte 
nicht hören; ich rief ihm zu, doch er wollte mit dem Ohr nicht 20 
hören. Ich zeigte es ihm ins Auge, doch er wollte nicht sehen; 
ich zeigte es ihm, doch er wollte mit dem Auge nicht sehen." 8 
Und das Leben ist siegreich. 



identifiziert, vgl. -Nnro und K^ifj &n5N£l $nw, nicht, daß er im Auf- 
trage des Mandä dHaije kommt, so daß dieser Subjekt zu ^Nr;^ und 
-ninc wäre. 

1) by~\ ist Dittographie. 

2) lDiab ist kaum ursprünglich, siehe Nöld., p. 2 1 <■) ' ; zu sonstigem 
biüp im Mandäischen vgl. Nöld., p. 218. 

3) Neben dem transitiv« n B5N33 findet sieh ein intransitives ISihS, 
256,9, doch ist hier vielleicht -"T\Sw'- ZU ergänzen, vgl. 240,12. 

I) Zweifelhaft, vgl. Florilegium Melchior de Vogüe, p. 373 zu 1 7^- 

5) Lies fc«73. 

6) Lies nt.v: "der mit Verwertung der LA B i r>:*i2. 

7) hh vermute &p h TPK^ nW), siehe 238,15; 239, i. Zu den 
men von — r vgl. Nöld., p. 62 2 ; 72,19; 252f. 

Vgl. S. [754. 




Der Pflanzer. 2 i Q 



Der Pflanzer. 

Das Stück steht dem vorigen und den Abschnitten 40, 41 nahe. 

64. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

5 Ich habe mich in diese Welt begeben, um zu pflanzen des 

Lebens Pflanzung, um die Pflanzung des Lebens zu pflanzen und 
Jordane in vollkommener Art hinzuziehen. 1 Sie 2 brachten vom 
Leben, was vom Leben war. Sie brachten lebendes Wasser, um 
daraus Jordane zu schaffen; um das Gebet an das Große zu ver- 

10 richten und prangende Gewächse zu pflanzen; zu pflanzen [pran- 
gende Gewächse] und sie mit lebendem Wasser zu tränken 3 || und 238 
die Rede des Großen und das Wort vernehmen zu lassen, welches 
das Leben zu mir gesprochen. Ich lehre sie die Lobpreisung, damit 
sie aufstehen und das Gewaltige preisen. Die Gewaltigen 4 und 

15 Rohen, die mich erblickten, gingen mir entgegen. Die Gewaltigen 

und Rohen gehen hinaus, indem sie 5 annehmen. Sie nehmen 

an und beraten sich miteinander. Miteinander beraten sie 

sich und hecken Böses gegen mich aus. Sie sagen: „Auf, wir 
wollen hingehen und ihn nach seinem Wohnorte fragen, wir wollen 

20 ihn fragen und von dem Orte sprechen, aus dem er gekommen ist. 
Wir wollen ihn fragen und ihm sagen: „Wer hat dich mit diesem 
Glänze bekleidet? Wer hat dich bekleidet mit diesem Glänze, daß 
deine Gestalt so wundersam ist? So wundersam ist deine Gestalt, 
und dein Glanz leuchtet über die Welten. So leuchtend ist dein 

25 Glanz und lieblich deine Zier über den Welten." 

Darauf sprach er zu den Gewaltigen 6 Ich sprach zu 

den Sieben, den Söhnen der nichtigen Wohnung: „Ein Großer bin 



1) Vgl. GR 318 unt. 

2) Man erwartet „ich". 

3) Vgl. Nöld., p. 293,18. 

4) Lies N-n — . 

5) Ich habe für N';:*r; keine Erklärung. GR 55,23 bezeichnet es 
eine Dämonenart, vgl. Nöld., p. 76,11. Diesen Sinn kann es hier nicht 
haben. GR 105,4 stent es wie llicr als Objekt zu ::;."?, aber „Tanz'' wie 
GR 225, 7 f., vgl. Nöld., a. a. O., kann es schon wegen des Plurals nicht 
bedeuten. 

6) Man erwartet 10— in* N':*r:; Nmiü ist wohl aus dem Folgenden 
hierher geraten, vgl. auch S. 220 3. 



220 Der Gute und die Bösen. 



_^ 



ich, ein Sohn des großen (Lebens), der ich durch die Kraft des 
239 Großen hierher gegangen bin. Ich bin hergekommen, um || den 
Ruf des Lebens zu rufen und den Stamm des Lebens aufzurütteln; 
um die Pflanzen der Frommen 1 zu pflanzen und den Stamm des 
Großen einzusetzen, um sie einzusetzen und ihnen Gutes zu lehren. 2 5 
Um sie in Gebet und Lobpreisung zu unterrichten 2 , damit sie sich 
erheben und das Gewaltige preisen. Damit sie Jökabar-Ziwä preisen, 
den Mann, der (ihnen) ein Führer sei, daß er (ihnen) ein Führer 
sei vom Orte der Finsternis zum Orte des Lichtes." 

Und das Leben ist siegreich. 10 



Der Gute und die Bösen. 

65. — In einer Glanzwolke sitze ich, aus dem Hause des 
Lebens habe ich mich hierher begeben. Ich wanderte dahin und 
ging, bis ich in die Wohnung der Bösen, [in die Wohnung, in der 
die Sieben wohnen?] 3 kam. (Ich kam| und fand sie alle in Trauer 15 
dasitzen. Alle sitzen in Trauer da und streuen Staub auf das Haupt 
der Rüha. Staub streuen sie auf das Haupt der RühFi und geben 
sich einem häßlichen Treiben hin. Sie unterhalten sich in frevel- 
hafter Rede, sie reden in gierigen 4 Worten. In gieriger Rede 
(reden .sie): „Auf 5 , wir wollen eine falsche Gestalt annehmen, wir 20 
wollen uns erheben und ein Oberhaupt uns ernennen. Ein Ober- 
haupt [wollen wir uns ernennen] und Früchte 6 in die Welt austeilen. 
240 Früchte 6 wollen wir in die Welt austeilen || und einen nichtswürdigen 
Ruf vernehmen lassen. Wir wollen gleich dem Manne rufen, der 
hierher gegangen ist. Wir wollen sie zu deiner Anbetung rufen 25 
und sie Verkehrtheit hören lassen und damit anfüllen. Wir wollen 
uns hinsetzen, sie belehren und zu ihnen sprechen: „Warum ver- 

1) Unsicher, vgl. S. 212 r . 
j) Vgl. Nöld., p. 293, \z f. 

3) Vielleicht isl WNU N^NTl KTiNlb zu lesen; dies scheint z. T. 
in 238,13 hineingeraten zu sein. 

I) Vgl. s. 

5) I ■•' - "TN. 

6) Man erwartet ein and. res Wort; &ms>, tniNE vgl. S. 10O 2 paßt 
.i oi< ht recht. 



Der erste Sohn in der Tiefe. 221 



lasset ihr unsere Rede? Warum verlasset ihr unsere Rede, und 
warum verändert ihr unser Wort? Wir wollen uns hinsetzen und 
zu ihnen sprechen, bevor der fremde Mann sich hierher begibt." 
Als ich sie sah, trotzte ich ihnen und lachte sie alle aus. 1 Ich 
5 leuchtete in meinem hohen Glänze, so daß ich den Welten sichtbar 
wurde. Als die Welten- mich sahen, gerieten sie in Furcht, und 
es erbebte die Gottheit des Hauses. Rühä fiel von ihrem Throne, 
und alle Welten- zerstreuten sich. Die Sieben zerrissen 3 ihre Ge- 
wänder und vergaßen (nicht), was sie tun. Alle beugten ihr Haupt, 

10 sie stürzten hin und fielen auf ihr Antlitz. Sie stürzten hin und 
fielen auf ihr Antlitz, sie hüben an und sprachen: „Herr, wir haben 
gesündigt! Wir haben gesündigt, doch vergib du uns unsere Sünden." 
Da ich gerüstet und gesiegelt war 4 , sprach ich zu den Welten und 241 
erklärte den Sieben, den Söhnen der nichtigen Wohnung: „Als ich 

15 hierher kam, da hatte mich das Große gesandt, um etwas ****** 
auszuführen. 5 Ich bin hergekommen 6 , um Gutes zu stiften. Gutes 
will ich stiften und Gutes unter meine Freunde streuen. Aufklären 
will ich sie über eure frevelhafte Rede, an der kein Licht ist. Auf- 
klären will ich sie über euer Geschwätz, damit sie eure Rede nicht 

20 anhören. Damit sie eure Rede nicht anhören und nicht in eurer 
Welt zurückbleiben." Als meine Auserwählten mich hörten 7 , wurden 
alle gut. Alle wurden gut und erhoben ihr Antlitz zum Orte des 
Lichtes. 

Und das Leben ist siegreich. 

) *=z { 

25 Der erste Sohn in der Tiefe. 

66. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Jenseits, in den Früchten des Glanzes, in den Höfen des 
Lichtes, im Hause der Vollendung, in dir, Garten des Äthers, dem 



i) Vgl. GR 117,22. 

2) Lies wS-:rx. 

3) Lies NT3. 

4) Lies SÜÖYlSTm 

5) Lies ^pVfPIÖ iOS- ****** "Di: -INniH BONiTlb PTN s O SO». 

6) Lies rpn*. 

7) Lies ■■"-^i oder "pölüi wie in B. 



222 Der erste Sohn in der Tiefe. 



242 Bau *******, in dir, || Garten des Adam, ruft 1 die Stimme des 
Lebens aus, was das Große sagt. Gleichnisse, Gleichnisse sagt es 
in Herrlichkeit, Worte sagt es in Herrlichkeit, Worte in (himm- 
lischer) Stimme sagt es und offenbart die Geheimnisse, die 2 zwischen 
Vater und Sohn statthatten. 5 

Als diese Wohnung noch nicht existierte :! , als diese ********•' 
noch nicht da war, als Sonne und Mond noch nicht da waren und 
in der Welt einhergingen, da brannte schon der Glanz in seinem 
Behälter.'' In ihren Hüllen lagen die Bestimmungen verborgen, ver- 
borgen und verwahrt in ihren Büchern. Die Stürme wahren Schweigen 10 
und sitzen in den Einöden der Welt. 6 

Der Vater, der lauter Glanz, das Licht, das lauter Strahlen (?), 
der Herr der Größe, steht aufrecht im Hause der Vollendung. Es 
sprach der Große zum Ersten, seinem Sohne: „Mein Sohn, komm, 
sei mir ein Bote, komm, sei mir ein Träger 7 , komm, sei mir ein 15 
Träger und tritt mir die aufrührerischen Erden nieder. Geh in die 

243 Welt || der Finsternis, in die Finsternis, in der es keinen Lichtstrahl 8 
gibt, an den Ort der Löwen, an den Sitz der verwünschten Leo- 
parden, an den Ort der Drachen, an den Sitz der verderblichen 
Dämonen, an den Ort der Lilithe und Astarten, die verhüllt 20 



1 ) N"~Np ist zu ergänzen. 

2) ~, ist zu ergänzen. 

3) Im folgenden zeigen sich einige schwache Berührungen mit der 
manichäischen Kosmogonie bei Bar Koni (ed. Scher II, p. 313 f . , vgl. 

h Cumont, Recherckes sur le Manicheisme, p. 7 h'.). Dort sendet der 
jiao« \zl.'\ den \* Kn j n \-H\ zum Kampf in die Welt der Finsternis. 

4) Statt Nir; ist ein Wort wie N":rN anzunehmen. An xbin vh] 
ist liier nicht zu denken. 

5) Siehe S. 4 4 . 
o) Vgl. 122, 11. 

7) liier wird dieselbe Bezeichnung gebraucht wie im Berichte des 
Bar Koni für den manichäischen 'Q/xoq)üQog, Alias (vgl. Cumont, a.a.O., 
p. 22, 69 fr.), ohne daß ein innerer Zusammenhang besteht. Der Ausdruck 
wird liier mit Rücksicht aut die Aufgaben angewandt, die der erste Sohn 
aul sich nehmen soll, vgl. die häufige Verbindung b&WDT NTl und S. iq67. 

8) Liesest? wie hier 244, 5; OK 75,7; 3 2 3>3; 33M; GL 135,4. 
In GR 32,23 stellt Nat3>. Siehe zu dem Worte Nold., p. 45 "b. (wo das 
Zitat I, 22,2^ zu berichtigen ist); 3131111t. NTöldeke leitet es von ?ait 
„Färbe" ab; ich möchte es eher zu "n'^N „Finger" ziehen, vgl. auch 
Nöld., p. 135,4 ( -^ t ; 1 1 1 10,17 lies 9, 17). Kinen anderen bildlichen Ge- 
brauch des Wortes haben wir ja oben S. 213,29 kennen gelernt. 



Der erste Sohn in der Tiefe. 223 



sind 1 , an den Ort der Wasserbäche 2 und der lodernden Pech- 
höfe." Da sprach der Erste zum Großen, seinem Vater: „Steige 
ich hinab, wer wird mich hinaufbringen? Falle ich, wer wird mich 
halten: Wer wird meine Seele mir zusammenhalten 3 , damit wir 
5 nicht in das brennende Wasser fallen? 4 Wer wird mir eine Ver- 
dichtung schaffen, damit wir nicht in das trübe Wasser fallen? 4 
Wer wird mir meine Krone, die Stirnlocken des Glanzes, auf dem 
Haupte aufrichten? 5 Wenn die Bösen mich in ihrer Burg gefangen 
halten, wer wird mir ein Erlöser sein?" 

10 Darauf erwiderte der Große dem Ersten, seinem Sohne: „(Du 

fragst), wenn du hinabsteigest, wer dich hinaufbringen werde 6 , wenn 
du fällst, wer dich halten werde; wer deine Seele dir zusammen- 
halten werde, daß sie nicht in das brennende Wasser falle? Ich 
werde dir eine Verdichtung schaffen, damit du nicht in das trübe 

15 Wasser fällst. || Deine Krone, die Stirnlocken des Glanzes, will ich 241 
dir auf dem Haupte aufrichten. Wenn die Bösen dich in ihre Burg 
werfen, will ich dir ein Erlöser sein. Steh auf im Namen des 
Lebens, lege die Stirnlocken des Glanzes zusammen, kleide dich 
in das Leid der Welten 7 und geh in die Welt der Finsternis, in 

20 die Finsternis, in der kein Lichtstrahl da ist." 

1) Auch GR 99, 9. Die Worte knüpfen etymologisch an NnKTnö an. 
Eine Reminiscenz an die verschleierte Astarte anzunehmen, ist verlockend, 
aber bei dem Doppelsinne von "ino nicht sicher. Megülah Babli, f. 13 a 
wird bei dem Namen "inöN mit demselben "inö gespielt: "n'na ÖTB ~v 
rr-n- n-ino?2 mit Rücksicht auf Esth. 2, 10. GR 85,21; 96,21; 329, 1 f.; 
361,14 t. heißt es mit dem anderen - rO von der Riihä 'S'": flbl"W 
K^lTlftO ..sie rauft sich die Locken am Kopfe aus". 

2) Trotz des unerklärlichen :n scheint N"2Nt:n etwas wie ..Bäche-' 
zu sein und somit N^NT zu entsprechen, vgl. Brandt, Jahrbücher fürprotest. 
Theologie XVIII (1892), p. 427 (zu GR 19,7). 

3) Ich vermute 8ibs"lW2, vgl. 244,3. 

4) Er und seine Seele. Ich würde freilich an beiden Stellen b^B^ötbl 
oder r-"rxbi vorziehen, letzteres mit Beziehung auf die Seele, vgl. Z. 14 f. 

5) Sonst steht b*M bei Km&tp, vgl. S. 56,7. Hier liegt ein Zeugma 
vor; y-in gehört zu n't-'tz. 

6) Der Text schwankt im Gebrauch der Person zwischen der An- 
sprache des Vaters an den Sohn (2. Person) und der direkten Anführung 
der Worte des Sohnes (1. Person), und zwar so, daß die mit ]ixn ein- 
geleiteten Sätze die direkte Rede haben. Das läßt sich deutsch nicht 
wiedergeben. Ich übersetze das Ganze durch die indirekte Rede. 

7) Vgl. zu ON—p Nöld., p. XXX, 6 f. Hier und an der anderen 
Stelle, GL 41, 7, steht N":tn 3N"p allerdings parallel JOITÖtt. 



224 Ermahnungen. 



Es umzingelten ihn Löwen, es umzingelten ihn verderbliche 
Dämonen, es umzingelten ihn Drachen, Lilithe und Astarten, die 
verhüllt sind, es umzingelten ihn Wasserbäche und lodernde Pech- 
höfe. — Wenn nicht die Kraft, die mit mir war, wenn ich nicht 
ein Jünger wäre; der Ruf des Jüngers bringt den Mann, seinen 5 
Beistand, zum Vorschein. Da sprach er zu ihm: „Herr der Größe! 
Was habe ich gegen dich gesündigt, daß du mich hierher gesandt 
hast, daß du mich in die Tiefe gesandt hast 1 , die ganz Gestank 
ist, in der sich noch niemand niedergelassen hat?" Als Nsab dies 
von mir hörte, sandte er mir einen Stab, der mir Rede und Er- 10 
hörung verlieh, und sprach zu mir: ,, Erschlage mit ihm die Löwen, 
"24."> erschlage mit ihm die verwünschten Leoparden, erschlage mit ihm 
die Drachen, erschlage mit ihm die verderblichen Dämonen, er- 
schlage mit ihm die Lilithe und die Astarten, die verhüllt sind. 
Trockne mit ihm die Wasserbäche aus 2 und die lodernden Pech- 15 
höfe." Ich rief laut nach dem Hause des Lebens, da sandte es 
mir Kraft und Glanz. Darauf führte ich der Reihe nach die Werke 
aus, die mein Vater mir aufgegeben. Die Finsternis drückte ich 
nieder und richtete das Licht in hohem Maße auf. Ohne Fehler 
stieg ich empor, und nicht war an mir Fehl und Mangel. 20 

Das Leben wird hochgehalten, das Leben ist siegreich, und 
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist. 




Ermahnungen. 

I);is Kapitel besteht aus zwei Bruchstürken, die 247,3 zwischen 
NEDin und N-iw\- zusammentreffen. Das erste entspricht GR364, 21— 25 
365,14, das zweite [oh 97, 3— 101, I. Wahrscheinlich ist ein Blatt aus 
dem anderen Teile des [ohannesbuches hierher in eine bereits bestehende 
Lüeke geraten und wurde später gedankenlos mit abgeschrieben, obwohl 
das vorhergehende Blatt mitten im Satze abbricht und das eingefügte mit 
dem letzten Worte eines Satzes anfängt. Das erste Bruchstück ergänze 30 



\) Der Text wird ursprünglich gelautet haben: "JNVTPttfl lttNM 

2) Lies RailTa&r. Zu wS'Vrx NTpl N-irNS-Nn erwartet man ein 
anderes Verb. 



Ermahnungen. 225 



ich in der Übersetzung nach dem Ginza. Die Ermahnungen sind an 
Adam gerichtet. 

('»«. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 
5 Ein Uthra ruft von außen her und belehrt Adam, den Mann. 

Er spricht zu ihm: „Schlummere 1 nicht, Adam, und schlafe nicht 
und vergiß nicht, was dein Herr dir aufgetragen. Sei nicht ein 
Sohn des (irdischen) Hauses und werde nicht ein Frevler in der 
Tibil genannt. Liebe nicht wohlriechende Kränze und finde kein 24<> 

10 Gefallen an einem lieblichen Weibe. Liebe nicht Wohlgerüche und 
vernachlässige nicht das Gebet der Nacht. Liebe nicht täuschende 
Schatten, nicht den Verkehr mit lieblichen Frauen 2 , nicht lügnerische 
Schattenbilder. 3 Trinke nicht und sei nicht unmäßie und vergiß 
nicht deinen Herrn aus dem Sinne. Bei deinem Eintritt und deinem 

15 Austritt 4 siehe zu, daß du deinen Herrn nicht vergessest. Bei 
deinem Stehen und deinem Sitzen siehe zu, daß du deinen Herrn 
nicht vergessest. Bei deinem Gehen und deinem Kommen siehe 
zu, daß du deinen Herrn nicht vergessest. Bei deinem Ruhen und 



1) Von dem einen -riw = f*±, das bei Nöld., p. 127, 19; 231, 17; 
Brandt, Sehr., p. 1 55 2 ; Schulthess, Homonyme Wurzeln, p. 78,3 be- 
sprochen ist, hat man ein anderes zu trennen, das mit zz'O zusammen- 
steht: hier bzw. GR364, 23; GR 189,23; 190,10. Dazu ein Nomen 
sr.-s-jo neben Nnyvffi S. 124,4, 7l GR 189, 23; 190, 10. Das Wort 
lindet sich auch Montgomery, Aramaic Incantation Texts, n. 7, p. 147, 
Z. 16; n. 8, p. 1,54, Z. n (vgl. auch p. 153) und wird von M. Nn^HTO ge- 
lesen (n*:-:-- sn-nca N^i -''•:-'■:- az--r,z »b y\Tib ■pmrnn iö bzw. n"? 
N - :"*-; Nn^nusa Nr* Köb^na Stb -p-V -"-n-n, parallel K73»"H "pon^iöa joi). 
Doch werden in diesen Texten n und n nicht auseinandergehalten. Jeden- 
falls muß das Wort etwas wie „schlummern"' bedeuten. Nöldeke's Er- 
klärung Xeue Beitrüge, p. 87 scheint mir nicht sicher, zumal auch -no in 

Betracht kommt. Montgomery bringt es mit >«£ ..den Mund öffnen" 
zusammen und meint, es bedeute „schnarchen"'. Dies ist schon aus 
phonetischen Gründen nicht möglich. 

2) Nach der Lesung 77, 10 ist nur diese Auffassung möglich, vgl. 
S. 83, 1. n;n;s-: Z~> NnSSNDNTö, das hier steht, kann auch heißen „eine 
liebliche Sklavin". Dafür spricht sogar das parallele i«x;.N~ z~> DKinN und 
der Plural KriNTÖNÖNTD in einer Handschrift des Ginza. 

3) ND'Ti ist hier irrtümlich wiederholt; es fehlt im Ginzä. 

4) Besser im Ginzä ^«pa^öbl ("Nr*?;) -N7N72 b$. Vgl. zum Fol- 
genden GR 17, 16 ff.; 37, 9 ff.; 179,20". und Deut. 6, 7; 11,19. 

Lidzbarski , Johannesbuch. 15 



22 6 Gaf. — Kcänath-Nitufta. 



deinem Liegen siehe zu, daß du deinen Herrn nicht vergessest. 
Sage nicht, ich bin ein geliebter Sohn, der ich, was ich auch tun 
mag, ohne Torheit bleibe. Adam, siehe die Welt an, die ganz ein 
Dine ohne Wesen ist 1 , auf die du kein Vertrauen haben darfst. 
247 Aufgerichtet || sitzt die Wage da, und von tausend wählt sie einen 5 
aus. Einen wählt sie von tausend aus, und zwei wählt sie aus zehn- 
tausend. Die duftenden Kränze vergehen, [und Frauenschönheit 
wird, als ob sie nie dagewesen. Die Wohlgerüche vergehen, und 
die Lust der Nacht hört auf. 2 Alle Werke vergehen, nehmen ein 
Ende und werden, als ob sie nie dagewesen." 10 

Als Adam dies hörte, jammerte er und weinte über sich selbst 
und sprach zum Uthra des Lebens folgendermaßen: „Wenn ihr 
wisset, daß dem so ist, warum habt ihr mich von meinem Orte 
weg in die Gefangenschaft gebracht 3 und in den stinkenden Körper 
geworfen? In den stinkenden Körper habt ihr mich geworfen, in 15 
das verzehrende Feuer mich geschleudert. Ihr habt mich in das 
verzehrende Feuer geschleudert, daß täglich der Gestank in die 
Höhe steigt." 

Darauf erwiderte er ihm: „Schweig, schweig 4 , Adam, du Haupt 
des ganzen Geschlechtes. Die Welt, die werden soll, können wir 20 
nicht unterdrücken. 5 Auf 6 , auf, bete das Große an und unterwirf 
dich, damit das Leben dir zum Erlöser werde. Das Leben sei dir 
ein Erlöser, und du steig empor und schaue den Ort des Lichtes." 

Und das Leben ist siegreich.] 



Gaf. — Kanath-Nitufta. 25 

Das Kapitel enthält zwei Fragmente, die wahrscheinlich Anfang und 
Ende eines längeren Abschnittes sind. Es enthält wiederum eine Dar- 
stellung der Wanderung t\<-s Erlösers, liier des Mandä dHaije, durch die 



1) Der Ausdruck auch GR 300,11; GL 106, 23 f.; Pariser Diwan, 
9 f., 17* 

2) Lies Nöbs». 

3) Vielleicht auch hier "prrNTtD wie nachher. 

4) -xrNp innen Objekt? Wohl eher zu streichen. 
,5) Die Wendung entstellt auch Pariser Diwan, [o86f. 

h) Zu Din vgl. Nöld., p. 204, doch wahrscheinlich auch hier öip. 



Gaf. — Känath-Nituftä. 227 



Unterwelt. Er kommt in die Welt des Gaf, wie es auch GR 139 ge- 
.s. hildert wird, vgl. auch die Übersetzung Brandt, Sehr., p. 145. Der Bru< :h 
liegt im Satze Jf'^Psb ""T'TNr; 251,8. Nach der männli chen Form von 
""~-TNn bezieht es sich auf Gaf oder ein anderes männliches Wesen, das 
5 in einem weggefallenen Stücke genannt war. Schon die vorhergehenden 
Worte sind nicht in Ordnung, vgl. S. 228 2 . N^^rii Nrr"i weist aber 
schon auf das Folgende hin, vgl. 252, 1 f., danach liegt die Naht wohl 
vor diesen Worten. Freilich könnte "pb">TN^ irrtümlich für •■'rN'TNn stell 
und danach würde sich der ganze Satz auf NnDlü^ DN3ND beziehen. 

10 NilD")^"^ ist wie n:n;n eine Bezeichnung für hehre weibliche Wesen, 

vgl. Uthra, p. 538 f. Die Nituftä hat hier verschiedene Namen, von denen 
drei, vielleicht vier als Perfecta 3. fem. sing, gebildet sind. nN2N3 zu "3 
und PN-iNC sind von derselben Bedeutung: sie war fest. nNO^PD heißt 
..sie war einsichtig"; riN^Sa ,,sie glänzte". Die Nituftä wird aber außer- 

15 dem noch als Perle und als Lebensschatz (siehe oben S. 201) bezeichnet, 
vgl. auch 256,9fr. Känath-Nituftä "wird nur noch in einigen späteren 
Quellen genannt. Im Pariser Diwan, Z. 839 wird eine Totenmesse, 
Z. 13 17 eine Taufe der NDDiü"^ nN2ND erwähnt. Der Mand. Diwan zeigt 
unter 7 das Bild der Rühä, „der Mutter des Samis", die zugleich die 

20 Namen nN^O, nx:^D und NnDlEra haben soll. Siouffi nennt sie p. 40, 36. 
Auch nach diesem Stücke gehört sie in das Reich der Unterwelt, obwohl 
sie eine Tochter des Lebens ist. Was von ihr 251,10 fr. gesagt ist, 
könnte auch von der Rühä gesagt sein, vgl. GR 154 m (Brandt, Sehr., 
p. 165 fr.). Sie kommt an die äußere Mauer, um den Geruch des Lebens 

25 zu genießen, der mit dem Erlöser in die Unterwelt gekommen ist. Nach 
62 Jahren verflüchtigt sich der Geruch. 



68. — || Im Namen des großen Lebens und im Namen der 251 
teuren Kustä. 

Als Mandä dHaije sich nach dem Orte begab, an dem die 

30 Dämonen sitzen, als die Dämonen seinen Glanz sahen 1 , weinen und 

klagen sie und zerfließen (in Tränen).-' Die Dämonen weinen wie 



1) Lies anTiT 

2) Zweifelhaft. Das Wort findet sich in demselben Zusammenhange 
auch Florikgium Meli]/, de Vogüe , p. 354,43; GR 229, 15; 232,5; GL 
74, 23. Nöldeke leitet es p. 244, 9 von VCN ab „werden vergossen". 
Eine bessere Erklärung kann ich nicht bieten; vielleicht ist „vergossen 
werden" in dem in der Übersetzung angegebenen Sinne aufzufassen. 

15* 



•,,3 Gaf. — Känath - Nituftä. 



Lämmer, und die Weiber weinen wie Schafe. 1 Als Mandä dHaije 
nach dem Orte ging, an dem Gaf sitzt, als Gaf seinen Glanz sah, 
sprang er von seinem Throne auf. Er sprach zu ihm: „Wer bist 
du von den Großen, und wer bist du, daß du dich an den Jordanen 
aufrichtest?" 2 Er sieht die Früchte, Trauben und Bäume und den 5 
Duft des Lebens, der an mir mitgekommen ist. Da macht sich 
Känath -Nituftä auf und kommt heran. Aus den inneren Eiern kam 
sie heraus. Heraus kam sie aus den inneren Eiern und der heu- 
lenden Finsternis, und das schwarze Wasser ging mit heraus und 
kam zu den sieben Mauern, welche die Erde Sinjawis umgeben/' 10 
An der äußeren Mauer setzte sich Känath -Nituftä hin. Zweiund- 
252 sechzig Jahre [saß] || Känath an der äußeren Mauer, bis der Duft 
des Lebens sich legte und ein Bote zu ihr kam und sprach: „Steh 
auf, steh auf, Känath -Nituftä, die das Leben gebaut und geschaffen 
hat. Steh auf, Bärath- Nituftä 4 , die das Leben herzlich liebgewonnen 15 
hat. Steh auf, Pirsath -Nituftä, und steige zu deinem Vater empor. 
Steh auf, Sarrath- Nituftä, und sei eine Stütze für das Leben. Steh 
auf, Perle -Nituftä, du reine Perle, die das Leben liebgewonnen 
und der es zum Schöpfer wurde. Steh auf, Slmath-Haije- Nituftä, 
die der große Pflanzer 5 geschaffen hat." 20 

Känath -Nituftä 6 bricht dann auf. Als Känath -Nituftä zum 
Tore der Mauer kam, neigte sie ihr Knie zur Erde. Sie pries ihren 
Vater und sprach: „Leben ist er, das nicht stirbt, und Glanz und 
Licht, das kein Ende nimmt und nicht vergeht." 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 25 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 

1) Die Oxf. Rolle G hat Z. 226fr.: venam IS yosa jrFK^K 
n--n;. 12 T»3«a n— s- n™:n "to psaa «nKTnoan »Die Götter weinen 
wie Lämmer, und die Göttinnen weinen wie Schafe. Die Dämonen weinen 

wie Böcke". 

2) Zweifelhaft. Jordane erwartet mau in der Welt i\r* Gaf nicht. 

3) Der Text scheint in Ordnung zu sein. Mau hat ihn nicht zu 
NTN- »psü« mit Beziehung auf Känath -Nituftä abzuändern. Vgl. GR 
163 unt.; 166, 15 f. 

4) Entsprechend den sonstigen bei »nenena stellenden Benennungen 
vermute ich statt nKIS „meine Tochter" ri&njo, vgl. GR 374, 14. 

5) Siehe S. 60 6 . 

6) Mit der Abänderung zu MNMO allein ist die Stelle noch nicht 
wiederhergestellt. Die vorhergehenden Worte sind auch verdächtig. 



I )ie Besuche des Mandä dl [aije. 



Die Besuche des Manda dHaije. 

Auch dieses Stück schildert eine Wanderung des Manda dHaije, 
diesmal nur zu guten Wesen. Die ersten Sätze, die von der Wage 
sprechen, passen zum eigentlichen Inhalte des Abschnittes nicht und 
5 stammen aus einem Stücke, das den folgenden Kapiteln nahestand. Dieses 
Stück bricht mit p^Öfc» Z. 5 ab , vielleicht mitten in einem Satze. Die Worte 
»Tltti aiffiJVÖ» gehören schon zum Hauptstücke und sind wohl so, wie 
in der Übersetzung angedeutet ist, zu ergänzen. 

69. — Im Namen des großen Lebens und im Namen der 
10 teuren Kustä. 

|| Als die Wage nicht wägen wollte , [bis sich erhob der König] 253 

von seinem Orte, bis von seinem Orte der König sich erhob, da 

rief er der Wage zu, liebkoste und umschmeichelte 1 sie und sprach 

zu ihr: „Geh, Sarhabel-Bihram-Wage-, die die Uthras gewünscht, 

15 als eine von tausend ausgewählt und in die Höhe gebracht haben. 

******* „[Ein Sohn bist du] des Ethinsib, des Lichtes, und 

der Anhar 3 , des verborgenen Lichtes, die aus dem Lichte der 

Nituftä geschaffen sind." Mandä dHaije öffnete den Mund, sprach 

zu Singilan-Uthra 4 und redete ihn an: ,,Ein Sohn neuer Glanz- 

20 wesen", sagte er, „bist du und ein Sohn teurer Lichtwesen. Du 

bist der Sohn der reinen verborgenen Berge. 5 Ein Sohn ******** 6 

bist du, dessen Name vom bewahrten Mänä bis zu den bewahrten 

Uthras reicht und von verborgenen Uthras ******** 7 " 

Mandä dHaije brach auf und ging, bis er zu Nsab-Ziwä kam. 
25 Als Nsab-Ziwä s ihn erblickte 9 , sprang er von seinem Throne auf. 



1) So nach dem Syrischen. Nach dem sonstigen Gebrauch im Man- 
däischen hieße es „er verwirrte, betörte sie", was hier weniger paßt. 

2) Die Namen der beiden verschiedenen Wesen bV^KlnlNTö und 
CN-m sind hier der Wage beigelegt, b^aam«« ist teils ein weibliches 
Wesen, die Genossin des \H1TO, siehe S. 93, teils ein männliches: GR 
238,6; 250,1; 321,21 und sonst. Zu ÜNirpa vgl. S. 15 9 . 

3) Anhar ist ein Frauenname, vgl. S. 112,1. 

4) Vgl. S. 97. 

5) Vgl. S. 189. 

6) Da „mein Sohn" hier nicht stehen kann, muß hinter ^n etwas 

fehlen. 

7) Auch vor dem ersten fcOim* würde yn besser passen als ?v~. 

8) Lies «TT 3NS5. 
9)_Lies Fpplri. 



. t Die Besuche des Manda cjHaije. 



Er wandte sich an ihn und sprach: „Aufgeleuchtet, aufgeleuchtet 
2»± ist der große Spiegel, || dessen Eltern durch ihn leuchten. Er erleuch- 
tete die Skinäs und erleuchtete in ihnen die Uthras." 

Als Nsab-Ziwä dies sagte, wandte sich Mandä dHaije an ihn 
und sprach: ,,Du bist ein Sohn neuer Spiegel und ein Sohn ver- 5 
borgener Skinäs. Du bist ein Sohn des Abbildes der Uthras, ein 
Sohn der Lobpreisung der Gewaltigen." l 

Manda dHaije brach auf und ging, bis er zum Hause des 
Ethinsib-Ziwä kam. Als Ethinsib-Ziwä seinen Glanz erblickte, sprang 
er von seinem Throne auf und sprach: „Gesegnet sei dein Kommen 2 , 10 
Mandä dHaije, du Arzt aller Skinäs und du Narzisse, die älter ist 
als alle wohlriechenden Blumen. 3 Gesegnet sei dein Ehrenthron, 
auf dem du sitzest. Gesegnet sei der Olivenstab, den da in der 
Hand hältst, der aus dem Olivenstab des Mänä gepflanzt wurde." 

Als Ethinsib-Ziwä dies sagte, wandte sich Mandä dHaije an 15 
ihn und sprach: „Gesegnet sei der Schöpfer, der dich geschaffen 
hat. In diesem hohen Maße hat er dir Größe verliehen, dich groß 
255 gemacht, |j wie den teuren Mänä, dich zur geliebten Kusta gemacht, 
[geliebter] als alle Uthras." 4 

Mandä dHaije brach auf und ging, bis er zu S'haq-Ziwä 5 kam. 20 
Als S'haq-Ziwä seinen Glanz erblickte, sprang er von seinem Throne 
auf, redete Mandä dHaije an und sprach zu ihm: „Wie klar ist 
deine Einsicht und wie leuchtend und hell dein Glanz! Dein Glanz, 



1) Nmwi steht in Parallele zu KTJK5. Freilich würde nach vornhin 
als Parallele zu KnS'Paiö'in besser Nrr:~ oder NnrtJ passen. 

2) Vgl. GR 147,8; 152, 14. 

3) Als Parallele zu D\riO erwartet man nicht K^ÖK, sondern NCN. 
GR 107,1; 346,20,22 stehen NtN ""^n: zusammen. Danach vielleicht 
NPN:"- "-r-r y: ^"wNpi KDK, siehe S. J143. 

4) Lies "-- K^imS "~Tir y:i, vielleicht hat aber noch mehr da- 
tanden. 

5) Als N"-n K3"n KVT PNmD GR 314, 3, als K^KÜTKp KS1 KVT "püT-iZ 
Qol 10,25. Infolge dieser Bezeichnung als Erster findet man ihn in jün- 
geren Schriften mit A.dam (K^KWlKp ÖK*»K) identifiziert: pKilö DK1K KDVkm 
K^KttTKp N-~ KVT Morg 5, 3. Im Pariser Diwan sogar Kn*i pKSiDK cnin 
Kma«*Ti n-n": ini Z. 73, aa*i ^ikik" 1 -- ksi psno dk'ik z. 024 f. 

Sioi.iii nennt 39,12; -10,31 Shak-Ziro neben A'lam- Shok-Zivo. Der 
Name gehört zu pne, das im Mandäischen „hüpfen", nicht „lachen" be- 
deutet. Dies hat ebenso den Namen eines Genius hergegeben wie T"H. 
Mit - ~~----M, Isaak hat der Name nichts zu tun. 



Die Besuche des Maiul.i dHaije. 231 



[der auf deinem ** *****] ruht. Wie die Krone auf deinem Haupte 
leuchtet und die Uthras erleuchtet, leuchtet dein Glanz über den 
Üthras und allen Skinäs." 

Als S'haq-Ziwfi dies sagte, wandte sich Mandä dHaije mit den 
S Worten an ihn: „Gesegnet sei dein reicher Glanz und dein Licht, 
das in der Welt brennt.- Gesegnet sei die 3 Lobpreisung, die in 
deinem Munde ruht. Gesegnet sei die große Wolke 4 , aus der du 
gebildet wurdest. Gesegnet sei die Krone auf deinem Haupte, die 
der König dir verliehen hat." 

10 Mandä dHaije brach auf und ging, bis er zur Nituftä 5 || kam. 256 

Als die Nituftä seinen Glanz erblickte, erhob sie sich von ihrem 
Throne, während sie den Olivenstab in der Hand hielt, und wandte 
sich an Mandä dHaije mit den Worten: „Komm, komm, du ver- 
borgener Glanz, und du Licht, das in der Welt brennt. Komm und 

15 erleuchte deine Eltern, deren Augen auf dich gerichtet sind. Er- 
leuchte das Ei 6 deiner Eltern. Denn du bist der große Spiegel der 
Uthras 7 , der blinkende 8 König aller Uthras." 

Als die Nifuftä dies sagte, verneigte sich Mandä dHaije vor 
ihr, pries sie und wandte sich mit den Worten an sie: „Sarrath hat 

20 man dich in der Höhe genannt. Die Uthras versammeln sich bei 
dir, bei dir versammeln sich die Uthras und preisen dich Nituftä. 
Denn Sarrath -Nituftä bist du, die erste Pflanzung bist du." 

Mandä dHaije brach auf und ging, bis er zur Perle -Nituftä 
kam. Als die Perle- Nituftä seinen Glanz erblickte, stand sie von -JöT 

25 ihrem Throne auf, beugte ihr Knie und pries Mandä dHaije. 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



1) Vgl. Z. 12 f. 

2) Vgl. auch 256,4; GR 238,8. 

3) B: ,. deine Lobpreisung 1 '. 

4) Vgl- S. 173. 

5) Siehe S. 227 und GR 140. 

6) Oder: die Eier. 

7) Vielleicht fcOTHSl zu lesen. 

8) Vgl. S. 12, Anm. 



Abathurs Klage. 



Abathurs Klage. 

In den folgenden drei Stücken kommt die Klage des Abathur zum 
Ausdruck, daß er zum Wagemann verurteilt sei. Siehe zu diesen Vor- 
stellungen die Einleitung, auch S. 14,23 fr. Einen Reflex dieser Stücke 
zeigt SlOUFFl, p. 15. Im ersten Stücke ist die Wage personifiziert. Ins 
jüngeren Schriften erscheint sie geradezu mit Abathur identisch, und statt 
der Bezeichnung K^STini TinNSN findet sich &03NT1M TinN^N: Morg 
116, 2; Siouffi, 41, 54. 

70. — Als die Wage nicht wollte, daß die Seelen durch sie ein- 
treten, daß die Seelen durch sie durchgehen, sprach sie: „Ich bin 10 
keine Wage, ich bin ein Uthra aus dem Stamme Guter. Ich bin 
keine Wage, ich bin ein Sproß von Königen. Ich mag nicht in 
diesem schwarzen Wasser stehen, und die unreinen Seelen sollen 
nicht an mir vorbeigehen." 

Als die Wage dies sagte, flog der Mann, der Bote, an sie 15 
heran 1 und sprach zu ihr: „Dieses lebende Wasser 2 ist aus dem 
Hauraran 3 des Großen hervorgekommen. Dieses lebende Wasser 
kommt zu dir von den Ufern des Hüs- und Nsab- Jordan herunter. 4 
Dieses lebende Wasser kommt zu dir von unterhalb des Jösmir- 
Gufnä herunter. Dieses lebende Wasser kommt zu dir von der 20 
■_»:»s Skinä des großen Jösamin || herunter. Diese Uthras, die dir bei- 
sitzen 5 , diese Jordane sollen dir Gesellschaft leisten. Diese Früchte, 
Trauben und Bäume sollen dir Gesellschaft leisten. Zu dir sollen 
diese Seelen kommen und sich in dich einwickeln. Diese 366, die 
die Wage bilden 7 , sollen dir Gesellschaft leisten." 25 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



1) Vgl. 65, 1; GR 354,23; 363, G GL 133, 14. 

2) Die Wage sprach vom schwarzen Wasser! 

3) -N-N-\N- steht hier so, als ob es ein Appellativ wäre. Als 
Orl hnung («rPD&n -,n~ n ~" n ~> strllt ( ' s au< '' GR 304, 11. Sonst 
ist -,n-wS--n- allein -der mit "jN-^sn Name eines Wesens, vgl. ZDMG 
I.XI (1907), p.693f., dann GL 135,18; Qol 29,23,31. 

\) Siehe S. 9, 4. 

5) Eventuell ^«nNlb nach l> ohne 1, dann „diese Uthras sollen dir 

it/.en". 

6) In diesem und im folgenden Satze ist vor ybüH das ähnliche 
•--.\- fallen. Am Ende von Z. 5 ist auch 'pNn statt --b^n zu lesen. 

71 Las steht da, ist aber kaum in Ordnung. Zur Zahl 366 siehe S. 24 6 . 



Abathurs Klage. 233 



71. — Als sie sich aufmachten und zu Abathur kamen, ver- 
barg sich Abathur in sein Ei und sprach zu ihnen: „Warum habt 
ihr unter allen Uthras mich zum Wagemann gemacht, mich von 
meiner Skinä herausgeholt, so daß meine Welt verwüstet und ent- 
5 weiht und mir entzogen ist? Mein Lager der Kustä soll mir für 
alle Zeiten nicht wiedergegeben werden!" 

Als Abathur dies sagte, machte sich Hibil-Ziwä auf, ging zu 
seinem Vater 1 und sprach zu ihm: „Da hat sich Abathur l 1 in sein 259 
Ei verborgen, murrt aus seinem Ei heraus und spricht zu mir: ,Ich 
10 mag nicht hingehn, mag nicht die Wage halten und der Wagemann 
genannt werden.' " 

Als Hibil-Ziwä dies sagte, wurde der König voll Zornes und 
stieß einen Ruf in die Welt aus. Zweimal erhob er seine Stimme, 
doch die Skinäs bewahren den Fußblock. 2 Erst beim dritten Male 
15 antwortete ihm Säm der Kleine 3 und sprach zu ihm: „Ich will zur 
Sufath 4 hinuntersteigen, der Wagemann sein und das Haupt des 
Zeitalters genannt werden." Da sprach er zu ihm: „Du einfäl- 
tiger Narr, du närrischer Mann! Du wirst kein Wagemann, und 
zuverlässig und geeignet kannst du nicht genannt werden. Rufet 
20 Abathur 5 , der ein sanfter Uthra ist." 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist das Licht, sowie die seinen Namen lieben. 



72. — Im Namen des großen Lebens und im Namen der 
teuren Kustä. 

|| Als er 6 zu Abathur ging, erhob sich Abathur von seinem 2<j0 
Throne, den der König ihm anvertraut hatte. Er nimmt sich vor 
dem hohen 7 Mann 8 in acht, vor dem hohen 7 Glänze aller Welten 



1) D. h. dem Leben. 

2) Paßt schlecht. Man erwartet ..Schweigen" (spre) . >d. ähnl. 

3) Siehe S. 18 7 . 

4) Zur Unterwelt, vgl. S. 24 2 . 

5) Man erwartet, daß ein anderer als Abathur aufgefordert wird, 
doch soll vielleicht ein Versuch gemacht werden, ihn umzustimmen, siehe 
das folgende Kapitel. 

6) Der Manä, siehe weiterhin. 

7) In N-'"' hat sich eine ältere knappe Schreibung für X'sVr erhalten. 

8) Hier und in Z. 5 wird der Bote, der weiterhin n:N53 genannt 
wird, als Job«» bezeichnet. Der Mänä könnte zwar auch König genannt 



2 t\ Abathurs Klage. 



nimmt er sich in acht. Abathur kam heran, und Uthras kamen zu 
seiner Rechten und Linken mit, näherten sich dem Mänä und setzten 
sich zu ihm. Da begann Abathur und sprach zum reinen Mänä. 
„Warum habt ihr unter diesen zahlreichen Uthras gerade zu mir 
gesandt?" Darauf erwiderte der Mänä dem Abathur: „Unter allen 5 
Skinäs und Uthras gibt es keinen wie du bist, keinen in diesen 
Lichtwelten, der so sanft wie du wäre. Du bist sanft, und du bist 
ein geeigneter Uthra, du bist großmütig und bist den Seelen eine 
Stütze. Du empfindest Mitgefühl mit den Seelen, und du bist ein 
[passender] Richter." 10 

Darauf sprach Abathur zum Mänä: „Sage Hibil-Ziwä, daß er 
Richter werde, und ich will der Wagemann sein." Da wandte 

litt Hibil-Ziwä-Jawar dem Abathur ein: „Wenn ich der Richter sein 
soll, wer soll die Skinäs instand halten? Wenn ich der Richter sein 
soll, wer soll König in diesen Welten sein?" Darauf erwiderte ihm 15 
Abathur: „Ich will König sein, und ich will die Skinäs instand 
halten." Als Abathur dies sagte, ballte Hibil-Jawar die Faust und 
kam [und wurde] der Wagemann. Fünfundfünfzig Jahre war er 
Wagemann und ließ Uthras und Skinäs emporsteigen. (Als Hibil- 
Ziwä dies sagte) Dann nahm ihn das große Leben in Güte auf, 20 
gegen Abathur jedoch wurde es voll Zornes. Es kam, warf ihn 
von seinem Throne herab und setzte ihn an das Tor der Sufath. 
„Geh", sagte es zu ihm, „sei du Richter, solange das Große es 
von dir wünscht." Darauf sprach Hibil-Ziwä zu Sonntag 1 : „Komm, 
setze du dich unter die Zöllner, ich will der Wagemann sein, und 25 
wir wollen die Skinäs rufen." 2 

262 Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, || und siegreich 

ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



sein, doch scheint es, daß &oVnü hier nur für N3 NM verschrieben ist unter 
Einfluß drs ersten tob«» in Z. 2. 

i) Vgl. S. 683; 199, 7 f. 

2) Wahrscheinlich 'ppNrpil „und wir wollen sie instand halten", 
vgl. /.. 2, 5. Freilich stehen dann noch immer die letzten Sätze im Wider- 
spruch mit den vorherg< henden. 




Der weiße Aar. 235 



Der weiße Aar. 

Hibil-Ziwä wird hier als weißer Aar bezeichnet wie GR 332, 16 
A.nos-Uthra, siehe auch S. 131. Kr klagt darüber, daß er in die Welt 
der Finsternis habe hinabsteigen müssen. Der Wortlaut der Klage berührt 
S sich eng mit dem in den Jösamin- Stücken. 

73. _ i m Namen des großen Lebens und im Namen der 

teuren Kustä. 

Ein weißer Aar bin ich, den die Eltern 1 vergessen haben. 
Vergessen haben mich meine Eltern; wehe, wehe dem Uthra, den 

10 seine Eltern hassen. So, ja so ergeht es 2 einem jeden Uthra, der 
auf das Gerede 3 seiner Eltern hört. Wer auf das Gerede seiner 
Eltern hört, den werfen sie tief hinunter an die Pforten der Fin- 
sternis. Ich, Hibil-Ziwä, habe auf das Gerede meiner Eltern gehört, 
daher bin ich hinuntergefallen, ohne daß es für mich ein Aufstehn 

15 gibt. Ich habe gesucht, ohne zu finden; ich bin gelaufen, ohne zu 
erreichen. 4 Ich habe mir ein Gebrechen eingebracht und so meinen 
reichen Glanz in der Finsternis weilen lassen. Ich habe mir die 
Verachtung der Uthras zugezogen, und die Uthras wollen sich mir 
nicht nähern. Ich hocke auf dem Lager der Finsternis, und in 

20 Gewändern der Finsternis liege ich da. || So, ja so ergeht es einem 203 
jeden Uthra, der sich in die Finsternis hinabbegibt. So [ging] meine 
Krone [hin?], die Zahriel auf mein Haupt, [die] auf mein Haupt 
[Zahriel] gelegt hat. 5 Dahin ist Rede und Erhörung, die meine 
Eltern mir verliehen haben. Ich. Hibil-Ziwä, setzte mich von der 

25 Finsternis her an die Mauern und erhob meinen wundersamen Ruf: 
,,Ich sagte mir, ich würde ein Großer sein, wer hat mich zum 
Kleinen in der Tibil gemacht? Ich sagte mir, ich würde sanft sein 
und den Niedrigen und Demütigen 6 stützen; ich sagte mir: höre 
auf das Gerede der Großen, doch wie wundersam ist die Kopf- 

30 binde 7 , die sie mir verliehen haben. Ich sagte mir, ich würde be- 



1 ) Es ist mir nicht sicher, daß »nNJlKSN auch in diesem Stücke 
im Sinne „Vater'' nur mit Bezug auf &rVi stehe. 

2) Gehört zu NTi, also eigentlich ..tragen". 
5) Vgl. S. 41 5. Dort steht RiMÖMl Wem 

4) Vgl. S. 148 4. 

5) Zahriel wird ihm als Frau in der Untenveit zugeführt, vgl. S. 1 1 2 . 

6) Lies N-rim. 

7) Vgl. S. 2 2 8 . 



2 »6 Anös-I Fthras Bitte. 



scheiden 1 und unterwürfig sein und den Weg der Vollkommenen 
| wandeln], den groß und klein zieht; ich sagte mir, ich würde 
König sein; wer hat mich an den Ort der Finsternis gebracht? Es 
tut mir weh um meine Eltern: den Ur gegen sie loslassen zu müssen. 
264 Es tut mir weh um meine Brüder und Schwestern: |] Finsternis gegen 5 
sie loslassen zu müssen. Es tut mir weh um die Pflanzung, die 
ich gepflanzt habe: sie an den Toren der Finsternis lassen zu müssen. 
So, ja so ergeht es einem jeden Manne, der sanft sein möchte. 
Einem Uthra, der sanft genannt wird, haben sie noch nie Weib und 
Eier gewährt. 2 Nicht haben sie ihm Weib noch Eier gewährt, ihm 10 
nicht verliehen, eine Pflanzung zu pflanzen. Nicht haben sie als 
Uthra dasitzen lassen, wer sanft genannt wird. Wundersam ist die 
Kopfbinde, die sie mir verliehen haben." 3 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 15 



Anös-Uthras Bitte. 

74. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 
Licht. 

Anos- Uthra sprach und pries den Mann, seinen Erzeuger. Er 
sprach: „Wie weh ist mir um meine Jünger, die in die Finsternis 20 
geworfen sind. Wie weh ist mir um die Kinder meiner Jünger, die 
in große Unreinheit geworfen sind. Wie weh ist mir um die Kinder 
265 meiner Jünger, auf die Rühä Unreinheit gestreut hat und sie 
niederwirft!" 

Anos- Uthra sprach und wandte sich an das Leben, seinen 25 
Vater: „Wenn es dir, Leben, meinem Vater, beliebt, so mag das 
Maß meiner Jünger voll werden, und meine Jünger mögen dann 
zum Orte des Lichtes emporsteigen." Doch das Leben, sein Vater, 
erwiderte und sprach zu Anos -Uthra: „Wie sollen die Jünger 4 
emporsteigen, wo wir wünschen, daß der Kannä der Seelen reich- 30 



1 I Lies NDN72. 

2) Hier steht DWnb"^ im Sinne von ..Kind", vgl. auch S. 208?. 

3) hh ziehe jetzt anVaNny ACD vor. 
\) Entweder N-iTM^Kn oder prpöM. 



Ano§-Uthras Ritte. 



237 



lieh werde?" Darauf setzte Anos-Uthra auseinander und sprach 
zum Leben, seinem Vater: „Wie soll der Kannä der Seelen reich- 
lich werden, wo sie in Trübsal geworfen sind? Wie weh ist mir 
um die Kinder meiner Jünger 1 , die Jawars wegen verfolgt werden. 
5 Wie weh ist mir um die Kinder meiner Jünger, die des Lebens 
wegen hingemordet werden. Wie weh ist mir um die Kinder meiner 
Jünger, die des Lebens wegen verfolgt werden." Anös-Uthra setzte 
auseinander || und sprach zum Leben, seinem Vater: „Wenn es dir, 266 
Leben, meinem Vater, beliebt, so wollen wir, sofern das Maß des 

10 Hauses voll ist, so voll ist des Hauses Maß, dem hinfälligen Hause 
ein Ende machen." Darauf erwiderte dem Anos-Uthra das Leben, 
sein Vater, und sprach: „Wie sollen wir dem hinfälligen Hause 2 ein 
Ende machen, wo des Hauses Maß noch nicht voll ist? Das Maß 
des Hauses ist noch nicht voll; wie sollen da die Jünger zum Lichte 

15 emporsteigen?" 3 Anos-Uthra erwiderte dann und sprach zum Leben, 
seinem Vater: „Wie sollen die Jünger und Mandäer zum Lichte 
emporsteigen, wo sie von der Speise der zwölf Pforten essen und 
von ihrem Getränke trinken; wo Rühä gewaltige Unreinheit gegen 
sie geworfen hat: Buhlerei und Unzucht und Hurerei, so daß kein 

20 einziger von ihnen zum Lichte emporsteigen kann?" Darauf er- 
widerte das große Leben und sprach zu Anos-Uthra: „Beruhige, 
beruhige dich, Anos-llUthra, und die Ruhe der Guten finde sich 267 
bei dir ein. 4 Da ihr Name aus dem Hause des Lebens stammt, 
soll er [vom Hause des Lebens] nicht abgeschnitten werden." — 

25 Darauf erwiderte Anos-Uthra und sprach zum Leben, seinem Vater: 
„Wenn es dir, Leben, meinem Vater, beliebt, wollen wir die Tibil 
vernichten, da sonst der ganze Kannä der Seelen in den Schlund 5 



1) 264, 13, auch in der folgenden Zeile, ist , WPn*lKn(^) N'23 als 
Fortsetzung von " l N~*":~iNn am Platze. Hier und weiterhin erwartet man 
nur "■NTÖlNn , denn gemeint ist ja die Gesamtheit der Anhänger. Daß 
"Wmötm "N:3 zu lesen sei, glaube ich nicht. 

2) Lies nVen: an\xn b*. 

3) Verwandtes in der jüdischen Literatur siehe bei Bousset, Reli- 
gion des Judentums 2 , p. 284 f. 

4) Vgl. 72, 13. 

5) N725~na, auch GR 188,3 (*TSN"iN=ä NnüTia), ist die Gurgel wie 
rn.^S, i^i-Nsk- Es stent P ara llel NttlD 269,1fr.; GR 187, 17 fr. Dem 

7 7 

syrischen j^j-a-« entspricht KnsSKJDfiW, immer als Plural in singularischer 
Bedeutung, im Asfar Malwäsi und Cod. Par. 24, einmal Nnx— x^xa Oxf. 
Rolle G, 740. 



238 Anos-Uthras Bitte. 



des Ur hinabsinkt." Doch das große Leben erwiderte und sprach 
zu Anös-Uthra: „Beruhige, beruhige dich, Anös-Uthra, und die 
Ruhe der Guten finde sich bei dir ein. Wir nehmen ja Anteil an 
den schweren Trübungen. 1 Wir haben Nasoräer und Mandäer, die 
in die Gefangenschaft der Rühä geraten sind. Sie sind in die Ge- 5 
fangenschaft der Rühä geraten, und Ur, der Herr der Finsternis, 
verschlingt sie. Doch weil sie Gebet und Lobpreisung verrichtet 
und erhoben haben ******* zum hinfälligen Hause ******* soll 
[ihr *****] aus dem Hause des Lebens nicht abgeschnitten und ihr 
Name aus dem Hause des Lebens nicht weggetilgt werden. Weil tö 
sie zum Jordan hinabgestiegen sind, die Taufe empfangen und das 
Zeichen des Lebens angenommen haben, sollen sie nicht verdammt 

268 werden. || Weil sie die Gebete der Nacht verrichtet haben, sollen 
sie bei ihrem Vater (dem Leben) einen Platz finden. Wegen des 
Almosens, das sie gegeben, und der Lehre, die sie gelernt haben, 15 
sollen sie emporsteigen und den reinen Äther schauen. Die Ver- 
folgung des Hauses soll an ihnen vorübergehen, sie sollen sie ver- 
gessen, und Rede und Erhörung wird man ihnen gewähren 2 am Orte 
des Lichtes." 

Darauf richtete Anös-Uthra ein Gebet an das Leben und 20 
sprach: „Wenn es dir, Leben, meinem Vater, gefällt, so empfinde 
Erbarmen mit dem Kannä der Seelen. Denn in Trübsal sind sie 
geworfen. Zorn und Verfolgung des Truges 3 müssen sie ertragen, 
in die Geheimkünste der Planeten sind sie verwickelt, und doch ist 
der Name des Mandä (IHaije und der Name des Jawar in ihrem Herzen 25 
und in ihrem Munde geblieben." 

Darauf erwiderte das große Leben und sprach zu Anös-Uthra: 
„Beruhige, beruhige dich, Anös-Uthra, und die Ruhe der Guten 
finde sich bei dir ein. Wenn die Tibil aufhört, geht Hibil-Ziwä, 
begleitet von rüstigen und gewappneten Uthras, zu Ur, dem Herrn 30 

J<'/.> der Finsternis, und spricht zu ihm: |[ „Ur! Öffne deinen Mund, denn 
ich nehme Anteil an den Trübungen." Worauf Ur dem Hibil-Ziwä 
erwidert: „O du großer Uthra, woher nimmst du Anteil an den Trü- 
bungen?" Darauf spricht er zu ihm: „Wir haben Nasoräer und 

1) Sonst wahrt man das Leben dagegen, dal) es Anteil an ST Till 
habe, vgl. S. 98, 4 f. Doch liier wird gesagt, daß das Leben an diesen 
trüben Zuständen wohl Anteil nehme. 

2) Wohl -pb-n-N' zu lesen. 

3) Der trügerischen Religion. 



Anos-Utbras Bitte. 239 



Mandäer, die in die Gefangenschaft der Rühä geraten sind und 
doch den Namen des Lebens nennen. Wir haben Jünger, die in 
die Gefangenschaft der Rühä geraten sind und doch den Namen 
des Mandä dHaije 1 nennen. Wir haben Jünger, die in die Gefangen- 
5 schaft der Rühä geraten sind und doch meinen Namen nennen." 2 
Hernach erhebt Hibil-Ziwä seine Hand, verdreht den Mund des Ur 
und packt die Seelen, die das Zeichen des Lebens angenommen, 
den Namen des Lebens und den Namen des Mandä dHaije genannt 3 
und sich zum Mandä dHaije bekannt haben. 4 Er nimmt sie aus 

10 dem Munde des Ur und wirft sie in das große Süf-Meer, bis ihre 
Sünden erledigt sind. Dann werden jene Seelen wie weißer Sesam, 

der in lebendes Wasser geworfen ist. 5 Alsdann tauft er sie 270 
mit großer Taufe, mit großer Taufe tauft er sie und unterweist sie 
mit großer Lehre. Dann führt er sie über die Wasserbäche. Die 

15 Uthras der Wasserbäche gehen den Seelen entgegen, die in Trübsal 
gewesen sind, und eine Träne zieht sich ihnen im Auge zusammen. 6 
Er spricht zu ihnen: „Ihr habt in der Tibil gewohnt, in der Woh- 
nung der Sünder." Hernach 7 nimmt er jeden einzelnen bei der 
Rechten, läßt ihn in hoher s Ehre Platz nehmen, und leuchtend 

20 und erhaben wird ihre Gestalt im hohen Orte, im Hause der Voll- 
endung. 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



1) Nt:N73i ist ausgefallen, vgl. 268, 10. 

2) Wie bei den vorhergehenden Sätzen erwartet man auch hier das 
Präsens, also ohne Kitt. Die Worte sind bei Nöld., p. 383 nicht richtig 
übersetzt. Vielleicht ist Nir; aus NI^T r:r]- verderbt. 

3) Lies "ifiOm Die Form ta l8S b iNÖ ist aus der Taufformel einge- 
drungen. 

4) "pHlN, ",X""N gehen vielleicht auf eine besondere Form der 3. pl. f. 
zurück, vgl. Nöld., p. 223 f. Doch können sie auch aus ""IS ver- 
derbt sein. 

5) ■p 73 '"' stent irrtümlich für fcOlOT 

6) Vgl. S. no 1 . 

7) ^SrNm gehört vor Ü'»35> b'J. 

8) Lies NlBSND. 




240 



Der Pfau. 



Der Pfau. 

Der Pfau mit seinem bunten Gefieder steht im Gegensatz zum 
weißen Aar (S. 235). Wer damit gemeint ist, ist nicht gesagt; nach seinen 

Reden gehört er zur Demiurgengruppe, und es ist am ehesten Jösamin, 
vgl. S. 30 \ 5 

<">. — Im Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre, 
teure Licht. 

Jenseits, am Ufer des Meeres, steht der Pfau, hält Reden und 

271 spricht: „Wer gleicht mir, || wer gleicht mir? An das ] haben 

sie mich gesetzt, sie haben mich zum Wächter des 1 gemacht, 10 

bis die Tibil vergeht. Bis vergeht die Tibil, die Söhne der Finsternis 
ein Ende nehmen und die Ader des Wassers von ihnen abgeschnitten 
wird. Mich, den Pfauen, hat das Leben, mein Vater, straucheln 

lassen und zum Wächter des * gemacht. Mein Herz geriet in 

Zwietracht, in Zwietracht geriet mein Herz, und meine Gedanken 15 
gerieten ins Wanken. Ich sagte: „Wer hat dem gewaltigen (Leben) 
das angetan, was es mir antut?" Ich, Pfau, öffnete den Mund und 
sprach zu den Großen: „Gegen wen von euch, der gefehlt und 
andere zu Falle gebracht, hat das große (Leben) Streit erhoben, 
wie es meine, des Pfauen, Torheit übelnahm und mich zum Wächter 20 
des 1 machte, bis die Tibil aufhört?" 

Als das Große so gegen mich verfahren war, strauchelte mein, 
des Pfauen, Herz von der Stütze herunter, und ich sprach: „Was 
habe ich gegen das Haus des großen Lebens gesündigt, daß mein 
Vater mich von meinem Throne herunter zu Falle brachte und von 25 

272 meinem Orte weg an das Ende- || der Welten setzte? An das Ende 
der Welten hat er mich gesetzt, bis die Tibil aufhört. Bis aufhört 
die Tibil und die Söhne der Finsternis vergehen. Die Söhne der 
Finsternis vergehen, und die Ader des Wassers wird von ihnen ab- 
geschnitten. Sie sinken in die Finsternis hinab, während die Söhne 30 
des Lichtes ihren Platz behaupten." Als das Große so gegen mich 
verfahren war, strauchelte mein Herz von seiner Stütze herunter, 
und ich sagte mir: „Warum soll ich dastehn und das Leben, meinen 
Vater, anbeten und preisen, wo es doch meine Güte in der Höhe 
nicht annimmt, mich vielmehr hat straucheln lassen, von meinem 35 



i i Vgl. S. 66 2 . 
2) Lies nN:-p=i. 



Der Pfau. 24I 



Platze heruntergebracht und zum Wächter des gemacht hat? 

*******i hat das Leben an mir gehandelt." Ich sagte mir: „Wehe 
mir, Pfau, dessen Torheit größer ist als seine Tugend, den seine 
Schönheit zugrunde gerichtet und die Worte 2 seines Mundes und 
5 sein Hochmut gehemmt haben. Wehe dir, den seine Schönheit 
zugrunde gerichtet und die Worte des Mundes erniedrigt haben." 
Ich äußerte mich und sprach zum Großen: „Warum war ich nicht 
unterwürfig wie das Wasser, das von der Mündung des Euphrat 3 
kommt? Warum war ich nicht weise, wo alle Toren mehr als ich, 

10 der erste aller Rebellen, sich so unterwürfig zeigten? Warum war 
ich nicht wahrhaftig, daß mein Mund 4 ohne Lüge war? Warum 
war ich nicht aufrichtig, wie || eine Tafel, die vor Hungrigen auf- 27:$ 
gerichtet ist? Sie essen und sättigen sich von ihr, dann erheben 
sie sich und unterwerfen sich ihrem Herrn. Hibil zeigte sich unter- 

15 würfig gegen seinen Vater, darum nannte er ihn einen geliebten 
Sohn. Doch den Pfauen, der sich nicht unterwerfen wollte, nannte 
er einen widerspenstigen Sohn. Mein Vater will [meine Güte] in 
der Höhe nicht annehmen." 5 

Als der Pfau so sprach, stieg sein Ruf vor seinen Vater in die 

20 Höhe. Als sein Vater seinen Ruf hörte, schrieb er ihm einen Brief 
der Kustä, warf ihn mir(!) in meine Skinä und sagte zu mir: „Das 
Große hat den Treubund mit dir geschlossen, nun entferne das Auf- 
brausen aus deinem Sinne." 6 Als der Pfau dies hörte, beruhigte 
er sich, und sein Herz setzte sich wieder auf seine Stütze. Er stand 

25 auf, verneigte sich und pries seinen Vater über die Maßen. 
Und das Leben ist siegreich. 



1) [Wie sonst nicht an Großen] vgl. 271,8 fr. 

2) fftj&NM steht für N^Vn!?N73, vgl. Z. 11. 

3) Lies WKISf. 

4) ifiTOia steht für ifi<»1D3. 

5) Vgl. 272,7. 

6) Vgl. S. 106 2 . 



Lidzbarski, Johannesbuch. 



16 



2 , -> Anos-Uthra in Jerusalem. 



Anos-Uthra in Jerusalem. 

Wie Kap. 54 spricht auch dieser letzte Abschnitt vom Aufenthalte 
des Erlösers in Jerusalem. Hier wird er wie im Ginzä Anos-Uthra ge- 
nannt, vgl. S. 191. Zwischen ihm und Jesus werden inhaltsarme Reden 
geführt. Die Sprache berührt sich mit der in den Mirjai- Stücken. 5 

76. — i m Namen des großen Lebens sei verherrlicht das hehre 

Licht. 

Ich komme mit Sandalen von Edelsteinen, und an meinen 
Händen sind ausgewählte (Steine) 1 und Perlen. An meine Linke 
legten sie einen Schläger und ein großes Beil, das Lösungen vor 10 
1*7+ mir löst. 2 Ich verwüste und baue wieder auf, ich zerstöre || und 
gründe wieder 3 meinen Palast. 4 Die Bilder, die auf die Wände 
gemalt waren, habe ich immer von links nach rechts 5 weggewischt. 
Kränze [legte man] 6 mir um das Haupt. 



1) Das ist wohl der Sinn von N-Tria; es sind Solitaires, vgl. nm73 

2) Hier steht wohl ..lösen" im Sinne von „auseinanderreißen, nieder- 
reißen«, wie bei jjX im Syrischen, vgl. auch 163,2. In Beschwörungen 
findet sich häufig die Wendung »nfiOTtt 1 W1 KJhM (Morg 195» 75 
258,7, if.; 259,9,3: Oxf. Rolle G, 26 f., 72, 23g f., 294 f., 323 t)» N ^' x: 
srs—- Ol tminft (Morg 194,3; 195, 13 f.) gleichfalls neben &£>3N. 

3) Vgl. auch 36, 6. 

4) Der Gebrauch von «bDTl hier ist auffällig. Man denkt dabei 
zunächst an den Tempel, dieser wird aber in den mandäischen Schriften 
nicht so, sondern ««H«pH rrn, «"»ttlMpn rra genannt. Auch würde 
Aiims vom jerusalemischen Tempel nicht „mein Tempel" sagen. Nun 
berührt sieh der Satz inhaltlich mit Matth. 26,61; Marc. 14,58. ich ver- 
mute daher, daß an den Verfasser eine Kunde vom angeblichen Aus- 
spruche fesu gelangt sei, den er Anös in den Mund legte. Das Wort 
"t_^u»~i hat er mit gehört, es wird aber von ihm im Sinne „Palast" ge- 
bracht. Eine direkte Entlehnung ist nicht wahrscheinlich. Bei einer 
unmittelbaren Kenntnis der neutestamentlichen Erzählung hätte der Ver- 
lader den charakteristischen Zug vom Wiederaufbau in drei Tagen nicht 
weggelassen. 

5) Entweder ■pMT 'pJMrb btfttO bNMCPM oder bttOO ist mit B zu 
streichen. Von links nach rechts ist die natürliche Bewegung beim Weg- 
wischen, wie auch der Zeichner die Hand von links nach rechts führt. 
Aber auch sonst ist die Wendung ■pMfirb bNttO "ja häufig: GR214, 25; 
GL 1 ;o,2; Qol42,9 (--- Morg 96,4) und sonst. Es ist die rechtsläufige 

1 kli< here Richtung. 

6) Vgl. 275,4. 



Anös-Uthra in Jerusalem. 243 



Ich wanderte durch Generationen und Welten, durch Gene- 
rationen und Welten wanderte ich, bis ich zum Tore von Jerusalem 
gelangte. Ich richtete meinen Thron auf, setzte mich darauf und 
sprach in den Mysterien meiner Weisheit, daß in Jerusalem, deren 
5 Tore verschlossen und wo Pflöcke und Riegel vorgeschoben waren 1 , 
durch meine Stimme und Verkündigung dessen Tore, die ver- 
schlossen waren, sich öffneten und die Pflöcke und Riegel sich beiseite 
schoben.- Jerusalem glänzte in meinem Glänze, alle meine Wohl- 
gerüche verbreiteten Duft. Die, deren Geruch stinkend war, erhielten 

10 Wohlgeruch durch den Duft meiner Wohlgerüche. Den Blinden 
öffnete ich ihre Augen, und die Aussätzigen heilte ich. Den Stummen 
und Tauben stellte ich im Munde die Rede her, die Verkrüp- 
pelten und Lahmen 3 || machte ich wieder auf den Füßen gehen. 4 275 
Christus erhob seine Augen, sein Blick wird trübe, er ver- 

15 ändert seine Farbe, verdreht die Zunge und spricht mit mir in allen 
Tonarten (Farben). Er sagt: „Wer bist du vom ersten Leben, daß 
man dir Kränze um das Haupt gelegt hat? Du wandertest durch 
Generationen und Welten, [durch Generationen und Welten] wan- 
dertest du, bis du zum Tore von Jerusalem kamst. Du richtetest 

20 deinen Thron auf, setztest dich darauf und sprachest in Mysterien 
der Weisheit, daß in Jerusalem, deren Tore verschlossen und wo 
Pflöcke und Riegel vorgeschoben waren, durch deine Stimme und 
Verkündigung dessen Tore, die verschlossen waren, sich öffneten und 
die Pflöcke und Riegel sich beiseite schoben? Jerusalem glänzte 

25 in deinem Glänze, alle deine Wohlgerüche verbreiteten Duft. Den 
Blinden öffnetest du die Augen, und die Aussätzigen heiltest du. 
Den Stummen und Tauben stelltest du im Munde die Rede her, 
und die Verkrüppelten und Lahmen || machtest du wieder auf den 27<> 
Füßen gehen." Christus erhob seine Augen, sah mich 5 und ver- 

30 ändert seine Farbe. Er legt mir Fragen vor 6 , die seine Zunge ver- 
drehen, und spricht mit mir in allen Tonarten (Farben). Er sagt: 



1) Vgl. S. 1279. 

2) Von !WT3>, ist aber durch 8*^5 beeinflußt. 

3) Vgl. S. 79 8 . 

4) Vgl. die Parallele GR 29, 9 f. 

5) Lies ■J8T!T1, vgl. Z. 9. 

6) K"»b"PßW3 ist Infinitiv, aber so konstruiert, als ob es ein Plural 
und flVOBK davon abhängig wäre. Doch ist es vielleicht zu STbänTÖl 
N*V"XOU oder b""N©Jü zu ergänzen, vgl. GR 295, 5. 

16* 



2*4 A.nos-Uthra in Jerusalem. 



„Wer bist du vom ersten Leben und von jenen Hochweisen? 1 
Zeige mir deine Wunderwerke in Jerusalem." Ich stampfte auf die 

Erde, daß sie erbebte, der Himmel 2 und wurden erschüttert. 

Einen Brief schrieb ich an das lebende Wasser; es verachtete meinen 
Brief nicht. An das Feuer legte ich 3 mein Zeichen; das Feuer ver- 5 
sündigte sich nicht an mir, Anos-Uthra. 

Christus erhob seine Augen, erblickte mich, und sein Blick 
wird trübe. Er verändert seine Farbe, legt mir Fragen vor, die 
seine Zunge verdrehen, und spricht mit mir in allen Tonarten. Er 
sagt: „Wenn du vom ersten Leben herkommst, so hole den Brief 10 
der Kustfi herbei und lies ihn vor." Den Anfang des Briefes lese 
ich vor. Adam und Hawwä, sein Weib, rufe ich 4 , das Haupt der 
277 ganzen Generation. 5 Sitil, || den Sohn des Adam, rufe ich, die 
trefflichste Pflanzung, die sie in Generationen und Welten gepflanzt 
haben. Räm und Rüd rufe ich, die Welt, die durch Schwert und 15 
Pest aufgegangen ist. Surbai und Sarhabel rufe ich, die Welt, die 
in Feuer und Brand aufgegangen ist. Sum bar Nu rufe ich, die 
Welt, die in Wasserfluten aufgegangen ist. Ein jeder, der auf mich, 
Anos-Uthra, hört und gläubig ist, dem ist eine Stätte im Lichtorte 6 
hergerichtet. Wer auf mich, Anos-Uthra, nicht hört, dessen Stätte 20 
wird vom Lichtort abgewandt. Sein Name wird aus meinem Blatte 
ausgelöscht, seine Gestalt wird finster und leuchtet nicht. 

Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich, und siegreich 
ist der Mann, der hierher gegangen ist. 



1) Vgl. GL 83,24; 84,3; Nöld., p. 311, 1 und Lf.vy, Chald. Wörter- 
buch II, p. 139a. 

2) Da wird x~", N53 oder Ahnliches gestanden haben. "jNTliNnöy 
gehört vielleicht zu einem ausgefallenen NDNa&O'INÜ. 

3) Lies fin-na, vgl. GR 349, 14- 

4) Das steht da. Doch erwartet man: ich lese von Adam usw. 

.5) Vgl. S. 03- 

'>) Lies -in: -iNnio; •,:: ist durch das Folgende veranlaßt. 




Berichtigungen und Nachtrag 245 



Berichtigungen und Nachträge. 

Die ersten Bogen zeigen einige Schwankungen in der Transkription. 
Lies S. 6 f. Pirun statt Pirun; S. 1 1, Anm. 2 am Ende Zuhra (bzw. Zuhara) 
statt Zuhrä; S. 48, 5 %ak(k)aüä statt xak(k)aithä. 
S. 20, Anm. 6 am Ende 1. STIKIB st. N"w. 

S. 40, 12 f. Die WVrtc SibnsbüSti» 77-Nr; n~-'i2-(-j) FrbnTiSI NfcbN 
können bedeuten „Warum willst du, was eintreten soll, so zunichte machen?" 
und ..Wie willst du die Welt, die werden soll, zunichte machen?". Daß 
die zweite Auffassung die richtige ist, zeigt GR 36,5, 24, siehe hier S. 226, 20. 
S. 45, 6. Anlautendes t wird auch von den Mandäern hart ge- 
sprochen/Vgl. Siouffi, p. 162. Nur bei ttsna „Euphrat" sprechen sie 
es weich, vielleicht unter Einfluß von Ol/. Siouffi schreibt gegen seine 
eigenen phonetischen Angaben Frack (p. 60, 1 69). 

S. 45, Anm. 1; S. 89, Anm. 1. Zu Nn^T-wNS siehe jetzt auch 
Xoldeke, ZA XXIX (1915), p. 2403. Raschi's Angaben zu Nntöp^lp 
Baba qamma Babli, f. 52 a sind nicht maßgebend, da er die französischen 
Verhältnisse im Auge hat. 

S. 59, Anm. 7. Vgl. Pogn., p. 233 fr. 

S. 61, Anm. 5. -Nrj* neben pNSffl ist Aphel von b "D: und bedeutet 
..verwerfen, von sich weisen-'. Denselben Sinn hat es auch 62, 5 (S. 65, 23) 
und GL 41, 14. In GL 112, 14 f. paßt auch diese Bedeutung nicht recht. 
S. 79, Anm. 6. Die Form K*w": L\-— :, rrrx-:) für Mose findet 
sich auch bei den Juden, vgl. Seder haddoroth (Warschau 1897) II, p. 270; 
f. Derexbourg, Essai sur l'histoire et la geographie de la Palcstinc I, p. 171. 
Danach wurde der Name wohl so von den Mandäern gehört. 

S. 93, Anm. 6. Ich habe mich erst während des Druckes für die 
Schreibung Anos statt Anus entschieden. Petermaxx hat zwar Anus, h, 
aber Siouffi schreibt Annoch mit o. Es schien mir daher richtiger, das 
ursprüngliche o beizubehalten. 

S. 127, 5 f. Lies „halten Ansprachen-' und „ihrer Ansprachen" statt 
..werfen Erörterungen auf-' und „ihrer Erörterungen-'. Zum Gebrauch 
von ttWtt N731 vgl. S. 229 f. 

S. 147,3. Ich habe erwogen, ob ^KSNITabl nicht pers. &*i), die 
Zunge an der Wage, enthalten könnte. *}!< wäre die persische Endung; 
das Waw würde zu pehl. uxvän gut passen. Aus sachlichen Momenten 
habe ich mich dagegen entschieden. Beim Wägen ist die Aufmerksam- 
keit besonders auf die Stellung der Zunge gerichtet; eine betrügerische 
Manipulation an ihr bleibt schwer unbemerkt. Auch habe ich mich dav >n 
überzeugt, und es wurde mir von einem Kenner bestätigt, daß es mcht 
möglich ist, die Zunge unauffällig mit dem Ellenbogen zu stützen. 

S. 197, Anm. 2. Auch in bN^KlDTl S. 61 5 und in rNCCX-n S. 164. 24 
ist wohl das n durch das b beeinflußt. 



-46 



Sachregister. 



Sachregister. i 



Abathur XXIX f.; 2 4; 9, 8; 13, 2; 
14, 14fr.; 24 6 ; 61, 24; 98, 12; 99, 
5, 14; 100, 10; 102, 7; 105, 1 1; 

107,25; ho, 13; 115,3; i88 > x 5; 

196, 17; 197, 6; 198 f.; 209 f.; 

2 3 2 ff. 
'Abdallah 50 4; 88,3; 1933. 
Acht XXIV; 95; der Achte 25, 8; 

41, 17. 
Adam 4, 18; 8,10; 9 2 ; 57; 83, 19; 

93, 1; 168,7; 1954; 198, 16; 212, 

12; 21 4L; 217,6; 222, 1; 225 f.; 

230S; 244. 
Adatan und Jadatan 1984. 
Adler (weißer) 131; 235. 
Adonai 126,6; 191 ff. 
Ägypten XXI. 
Äther i8ff.; 40, 20; 56, 8; 61, 1 ; 

68.3; 162,10; 203,14; 207; 2IO, 

7; 221,29; 238, 16. 
Äther-Wind 61, 1. 
Ajar 13 11; 2 1 3 f. Vgl. auch Äther. 
Almosen 5 n; 101 f.; 106, 2f.; 171 ; 

[78, 16; 204,24; 238, 15. 
Amboß 56, 22; 108,3. 
Ämina 88 2 . 
Anan 15, II. 

Anhar 1 1 1, 13; 1 12; 229, 17. 
Anol 93 6 ; 1 11 6 ; 115 6 ; 1 [6, ioj 118; 

123, 7; 146, 2; k.i, 13; 212 ff.: 

236fr.; 242 ff.; 245. 
Araber 504; 88 f.; 1 17, 20; 19 ;. 

tarten 222 [f. 
Azai (Lilith) 15 n. 
Azdahäk 71,7. 



1) Die Register beziehen sich 

und den Kommentar. 



Babel 126,3. 

Bar-Haije 96, 13; 155, 7; 177, I2 J 

213,1; vgl. auch „Leben". 
Battai 117,6. 
Bazrai 81,11, 
Bei 6n; 217,8. 
Beni-Amin 71 ff.; 192,10. 
Berg (weißer) 116, 11; zwei Berge 

43, 32; 1894; verborgene Berge 

229,21; vgl. auch Finsterberg. 
Bihram 6 unt.; io 1 ; 15,12; 23,17; 

in, 11; 212, 9. 
Bihrath 23,9; 25,6. 
Bihrün 216. 
Bild (bei einer Wöchnerin) 88; 113; 

ii5- 

Bizbat 193 f. 

Blasinstrumente im christlichen Kultus 

104 2 . 
Brahim 73; 81, 8. 
Burzinqä 87,24; 129,6. 

Chaldäer 97, 8; 98, 16. 
Christen 193 2 . 

Christus 53, 7; 186, 11; 243h; vgl. 
auch Jesus. 

Diamantwelten 206. 
Drache 47, Ii; 181, 18; 182, i; 
222 ff; (astronomisch) 84, 10. 

Ei, hier 24 6 ; 208; 214,8; 228,7; 

231, 16; 233; 236, 10. 
Eimer 212, 2; 213, 1. 

auf die Einleitung, die Übersetzung 



Sachregister. 



247 



Ekur 53, 12; 175,2. 

Elemente 56. 

Elisabeth 7 off. 

Elizar 7 6 ff. 

Elxai XX m; 6 n; 1894. 

Engelnamen XXVI; n 2 ; 1193. 

EniSbai XX, 15; 71,31; 75ff- 

Erde (Dicke der) 8; Erden (360) 24, 

15; Erde des Äthers i8ff.; 34. 
Ethinsib 15 ff; 229 f. 
Euläus 152. 
Euphrat 129, 20; 132 ff; 241,8; 

vgl. auch Fräs. 
Eva 9 2 ; vgl. auch Hawwä. 
Ewath 183, 16. 
Ezairab 81, 15. 

Felsendom 72. 

Fenchel 154, 3°; 158, 14- 

Feuer und Wasser 5 6 f. 

Finsterberg 90 6 ; 98; 100,6; 174,30; 

180,15; IQ9, 28. 
Fische in Babylonien 142 f.; 
Fischerei 1 3 8 ff. 
Fräs (Euphrat) 45,6; 2 1 1 f . 
Freitag 1 I 1 2 . 

Gaf 226 ff. 

Gebete io 2 ; 1 1 1 +. 

Gewänder 7, n; 9, 15; 83, 18 ff; 

955 l8 5; 203; 2153. 
Glocke (bei einer Wöchnerin) 88; 

113; "5- 
Gubran 15,8; 2 1 ff. 

Haijasum 212, 15. 

Hallah 136,8. 

Hamar-Kannä 4, 19. 

Hananai 81, 18, 22. 

Handan III, 10. 

Hannai 81, 18, 22. 

Hauraran 232, 17. 

Hawwä 4, 18; 9, 1; 93,5; 198, 16; 

214,6; 244,12; (die kleine) 217, 

10; vgl. auch Eva. 
Heiliger Geist 53, 16; 108 2 ; 200, 16. 



Henna 89, 7 f.; 100 3. 

Hibil 11 2 ; 14, 4, 15; 16, 1; 16 n; 

58, 25; 118 1 ; 146, 1; 165, 26; 

184fr.; 195fr.; 212, 13; 213fr.; 

233 ff; 238t.; 241, 14. 
Himmel 8; 56 8 . 
Hirt (guter) 42 ff 
Hof (um Sonne und Mond) 84, 

10. 
Hürdengeist 52 6 ; 53,11fr. 
Hüter 9,9; 43,31; 93 6 ; 177; 182, 

22; 184,4; 185,8; 187,27; 1894; 

21 1, 24; 212, 12; 240 f. 
Hüs 232, 18. 

Ich -Prädikation 43 f. 

Islam VI; 50*; 72; 88; 1 14 2 ; 1 17 6 ; 

I93f- 
Ismael XXVI m; 88 2 . 

Jadatan vgl. Adatan. 

Jahjä 70 fr. 

Jahuda 81, 14. 

Jaqif 71m; 87,17fr.; 192,10. 

Jasmus 6 2 . 

Jawar 23, 16; 9Ö 2 ; 189*; 204, 30; 
208; 2iif.; 234; 237,4; 238,25. 

Jerusalem 75fr.; 191fr.; 243. 

Jesus 103fr.; 122S; vgl. auch Christus. 

Jeziden 93 4 . 

Jö in den Namen mandäischer Ge- 
nien XXII ff. 

Jöfin-Jöfafin XXVII. 

Jöhänä 70 ff. 

JökabarXXVf.; 15, 9; 23, 19; 44, 1 1; 
206, 18; 220, 7. 

Jökasar XXV f.; 4,5; 5 n; 14, 1; 

23 6 ; 32,9; 212, 14. 

Jörabbä XXII f.; 182 ff. 

Jordan XIX und sonst sehr oft. 

Jösamin XXIII f.; 9,6; 13 fr.; 208; 

212 7" 2l6 f.' 2~k2 21. 

Jösmir'xXVIf.; 5 n; 6, 2; 9, 3 f.; 

216, 7; 232, 19. 
Jözataq XXV f. 
Juden 70 ff; 193; 198, 19. 






Sachregister. 



Känath 2 2<>tl 

Kanna der Seelen 56; 23 6 f. 
Karkha dBeth Slokh 1523. 
Karmel 94, 18 ff. 
Kewan 217, 8. 
Kimsath 7 1 . 

Kind (dessen Bildung) 10. 
Kismet 1 17, 20. 

König dieser Welt 54 f.; König des 
Äthers IM ff.; Könige (zwei) 27, 7; 

55» "• 
Kohanim 88 '. 

Kranz (von Siegen) 2; 173, 15; 200, 

10. 
Kreuz 45, 8; 108, 2; 1854. 
Ksas 1523; 181; 198,25. 
Kupfererde 85. 
Kuppel der Priester 72; 81, 16; 96, 

4 ff. 
KustaXVIIf.; 3 f.; 133 2 und sonst 

. 4t. 

Lamm (weißes) 215,7. 

Leben (erstes) 28,3; 31,8; 62, 14; 

83; 243, 16; 244; (zweites) XXIII; 

31,8; 62, 15; Sohn des Lebens 

9 6 2 ; 181,27. 
Leviathan 99, 17; 201, 8. 
Libat 183, 13; 217, 7. 
Li< htkönig 21 ff.; 3 4 IT.; 90,2; 119,21. 
Lichträder 2 15, 9. 
Lilith s, 5; ii, 2; 13 n; 1523; 16O'; 

2 2 2 ff. 
Liljukh 70 ff. 

Mahramir 81, 13. 

Mambügä (Mambühä) 4, 19; 81, 2; 

82, 10; 108, 8; 1 16, 12. 
Mänä 7; 26 2 ; 34S; 42 \; 43,33; 175, 

16; 217 f.; 229 f.; 233 f. 
Mandä XVII. 

Mandä rtHaije XVII; 15,7; 29,6fr.; 
139; 68,5; 69, 13; 94 f.; 125, 

12 ff; 120, 9; 134 ; [67, 23; 

160t : [95 ob.; [98; 200, 1; 203!.; 

208 ff; 218; 227fr.; 2381". 



Manichäisches 2 n; 9 2 ' 6 ; 17 1 ; 503; 

567.8 ; 623; 71 ob.; 90 6 ; 93 6 ; 

102 1 ; 126 1 ; 1967; 201,18; 222. 
Maru astargän 214,13. 
Meisterdieb 1 2 I 5. 
Merkabha 763. 
Mirjai 71,31; 85,13; 87 ff; 123 ff; 

192, n. 
Moiul (aussätzig) 183 9 ; vgl. auch Sin. 
Moscheen 79 8 ; 88,4. 
Moses (Misa) 79,9; 80,9; 81,7; 

104,5; 192,21. 
Msunne-Kustä XVIII; 45 2 ; in 6 ; 

194,3- 
Muhammed 465; 74; 88,2; 1933. 

Mutter statt des Vaters genannt 3 6 . 

Myrte 45,8; 168, 16 f.; 214,12. 

Myrtenkranz 83 \ 

Mysterien 24 6 ; 64,17; 1 6 7 f . ; 201,3; 

202,3; 207,20; 208, 12; 243. 

Namrus 623; 115 6 ; 166,15. 

Narzisse 230, 1 1. 

Nasoräer 11 3; 114,7; 125,3; 173,16; 

199,22; 204,8; 238,4,34. 
Nbat 15 10 ; 19fr.; 41, 1; 43,3^; 189*. 
Xbu 192, 18. 
Nibtä 15, I3 V 
Nidbai vgl. Silmai. 
Nikodemus 1 23 n. 
Ximrus vgl. Namrus. 
Xing 6n; 50-1; 53, 1; 217,9. 
Nitufta 231. 

Noah und seine Söhne 58. 
Norea 58, 23. 
Nsab 17,5; 26, 13; 28, 15; 34 ff; 

39f.; in, 13; 203; 205 ff; 224,9; 

229 f.; 232, 18. 

Öl 53; ()] und Honig 157,9. 
Ogdoas XXIV; 95. 
Orpheus 20 6 . 

Par(a)hiel 2 1 f. 
Parwan 116, 1 1. 
Paulus 108. 



Sachregister. 



249 



Pechhöfe 223 ff. 

Perle 168, 12; 228, 18; 231; 242,9. 

Pfau 240 f. 

Pflug 177. 

Pforten (zwölf) 237, 17. 

Pihni32 7;8i,2;S2,io; 108,7; 215, 7. 

Piriawis 1 2 I . 

Pirsath 228, 16. 

Pirün 6 f. ; 9, 6. 

Ptah XXVII f. 

PtahUXXVIIf.; 4,2; 8,7; 9,0; n 2 ; 

14,20; 15, 10, 12; 523; 93 6 ; 183; 

184,27; 209 f.; 212,8; 215I 

Quecksilber 2 5 6 . 
Qmamir 214, 13. 

Rabin 81, 14. 

Räuchergefäß 8 1 . 

Rahmel io 1 . 

Rämio I ;83,2o;93,8; 19545244, 15. 

Rama 81,21. 

Ramis 81, 13. 

Rath (n. pr.) 81, 10. 

Razai 81, 15. 

Regenbugen 273. 

R'himath - Haije 1 1 1 , ~i 2 . 

Bne-Risa 81, 23. 

Risai 81, 1 o f. 

Rom 1 3 n. 

Rose 87, 10; 168, 17 f. 

Rosenkranz 83 L . 

Rüd 93,8; 1954; 244, 15. 

RühäXXIX; 15,6; 50,3; 62 3; 63 *; 

108, 1; 165 fr.; 183, 16; 184, 11; 

186, 11; 187, 1; 192 ff.; 199, 19; 

202, 22; 220, 17; 221,7; 227, 19 ff; 

236fr 

Sadrel 2 1 7. 

Säulen 115 6 ; 133,12; 216,6. 

Salbai 76, 7. 

Salz 6n; 38,5; 167, 12; 168,5. 

Säm io 1 ; 18,8; 93 6 ; 111,13; 202; 

208 (der Große); 233, 15 (der 

Kleine). 



Säm -Haije 206. 

Samandirel 10, 1. 

Samis 183, 1 1 ; 192, 20; 197, 7; 2 17; 

227, 19. 
Sampsäer XXIII. 

Samuel 81,21,23; vgl. auch SumeL 
Sar 6,3; 9,5. 

Sarhabel 93,9; IQ5 4 ; 244, 16. 
Sarhabel - Bihram - Wage 229, 14. 
Sarrath 6 2 ; 41,1; 111,11,13; 231. 
Satan 61, 13, 19; 170,23; 175,1,3; 

i?9,9- 
Sauriel 1 1 9 f. 
Schatz des Lebens 201 ff. 
Schiffswesen 138 ff. 
Schlaf 168,7. 
Schöpfung 54 fr.; 211 ff. 
Schweigen 34 4 ; 222, 10. 
Sdum io 1 . 

Seele 5 n; 119fr und sonst oft. 
Sem vgl. Sum bar Nu. 
Semantron 72,22. 
Seol 61,6; 113; 191,3. 
Sesam 5, 2; 6 n; 9, 3; 45,8; 239, 11; 

Sesamöl 53. 
Seth 58,22. 
S'haq 230 f. 
Sieben 49,9; 62, 13; 63,22; 64, 1 1 ; 

82,23; 83,13; 95; 154» 17; 161, 
6; 192,18; 192 1 ; 209, 20; 219fr. 

Sihlün 2 1 3 f. 

Silai 76,7; 81, 7. 

Silbai 81,8. 

Silmai und Nidbai XX; 68, 6; 69,15; 

83,8; 161, 17; 212, 10. 
Simath-Haije 133,3; 20iff; 228, 19. 
Sin 84 2 ; 183, 12; 187; 197, 10; 217. 
Sinai 192,22. 
Sindirjawis 1 2 *. 
Singilan 9, 16; 229, 19. 
Sinjawis 12,6; 14, 5f; 228,10. 
Situ 93,6; in 6 ; 146, 1; 212 fT.; 

244, 13. 
Sofar 104,6. 
Sonntag 5 n; 68; 69,16; 83,7; 96, 

23; 101,23; 102,13; 111,6; 



250 



Sachregister. 



H9.8; 155.7; *7h "J 19 6 , ! 95 
199,7; 201, 1; 211,9; 234,24. 

Sossos 180, 2. 

Spiegel 230,2,5; 231, 16. 

Srael (Israel) 81,9. 

Srar 6 2 . 

Stater 79, 6. 

Stiftshütte XX. 

Süf- Meer XXI; 60,9; 90, 15; 105, 5; 

203 f.; 239, 10. 
Sufath 24,6; 25,8; 26,18; 33,6; 

35> 12 > 37,14; 233,16; 234,22. 
Sum bar Nu 58fr.; 83,22; 93,10; 
v 244, 17. 
Sumel Q4, 21. 
Surbai 83,21; 93,9; 1954; 244,16. 

Tarwan 43,31; 116,3; 185,9; l8 9 4 - 

Taube 108, 1; 215, 1 1. 

Thora 79, 4; 81,19; 8 M; *34, 20; 

136,6; 192 f. 
Thot 81 5. 
Tiberias 141. 
Todesengel 1 1 9 f. 
Träger 222, 16. 
Träume 70 ff. 
Tus 81, 20. 

Ulai [52. 

Ur XXVIIIff.; 12,6; 14,7; 68 1 ; 

178, 12; 191,4; 236,4; 238! 
Uthras (drei) 209, 12. 



Wage XXIX f.; 14,23; 15,5; 24 6 ; 
54,3; 894; 181,5; 197,6; 198, 
24; 199,2; 209,15; 226,5; 229; 

232 ff. 
Wasserdurchbruch 7,4; 9, 8. 
Wasservögel 143 f.; 160. 
Weihrauch 7, 14; 8 1 ; 10, 1. 
Wein 44; 5 1 . 
Weinstock 6 1 ; 43,28; 129!.; 180,4; 

204,34. 
Weltepochen 934. 
Wochenbett (Abwehrmittel) 88; 113; 

ii5- 

Zacharias 70 ff. 
ez-Zahäwi 140. 
Zahlen 8 5; 2 4 6 . 
Zahriel 6 2 ; 11, 2; 235. 
Zakkai 81, 12. 
Zakunai 81, 12. 
Zal 71, 29. 

Zatan 115,25; 133, 12. 
Zeitalter 93; 195; 244. 
Zigeuner 1 64 f. 
Zihrun 2 1 6 f. 

Zöllner XXII, 36; 174,17; T 75> l 9~> 
181,2; 196,21; 198,20; 199,8; 

234,25- 
Zuh(a)ra 1 1 2 . 
Zwölf 49,9; 62, 13; 64, 12; 83, 13; 

186, 12; 209, 20. 



ddga 2j 2 . 

drjoavQÖg 'Cofjg 201. 

'Icodvvrjg 75. 

KdßeiQOL XXV, 32. 

y.i ',10x6g I 14 4 . 

Kovoza, y.ovoTi)]?. XVIII, 10 f. 

IqcoÖ 62 3. 
öydoog, öydodg XXI V. 

nilnyij 153'. 

ogog und mavqög 102 3. 



TiahyyevEola 123 n. 

Zelaudvyg y.al Mädßayoq XX. 

orj^iavTQov 80 '. 

Ziyi) 344. 

Zvdvy. XXV, 33. 

oonijoia XVII . 

Tdavrog 8 1 s. 

0aQiaaTog XXII. 

Xovocoq XXV, 33. 

'Qfjiocpoqog 1 96 7; 222^. 



Wortregister. 



25] 



Wortregister. 



Mandäisch. 
N und 3>, H und n stehen beisammen. 



N^NDN I26 6 ; 1279. 


NpVT tr—iin 503. 


b^ttN^N 73,6. 


ntn^n 227, 14. 


n't.-s 177 6 . 


«n\sa „Welt" 75. 


Kia« ioi4. 


NrPpfittTNa 1583. 


x-nx 1783. 


»rva (Ei) 2087. 


ovyin 20 6 . 


rn 194 n. 


nsna* 183 io . 


K-nVa 63 x . 


NaTN I I4 2 . 


yn« sraa 7 1 , !5- 


tTKlfitaTK 114 2 . 


^N3~N2 193 3 . 


N2N\ NS5» I30 7. 


finita 99 *. 


xrrx 1667. 


ü^n^n 73, 1. 


-JON 6l 5; 245. 


xprmn 30 2 ; 50 T 


fcrnba i 2 . 


pNU5Nn 1324. 


iop'rr 1329. 


ipiaa 64 2 . 


«■rana*, x-a:r .52 f . 




8X5315 1283. 


fiTNINa 1565. 


N"»3NT5N 223 2 . 


ina 467. 


K3N3N i,s 7 ; 17 3 ; 2 4>8; 


T*"«a 1484. 


227, 10. 


öia 385. 


NöT N" , D:i< 68+. 


608013 164 f. 


pss, pa» x 55 2 - 


n:ai na 89 2 . 


NnXw\^:N 65 8 . 


laa 76 2 . 


\s=-r-:r XX 2 . 


8ba 166 6 . 


Nu? 2 2 2 8 . 


8b>8ba 47*; 99 r . 


--;• 424; 4 6 8 ; 133 8 . 


^723 I20 5. 


N"»1öpN 1783. 


5735 I20 5. 


«nr? 345. 


1725 II 6 4. 


ktkik 1557. 


N-D15 IO4 2 . 


"I1Z3N 227 2 . 


tora i95 2 - 


smttj»,«miö 157 4 ; 1633. 


sia'nasa 19 2 . 


Np"»12)5> 102 2 . 


c;a 385. 


NiNnN, WNna» 153 2 . 


sns-a 1503. 




NiDia 6 1 . 


-an 21 3. 


bpsm 145 x . 



8p-rn 7 4 . 



risa 54 ; 



biaisa 46 6 . 
fcwa-na 2375. 
Nö*T»a, 8ö"na 149 6 . 
na 895. 

{oan 1563. 

83a"H 45 r . 
18181 26 6 ; 36 6 . 
ST87201 108 8 . 
811 19 2 . 
818B811 1854. 

1011 59 "; 8U5811 V. 

binn 87 2 . 
8a8iöa8ii 683. 
aN73i aNn 6 unt. 
piif 38 1 . 
mn, N3N\sn i3. 

8" , D18!l 1625. 

sarii 1094. 
8irh 1094. 
TT!-! 181 6 . 
N-V-n 85 8 . 
winb^Si 2087. 

N27"- 209 x . 

8ttlb8!i 1279. 
Na8an8n 643. 

1N73N- 4 4. 

N'arr: 2195. 
arö-aNtt, Nms*:Nn 635. 
n-: N-p-sxr; XVI 1 . 
8na8iü8rt I7 1 - 

8"OW8i1 1793. 

81181 83 J . 



252 



Wortregister. 



n-::kt, sraiT, s-m 33 2 . 
NpvT 503; ioi-*. 
«rpV»b Bit 1033. 

«TT 2J 2 . 

srwXT 29 s. 

&OT, N\SDNT, ND1DNT I 3 . 
KITWSSH 48^; 162, 15. 
NENT 69'. 
SWiKT 158 5. 
S--T I3O 2 . 

aia — NrvDKB44 2 ; 45 4 ; 

b fima 493. 
■pör nsc: 71, 10. 
NnD^ttiü 129 1 . 
Nna^a, Raya 35 4 . 
&na 13 1 1 ; 158 2 . 

qTS fi«\ cpa er XXI. 
^pN' 71,15- 

yiz 134 1 . 

ÜDD 2 1 83. 

fcOTD 49 n; 102 3. 

Tis — lilD^] 1355. 

NID 40 2 . 

n:n-2 193 2 . 

N-JON3 151 x . 

NV2 I44'; l6l 3. 

Nn^Nrxr V*»ba 2 n. 
Rbiba 1073. 
■paa, NJWa 66 2 . 
n:jo 4 4 . 

nV«T3N3 2 2 h ; 36s. 
r:: • r:-j <a 2 . 
b^B3N3 2l63. 
■p*lB80 15011. 

ba*na 149 1 . 

DD*13 12 I 2 . 

w'r-r 89 1 ; Nniöia^N: 

45 1 ; 89 1 ; 245. 
Nttüia XVII. 

S~w" 2I2 1 . 

Kbma 150 4 . 

©a?2 1 im >. 
BNasrnM 1933. 



c:n::n:-in7: 1933. 

STSIttNia 98 3. 

tniarra 48 8 . 

KW» (Moses) 79 6 ; 245. 

smsNö 1525. 
fir-iMbnfK) 137 6 . 
Kna&ma, »man«» 5 1 . 
n-i:n73, n^jt! «ISN» 

XVII. 
N-1T72 102 3. 

Na*>1N73 I I 7 5. 
"W^M XX m 

b^baiööra 84, 14, 20. 
aosiniBNM 624. 



032 385. 
8*156*3 1564. 

T6HJ«n vir. 
Nrrwntti, Nn'^N'ma ,58,24. 
ab^N ktü XVI 1 . 

Nnöia***: 2 2-j. 

"iBi „warten" 25 10 . 
1D3 61,5; 245; «f«15l3 
I l . 

od: 413. 

ysi 136 6 . 

22:2, NniTN: 60 °; sn^:: 

KD" iNitN: I24 2 . 
N"^2 65 2 . 

jnnao 194 n. 

NSNirtND 145 '• 
tpö XXI. 

-na < *t*ö 13 1 7 - 

NTÖ 1297. 
n.-:-d X; 46 2 . 
snib^ö 148 s. 
Nns-ro io\ 

"172 D I483. 

NnR* 1ta l6ta»«a'ia 1283. 
N— pD 162 io . 
NIIND 1283. 

■>NS 2 i.| '. 

N^-iaNDi 57 *; 176 8 . 



N^-ms 1075. 
«ni-ps 327. 
NTlNa 106 2 . 
5*n*nbs 1853. 

DlbttD 108 3. 

snbsa 1455. 

3*1B 170 10 . 
NpITlD IO33. 

als 693. 

S*ap*18*D 30 2 . 

ans — lüins (pn-ie) 45 2 ; 
245; «mciB 367-, 
N^ia^D XXII; 15 2 . 

DN'HD 45 2 . 

so *-;&«: 161 8 . 

K72l-P5£ 27 2 . 

txpmat 84 2 ; 91 6 . 
b^TiNS 1193. 

NSb^ 136 x . 
TOS 159 8 . 
6n*PS 154 6 . 

qast i59 3 - 
rar-psis 166 4 . 

J*1S 764; 1 io 1 . 

wns 6 2 . 

TIS HO 1 . 

soint*s 146 11 . 
Nmarap 1 14 4 - 

N5t*baNp72 2177. 

aobaip 99 2 . 

S073nS*pS<b "j72 3I 6 . 

NÜlp I 5 1 8 . 

s*sip 151 8 ; 1663. 

NTTNp I35 5 . 
ft*V«bp 50 2 . 
T72S*72p 214 6 . 

a-pvp 80 2 . 

Ncp 1454; 158». 

so-rp i663. 

SOSnp 2I 2 . 

DKT'p 2237. 
fitTD*Tlp 165 1 . 

op-ip 89 ». 

tBiiai, »rnasi 33'?. 
NDrr-i 44 *. 



Wortregister. 



2 53 



N^xn-Nn 37 6 . 
N-wVIN- 423. 
wS^wX-(N)-l III 2 . 

«irn, srrrn, iorNirn 8 1 . 
tjn 1505. 

NTwS-l 167; 211 
•pl 41 5. 

Nnajo^Nö 763. 

8731 „anlegen" 19 1 . 

vrann 151 2 . 

odi 694. 

E]S1 15öS. 

n;-o, N"Nn\or 1 1 3. 

-aa 132 2 . 
RrW'-pT« 197 io . 
■pbir»» 213. 

m ~m 128 2 . 



iTm 225 x . 
wS-rN'-riN-o 81 8 . 
BWISIKW 8i 8 . 
rrra — ttt-pir», «rama 

20 6 . 
»mm 1 5 7 4 - 
NEafi^to 115 1 ; 209 2 . 

«383010 X; 113. 
wVrrr-.r 5 2 . 

8t5D®NM XX. 

NPN^rtNbNO 181 4. 
bbia — aibtra 465. 

c-:"0 19 3. 
iKÖKtö 783. 

-n:w\o i"; 4 1 ; N':-'J72 
XVIII; üosi&tiott 177 1 . 

ansno 154 5 . 

N*V"2-0 Ol 1 . 



wSs-tw^-J 79 8 . 

8118 — srw'Y'tt 242 2 ; 

»SS^T» 99 6 . 
bvasttiKo 229 . 
«Witt XVII 3. 
b^JONb«''« 2IÖ3. 



snan 215 1 . 
«•^an 1305. 
x-:-Nn sru XVI 1 . 
«bn 135 7 - 
kinmjwi 1495. 
non 172'. 
K3pin 2 7 2 . 
k \-n 1477. 
■jniind 1163. 
KTnifitn 19 2 . 



wäC_SC?C| 20 6 . 

\1? IJ 4 2 - 
i^cj 140 2 . 
V^Jlr- 3o 2 . 

P-tS-^ 1 64 f. 

Vsa^ 1503. 

1»°% l632 ' 

gia. 108 ■». 

U-v 15« 4 . 
i^=oi 643. 

j^^Di (paj) 143 10 . 
lV.il 181 6 . 

Ja\~ 1279. 

t- 1 *» 75>4- 
^J-*a^ 75- 



Syrisch und Aramäisch. 

JCU^.3 I08 6 . 
j^Q-S]? j\* V ^. 2 n. 
U^ 4 4 - 



jlri nsn 152 s. 

fiuJJCLLö I08 7. 
^JiQj 62 3. 
^J I36 6 . 
] ^~> ■-•■■ IQ 3. 

w^-La) 1303. 
V»t^-i.( 102 10 . 

"CH- I55 7 . 

Xsnjo^a, \j)jLo^a 103 

U-h 3 - Ua-h 5 xxn - 
jio & 159 8 . 



(^ 154 6 . 

i Vj 155 "• 

Vl^CU3 IOo 6 . 

fto-O 152 n. 

KT'Bp 14Q 8 . 

in-si-o 165 "". 

|2lA.OJ3 XVII f. 

KS£3ln 37 6 . 
Va-s? 1363. 

Viio, 524. 

NbäSIO I o n. 
_u 193. 

jJZ I47 7 . 



53 3 - 



ekur 

Usumgallu 1 o n. 

üan(n)u 1 53 2 . 



Assyrisch. 

bar sign fparSigu) 30 : 

#m?j 145 1 . 

gissu, gast su 158*. 



dimmu 163 ". 

zibäriitu 8q3. 
caÄJü 1 3. 



254 



Wortregister. 



kalü 1323. 
kannu 4*. 
mahnt 48 8 . 
sähirii 19411. 



r^ ] y. ] 73- 

o^)' *43 3 - 
c) 1 JI 4 2 - 
Je* 1 —' 73- 
*i; b . 146". 

Vf. 143, 1. 

Ol 

k. 143,9; )*" ^ M4,2. 
i**i 142, 17; 143,4- 

C^>* 144, I- 

,31/ XXIX, 32. 

>J 144,2. 
ö^ 144,2. 

4JJ^«-»J! ^ja- 108 '. 

^, ^W M2, 17. 

^.Jfr I42 6 . 

*~* f. ] 143,5- 

jV 142, 18. 

^j+a- 142, 18. 

t»^- J43, 9- 
>)*-, *»*; 144 s - 

^1 k c iuj 143, 2 . 
^HJ yjl 144, 2. 
L* J 4.5 r - 

o^3) 143,4- 
A3;, XäJ; 142, [9. 

^) 151 2 - 

u> ; r44, 2. 
^•^3 M3,6. 
B)U) 245 unt. 

*«*i)3 r! 1 ' 4 -', 18. 
»^»3 153 n- 



paltu 145 5 . 

suhl jiH I47 z . 

saräru 76*. 



Arabisch und Persisch 

eV 143, i- 
**3> ;y°') !43 10 - 
^y y: 1 142, 18. 

jX+~A\ ybj 1 5 1 2 . 

^553 143, I- 
?>-\~ 194 n. 

{sSyjyy 6 2 . 

Ml 

ltf£« 46 2 - 

C UU 5 cr J«, I4 2, [8. 

o> u ? L " 74 1 - 
^1~ &~L- 1 48 5 . 
<5-X« 148 5 . 

p-- 193. 

^JuL I44, 2. 

5^yJ! ; ä^yJI 1 45 n. 

*-*ir r*.' M 2 » i7- 

^UJI ? j| 142, 18. 

k^ 142, 17. 

r 5 ^- 143, 2 - 

3Ü. 142, 18; 143 2 . 

^^ 143,4. 

^lÄ, iÜU- 143, 4. 

^^ (y.i) [43,8. 

jb^i, 8] 8 . 

>r H3,9- 

ja** 155 x - 

cjr;^ vi, 2. 
&^ VI'. 
)r^' H3,6. 

(v$)l>> 6 2 . 

C^a 143,8. 
j 3 -? 1 5 5 ' . 

^UJI ^Cb 143,9. 



qahütn 1 1 4 *. 

■wte 5 2 4. 

sammu, Samämu 193. 



B,»}** 142, 18. 

V^ I44,i- 

3^ i44, I- 

cT*^-/ 143,4. 
jHy\ 144,1. 

oyV i44, 1. 

3 U , yu 143-9- 

«r-J 3 ^' *44, r - 
J^lai XXVI II. 

&JV3 1455. 
«,& 142, 18. 

6&> I50 3. 

>tf 144, 1. 

JM» i5o 4 - 

l5> 142, 17- 
cJ5r^ 15011- 

)^5, ^äa£= 1 50 n. 

8 ^° J^ "3- '• 
^ 143,9- 
^j^ IÖ2 3. 

c yD^jbU , 8/fc>^U 1 5 1 2 . 

•^y* 143, 2. 
8J^-jJ| C*i^ 143, 1. 
^U! ^uou 144, 2. 
J^ 144. '• 

55* !44 5 - 
>>» 83 x - 

35 M3,9; 55«" 35 144,2. 
Ö'V J*' '44. 1. 
l*^- 73- 

^»-j* 75,9- 



Berichtigungen zum Text. 



255 



Berichtigungen zum Text. 



P. 6 streiche n. 8. 

„ 7, 5 1. A st. A C über 's in NnfiW-DttJN. 

„ 74 1. AD st. ACD. 

„ g streiche n. 6. 

„ io9 1. BCD st. BD. 

„ n" 1. B st. AB. 

„ 13, 4 1. A st. AC über T^ in -p^ins. 

„ 15 20 1. C Naism&a. 

„ 18 2 ergänze C firül?. 

„ i89 1. A st. AC. 

„ 2 8, 6 1. C F st F über ^ in finSfittttJN. 

„ 30 12 1. BC st. B. 

„ 30 J 7. C hat Ti«-n. 

„ 3 1 l8 1. C wiWilöb. 

„ $5*7. B hat ■'Sta&Wib-'ab. 

„ 363 1. AD st. ABD. 

„ 504 1. BD st. D. 

„ 50 M 1. B DNbs^T nNDa. 

„ 5 1 2 3 1. b {O7o--n. 

„ 55, 2. C hat "jÄiasil -O. 

„ 57 1 7 1. B. n^PKiM. 

„ 57 l8 1. ABD st. ABC. 

„ 592 1. BCD st. CD. 

„ 60, 13 1. S3SN3 st. fraojo Vgl. 

S.2 7 \ 

„ 60 8 62 2 1. BD st. D. 

„ 65, 14 1. BD st. D über hl in 

„ 653 1. A st. AD. 

„ 65 Iö . D hat N^-O-JNttatb. 

„ 69 IQ 1. AC st. ACD. 

» 77^3 ] - ^ax«: st. -waos». 

„ TJ 2 1. AC st. ABC. 

„ 79, 1 2. Die WorteNDxn bis N"n^N" 
fehlen in B. 

„ 80 '5 1. ab Nittjjma. 
„ 82 5 1. BD st. D. 



84 streiche n. 6. 

87 2 88 21 1. BD st. D. 

91 ' 1. B "(Nbpia^pa. 

91s setze + hinter 5. 
92 9 streiche B Sd:n3. 
92 2 4 streiche >D. 
9231 1 ABD st AD 

93° 94 8 1. AC st. ABC. 
96" 1. BE st. BDE. 

97 20 . B hat N-mmi. 

983 1. AD st. ABD. 
99 2 streiche B -Nsarr:. 

IOO,8 1. -,73 N\-kX N-N3N-1. 
106,4 sehr. N^Nri+i. 



1. 



1. 



1. 



1073 
1079 
1094 
1095 
in 1 

I I I 4 
I I 2 '. 
I I 6, 4 f. 



1. 



B st. AB. 
BD st. ABD. 
BEF st. EF. 
AC st. ABC. 
„B vorher" st. ABD. 
N3 st. -5x2. 

A hat auch ■pTlfiOiNb^. 
In B fehlen die Worte 



^ri-p iy bis ewpNn. 
116 '7 1. C st. BC. 
117 12 1. ACD st. AB CD; streiche 
n. 24. 
118,12. Nur A hat ^--370X733; 

1. S-in2iU2Z. 
II 85 1. AD N731Ü72. 

118 11 1. BD st. D. 
122 2 1. CD st. C. 
126 20 1. fi-pnsn. 
127 streiche n. 13. 
129 18 1. A st. AB. 
130 '4. In B fehlt nur —>-?; hinter 
-iNpN steht *y ^p-ifin« N"»tt3be«n 

srpfima. 



2*6 



Berichtigungen zum Text. 



132 10 . In B ist eine Korrektur; 
es kann Nll"£ sein. 
1337. A hat N-ansn. 
134 J >. A hat Tp-^NnNOi. 
135,1 1. A st. AB über ("tf in 

naiVs. 

138, 11. B hat fcTÜBNSta. 

140,8 1. fiosnso st. N-CwSr. 

140 11 1. srim. 

143 streiche n. 14. 

148, 11 1. fiTpÖKÖNb 6Pp:i«löfitb 

148". B hat Krura"«»»». 

1494 1. AD st. A. 

150,4 1. NTNS St. NVN3. 

154, 2. B hat -,jö^ -jso-ab N?aisy. 
156 '9 1. B Nnrsob. 
158 11 1. B ü-nna. 
160 12 1. B jr:-rwN- rr. 
163+. B hat to-nipma. 

l68'7 streiche B 073. 



170^ 1. ACD st. ABC. 
171,9. B hat KYlBin st. NTÖ&O. 
173 21 1. AD st. A. 
175 20 1. ACD st. ABCD. 
I 76' 8 . N"HNai3> ist in B zu fi-iNn-r 
ki »rrigiert. 

179,12 1. N^ma ■ptNln a^ab. 

181 '. In A ist das 1 nachge- 
tragen. 

190, 1 1. i = :b*nN'i st. ffrvrN'i. 
201 T 5 1. AC st. BD. 

2135. d hat ariosN'-nb. 

2143 1. AD st. D. 

225^. An erster Stelle haben 

ACD, an zweiter AD FrVTrö. 

2275 1. 187 st. 147. 

248*5 ergänze D VN-sncn. 

255 T 3 ergänze B. 

2Ö9 2 1. ABDF st. F. 

270 10 1. AC st. ACD. 

280, 12 f. 1. "-riT st. -p-n-T. 



Buchdruckerei des Waisenhauses in Halle a. d. S. 






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